Was ist Informationsarchitektur? So bauen Sie eine nutzerzentrierte Seitenstruktur

Die Informationsarchitektur entscheidet, ob Besucher auf Ihrer Website finden, was sie suchen, oder ratlos wieder gehen. In diesem Beitrag geht es deshalb nicht um das Zeichnen eines Menüs. Stattdessen zeige ich die Methoden hinter einer nutzerzentrierten Seitenstruktur: Inhaltsinventar, Card Sorting, Tree Testing, Inhaltsmodell und Taxonomie. Diese Reihenfolge nutze ich seit 2012 in Kundenprojekten.
Was ist Informationsarchitektur bei einer Website?
Informationsarchitektur ist die Disziplin, Inhalte einer Website so zu ordnen, zu benennen und zu verknüpfen, dass sie dem Denken der Nutzer entsprechen. Das Ziel der Informationsarchitektur ist also einfach: Besucher sollen die richtige Information schnell und ohne Zögern finden. Menüs, Kategorien, URLs und interne Links sind nur die sichtbaren Ergebnisse dieser Entscheidungen.
Viele Teams verwechseln Informationsarchitektur allerdings mit Menügestaltung. Das Menü ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Darunter liegen das Inhaltsinventar, die Inhaltstypen, das Vokabular der Beschriftungen und die Beziehungen zwischen den Seiten. Wer diese Ebenen überspringt, erlebt meist beim ersten Wachstumsschub, wie das Menü zerfällt.
In der Praxis beantwortet die Informationsarchitektur drei Fragen:
- Welche Inhalte gibt es, und zu welchen Typen gehören sie?
- Mit welchen Wörtern und Gruppen denken Nutzer über diese Inhalte nach?
- Wie gelangen Menschen von einer Seite zur nächsten, und in wie vielen Schritten?
Sobald diese Antworten feststehen, beschleunigen sich Design und Content Produktion. Niemand diskutiert mehr, wohin eine neue Seite gehört. Die Entscheidung liegt schon vor, und das ganze Team arbeitet mit derselben Karte.
Ist Informationsarchitektur dasselbe wie Sitemap oder Kategoriestruktur?
Nein. Zunächst ist eine Sitemap nur eines der Ergebnisdokumente. Eine Kategoriestruktur ist nur eine Ebene. Die Informationsarchitektur umfasst dagegen alle Entscheidungen dahinter. Das Vokabular und das Inhaltsmodell tauchen zum Beispiel in keiner Sitemap auf, prägen aber die gesamte Struktur.
Bei Websites mit Tausenden Produkten werden Kategorietiefe, Filter und Crawl Budget zu einem eigenen Spezialthema. Darüber habe ich in meinem Beitrag zur Kategoriestruktur für große Websites geschrieben. Hier konzentriere ich mich deshalb auf die Phase davor: Wie Sie die richtige Struktur überhaupt erst finden, indem Sie echte Nutzer befragen.
Kurz gesagt beantwortet der Kategoriebeitrag die Frage, wie Sie eine Struktur skalieren. Dieser Beitrag klärt zunächst, wie Sie die passende Struktur finden. Ich empfehle, beide in dieser Reihenfolge zu lesen.
Warum sollte die Seitenstruktur den Nutzern folgen und nicht dem Organigramm?
Den häufigsten Fehler sehe ich in Menüs, die das Organigramm des Unternehmens kopieren. Der Vertrieb möchte ein Menü, die Technik ein anderes. Folglich müssen Besucher erst Ihre interne Struktur lernen, bevor sie etwas finden. Nutzer denken jedoch an ihr Problem, nicht an Ihre Abteilungen.
Nehmen Sie etwa einen Maschinenbauer mit drei Menüs: Produkte, Lösungen und Anwendungen. Der Besucher fragt aber nur eines: Welche Maschine passt zu meiner Branche? Drei Menüs erzeugen somit dreifaches Zögern.
Außerdem unterscheiden sich Firmensprache und Suchsprache fast immer. Sie sagen „Enterprise Lösungen“, der Kunde sucht nach „Großbestellung“. Daher wählen Sie Beschriftungen auf Basis von Nutzerdaten und nicht im Besprechungsraum.
