Wie wählen Sie Nizza Klassen für eine neue Marke?
Nizza Klassen ordnen jede Ware und jede Dienstleistung Ihrer Anmeldung einer der 45 Klassen der Nizzaer Klassifikation zu. Die Wahl ist vor allem eine Entscheidung über den Schutzumfang, keine Formalie. Eine Eintragung schützt grundsätzlich die Waren und Dienstleistungen, die Sie im Verzeichnis nennen. Deshalb empfehlen wir, mit einer Liste Ihres tatsächlichen Angebots zu beginnen und nicht mit Klassennummern.
- Heute und morgen notieren: Schreiben Sie auf, was Sie jetzt anbieten und was Sie bald ergänzen wollen.
- Jeden Posten einzeln einordnen: Laut den allgemeinen Bemerkungen der WIPO zeigen Klassenüberschriften nur den allgemeinen Bereich. Die genaue Klasse eines Begriffs ergibt sich stattdessen aus der alphabetischen Liste. Ein Fertigerzeugnis folgt grundsätzlich seiner Funktion oder seinem Zweck.
- Waren und Dienstleistungen trennen: Das Produkt und sein Verkauf liegen oft in verschiedenen Klassen.
- Begriffe der Ämter nutzen: Formulierungen aus der deutschen Liste des DPMA oder aus TMclass sind eine gute Ausgangsbasis.
Sobald die Liste steht, gleichen Sie sie mit dem Finder ab und widmen sich dann dem Namen. Ein unterscheidungskräftiger Name ist so wichtig wie die richtige Klasse; dabei hilft unsere Arbeit an der Markenidentität. Die Vorschläge des Finders sind dennoch nur Hinweise. Klären Sie den Umfang vor der Anmeldung mit einer Rechtsanwältin, einem Rechtsanwalt oder einer Patentanwaltskanzlei.
Waren oder Dienstleistungen: Wie unterscheiden Sie die Klassen?
Die Klassen 1 bis 34 umfassen Waren, die Klassen 35 bis 45 Dienstleistungen. Ein Unternehmen berührt allerdings oft beide Seiten. Zum Beispiel verkauft ein Verlag gedruckte Bücher in Klasse 16 und herunterladbare elektronische Publikationen in Klasse 9. Die Veröffentlichung von Büchern als Dienstleistung gehört dagegen zu Klasse 41.
Die allgemeinen Bemerkungen der WIPO nennen außerdem einige Regeln für Dienstleistungen.
- Vermietung: Sie folgt der Dienstleistung, die der gemietete Gegenstand ermöglicht; die Vermietung von Telefonen gehört zu Klasse 38.
- Beratung: Sie folgt ihrem Gegenstand. Konkret gehört Unternehmensberatung zu Klasse 35, Finanzberatung zu Klasse 36, Schönheitsberatung zu Klasse 44.
- Vertriebsweg: Ob Sie eine Dienstleistung persönlich, telefonisch oder online erbringen, ändert die Klasse grundsätzlich nicht.
- Franchising: Jede Leistung des Franchisegebers gehört in die Klasse dieser Leistung.
Diese Regeln zeigen, warum Abkürzungen wie „online, also Klasse 42“ in die Irre führen. Für Eigenmarken gilt dasselbe: Sie brauchen die Klasse der Ware, die Ihre Marke trägt. Unser Ratgeber zu Private Label erklärt dieses Modell. Ist ein Posten unklar, geben Sie ihn im Reiter Begriffe suchen ein. Denn die Klasse des passenden Begriffs ist ein stärkerer Hinweis als jede Überschrift.
Warum ist Klasse 35 so wichtig?
Klasse 35 umfasst Werbung, Geschäftsführung, Unternehmensverwaltung und Büroarbeiten. Für die meisten Marken zählt aber vor allem der Handel. Die erläuternde Anmerkung stellt klar: Für die Zwecke der Klassifizierung gilt der Verkauf von Waren nicht als Dienstleistung. Gemeint ist stattdessen das Zusammenstellen verschiedener Waren für Dritte, damit Kunden sie bequem ansehen und kaufen können. Laden, Großhandel, Katalog und Website sind somit Kanäle dieser Dienstleistung.
Daraus folgen zwei Punkte. Erstens schützt Klasse 35 nicht das Produkt selbst: Für eine Marke auf Bekleidung brauchen Sie zusätzlich Klasse 25. Zweitens verknüpft die Liste koordinierter Klassen der USPTO Klasse 35 mit fast jeder Warenklasse. Recherchieren Sie ähnliche Marken deshalb auch in Klasse 35. Die Klassennummer allein ist trotzdem kein Beleg für Ähnlichkeit.
