CAC Payback berechnen: Wann sich Werbung wirklich amortisiert

Kurze Antwort
Was ist CAC Payback, und wann amortisiert sich Werbung?
CAC Payback ist die Zahl der Monate, nach denen der Deckungsbeitrag eines Kunden die Kosten für seine Gewinnung zurückgezahlt hat. Werbung amortisiert sich in dem Monat, in dem der aufgelaufene Deckungsbeitrag die Akquisitionskosten übersteigt; der Umsatz überschreitet diese Linie viel früher und täuscht deshalb.
Diese Kennzahl beantwortet eine einfache Frage: Wann kommt das Geld, das Sie heute in Werbung stecken, auf Ihr Konto zurück? ROAS (Return on Ad Spend) beschreibt die Effizienz, der Customer Lifetime Value das langfristige Potenzial. Der Payback beschreibt dagegen die Zeit. Vor allem bei knappem Kapital ist Zeit oft die dringendere Frage.
Wir, Talha Aslan und Team, zeigen Ihnen hier Schritt für Schritt die Formel, den Einfluss der Marge und die Wirkung von Wiederholungskäufen. Tipps zum Senken der Akquisitionskosten wiederholen wir nicht, denn dafür gibt es unseren Leitfaden zum Senken des CAC. Alle Rechnungen sind Beispielszenarien. Wir rechnen in neutralen "Einheiten" statt in einer Währung und nennen keine Branchenwerte.
Wie lässt sich CAC Payback berechnen?
Die Grundformel passt in eine Zeile: Payback in Monaten = Kundenakquisitionskosten / monatlicher Deckungsbeitrag pro Kunde. Gewinnen Sie zum Beispiel einen Kunden für 600 Einheiten und erzielen monatlich 150 Einheiten Deckungsbeitrag, dauert der Payback 4 Monate. Das ist eine Beispielrechnung, und so sauber geht sie nur bei regelmäßigen Einnahmen auf.
Bei unregelmäßigen Käufen reicht die Division allerdings nicht. Dann addieren Sie den Deckungsbeitrag Monat für Monat und lesen ab, wann die Summe den CAC übersteigt. Gehen Sie dabei in dieser Reihenfolge vor:
- Fassen Sie alle Neukunden eines Monats zu einer Gruppe zusammen.
- Summieren Sie die Akquisitionsausgaben für diese Gruppe und teilen Sie durch die Kundenzahl.
- Rechnen Sie den Deckungsbeitrag der ersten Bestellungen auf einen Kunden um.
- Ergänzen Sie auf dieselbe Weise die Folgebestellungen der nächsten Monate.
- Markieren Sie den Monat, in dem die Summe den CAC übersteigt.
Die eigentliche Arbeit steckt also nicht in der Formel, sondern in zwei ehrlichen Eingabewerten. Genau darum geht es in den nächsten Abschnitten.
Warum rechnen Sie mit dem Deckungsbeitrag statt mit dem Umsatz?
Umsatz ist nicht das Geld, das Ihnen bleibt, sondern der Bruttobetrag, von dem noch Kosten abgehen. Von einem Verkauf über 800 Einheiten bleiben zum Beispiel nach Ware und Versand vielleicht nur 300 Einheiten. Erst diese 300 Einheiten zahlen die Werbung zurück.
Eine Rechnung auf Umsatzbasis lässt den Payback kürzer erscheinen, als er ist. Zudem wächst der Fehler bei margenschwachen Produkten. Dieselben Werbekosten wirken beim Blick auf den Umsatz schon mit der ersten Bestellung verdient, brauchen in Wahrheit aber womöglich mehrere weitere Bestellungen. Deshalb kann eine Kampagne im ROAS Bericht stark aussehen und Ihre Liquidität trotzdem belasten.
Der Deckungsbeitrag ist das, was nach Abzug der variablen Kosten eines Verkaufs übrig bleibt. Miete oder feste Gehälter gehören nicht hinein, weil ein zusätzlicher Verkauf sie nicht verändert. So erhalten Sie eine saubere Antwort auf die Frage, wie lange dieser Kunde braucht, um das Werbegeld wieder einzuspielen. Außerdem bleiben Vergleiche zwischen Kanälen und Produkten frei von willkürlich verteilten Fixkosten.
