UX Fehler, die Umsatz kosten: Die 10 häufigsten Fehler im Interface Design

Die meisten Websites verlieren Umsatz nicht wegen des Preises, sondern wegen kleiner Reibungspunkte. Seit 2012 prüfe ich Websites von Kunden, und das Muster wiederholt sich: Das Werbebudget steigt, der Traffic kommt, doch im Warenkorb oder im Formular springen die Besucher still ab. In diesem Artikel zeige ich die 10 UX Fehler, die mir im Interface Design am häufigsten begegnen. Zu jedem Fehler erkläre ich die Wirkung auf den Umsatz und die Lösung, gestützt auf veröffentlichte Studien.
Was sind UX Fehler und wie senken sie den Umsatz?
UX Fehler sind Schwächen in Gestaltung und Ablauf, die es Besuchern erschweren, ihr Ziel auf einer Website zu erreichen. Langsame Seiten, unklare Menüs, versteckte Kosten, lange Formulare oder schlecht lesbarer Text kosten Kraft. Deshalb verlassen Besucher die Seite ohne Kauf, Anfrage oder Anruf, und der Umsatz ist verloren.
Eine Unterscheidung ist mir wichtig. Eine unschöne Website ist nicht automatisch ein UX Problem. Das eigentliche Problem ist jedes Detail, das den Kunden an seinem Vorhaben hindert. Zum Beispiel verliert auch ein eleganter Checkout Bestellungen, wenn er die Versandkosten erst im letzten Schritt zeigt.
Außerdem treten UX Fehler selten allein auf. Meist summieren sich drei oder vier kleine Probleme. Den ersten Fehler toleriert der Besucher noch, beim zweiten zögert er. Beim dritten schließt er den Tab. Lesen Sie die folgende Liste deshalb als Gesamtsystem und nicht als zehn einzelne Tipps.
Warum übersieht das eigene Team diese Probleme? Weil Mitarbeiter den Ablauf auswendig kennen. Ein neuer Besucher sieht die Seite dagegen zum ersten Mal und stockt bei jeder Unklarheit. Daher vertraue ich echtem Nutzerverhalten mehr als der internen Aussage, dass alles funktioniert.
Welche Studien zeigen die Kosten dieser Fehler?
Bevor ich meine eigenen Beobachtungen teile, brauche ich eine solide Grundlage. Meine zwei wichtigsten Quellen sind das Baymard Institute und die Nielsen Norman Group. Baymard testet seit vielen Jahren in großem Umfang die Usability von E-Commerce Checkouts. Die NN/g gilt dagegen als Standardreferenz für Usability Prinzipien.
Die Statistikseite von Baymard zu Kaufabbrüchen nennt eine durchschnittliche Abbruchquote im Warenkorb von 70,22 Prozent, berechnet aus 50 Studien. Das heißt: Sieben von zehn Käufern mit gefülltem Warenkorb schließen die Bestellung nie ab. Zudem berichtet Baymard, dass allein ein besseres Checkout Design die Conversion Rate um bis zu 35,26 Prozent steigern kann.
Allerdings sollten Sie diese Zahlen nicht einfach auf Ihre Website übertragen. Die Daten stammen überwiegend aus dem E-Commerce in den USA und Europa. Ihr Markt, Ihre Preislage und die Zahlungsgewohnheiten Ihrer Kunden können abweichen. Trotzdem zeigt die Rangfolge der Abbruchgründe sehr gut, wo Sie zuerst hinschauen sollten.
Die zweite Säule sind die 10 Usability Heuristiken der NN/g. Prinzipien wie sichtbarer Systemstatus, Fehlervermeidung, Konsistenz und minimalistisches Design stammen aus den 1990er Jahren. Sie gelten bis heute. Fast jeder Fehler in dieser Liste verletzt mindestens eines davon.
Fehler 1: Wie schaden langsame Seiten dem Umsatz?
