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Online Marketing KPIs: Welche Kennzahlen Sie zur Erfolgsmessung wirklich brauchen

Talha AslanTalha Aslan 17 Min. Lesezeit 3 Aufrufe

Im ersten Gespräch mit neuen Kunden höre ich einen Satz besonders oft: "Wir messen alles, aber wir wissen nicht, worauf wir schauen sollen." Deshalb ordne ich in diesem Beitrag die wichtigsten Online Marketing KPIs in einem Katalog, sortiert nach Kanal und Phase im Funnel. Zu jeder Kennzahl finden Sie die Formel, die Frage dahinter und einen Weg zum passenden Ziel. Das Lesen fertiger Reports ist ein eigenes Thema. Hier geht es also darum, die richtigen Kennzahlen auszuwählen und korrekt zu berechnen.

Was sind Online Marketing KPIs?

Online Marketing KPIs sind wenige ausgewählte Kennzahlen, die zeigen, wie nah Werbung, SEO, Social Media und Newsletter einem Geschäftsziel kommen. Typische Beispiele sind also Kosten pro Akquisition, Return on Ad Spend, organische Klicks und Customer Lifetime Value. Kurz gesagt: Jede KPI ist eine Metrik, aber nicht jede Metrik verdient den Status einer KPI.

Ich halte die Definition deshalb bewusst eng. Eine Zahl wird für mich nur dann zur KPI, wenn sie drei Bedingungen erfüllt. Erstens hängt sie an einem Geschäftsziel. Zweitens hat sie eine verantwortliche Person. Drittens trifft jemand eine Entscheidung, sobald sie sich bewegt. Alles andere darf zwar im Dashboard stehen, gehört aber nicht auf die Tagesordnung.

Außerdem empfehle ich, die Anzahl bewusst zu begrenzen. Meine Beobachtung aus der Praxis ist einfach: Sieht eine Führungskraft fünf bis acht Kennzahlen auf einer Seite, entscheidet sie. Sieht sie dagegen zwanzig, schaut sie dann nur noch auf die größte Zahl. Wählen Sie deshalb aus dem folgenden Katalog nur die Kennzahlen, die zu Ihrem Geschäft passen.

Was unterscheidet eine KPI von einer Metrik?

Eine Metrik ist zunächst alles, was Sie zählen können: Impressionen, Klicks, Sitzungen, Likes, Verweildauer. Eine KPI ist dagegen eine dieser Metriken, die Sie an ein Ziel knüpfen und regelmäßig verfolgen. Der Unterschied liegt also nicht in der Zahl selbst. Er liegt stattdessen in der Aufgabe, die Sie der Zahl geben.

Zum Beispiel können organische Sitzungen für ein Onlinemagazin die wichtigste KPI sein. Für einen Dienstleister, der Kunden über ein Anfrageformular gewinnt, ist dieselbe Zahl dagegen nur eine Hilfsgröße. Seine eigentliche KPI sind qualifizierte Anfragen aus der organischen Suche.

In der Praxis hilft ein einfacher Test. Schreiben Sie neben jede Zahl die Frage: "Was tue ich, wenn sich dieser Wert nächsten Monat halbiert?" Lautet die Antwort auf eine klare Maßnahme, haben Sie eine KPI. Lautet sie "Dann beobachten wir das", handelt es sich wahrscheinlich um eine Metrik für Seite zwei.

  • Metriken: Impressionen, Klicks, Sitzungen, Follower, Öffnungen.
  • KPIs: Kosten pro Akquisition, qualifizierte Leads, ROAS, Customer Lifetime Value.
  • Kontextwerte: Marktanteil, Saisonalität, Werbedruck der Wettbewerber.

Wie ordnen Sie Online Marketing KPIs den Phasen im Funnel zu?

In der Praxis folgt die nützlichste Einteilung der Customer Journey. Ich arbeite mit vier Phasen: Aufmerksamkeit, Abwägung, Conversion und Kundenbindung. Jede Phase stellt eine eigene Frage und braucht daher auch eigene Kennzahlen.

  1. Aufmerksamkeit: Wie viele Menschen haben Sie gesehen, und waren es die richtigen?
  2. Abwägung: Haben diese Menschen Interesse gezeigt und Zeit auf Ihrer Website verbracht?
  3. Conversion: Haben Interessenten gekauft, ein Formular ausgefüllt oder angerufen?
  4. Kundenbindung: Sind Kunden zurückgekommen, haben sie erneut gekauft oder Sie empfohlen?