Sollten Sie mit einem Inhaltsinventar beginnen?
Ja. Jedes meiner Projekte startet mit einem Inhaltsinventar. Das ist eine Liste aller Seiten mit URL, Titel, Inhaltstyp, Verantwortlichem und Aktualität. Gibt es noch keine Website, listen Sie stattdessen die geplanten Inhalte auf. Ohne diese Liste bleibt jede Gruppierung ein Ratespiel.
Zunächst führe ich mein Inventar in einer Tabelle. Jede Zeile erhält zudem eine Spalte für die Entscheidung: behalten, zusammenführen, neu schreiben oder entfernen. So wandern tote Seiten nicht in die neue Struktur. Zwei Seiten zum selben Thema erkennen Sie dabei ebenfalls früh.
Diese Quellen nutze ich dafür:
- Die URL Liste aus einem Crawler und die XML Sitemap.
- Seiten mit Impressionen in der Google Search Console.
- Seiten mit Traffic in der Webanalyse, die im Menü fehlen.
- Dokumente, die der Vertrieb immer wieder an Interessenten schickt.
Das Inventar macht außerdem den Aufwand sichtbar. Sie wissen von Anfang an, wie viele Seiten Sie neu schreiben und wie viele Sie zusammenlegen. Deshalb bleiben Zeitplan und Budget realistisch. Wie ich die Seitendaten abrufe, zeigt meine Search Console Anleitung.
Was ist ein Inhaltsmodell und welche Rolle spielt es?
Ein Inhaltsmodell ist ein Schema, das die Inhaltstypen Ihrer Website und die Felder jedes Typs festlegt. Zum Beispiel hat ein Typ „Leistung“ Titel, Kurzfassung, Prozessschritte, FAQ und eine passende Fallstudie. Ein Typ „Blogbeitrag“ besitzt dagegen andere Felder.
Dann denken Sie mit dem Modell in Typen statt in einzelnen Seiten. Wenn Sie also eine neue Leistung ergänzen, steht die Vorlage bereits. Zudem definieren Sie Beziehungen zwischen den Typen. Jede Leistungsseite verlinkt etwa auf drei passende Beiträge, und jeder Beitrag verweist auf genau eine Hauptleistung.
Diese Beziehungen bilden die Grundlage Ihrer internen Verlinkung. Diese Seite habe ich in meinem Beitrag zur internen Verlinkung behandelt. Anders gesagt: Das Inhaltsmodell ist das unsichtbare Skelett, das Menü nur die Haut darüber.
Ohne Inhaltsmodell behandeln Teams jede Seite als eigenen Designauftrag. Zwei Seiten desselben Typs enthalten dann unterschiedliche Abschnitte. Besucher müssen folglich jedes Mal ein neues Layout lernen. Ein Modell verhindert diese Inkonsistenz von Anfang an.
Welche Felder gehören in ein Inhaltsmodell?
Für jeden Typ lege ich vier Feldgruppen fest. Zuerst kommen Identitätsfelder: Titel, Slug und Kurzfassung. Danach folgen Inhaltsfelder: Haupttext, Schritte und Tabellen. Dann kommen Beziehungsfelder: übergeordnete Kategorie und verwandte Inhalte. Schließlich gibt es Verwaltungsfelder: Verantwortlicher und Datum der letzten Prüfung.
| Inhaltstyp | Pflichtfelder | Beziehungen |
|---|---|---|
| Leistung | Titel, Kurzfassung, Prozess, FAQ | Passende Beiträge, Fallstudie |
| Produkt | Name, technische Daten, Bild, Preisangabe | Kategorie, Zubehör, Dokumente |
| Blogbeitrag | Titel, Text, Autor, Datum | Hauptleistung, Themenschlagwort |
| Fallstudie | Problem, Vorgehen, Ergebnis | Leistung, Branche |
Diese Tabelle füllen Sie dann gemeinsam mit Designer und Entwickler aus. Dadurch passen die Komponenten in Figma genau zu den Feldern im CMS. Meinen Ablauf dafür beschreibe ich im Beitrag Webdesign mit Figma.
