Digitales Marketing

Zielgruppenanalyse: So finden Sie das richtige Kundenprofil für Ihre Website

Talha AslanTalha Aslan 18 Min. Lesezeit 2 Aufrufe

Die Zielgruppenanalyse ist das Erste, wonach ich bei einem neuen Website Projekt frage. Viele Kunden beginnen mit dem Satz: "Jeder ist unser Kunde." Allerdings überzeugt eine Website, die alle anspricht, meistens niemanden. In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, mit welchen Daten ich ein belastbares Kundenprofil erstelle, was ich in GA4 und der Search Console lese, wie ich Kundeninterviews führe und wie ich Personas mit dem Ansatz Jobs to be done verbinde.

Was ist eine Zielgruppenanalyse und warum beginnt jede Website damit?

Eine Zielgruppenanalyse ist die Arbeit, mit Belegen zu zeigen, wer Ihr Produkt oder Ihre Leistung sucht, in welcher Situation und für welches Problem. Für eine Website ist das Ergebnis konkret: welche Botschaft oben steht, welche Seiten Sie brauchen und welchen nächsten Schritt Sie jedem Besucher anbieten.

Warum kommt sie vor dem Design? Weil jede Entscheidung zu Layout, Text und Navigation auf einer Annahme beruht. Wählen Sie Farben und Schriften, bevor Sie diese Annahme prüfen, entsteht eine schöne Website für die falsche Person. Dieses Muster sehe ich deshalb ständig. Die Startseite wirkt modern, die Formularquote bleibt niedrig, und der Inhaber sagt: "Wir haben Traffic, aber keine Kunden."

Außerdem verkürzt die Analyse interne Diskussionen. Der Vertrieb sagt, die Kunden achten auf den Preis. Die Geschäftsführung sagt, sie wollen Qualität. Eine datenbasierte Zielgruppenanalyse klärt also diesen Streit mit Fakten. Somit richtet sich das Projekt nach echtem Kundenverhalten und nicht nach der lautesten Stimme im Meeting. Deshalb lasse ich die Discovery Phase in meinen Webdesign Projekten nie aus.

Warum reichen demografische Daten allein nicht aus?

Alter, Geschlecht und Wohnort sind ein guter Anfang. Allerdings erklären sie keine Kaufentscheidung. Stellen Sie sich zwei Geschäftsführer vor, beide 35 Jahre alt, beide in derselben Stadt. Der eine möchte seine erste Website starten. Der andere will wissen, warum seine bestehende Seite keine Anfragen bringt. Auf dem Papier sind beide also gleich. In der Praxis haben ihre Bedürfnisse, ihre Dringlichkeit und ihre Fragen kaum etwas gemeinsam.

Deshalb nutze ich Demografie als Filter, nicht als Zielgruppe. Drei Dinge zählen mehr: die Situation der Person, das Problem, das sie lösen will, und die Kriterien, nach denen sie entscheidet. Zum Beispiel definiert sich der Mandant einer Steuerkanzlei nicht über sein Alter. Entscheidend ist eher dieser Moment: "Ich habe gerade eine Firma gegründet und habe Angst, Fristen beim Finanzamt zu verpassen."

Trotzdem wäre es ein Fehler, Demografie komplett zu streichen. Für Anzeigen, Tonalität und Bildsprache helfen Alter und Region weiterhin. Also arbeite ich in zwei Ebenen. Zunächst baue ich die Ebene aus Situation und Bedarf auf. Danach lege ich die Demografie als Kontrolle darüber. Somit entsteht ein Profil, das realistisch und zugleich umsetzbar ist.

Noch ein Tipp: Widerspricht ein demografischer Befund der Situationsebene, prüfen Sie zuerst die Situation. Zeigt GA4 zum Beispiel vor allem jüngere Besucher, während ältere Führungskräfte tatsächlich kaufen, dann muss die Seite wohl beide überzeugen. Die Assistenz recherchiert, die Führungskraft unterschreibt.

Welche Datenquellen braucht eine Zielgruppenanalyse?

