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Usability Test mit 5 Nutzern: So gehen Sie Schritt für Schritt vor

Talha Aslan 17 Minuten Lesezeit 1 Aufrufe

Kurze Antwort

Was ist ein Usability Test und warum reichen 5 Nutzer?

Ein Usability Test ist eine Forschungsmethode, bei der Sie echte Nutzer bei konkreten Aufgaben auf Ihrer Website beobachten und notieren, wo sie hängen bleiben. Laut Nielsen Norman Group decken etwa 5 Teilnehmer die meisten Probleme eines Designs auf. Deshalb bringen mehrere kleine Runden meist mehr als eine große Studie.

Alle Details und Beispiele finden Sie weiter unten im Beitrag

In diesem Leitfaden zeigen wir, Talha Aslan und Team, den Ablauf, den wir in Webprojekten nutzen. Zunächst erklären wir die Rechnung hinter der Regel der fünf Nutzer. Danach geht es um Aufgabenszenarien, lautes Denken, Remote Sitzungen und die Priorisierung der Befunde. Am Ende finden Sie eine Checkliste zum Ausdrucken.

Kurz gesagt: Es geht nicht um eine akademische Studie. Stattdessen möchten wir Ihnen helfen, eine Testroutine aufzubauen, die mit kleinem Budget in einer Woche funktioniert. Wenn Sie zuerst den größeren Rahmen suchen, lesen Sie unseren Leitfaden zur Frage, was UX umfasst.

Welche Rechnung steckt hinter der Regel der fünf Nutzer?

Die Regel stammt aus einer einfachen Formel, die auf Forschung von Jakob Nielsen und Tom Landauer beruht. Im Artikel von Nielsen Norman Group zum Testen mit 5 Nutzern lautet sie N × (1 − (1 − L)^n). N steht für die Gesamtzahl der Probleme, n für die Zahl der Nutzer.

L ist der Anteil der Probleme, den ein einzelner Nutzer aufdeckt. Der Artikel nennt einen typischen Wert von 31 Prozent. Also zeigt schon ein Nutzer etwa ein Drittel der Probleme. Ein zweiter Nutzer ergänzt einige neue Punkte. Allerdings wiederholt er auch vieles, was der erste bereits gezeigt hat.

Beispielrechnung: Mit L gleich 0,31 ergibt sich bei fünf Nutzern 1 − 0,69^5, also rund 0,84. Fünf Teilnehmer finden somit grob 85 Prozent der Probleme in diesem Design. Nielsen Norman Group nennt im selben Artikel ebenfalls 85 Prozent. Dennoch handelt es sich um einen Durchschnitt, und Ihr Projekt kann darüber oder darunter liegen.

Ein Punkt ist besonders wichtig. Die Regel sagt nicht: "Fünf Personen testen und fertig." Vielmehr empfiehlt sie, dasselbe Budget auf mehrere kleine Runden zu verteilen. Der nächste Abschnitt erklärt, warum.

Warum drei kleine Runden statt eines großen Tests?

Nielsen Norman Group schlägt vor, ein Budget für 15 Teilnehmer auf drei Studien mit je 5 Nutzern aufzuteilen. Die erste Runde findet die meisten Probleme. Danach verbessern Sie das Design und prüfen in der zweiten Runde, ob die Korrekturen wirken. Schließlich fängt die dritte Runde auf, was die erste übersehen hat.

Die Logik ist also einfach. Ein Test soll das Design verbessern, nicht nur Probleme dokumentieren. Zudem erzeugt eine Korrektur manchmal ein neues Problem. Zum Beispiel kann ein neues Menüetikett die Konsistenz auf einer anderen Seite stören. Eine zweite Runde zeigt deshalb solche Nebenwirkungen früh.

Beispielszenario: Ein Dienstleister hat ein Angebotsformular mit drei Schritten. In Runde eins scheitern vier von fünf Personen an den Pflichtfeldern im zweiten Schritt. Das Team vereinfacht die Felder, und in Runde zwei verschwindet das Problem. Allerdings verwirrt nun die Meldung auf der Bestätigungsseite. Runde drei bestätigt dann, dass der Ablauf nach neuer Formulierung funktioniert.

Anders gesagt: Kleine Runden gehören zum iterativen Design. Andererseits bedeutet ein Test mit 15 Personen auf einmal oft, dasselbe Problem zehnmal zu beobachten.