Was ist eine Taxonomie, und wie unterscheiden sich Kategorien und Schlagwörter?
Eine Taxonomie ist das kontrollierte Vokabular, mit dem Sie Inhalte klassifizieren. Kategorien sind hierarchisch: Jeder Inhalt gehört meist zu genau einer übergeordneten Gruppe. Schlagwörter sind dagegen flach, ein Inhalt kann also mehrere davon tragen. Eine gute Taxonomie nutzt beide bewusst und legt die Aufgabe jeder Ebene schriftlich fest.
Auf der Website einer Kanzlei ist etwa „Rechtsgebiet“ hierarchisch: Arbeitsrecht, Handelsrecht. „Mandantentyp“ ist hingegen eine flache Dimension: Privatperson, Mittelstand, Konzern. Somit erscheint derselbe Beitrag entlang zweier Achsen.
Ohne diese Unterscheidung geraten Schlagwörter außer Kontrolle. Autoren vergeben bei jedem Beitrag neue Tags, und es entstehen Hunderte dünne Archivseiten. Deshalb braucht jede Taxonomie eine Begriffsliste und genau eine verantwortliche Person. Nur sie gibt neue Begriffe frei.
Außerdem erwarte ich, dass jedes Schlagwort mehrere Inhalte bündelt, bevor es online geht. Ein Tag mit nur einem Beitrag ist für Nutzer ein leerer Flur. Bis genug Inhalte vorliegen, bleibt der Begriff daher auf einer Entwurfsliste.
Wie wählen Sie die Begriffe der Taxonomie aus?
Für die Informationsarchitektur kombiniere ich drei Quellen. Zunächst die Suchdaten: Mit welchen Wörtern suchen Menschen nach diesem Konzept? Zweitens die Ergebnisse aus dem Card Sorting: Wie benennen Teilnehmer ihre Gruppen? Schließlich die Sprache, die Vertrieb und Support täglich von Kunden hören.
Bei den Suchdaten hilft ein Keyword Mapping enorm. Welcher Begriff zu welcher Seite gehört, klären Sie mit der Methode aus meiner Keyword Mapping Anleitung. Das Suchvolumen sollte allerdings nicht allein entscheiden. Verständlichkeit hat Vorrang.
Für jedes Konzept speichere ich eine bevorzugte Bezeichnung und die Synonyme. Die bevorzugte Bezeichnung lautet etwa „Angebot anfordern“, die Synonyme „Preis anfragen“ und „Kostenvoranschlag“. So leitet auch die interne Suche Synonyme auf die richtige Seite.
Bei mehrsprachigen Websites braucht dieser Schritt besondere Sorgfalt. Jede Sprache hat eigene Suchgewohnheiten, und eine wörtliche Übersetzung liefert oft die falsche Beschriftung. Mehr dazu lesen Sie in meinem Beitrag zu SEO für mehrsprachige Websites.
Was ist Card Sorting und wie führen Sie es durch?
Card Sorting ist eine Forschungsmethode, bei der Nutzer Inhaltsthemen auf Karten erhalten und diese nach ihrer eigenen Logik gruppieren. Das Ziel ist, das mentale Modell der Nutzer sichtbar zu machen. Papierkarten funktionieren gut, Onlinetools ebenfalls.
Der Card Sorting Leitfaden der Nielsen Norman Group beschreibt drei Varianten. Beim offenen Card Sorting bilden und benennen die Teilnehmer die Gruppen selbst. Beim geschlossenen Card Sorting stehen die Gruppen vorab fest. Die hybride Variante gibt einige Gruppen vor und erlaubt zusätzlich eigene.
Meine Schritte sehen so aus:
- Ich wähle 30 bis 60 repräsentative Inhalte aus dem Inventar.
- Jede Karte formuliere ich schlicht und ohne Fachjargon.
- Die Teilnehmer stammen aus der echten Zielgruppe.