Der größte Vorteil dieser Einteilung ist Fairness, denn Sie beurteilen keinen Kanal mehr mit dem falschen Maßstab. Erwarten Sie zum Beispiel direkte Verkäufe von einer Videokampagne, schalten Sie diese zu früh ab. Ihre Aufgabe ist allerdings Aufmerksamkeit, also verdient sie eine Bewertung mit den passenden Kennzahlen. Ebenso täuschen Sie sich selbst, wenn Sie Traffic aus Markensuchen als Neukundengewinnung zählen.

Wie ich die Phasen mit Retargeting verbinde, zeige ich im Beitrag Sales Funnel mit Remarketing stärken. Dort beschreibe ich auch, welche Botschaft ich in welcher Phase ausspiele.

Welche KPIs zählen in der Phase der Aufmerksamkeit?

In der Phase der Aufmerksamkeit ist die Frage einfach: Haben Sie die richtigen Menschen oft genug erreicht? Deshalb stehen hier Reichweite und Kosten im Vordergrund. Allerdings ist Reichweite allein trügerisch, weil günstige Impressionen oft beim falschen Publikum landen.

  • Reichweite: Anzahl der einzelnen Personen, die Ihre Anzeige mindestens einmal gesehen haben.
  • Frequenz: Impressionen geteilt durch Reichweite. Sie zeigt also, wie oft eine Person die Anzeige im Schnitt sah.
  • CPM: Ausgaben geteilt durch Impressionen, mal 1.000. Das sind somit die Kosten für tausend Impressionen.
  • Volumen der Markensuchen: Impressionen für Suchanfragen mit Ihrem Markennamen in der Search Console.
  • Videoaufrufrate: Personen, die eine bestimmte Dauer zugesehen haben, geteilt durch Impressionen.

Von diesen Werten vertraue ich dem Volumen der Markensuchen am meisten. Denn wer Ihre Anzeige sieht und danach Ihren Namen bei Google eintippt, hat Sie wirklich wahrgenommen. Zudem kostet diese Zahl nichts und hängt nicht vom Reporting der Werbeplattform ab.

Behalten Sie außerdem die Frequenz im Blick. Eine sehr hohe Frequenz bedeutet in der Praxis, dass dieselbe Person dieselbe Anzeige immer wieder sieht und Budget verbrennt. Andererseits kann eine sehr niedrige Frequenz heißen, dass die Botschaft nicht hängen bleibt. Der richtige Bereich hängt schließlich von Branche und Motiv ab. Vergleichen Sie deshalb lieber mit Ihren eigenen historischen Werten.

Wie messen Sie Interesse in der Phase der Abwägung?

In der Phase der Abwägung kennt die Person Sie bereits und vergleicht Angebote. Die Kennzahlen hier messen daher die Qualität des Interesses. Klickrate, Sitzungen mit Interaktion und Aufrufe von Produktseiten sind die zentralen Werte.

Google Analytics 4 liefert dafür zudem eine klare Definition. Laut den GA4 Messwertdefinitionen von Google dauert eine Sitzung mit Interaktion länger als 10 Sekunden, enthält ein Schlüsselereignis oder mindestens zwei Seitenaufrufe. Die Interaktionsrate ist folglich der Anteil dieser Sitzungen. Die Absprungrate ist das genaue Gegenteil, also der Anteil der Sitzungen ohne Interaktion.

  • Klickrate (CTR): Klicks geteilt durch Impressionen, mal 100.
  • Interaktionsrate: Sitzungen mit Interaktion geteilt durch alle Sitzungen.
  • Aufrufe pro Sitzung: Seitenaufrufe geteilt durch Sitzungen.
  • Rate der Mikroconversions: Zwischenschritte wie Warenkorb, Broschürendownload oder Besuch der Preisseite.

Mikroconversions retten vor allem Unternehmen mit langen Verkaufszyklen. Ein B2B Anbieter bekommt zum Beispiel vielleicht nur eine Handvoll Anfragen im Monat. Mit so wenigen Daten lässt sich also keine Kampagne sinnvoll steuern. Wenn Sie dagegen Preisseitenbesuche oder Katalogdownloads messen, erkennen Sie Signale deutlich früher.