Eine solide Zielgruppenanalyse stützt sich nie auf eine einzige Quelle. Ich lese vier Quellen zusammen: Analysedaten für das Verhalten, Suchdaten für die Absicht, Vertriebsdaten für den Umsatz und Interviews für die Motive. Denn jede Quelle beantwortet eine andere Frage. Zudem hat jede einen blinden Fleck.

QuelleWas sie Ihnen zeigtBlinder Fleck
GA4.Woher Besucher kommen, welche Seiten sie lesen, welche Geräte sie nutzen.Sie zeigt nicht, warum jemand kam oder ging.
Search Console.Die Suchanfragen, über die Nutzer Ihre Seite finden, mit Impressionen und Klicks.Sie deckt nur die Google Suche ab und blendet manche Anfragen aus Datenschutzgründen aus.
Vertrieb und CRM.Wer tatsächlich bezahlt hat, welches Paket, wie lange die Entscheidung dauerte.Gründe für verlorene Angebote fehlen oft.
Kundeninterviews.Gefühle, Sorgen und Alternativen im Moment der Entscheidung.Kleine Stichprobe, daher allein nicht verallgemeinerbar.

Zudem liefern neben diesen vier Quellen auch Supportanfragen, Chatverläufe und Bewertungen wertvolle Hinweise. Vor allem wiederkehrende Fragen zeigen Themen, die Ihre Website noch nicht beantwortet. Dennoch sollten Sie diese Quellen als Ergänzung sehen, nicht als Fundament.

Die Logik der Tabelle ist also einfach, und sie prägt jede gute Zielgruppenanalyse. Quantitative Quellen beantworten die Frage "Was ist passiert?". Qualitative Quellen beantworten die Frage "Warum ist es passiert?". Das heißt: Ohne beide bleibt Ihr Profil entweder oberflächlich oder anekdotisch.

Was verrät GA4 über Ihre Zielgruppe und was nicht?

GA4 ist der praktischste Weg, Verhalten zu lesen. Zugriffsquellen, Einstiegsseiten, Geräteverteilung und Conversion Pfade zeigen, wie Besucher mit Ihrer Website umgehen. Kommen zum Beispiel die meisten Besucher über das Smartphone, dann sollten Sie Formulare zuerst für mobile Geräte planen.

Für Alter, Geschlecht und Interessen ist der Bericht zu demografischen Details in GA4 die richtige Stelle. Allerdings erklärt Google, dass diese Daten aus Google Signals stammen. Bei geringen Nutzerzahlen kann GA4 zum Schutz der Privatsphäre Datenschwellenwerte anwenden. Daher ist ein leerer oder lückenhafter Demografiebericht auf einer kleinen B2B Website keine Überraschung.

Für meine Zielgruppenanalyse schaue ich mir in GA4 am häufigsten die Pfade konvertierender Sitzungen an. Konkret prüfe ich, welche Seiten jemand gelesen hat, bevor er ein Formular abschickt. Denn diese Seiten zeigen, was echte Käufer interessiert. Außerdem empfehle ich, Kampagnenlinks mit einem UTM Generator zu kennzeichnen. Dann vergleichen Sie die Zielgruppe aus Instagram sauber mit der Zielgruppe aus der Google Suche.

Eine Warnung dazu: Nicht jeder Besucher in GA4 gehört zu Ihrer Zielgruppe. Traffic über falsche Keywords, Jobsuchende und Mitarbeiter der Konkurrenz landen im selben Bericht. Deshalb trennen Sie zuerst das konvertierende Segment ab und deuten erst danach den Durchschnitt.

Wie zeigen Suchanfragen in der Search Console die Absicht Ihrer Kunden?

Für die Zielgruppenanalyse gehört die Search Console zu den wenigen Quellen, die zeigen, was Ihre Zielgruppe in eigenen Worten eintippt. Im Leistungsbericht filtern Sie nach Suchanfrage, Seite, Land und Gerät und vergleichen Klicks mit Impressionen. Deshalb zeichnen diese Anfragen ein ehrlicheres Bild als die meisten Umfragen.