- Am Ende frage ich jede Person, warum sie ihre Gruppen so gebildet hat.
Halten Sie die Sitzungen außerdem kurz. Mit wachsender Kartenzahl ermüden Teilnehmer und legen die letzten Karten nachlässig ab. Bei einem großen Inventar teilen Sie es deshalb auf zwei Sitzungen auf.
Wie viele Teilnehmer braucht ein Card Sorting?
Die Nielsen Norman Group empfiehlt für ein qualitatives Card Sorting mindestens 15 Teilnehmer. Für quantitative Studien, deren Ergebnisse Sie verallgemeinern möchten, nennt sie 30 bis 50 Personen. Zeigt sich kein klares Muster, rät sie dazu, weitere Teilnehmer zu gewinnen.
Für die meisten Unternehmenswebsites reicht eine qualitative Studie. Ich starte also mit etwa 15 Personen und lege den Schwerpunkt auf die Frage nach dem Warum. Die Zahlen zeigen mir, welche Karten zusammengehören. Die Gespräche verraten hingegen, warum eine Beschriftung scheitert.
Fällt die Rekrutierung schwer, fragen Sie Bestandskunden, Händler oder Interessenten aus dem Vertrieb. Testen Sie jedoch nicht nur mit Mitarbeitern. Diese kennen die interne Sprache bereits, und das Ergebnis spiegelt dann das Denken der Firma statt das der Kunden.
Wie werten Sie die Ergebnisse eines Card Sortings aus?
Zuerst prüfe ich also die Ähnlichkeitsmatrix. Sie zeigt, wie viele Teilnehmer zwei Karten in dieselbe Gruppe gelegt haben. Karten, die oft zusammen liegen, bilden also eine natürliche Gruppe. Karten, die ständig die Gruppe wechseln, deuten hingegen auf mehrdeutige Inhalte hin.
Genau diese mehrdeutigen Karten sind ein wertvoller Befund. Meist erfüllt der Inhalt zwei Aufgaben, oder sein Titel führt in die Irre. Landet eine Karte „Support“ etwa mal bei der Kaufberatung und mal beim Kundendienst, brauchen Sie wahrscheinlich zwei getrennte Seiten.
Die Gruppennamen liste ich zusätzlich auf. Konkret sind die häufigsten Wörter der Teilnehmer starke Kandidaten für Menübeschriftungen. Trotzdem übernehme ich sie nicht sofort. Im nächsten Schritt prüft ein Tree Test diese Kandidaten.
Anschließend fasse ich alles auf einer Seite zusammen: starke Gruppen, mehrdeutige Karten und Kandidaten für Beschriftungen. Das verkürzt die Abstimmung mit den Entscheidern. Die Diskussion stützt sich dann auf Nutzerdaten statt auf persönlichen Geschmack.
Was ist Tree Testing, und wie unterscheidet es sich vom Card Sorting?
Tree Testing ist eine Bewertungsmethode, die Teilnehmern nur die textliche Hierarchie einer Website zeigt und sie bittet, bestimmte Informationen zu finden. Es gibt kein visuelles Design, kein Suchfeld und keine Werbung. Sie messen also die Struktur selbst, unabhängig von der Oberfläche.
Der Beitrag der Nielsen Norman Group zum Tree Testing benennt den Unterschied klar. Card Sorting ist eine generative Methode, um mögliche Gruppierungen zu entdecken. Tree Testing bewertet dagegen eine vorgeschlagene Navigationshierarchie. Die eine Methode stellt die Frage, die andere prüft die Antwort.
Deshalb setze ich beide nacheinander ein. Das Card Sorting liefert einen Entwurf des Baums. Danach zeigt ein Tree Test, ob dieser Entwurf tatsächlich funktioniert. Dann verbessere ich die schwachen Äste und teste erneut.
Haben Sie bereits eine Website, testen Sie vor dem Relaunch auch den alten Baum. So erhalten Sie einen Vergleichswert. Folglich können Sie belegen, dass die neue Struktur besser ist und nicht nur neuer.