Ebenso stehen Onlinemarktplätze für Käufer und Verkäufer sowie Influencer Marketing in der alphabetischen Liste unter Klasse 35. Wer in der Türkei anmeldet, nutzt dafür die Untergruppe 35.05 der Liste des TÜRKPATENT (Tebliğ 2026/2) und nennt die zusammengestellten Waren ausdrücklich.
Wie viele Klassen brauchen Sie, und was kostet jede weitere?
Die richtige Zahl entspricht den Klassen, die Ihr Geschäft heute und in naher Zukunft tatsächlich abdeckt. Eine Modemarke mit einem Produkt startet oft mit den Klassen 25 und 35. Ein Café beginnt dagegen mit Klasse 43 und ergänzt Klasse 30, wenn es eigene verpackte Produkte verkauft. Jede zusätzliche Klasse vergrößert außerdem den Kreis älterer Marken, die widersprechen können.
Die Gebührenlogik unterscheidet sich je nach Amt. Prüfen Sie deshalb den Tarif, bevor Sie mit der Klassenzahl multiplizieren.
- DPMA: Die elektronische Anmeldung kostet 290 EUR und umfasst bis zu drei Klassen; ab der vierten Klasse kommen je 100 EUR hinzu.
- EUIPO: 850 EUR für die erste Klasse, 50 EUR für die zweite und je 150 EUR ab der dritten.
- IR Marke: Die WIPO berechnet eine Grundgebühr von 653 CHF (schwarzweiß); dazu kommen die Gebühren der benannten Länder.
Beim DPMA ist die dritte Klasse also ohne Aufpreis enthalten. Trotzdem ist das kein Grund, sie mit Waren zu füllen, die Sie nie anbieten. Denn ungenutzte Posten können später zur Schwachstelle werden, etwa in einem Löschungsverfahren oder bei einem Widerspruch. Die Beträge haben wir am 1.10.2026 auf den Seiten der Ämter gelesen; Details stehen in der Tabelle oben. Wer in Deutschland weder Wohnsitz noch Niederlassung hat, braucht vor dem DPMA zudem einen Inlandsvertreter (§ 96 MarkenG).
Welche Nizza Klassen schützen eine Marke im Internet?
Bei digitalen Geschäftsmodellen tauchen vier Klassen immer wieder auf. Welche Sie brauchen, hängt davon ab, was Sie online genau anbieten.
- Herunterladbares, Klasse 9: Software und Apps zum Herunterladen, herunterladbare elektronische Publikationen.
- Verkauf und Werbung, Klasse 35: Onlinehandel, Onlinemarktplätze für Käufer und Verkäufer, Werbung für andere und Influencer Marketing.
- Softwaredienste, Klasse 42: SaaS, Softwareentwicklung, Hosting von Websites und Beratung zur Gestaltung von Websites.
- Inhalte und Bildung, Klasse 41: Erziehung, Unterhaltung, Filmproduktion, nicht herunterladbare Onlinepublikationen.
Zudem enthält Klasse 45 das Knüpfen von sozialen Kontakten im Internet und die Registrierung von Domainnamen als juristische Dienstleistung. Allerdings verschiebt das Internet eine Dienstleistung nicht automatisch in Klasse 42: Finanzberatung bleibt auch online in Klasse 36.
Außerdem hilft eine eingetragene Marke auf Plattformen. Zum Beispiel verlangt das Markenformular von Meta, dass sich jede Meldung auf eine eingetragene Marke stützt. Das zählt, wenn ein anderes Konto den Benutzernamen Ihrer Marke auf Instagram hält; mehr dazu auf unserer Seite Instagram Benutzername sichern. Denken Sie zugleich an die Domain. Unser Ratgeber zur Domainwahl und die WHOIS Abfrage helfen dabei.
Was hat sich in der aktuellen Ausgabe geändert?
Der Name hat zwei Teile: NCL 13-2026 steht für die dreizehnte Ausgabe in der Version 2026. Sie gilt seit dem 1.1.2026; das DPMA veröffentlicht dazu die deutsche Fassung, und unser Finder nutzt sie. Die WIPO hat bereits die Dateien der nächsten Version (NCL 13-2027) veröffentlicht. Wir aktualisieren unsere Daten deshalb, bevor diese Version gilt.