Beim Lesen sortiere ich Anfragen in drei Gruppen. Erstens Informationssuchende, deren Suchen mit "was ist" oder "wie" beginnen. Zweitens Vergleichende mit Wörtern wie "Kosten", "beste" oder "Erfahrungen". Drittens Entscheider, die nach einem Markennamen, einem Stadtteil oder "Angebot anfordern" suchen. Danach sehen Sie, welche Seite jede Gruppe braucht.

Nutzen Sie zudem den Seitenfilter. Die Anfragen, die eine bestimmte Leistungsseite erreichen, zeigen, wer diese Seite wirklich besucht. Manchmal unterscheiden sich die gewünschte und die tatsächliche Zielgruppe deutlich. Diese Lücke bedeutet konkret: Sie müssen entweder den Inhalt oder das Targeting ändern.

Darüber hinaus lernen Sie das Vokabular Ihrer Kunden. Vielleicht nennen Sie Ihre Leistung "Corporate Design Entwicklung", während Kunden nach "Logo und Visitenkarten erstellen lassen" suchen. Sobald Sie diese Lücke sehen, schreiben Sie Überschriften und Menüpunkte in der Sprache der Käufer. Mehr dazu lesen Sie dann in meinem Beitrag über Keywords, die verkaufen.

Welche Hinweise stecken in Vertriebsdaten und im CRM?

Analysedaten beschreiben Besucher, Vertriebsdaten beschreiben Kunden. Das sind allerdings nicht dieselben Menschen. Von tausend Besuchern fragen vielleicht zehn ein Angebot an, und zwei bezahlen. In der Zielgruppenanalyse wollen Sie vor allem diese zwei verstehen. Folglich ist Ihr CRM eine der wertvollsten Quellen.

In den Vertriebsdaten meiner Kunden schaue ich auf wenige Felder. Dazu gehören Branche und Unternehmensgröße sowie der erste Kontaktkanal. Wichtig sind auch die Zeit vom Angebot bis zur Entscheidung, das gewählte Paket und der Grund für Kündigungen. Kunden mit langer Entscheidungszeit brauchen zum Beispiel meist die Zustimmung mehrerer Personen. Dann braucht Ihre Website eine kompakte Übersichtsseite für die letzte Entscheidungsinstanz.

Unordentliche Daten sind für die Zielgruppenanalyse kein Problem, denn Perfektion brauchen Sie nicht. Die letzten fünfzig Kunden per Hand in eine Tabelle zu übertragen, ist ein guter Start. Nehmen Sie allerdings auch verlorene Angebote auf. Zu wissen, wer "Nein" gesagt hat und warum, lehrt Sie genauso viel wie jedes "Ja". Ich erfasse jedes Gespräch in meinem eigenen CRM, deshalb zeigen sich Muster meist innerhalb weniger Monate.

Wie führen Sie ein Kundeninterview?

Kundeninterviews sind der Teil der Zielgruppenanalyse, den die meisten auslassen. Dabei lehren sie zudem am meisten. Zahlen zeigen, wo Besucher abspringen. Interviews erklären, warum. Zudem liefern sie Ihnen die stärksten Sätze für Ihre Website, direkt aus dem Mund der Kunden.

Halten Sie jedes Gespräch kurz; zwanzig bis dreißig Minuten reichen meist. Beginnen Sie mit Kunden, die in den letzten sechs Monaten gekauft haben, denn sie erinnern sich noch gut an die Entscheidung. Sprechen Sie wenn möglich auch mit einigen Interessenten, die ein Angebot erhielten und nicht kauften. Eine feste Zahl an Interviews gibt es nicht. Ich höre also auf, sobald sich die Antworten wiederholen. Nach meiner Erfahrung passiert das bei kleinen Unternehmen oft nach fünf bis zehn Gesprächen. Das ist ein Startwert aus der Praxis, keine Regel und keine Garantie.

Die wichtigste Regel lautet: Verkaufen Sie nicht, und verteidigen Sie Ihr Produkt nicht. Ihre einzige Aufgabe ist Zuhören. Vermeiden Sie Suggestivfragen. Fragen Sie statt "Fanden Sie unseren Preis fair?" lieber "Welche Optionen haben Sie verglichen?". Zeichnen Sie das Gespräch mit Erlaubnis auf und notieren Sie die genauen Worte des Kunden.