Der erste Fehler: Besucher müssen warten, bevor sie etwas sehen. Jemand klickt auf Ihre Anzeige, sieht einen leeren Bildschirm und drückt auf Zurück. In diesem Fall haben Sie den Klick bezahlt, doch die Chance auf einen Verkauf ist weg, bevor die Seite überhaupt lädt.
Google misst diese Erfahrung mit den Core Web Vitals. Laut der offiziellen Erklärung auf web.dev gelten diese Schwellenwerte als gut: Largest Contentful Paint innerhalb von 2,5 Sekunden, Interaction to Next Paint unter 200 Millisekunden und Cumulative Layout Shift unter 0,1. Ihre Website sollte diese Werte bei mindestens 75 Prozent der Seitenaufrufe erreichen.
Die häufigsten Ursachen in meiner Praxis sind zu große Bilder und zu viele Skripte von Drittanbietern. Konkret machen ein Chat Widget, ein Heatmap Tool und mehrere Werbepixel gleichzeitig eine mobile Seite spürbar träge.
Messen Sie also zuerst. Die Schritte beschreibe ich im Beitrag zum Google Lighthouse Test. Danach wandeln Sie Bilder in WebP oder AVIF um, entfernen ungenutzte Skripte und laden das Hauptbild mit Priorität. Den Zusammenhang zwischen Tempo und Rankings erkläre ich in wie die Ladezeit SEO beeinflusst.
Noch ein Punkt: Bei bezahltem Traffic kostet eine langsame Seite doppelt. Sie zahlen für den Klick und erhalten dann nichts dafür. Somit verbessert Arbeit an der Ladezeit auch die Rendite Ihres Werbebudgets.
Fehler 2: Warum kostet eine unklare Navigation Kunden?
Der zweite Fehler: Besucher finden nicht, was sie suchen. Stehen im Menü „Lösungen“, „Leistungen“ und „Was wir tun“ nebeneinander, weiß niemand, wohin er klicken soll. Folglich irren Nutzer zwischen den Seiten umher und geben irgendwann auf.
Eine der NN/g Heuristiken beschreibt genau das: Wiedererkennen statt Erinnern. In der Praxis heißt das, Sie formulieren Menüpunkte in der Sprache Ihrer Kunden. Interner Fachjargon mag im Team sinnvoll klingen, doch für Besucher wirkt er oft wie ein Rätsel.
Meine Empfehlungen sind einfach:
- Begrenzen Sie das Hauptmenü auf sechs oder sieben Punkte.
- Nutzen Sie die Begriffe, die Kunden in Suchmaschinen eintippen.
- Benennen Sie Kategorien im Shop nach Produktart, nicht nach Kampagne.
- Zeigen Sie die Suche auch mobil sichtbar an, statt sie im Hamburger Menü zu verstecken.
- Platzieren Sie den Link zu Kontakt oder Angebot auf jeder Seite an derselben Stelle.
Die Navigation hat außerdem eine SEO Seite. Ein klares Menü hilft Suchmaschinen, die Hierarchie Ihrer Seiten zu verstehen. Dieses Gleichgewicht beschreibe ich ausführlicher in UX und SEO in Einklang bringen.
Fehler 3: Warum lassen überraschende Kosten den Warenkorb platzen?
Der dritte Fehler ist der teuerste auf dieser Liste. Die Daten von Baymard zeigen: Klammert man reine Stöberer aus, sind zu hohe Zusatzkosten der häufigste Abbruchgrund. Dazu zählen Versand, Steuern und Gebühren, und sie machen 40 Prozent aus. Zudem brechen 12 Prozent ab, weil sie die Gesamtkosten nicht vorab sehen oder berechnen konnten.
Der Preis im Kopf des Kunden ist der Preis von der Produktseite. Steigt diese Zahl im Checkout, fühlt er sich getäuscht. Also liegt das Problem nicht nur in der Höhe des Betrags, sondern in der Überraschung selbst.
Das setze ich konkret um: Zeigen Sie Versandkosten oder die Grenze für kostenlosen Versand schon auf der Produktseite. Nennen Sie im Warenkorb eine geschätzte Gesamtsumme inklusive Versand. Weisen Sie alle Zusatzgebühren von Anfang an klar aus.