Welche Kosten gehören in den Deckungsbeitrag?
Jedes Unternehmen hat eigene Posten, die Regel bleibt allerdings gleich: Was ohne den Verkauf nicht entstanden wäre, zieht den Deckungsbeitrag nach unten. Typische Posten sind:
- Die direkten Kosten des Produkts oder der Dienstleistung.
- Versand, Verpackung und Logistik.
- Zahlungsgebühren und Provisionen für Marktplätze.
- Der durchschnittliche Anteil an Retouren, Umtausch und Schäden.
- Rabattcodes und Werbegeschenke.
- Prämien oder Provisionen pro Abschluss.
Rechnen Sie mit Nettobeträgen, denn die Umsatzsteuer bleibt nicht bei Ihnen. Sätze und buchhalterische Behandlung können sich ändern, prüfen Sie aktuelle Werte daher mit Ihrem Steuerberater. Dieser Artikel ist keine Steuerberatung und keine Rechtsberatung.
Retouren werden besonders oft vergessen. Kommt in Ihrer Kategorie ein großer Teil der Bestellungen zurück und Sie ignorieren das, schrumpft der Payback nur auf dem Papier. Ähnlich verhalten sich Rabatte, denn jeder Gutschein senkt den Betrag, der die Werbung zurückzahlt. Prüfen Sie deshalb auch Aktionspreise immer auf ihren Beitrag und nicht nur auf ihren Umsatz.
Welche Ausgaben zählen zum CAC?
In den Berichten zu Kundenlebenszykluszielen definiert Google Ads den CAC als die auf Neukunden entfallenden Werbekosten, geteilt durch die eindeutigen Neukunden einer Kampagne. Die Definition finden Sie in der Google Ads Hilfe, und sie umfasst nur die Werbeausgaben.
Für eine Geschäftsentscheidung ist das oft zu eng. Agenturhonorare, Kreativproduktion, Vertriebszeit und Software gehören ebenfalls zur Kundengewinnung. Deshalb empfehlen wir zwei Werte: einen Werbe CAC aus der Plattform und einen vollständigen CAC mit allen Akquisitionskosten.
Für den Blick über alle Kanäle erklärt unser Artikel zum Blended CAC diese Unterscheidung genauer. Hier zählt vor allem eines: Schreiben Sie in jeden Bericht, mit welchem CAC Sie rechnen. Sonst entsteht ein Unterschied zwischen zwei Monaten womöglich durch eine neue Definition und nicht durch das Geschäft.
Kann sich Werbung schon mit der ersten Bestellung amortisieren?
Ja, das gelingt, wenn der Deckungsbeitrag der ersten Bestellung höher ist als der CAC. Bei hochpreisigen Produkten mit guter Marge kommt das vor. Nehmen wir als Beispielszenario einen Shop für Heimtextilien:
- Gesamte Akquisitionsausgaben im Monat: 12.000 Einheiten.
- Gewonnene Neukunden: 40, also ein CAC von 300 Einheiten.
- Durchschnittliche Bestellung netto: 800 Einheiten.
- Deckungsbeitrag: 45 Prozent, also 360 Einheiten pro Bestellung.
In diesem Beispiel deckt die erste Bestellung die 300 Einheiten CAC und lässt 60 Einheiten übrig. Der Payback lautet somit "erste Bestellung". Allerdings hält dieses Ergebnis nicht automatisch, wenn das Budget wächst. Ein größeres Budget erreicht teurere Zielgruppen, und der CAC kann steigen. Deshalb sollten Sie auch die Kunden ansehen, die Ihre letzte Budgeterhöhung gebracht hat, nicht nur den Durchschnitt.
Außerdem ist der Payback mit der ersten Bestellung nicht immer das beste Ziel. Haben Sie viele Stammkunden, kostet Sie das Festhalten daran womöglich echtes Wachstum.
Wie verändern Wiederholungskäufe den CAC Payback?
Wiederholungskäufe schließen die Lücke, die die erste Bestellung offen lässt. Dabei passiert allerdings ein typischer Fehler: Man rechnet, als käme jeder Kunde wieder. Richtig ist der Durchschnitt über die ganze Gruppe, also einschließlich der Kunden, die nie zurückkehren.
