Website planen: Strategische Fehler in der Planung und ihre Lösungen

Wer eine Website planen möchte, unterschätzt fast immer die Phase vor dem Design. Dabei ist sie die günstigste Phase des ganzen Projekts. In diesem Beitrag zeige ich Ihnen die strategischen Fehler, die ich am Planungstisch immer wieder sehe, und zu jedem Fehler eine konkrete Lösung. Ich arbeite seit 2012 an Unternehmenswebsites und Onlineshops; das hier ist Praxis, keine Theorie.
Welche strategischen Fehler passieren, wenn Unternehmen eine Website planen?
Wenn Unternehmen eine Website planen, entstehen die teuersten Fehler durch fehlende Entscheidungen vor Design und Entwicklung: kein klares Ziel, keine definierte Zielgruppe, Inhalte erst ganz am Ende, kein Messkonzept sowie unklares Budget und unklare Verantwortung. Jeder dieser Fehler vervielfacht Kosten und Verzögerung in allen späteren Phasen.
Dazu kommen drei weitere Klassiker. Man denkt zu spät an technische Anforderungen, kopiert einen Wettbewerber und vergisst die Zeit nach dem Launch. Ich behandle jeden Fehler in einem eigenen Abschnitt. Zunächst beschreibe ich, wie er in der Praxis aussieht; danach folgt die Lösung.
Am Ende finden Sie eine Übersichtstabelle und eine Gliederung für Ihr Planungsdokument. Somit können Sie den Beitrag direkt als Checkliste für Ihr nächstes Projekt nutzen.
Warum ist ein Planungsfehler der teuerste Fehler?
Ein Planungsfehler ist teuer, weil alles, was darauf aufbaut, den Fehler erbt. Die Navigation folgt dem Ziel. Danach folgen die Inhalte der Navigation, und die Werbung folgt den Inhalten. Entdecken Sie das Problem erst nach dem Launch, reparieren Sie also nicht ein Teil, sondern die ganze Kette.
Ein Beispiel: Das Design ist freigegeben, und plötzlich heißt es: „Eigentlich sollten wir auch Händler ansprechen.“ Das bedeutet nicht nur eine zusätzliche Seite. Menü, Formularfelder, Dankeseite und Tracking ändern sich ebenfalls. Folglich wächst eine Woche Verzug schnell auf einen Monat an.
Nach meiner Erfahrung sparen zwei bis drei Wochen Planung einen großen Teil der späteren Korrekturschleifen. Das ist ein wiederkehrendes Muster aus der Praxis, allerdings keine Garantie. Kurz gesagt: Planung ist kein Kostenfaktor, sondern eine Versicherung.
Zudem gibt es versteckte Kosten, nämlich die Motivation im Team. Wer dieselbe Seite zum vierten Mal gestaltet, verliert den Glauben an das Projekt. Deshalb schützt ein guter Plan auch die Energie der Menschen, die daran arbeiten.
Fehler 1: Was kostet es, ohne klares Ziel zu starten?
Der häufigste Fehler beginnt mit dem Satz „Wir brauchen eine neue Website“, ohne jemals aufzuschreiben, was die Website leisten soll. Dann bringt jeder sein eigenes Ziel mit. Der Vertrieb will Anfragen, die Geschäftsführung will Prestige, und das Marketing will einen Blog. Am Ende dient die Seite allen ein bisschen und niemandem richtig.
Die Anzeichen sind daher meist dieselben:
- Auf der Startseite stehen fünf verschiedene Handlungsaufforderungen nebeneinander.
- Designdiskussionen drehen sich um Farben und Schriften, kaum um Geschäftsergebnisse.
- Nach dem Launch kann niemand mit einer Zahl sagen, ob die Seite funktioniert.
- Änderungswünsche beruhen auf Geschmack statt auf Daten.
Außerdem fehlt ohne Ziel auch jede Definition von Erfolg. Deshalb fühlt sich das Projekt nie fertig an; irgendjemand bringt immer noch einen Wunsch mit.