Zudem kostet diese Korrektur selten mehr als einen Tag Designarbeit. Im Code ist es eine kleine Änderung, beim Vertrauen ein großer Gewinn. Deshalb prüfe ich diesen Punkt in jedem Shop zuerst, meist schon in der ersten Woche meiner E-Commerce Beratung.
Zum Beispiel zeigte ein Kunde die Versandkosten erst im letzten Schritt. Wir haben die Grenze für kostenlosen Versand auf die Produktseiten und in den Warenkorb geholt. Eine genaue Zahl nenne ich nicht, denn im selben Zeitraum gab es weitere Änderungen. Dennoch sank der Abbruch im Zahlungsschritt deutlich.
Fehler 4: Warum kostet ein Zwang zum Kundenkonto Bestellungen?
Der vierte Fehler: Neukunden müssen ein Konto anlegen. In der Liste von Baymard geben 18 Prozent der Käufer an, dass sie wegen einer Pflicht zur Registrierung abgebrochen haben. Das wirkt wie eine verschlossene Tür vor der Kasse.
Das Motiv der Unternehmen ist nachvollziehbar: Sie wollen Kundendaten und Wiederholungskäufe. Allerdings gibt es weniger schädliche Wege zu diesem Ziel. Zum Beispiel bieten Sie den Gastkauf ganz oben an. Danach schlagen Sie nach Abschluss der Bestellung ein Konto mit einem Klick vor.
Ein Hinweis wie „Passwort festlegen und Bestellung verfolgen“ auf der Bestätigungsseite funktioniert viel besser. Denn der Kunde hat bereits gekauft und erkennt nun einen echten Nutzen im Konto.
Auf Firmenwebsites zeigt sich ein ähnliches Problem. Wer für einen Katalog oder eine Preisliste ein langes Registrierungsformular verlangt, verliert Interessenten schon im ersten Schritt. Meist genügt die E-Mail Adresse.
Außerdem bringt ein Pflichtkonto das Passwortproblem mit sich. Wiederkehrende Kunden mit vergessenem Passwort geben oft auf, während sie auf die E-Mail zum Zurücksetzen warten. Prüfen Sie daher einfachere Wege, etwa einen einmaligen Code per E-Mail.
Fehler 5: Wie senken lange Formulare die Conversion Rate?
Der fünfte Fehler sind Formulare mit mehr Feldern als nötig. Laut Baymard enthält ein durchschnittlicher Checkout in den USA 14,88 Formularfelder. Ein idealer Ablauf kommt mit 7 bis 8 aus. Anders gesagt: Etwa die Hälfte der Felder auf einer durchschnittlichen Website ist überflüssig.
Zudem ist ein langer oder komplizierter Checkout für 17 Prozent der Käufer der Grund zum Abbruch. Jedes zusätzliche Feld lässt den Besucher erneut fragen: Wie lange dauert das noch?
Beim Vereinfachen nutze ich diese Checkliste:
- Fragen Sie bei jedem Feld, ob Bestellung oder Anfrage auch ohne diese Angabe funktioniert.
- Nutzen Sie ein einziges Namensfeld und setzen Sie die Rechnungsadresse standardmäßig gleich der Lieferadresse.
- Kennzeichnen Sie optionale Felder klar als optional oder entfernen Sie sie ganz.
- Öffnen Sie mobil die passende Tastatur: Ziffernblock für Telefon, @ Taste für E-Mail.
- Füllen Sie Ort und Bundesland wenn möglich automatisch aus der Postleitzahl.
Spezielle Regeln für Termin, Angebots und Demoformulare beschreibe ich im Beitrag Formular optimieren. Hier wiederhole ich sie nicht. Dort gilt dasselbe Prinzip: wenige Felder, klare Beschriftungen und direkte Prüfung der Eingaben.
Fehler 6: Warum sind kleine Tippflächen mobil ein Problem?