Conversion KPIs und ihre Formeln

Die Conversion Phase interessiert die Geschäftsführung am meisten. Deshalb braucht hier jede Kennzahl einen direkten Bezug zum Geld. Die folgenden Formeln gelten dabei für bezahlte und organische Kanäle gleichermaßen.

  • Conversion Rate: Conversions geteilt durch Klicks (oder Sitzungen), mal 100.
  • CPA (Kosten pro Akquisition): Gesamtausgaben geteilt durch Conversions.
  • CPL (Kosten pro Lead): Gesamtausgaben geteilt durch Formulare oder Anrufe.
  • ROAS: Umsatz aus Anzeigen geteilt durch Werbeausgaben.
  • ROI: (Gewinn minus Investition) geteilt durch Investition, mal 100.
  • Durchschnittlicher Bestellwert: Gesamtumsatz geteilt durch Anzahl der Bestellungen.

Verwechseln Sie ROAS und ROI nicht. Der ROAS teilt nur Umsatz durch Ausgaben und ignoriert Warenkosten und Versand. Ein ROAS von 4 bedeutet daher für ein Unternehmen Gewinn und für ein anderes mit niedriger Marge Verlust. Mit meinem ROAS Rechner prüfen Sie das schnell.

Für Dienstleister reicht der CPL allein ebenfalls nicht. Günstige Leads sind nämlich oft schwache Leads. Deshalb ergänze ich den CPL immer um die Quote qualifizierter Leads. Konkret: Wie viele Anfragen haben tatsächlich die Angebotsphase erreicht? Werbeentscheidungen ohne diese Quote aus dem CRM gleichen einer Autofahrt mit geschlossenen Augen.

Welche KPIs messen Kundenbindung?

Die meisten Unternehmen vergessen die letzte Phase im Funnel, obwohl dort ein großer Teil des Gewinns entsteht. Neukunden zu gewinnen ist nämlich teuer, denn jede Akquise kostet Budget. Bestandskunden zu einem weiteren Kauf zu bewegen, kostet dagegen meist deutlich weniger. Nehmen Sie Kennzahlen zur Kundenbindung also genauso ernst wie Conversion KPIs.

  • Wiederkaufrate: Kunden mit zweiter Bestellung geteilt durch alle Kunden.
  • Customer Lifetime Value (CLV): Durchschnittlicher Bestellwert mal Bestellungen pro Jahr mal durchschnittliche Kundendauer in Jahren.
  • Abwanderungsrate (Churn): Verlorene Kunden im Zeitraum geteilt durch Kunden zu Beginn des Zeitraums.
  • Verhältnis CLV zu CAC: Customer Lifetime Value geteilt durch Kosten der Kundengewinnung.

Das Verhältnis von CLV zu CAC ist mein stärkstes Argument in Budgetgesprächen. Ein Kunde mag teuer in der Gewinnung wirken. Kauft er allerdings über Jahre, sieht die Rechnung völlig anders aus. Umgekehrt gilt das ebenso: Ein günstig gewonnener Kunde, der nie wiederkommt, entlarvt manche Kampagne, die auf dem Papier gut aussah.

Wie ich Bestelldaten mit Werbedaten zusammenführe, erkläre ich auf meiner Seite zur E-Commerce Beratung.

Welche KPIs sollten Sie für SEO verfolgen?

Der häufigste Fehler im SEO ist, Rankings zur einzigen KPI zu machen. Rankings sind wichtig, doch durch Personalisierung und Standort sieht jeder Nutzer ein etwas anderes Ergebnis. Zudem übernehmen KI Zusammenfassungen inzwischen einen Teil der Klicks. Deshalb messe ich SEO in vier Ebenen.

  1. Sichtbarkeit: Impressionen und durchschnittliche Position in der Search Console.
  2. Interesse: Organische Klicks und organische Klickrate (Klicks geteilt durch Impressionen).
  3. Qualität: Interaktionsrate der organischen Sitzungen.
  4. Wert: Schlüsselereignisse, Leads und Umsatz aus der organischen Suche.

In der Praxis zahlen sich diese Ebenen schnell aus. Steigen die Impressionen und sinken die Klicks, liegt das Problem bei Title und Description. Steigen dagegen die Klicks und sinken die Conversions, liegt es auf der Seite selbst. Somit erhalten Sie eine genaue Diagnose statt eines pauschalen "SEO funktioniert nicht".