Nehmen wir als Beispielszenario einen Onlinehändler für Kaffee, mit einem CAC von 300 Einheiten und 160 Einheiten Deckungsbeitrag pro Bestellung. Nach der ersten Bestellung bleiben 140 Einheiten offen. In den Folgemonaten bestellt ein Teil der Gruppe erneut, und der durchschnittliche Deckungsbeitrag pro Kunde wächst so:
| Monat | Anteil Nachbesteller (Beispiel) | Zusätzlicher Beitrag pro Kunde | Aufgelaufener Beitrag | Noch offen |
|---|---|---|---|---|
| Erste Bestellung | 100 Prozent | 160 | 160 | 140 |
| Monat 1 | 25 Prozent | 40 | 200 | 100 |
| Monat 2 | 20 Prozent | 32 | 232 | 68 |
| Monat 3 | 20 Prozent | 32 | 264 | 36 |
| Monat 4 | 15 Prozent | 24 | 288 | 12 |
| Monat 5 | 15 Prozent | 24 | 312 | Amortisiert |
Die Werbung amortisiert sich in diesem Beispiel also im fünften Monat. Ohne Wiederholungskäufe hätten Sie dieselbe Kampagne vielleicht als Verlustbringer gestoppt. Die Quoten sind nur eine Beispielrechnung, ermitteln Sie Ihre eigenen daher aus Ihren Bestelldaten.
Warum verlängert schon etwas weniger Marge den Payback so stark?
Die Marge verkleinert jede Tabellenzeile gleichzeitig, deshalb schlägt sie so hart durch. Im vorigen Beispiel lag die Bestellung bei 400 Einheiten mit 40 Prozent Deckungsbeitrag, also 160 Einheiten. Senken wir nun bei gleichem Warenkorb und gleichen Quoten den Satz auf 30 Prozent. Der Beitrag pro Bestellung fällt auf 120 Einheiten, und die Summe lautet 120, 150, 174, 198, 216 und 234 Einheiten.
Somit endet die Kampagne, die sich vorher im fünften Monat amortisierte, im selben Zeitraum mit 66 Einheiten Rückstand. Ihr Werbekonto zeigt davon nichts, denn Klicks, Conversions und Umsatz bleiben gleich. Höhere Versandkosten, neue Einkaufspreise oder ein aggressiverer Gutschein können den Payback verlängern, ohne dass sich die Werbeleistung ändert.
Rechnen Sie also neu, sobald sich die Marge ändert. Unterscheiden sich Ihre Produktgruppen stark, rechnen Sie zudem je Gruppe statt mit einem Durchschnitt. Ein Bestseller mit dünner Marge kann zum Beispiel den Shopdurchschnitt schönen und sich selbst nur langsam amortisieren. Auch Ihr ROAS Ziel sollten Sie danach neu einordnen, für eine schnelle Prüfung hilft unser ROAS Rechner.
Wie finden Sie vom Wunschzeitraum zum maximalen CAC?
Die Formel funktioniert auch rückwärts, und für Budgetentscheidungen ist diese Richtung oft nützlicher. Zunächst legen Sie fest, wie lange Ihr Kapital warten kann. Danach lesen Sie ab, wie viel Deckungsbeitrag in dieser Zeit zusammenkommt. Dieser Betrag ist der höchste CAC, den Sie akzeptieren können.
Gehen wir zurück zur Kaffeetabelle. Bei einem Ziel von drei Monaten liegt die Summe bei 264 Einheiten, ein CAC von 300 Einheiten verfehlt es also. Bei fünf Monaten steigt die Grenze auf 312 Einheiten, und dieselbe Kampagne wird annehmbar. Kurz gesagt hängt das Urteil über eine Kampagne auch von Ihrer Liquidität ab.
Diese Grenze hilft Ihnen zudem bei Zielwerten in der Werbeplattform. Halten Sie den Zielwert pro Akquisition zum Beispiel unter diesem Betrag. Allerdings sieht die Plattform nur die Werbeausgaben, lassen Sie also Spielraum für Agentur und Kreation. Außerdem müssen Sie die Grenze neu berechnen, wenn sich Marge oder Nachkaufquoten ändern.