Welche Fragen sollten Sie im Interview stellen?

Meine Fragen richten sich auf die Vergangenheit. Menschen können schlecht vorhersagen, was sie tun werden. Was sie getan haben, beschreiben sie dagegen recht gut. Fragen Sie also "Was haben Sie gemacht?" statt "Was würden Sie sich wünschen?". Das ist meine Grundliste:

  1. Was ist passiert, bevor Sie gesucht haben, und was hat Sie zum Handeln gebracht?
  2. Wie haben Sie das Problem vorher zu lösen versucht?
  3. Welche Alternativen haben Sie erwogen, und warum haben Sie sie verworfen?
  4. Was hat Ihnen bei der Entscheidung die größten Sorgen gemacht?
  5. Wer war an der Entscheidung beteiligt, und wessen Zustimmung brauchten Sie?
  6. Wo haben Sie zuerst von uns gehört, und was haben Sie sich auf der Website angesehen?
  7. Was hat sich nach dem Kauf in Ihrer Arbeit verändert?

Diese sieben Fragen liefern das Rohmaterial für Jobs to be done im nächsten Abschnitt. Frage eins zeigt zum Beispiel den Auslöser, Frage drei die Alternativen und Frage vier die Sorge, die Ihre Website ausräumen muss. Achten Sie beim Lesen auf Formulierungen, die mehrere Kunden wiederholen. Diese Formulierungen sind Kandidaten für Ihre Überschriften.

Bereinigen Sie Ihre Notizen noch am selben Tag. Ich fasse jedes Gespräch auf einer Seite zusammen: Auslöser, Alternativen, Sorge, Entscheider und wörtliche Zitate. Legen Sie fünf dieser Seiten nebeneinander, dann springen die gemeinsamen Muster ins Auge.

Was bedeutet Jobs to be done?

Jobs to be done ist eine Denkweise, nach der Kunden ein Produkt "einstellen", um eine bestimmte Aufgabe zu erledigen. Clayton Christensen und seine Koautoren beschreiben den Ansatz in einem Artikel der Harvard Business Review. Die Kernaussage: Kundenprofile und Korrelationen in Daten reichen nicht. Stattdessen müssen Sie verstehen, welchen Fortschritt ein Kunde in einer bestimmten Situation erreichen will.

Derselbe Artikel betont, dass Jobs nie rein funktional sind. Sie haben immer auch eine soziale und emotionale Seite. Das heißt: Eine Inhaberin, die eine Website beauftragt, will nicht nur "eine Seite, die funktioniert". Sie möchte neben der Konkurrenz seriös wirken und sicher sein, dass sich die Investition lohnt. Diese beiden emotionalen Jobs entscheiden oft mehr als jede technische Funktion.

Der Ansatz hat meinen Blick auf Wettbewerb verändert. Der Rivale eines Webdesigners ist nicht nur eine andere Agentur. Baukastensysteme, eine Instagram Seite und sogar "vorerst nichts tun" konkurrieren um denselben Job. Daher muss Ihre Website erklären, warum Sie gegen all diese Alternativen die bessere Wahl sind.

Wie formulieren Sie einen Job Satz?

Um Interviewnotizen in einen Job Satz zu übersetzen, nutze ich eine einfache Vorlage: "Wenn [Situation], möchte ich [Motivation], damit [erwartetes Ergebnis]." Die Vorlage stellt die Situation in den Mittelpunkt, nicht die Person. Somit bündeln Sie Kunden aus unterschiedlichen demografischen Gruppen um denselben Bedarf.

Hier zwei Beispielsätze. Keiner davon ist ein echter Fall; ich habe sie nur zur Veranschaulichung formuliert:

  • Wenn ich eine neue Filiale eröffne, möchte ich, dass Kunden aus der Umgebung mich bei Google finden, damit mein Kalender in der ersten Woche nicht leer bleibt.
  • Wenn mein Werbebudget steigt, möchte ich sehen, welche Kampagne Umsatz bringt, damit ich die Ausgaben gegenüber meinem Partner begründen kann.