Wenn Kunden mit mir eine Website planen, prüfe ich das im ersten Termin mit einer einzigen Frage: „Welches Ergebnis würde Sie drei Monate nach dem Launch zufriedenstellen?“ Nennt jeder am Tisch etwas anderes, sind Sie noch nicht bereit für das Design.
Wie lösen Sie das Problem des fehlenden Ziels?
Die Lösung lautet: ein primäres Ziel und höchstens zwei sekundäre Ziele. Das primäre Ziel ist die Handlung, die direkt Umsatz bringt, also Angebotsanfrage, Anruf, Terminbuchung oder Kauf. Sekundäre Ziele sind Vorstufen, etwa eine Newsletter Anmeldung oder ein Katalogdownload.
Beantworten Sie dafür drei Fragen. Was genau soll ein Besucher auf der Seite tun? Welchen Wert schafft diese Handlung für Ihr Unternehmen? An welcher Zahl erkennen Sie in sechs Monaten, dass die Seite erfolgreich ist? Diese Antworten gehören auf die erste Seite Ihres Planungsdokuments.
Ein Rechenbeispiel zur Veranschaulichung: Ein Dienstleister möchte jeden Monat eine feste Zahl qualifizierter Anfragen erhalten. Dieses eine Ziel bestimmt zugleich die Handlungsaufforderung auf der Startseite, die Formularfelder und die Kampagnenstruktur. Ändert sich das Ziel, ändern sich somit alle drei Entscheidungen gemeinsam.
Wie Sie Ziele in Zahlen übersetzen, erkläre ich im Beitrag Conversion Ziele festlegen. Entscheidend ist hier der Zeitpunkt: Holen Sie die Freigabe für das Ziel vor dem Designstart ein.
Fehler 2: Warum ist eine Website ohne Zielgruppenwissen riskant?
Der zweite große Fehler: Die Website spricht über das Unternehmen statt mit dem Besucher. „Über uns“ füllt die Seiten, die eigentliche Frage des Besuchers bleibt offen. Findet er in wenigen Sekunden nicht, was er sucht, verlässt er die Seite. Oft bemerken Sie diesen Verlust nicht einmal.
Ohne definierte Zielgruppe schwankt zudem der Ton. Eine Seite ist voller Fachbegriffe, die nächste klingt locker. Andererseits fehlen genau die Informationen, die Kaufentscheidungen tragen, etwa Preisrahmen, Lieferzeit und Garantie, oder sie stehen ganz unten.
Im B2B Umfeld verdoppelt sich dieser Fehler, denn dort entscheidet selten eine einzelne Person. Technische Leitung, Einkauf und Geschäftsführung suchen jeweils etwas anderes. Trennen Sie diese Rollen in der Planung nicht, überzeugt die Seite keine davon. Außerdem erreicht Ihr Werbebudget dann die falschen Leute.
Konkret hilft ein schneller Test: Zählen Sie auf Ihrer Startseite die Sätze mit „wir“ und die Sätze mit „Sie“. Überwiegt „wir“ deutlich, spricht die Website vor allem mit sich selbst.
Wie definieren Sie die Zielgruppe, wenn Sie eine Website planen?
Wenn Sie eine Website planen, definieren Sie die Zielgruppe am praktischsten in einem einstündigen Gespräch mit Vertrieb und Kundenservice. Fragen Sie nach den zehn häufigsten Kundenfragen, den häufigsten Einwänden und den Alternativen, mit denen Käufer Sie vergleichen. Diese Liste ist das Rohmaterial für Ihre Inhaltsstruktur.
Schreiben Sie danach für jede Gruppe ein kurzes Profil:
- Wer: Rolle, Branche, Entscheidungsbefugnis.
- Was: das Problem, das gelöst sein soll, und wie dringend es ist.
- Warum zögert die Person: Preis, Vertrauen, Zeit oder technische Passung.
- Welcher Beweis überzeugt: Referenzen, Zertifikate, Beispiele, Garantien.