Für eine bessere Klickrate testen Sie Ihren Title vor der Veröffentlichung in der Google SERP Vorschau. Suchen, die Sie zeigen, aber keinen Klick bringen, behandle ich im Beitrag über Zero Click Suchen. Wenn ich Ihre SEO Messung aufsetzen soll, finden Sie Details auf der Seite SEO Beratung.

Google Ads KPIs: vom Qualitätsfaktor bis zum ROAS

Google Ads bietet die reichhaltigste Messung aller Kanäle. Genau darin liegt allerdings eine Falle, denn die Oberfläche hat Hunderte Spalten. Wenn ich ein Konto betreue, sortiere ich die Kennzahlen deshalb in drei Gruppen: Effizienz, Qualität und Ergebnis.

Zur Effizienz gehören CPC (Kosten pro Klick), Klickrate und Anteil an möglichen Impressionen. Dieser Anteil zeigt, wie oft Ihre Anzeige tatsächlich erschien, gemessen an allen passenden Suchen. Zudem trennt der Bericht verlorene Anteile nach Budget und Rang. So erkennen Sie, ob Ihnen Geld oder Qualität fehlt.

Im Zentrum der Qualität steht dann der Qualitätsfaktor. Laut der Google Ads Hilfe zum Qualitätsfaktor reicht er von 1 bis 10 und stützt sich auf drei Komponenten: erwartete Klickrate, Anzeigenrelevanz und Nutzererfahrung mit der Landingpage. Google beschreibt ihn als Diagnosewerkzeug, nicht als direkten Faktor in der Auktion. Trotzdem zeigt ein niedriger Wert, welche Komponente schwächelt.

Zum Ergebnis zählen CPA, Conversion Rate, Conversion Wert und ROAS. Wie ich Budgets daran ausrichte, beschreibe ich unter Google Ads Budget festlegen. Wenn Sie externe Unterstützung suchen, lesen Sie auf der Seite Google Ads Verwaltung, wie ich arbeite.

Was sollten Sie bei Social Media und Newsletter messen?

In Social Media sind Likes und Follower die sichtbarsten Zahlen, zugleich aber die am wenigsten aussagekräftigen. Follower lassen sich nämlich kaufen, und Likes schwanken mit dem Algorithmus. Deshalb achte ich bei organischem Social Media auf die Engagement Rate und den Traffic zur Website.

  • Engagement Rate: (Likes plus Kommentare plus Speicherungen plus Shares) geteilt durch Reichweite oder Follower.
  • Speicher und Teilrate: Das stärkste Zeichen, dass ein Beitrag echten Nutzen bietet.
  • Sitzungen und Conversions aus Social Media: Daten, die über UTM Parameter in GA4 ankommen.
  • Klickrate im Newsletter: Klickende Personen geteilt durch zugestellte Newsletter.
  • Abmelderate: Abmeldungen geteilt durch zugestellte Newsletter.

Der Öffnungsrate im Newsletter traue ich heute weniger als früher. Manche E-Mail Programme laden Inhalte aus Datenschutzgründen vorab, dadurch kann die Öffnungsrate steigen, ohne dass jemand liest. Klickrate und Conversions aus dem Newsletter sind daher deutlich verlässlicher.

Die Engagement Rate eines Profils berechnen Sie mit meinem Tool Instagram Engagement Rate. Für saubere Links aus Social Media hilft der UTM Generator. Links ohne Parameter landen in GA4 nämlich oft im falschen Kanal, und dann stimmen Ihre Kanal KPIs nicht mehr.

KPIs zur Nutzererfahrung: Core Web Vitals und Interaktion

Egal wie gut Werbung und SEO laufen: Landet der Traffic auf einer langsamen oder springenden Website, verpufft die Arbeit. Deshalb gehört auch die Nutzererfahrung in Ihr KPI Set. Die Core Web Vitals von Google sind dafür ein guter Startpunkt.

Der Leitfaden zu den Core Web Vitals auf web.dev nennt drei Messwerte mit diesen guten Schwellenwerten. Für den LCP (Largest Contentful Paint) gilt zunächst: höchstens 2,5 Sekunden. Beim INP (Interaction to Next Paint) sind es dann höchstens 200 Millisekunden. Der CLS (Cumulative Layout Shift) sollte bei höchstens 0,1 liegen. Google empfiehlt, diese Werte am 75. Perzentil der Seitenaufrufe zu beurteilen, getrennt nach Mobilgerät und Desktop.

