UI UX Design beauftragen: 12 Punkte, die Sie vorher klären sollten

Wer UI UX Design beauftragen möchte, denkt zunächst an schönere Bildschirme. Sobald allerdings das erste Angebot auf dem Tisch liegt, stehen dort Nutzerforschung, Wireframes, Prototyp, Usability Test und Entwicklerübergabe als getrennte Posten, jeweils mit eigenem Preis und eigenen Risiken. Zudem sitze ich seit 2012 auf beiden Seiten dieses Tisches. Deshalb zeige ich Ihnen hier die 12 Punkte, die ich vor jeder Unterschrift prüfe.
Was bedeutet es, UI UX Design beauftragen zu wollen, und worauf achten Sie?
UI UX Design ist ein professioneller Prozess, der Nutzerbedürfnisse erforscht, Inhalte und Abläufe strukturiert, die visuelle Oberfläche gestaltet und das Ergebnis testet und an die Entwicklung übergibt. Bevor Sie UI UX Design beauftragen, sollten Sie Umfang, Lieferumfang, Dateirechte, Tests, Barrierefreiheit und Übergabe schriftlich festhalten.
UX (User Experience) fragt: Was will die Person auf diesem Bildschirm erreichen, und wie mühelos gelingt ihr das? UI (User Interface) beantwortet diese Frage mit Farbe, Schrift, Komponenten und Layout. Es sind also zwei verschiedene Disziplinen. Laufen sie in einem Projekt auseinander, entsteht entweder eine hübsche, aber verwirrende Seite oder eine logische, die kein Vertrauen weckt.
Dieser Beitrag ist allerdings keine Liste typischer UX Fehler. Wenn Sie diesen Blickwinkel suchen, lesen Sie meinen Artikel zu SEO und UX im Google Ranking oder die Anleitung, wie Sie UX und SEO in Einklang bringen. Hier geht es um die Käuferseite: Mit welchen Fragen gehen Sie ins erste Gespräch?
Für wen ist diese Checkliste gedacht?
Ich habe sie für Unternehmen geschrieben, die Designleistungen extern einkaufen. Zum Beispiel stehen ein Maschinenbauer mit neuer Firmenwebsite, ein SaaS Startup mit Kundenportal und ein Onlineshop, der seinen Checkout vereinfachen will, vor denselben Risiken: ein vages Angebot, überraschende Zusatzkosten und Dateien, mit denen die Entwicklung nichts anfangen kann.
Ob Sie mit einer Agentur oder einer Freelancerin arbeiten, die Fragen bleiben gleich. Anders ist nur, wo die Antworten stehen. Agenturen bringen zum Beispiel meist einen Standardvertrag mit. Bei Freelancern steht der Umfang dagegen oft nur in einem E-Mail Verlauf. Daher empfehle ich, diese Liste als Vorlage für den Angebotsvergleich zu nutzen. Tragen Sie die Antworten aller Anbieter in dieselben Zeilen ein, dann erkennen Sie schnell, woher die Preisunterschiede kommen.
Noch ein Hinweis: Dieser Text ersetzt keine Rechtsberatung. In den Abschnitten zu Rechten und Vertrag beschreibe ich den allgemeinen Rahmen. Bei hohen Summen oder internationalen Projekten sollte eine Anwältin oder ein Anwalt den Vertrag lesen.
In der Praxis funktioniert die Liste am besten so: Jeder Punkt wird zu einer Zeile, und jeder Anbieter bekommt dieselben Fragen. Manche Antworten kommen dann leer zurück. Genau diese Lücken verraten Ihnen so viel wie die Antworten selbst. Meiner Erfahrung nach entstehen die teuersten Fehler nämlich nicht durch schlechtes Design, sondern durch dünne Angebote.
Punkt 1: Welche Leistungen stehen konkret im Angebot?
Die erste Frage lautet immer: Was genau bekommen Sie für Ihr Geld? „Webdesign“ ist nämlich keine Leistung, sondern eine Überschrift. Bestehen Sie darauf, dass jeder Posten einzeln und mit Mengenangabe im Angebot steht. Diese Leistungen sehe ich in UI UX Projekten am häufigsten:
- Ergebnisse aus Discovery und Forschung: Notizen aus Stakeholder Gesprächen, Nutzerinterviews, Wettbewerbsanalyse, Personas oder Journey Maps.