Vertiefen können Sie das mit meinem Leitfaden zur Zielgruppenanalyse. Für die Planung reichen zwei oder drei Profile. Es geht nicht um die perfekte Persona, sondern darum, zu wissen, mit wem jede Seite spricht.
Fehler 3: Warum blockieren Inhalte am Ende das ganze Projekt?
Zunächst die klassische Reihenfolge: erst Design, dann Entwicklung, und zum Schluss „die Texte liefern Sie dann“. Diese Reihenfolge klemmt in fast jedem Projekt an derselben Stelle. Der Designer zeichnet leere Kästen; danach passen die Texte nicht hinein, oder es gibt zu wenig Text.
Zudem ist der Textverzug meist der längste Verzug im Projekt. Design und Entwicklung sind fertig, doch die Seite wartet wochenlang mit Platzhaltertext. Schließlich gehen kurze, austauschbare Texte in Eile online. Solche Texte überzeugen weder Besucher, noch bringen sie Sichtbarkeit in der Suche.
Google schreibt in der Search Central Anleitung zu hilfreichen Inhalten, dass die Rankingsysteme hilfreiche, zuverlässige Informationen bevorzugen sollen, die für Menschen erstellt sind. Hastig gefüllte Seiten erfüllen diesen Anspruch selten. Also sind Inhalte keine Dekoration, sondern das eigentliche Produkt Ihrer Website.
Außerdem sprengen späte Texte das Layout. Ein Überschriftenfeld für drei Wörter hält einen Produktnamen mit neun Wörtern nicht aus. Dann kommt der Designer zurück, und der Zeitplan rutscht erneut.
Wie funktioniert eine inhaltsgetriebene Planung?
Inhaltsgetriebene Planung heißt: Sie legen Zweck, Kernbotschaft und Abschnittsüberschriften jeder Seite fest, bevor das Design beginnt. Der vollständige Text muss noch nicht stehen, das Gerüst aber schon. So arbeitet der Designer mit echten Überschriftenlängen und einer echten Zahl an Abschnitten.
In der Praxis empfehle ich diese Reihenfolge:
- Seitenstruktur entwerfen und jeder Seite genau einen Zweck geben.
- Für jede Seite den Suchbegriff festlegen, auf den sie zielt.
- Abschnittsüberschriften und die jeweils beantwortete Frage notieren.
- Belege sammeln: Referenzen, Fotos, Zertifikate, Kennzahlen.
- Erst nach Freigabe dieses Gerüsts mit dem Design beginnen.
Für die Zuordnung der Suchbegriffe hilft Ihnen ein sauberes Keyword Mapping. Damit verhindern Sie zudem, dass zwei Seiten später um dieselbe Suchanfrage konkurrieren.
Fehler 4: Was kostet ein Launch ohne Messkonzept?
Wer eine Website planen will und das Messkonzept vergisst, startet blind. Jemand baut den Analytics Code ein, doch niemand legt fest, welche Handlungen zählen. Einige Monate später fragen Sie nach einem Bericht und haben nur Besucherzahlen. Diese Zahl trägt kaum eine echte Entscheidung.
Besonders ärgerlich: Das lässt sich nachträglich nicht reparieren. Haben Sie drei Monate lang keine Formularanfragen erfasst, können Sie diese Daten nicht rekonstruieren. Mit bezahlter Werbung wird es noch schlimmer, denn die Werbeplattform weiß dann nicht, worauf sie optimieren soll.
In Google Analytics heißen wichtige Handlungen inzwischen Key Events. Die Analytics Hilfe erklärt den Unterschied zwischen Key Events und Conversions: Ein Key Event misst eine Handlung, die für Ihren Geschäftserfolg wichtig ist; eine Conversion nutzen Sie dagegen zur Optimierung in Google Ads. Das heißt: Entscheiden Sie nicht, welche Ereignisse zählen, kann es auch kein System für Sie tun.