Für das technische Team sind diese Werte KPIs, für das Marketing eher ein Gesundheitscheck. Sie müssen sie also nicht in jedem Wochentermin besprechen. Fällt allerdings die mobile Conversion Rate plötzlich ab, sollten Sie zuerst hier nachsehen.

Wenn der Aufbau Ihrer Website Conversions bremst, behandle ich Geschwindigkeit und Conversion im Rahmen meiner Leistung Webdesign als eine gemeinsame Aufgabe.

KPI Tabelle nach Kanal und Phase

Die folgende Tabelle fasst die Kennzahlen auf einen Blick zusammen. Jede Zeile zeigt Kanal, Phase, wichtigste KPI und Formel. Wählen Sie dann die Zeilen, die zu Ihrem Geschäft passen, und lassen Sie den Rest auf Seite zwei.

KanalPhase im FunnelWichtigste KPIFormel
Google Ads (Suche)ConversionCPAAusgaben / Conversions
Google Ads (Shopping)ConversionROASConversion Wert / Ausgaben
Meta AnzeigenAufmerksamkeitCPM und FrequenzAusgaben / Impressionen x 1.000; Impressionen / Reichweite
SEOAbwägungOrganische KlickrateKlicks / Impressionen
SEOConversionQualifizierte organische LeadsIm CRM bestätigte organische Anfragen
Organisches Social MediaAbwägungEngagement RateInteraktionen / Reichweite
NewsletterKundenbindungKlickrateKlickende / Zugestellte
WebsiteAlle PhasenInteraktionsrateSitzungen mit Interaktion / Sitzungen
Alle KanäleKundenbindungCLV zu CACLifetime Value / Gewinnungskosten

Achten Sie beim Lesen also auf ein Detail. Derselbe Kanal verdient in verschiedenen Phasen verschiedene KPIs. SEO dient zum Beispiel sowohl der Abwägung als auch der Conversion und steht daher in zwei Zeilen.

Wie legen Sie Ziele für Online Marketing KPIs fest?

Die Auswahl der Kennzahlen ist die halbe Arbeit. Die andere Hälfte besteht darin, jeder Kennzahl ein realistisches Ziel zu geben. Dafür nutze ich drei Quellen: das Geschäftsziel, historische Daten und die Stückkostenrechnung.

  1. Starten Sie beim Geschäftsziel: Wie viele Verkäufe oder Neukunden wollen Sie in diesem Quartal?
  2. Prüfen Sie dann die Historie: Wie hoch war die Conversion Rate jeder Phase in den letzten sechs bis zwölf Monaten?
  3. Rechnen Sie danach die Stückkosten: Wie viel dürfen Sie höchstens für einen Kunden ausgeben?
  4. Verteilen Sie das Ziel rückwärts: vom Verkaufsziel über Leads und Klicks bis zum Budget.
  5. Setzen Sie schließlich Kontrollpunkte: Prüfen Sie Ziele monatlich und quartalsweise, nicht wöchentlich.

Branchendurchschnitte als Ziel empfehle ich allerdings nicht. Denn Durchschnittswerte mischen unterschiedliche Preise, Markenstärken und Tracking Setups zu einer einzigen Zahl. Ihre eigene Historie ist mehr wert als jeder Durchschnitt aus dem Netz.

Fehlen Ihnen historische Daten, betrachten Sie die ersten drei Monate als Messphase. In dieser Zeit legen Sie eine Basislinie fest, kein Ziel. Danach bauen Sie das Ziel auf dieser Basislinie auf.

Wie funktioniert eine Rückwärtsrechnung für Ziele?

Die folgenden Zahlen sind ausschließlich eine Beispielrechnung und stammen von keinem Kunden. Es geht also nur um die Methode.

Angenommen, ein Dienstleister möchte in diesem Quartal 30 Neukunden. Historisch führen 25 % der Angebote zum Auftrag, also braucht er 120 Angebote. Erreicht die Hälfte der qualifizierten Leads die Angebotsphase, sind 240 qualifizierte Leads nötig. Sind 60 % aller Anfragen qualifiziert, lautet das Ziel somit 400 Anfragen insgesamt.