Für Marken betrifft eine auffällige Änderung der dreizehnten Ausgabe Brillen. Brillen, Kontaktlinsen und Sonnenbrillen stehen jetzt in Klasse 10 statt in Klasse 9. Zudem schließt die erläuternde Anmerkung zu Klasse 9 sie ausdrücklich aus, und die Überschrift von Klasse 10 nennt sie. Ratgeber aus der Zeit vor 2026 können daher noch Klasse 9 angeben.
Achten Sie auch bei Listen im Netz auf die Ausgabe. Bei der Suche nach einer Liste der Nizza Klassen erscheint teils noch eine PDF des DPMA zur NCL 11-2021. Prüfen Sie deshalb, wo jeder Posten in der aktuellen Ausgabe steht, bevor Sie ein altes Verzeichnis übernehmen. Wie eine ältere Eintragung zu lesen ist, klären Sie mit Ihrer Kanzlei.
In der Türkei gilt seit dem 26.2.2026 die Liste der Tebliğ 2026/2 mit 336 Untergruppen. Gleiche Art bedeutet dort laut Prüfungsrichtlinie des TÜRKPATENT in der Regel dieselbe Untergruppe derselben Klasse.
Wie arbeitet der Klassenfinder mit der Markenrecherche zusammen?
Ihre Klassenwahl ist zugleich der Rahmen für die Ähnlichkeitsrecherche. Die Schaltfläche Marke in diesen Klassen recherchieren übernimmt jede Klasse unter Ihre Klassen in unsere Markenrecherche. Dort öffnen sich Links zu den Ämtern und eine Suche in TMview mit denselben Klassen. Laden Sie dann eine Trefferliste aus dem DPMAregister oder aus eSearch hoch, zeigt das Tool für jeden Treffer auch die Klassennähe.
Diese Nähe ist der Faktor G aus der Formel oben, von 1,0 für denselben Begriff bis 0,1 für entfernte Klassen. Behalten Sie dabei drei Punkte im Blick.
- Die Klassennummer ist kein Beleg für Ähnlichkeit. Dieselbe Klasse begründet für sich allein keine Ähnlichkeit der Waren oder Dienstleistungen, und Waren aus verschiedenen Klassen können sich trotzdem nahestehen.
- Das DPMA prüft ältere Marken nicht von sich aus (§ 37 MarkenG); deren Inhaber können Widerspruch einlegen. Ihre eigene Recherche in den richtigen Klassen zählt deshalb umso mehr.
- Bekannte Marken können über ihre eigenen Waren und Dienstleistungen hinaus wirken. Einen berühmten Namen in einer anderen Klasse zu nutzen, ist daher keine sichere Abkürzung.
Zum Schluss gehören Klassenliste, Rechercheergebnisse und der Bericht des Tools zu einer Rechtsanwältin, einem Rechtsanwalt oder einer Patentanwaltskanzlei. Die Tools liefern Hinweise, keine Rechtsberatung. Wie ein Name langfristig an Stärke gewinnt, zeigt unser Ratgeber zur Markenautorität.
Häufige Fehler bei der Wahl der Nizza Klassen
- ✕FehlerKlassenüberschriften wörtlich ins Verzeichnis übernehmen✓Besser soÜberschriften nennen nur den Bereich. Wählen Sie Begriffe aus der alphabetischen Liste; der Reiter Begriffe suchen hilft dabei.
- ✕FehlerFür einen Onlineshop nur Klasse 35 wählen✓Besser soKlasse 35 schützt den Handel, nicht das Produkt. Ergänzen Sie deshalb die Klassen der Waren, die Ihre Marke tragen.
- ✕FehlerBrillen aus Gewohnheit in Klasse 9 anmelden✓Besser soSeit der NCL 13-2026 stehen Brillen, Kontaktlinsen und Sonnenbrillen in Klasse 10. Gleichen Sie daher alte Listen mit der aktuellen Ausgabe ab.
- ✕FehlerDie dritte Klasse beim DPMA füllen, weil sie nichts extra kostet✓Besser soJede Klasse vergrößert die Angriffsfläche für Widersprüche. Nehmen Sie nur Waren und Dienstleistungen auf, die Sie wirklich anbieten wollen.
- ✕FehlerEine ähnliche Marke in anderer Klasse ignorieren✓Besser soDie Klassennummer ist in keine Richtung ein Beleg. Recherchieren Sie auch in verwandten Klassen und denken Sie an bekannte Marken.
- ✕FehlerFür eine App nur Klasse 9 wählen✓Besser soDie herunterladbare App gehört zu Klasse 9. Onlinedienst und Entwicklung gehören zu Klasse 42, die eigentliche Leistung in ihre eigene Klasse.