Wann reicht die Regel der fünf Nutzer nicht aus?

Die Regel gilt vor allem, wenn Ihre Zielgruppe relativ einheitlich ist. Bedient Ihre Website sehr unterschiedliche Gruppen, testen Sie jede Gruppe einzeln. Nielsen Norman Group nennt als Beispiel Kinder und Eltern.

Laut demselben Artikel brauchen zwei getrennte Gruppen je 3 bis 4 Nutzer. Bei drei oder mehr Gruppen planen Sie mindestens 3 Nutzer pro Gruppe. So sehen Sie trotzdem die Bandbreite des Verhaltens innerhalb jeder Gruppe. Auf einer B2B-Website kommen etwa Einkäufer und technische Prüfer mit ganz anderen Fragen.

Außerdem brauchen manche Methoden eine größere Stichprobe:

  • Quantitative Studien: Wollen Sie Bearbeitungszeit oder Erfolgsquote statistisch vergleichen, empfiehlt Nielsen Norman Group etwa 20 Nutzer.
  • Card Sorting: Für Studien, in denen Nutzer Ihre Menüpunkte gruppieren, liegt die Empfehlung bei etwa 15 Nutzern.
  • A/B Tests: Vergleiche mit echtem Traffic folgen einer anderen Logik und brauchen weit mehr Sitzungen.

Nutzen Sie die Regel daher für qualitative, explorative Tests. Die Frage "Welche Version konvertiert besser?" beantworten Sie dann mit einer anderen Methode.

Welches Ziel sollten Sie vor dem Usability Test festlegen?

Jeder Usability Test beginnt idealerweise mit einer klaren Frage. "Ist die Seite gut?" ist zu breit. Ein Test, der alles messen will, zeigt daher nichts in der Tiefe. Wählen Sie deshalb eine konkrete Frage, die an ein Geschäftsziel anknüpft.

Zum Beispiel eignen sich Fragen wie diese:

  • Finden Besucher von der Leistungsseite leicht zum Angebotsformular?
  • Helfen die Produktfilter dabei, den gesuchten Artikel zu finden?
  • Ist der mobile Checkout so einfach, dass man ihn mit einer Hand abschließt?
  • Ist die neue Menüstruktur verständlicher als die alte?

Nach dem Ziel legen Sie ein Erfolgskriterium fest. Die Frage "Hat der Teilnehmer die Aufgabe ohne Hilfe gelöst?" ist zum Beispiel einfach, aber wirksam. Notieren Sie zudem, welche Seiten nicht zum Umfang gehören. Somit bleiben Sie in den Sitzungen fokussiert.

Verknüpfen Sie das Ziel danach mit Ihren Conversion Zielen. Wenn Sie den Anteil der Besucher verfolgen, die ein Formular absenden, hilft unser Conversion Rate Rechner beim Vergleich vor und nach den Änderungen. Bedenken Sie allerdings: Ein Testbefund ist qualitativ, Conversion Daten liefern die quantitative Bestätigung.

Wie wählen Sie die Teilnehmer aus?

Die richtigen Teilnehmer sind vor allem die halbe Miete. Der Artikel von Nielsen Norman Group zum lauten Denken formuliert die Grundregel klar: Gewinnen Sie repräsentative Nutzer, geben Sie ihnen repräsentative Aufgaben und schweigen Sie dann meistens.

In der Praxis empfehlen wir diese Kriterien:

  • Passung zur Zielgruppe: Teilnehmer sollten Ihren echten Besuchern ähneln. Verkaufen Sie Buchhaltungssoftware, suchen Sie Menschen mit Bezug zur Buchhaltung.
  • Abstand zum Team: Kollegen, Familie und alle, die das Design kennen, verzerren nämlich das Ergebnis, denn sie wissen zu viel.
  • Gemischte digitale Erfahrung: Sind alle Profis im Netz, übersehen Sie grundlegende Probleme.
  • Passendes Gerät: Kommt der meiste Traffic vom Smartphone, testen Sie auch überwiegend mobil.

Teilnehmer finden Sie etwa in Ihrer Kundenliste, unter Newsletter Abonnenten oder Followern. Bereiten Sie in diesem Fall Datenschutzhinweis und Einwilligung vorab vor. Außerdem erhöht ein kleines Dankeschön für die investierte Zeit die Teilnahmequote.