Dann folgt die Werbeseite. Bei einer Conversion Rate von 4 % auf der Website brauchen 400 Anfragen 10.000 Klicks. Bei einem durchschnittlichen CPC von 3 Euro liegt das Quartalsbudget also bei rund 30.000 Euro. Die Kosten pro Neukunde betragen folglich 30.000 geteilt durch 30, also 1.000 Euro.

Der letzte Schritt ist schließlich der wichtigste: Sind diese Kosten tragbar? Bringt ein Kunde über seine Lebensdauer ein Vielfaches davon an Rohertrag, steht der Plan. Andernfalls müssen Sie die Conversion Rate steigern oder das Ziel senken. Für die schnelle Rechnung hilft mein Prozentrechner.

Was sind North Star Metric und Frühindikatoren?

Die North Star Metric ist die eine Kennzahl, die den langfristigen Wert eines Unternehmens am besten zusammenfasst. Im E-Commerce ist das meist der monatliche Nettoumsatz oder die Zahl aktiver Kunden. Bei einem Dienstleister kann es der Wert unterschriebener Verträge sein.

Allerdings bewegt sich die North Star Metric langsam. SEO Arbeit braucht zum Beispiel oft Monate, bis sie im Umsatz sichtbar ist. Deshalb brauchen Sie daneben Frühindikatoren. Ein Frühindikator ist ein Zwischenschritt, der das Ergebnis ankündigt.

  • Frühindikator für Umsatz: Rate der Warenkorbaktionen und Anteil der Besuche im Checkout.
  • Für organisches Wachstum: Zuwachs an Impressionen bei neuen Suchanfragen.
  • Im Dienstleistungsvertrieb: Besuche der Preisseite und qualifizierte Leads.
  • Bei der Kundenbindung: Tage bis zur zweiten Bestellung.

In der Praxis sage ich Teams Folgendes: Besprechen Sie im Wochentermin die Frühindikatoren und im Monatstermin die North Star Metric. So vermeiden Sie hektische Entscheidungen wegen wöchentlicher Schwankungen und erkennen Probleme trotzdem früh.

Welche KPIs können Sie in die Irre führen?

Manche Kennzahlen sehen allerdings glänzend aus, während das Geschäft schlechter läuft. Ich nenne sie Eitelkeitsmetriken. Das Problem sind dabei nicht die Zahlen selbst, sondern ihre Deutung ohne Kontext.

  • Gesamttraffic: Irrelevante Besuche lassen die Zahl steigen, den Umsatz aber nicht.
  • Followerzahl: Follower ohne Interaktion können sogar Ihre Reichweite senken.
  • ROAS laut Plattform: Jede Plattform schreibt sich den Verkauf gern selbst zu, daher wirkt die Summe oft zu hoch.
  • Niedriger CPL: Günstige Leads ohne Qualitätsprüfung verschieben die Kosten nur weiter nach hinten.
  • Durchschnittliche Position: Wenige Markensuchen können den Durchschnitt künstlich verbessern.

Beim ROAS laut Plattform sollten Sie besonders vorsichtig sein. Google, Meta und andere können denselben Verkauf jeweils für sich beanspruchen. Deshalb vergleiche ich jeden Monat die Summe der Plattformberichte mit dem echten Bestellsystem. Ist die Lücke groß, verlasse ich mich auf das Bestellsystem und nicht auf die Plattformen.

Wie organische und bezahlte Kanäle einander beeinflussen, lesen Sie im Beitrag organisches Wachstum oder bezahlte Werbung.

Wie ändern sich Online Marketing KPIs je nach Geschäftsmodell?

Aus demselben Katalog wählt dabei jedes Unternehmen ein anderes Set. Im Folgenden teile ich mein Start Set für die drei Geschäftsmodelle, mit denen ich am häufigsten arbeite. Es handelt sich um Startpunkte aus der Praxis, keine Garantie, und Sie sollten sie an Ihre eigenen Daten anpassen.

Im E-Commerce reichen fünf Kennzahlen: ROAS, durchschnittlicher Bestellwert, Conversion Rate, Wiederkaufrate und CLV zu CAC. Vor allem in Aktionszeiträumen sollten Sie den ROAS zusammen mit der Marge lesen.