Der sechste Fehler sind Buttons und Links, die für einen Finger zu klein sind. Ein Link, den Sie mit der Maus mühelos treffen, führt auf dem Smartphone zu Fehlklicks. Der Nutzer landet auf der falschen Seite, geht zurück und verliert die Geduld.
Der Barrierefreiheitsstandard WCAG 2.2 des W3C legt in seinem Kriterium zur Zielgröße ein Minimum von 24 mal 24 CSS Pixeln fest. Das ist eine Untergrenze, kein Ziel. In der Praxis empfehle ich für wichtige Buttons größere Flächen. Auch Apple und Google raten in ihren Designrichtlinien zu größeren Zielen.
Diesen Fehler sehe ich vor allem an drei Stellen: Plus und Minus Buttons für die Menge, Checkboxen in Filtern und eng gesetzte Links im Footer. Stehen diese Elemente sehr dicht beieinander, verdoppelt sich das Problem.
Testen Sie Ihre Website deshalb auf einem echten Smartphone, mit einer Hand und dem Daumen. Platzieren Sie den wichtigsten Kaufbutton im unteren Bildschirmbereich, den der Daumen leicht erreicht. Den gesamten Ansatz finden Sie unter was ist Mobile First Design.
Ebenso zählt neben der Größe die Position. Eine fixierte Leiste mit „In den Warenkorb“ hält den Button immer in Reichweite, egal wohin der Nutzer scrollt. So verpassen Sie auf langen Produktseiten nicht den Moment der Entscheidung.
Fehler 7: Warum schaden geringer Kontrast und kleine Schrift dem Vertrauen?
Der siebte Fehler ist schwer lesbarer Text, etwa hellgraue Schrift auf hellgrauem Grund. In der Designdatei wirkt das elegant. Auf einem Smartphone in der Sonne ist der Text allerdings kaum noch zu erkennen.
In ihrem Kriterium zum Kontrast verlangt WCAG 2.2 ein Verhältnis von mindestens 4,5:1 für normalen Text und 3:1 für großen Text. Dieses Verhältnis hilft allen, nicht nur Menschen mit Sehschwäche. Vor allem Entscheidungstexte wie Preis, Lagerstatus und Lieferinfos sollten nie darunter liegen.
Die Schriftgröße ist genauso wichtig. Liegt Fließtext mobil unter 16 Pixeln, müssen Nutzer zoomen. Ebenso ermüden sehr lange Zeilen und ein enger Zeilenabstand beim Lesen.
Bei der Farbwahl vergleichen Sie Töne mit dem Tool HTML Farbcodes. Um die Verständlichkeit des Textes selbst zu prüfen, nutzen Sie Lesbarkeit prüfen. Kurz gesagt verkauft schlichter, gut lesbarer Text immer besser als dekorativer Text, den niemand lesen kann.
Fehler 8: Wie stoppen fehlende Vertrauenssignale den Kauf?
Der achte Fehler: Die Website beantwortet eine stille Frage nicht, nämlich ob man ihr die Kartendaten anvertrauen kann. In den Daten von Baymard brechen 19 Prozent der Käufer ab, weil sie der Website ihre Kreditkartendaten nicht anvertrauen. Weitere 13 Prozent gehen, weil sie die Rückgaberegeln unzureichend finden.
Vertrauen entsteht nicht durch ein einzelnes Siegel. Nutzer bewerten mehrere kleine Signale zusammen. Die wichtigsten sind diese:
- Ein klarer Firmenname, eine Adresse und eine Telefonnummer, unter der jemand abnimmt.
- Rückgabe und Umtauschbedingungen, die leicht zu finden und verständlich formuliert sind.
- Ein bekanntes Logo des Zahlungsanbieters und eine sichere Verbindung im Zahlungsschritt.
- Echte Kundenbewertungen; eine Wand aus perfekten Fünf Sterne Wertungen kann nach hinten losgehen.
- Ein einheitlicher, sorgfältiger Auftritt; kaputte Bilder und Tippfehler zerstören Vertrauen schnell.