- Informationsarchitektur: Sitemap, Navigation und eine Liste der Seitenvorlagen.
- Wireframes: einfache Seitengerüste ohne Farbe.
- UI Design: vollständige Screens für Desktop und Mobil.
- UI Kit oder Designsystem: Farben, Typografie, Komponenten und Zustände.
- Klickbarer Prototyp: eine interaktive Datei, die zentrale Nutzerwege abbildet.
- Usability Test mit Bericht: Befunde und Prioritäten.
- Übergabe an die Entwicklung: Maße, exportierte Assets und Interaktionsnotizen.
Allerdings braucht nicht jedes Projekt alle Posten. Trotzdem beendet eine klare Liste, was enthalten ist und was nicht, den Klassiker „Tests waren in diesem Preis nie vorgesehen“. Klären Sie außerdem die Anzahl der Screens. Statt „ungefähr 10 Seiten“ sollten die Vorlagen namentlich im Angebot stehen.
Punkt 2: Spricht die Designerin wirklich mit Ihren Nutzern?
Viele Angebote enthalten eine Zeile namens „UX Analyse“. Schauen Sie genauer hin, heißt das oft: Jemand klickt eine Stunde durch Ihre Website und macht sich Notizen. Das hat durchaus Wert, denn ein frischer Blick findet Stolpersteine. Mit echter Nutzerforschung hat es allerdings wenig zu tun. Stellen Sie deshalb eine einfache Frage: Mit welchen Nutzern, in wie vielen Gesprächen und mit welcher Methode?
Auch bei knappem Budget rate ich zu mindestens drei Quellen:
- Die Einwände, die Vertrieb und Kundenservice jede Woche hören.
- Die Analysedaten Ihrer aktuellen Website, etwa Seiten mit hohen Ausstiegen oder der Formularschritt, an dem Besucher abbrechen.
- Einige kurze Interviews mit echten Kundinnen und Kunden.
Haben Sie bereits ein Zielgruppenprofil, geben Sie es an das Designteam weiter. Andernfalls ist meine Anleitung zur Zielgruppenanalyse ein guter Startpunkt. So baut die Designerin auf Ihrem Wissen auf, statt bei null zu beginnen. Verlangen Sie zudem die Forschungsergebnisse als schriftliches Dokument. Sie brauchen es später auch für Kampagnen und Texte.
Bedenken Sie außerdem: Forschung verändert oft den Umfang selbst. Manchmal taucht eine Seite auf, die niemand geplant hatte; manchmal erweist sich ein Lieblingsabschnitt als überflüssig.
Punkt 3: Wann geben Sie Wireframes und Prototyp frei?
Ein Wireframe zeigt das Gerüst einer Seite ohne Farben und Bilder. Ein Prototyp verbindet Screens, sodass Sie einen echten Nutzerweg durchklicken können. Beide Stufen sind zudem günstig. Anders gesagt: Eine falsche Entscheidung hier zu korrigieren, kostet deutlich weniger Zeit als eine Änderung an fertigen Screens oder am Code.
Fragen Sie daher, ob der Prozess eine Freigabe des Gerüsts vorsieht. Mein bevorzugter Ablauf sieht so aus:
- Sie geben Sitemap und Seitenliste frei, mit einem schriftlichen Zweck für jede Seite.
- Das Designteam präsentiert Wireframes der Hauptvorlagen, und Sie einigen sich auf inhaltliche Prioritäten.
- Danach entsteht ein klickbarer Prototyp für kritische Abläufe wie Anfrageformular oder Checkout.
- Schließlich legt das Team das visuelle Design auf das freigegebene Gerüst.
Klären Sie außerdem, was „inklusive Prototyp“ bedeutet. Manchmal umfasst das nur einen Klick von der Startseite auf eine Unterseite. Der eigentliche Wert liegt aber in den Abläufen, in denen Conversions passieren. Welche Regeln bei Formularen wirken, beschreibe ich im Beitrag zum Thema Formulare für Termin, Angebot und Demo optimieren.