Warum dauert es im Abo länger, als die Formel sagt?
Aboumsätze wirken gleichmäßig, doch jeden Monat kündigt ein Teil der Kunden. Die einfache Formel übersieht das und zeigt deshalb einen zu kurzen CAC Payback. Nehmen wir als Beispielszenario ein Softwareabo mit 600 Einheiten CAC, 140 Einheiten monatlichem Deckungsbeitrag pro Abonnent und einer monatlichen Kündigungsquote von 10 Prozent.
Die einfache Formel ergibt 600 / 140, also rund 4,3 Monate. Allerdings schrumpft die Gruppe, und der durchschnittliche Beitrag pro ursprünglichem Kunden sinkt jeden Monat. Die Summe lautet daher 140, 266, 379, 481, 573 und 656 Einheiten, und erst im sechsten Monat übersteigt sie den CAC.
Dieser Unterschied wirkt klein. Er wächst jedoch mit steigender Kündigungsquote, und ab einem bestimmten Punkt zahlt eine Gruppe den CAC womöglich nie zurück. Deshalb gehört die Kündigungsquote im Abogeschäft genauso zum Marketing wie die Werbeeffizienz. Wer über eine App verkauft, findet Hinweise zu Preisen und Paketen in unserem Artikel zum Abomodell in der App.
Wie unterscheidet sich die Rechnung je nach Geschäftsmodell?
Die Formel gilt in jedem Modell, aber was Sie messen und wo Sie sich irren, ändert sich. Die Tabelle fasst die Unterschiede zusammen. Sie nennt keinen Zielwert, denn der passende Zeitraum hängt von Ihrer Liquidität ab.
| Geschäftsmodell | Haupttreiber des Payback | Häufigster Fehler | Richtige Lesart |
|---|---|---|---|
| Einmalkauf mit hohem Warenkorb | Deckungsbeitrag der ersten Bestellung | Folgekäufe unterstellen | Deckt die erste Bestellung den CAC? |
| E-Commerce mit Nachkäufen | Nachkaufrate und Marge | Nur Wiederkehrer mitteln | Summe der ganzen Gruppe |
| Abo | Monatlicher Beitrag und Kündigungen | Kündigungen ignorieren | Summe nach Kündigungen |
| B2B mit langem Vertrieb | Vertriebsdauer und Vertragsform | Uhr erst bei erster Zahlung starten | Ab dem Ausgabedatum zählen |
| Lokale Dienstleistung | Beitrag pro Auftrag und Empfehlungen | Anrufe als Kunden zählen | Erledigte und bezahlte Aufträge |
In jedem Modell ist der erste Schritt gleich: Verbinden Sie die Conversion mit einem echten Kunden. Berechnen Sie den CAC aus Formularen oder Anrufen, bleibt der Payback eine Theorie. Ein lokaler Betrieb weiß zum Beispiel, dass nicht jeder Anruf zum Auftrag wird. Deshalb gehören nur zahlende Kunden in den Nenner.
Wann beginnt die Uhr bei einem langen Vertriebszyklus?
Die Uhr beginnt in dem Monat, in dem das Werbegeld abfließt, nicht bei der ersten Zahlung. Im kurzen Vertriebszyklus spielt das kaum eine Rolle. Dauern Angebot und Freigabe jedoch Monate, verändert es die ganze Rechnung.
Nehmen wir als Beispielszenario einen B2B-Anbieter für industrielle Ersatzteile. Der CAC liegt bei 5.000 Einheiten, der monatliche Deckungsbeitrag pro Kunde bei 1.000 Einheiten. Die Formel sagt 5 Monate. Vergehen zwischen Werbeklick und erster Rechnung aber durchschnittlich 3 Monate, kommt das Geld erst nach 8 Monaten zurück. Planen sollten Sie also mit 8 und nicht mit 5.
Außerdem verleitet ein langer Zyklus dazu, Werbung zu früh zu stoppen. Die Ausgaben dieses Monats zeigen ihre Wirkung erst Monate später, deshalb füllt eine still wirkende Kampagne womöglich gerade Ihre Pipeline. Gleichen Sie daher die Daten Ihres Vertriebs mit den Werbedaten ab. Auch die Qualität der Anfragen fließt ein, denn verschiedene Abschlussquoten je Quelle machen aus demselben CAC einen anderen Payback.
