UX und SEO in Einklang bringen: Praktische Lösungen, die Google und Besucher zufriedenstellen

In fast jedem Website Projekt erlebe ich denselben Streit. Das Design möchte einen ruhigen, luftigen Bildschirm. Die SEO Seite möchte Text, Links und Überschriften. UX und SEO in Einklang zu bringen heißt, diesen Streit Baustein für Baustein zu lösen, nicht mit einer Pauschalregel. In diesem Beitrag gehe ich Tabs, Hamburgermenüs, große Hero Bilder, Popups und endloses Scrollen durch. Zudem zeige ich die Kompromisse, die sich bei mir bewährt haben.
Seit 2012 beobachte ich die Folgen solcher Entscheidungen auf Unternehmensseiten, in Onlineshops und auf Leistungsseiten. Die Empfehlungen stützen sich auf die offizielle Dokumentation von Google und auf meine eigene Praxis. Lesen Sie sie deshalb als Entscheidungsrahmen, nicht als starre Checkliste. Denn keine zwei Websites haben exakt dieselben Anforderungen.
Was bedeutet es, UX und SEO in Einklang zu bringen?
UX und SEO in Einklang zu bringen bedeutet, jede Gestaltungsentscheidung auf einer Seite so zu treffen, dass sie Besuchern die Aufgabe erleichtert und Google den Inhalt trotzdem crawlen und verstehen kann. Das Gleichgewicht kippt meist, weil das Designteam die Oberfläche bewertet, das SEO Team den Quellcode und beide selten gemeinsam entscheiden.
Das typische Muster sieht also so aus. Der Kunde gibt das Design frei, die Entwicklung endet, die Seite geht live. Ein paar Monate später fragt dann jemand, warum der organische Traffic sinkt. An diesem Punkt geht es nicht mehr um eine Designvorliebe. Dann geht es um einen teuren Umbau.
Allerdings kenne ich auch das Gegenteil. Manche Teams packen lange Textblöcke, Überschriften voller Keywords und Dutzende Links auf jede Seite. Der Besucher weiß dann nicht mehr, was er tun soll. Kurz gesagt: In ein Extrem zu rutschen ist immer leicht. Schwierig ist deshalb die Frage, wer bei jedem einzelnen Baustein was verliert.
Warum geraten Designer und SEO Fachleute so oft aneinander?
Die Ursache liegt darin, dass beide Disziplinen für unterschiedliche Leser arbeiten. Designer denken an das menschliche Auge: Weißraum, Hierarchie, Blickführung. SEO Fachleute denken an einen Crawler und an die Suchintention: Text, Überschriftenstruktur, Linkgraph. Beide dienen demselben Besucher. Sie begegnen ihm allerdings zu verschiedenen Zeitpunkten.
Die SEO Seite trifft den Besucher in den Suchergebnissen. Das Design trifft ihn auf der Seite selbst. Also will die eine Seite den Klick, die andere die Aufmerksamkeit halten. Eigentlich ergänzen sich diese Ziele. Eine Seite mit vielen Klicks, die niemanden hält, scheitert. Eine Seite, die fesselt, aber nie gefunden wird, scheitert ebenso.
Meine Arbeitsregel ist einfach. Bevor eine Designdatei zur Freigabe geht, fragt die SEO Seite nach dem HTML hinter jedem Baustein. Zum Beispiel: Stehen diese Tabs als Text im Quellcode? Sind diese Menüpunkte echte Links? Konkret schränken solche Fragen das Design nicht ein. Stattdessen klären sie die Umsetzung. Nach meiner Erfahrung entstehen die meisten Konflikte genau dort und nicht bei der visuellen Idee.
Schaden Tabs und Akkordeons der Sichtbarkeit bei Google?
In der Regel nicht, solange der Inhalt beim Laden der Seite im HTML steht. Die Dokumentation von Google zur Mobile First Indexierung sagt das klar: Sie dürfen Inhalte mobil in Akkordeons oder Tabs verschieben, solange der Inhalt der Desktopversion entspricht.