Beispielszenario: Eine Schule plant einen Test mit zwei Gruppen, Eltern und Schülern. Gemäß der Regel lädt sie je 3 bis 4 Personen pro Gruppe ein und testet beide Gruppen an getrennten Tagen.

Wie schreiben Sie ein gutes Aufgabenszenario?

Ein Aufgabenszenario ist eine kurze Geschichte, die Teilnehmern sagt, was sie tun sollen. Der Leitfaden von Nielsen Norman Group zu Aufgabenszenarien nennt drei Grundsätze. Ein Szenario sollte realistisch sein, zum Handeln auffordern und die Lösung nicht verraten.

Realistisch: Bitten Sie niemanden um etwas, das er nie tun würde. Statt also den Kauf eines uninteressanten Produkts zu verlangen, geben Sie ein Preislimit vor, das die Person wirklich nutzen würde. Dann trifft sie ihre eigenen Entscheidungen.

Handlungsorientiert: Fragen Sie nicht "Wie würden Sie das machen?". Bitten Sie stattdessen darum, die Aufgabe tatsächlich zu erledigen. Denn was Menschen sagen, weicht oft von dem ab, was sie tun.

Ohne Hinweise: Lassen Sie Menünamen, Buttontexte und Schrittlisten weg. Wiederholen Sie Begriffe aus der Oberfläche, erfahren Sie nie, ob die Beschriftungen verständlich sind. Trotzdem heißt das nicht, vage zu bleiben. Geben Sie die nötigen Informationen, aber sagen Sie nicht, wohin man klicken soll.

Drei bis sechs Aufgaben füllen meist eine Sitzung. Beginnen Sie mit einer leichten Aufgabe zum Aufwärmen. Die wichtigste Aufgabe gehört dann in die Mitte, weil die Person dort entspannt und noch nicht müde ist.

Was unterscheidet ein schwaches von einem starken Aufgabenszenario?

Um den Unterschied greifbar zu machen, stellen wir schwache und starke Szenarien für dasselbe Ziel nebeneinander. Die Beispiele stammen aus Beispielszenarien für eine Unternehmenswebsite mit Dienstleistungen.

ZielSchwaches SzenarioStarkes SzenarioWarum es besser ist
Angebotsformular findenKlicken Sie im Menü auf "Angebot anfordern".Sie planen eine neue Website für Ihr Büro. Erledigen Sie die Schritte, um bei dieser Firma Preise anzufragen.Es nennt keinen Button und schafft einen echten Anlass.
Kontaktdaten findenÖffnen Sie die Kontaktseite.Sie möchten die Firma morgen früh anrufen. Finden Sie die Telefonnummer und notieren Sie sie.Es nennt keine Seite und definiert ein klares Ende.
Produktfilter nutzenWählen Sie mit den Filtern ein Produkt.Ihr Budget steht fest, und Sie tragen Schuhgröße 42. Finden Sie einen Laufschuh, der zu beiden Grenzen passt.Es gibt echte Kriterien und lässt die Wahl offen.
Leistung verstehenLesen Sie die Leistungsseite und sagen Sie, was Sie denken.Ihre Chefin fragt, was diese Firma macht. Erkunden Sie die Seite, damit Sie es in zwei Sätzen erklären können.Es verbindet Lesen mit einem Zweck und macht Verständnis messbar.

Starke Szenarien geben also einen Grund und einen Endpunkt vor. Zudem vermeiden sie Begriffe aus der Oberfläche. So sehen Sie, wie Teilnehmer Ihre Website mit eigenen Worten deuten.

Testen Sie die Szenarien anschließend mit einer Kollegin oder einem Kollegen. Fragt die Person "Was genau wollen Sie?", vereinfachen Sie den Text. Weitere Hilfe bei Formulierungen bietet unser Leitfaden zu UX Writing und Mikrotexten.

Wie funktioniert die Methode des lauten Denkens?

Beim lauten Denken sprechen Teilnehmer aus, was ihnen bei der Nutzung der Oberfläche durch den Kopf geht. Jakob Nielsen bezeichnet sie als vielleicht wertvollste einzelne Methode im Usability Engineering. Der Grund ist klar: Sie zeigt direkt, was Nutzer missverstehen und warum.