Punkt 4: Gehören UI Kit und Designsystem zum Lieferumfang?
Ein UI Kit sammelt die wiederkehrenden Bausteine einer Oberfläche in einer Bibliothek: Buttons, Eingabefelder, Karten, Hinweise und Menüs. Ein Designsystem geht dagegen einen Schritt weiter, denn es beschreibt auch Regeln. Es ergänzt Nutzungsregeln, Abstände und Zustände. Zum Beispiel zeichnet das Team einen Button im Normalzustand, beim Überfahren, beim Klick, deaktiviert und beim Laden.
Warum ist das wichtig? Weil Ihre Website ein lebendiges Produkt ist. Zum Beispiel möchten Sie in sechs Monaten vielleicht eine neue Kampagnenseite. Ohne UI Kit sieht jeder neue Screen etwas anders aus, und die Marke verwässert langsam. Zudem schreibt die Entwicklung jedes Mal eine neue Komponente, und die Wartungskosten steigen.
Achten Sie im Angebot auf folgende Details: HEX Werte der Farbpalette, eine Schriftskala, Raster und Abstandsregeln, Komponentenzustände und ein Icon Set. Schon ein einfaches Hilfsmittel wie mein Tool für HTML Farbcodes hält Farbwerte ordentlich. Ist Ihre Markenidentität noch nicht bildschirmtauglich, lösen Sie das am besten vorab mit einer Überarbeitung der Markenidentität. Somit kommt das Interface Design deutlich schneller voran.
Punkt 5: Mit wie vielen Personen und wie testen Sie das Design?
Bei einem Usability Test lösen echte oder zielgruppennahe Personen konkrete Aufgaben mit dem Design, während das Team beobachtet, wo sie hängen bleiben. Sie geben etwa die Aufgabe „Fordern Sie auf dieser Website ein Angebot an“ und schauen, ob die Person das Formular findet.
Jakob Nielsen von der Nielsen Norman Group schrieb im Jahr 2000 in seinem bekannten Artikel über Tests mit fünf Nutzern, dass ein Test mit fünf Personen rund 85 Prozent der Usability Probleme eines Designs aufdeckt. Seine eigentliche Empfehlung lautet allerdings: lieber mehrere kleine Tests als einen großen. Also testen, verbessern und erneut testen.
Suchen Sie im Angebot Antworten auf diese Fragen:
- Findet der Test in der Prototypphase statt oder erst nach dem fertigen Design?
- Wer rekrutiert die Teilnehmenden, und sind Aufwandsentschädigungen im Preis enthalten?
- Ist der Test moderiert oder läuft er remote und unmoderiert?
- Erhalten Sie einen Ergebnisbericht, und aus welcher Korrekturschleife kommen die Anpassungen?
Vor allem der letzte Punkt geht leicht unter. Verbrauchen Korrekturen nach dem Test Ihre Korrekturschleifen, dann wird der Test für Sie zur Strafe.
Punkt 6: Welches WCAG Niveau soll das Design erreichen?
Barrierefreiheit bedeutet, dass auch Menschen mit Seh, Hör, motorischen oder kognitiven Einschränkungen Ihre Website nutzen können. Internationaler Maßstab ist die WCAG 2.2 des W3C. Sie beruht auf vier Prinzipien: wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust. Zudem kennt sie drei Konformitätsstufen, A, AA und AAA. In der Praxis zielen die meisten Teams auf AA.
Das Thema ist zudem keineswegs theoretisch. WebAIM analysiert jedes Jahr eine Million Startseiten. Laut der Ausgabe 2026 des WebAIM Million Reports wiesen 95,9 Prozent der Startseiten automatisch erkennbare WCAG Fehler auf. Der häufigste Fehler, zu geringer Textkontrast, betraf 83,9 Prozent der Seiten. Viele dieser Fehler entstehen bereits in den Designdateien, lange bevor es Code gibt.
In Deutschland kommt eine rechtliche Seite hinzu: Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) setzt den European Accessibility Act um und gilt seit dem 28. Juni 2025 für bestimmte digitale Produkte und Dienstleistungen, darunter viele Angebote im E-Commerce. Fragen Sie das Designteam daher: Welches Niveau peilen Sie an, und wie prüfen Sie Kontrast und Tastaturfokus? Für normalen Text verlangt WCAG 2.2 auf Stufe AA ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5:1. Wer darauf keine konkrete Methode nennen kann, überlässt das Thema vermutlich komplett der Entwicklung.