Ohne Messung bleibt zudem jede Diskussion Meinungssache. Der eine mag das neue Design, der andere vermisst das alte, und niemand hat Daten. Ein Messkonzept verwandelt solche Debatten in Zahlen.
Wie erstellen Sie ein Messkonzept vor dem Launch?
Ein Messkonzept ist eine kurze Tabelle, die Ihre Ziele in messbare Ereignisse übersetzt. Jede Zeile nennt eine Handlung, den technischen Auslöser, zusätzliche Details und die verantwortliche Person. Geben Sie diese Tabelle dem Entwickler schon während der Designphase, nicht erst am Tag vor dem Launch.
Klären Sie in der Planung diese Punkte:
- Welche Ereignisse zählen als Key Events: Formular, Anruf, Kauf.
- Wie Sie Kampagnentraffic kennzeichnen; legen Sie dafür mit dem UTM Generator eine feste Namensregel fest.
- Wer die Search Console Property anlegt und wer Zugriff erhält.
- Wer den Bericht liest und wie oft.
Warum die Search Console ab dem ersten Tag laufen sollte, erkläre ich in meiner Search Console Anleitung. Welche Kennzahlen sinnvoll sind, finden Sie im Beitrag zu Online Marketing KPIs.
Fehler 5: Warum ist es riskant, das ganze Budget ins Design zu stecken?
Wer eine Website planen möchte, sieht das Budget oft als einen einzigen Posten: die Erstellung der Website. Die echten Kosten bestehen allerdings aus Erstellung, Inhalten, Messung, Traffic und Wartung. Stecken Sie alles ins Design, bleibt Ihnen eine schöne, leere Website ohne Besucher.
Das typische Ergebnis sieht so aus: Die Seite geht live, im ersten Monat kommt kaum jemand, für Werbung ist kein Geld übrig, und für Inhalte fehlt die Zeit. Dann heißt es: „Die Website hat nichts gebracht.“ Das eigentliche Problem ist jedoch die Budgetverteilung, nicht die Website.
Teilen Sie das Budget deshalb in mindestens vier Posten: Erstellung, Inhalte und Bildmaterial, Traffic für die ersten drei Monate sowie jährliche Wartung und Hosting. Die richtige Gewichtung hängt von Ihrer Branche ab, daher nenne ich bewusst keinen festen Prozentsatz. Ein Projekt ohne Mittel für Traffic und Inhalte würde ich allerdings nicht beginnen.
Achten Sie außerdem auf versteckte Kosten wie lizenzierte Schriften, Stockfotos, Plugin Abos und kostenpflichtige Schnittstellen. Für bezahlte Suche hilft Ihnen mein Beitrag zum Google Ads Budget.
Fehler 6: Was passiert, wenn Verantwortung und Entscheidungsrechte unklar sind?
Ohne klare Projektverantwortung fallen Entscheidungen entweder gar nicht, oder es gewinnt, wer zuletzt spricht. Sie geben das Design dreimal frei, dann äußert eine vierte Person ihre Meinung, und alles beginnt von vorn. Diese Schleife frisst Zeitplan und Budget.
Unklare Verantwortung hat eine zweite Seite, die sich erst nach dem Launch zeigt. Wer ist für die Website zuständig? Wer pflegt Inhalte, liest Formularnachrichten und behält die Domainverlängerung im Blick? Fehlen diese Antworten, veraltet die Seite innerhalb weniger Monate.
Die Lösung ist einfach, braucht allerdings Disziplin. Nennen Sie im Planungsdokument genau eine verantwortliche Person; nur sie gibt final frei. Listen Sie dann alle auf, die Feedback geben, und setzen Sie eine Frist dafür. So hat jeder eine Stimme, dennoch bleibt der Zeitplan stabil.
Schriftlich festgelegte Verantwortung erleichtert auch die Arbeit mit Agentur oder Freelancer. Die Gegenseite weiß, wen sie fragen muss. Folglich werden E-Mail Verläufe kürzer und Termine seltener.