Das eigentliche Risiko entsteht dann, wenn ein Tab seinen Inhalt erst nach einem Klick vom Server holt. Dieselbe Dokumentation stellt fest, dass Google keine Inhalte lädt, die eine Nutzeraktion wie Wischen, Klicken oder Tippen erfordern. Zwei Tab Varianten können also identisch aussehen. Die eine ist vollständig crawlbar, die andere für Google leer.
Diesen Aufbau empfehle ich:
- Die Antwort auf die Hauptfrage der Seite steht offen sichtbar, nicht in einem Tab.
- Nebeninformationen wie technische Daten, Versandbedingungen oder weitere FAQ wandern in Tabs oder Akkordeons.
- Der Tabinhalt steckt bereits im ersten HTML und bleibt nur per CSS verborgen.
- Jede Tabbeschriftung ist ein aussagekräftiger Text statt „Details 1“.
Somit bleibt der Bildschirm aufgeräumt und der Inhalt indexierbar. Vor allem auf Produktseiten sorgt dieser Ansatz bei mir für die wenigsten Diskussionen.
Wie wirken sich Hamburgermenüs und scrollbare Menüs auf die Navigation aus?
Ein Hamburgermenü spart mobil Platz, versteckt aber auch die Navigation. Studien der Nielsen Norman Group zur mobilen Navigation zeigen, dass Nutzer versteckte Menüs seltener und später verwenden als sichtbare. Deshalb sehe ich das Hamburgermenü als einen Teil der Navigation, nicht als die ganze Lösung.
Auf der SEO Seite sieht es dagegen anders aus, denn hier zählt der Code. Stehen die Menüpunkte als echte Ankerlinks im Quellcode, sieht Google sie. Problematisch wird es, wenn JavaScript das Menü erst nach einem Tippen aufbaut. Die Dokumentation zu crawlbaren Links erklärt zudem, dass Google Links in der Regel nur aus a Elementen mit href Attribut auslesen kann.
Horizontal scrollbare Menüs, also Kategorieleisten zum seitlichen Wischen, sind ein eigener Fall. Zunächst übersehen Besucher oft die Punkte rechts außerhalb des Bildschirms. Daher setze ich die zwei oder drei meistgesuchten Kategorien an den Anfang. Außerdem lasse ich den letzten sichtbaren Punkt nur zur Hälfte erscheinen, damit man ahnt, dass die Leiste weitergeht.
Zusammengefasst: Halten Sie mobil ein paar wichtige Links sichtbar und sammeln Sie den Rest im Hamburgermenü. So finden Besucher ihren Weg, und die interne Verlinkung bleibt intakt.
Megamenü oder schlankes Menü: Wie schützen Sie die interne Linkkraft?
SEO Teams mögen Megamenüs, weil sie von jeder Seite auf Dutzende Kategorien verlinken. Allerdings erzeugt ein Menü mit allem darin Entscheidungsmüdigkeit. Zudem erschweren hundert identische Links auf jeder Seite, dass die wirklich wichtigen Seiten hervorstechen.
Mein Ansatz: Ich kürze das Menü nach kommerzieller Priorität. Konkret bleiben nur die umsatzstarken Hauptkategorien im Hauptmenü. Die tieferen Unterkategorien setze ich dann als kontextuelle Links in die Kategorieseiten. Welche Seiten ins Menü gehören und welche in den Inhalt, beschreibe ich ausführlich im Beitrag zur Kategoriestruktur für große Websites.
Eine praktische Checkliste:
- Prüfen Sie für jeden Menüpunkt die organischen Daten und Verkaufszahlen der letzten drei Monate.
- Verschieben Sie Punkte ohne Klicks und mit geringem Suchwert in den Footer oder in Kategorieseiten.
- Formulieren Sie Menütexte in der Sprache Ihrer Besucher, nicht im internen Jargon.
- Kontrollieren Sie im Quellcode, dass mobiles und Desktopmenü dieselben Links enthalten.
So wirkt das Menü ruhiger, und die Linkkraft fließt gezielt zu den richtigen Seiten.
Was kosten große Hero Bilder und Slider?