Punkt 7: Wem gehören Quelldateien und Nutzungsrechte?
Dieser Punkt sorgt erfahrungsgemäß für die meisten Streitigkeiten, weil Erwartungen selten schriftlich stehen. Dass Sie das Design bezahlen, heißt noch lange nicht, dass Quelldateien und Rechte automatisch bei Ihnen landen. Mit Quelldateien meine ich die bearbeitbare Arbeitsdatei in Figma, Sketch oder Adobe XD. Ein PDF oder PNG Export zählt also nicht dazu.
Im deutschen Recht gilt eine Besonderheit: Das Urheberrecht selbst ist grundsätzlich nicht übertragbar. Übertragen lassen sich nur Nutzungsrechte nach § 31 UrhG. Dort steht auch der sogenannte Zweckübertragungsgrundsatz: Sind die Nutzungsarten nicht einzeln bezeichnet, richtet sich der Umfang nach dem Vertragszweck. Konkret heißt das: Schreiben Sie ausdrücklich in den Vertrag, welche Nutzungsrechte Sie erhalten, ob exklusiv, zeitlich und räumlich unbeschränkt und ob Sie das Design bearbeiten dürfen.
Suchen Sie im Vertrag Antworten auf diese Fragen:
- Erhalten Sie die bearbeitbaren Quelldateien, und in wessen Konto liegen sie?
- Sind die Nutzungsrechte zeitlich oder räumlich begrenzt?
- Wer hält die Lizenzen für Stockfotos, Icons und Schriften?
- Darf das Designteam die Arbeit im Portfolio zeigen?
Eine Figma Datei im privaten Konto der Designerin ist ein Problem, das ich oft sehe. Endet die Zusammenarbeit im Streit, endet auch Ihr Zugriff. Deshalb rate ich, den Arbeitsbereich vom ersten Tag an im Firmenkonto anzulegen und das Designteam als Bearbeiter einzuladen.
Punkt 8: Wie viele Korrekturschleifen gibt es, und was zählt als Korrektur?
„Unbegrenzte Korrekturen“ klingt großzügig. In der Praxis sinkt dadurch entweder die Qualität, oder das Projekt gerät irgendwann ins Stocken. Gesünder ist deshalb eine feste Zahl an Schleifen pro Phase, dazu eine schriftliche Grenze zwischen Korrektur und Änderung des Umfangs.
Eine Buttonfarbe ändern oder zwei Abschnitte tauschen ist zum Beispiel eine Korrektur. Eine neue Seitenvorlage in freigegebene Wireframes einfügen oder die Zielgruppe wechseln ist dagegen eine Änderung des Umfangs und kostet extra. Fehlt diese Grenze im Vertrag, geraten beide Seiten in einen Streit, in dem jede sich im Recht fühlt.
Am einfachsten machen Sie Korrekturen effizient, indem Sie Feedback über eine Person bündeln. Kommentieren fünf Kolleginnen und Kollegen getrennt, erhält das Designteam widersprüchliche Wünsche. Benennen Sie stattdessen eine Entscheiderin, die Kommentare zusammenführt und pro Runde klar antwortet: freigegeben oder diese Punkte ändern. Legen Sie außerdem eine Frist pro Runde fest, zum Beispiel Feedback innerhalb von fünf Werktagen.
Punkt 9: Wie läuft die Übergabe, wenn Sie UI UX Design beauftragen?
Ein Design muss umsetzbar sein, nicht nur schön. Die Übergabe ist die Brücke zwischen Design und Entwicklung, und genau hier geht der meiste Wert verloren. Weiß ein Entwickler nicht, wie sich ein Screen mobil verhält, wo eine Fehlermeldung erscheint oder wie eine leere Liste aussieht, dann trifft er diese Entscheidungen allein.
Das möchte ich in einem Übergabepaket sehen:
- Eigene Screens oder responsive Hinweise für Desktop, Tablet und Mobil.