Beachten Sie den sozialen Job im zweiten Satz: Rechenschaft gegenüber dem Partner. Dieses Detail erklärt, warum ein Beispielbericht auf Ihrer Website so gut überzeugt. Ein guter Job Satz nennt nie eine Lösung. "Ich will eine SEO Agentur beauftragen" ist kein Job, sondern eine Lösungswahl. Fragen Sie sich danach, auf welchen anderen Wegen sich dieser Job erledigen lässt. Die Antwort zeigt Ihre echten Wettbewerber.

Personas oder Job Sätze: Was ist nützlicher?

Für mich ist das keine Wahl, sondern eine Frage der Reihenfolge. Eine Persona gibt dem Team ein lebendiges Bild eines Kunden. Ein Job Satz erklärt, warum dieser Kunde handelt. Allein wird eine Persona schnell zur Dekoration, etwa "Anna, 38, liebt Kaffee und hat eine Katze". Bei Entscheidungen hilft so eine Figur niemandem.

Die Nielsen Norman Group unterscheidet in ihrem Artikel über Persona Typen drei Ansätze. Leichte Personas beruhen auf dem vorhandenen Wissen des Teams. Qualitative Personas stützen sich auf Forschung mit kleiner Stichprobe. Statistische Personas beginnen qualitativ und prüfen die Ergebnisse dann mit einer Umfrage. Diese Unterscheidung erinnert mich an etwas Wichtiges: Eine Persona ist nur so stark wie die Forschung dahinter.

Meine Praxis in der Zielgruppenanalyse ist einfach. Zuerst schreibe ich die Job Sätze, dann baue ich für jeden Hauptjob eine Persona. Die Persona ist also das Gesicht des Jobs, und der Job ist ihr Rückgrat. Diese Reihenfolge verhindert erfundene Details. Außerdem bekommt das Designteam ein Gesicht und einen Grund. Haben zwei Personas denselben Job, prüfen Sie, ob Sie sie zusammenlegen.

Wie bauen Sie eine belegbare Persona auf?

Die erste Regel lautet: Jede Zeile verweist auf eine Quelle. Notieren Sie bei jedem Merkmal, woher es stammt, etwa aus einem Interview, einem CRM Feld, einer Suchanfrage oder einem Bericht in GA4. Jede Zeile ohne Quelle ist eine Annahme, und Sie sollten sie auch so kennzeichnen.

Die zweite Regel: Halten Sie die Zahl der Personas klein. Bei kleinen und mittleren Unternehmen arbeite ich meist mit zwei bis vier. Auch das ist ein Startwert aus der Praxis, keine Garantie. Schreiben Sie zehn Personas, dann erinnert sich niemand im Team an eine davon. Die Website spricht dann jeden ein wenig an und niemanden richtig.

Die dritte Regel: Bringen Sie Ihre Personas in eine Rangfolge. Welche bringt den meisten Umsatz, welche entscheidet am schnellsten, welche erreichen Sie am leichtesten? Auch der Deckungsbeitrag zählt, denn die Gruppe mit den meisten Verkäufen ist nicht immer die profitabelste. Die Antworten bestimmen, wen die Startseite zuerst anspricht. Ist Ihre wichtigste Persona zum Beispiel ein Einkäufer im Konzern, dann gehören Referenzen und Ablauf vor die Preistabelle.

Welche Felder gehören in eine Persona Vorlage?

Über die Jahre habe ich meine Vorlage für die Zielgruppenanalyse stark gekürzt. Hobbys, Lieblingsmarken und erfundene Lebensläufe habe ich gestrichen, weil sie nie eine Entscheidung zur Website beeinflusst haben. Diese Felder nutze ich heute:

  • Auslöser: Welches Ereignis bringt die Person dazu, zu suchen?
  • Haupt Job: mit funktionaler, sozialer und emotionaler Seite.
  • Suchbegriffe: wörtliche Zitate aus Search Console und Interviews.
  • Erwogene Alternativen: Wettbewerber und auch "nichts tun".
  • Sorgen und Einwände: Preis, Zeit, Vertrauen, schlechte Erfahrungen.
  • Entscheidungsweg: Wer muss zustimmen, und wie lange dauert es?
  • Überzeugender Beleg: Referenzen, Zahlen, Ablaufgrafik, Garantiebedingungen.
  • Benötigte Seite: Leistungsseite, Preisseite oder Fallübersicht.