Wie sichern Sie Konten und Zugänge schon in der Planung ab?
Die technische Seite der Verantwortung ist eine einfache Frage: Auf wessen Namen laufen die Konten? Liegen Domain, Hosting, Analytics, Search Console und Werbekonten im Konto der Agentur oder im privaten Login eines Mitarbeiters, haben Sie ein Zugangsproblem, sobald diese Person geht. Lösen Sie das am Anfang, nicht am Ende.
Legen Sie deshalb eine Regel fest: Jedes Konto läuft über eine E-Mail Adresse des Unternehmens, externe Partner erhalten nur Nutzerrechte. Falls Sie noch keine Adresse mit eigener Domain haben, hilft Ihnen mein Beitrag zur E-Mail mit eigener Domain beim Einstieg.
Führen Sie zudem eine kurze Zugangsliste: welches Konto, wer es kontrolliert, welche Berechtigungsstufe. Sie ist selten länger als eine Seite. Trotzdem bewahrt sie Sie über die Jahre vor erstaunlich vielen kleinen Krisen.
Fehler 7: Warum machen späte technische Anforderungen Ärger?
Erfahren Sie nach der Designfreigabe, dass die Seite zweisprachig sein soll oder an das Warenwirtschaftssystem angebunden sein muss, ändert sich die Architektur. Sprachstruktur, URL Muster, Schnittstellen und Anforderungen an das Redaktionssystem gehören in die Planung. Sonst baut der Entwickler später Flickwerk ein, und die Seite wird fragil.
Ebenso gehört die Performance hierher. Googles Leitfaden zu Core Web Vitals auf web.dev empfiehlt einen LCP von höchstens 2,5 Sekunden, einen INP von höchstens 200 Millisekunden und einen CLS von höchstens 0,1, gemessen am 75. Perzentil der Seitenaufrufe. Wägen Sie schwere Slider und automatisch startende Videos schon in der Planung gegen diese Schwellen ab, müssen Sie das Design später nicht für die Ladezeit opfern.
Wie sich die Ladezeit auf die Suche auswirkt, lesen Sie im Beitrag Ladezeit und SEO. Ersetzen Sie eine bestehende Seite, planen Sie auch die URL Änderungen jetzt; dazu passt mein Leitfaden SEO beim Relaunch schützen.
Fehler 8: Ist es eine Strategie, die Website eines Wettbewerbers zu kopieren?
„Machen Sie es so wie bei Firma X“ gehört zu den häufigsten Sätzen in Planungsrunden. Referenzen sind nützlich, Kopieren ist jedoch keine Strategie. Der Wettbewerber hat seine Seite für sein Ziel, seine Zielgruppe und sein Budget gebaut. Außerdem wissen Sie gar nicht, ob sie überhaupt funktioniert.
Kopieren löscht zudem jede Differenzierung. Nutzen zwei Firmen dieselbe Struktur, dieselben Überschriften und dieselbe Bildsprache, vergleichen Besucher nur noch den Preis. Dabei soll Ihre Website gerade erklären, warum man Sie wählen sollte.
Nutzen Sie die Wettbewerbsanalyse stattdessen als Lückenanalyse. Welche Fragen beantworten die anderen nicht? Welche Belege zeigen sie nicht? Und welche Zielgruppe übersehen sie? Diese Lücken sind das Rohmaterial Ihrer Positionierung. Die Suchseite davon erkläre ich in der SEO Konkurrenzanalyse.
Wie nutzen Sie Referenzseiten also richtig? Notieren Sie zu jeder Seite in einem Satz, was Ihnen gefällt, etwa „der Produktvergleich ist klar“. Dann geben Sie dem Designer ein Prinzip weiter, keine Kopie.
Fehler 9: Wie altert eine Website ohne Plan für die Zeit nach dem Launch?