Noch etwas: Gefälschte Countdowns und erfundene Knappheit wie „nur noch 2 Stück“ wirken vielleicht kurz. Sobald Kunden es merken, bleibt der Vertrauensschaden allerdings dauerhaft. Deshalb empfehle ich solche Taktiken nie.
Schließlich gilt auch bei Vertrauenssignalen das rechte Maß. Ein Checkout voller Siegel kann sogar Misstrauen wecken. Wenige klare Signale, die genau die Frage des jeweiligen Schritts beantworten, schlagen eine zufällige Reihe von Logos.
Fehler 9: Warum führen schlechte Fehlermeldungen zum Abbruch?
Der neunte Fehler: Nutzer erfahren nicht, was schiefgelaufen ist. Eine allgemeine Meldung wie „Ungültige Eingabe“ oder ein Formular, das alle Daten löscht, zwingt zum Neustart. Viele schließen das Formular an dieser Stelle einfach.
Hier greifen zwei NN/g Heuristiken: Fehler vermeiden und Nutzern helfen, Fehler zu erkennen und zu beheben. Das heißt, ein gutes Formular versucht zunächst, den Fehler zu verhindern. Passiert er dennoch, nennt es die Lösung klar.
In der Praxis wende ich einige Regeln an. Zeigen Sie die Meldung direkt unter dem betroffenen Feld. Nennen Sie Problem und Lösung zusammen, zum Beispiel „Die Telefonnummer braucht 10 Ziffern“. Prüfen Sie beim Verlassen des Feldes, nicht bei jedem Tastendruck. Löschen Sie niemals Daten, die der Nutzer schon eingegeben hat.
Zudem nennt Baymard Fehler und Abstürze der Website als Grund für 17 Prozent der Abbrüche und abgelehnte Karten für 10 Prozent. Scheitert eine Karte, rettet eine Meldung mit Grund und alternativer Zahlungsart noch einen Teil dieser Verkäufe.
Zeigen Sie Nutzern außerdem, wo sie im Prozess stehen. Eine einfache Anzeige wie „Schritt 2 von 3“ setzt die Heuristik zum sichtbaren Systemstatus praktisch um. Weil Nutzer wissen, wie lange es dauert, brechen sie seltener ab.
Fehler 10: Warum schaden aufdringliche Popups und überladene Seiten?
Der zehnte Fehler ist alles, was vom eigentlichen Ziel ablenkt. Ein Newsletter Popup direkt beim Laden, ein Cookie Banner über dem halben Bildschirm, automatisch startende Videos und mehrere blinkende Aktionsleisten ermüden den Nutzer.
Die NN/g Heuristik zu ästhetischem und minimalistischem Design gibt hier die Richtung vor. Jedes zusätzliche Element konkurriert mit der wichtigen Information und macht sie weniger sichtbar. Zudem haben Menschen gelernt, alles zu ignorieren, was nach Werbung aussieht. Gestalten Sie ein wichtiges Angebot also wie ein Werbebanner, übersehen Nutzer es womöglich genau deshalb.
Ein verwandtes Problem sind mehrere gleich starke Hauptbuttons auf einer Seite. Stehen „Jetzt kaufen“, „Angebot anfordern“, „Rufen Sie uns an“ und „Katalog herunterladen“ nebeneinander, kann sich der Nutzer nicht entscheiden. Mehr dazu lesen Sie in CTA Button Beispiele.
Legen Sie stattdessen für jede Seite ein einziges Hauptziel fest. Wenn Sie Popups nutzen, zeigen Sie sie nach einer bestimmten Scrolltiefe oder bei Ausstiegsabsicht, nicht beim Laden. Mobil vermeiden Sie Einblendungen, die den Inhalt verdecken.
Wie lassen sich die 10 UX Fehler vergleichen?