Das letzte Feld ist die Brücke zwischen Analyse und Website. Können Sie nicht für jede Persona beantworten, auf welcher Seite sie überzeugt wird, dann ist die Arbeit nicht fertig. In der Praxis nutzen Sie dieses Feld zudem direkt, wenn Sie die Sitemap zeichnen.

Wie übertragen Sie die Ergebnisse der Zielgruppenanalyse auf Ihre Website?

Eine Analyse im Ordner verändert nichts. Ich übertrage die Ergebnisse auf vier Ebenen: Botschaft, Struktur, Beleg und Handlung. Auf der Ebene der Botschaft beantwortet die Überschrift der Startseite den Job Satz der wichtigsten Persona. Statt "Professionelles Webdesign" schreibe ich zum Beispiel: "Eine Website, über die Kunden Ihre neue Filiale schon vor der Eröffnung finden."

Auf der Ebene der Struktur richte ich Menü und Seitenhierarchie am Entscheidungsweg jeder Persona aus. Auf der Ebene der Belege setze ich passende Nachweise zu jeder Sorge: transparente Pakete bei Preisangst, einen klaren Ablauf bei fehlendem Vertrauen. Auf der Ebene der Handlung passe ich die Aufforderung an die Kaufphase an. Wer noch recherchiert, bekommt einen Leitfaden oder ein Erstgespräch statt "Jetzt kaufen".

Wenn Sie diese vier Ebenen festlegen, fällt auch die Definition von Zielen leichter. Dazu habe ich einen eigenen Beitrag geschrieben: Conversion Ziele festlegen. Planen Sie für jede Persona einen eigenen Pfad, dann ist mein Leitfaden zum Conversion Funnel ein guter nächster Schritt.

Wie verändert die Zielgruppenanalyse Ihren Content und Ihre Keywords?

Ein Redaktionsplan ist im Grunde die Liste der Fragen Ihrer Personas. Jede Frage, die sich in Interviews und in der Search Console wiederholt, ist ein Kandidat für einen Blogbeitrag, einen FAQ Eintrag oder einen Abschnitt einer Leistungsseite. Folglich verschwindet die Frage "Worüber sollen wir schreiben?", weil die Themen direkt von Kunden kommen.

Bei Keywords verschiebt die Zielgruppenanalyse Ihre Prioritäten. Einen Begriff mit hohem Suchvolumen, der nichts mit Ihren Personas zu tun hat, lassen Sie fallen. Dagegen ziehen Sie einen Begriff mit wenig Volumen vor, den eine Persona in der Entscheidungsphase nutzt. Um diese Begriffe den richtigen Seiten zuzuordnen, hilft Ihnen das Keyword Mapping.

Auch die Tonalität zählt. Ein Text für einen technischen Einkäufer sollte anders klingen als ein Text für einen Ladeninhaber, der zum ersten Mal eine Agentur beauftragt. Der eine will Details und Vergleiche, der andere Einfachheit und Sicherheit. Deshalb nennt jedes Content Briefing bei mir die Persona, für die es gedacht ist. In meiner SEO Beratung steht diese Angabe immer in der ersten Zeile.

Wie nutzen Sie die Erkenntnisse für das Anzeigen Targeting?

Werbeplattformen bieten unzählige Optionen, aber sie sagen Ihnen nicht, welche Sie wählen sollen. Genau diese Lücke schließt die Zielgruppenanalyse. Für Suchkampagnen in Google Ads bilden die Suchbegriffe Ihrer Personas aus der Entscheidungsphase den Kern der Keyword Liste. Begriffe aus der Informationsphase landen dagegen oft in einer Ausschlussliste oder in einer eigenen Kampagne mit kleinem Budget.