Ein bildschirmfüllendes Hero Bild hinterlässt einen starken ersten Eindruck. Trotzdem hat es einen Preis: Auf dem ersten Bildschirm steht weder Text noch Überschrift. Besucher müssen also scrollen, um das Angebot zu verstehen. Auch eine Suchmaschine erkennt das Thema der Seite auf den ersten Blick schwerer.
Automatisch wechselnde Slider halte ich für das am schwersten zu verteidigende Element. Die Botschaften auf der zweiten und dritten Folie sehen nur sehr wenige Menschen. Außerdem bedeutet jede Folie ein weiteres großes Bild zum Herunterladen. Oft finde ich zudem Sliderüberschriften, die mehrfach als H1 im Code stehen. Das bringt folglich die Seitenhierarchie durcheinander.
Mein Kompromiss sieht so aus. Ich behalte das Hero Bild, begrenze seine Höhe aber auf etwa den halben Bildschirm. Daneben oder darüber stehen eine echte HTML Überschrift und ein kurzer Nutzensatz. Das Bild mit einem Tool zum Bild verkleinern zu komprimieren, ist der naheliegende erste Schritt. Besteht der Kunde auf einem Slider, schlage ich eine einzige statische Hauptbotschaft vor. Die übrigen Botschaften bekommen dann weiter unten eigene Abschnitte.
Warum sind Hintergrundbilder und Text in Bildern riskant?
Designer setzen Bilder gern als CSS Hintergrund ein, weil Zuschnitt und Positionierung damit leichter fallen. Die Richtlinien von Google zur Bildersuche enthalten allerdings einen klaren Satz: Google indexiert keine CSS Bilder. Steht Ihr Produktfoto also als Hintergrund im Code, existiert es für die Bildersuche nicht.
Das zweite Risiko ist Text, der im Bild steckt. Stehen Kampagnentitel, Preis oder Leistungsname in einer Bannergrafik, kann der Besucher sie lesen, die Suchmaschine aber nicht. Ebenso haben Menschen mit Screenreader dasselbe Problem. Obendrein sehen auch Übersetzungstools diesen Text nicht.
Meine Regel lautet:
- Jedes Bild mit inhaltlichem Wert kommt als HTML img Element mit aussagekräftigem Alternativtext.
- Nur dekorative Texturen und Muster bleiben CSS Hintergründe.
- Jeder Text in einer Grafik steht zusätzlich als echter Text auf der Seite.
Am Aussehen des Designs ändert das nichts. Es ändert also nur, wie der Code aufgebaut ist.
Wie beeinflussen Popups das Ranking, während sie Conversions bringen?
Das Marketing liebt Popups, denn sie liefern schnelle Ergebnisse für Newsletterlisten und Kampagnen. Ein Fenster, das den Bildschirm sofort beim Laden verdeckt, versperrt allerdings die Antwort, für die der Suchende gekommen ist. Die Hinweise von Google zu aufdringlichen Interstitials empfehlen stattdessen Banner, die nur einen kleinen Teil des Bildschirms beanspruchen.
Die Signalseite dieses Themas verdient einen eigenen Beitrag, daher konzentriere ich mich hier auf den gestalterischen Kompromiss. Rechtliche Pflichten wie Cookie Einwilligung oder Altersprüfung gehören in eine andere Kategorie, und die sollten Sie behalten. Die Diskussion dreht sich daher meist um werbliche Fenster.
Kompromisse, die sich in der Praxis bewähren:
- Zeigen Sie das Fenster erst, nachdem der Besucher einen Teil der Seite gelesen hat.
- Nutzen Sie mobil eine schmale Leiste am unteren Rand statt einer Vollbildebene.
- Machen Sie die Schaltfläche zum Schließen groß und gut erkennbar.
- Zeigen Sie demselben Besucher dasselbe Fenster nicht zweimal pro Sitzung.
Somit behalten Sie die Chance auf Conversions, ohne den ersten Eindruck zu opfern.
Endloses Scrollen oder Paginierung: Wo passt eine Schaltfläche „Mehr laden“?