Welche Aufgaben und Kennzahlen gehören in einen Tree Test?
Formulieren Sie Aufgaben aus echten Bedürfnissen. Vermeiden Sie lenkende Sätze wie „Finden Sie das Menü Leistungen“. Fragen Sie stattdessen: „Sie möchten ein Angebot für Ihre Firma. Wo klicken Sie?“ Wiederholen Sie außerdem nicht die exakten Wörter aus dem Menü.
Diese Kennzahlen verfolge ich:
- Erfolgsquote: Hat die Person den richtigen Knoten erreicht?
- Direktheit: Ging sie direkt dorthin oder wanderte sie zwischen Ästen?
- Erster Klick: War die erste Hauptkategorie richtig?
- Zeit: Wie lange dauerte die Aufgabe?
Die NN/g beschreibt die Direktheit als Hinweis darauf, wie klar oder mehrdeutig Ihre Beschriftungen sind. Eine hohe Erfolgsquote bei niedriger Direktheit bedeutet also: Nutzer finden den Inhalt am Ende, zögern aber wegen der Beschriftung. Dieser Ast braucht folglich einen besseren Namen.
Ist eine tiefe oder eine breite Hierarchie besser?
Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht, wohl aber einen Weg zur Balance. Konkret bietet eine tiefe Struktur wenige Optionen pro Ebene und erfordert mehr Klicks. Eine breite Struktur braucht weniger Klicks, zeigt aber auf jedem Bildschirm viele Optionen. Beide haben daher ihren Preis.
Die Entscheidung überlasse ich einem Tree Test. Dabei teste ich dieselben Inhalte mit zwei verschiedenen Bäumen und vergleiche Erfolgsquote und Direktheit. Etwa einen breiten Baum mit acht Hauptkategorien gegen einen tieferen mit vier. Der klarere gewinnt, und so entscheiden Daten statt Geschmack.
Meine Faustregel lautet: Auf der obersten Ebene biete ich so viele Optionen an, wie Nutzer klar unterscheiden können. Wirken Optionen zu ähnlich, reduziere ich sie. Verfehlen Nutzer hingegen schon beim ersten Klick den richtigen Ast, liegt das Problem meist an der Beschriftung und nicht an der Anzahl.
Dann gibt es noch die viel zitierte Drei Klick Regel. Ich messe allerdings nicht die Zahl der Klicks, sondern die Sicherheit bei jedem Klick. Kurz gesagt schlägt ein klarer Weg mit vier Klicks einen unsicheren Weg mit zwei.
Wie machen Sie Beschriftungen und Menünamen eindeutig?
Zunächst sollte eine Menübeschriftung auf einen Blick beantworten, was Nutzer dort finden. Deshalb meide ich kreative, aber vage Namen. Beschriftungen wie „Entdecken“ oder „Unsere Welt“ wirken interessant, sagen dem Besucher jedoch nichts.
In der Praxis wende ich diese Regeln an:
- Ich nutze das Wort des Kunden, nicht das Wort des Unternehmens.
- Beschriftungen auf derselben Ebene dürfen sich nicht überschneiden.
- Jede Beschriftung umfasst möglichst höchstens zwei Wörter.
- Für dasselbe Konzept verwende ich überall dasselbe Wort.
Konsistenz zählt dabei am meisten. Steht im Menü „Angebot anfordern“, auf dem Button „Preis anfragen“ und im Formular „Bewerbung“, vermuten Nutzer drei verschiedene Vorgänge. Mehr dazu finden Sie in meinem Beitrag über UX Fehler, die Umsatz kosten.
Wie tragen Navigationssysteme die Informationsarchitektur?
Die Navigation ist die Oberfläche, die Nutzern die Informationsarchitektur zeigt. Das Hauptmenü ist dabei nur ein Teil. Auch lokale Menüs, Breadcrumbs, Footer Links, Blöcke mit verwandten Inhalten und die interne Suche gehören zum System. Jedes Element erfüllt ein anderes Bedürfnis.