- Zustände für leere Listen, Laden, Fehler und Erfolg.
- Exportierte Icons und Bilder als SVG sowie Rastergrafiken in passenden Größen.
- Hinweise zu Animationen und Übergängen.
- Reservierte Zeit, in der das Designteam während der Umsetzung Fragen beantwortet.
Achten Sie vor allem auf den letzten Punkt. Allerdings enden viele Angebote, sobald die Datei verschickt ist. Während der Umsetzung tauchen aber immer Fragen auf. Ergänzen Sie daher ein Supportfenster und einen Designreview, in dem das Team die programmierten Seiten mit dem Entwurf abgleicht. Warum Mobil zuerst kommen sollte, erkläre ich im Beitrag Was ist Mobile First Design?
Punkt 10: Welches Preismodell passt, wenn Sie UI UX Design beauftragen?
Der Preis hängt ebenso stark vom Preismodell ab wie vom Umfang. Bieten zwei Anbieter dieselbe Leistung mit unterschiedlichen Modellen an, führt ein direkter Vergleich der Summen in die Irre. Die Tabelle fasst vier gängige Modelle aus Käufersicht zusammen:
| Modell | So funktioniert es | Geeignet für | Hauptrisiko |
|---|---|---|---|
| Festpreisprojekt | Sie legen den Umfang vorab fest, die Summe bleibt gleich. | Klare, einmalige Website oder App Projekte. | Bei vagem Umfang kosten Zusatzwünsche extra. |
| Stunden oder Tagessatz | Sie zahlen die tatsächlich aufgewendete Zeit. | Explorative Aufgaben und kleine Anpassungen. | Gesamtkosten sind schwer planbar; verlangen Sie Zeitnachweise. |
| Sprint oder monatliches Retainer Modell | Der Anbieter reserviert Ihnen jeden Monat eine feste Kapazität. | Produkte, die sich laufend weiterentwickeln, etwa SaaS Portale. | Ohne klare Prioritäten verpufft die Kapazität. |
| Wertbasierter Preis | Das Honorar orientiert sich an der erwarteten Geschäftswirkung. | Messbare Conversion Projekte mit viel Gewicht. | Ohne schriftliche Erfolgskennzahl drohen Konflikte. |
Welches Modell Sie auch wählen, knüpfen Sie Zahlungen an Meilensteine: Freigabe der Discovery, Freigabe der Wireframes, Lieferung des UI und Übergabe. So steht jeder Zahlung ein greifbares Ergebnis gegenüber. Wenn Sie Design und Umsetzung aus einer Hand möchten, sehen Sie auf der Seite zu meinem Webdesign, wie ich arbeite.
Punkt 11: Wie lesen Sie ein Portfolio richtig?
Ein Portfolio ist ein Schaufenster, und ein Schaufenster zeigt nie den ganzen Laden. Polierte Screenshots belegen zum Beispiel UI Können. Um UX Können zu beurteilen, brauchen Sie dagegen Fallstudien, die den Prozess erklären.
Eine gute Fallstudie beantwortet einige Fragen. Was war das Problem? Mit wem hat das Team gesprochen? Welche Alternativen hat es ausprobiert, und warum hat es sie verworfen? Was hat sich am Ende verändert? Enthält ein Portfolio nur glänzende Endergebnisse, bitten Sie darum, ein Projekt von Anfang bis Ende erzählt zu bekommen. Besonders hilfreich ist die Frage: Welche Entscheidung haben Sie nach einem Test geändert? Die Antwort zeigt sofort, ob der Prozess wirklich stattgefunden hat.
Weitere Signale, auf die ich achte:
- Enthält das Portfolio Projekte aus Ihrer Branche oder mit ähnlicher Komplexität?
- Sehen die Live Projekte noch aus wie die Entwürfe, oder haben sie sich stark verändert?
- Zeigt es auch mobile Screens oder nur Desktop?
- Können Sie kurz mit einem Referenzkunden sprechen?
Live Projekte selbst durchzuklicken, ist der günstigste und ehrlichste Test. Abgeschlossene Arbeiten finden Sie auch auf meiner Seite mit Referenzen.
Punkt 12: Welche Klauseln gehören unbedingt in den Vertrag?