Endloses Scrollen macht das Stöbern in Produktlisten flüssig, besonders mobil. Das Problem: Google scrollt nicht wie ein Mensch durch diesen Strom. Die Dokumentation von Google zu Paginierung und inkrementellem Laden hält fest, dass die Crawler keine Schaltflächen anklicken und JavaScript Funktionen, die eine Nutzeraktion erfordern, in der Regel nicht auslösen.
Folglich bleibt alles nach dem ersten Produktblock für Suchmaschinen womöglich unsichtbar, sofern nicht jeder Block eine eigene Adresse hat. Dieselbe Dokumentation empfiehlt eine eindeutige URL pro Seite, etwa ?page=2, ein eigenes Canonical Tag und echte Ankerlinks zwischen den Seiten. Die erste Seite als Canonical für die gesamte Reihe zu nutzen, rät Google ausdrücklich ab.
Mein bevorzugter Kompromiss kombiniert eine Schaltfläche „Mehr laden“ mit echter Paginierung. Tippt der Besucher darauf, erscheinen neue Produkte darunter, und die Adresszeile wechselt auf ?page=2. Zudem steht im Quellcode neben der Schaltfläche ein normaler Link zur nächsten Seite. Also erlebt der Besucher eine flüssige Liste, und Google erreicht trotzdem jede einzelne Seite.
Wann hilft Lazy Loading, und wann versteckt es Inhalte?
Lazy Loading entlastet eine Seite, indem es Bilder und Inhalte außerhalb des sichtbaren Bereichs erst bei Bedarf lädt. Das ist zunächst gut für Besucher und Server. An der falschen Stelle wird es allerdings zum Vorhang, der Inhalte verbirgt.
Die Dokumentation von Google zu Lazy Loading nennt zwei Warnungen. Erstens interagiert die Google Suche nicht mit Ihrer Seite; Laden per Scrollen oder Klick funktioniert für sie nicht. Zweitens sollten Sie Inhalte, die sofort im Blickfeld liegen, nicht verzögert laden, da sie sonst später erscheinen können.
In der Praxis teile ich so auf:
- Hauptbild und Überschrift im ersten Bildschirm: kein Lazy Loading, sofort laden.
- Galerie und Produktbilder weiter unten: Lazy Loading über das eingebaute loading Attribut des Browsers.
- Textblöcke wie Bewertungen oder ähnliche Produkte: laden, sobald sie ins Blickfeld kommen, nie erst nach einem Klick.
Überspringen Sie den letzten Schritt nicht. Öffnen Sie das gerenderte HTML im Tool zur URL Prüfung der Search Console und kontrollieren Sie, ob die Bildadressen tatsächlich dort stehen.
Kann Google Buttons und Links crawlen, die JavaScript erzeugt?
Moderne UI Bibliotheken lösen gern alles Klickbare mit einem Klickereignis auf einem div oder span. Für den Besucher macht das keinen Unterschied; er tippt auf die Karte und landet auf der neuen Seite. Für eine Suchmaschine ist diese Karte allerdings kein Link. Die bereits erwähnte Dokumentation zu crawlbaren Links hält fest, dass Google URLs aus Elementen ohne href oder aus Elementen mit reinen Skriptereignissen nicht zuverlässig auslesen kann.
Dafür müssen Sie das Design nicht ändern. Die Karte behält also ihr Aussehen. Nur der Titel in der Karte wird zu einem echten Anker mit href. Zudem verbessert diese Änderung die Barrierefreiheit, denn Tastaturnutzer und Screenreader erkennen den Link nun.
Setzt Ihre Website stark auf JavaScript, lesen Sie meinen Beitrag zu technischem SEO nach der KI Wende. Dort zeige ich auch, wie ich das gerenderte HTML mit dem Rohquelltext vergleiche.
Wie finden kurze Designtexte und lange SEO Inhalte zusammen?
Das ist also der Klassiker. Das Design sagt, niemand liest, zwei Zeilen reichen. Die SEO Seite sagt, die Konkurrenzseite hat zweitausend Wörter. Eigentlich haben beide teilweise recht. Die meisten Besucher überfliegen die Seite, eine kleinere Gruppe liest die Details gründlich.