Die Tabelle fasst die zehn Fehler nach betroffenem Schritt, Beleg und Aufwand zusammen. Die Spalte zum Aufwand ist eine erste Einschätzung aus meiner Praxis, keine Garantie. Sie hängt von Ihrer Plattform ab.
| Fehler | Stärkster Effekt auf | Beleg | Aufwand |
|---|---|---|---|
| Langsame Seiten | Erster Eindruck, Anzeigentraffic | Schwellenwerte der Core Web Vitals | Mittel |
| Unklare Navigation | Finden von Produkten oder Leistungen | NN/g: Wiedererkennen statt Erinnern | Gering |
| Überraschende Kosten | Warenkorb und Checkout | Baymard: 40 Prozent | Gering |
| Pflichtkonto | Beginn des Checkouts | Baymard: 18 Prozent | Gering |
| Lange Formulare | Checkout und Anfrageformular | Baymard: 17 Prozent, 14,88 Felder | Mittel |
| Kleine Tippflächen | Mobile Nutzung | WCAG 2.2: 24 mal 24 Pixel | Gering |
| Geringer Kontrast | Entscheidungstexte | WCAG 2.2: 4,5:1 | Gering |
| Fehlende Vertrauenssignale | Zahlungsschritt | Baymard: 19 und 13 Prozent | Mittel |
| Schlechte Fehlermeldungen | Abschluss von Formularen | NN/g: Fehler vermeiden und beheben | Gering |
| Ablenkende Elemente | Alle Seiten | NN/g: minimalistisches Design | Gering |
Die wichtigste Erkenntnis: Die teuersten UX Fehler sind oft am günstigsten zu beheben. Daher lohnt sich ein Blick auf diese Liste, bevor Sie ein komplettes Redesign beauftragen.
Wie finden Sie UX Fehler auf Ihrer eigenen Website?
Eine Liste zu lesen ist leicht. Um herauszufinden, welche Fehler Ihre Website betreffen, brauchen Sie Daten. In meinen Audits kombiniere ich drei Quellen.
Erstens die Webanalyse. Bauen Sie in GA4 einen Trichterbericht für Warenkorb, Checkout und Formular, dann sehen Sie, wo Nutzer am häufigsten aussteigen. Zum Beispiel deutet ein guter Übergang zum Checkout bei schwacher Bestätigung auf Kosten, Kontozwang oder Formulare hin.
Zweitens Sitzungsaufzeichnungen und Heatmaps. Wiederholte Klicks auf einen Button, lange Pausen in einem Feld oder ständiges Scrollen zeigen die Problemstelle. Beachten Sie dabei allerdings Datenschutz und Einwilligung, gerade unter der DSGVO.
Drittens, und am wertvollsten, echte Nutzertests. Geben Sie fünf Personen eine konkrete Aufgabe und schauen Sie nur zu. Fehler, die Ihr Team seit Jahren übersieht, zeigen sich oft in einer halben Stunde. Für den Aufbau von Trichtern ist conversionorientiertes Webdesign ein guter Einstieg.
Ein Hinweis noch: Heatmap Tools laden zusätzliche Skripte. Lassen Sie sie dauerhaft laufen, erzeugen Sie also womöglich selbst das Tempoproblem aus Fehler 1. Ich aktiviere sie meist für einen festen Zeitraum und schalte sie danach wieder ab.
In welcher Reihenfolge sollten Sie die Fehler beheben?
Wer alles gleichzeitig reparieren will, wird meist mit nichts fertig. Deshalb nutze ich eine einfache Regel: Größe der Wirkung, Anteil des betroffenen Traffics und Kosten der Korrektur.
- Beginnen Sie mit Checkout und Formularen, denn dort verlorene Nutzer waren schon kurz vor dem Kauf.
- Kümmern Sie sich dann um die mobile Nutzung, weil in den meisten Branchen der Großteil des Traffics vom Smartphone kommt.
- Lösen Sie danach Probleme mit Ladezeit und Core Web Vitals, die meist Entwicklerzeit brauchen.
- Schließlich folgen Navigation, Texte und visuelle Vereinfachung.