Bei B2B Dienstleistern sieht es anders aus. Hier stehen qualifizierte Leads, Angebotsquote, Abschlussquote, Kosten pro Neukunde und Dauer des Verkaufszyklus vorn. Weil Daten langsam eintreffen, sollten Sie zudem Mikroconversions verfolgen.

Lokale Unternehmen wie Praxen, Restaurants oder Reparaturdienste profitieren dagegen stärker von Anrufen, Routenanfragen und Sichtbarkeit in Karten. Dazu mehr im Beitrag Google Maps SEO. Wie Sie bezahlte Social Media Ausgaben daran ausrichten, zeigt mein Leitfaden zum Social Media Werbebudget.

Wie schaffen Sie im Team klare KPI Definitionen?

Vor allem bedeutet dasselbe Wort für verschiedene Menschen oft Verschiedenes. Das Marketing meint mit "Conversion" vielleicht ein Formular, der Vertrieb dagegen einen unterschriebenen Vertrag. Deshalb empfehle ich für jede KPI eine kurze Definitionskarte.

  • Name und Definition in einem Satz.
  • Formel und Datenquelle.
  • Verantwortliche Person und Aktualisierungsrhythmus.
  • Zielwert und die Begründung dahinter.

Legen Sie diese Karten in einem gemeinsamen Dokument ab, und lassen Sie jedes neue Teammitglied es zuerst lesen. Dann diskutieren Meetings die Entscheidung, die eine Zahl verlangt, und nicht deren Richtigkeit. Nach meiner Erfahrung beendet diese kleine Gewohnheit die meisten Reportingdebatten, bevor sie beginnen.

Mit welchen Tools messen Sie Ihre KPIs?

Die gute Nachricht: Für ein solides KPI Set brauchen Sie keine teure Software. Kostenlose Tools decken das meiste ab. Die schlechte Nachricht: Das Verbinden kostet Zeit und Sorgfalt.

  • Google Analytics 4: Sitzungen, Interaktion und Schlüsselereignisse.
  • Search Console: Organische Impressionen, Klicks und Suchanfragen.
  • Google Ads und Meta Werbekonten: Ausgaben, Impressionen und Plattformconversions.
  • CRM oder Bestellsystem: Qualifizierte Leads, Verkäufe und echter Umsatz.
  • Looker Studio oder eine Tabelle: Ein Bildschirm, der alles zusammenführt.

Beachten Sie zudem eine Änderung der Begriffe in GA4. Im Artikel über Schlüsselereignisse in GA4 nennt Google die früheren Conversions aus Analytics jetzt Schlüsselereignisse. Den Begriff Conversion reserviert Google für Aktionen, die Sie mit Google Ads teilen, um Kampagnen zu messen. Vermischen Ihre Berichte beides, passen die Zahlen der Systeme nicht zusammen.

In meiner eigenen Arbeit steht deshalb das CRM im Zentrum. Egal was die Werbeplattform meldet, das letzte Wort hat der Verkaufsdatensatz. Das hält Berichte schlank und Diskussionen kurz.

Wie oft sollten Sie Ihr KPI Set überprüfen?

Ein KPI Set bauen Sie nicht einmal und vergessen es dann. Wächst das Unternehmen, ändert sich das Produkt oder kommt ein neuer Kanal hinzu, brauchen auch die Kennzahlen ein Update. Ich empfehle daher drei Rhythmen.

Im Wochenrhythmus schauen Sie nur auf Frühindikatoren und Ausgaben. Das Ziel ist, Auffälligkeiten zu erkennen, nicht die Strategie zu ändern. Im Monatsrhythmus vergleichen Sie Conversion und Kostenkennzahlen mit den Zielen. Im Quartalsrhythmus hinterfragen Sie schließlich das Set selbst: Messen Sie noch das Richtige?

Für ein junges Unternehmen stehen zum Beispiel Kennzahlen zur Aufmerksamkeit vorn. Einige Jahre später übernehmen dagegen Kundenbindung und CLV die Führung. Wer jahrelang dasselbe Set behält, steuert ein sich wandelndes Geschäft mit einer alten Landkarte.

Halten Sie außerdem jede Änderung schriftlich fest. Wissen Sie nicht, wann Sie eine Definition geändert haben, ziehen Sie beim Vergleich zweier Berichte ein halbes Jahr später falsche Schlüsse. Ein einfaches Änderungsprotokoll löst dieses Problem vollständig.