Meine Lösung sind Inhalte in Schichten. Der erste Bildschirm enthält die Antwort und die Handlungsaufforderung. Direkt darunter folgen überfliegbare Überschriften, kurze Absätze und Listen. Tiefere Abschnitte für Leser, die mehr wissen wollen, stehen dann weiter unten. Somit findet der eilige Besucher in zehn Sekunden, was er sucht, und der gründliche Leser vertieft sich, ohne die Seite zu verlassen.
Eine Wortzahl setze ich nie als Ziel. Das Ziel ist, die Suchintention vollständig zu erfüllen. Wie flüssig Ihr Text ist, können Sie mit dem Tool zum Lesbarkeit prüfen einschätzen. Wie Sie Inhalte für KI gestützte Suchergebnisse aufbereiten, erkläre ich im Beitrag Content für AI Overviews schreiben.
Welche Entscheidungstabelle hilft bei Konflikten zwischen UX und SEO?
In der Zusammenarbeit mit Teams nutze ich eine einfache Tabelle, um persönliche Vorlieben aus der Diskussion zu nehmen. Jede Zeile zeigt eine häufige Designentscheidung, die Sorge beider Seiten und den Kompromiss, den ich empfehle.
| Designentscheidung | Sorge der UX | Sorge der SEO | Kompromiss |
|---|---|---|---|
| Tabs | Überladener Bildschirm | Crawlbarkeit des Inhalts | Inhalt im HTML, nur per CSS verborgen |
| Hamburgermenü | Platz auf dem Smartphone | Interne Verlinkung | Wichtige Links sichtbar, Menüpunkte als echte Anker |
| Vollbild Hero | Starker erster Eindruck | Kein Text im ersten Bildschirm | Halbe Höhe, HTML Überschrift und Nutzensatz |
| Automatischer Slider | Mehrere Botschaften | Schwere Seite, unklare Überschriften | Eine statische Botschaft, Rest als Abschnitte |
| Popup | Mehr Newsletterkontakte | Verdeckter Inhalt | Verzögert, kleines Banner, leicht zu schließen |
| Endloses Scrollen | Flüssiges Stöbern | Zugang zu tiefen Produkten | „Mehr laden“ plus ?page= URLs |
| CSS Hintergrundbild | Flexibles Layout | Bild nicht indexiert | Inhaltsbilder als img mit Alternativtext |
Diese Tabelle beschleunigt die Diskussion, weil jeder die Sorge der anderen Seite schwarz auf weiß sieht.
Welche Prüfschritte gehören in den Designprozess?
Das Gleichgewicht nach dem Livegang zu reparieren ist teuer. Deshalb baue ich die Prüfungen direkt in den Prozess ein. Die folgenden Schritte sind der Standardablauf in meinen Webdesign Projekten:
- Im Wireframe notieren Sie für jede Seite die Suchintention und die Hauptfrage.
- Im Design ergänzen Sie jeden versteckten, einklappbaren oder scrollbaren Baustein um eine Notiz: Was steht im HTML?
- In der Entwicklung prüfen Sie, was die Seite mit deaktiviertem JavaScript zeigt.
- Vor dem Livegang kontrollieren Sie auf der Testumgebung das gerenderte HTML und die Zahl der internen Links.
- Nach dem Livegang sehen Sie sich Search Console und Analytics in den ersten vier Wochen wöchentlich an.
Diese Schritte bremsen das Design nicht. Im Gegenteil, sie verringern späte Korrekturwünsche. Bauen Sie eine bestehende Website neu, folgen Sie zusätzlich den Schritten aus meinem Beitrag SEO beim Website Relaunch schützen.
Sind die Konflikte auf Unternehmensseiten und in Onlineshops gleich?
Nein, das Konfliktfeld verschiebt sich mit dem Seitentyp. Auf Unternehmensseiten entsteht der Streit meist auf der Startseite und den Leistungsseiten. Das Design will ein großes Markenbild und einen Slogan aus zwei Wörtern. Die SEO Seite will dagegen den Namen der Leistung, die Region und das gelöste Problem klar benennen.