Breadcrumbs zeigen Nutzern zudem, wo sie sich in der Hierarchie befinden. Google erklärt in der Dokumentation zu strukturierten Daten für Breadcrumbs, dass es dieses Markup nutzt, um Seiteninformationen in den Suchergebnissen einzuordnen. Das Markup selbst behandle ich in meinem Beitrag zu Schema Markup.
Auf dem Smartphone wird die Navigation noch wichtiger. Der Bildschirm ist schmal, das Menü verschwindet, und mit ihm die Struktur. Daher halte ich zentrale Aufgaben auch direkt auf der Seite sichtbar. Den Ansatz erkläre ich im Beitrag zu Mobile First Design.
Wie beeinflusst die Informationsarchitektur SEO?
Die Informationsarchitektur prägt direkt, wie Suchmaschinen Ihre Website verstehen. In der Dokumentation zu crawlbaren Links schreibt Google, dass es Links nutzt, um Seiten zu finden, und a Elemente mit href Attribut folgen kann. Die Links Ihrer Architektur bilden somit die Straßenkarte des Crawlers.
Eine klare Struktur bündelt zudem thematische Autorität. Verlinken sich eine Hauptseite und ihre unterstützenden Seiten gegenseitig, erkennt Google die Beziehung leichter. In einer chaotischen Struktur konkurrieren dagegen Seiten zum selben Thema miteinander.
Trotzdem baue ich die Architektur nie nur für SEO. Eine Struktur, die Menschen verstehen, verstehen meist auch Suchmaschinen. Mehr dazu lesen Sie in meinem Beitrag UX und SEO in Einklang bringen.
Sollte die URL Struktur die Architektur widerspiegeln?
Meistens ja, allerdings nicht starr. Eine lesbare URL zeigt Nutzern und Suchmaschinen, wo eine Seite steht. Die Adresse „/leistungen/webdesign/“ verrät zum Beispiel sofort, dass die Seite zur Gruppe der Leistungen gehört. Diese Konsistenz schafft Vertrauen.
Vermeiden Sie jedoch tiefe URLs. Wenn jede Kategorieebene in der Adresse steht, benötigen Sie bei einem späteren Umbau Hunderte Weiterleitungen. Deshalb behalte ich nur stabile Ebenen in der URL. Temporäre Kampagnengruppen und oft wechselnde Schlagwörter bleiben draußen.
Halten Sie Slugs kurz, kleingeschrieben und ohne Umlaute. Dafür eignet sich mein Slug Generator. Ändern Sie später die Architektur, leiten Sie alte Adressen sauber weiter; den Ablauf beschreibe ich im Beitrag SEO beim Relaunch schützen.
Wie verbessern Daten der internen Suche die Struktur?
Zudem verrät Ihnen das Suchfeld in den Worten der Nutzer, was sie im Menü nicht gefunden haben. Ich betrachte es deshalb als Forschungsquelle. Öffnen Sie den Bericht zur internen Suche in Ihrer Webanalyse und listen Sie die häufigsten Suchanfragen auf.
In dieser Liste achte ich auf drei Muster:
- Begriffe, die im Menü stehen und trotzdem gesucht werden: ein Problem der Beschriftung.
- Begriffe ohne passenden Inhalt: eine inhaltliche Lücke.
- Dasselbe Konzept in verschiedenen Schreibweisen: neue Synonyme.
Suchen Nutzer zum Beispiel ständig nach „Versand“, während im Menü „Lieferbedingungen“ steht, sollten Sie die Beschriftung überdenken. Außerdem verfolge ich Suchanfragen ohne Ergebnis. Diese Seite ist das ehrlichste Feedback, das Ihre Architektur bekommt.
Welche Kennzahlen zeigen nach dem Launch, ob die Architektur funktioniert?