Wo sollten Sie anfangen?

Nach so vielen Kennzahlen fragen Sie sich vielleicht, wo Sie beginnen sollen. Mein Rat: Wählen Sie diese Woche ein einziges Geschäftsziel und skizzieren Sie den Funnel dorthin. Notieren Sie danach für jede Phase genau eine KPI.

Prüfen Sie anschließend, ob die Daten hinter diesen vier Kennzahlen wirklich stimmen. Sind die Schlüsselereignisse in GA4 richtig eingerichtet? Erhält das Werbekonto die Conversions korrekt? Ist das Quellfeld im CRM ausgefüllt? Ist das Tracking fehlerhaft, führt selbst das beste Set an Online Marketing KPIs zu falschen Entscheidungen.

Behandeln Sie zuletzt den ersten Monat als Basislinie und setzen Sie das Ziel im zweiten Monat. Dieser schlichte Ansatz bringt mehr als ein komplexes Dashboard mit Hunderten Zahlen.

Wenn Sie dieses Setup gemeinsam aufbauen möchten, schreiben Sie mir über die Seite Kontakt. Ich prüfe Ihr aktuelles Tracking und sage Ihnen offen, welche Kennzahlen fehlen oder in die Irre führen.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele KPIs sollte ich im Online Marketing verfolgen?
Fünf bis acht KPIs auf einer Seite reichen meist aus. Wählen Sie für jede Phase im Funnel eine Hauptkennzahl und führen Sie den Rest als Hilfsmetriken auf einer zweiten Seite. Nach meiner Erfahrung sinkt die Entscheidungsgeschwindigkeit, je mehr Kennzahlen auf dem Tisch liegen. Sehen Sie das als Startpunkt, nicht als feste Regel.
Was ist der Unterschied zwischen ROAS und ROI?
Der ROAS teilt nur den Umsatz aus Anzeigen durch die Werbeausgaben. Der ROI zieht dagegen Warenkosten, Versand und weitere Kosten ab und setzt den verbleibenden Gewinn ins Verhältnis zur Investition. Ein hoher ROAS kann daher bei niedriger Marge trotzdem Verlust bedeuten. Lesen Sie den ROAS deshalb immer zusammen mit Ihrer Rohertragsmarge.
Wie berechnet GA4 die Absprungrate?
In GA4 ist die Absprungrate der Anteil der Sitzungen ohne Interaktion. Laut Google zählt eine Sitzung als Sitzung mit Interaktion, wenn sie länger als 10 Sekunden dauert, ein Schlüsselereignis enthält oder mindestens zwei Seitenaufrufe hat. Die Absprungrate ist also das genaue Gegenteil der Interaktionsrate, beide zu berichten ist selten nötig.
Sollte ich KPI Ziele an Branchendurchschnitten ausrichten?
Meist nicht. Branchendurchschnitte mischen unterschiedliche Preise, Markenstärken und Tracking Setups zu einer Zahl, die selten zu Ihrer Lage passt. Richten Sie Ziele stattdessen an Ihrer eigenen Historie, Ihrem Geschäftsziel und Ihren Stückkosten aus. Ohne Historie nutzen Sie die ersten drei Monate als Messphase und bauen darauf auf.
Welche KPI ist für SEO am wichtigsten?
Eine einzige wichtigste SEO KPI gibt es nicht, das letzte Wort haben aber organische Conversions. Ich messe SEO in vier Ebenen: Impressionen, organische Klickrate, Qualität der organischen Sitzungen und organische Conversions. So erkennen Sie schnell, ob das Problem im Title, auf der Seite selbst oder im Angebot liegt.
Wie oft sollte ich mein KPI Set aktualisieren?
Überprüfen Sie das KPI Set selbst einmal pro Quartal. Im Wochentermin schauen Sie nur auf Frühindikatoren und Ausgaben, im Monatstermin vergleichen Sie Ergebnisse mit Zielen. Starten Sie einen neuen Kanal oder ändert sich Ihr Sortiment, passen Sie das Set sofort an. Ein datiertes Änderungsprotokoll hält spätere Vergleiche ehrlich.
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Talha Aslan
Talha Aslan

Google Partner und Experte für digitales Marketing. Seit 2012 praktisch in SEO, Google Ads, Webdesign und E-Commerce Projekten; jeder Beitrag hier stammt aus dieser Erfahrung.

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