Viele Pläne enden am Launchtag, und genau darin liegt das Problem. Eine Website bringt Geschäft in den Monaten nach dem Launch, nicht am Tag selbst. Ein nie aktualisierter Newsbereich, ein abgelaufenes Kampagnenbanner und unbeantwortete Formularnachrichten signalisieren: Hier ist niemand zu Hause.
Ein Plan für die Zeit danach enthält mindestens diese Punkte:
- Fehler und defekte Links in den ersten dreißig Tagen prüfen.
- Monatlich Inhalte aktualisieren oder ergänzen, nach festem Kalender.
- Eine zuständige Person für Software, Plugins und Sicherheitsupdates.
- Quartalsweise Auswertung der Ergebnisse gegen die Ziele.
Warum regelmäßige Aktualisierung für die Suche zählt, zeige ich im Beitrag Content aktualisieren. Kurz gesagt ist der Wartungsplan die natürliche Fortsetzung des Erstellungsplans; beide gehören in dasselbe Dokument.
Wie sehen Sie alle Fehler und Lösungen auf einen Blick?
Die folgende Tabelle fasst die Fehler mit Anzeichen und Lösung zusammen. Öffnen Sie sie in Ihrer nächsten Planungsrunde und fragen Sie bei jeder Zeile: Wo stehen wir?
| Fehler | Typisches Anzeichen | Lösung |
|---|---|---|
| Kein klares Ziel | Viele Handlungsaufforderungen auf der Startseite | Ein primäres Ziel, höchstens zwei sekundäre |
| Zielgruppe undefiniert | Texte über das Unternehmen, offene Fragen | Fragenliste aus dem Vertrieb und kurze Profile |
| Inhalte am Ende | Leere Kästen, hastige Texte | Seitengerüst vor dem Design |
| Kein Messkonzept | Berichte nur mit Besucherzahlen | Tabelle mit Key Events und UTM Namensregel |
| Budget als ein Posten | Kein Geld für Traffic nach dem Launch | Vier Posten: Erstellung, Inhalte, Traffic, Wartung |
| Unklare Verantwortung | Endlose Freigabeschleifen | Eine verantwortliche Person und Feedbackfrist |
| Private Konten | Zugang geht mit dem Mitarbeiter | Konten über Firmenadresse |
| Späte Technik | Architekturwechsel nach dem Design | Sprachen, Schnittstellen und Ladezeitziel vorab |
| Wettbewerber kopiert | Austauschbare Botschaft | Lückenanalyse und Positionierung |
| Kein Wartungsplan | Veraltete Inhalte, ignorierte Anfragen | Kalender und zuständige Person nach dem Launch |
Was gehört in das Dokument, wenn Sie eine Website planen?
Ein gutes Planungsdokument muss nicht lang sein, wenn Sie eine Website planen. Für die meisten Unternehmensseiten reichen zehn Seiten. Wichtig ist, dass jede Entscheidung schriftlich festgehalten ist und alle mit derselben Datei arbeiten. Diese Gliederung nutze ich in meinen Projekten:
- Zweck und Ziele: primäres Ziel, sekundäre Ziele, Erfolgskennzahl.
- Zielgruppe: zwei bis drei kurze Profile und die häufigsten Fragen.
- Seitenstruktur: Seitenliste, Zweck jeder Seite und Suchbegriff.
- Inhaltsplan: wer schreibt, bis wann, mit welchen Belegen.
- Messkonzept: Key Events, Namensregel, Berichtsrhythmus.
- Technik: Sprachen, Schnittstellen, Redaktionssystem, Ladezeitziel.
- Budget und Zeitplan: vier Budgetposten und Phasentermine.
- Rollen: verantwortliche Person, Feedbackgeber, Zuständige nach dem Launch.
Dieses Dokument stärkt auch Ihre Position gegenüber Agenturen, denn Sie vergleichen Angebote auf gleicher Grundlage. Welche Fragen Sie vor der Beauftragung stellen sollten, steht in meiner Checkliste zur UI/UX Beauftragung.
Wie teilen Sie die Planung sinnvoll in Wochen auf?