Im E-Commerce wandert der Streit auf Listen und Produktseiten. Filter, Sortieroptionen, endloses Scrollen und Produkttabs entscheiden dort. Erzeugt zum Beispiel jede Kombination aus Farbfilter und Größenfilter eine eigene URL, muss die Suchmaschine Tausende fast gleicher Seiten verarbeiten. Andererseits führt es zu Lücken, alle Filter komplett in JavaScript zu vergraben. Wichtige Kategorievarianten tauchen dann nie in der Suche auf.
Meine Empfehlung: Filter mit echter Suchnachfrage, etwa „schwarze Ledertasche“, machen Sie zu dauerhaften, crawlbaren Seiten. Den Rest halten Sie aus dem Index heraus. Wie ich solche Entscheidungen treffe, beschreibe ich auf meiner Seite zur E-Commerce Beratung. Auf Unternehmensseiten macht es dagegen oft schon einen großen Unterschied, den Namen der Leistung in den ersten Bildschirm zu schreiben.
Welche Rolle spielt Barrierefreiheit in diesem Gleichgewicht?
Barrierefreiheit ist für mich die natürliche Brücke zwischen UX und SEO. Das meiste, was ein Screenreader braucht, braucht auch eine Suchmaschine: eine logische Überschriftenfolge, echte Links, Alternativtexte bei Bildern, Buttons als Buttons und Listen als Listen.
Deshalb verlagere ich Diskussionen im Team oft auf die Barrierefreiheit. Der Satz „Machen wir das für Google so“ überzeugt einen Designer vielleicht nicht. Der Satz „Wer mit der Tastatur navigiert, kann diese Karte nicht öffnen“ zeigt dagegen sofort, dass echte Menschen betroffen sind. Obendrein nützt die Lösung beiden Seiten.
In der Praxis ergänze ich jede Designübergabe um drei Prüfungen:
- Hat die Seite genau eine H1, und folgen die Zwischenüberschriften in sinnvoller Reihenfolge?
- Ist jedes klickbare Element ein Link oder Button, den die Tastatur erreicht?
- Erschwert der Kontrast zwischen Text und Hintergrund das Lesen?
Diese Prüfungen dauern wenige Minuten und verhindern später eine große Korrektur.
Verändert die KI gestützte Suche Designentscheidungen?
Teilweise ja. KI Zusammenfassungen in der Suche ziehen kurze, klare Passagen aus Ihrer Seite. Daher kostet es heute noch mehr, die Antwort in einem Bild, hinter einem Tab oder auf der zweiten Sliderfolie zu verstecken. Absätze, die als reiner Text dastehen und für sich allein verständlich sind, helfen menschlichen Lesern und diesen Systemen gleichermaßen.
Trotzdem bleibt das Grundprinzip gleich: Ein Aufbau, der für Besucher funktioniert, funktioniert meist auch für Maschinen. Ausführlicher behandle ich das im Beitrag Was ist AEO. Für das Design sollten Sie sich vor allem eines merken. Der erste Satz jedes Abschnitts beantwortet die Frage dieses Abschnitts direkt.
Woran erkennen Sie, dass UX und SEO im Gleichgewicht sind?
Ob UX und SEO im Gleichgewicht sind, ist kein Gefühl, sondern messbar. Eine einzelne Kennzahl führt allerdings in die Irre. Nach jeder Designänderung lese ich deshalb zwei Datengruppen nebeneinander.
Auf der Suchseite verfolge ich Impressionen, Klicks und durchschnittliche Position pro Seite in der Search Console. Verliert eine Seite nach einem Umbau der Tabs Impressionen für Longtail Anfragen, erreicht der Inhalt vermutlich den Crawler nicht mehr. Zudem prüfe ich Titel und Beschreibung mit einer Google SERP Vorschau, um das Suchergebnis zu sehen.
Auf der Nutzerseite zählen in GA4 vor allem Interaktionsrate, durchschnittliche Interaktionsdauer und die Conversion Ereignisse. Angenommen, die Newsletteranmeldungen sinken leicht, nachdem Sie ein Popup verzögern. Steigen zugleich Interaktion und organische Conversions, ist das für mich ein guter Tausch.