Monatsdurchschnitt oder Kohorte: Was ist genauer?
Die Kohorte ist genauer. Teilen Sie die Ausgaben eines Monats durch den gesamten Deckungsbeitrag dieses Monats, finanzieren scheinbar die Nachkäufe älterer Kunden die aktuelle Werbung. Bei wachsenden Unternehmen schönt das die Lage, bei schrumpfenden lässt es sie schlechter aussehen.
Eine Kohorte ist einfach eine Gruppe von Kunden aus demselben Zeitraum, die Sie getrennt verfolgen. So bekommt jede Gruppe ihre eigene Kurve. Zudem erkennen Sie, wenn Kunden aus einer Saisonaktion spät oder nie den Payback erreichen.
So könnte eine Auswertung zum Beispiel aussehen:
- Kunden aus normaler Zeit erreichen den Payback wie in der Tabelle im fünften Monat.
- Kunden aus einer großen Rabattaktion starten mit niedriger Marge und bestellen seltener nach.
- Eine Gruppe aus einem neuen Kanal startet ähnlich, ihre Kurve steigt aber schneller oder langsamer.
Zwei Kampagnen mit gleichem CAC können also unterschiedliche Kurven haben. In dieser Kurve steckt die Information, die Sie für eine Entscheidung wirklich brauchen.
Woher bekommen Sie die Daten für den CAC Payback?
Die verlässlichste Quelle ist Ihr Shopsystem oder Ihre Buchhaltung, sofern dort Bestellungen pro Kunde erfasst sind. Analysetools eignen sich für eine erste schnelle Sicht. So gruppiert die Kohortenanalyse in Google Analytics 4 Nutzer etwa nach dem ersten Kontakt oder einer Transaktion und verfolgt sie täglich, wöchentlich oder monatlich. Die kumulative Berechnung kommt der Tabellenlogik in diesem Artikel recht nahe.
Der GA4 Bericht zur Nutzerbindung zeigt außerdem den durchschnittlichen Umsatz neuer Nutzer in den ersten 120 Tagen. Da er Umsatz zeigt, müssen Sie die Marge selbst ergänzen. In der Analyse zur Nutzerlebensdauer können die Perzentilwerte beim LTV (Customer Lifetime Value) bei null liegen, weil die meisten Nutzer nichts kaufen. Google rät daher zu einem Segment, das nur Käufer filtert.
In Google Ads sehen Sie CAC Spalten nur bei Kampagnen mit aktivem Lebenszyklusziel, und rückwirkend gibt es diese Daten nicht. Sind Ihre Analysedaten lückenhaft, ist es auch die Rechnung, also beheben Sie zunächst fehlende GA4 Conversions.
Warum kann der Payback trotz gutem ROAS lang sein?
ROAS teilt den Umsatz durch die Werbekosten und übersieht dabei Marge, Nachkäufe und Zeit. Deshalb bedeutet ein hoher ROAS nicht immer einen schnellen CAC Payback. Zudem können ROAS Berichte auch Bestandskunden enthalten, und dann wirkt die Neukundengewinnung stärker, als sie tatsächlich ist.
Stellen wir uns zwei Kampagnen mit gleichem ROAS vor. Die erste verkauft vor allem an Wiederkehrer, die zweite bringt Neukunden. Im Dashboard sehen sie gleich aus, in der Paybackrechnung leisten sie jedoch etwas völlig anderes. Ebenso amortisiert sich eine Kampagne mit margenschwachen Produkten viel später als eine margenstarke, obwohl der ROAS gleich ist.
Fällt der ROAS, trennen Sie zunächst die Ursachen, dabei hilft unser Artikel zum ROAS Rückgang. Google bietet über Lebenszyklusziele zudem höhere Gebote für Neukunden an, die offizielle Erklärung finden Sie auf der Hilfeseite. Bevor Sie das aktivieren, sollten Sie allerdings aus Ihren eigenen Zahlen ableiten, was Ihnen ein Neukunde wert ist.
Ersetzt CAC Payback den Customer Lifetime Value?