Dieselbe Logik nutze ich für Anzeigentexte. Die Überschrift nennt den Auslöser, die Beschreibung räumt die Sorge aus. Eine Überschrift wie "Eröffnung in zwei Wochen?" spricht zum Beispiel genau die Person an, die diese Situation erlebt. Danach muss die Zielseite dieselbe Sprache sprechen. Sonst bezahlen Sie den Klick und bekommen keine Conversion.

Im B2B Umfeld entscheiden mehrere Personen, deshalb kommen Kanäle wie LinkedIn ins Spiel. Diesen Weg beschreibe ich in meinem Beitrag Kunden über LinkedIn gewinnen. Wenn Sie Kampagnen entlang von Personas aufbauen möchten, richten wir diese Struktur in der ersten Woche meiner Google Ads Verwaltung gemeinsam ein.

Welche Fehler passieren am häufigsten?

Bei der Zielgruppenanalyse sehe ich in vielen Branchen immer wieder dieselben Fehler. Meist entstehen sie aus Eile, nicht aus bösem Willen. Das sind die häufigsten:

  • Die Analyse beruht nur auf der Meinung der Geschäftsführung, ohne ein einziges Kundengespräch.
  • Demografie gilt als Zielgruppe, etwa "Frauen zwischen 25 und 45".
  • Zu viele Personas, und keine davon hat Priorität.
  • Besucher gelten als Kunden, zahlende Käufer bekommen keinen eigenen Blick.
  • Verlorene Angebote bleiben unbeachtet.
  • Die Analyse entsteht einmal und verschwindet dann in der Schublade.

Allen Fehlern gemeinsam ist, dass Annahmen die Belege ersetzen. Die Lösung ist einfach: Verknüpfen Sie jede Entscheidung mit einer Quelle. Fehlt die Quelle, dann formulieren Sie die Entscheidung als Hypothese und messen sie. Glauben Sie zum Beispiel, Ihre Kunden seien preissensibel, dann prüfen Sie in GA4, welche Rolle die Preisseite in konvertierenden Pfaden spielt. Bei der Wahl der Kennzahlen hilft Ihnen mein Beitrag über Online Marketing KPIs.

Wie oft sollten Sie Ihre Zielgruppenanalyse aktualisieren?

Eine Zielgruppe definieren Sie nicht einmal für immer. Märkte verschieben sich, Wettbewerber ändern sich, und Sie ergänzen neue Leistungen. Kleinen Unternehmen empfehle ich eine leichte Durchsicht alle sechs Monate und eine gründliche Aktualisierung einmal im Jahr. Auch das ist ein Rhythmus aus der Praxis, keine feste Regel.

Manche Ereignisse erfordern eine Aktualisierung ohne Blick auf den Kalender. Dazu zählen ein neues Produkt, ein neues Preismodell oder der Eintritt in einen neuen Markt. Ebenso wichtig sind ein unerklärlicher Rückgang der Conversion Rate oder ein Vertrieb, der sagt: "Zuletzt kommen andere Kunden." In solchen Fällen genügen oft einige neue Interviews und ein kurzer Blick auf die Suchanfragen.

Damit Aktualisierungen leichtfallen, führen Sie die Zielgruppenanalyse als lebendes Dokument. Notieren Sie unter jeder Persona das Datum der letzten Änderung und die Quellen. So erkennen Sie nach sechs Monaten sofort, welche Teile veraltet sind. Zudem lernt ein neues Teammitglied Ihre Kunden auf wenigen Seiten kennen.

Ein praktischer Fahrplan für 30 Tage

Für diese Art der Zielgruppenanalyse brauchen Sie kein großes Budget. Die folgende Reihenfolge ist auch für kleine Unternehmen ohne eigenes Forschungsteam machbar:

  1. Woche eins: Exportieren Sie Einstiegsseiten und Kanäle konvertierender Sitzungen aus GA4. Exportieren Sie dann drei Monate Suchanfragen aus der Search Console und sortieren Sie sie in die drei Absichtsgruppen.
  2. Woche zwei: Übertragen Sie die Vertriebsdaten der letzten fünfzig Kunden in eine Tabelle. Nehmen Sie verlorene Angebote dazu.
  3. Woche drei: Führen Sie fünf bis zehn Interviews mit der Liste aus sieben Fragen.
  4. Woche vier: Schreiben Sie Job Sätze, erstellen Sie zwei bis vier Personas und geben Sie jeder eine Priorität und eine Zielseite.