Noch eine Warnung. Versuchen Sie nicht, die Wirkung einer Designänderung in der ersten Woche abzulesen. Effekte in der Suche brauchen oft einige Wochen, und saisonale Schwankungen trüben das Bild. Ich vergleiche jeweils vier Wochen vor und nach der Änderung, idealerweise zusammen mit demselben Zeitraum im Vorjahr. Dieser Zeitraum ist ein Startwert aus meiner Praxis, keine Garantie.
Welche Kompromissfehler sehe ich am häufigsten?
Seit Jahren begegnen mir in verschiedenen Projekten dieselben Fehler. Die meisten entstehen nicht aus böser Absicht, sondern weil zwei Teams die Sprache des anderen nicht sprechen.
- Den SEO Text ganz unten als kleinen grauen Block platzieren. Besucher ignorieren ihn, und Suchmaschinen fragen sich, was er zum Thema der Seite beiträgt.
- Inhalte mobil kürzen und auf dem Desktop vollständig lassen. Weil Google bei der Mobile First Indexierung die mobile Version betrachtet, ist das ein direkter Inhaltsverlust.
- Dieselbe lange Liste an Footerlinks auf jeder Seite einbauen.
- Dem SEO Team erst nach der Designfreigabe sagen, dass es jetzt draufschauen kann.
- Für mehr Conversions zwei verschiedene Popups auf jede Seite setzen.
Diesen Fehlern ist gemeinsam, dass eine Seite allein und für eine einzige Kennzahl entschieden hat. Die Lösung ist ebenso einfach: gemeinsam am Tisch entscheiden, mit den Daten beider Seiten.
Wie organisiere ich die Arbeit in einem neuen Projekt?
In meinen eigenen Projekten halte ich Design und SEO Entscheidungen möglichst bei derselben Person, zumindest aber im selben Termin. Das ist für mich der größte Vorteil der Arbeit ohne Zwischenhändler. Die Botschaft verliert auf dem Weg von einem Team zum anderen nicht ihre Bedeutung.
Der Ablauf sieht meist so aus. Zunächst entsteht die Keyword und Seitenkarte; dafür nutze ich meine Methode, um Keywords zu finden, die verkaufen. Danach zeichnen wir die Wireframes nach der Suchintention jeder Seite. Anschließend kleiden wir dieses Gerüst in das Design, dann folgt die Entwicklung.
Am Ende jeder Phase steht eine kurze gemeinsame Prüfung. So bekommt eine Frage wie „Sollen wir das Hero Bild verkleinern?“ ihre Antwort im Design und nicht drei Monate nach dem Livegang. Möchten Sie diesen Prozess für Ihr Projekt aufsetzen, finden Sie den Umfang auf meiner Seite zur SEO Beratung. Oder Sie schreiben mir direkt über die Kontaktseite.
Fazit: UX und SEO bleiben eine Daueraufgabe
UX und SEO in Einklang zu bringen ist keine Einstellung, die Sie einmal setzen und dann vergessen. Jeder neue Baustein, jedes Kampagnenpopup und jede Menüänderung verschiebt das Gleichgewicht ein wenig. Deshalb liegt die dauerhafte Lösung eher in einer Arbeitsgewohnheit als in einer Regelliste.
Zusammengefasst halte ich mich an drei Grundsätze. Erstens: Oberfläche und Quellcode getrennt denken; das Design darf verbergen, aber das HTML muss den Inhalt tragen. Zweitens: Hauptantwort und Haupthandlung nie hinter einen Klick legen. Drittens: jede Änderung mit Suchdaten und Nutzerdaten zugleich messen.
Wenn Sie diese drei Grundsätze anwenden, beruhigt sich die Diskussion zwischen Design und SEO meist deutlich. Schließlich stellen dann beide Seiten dieselbe Frage: Macht diese Entscheidung es dem Menschen leichter, der nach dieser Seite gesucht und sie gefunden hat?