Die Messung der Informationsarchitektur endet jedoch nicht mit dem Launch. Die Kennzahlen aus dem Tree Test gelten für die Phase davor. Danach beobachten Sie echtes Verhalten und bewerten es zusammen mit Ihren Marketingzielen.
| Kennzahl | Was sie zeigt | Quelle |
|---|---|---|
| Anteil interner Suchen | Bedürfnisse, die das Menü nicht erfüllt | Webanalyse |
| Suchen ohne Ergebnis | Lücken bei Inhalten oder Synonymen | Webanalyse |
| Ausstiege auf Kategorieseiten | Gruppen, die Erwartungen verfehlen | Webanalyse |
| Seiten mit Impressionen | Crawlbarkeit und Themenabdeckung | Search Console |
| Formular und Angebotsanfragen | Beitrag zu den Geschäftszielen | Webanalyse, CRM |
Lesen Sie diese Tabelle nie isoliert. Steigen etwa die Ausstiege, prüfen Sie zuerst den Inhalt und dann die Struktur. Welche Ziele Sie verfolgen sollten, erklärt mein Beitrag Conversion Ziele festlegen.
Können KI Tools bei der Informationsarchitektur helfen?
KI Tools sparen in der Vorbereitung Zeit, ersetzen aber keine Nutzerforschung. Sie können zum Beispiel ein großes Inventar grob vorgruppieren oder Kartentexte vereinfachen. Auch beim Zusammenfassen von Notizen aus Card Sorting Sitzungen sind sie nützlich.
Gruppen, die eine KI vorschlägt, spiegeln jedoch den Durchschnitt der Trainingsdaten und nicht das Denken Ihrer Nutzer. Daher nutze ich sie, um Hypothesen zu bilden, nicht um zu entscheiden. Jeder Vorschlag durchläuft weiterhin Card Sorting und Tree Testing.
Hinzu kommen KI gestützte Suchsysteme. Eine klare Struktur und konsistente Beschriftungen helfen auch Maschinen, Ihre Inhalte richtig zu verstehen. Darüber schreibe ich im Beitrag Technisches SEO nach der KI Wende.
Welche Fehler passieren bei der Informationsarchitektur am häufigsten?
Die Fehler, die mir begegnen, ähneln sich. Zunächst zeichnen Teams ein Menü ohne jede Recherche. Zweitens pressen sie alles in die Hauptnavigation. Außerdem verwenden sie internen Jargon in den Beschriftungen.
Zudem tauchen zwei weitere Fehler oft auf. Manche Teams machen ein Card Sorting, prüfen es aber nie mit einem Tree Test. Andere bauen die Architektur einmal und passen sie beim Wachstum der Website nie an. Deshalb ist die Struktur nach zwei Jahren kaum wiederzuerkennen.
Ein weiterer Fehler: Navigationsprobleme mit Dekoration zu kaschieren. Icons und Animationen im Menü reparieren keine falschen Gruppierungen. Schlimmer noch, sie verlangsamen die Seite und erschweren die mobile Nutzung.
Wie lange dauert ein Projekt zur Informationsarchitektur?
Die Dauer hängt vor allem von der Größe der Website und der Tiefe der Forschung ab. Als Startspanne aus meiner Praxis, ausdrücklich ohne Garantie: Bei einer Unternehmenswebsite mit einigen Dutzend Seiten dauern Inventar, ein Card Sorting und eine Runde Tree Testing meist zwei bis vier Wochen.
Konkret genügt ein kleines Kernteam. Sie brauchen eine entscheidende Person, einen Verantwortlichen für Inhalte, einen Designer und einen Entwickler. Zusätzlich hole ich jemanden aus Vertrieb oder Support dazu, denn diese Menschen kennen die echten Kundenfragen am besten.
Deshalb behandle ich die Informationsarchitektur als erste Phase jeder neuen Website. In meinen Projekten für Webdesign und SEO Beratung teste ich die Struktur mit Nutzern, bevor das visuelle Design beginnt. Kurz gesagt: erst das Skelett, dann die Oberfläche.
Sie sind unsicher, ob Ihre aktuelle Struktur trägt? Dann starten Sie mit einem kleinen Tree Test. Geben Sie einigen Kunden fünf Aufgaben und beobachten Sie, wo sie hängen bleiben. Schon dieser kurze Versuch zeigt, welcher Ast zuerst Aufmerksamkeit braucht.