Alle elf Punkte oben sind erst dann sicher, wenn sie im Vertrag stehen. Mündliche Absprachen stören zunächst nicht, solange das Projekt gut läuft. Dann kommt die erste Verzögerung, und jeder erinnert sich an etwas anderes. Sorgen Sie also dafür, dass Vertrag oder Leistungsbeschreibung mindestens diese Punkte abdecken:
- Umfang und Lieferumfang: Anzahl der Screens, Breakpoints, enthaltene und ausgeschlossene Leistungen.
- Zeitplan und Abhängigkeiten, inklusive Ihrer eigenen Termine für Inhalte und Feedback.
- Korrekturschleifen und ein Verfahren für Änderungswünsche.
- Einräumung der Nutzungsrechte und Übergabe der Quelldateien.
- Zahlungsplan und Abnahmekriterien pro Meilenstein.
- Vertraulichkeit und Datenschutz, etwa der Umgang mit Aufnahmen aus Nutzerinterviews.
- Kündigung: Was passiert mit bereits erstellten Ergebnissen, wenn das Projekt stoppt?
- Supportzeitraum nach der Übergabe.
Die Datenschutzklausel vergessen dennoch die meisten Unternehmen. Nimmt das Designteam Nutzerinterviews auf oder arbeitet es mit echten Kundendaten, sollte der Vertrag regeln, wie es diese Daten schützt und wann es sie löscht. Ebenso wichtig ist die Kündigungsklausel. Bricht ein Projekt mittendrin ab, ist es weit günstiger, die Dateien der bezahlten Phasen zu erhalten, als mit einem neuen Anbieter von vorn zu beginnen.
Welche Zusatzfragen stellen Sie beim Einholen von Angeboten?
Die zwölf Punkte bilden also das Gerüst eines Angebots. Wenn Sie zwischen zwei Anbietern wählen, entscheiden allerdings oft diese Zusatzfragen:
- Wer arbeitet tatsächlich am Projekt? Die erfahrene Designerin aus dem Vertriebsgespräch oder jemand anderes im Team?
- Wie viele Projekte laufen parallel, und wie viel Zeit pro Woche fließt in unseres?
- Wer ist für Inhalte zuständig, also Texte und Bilder? Gestalten Sie mit Platzhaltertext?
- Woran messen wir den Erfolg, und welche Kennzahl soll sich nach dem Launch verbessern?
- Wer kümmert sich um SEO? Wie finden Überschriftenstruktur, URLs und Inhaltshierarchie ins Design?
Vor allem die Frage nach den Inhalten ist wichtig. Ein Design ohne echte Texte bricht meist, sobald die Texte kommen: Überschriften laufen über, Karten werden ungleich lang. Deshalb rate ich, Textentwürfe für die wichtigsten Seiten vor dem Design fertigzustellen.
Überspringen Sie außerdem die SEO Frage nicht. Bei einem Relaunch können Designentscheidungen Ihre Rankings direkt treffen. Mein Leitfaden, wie Sie SEO beim Website Relaunch schützen, behandelt dieses Risiko Schritt für Schritt.
Bei welchen Warnsignalen sollten Sie abbrechen?
Manche Antworten sind ein Grund aufzuhören, egal wie attraktiv der Preis ist. Diese Warnsignale begegnen mir am häufigsten:
- Der Anbieter schickt ein Angebot, ohne mit Ihnen gesprochen oder Ihre Website angesehen zu haben.
- Auf die Frage nach Quelldateien kommt „die geben wir nicht heraus“, ohne Alternative.
- Die Frage nach Barrierefreiheit beantwortet das Team mit „das ist Sache der Entwicklung“.
- Fragen zu Projekten im Portfolio bleiben ohne konkrete Geschichte zum Prozess.
- Der Anbieter verlangt das volle Honorar vorab, ohne Freigaben pro Meilenstein.
Allerdings ist ein einzelnes Signal noch kein Urteil. Eine kleine Freelancerin darf zum Beispiel durchaus eine Anzahlung verlangen. Treten jedoch zwei oder drei Signale gemeinsam auf, kündigen sie meist spätere Probleme an. Nehmen Sie diese Liste daher als eigene Spalte in Ihre Vergleichstabelle auf, bevor Sie entscheiden.