Nach dreißig Tagen haben Sie ein belegbares Kundenprofil und eine Liste der Seiten, die sich ändern müssen. Setzen Sie dann die Änderungen um, beginnend mit der Überschrift der Startseite. Vergleichen Sie danach die Conversion Rate mit dem Vorzeitraum. Denken Sie dabei an saisonale Effekte, denn ein einzelner Monat kann Sie leicht täuschen. Vergleichen Sie also wenn möglich auch mit demselben Zeitraum im Vorjahr. Möchten Sie diesen Prozess gemeinsam angehen, schreiben Sie mir über die Kontaktseite. Im ersten Gespräch sehen wir uns Ihre vorhandenen Daten an und legen den Startpunkt fest.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Daten brauche ich für eine Zielgruppenanalyse?
Für den Start brauchen Sie keine großen Datenmengen. Drei Monate Suchanfragen aus der Search Console, die Conversion Pfade in GA4, Vertriebsdaten der letzten fünfzig Kunden und fünf bis zehn Interviews reichen den meisten kleinen Unternehmen als Basis. Sind die Daten dünn, verlängern Sie den Zeitraum und gewichten Sie die Interviews stärker.
Warum fehlen demografische Daten in GA4?
Demografische Daten und Interessen stammen aus Google Signals. Bei geringen Nutzerzahlen wendet Google Datenschwellenwerte an, um die Privatsphäre zu schützen, und blendet einzelne Zeilen aus. Ein längerer Zeitraum kann die Wahrscheinlichkeit dafür senken. Trotzdem ist ein lückenhafter Bericht bei kleinen Websites normal und kein Grund zur Sorge.
Ist eine Persona dasselbe wie eine Zielgruppe?
Nein. Die Zielgruppe beschreibt allgemein die Gruppe, an die Sie verkaufen wollen. Eine Persona macht einen bestimmten Kundentyp innerhalb dieser Gruppe greifbar, mit Situation, Sorgen und Entscheidungsweg. Eine Zielgruppe umfasst meist zwei bis vier Personas, und jede braucht auf Ihrer Website eine eigene Seite und eine eigene Botschaft.
Eignet sich Jobs to be done für kleine Unternehmen?
Ja, gerade für kleine Unternehmen ist der Ansatz sehr praktisch. Er braucht keine teure Marktforschung; einige Interviews und eine einfache Satzvorlage genügen. Wenn Sie wissen, welchen Fortschritt ein Kunde in welcher Situation sucht, lenken Sie ein begrenztes Budget auf die richtige Seite und die richtige Botschaft. Zudem testen Sie das Ergebnis schnell auf der Website.
Wen sollte ich zu Kundeninterviews einladen?
Beginnen Sie mit Kunden, die in den letzten sechs Monaten gekauft haben, denn sie erinnern sich klar an die Entscheidung. Sprechen Sie danach mit einigen Interessenten, die ein Angebot erhielten und nicht kauften. Der Grund für ein verlorenes Geschäft ist die lehrreichste Erkenntnis. Wählen Sie möglichst Kunden aus verschiedenen Paketen oder Branchen.
Kann ich eine Zielgruppenanalyse selbst durchführen?
Ja. Der Fahrplan für 30 Tage in diesem Beitrag ist für eine einzelne Person gedacht. Schwierig sind meist zwei Schritte: im Interview neutral zu bleiben und die Ergebnisse in Änderungen an der Website zu übersetzen. Dabei hilft ein Blick von außen, denn der Reflex, das eigene Produkt zu verteidigen, mindert den Wert eines Interviews.
#Zielgruppenanalyse#Personas#Jobs to be done#Kundeninterviews#GA4#Search Console#Website Strategie
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Talha Aslan
Talha Aslan

Google Partner und Experte für digitales Marketing. Seit 2012 praktisch in SEO, Google Ads, Webdesign und E-Commerce Projekten; jeder Beitrag hier stammt aus dieser Erfahrung.

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