Notieren Sie vor jeder Änderung Ihre aktuelle Conversion Rate. Warten Sie danach einige Wochen und vergleichen Sie. Wenn möglich, testen Sie per A/B Test. Saisonale Effekte und Kampagnen verfälschen einen einfachen Vorher und Nachher Vergleich leicht.
Kurz gesagt ist UX Verbesserung kein einmaliges Projekt, sondern laufende Pflege. Ich prüfe diese Liste mit Kunden jedes Quartal.
Beeinflussen UX Fehler auch die SEO Leistung?
Ja, indirekt. Google erklärt, dass seine Rankingsysteme Signale zur Seitenerfahrung wie Core Web Vitals und mobile Nutzbarkeit einbeziehen. Gleichzeitig betont Google, dass die Relevanz des Inhalts deutlich schwerer wiegt.
Schnellere Seiten allein bringen Sie also nicht auf Platz eins. Andererseits kann die Nutzererfahrung zwischen zwei ähnlichen Seiten den Ausschlag geben. Und wenn ein Besucher aus der Suche schlechte Erfahrungen macht und sofort zurückspringt, sinkt der wirtschaftliche Wert dieses Traffics auf null.
Deshalb plane ich SEO und UX als zwei Teile eines Ziels, nicht als getrennte Budgets. SEO bringt das Ranking, UX schließt den Verkauf ab. Beispiele dazu finden Sie in UX und SEO in Einklang bringen.
In der Praxis verfolge ich Ranking und Umsatz jeder Seite in derselben Tabelle. Steigt der organische Traffic einer Seite, während die Conversions sinken, liegt das Problem in der Nutzererfahrung, nicht im Inhalt. Somit entscheiden Sie auf Basis von Daten, welches Team sich um welche Seite kümmert.
Wie vermeiden Sie diese Fehler bei einer neuen Website?
Die günstigste UX Korrektur ist der Fehler, den Sie gar nicht erst machen. Besprechen Sie diese Punkte daher vom ersten Tag an mit Ihrem Designer oder Ihrer Agentur.
Zunächst halten Sie das Hauptziel der Website schriftlich fest: Verkauf, Anfragen oder Anrufe. Dann bewerten Sie jedes Seitendesign an diesem Ziel. Außerdem geben Sie Entwürfe auf einem Smartphone Prototyp frei, nicht auf einem Screenshot vom Desktop.
Nehmen Sie zudem Kriterien für Performance und Barrierefreiheit in den Vertrag auf. Eine messbare Klausel wie „wichtige Seiten erfüllen mobil die Schwellenwerte der Core Web Vitals“ verhindert Streit nach dem Launch. Testen Sie schließlich Checkout und Formulare vor dem Livegang mit echten Menschen.
Diese Schritte gehören bei meinem Webdesign standardmäßig dazu. Wenn Sie wissen möchten, welche dieser 10 Fehler Ihre aktuelle Website betreffen, schreiben Sie mir über die Kontaktseite.
Wo sollten Sie bei UX Fehlern also anfangen?
Zusammengefasst sind UX Fehler kleine Hindernisse, die die Kauflust leise ersticken. Baymard beziffert die durchschnittliche Abbruchquote im Warenkorb auf über 70 Prozent, und viele Gründe dafür lassen sich durch Design lösen. Die NN/g Heuristiken und die WCAG Kriterien beschreiben klar, wie diese Lösungen aussehen sollten.
Mein Rat ist einfach. Öffnen Sie Ihre Website heute auf dem Smartphone und durchlaufen Sie einen Kauf oder eine Anfrage wie ein Kunde. Legen Sie die 10 Punkte aus diesem Artikel daneben und notieren Sie jede Stelle, an der Sie hängen bleiben. So steht Ihre erste Liste mit Verbesserungen in einer halben Stunde.
Denken Sie schließlich daran, dass keine Website perfekt ist. Eine Website, die Hindernisse für Kunden laufend beseitigt, holt allerdings deutlich mehr aus Werbebudget und SEO Arbeit heraus.