Was messen Sie, nachdem Sie UI UX Design beauftragen und live gehen?
Ein Designprojekt besteht seine eigentliche Prüfung erst, wenn das neue Design auf echte Nutzer trifft, nicht bei der Dateiübergabe. Notieren Sie daher vor Projektstart, welche Kennzahlen Sie verfolgen und wo sie heute stehen. Sonst können Sie die Frage „Hat das neue Design funktioniert?“ nur aus dem Bauch heraus beantworten.
Die richtigen Kennzahlen hängen also vom Projekt ab. Auf einer Firmenwebsite zählen vor allem Formularanfragen und Angebotsanfragen. In einem Onlineshop stehen Warenkorbrate und Abbrüche im Checkout im Vordergrund. In einem SaaS Portal schauen Sie auf die Bearbeitungszeit von Aufgaben und die Zahl der Supportanfragen. Wie Sie das passende Ziel wählen, zeigt mein Leitfaden, um Conversion Ziele festzulegen.
Eine Warnung zum Schluss dieses Abschnitts: Beurteilen Sie die Wirkung nicht nur anhand der ersten Woche. Saisonalität, Werbebudget und Kampagnen verzerren die Ergebnisse. Vergleichen Sie deshalb ähnliche Zeiträume und nutzen Sie nach Möglichkeit Daten aus mehreren Wochen.
Wie verknüpfen Sie das Briefing mit einem Geschäftsziel?
Viele Unternehmen kaufen Design mit einem einzigen Ziel ein: moderner aussehen. Das ist zunächst kein schlechtes Ziel. Für sich allein ist es allerdings nicht messbar. Ergänzen Sie im Briefing deshalb die optische Erwartung um ein Geschäftsziel.
Ziele wie „Besucher sollen von Leistungsseiten leichter zum Anfrageformular kommen“ oder „weniger mobile Nutzer sollen im Checkout abbrechen“ geben dem Designteam eine Richtung. Folglich verschiebt sich das Feedback von „Diese Farbe gefällt mir nicht“ zu „Dient diese Änderung dem Ziel?“. Mehr zu diesem Ansatz lesen Sie im Beitrag über conversionorientiertes Webdesign.
Steht das Ziel fest, bitten Sie das Team, für jeden wichtigen Screen den Hauptzweck aufzuschreiben. Diese kleine Gewohnheit ist der praktischste Weg, überflüssige Abschnitte zu streichen und Screens schlank zu halten.
Was sollten Sie klären, bevor Sie entscheiden?
Kurz gesagt: Wer UI UX Design beauftragen will, braucht nicht nur die richtige Designerin, sondern vor allem die richtigen Fragen. Lassen Sie den Umfang als Liste der Leistungen aufschreiben. Machen Sie Forschung und Tests konkret. Einigen Sie sich auf ein Niveau der Barrierefreiheit. Halten Sie Quelldateien und Nutzungsrechte im Vertrag fest, und vergessen Sie den Support nach der Übergabe nicht.
Vergleichen Sie Angebote anhand derselben Vorlage, sehen Sie oft: Der niedrigste Preis steht für den schmalsten Umfang. Das heißt nicht, dass das teuerste Angebot immer richtig ist. Es heißt aber, dass Sie Zeile für Zeile erkennen, wofür Sie bezahlen.
Ein letzter Tipp: Entscheiden Sie nicht allein auf Basis der Präsentation des Designteams. Lesen Sie das Angebot gemeinsam mit der Person, die das Projekt im Alltag steuert, und mit Ihrer Entwicklungsleitung. So sehen Sie früh, ob die Ergebnisse nutzbar sind und wie viel Arbeit auf Ihrer Seite anfällt. Zusammengefasst: Ein gutes Briefing und ein klarer Vertrag sind genauso wichtig wie die Wahl der Designerin.
Wenn Sie Ihr Projekt gemeinsam mit mir anhand dieser 12 Punkte prüfen möchten, schreiben Sie mir. Im ersten Gespräch schauen wir auf Ihre aktuelle Website und Ihre Ziele und sortieren aus, welche Leistungen Sie wirklich brauchen.