Nein, beide beantworten verschiedene Fragen. Der Lifetime Value sagt, wie viel ein Kunde insgesamt einbringt, der Payback dagegen, wann Ihr Geld zurückkommt. Die erste Frage lautet: Ist dieser Kunde wertvoll? Die zweite lautet: Können Sie es sich leisten, auf diesen Wert zu warten?
Ein Kunde kann zum Beispiel langfristig viel wert sein, doch bei sehr langem Payback reicht Ihre Liquidität womöglich nicht bis dahin. Auch umgekehrt gilt: Mit Kunden, die sich schnell amortisieren und dann verschwinden, lässt sich schwer wachsen. Deshalb sollten Sie beide Werte zusammen verfolgen.
Die Formeln zum Lifetime Value erklären wir in unserem Leitfaden zum Customer Lifetime Value, hier gehen wir nicht darauf ein. Seien Sie zudem vorsichtig mit langfristigen Prognosen, denn künftige Nachkaufraten sind Annahmen. Der Payback misst dagegen die nahe Zukunft und lässt sich daher schneller mit echten Daten belegen. In kleinen Unternehmen beginnen wir deshalb meist mit ihm.
Welcher Zeitraum ist für kleine Unternehmen vertretbar?
Eine Monatszahl für alle gibt es nicht, denn der richtige Zeitraum hängt davon ab, wie lange Ihr Kapital warten kann. Berechnen Sie deshalb statt eines geliehenen Zielwerts zunächst Ihre eigene Liquiditätsgrenze.
Zurück zum Kaffee. Angenommen, Sie geben monatlich 18.000 Einheiten aus und gewinnen 60 Neukunden. Addieren Sie die offenen Beträge aus der Tabelle, ergibt sich über die laufenden Gruppen eine Lücke von 140 + 100 + 68 + 36 + 12 = 356 Einheiten pro Kunde. Multipliziert ergibt das 60 x 356 = 21.360 Einheiten. Im eingependelten Zustand fehlt Ihnen also dauerhaft ungefähr dieser Betrag auf dem Konto.
Ist die Summe zu hoch, können Sie in diesem Tempo nicht wachsen, selbst wenn die Kampagne profitabel ist. In dieser Beispielrechnung verdoppelt ein doppeltes Budget auch die gebundene Summe, selbst bei gleichem CAC. In der Praxis steigt der CAC meist sogar. Stellen Sie sich daher diese Fragen:
- Wie viele Monate kann Werbegeld nach Lager, Miete und Gehältern ausbleiben?
- Was passiert mit der Rechnung, wenn der Umsatz einen Monat einbricht?
- Arbeiten die Zahlungsziele von Lieferanten und Zahlungsanbietern für oder gegen Sie?
Lesen Sie den CAC Payback immer zusammen mit dem Budget. Den Monatsbetrag können Sie mit unserem Google Ads Budget Rechner eingrenzen. Unser Artikel zum Website ROI wendet eine ähnliche Überlegung auf die Investition in eine Website an.
Wie lässt sich CAC Payback am schnellsten verkürzen?
Den CAC zu senken, ist nicht der einzige Hebel. Die Formel hat zwei Seiten, und die Margenseite lässt sich in vielen Unternehmen recht schnell verbessern. Beginnen Sie mit diesen Schritten:
- Vergrößern Sie Warenkorb und erste Marge durch Bündel und eine sinnvolle Grenze für kostenlosen Versand.
- Ziehen Sie die zweite Bestellung vor, indem Sie nach dem Erstkauf eine Erinnerungsstrecke einrichten.
- Nehmen Sie margenschwache Produkte aus der Werbung und verlagern Sie Budget auf margenstarke.
- Verringern Sie Retourengründe durch klare Produktseiten und Größenangaben.
- Trennen Sie Neukunden und Bestandskunden im Bericht, damit Sie die echte Gewinnung sehen.
- Kassieren Sie im B2B-Geschäft früher, denn Anzahlung und Zahlungsplan wirken direkt.
Wer Nachkäufe systematisch fördern will, findet in unserem Artikel zur Kundenbindungsapp einen guten Einstieg. Kampagnen, Gebote und Ziele auf diese Rechnung auszurichten, ist allerdings eine eigene Aufgabe. Sie können sich dazu unsere Google Ads Verwaltung ansehen oder mit einem Online Marketing Berater arbeiten, der das Konto gemeinsam mit Ihnen liest. In jedem Fall macht Ihre eigene Tabelle jedes Gespräch ergiebiger.