Ein fester Zeitrahmen verhindert die Klage, dass die Planung nie endet. Die folgende Aufteilung ist meine Startspanne für eine mittelgroße Unternehmenswebsite. Sie beruht auf Praxiserfahrung und ist keine Garantie; passen Sie sie also an Ihr Projekt an.
- Woche 1: Zielworkshop, Gespräche mit Beteiligten, verantwortliche Person benennen.
- Danach Woche 2: Zielgruppenprofile, Lückenanalyse der Wettbewerber, erster Entwurf der Seitenstruktur.
- Woche 3: Seitengerüste, Messkonzept, technische Anforderungen, Budgetaufteilung.
Lassen Sie das Dokument dann am Ende der dritten Woche freigeben. Neue Wünsche nach der Freigabe kommen auf eine Liste für Phase zwei. So verlieren Sie keine guten Ideen, und dennoch hält der Zeitplan. Design und Entwicklung können dann in Ruhe arbeiten.
Wie erkennen Sie Planungsfehler, bevor das Design startet?
Machen Sie vor dem Designstart eine kurze Premortem Runde. Versammeln Sie das Team und stellen Sie eine Frage: Angenommen, die Website ist in sechs Monaten gescheitert, woran lag es? Diese Frage bringt Risiken ans Licht, die sonst niemand ausspricht.
Danach helfen drei einfache Tests. Erstens: Fragen Sie fünf Personen nach dem Zweck der Startseite in einem Satz; weichen die Antworten ab, ist das Ziel unklar. Zweitens: Lassen Sie einen echten Kunden die Gerüste Ihrer drei wichtigsten Seiten lesen. Drittens: Prüfen Sie, ob jedes Ereignis im Messkonzept eine zuständige Person hat.
Diese Tests kosten ein bis zwei Tage und sparen dennoch Wochen an Korrekturen. Tragen Sie jedes Risiko mit einer Gegenmaßnahme in die Risikoliste ein. Für die anschließende Designphase empfehle ich meinen Beitrag über UX Fehler, die Umsatz kosten.
Sollten Sie selbst planen oder Unterstützung holen?
Niemand kennt Ihre Ziele, Ihre Zielgruppe und Ihr Budget besser als Sie; deshalb gehört der Plan immer Ihnen. Allerdings erkennt ein Blick von außen schnell Lücken, die ein internes Team nicht sieht. Vor allem Messung, technische Architektur und Suchstrategie profitieren von Erfahrung.
Mein Rat: Schreiben Sie Ziel und Zielgruppe mit Ihrem eigenen Team und holen Sie für Technik und Messung Unterstützung. So bleiben Sie Herr der Entscheidungen und vermeiden teure Fehler in Spezialthemen. In meinen Webdesign Projekten behandle ich die Planung als eigene Phase, und das fertige Dokument bleibt beim Kunden.
Ist Sichtbarkeit in der Suche von Anfang an ein Ziel, bringen Sie auch die Perspektive einer SEO Beratung ein. Seitenstruktur und URLs später zu ändern, ist immer schwerer, als sie gleich richtig anzulegen. Behalten Sie zudem das Planungsdokument selbst, dann verlieren Sie auch bei einem Agenturwechsel kein Wissen.
Womit sollten Sie anfangen, wenn Sie eine Website planen?
Beginnen Sie mit einem einseitigen Zielpapier. Notieren Sie primäres Ziel, Zielgruppe und Erfolgskennzahl, und benennen Sie dann die verantwortliche Person. Sind diese drei Entscheidungen klar, fließen Inhalte, Messung, Budget und Technik deutlich leichter.
Zusammengefasst: Eine gute Website entsteht am Planungstisch, nicht erst am Designpult. Gehen Sie die Tabelle oben für Ihr Projekt durch und schreiben Sie zu jeder Zeile eine Antwort. Die Zeilen ohne Antwort sind Ihre Risikoliste. Wenn Sie in der Planung Unterstützung möchten, erreichen Sie mich über die Kontaktseite.