Welche Rechenfehler sehen wir am häufigsten?
Die meisten Fehler stecken nicht in der Formel, sondern in der Definition der Eingaben. Aus unserer Praxis kennen wir vor allem diese:
- Umsatz statt Marge verwenden und die Wartezeit zu kurz einschätzen.
- Kunden ohne Nachkauf aus dem Durchschnitt herauslassen.
- Nur Werbekosten eintragen und Agentur, Kreation und Vertrieb vergessen.
- Die Zahl der Conversions in der Plattform für die Zahl der Neukunden halten.
- Rechnen, bevor Retouren und Stornierungen abgeschlossen sind.
- Das Ergebnis einer Aktionsgruppe auf das ganze Jahr übertragen.
Auch die Attribution verschiebt das Ergebnis. An einer Kaufentscheidung sind oft mehrere Kanäle beteiligt, deshalb ist der CAC pro Kanal für sich genommen nicht endgültig. Wie stark sich das Bild ändert, zeigt unser Vergleich der Attributionsmodelle. Kurz gesagt: Nehmen Sie den Payback pro Kanal als Ausgangspunkt, und überlassen Sie das letzte Wort der Gesamtrechnung aus Ihren Bestelldaten.
Wie verfolgen Sie diese Kennzahl jeden Monat?
Dafür brauchen Sie kein aufwendiges Dashboard, denn eine einfache Tabelle reicht für die meisten Entscheidungen. Jede Zeile steht für eine Kundengruppe, die Spalten enthalten Akquisitionsmonat, Kanal, Kundenzahl, vollständigen CAC, erste Marge, spätere Summe und Paybackmonat.
Ergänzen Sie einmal im Monat, immer am selben Tag, den neuen Monat. Danach stellen Sie drei Fragen: Liegt die Kurve der letzten Gruppe über oder unter der vorherigen? Erreicht ein Kanal den Payback später als die anderen? Wie stark hat die letzte Budgeterhöhung den CAC erhöht? So wird Ihr Bericht von einer Zahlenliste zur Entscheidungshilfe.
Betrachten Sie diese Kennzahl außerdem nicht isoliert. Welche Werte in dieselbe Tabelle gehören, erklärt unser Artikel zu den wichtigsten Online Marketing KPIs. Verkürzt sich der Payback zum Beispiel, während der Neukundenanteil sinkt, ist das nicht unbedingt gut, denn vielleicht verkaufen Sie nur noch an Bestandskunden. Solche Lesarten stärken Ihre Budgetentscheidungen.
Wie finden Sie den Monat, in dem sich Ihre Werbung amortisiert?
Zusammengefasst genügen drei Schritte: Ermitteln Sie Ihren echten Deckungsbeitrag, notieren Sie den vollständigen CAC, und verfolgen Sie dann die Summe einer Kundengruppe Monat für Monat. Der Monat, in dem die Summe den CAC übersteigt, ist Ihr CAC Payback. Vergleichen Sie ihn anschließend mit dem Betrag, den Ihre Liquidität tragen kann.
Wer das zum ersten Mal rechnet, erlebt meist eine von zwei Überraschungen. Entweder erreicht eine vermeintlich verlustreiche Kampagne den CAC Payback in vertretbarer Zeit, oder eine vermeintlich profitable bindet viel länger Kapital als gedacht. Beides ist wertvoll, denn so stützt sich die Budgetentscheidung nicht mehr auf das Bauchgefühl.
Wir lesen Werbekonten mit genau dieser Tabelle. Möchten Sie Marge, Nachkäufe und Liquidität zusammen betrachten, kann Digital Marketing Experte Talha Aslan mit seinem Team Ihnen helfen, dieses Modell mit Ihren eigenen Zahlen aufzubauen. Bedenken Sie dabei, dass alle Zahlen dieses Artikels Beispielszenarien sind und keine Garantie darstellen.
Grundlagen: Was ist Online Marketing? Arten, Beispiele und Vorgehen auf einer Seite, mit einem interaktiven Film durch das Gehirn.