Die Methode hat zunächst echte Stärken. Sie braucht keine Spezialtechnik, ist leicht zu lernen und liefert selbst bei unperfekter Durchführung meist brauchbare Befunde. Zudem überzeugt sie Skeptiker im Team. Sieht eine Führungskraft, wie ein Kunde am Formular scheitert, wirkt das stärker als jeder lange Bericht.

Allerdings hat die Methode auch Grenzen. Ununterbrochen zu reden, fühlt sich für die meisten Menschen unnatürlich an. Manche filtern ihre Gedanken, um klug zu wirken. Außerdem können Fragen einer ungeübten Moderation das Verhalten verändern. Da die Methode qualitativ ist, eignet sie sich zudem nicht für detaillierte Statistik.

Um diese Grenzen zu verringern, zeigen Sie zu Beginn eine kurze Vorführung. Zum Beispiel genügt ein Clip von 30 Sekunden, in dem Sie laut denkend durch eine Wetterseite navigieren. Dann weiß die Person, was Sie erwarten, und spricht freier.

Wie sollte die Moderation die Sitzung leiten?

Die Hauptaufgabe der Moderation besteht darin, Teilnehmer zum Reden zu bringen, ohne sie zu lenken. Das klingt zunächst einfach. In der Praxis ist es jedoch die schwierigste Fähigkeit, denn Menschen wollen von Natur aus helfen.

Während der Sitzung empfehlen wir diese Regeln:

  1. Steckt die Person fest, springen Sie nicht sofort ein. Stellen Sie zunächst eine neutrale Frage wie "Was denken Sie gerade?"
  2. Verstummt die Person, erinnern Sie freundlich: "Bitte erzählen Sie weiter, was Sie denken."
  3. Vermeiden Sie Suggestivfragen wie "Ist dieser Button verwirrend?"
  4. Beantworten Sie Fragen mit einer Gegenfrage: "Was sollte Ihrer Meinung nach passieren?"
  5. Verteidigen Sie das Design nicht. Kritik ist das wertvollste Ergebnis eines Tests.
  6. Notieren Sie Momente, in denen Ihre Fragen das Verhalten beeinflusst haben könnten, und bewerten Sie diese Teile getrennt.

Sagen Sie außerdem gleich zu Beginn klar, dass Sie die Website testen und nicht die Person. Dieser Satz nimmt also die Scham bei Fehlern. Folglich erhalten Sie ehrlichere Reaktionen.

Wie lange dauert eine Sitzung und wie sieht der Ablauf aus?

Unser Startwert aus der Praxis liegt bei 30 bis 60 Minuten pro Sitzung. Das ist keine Regel, sondern ein Ausgangspunkt für die Planung. In längeren Sitzungen sinkt die Aufmerksamkeit, und die Daten der letzten Aufgaben verlieren an Qualität.

So sieht ein Beispielablauf aus, den wir nutzen:

  1. Begrüßung (5 Minuten): Dank, Einwilligung zur Aufnahme und der Hinweis, dass die Website im Test steht.
  2. Einstiegsfragen (5 Minuten): Kurze Fragen dazu, wie die Person ähnliche Websites nutzt.
  3. Vorführung lautes Denken (2 Minuten): Ein kurzes Beispiel der Moderation.
  4. Aufgaben (25 bis 35 Minuten): Drei bis sechs Aufgaben, jede auf einer eigenen Karte oder in einer eigenen Nachricht.
  5. Abschlussfragen (5 Minuten): Gesamteindruck sowie schwierigster und leichtester Moment.
  6. Abschluss (3 Minuten): Dank und gegebenenfalls ein kleines Geschenk.

Planen Sie zwischen den Sitzungen mindestens 15 bis 30 Minuten Pause ein. In dieser Zeit sortieren Sie Notizen und setzen die Umgebung für die nächste Person zurück. Zum Beispiel löschen Sie den Browserverlauf und die Testeinträge im Formular.

Fünf Sitzungen an einem Tag sind machbar. Dennoch bleibt die Moderation frischer, wenn Sie sie auf zwei Tage verteilen.

Worauf achten Beobachter und wie halten Sie Notizen fest?

Die Auswertung fällt viel leichter, wenn ein oder zwei Beobachter mitschreiben, während die Moderation die Sitzung führt. Nielsen Norman Group empfiehlt ebenfalls, Teammitglieder zum Zuschauen einzuladen, weil das die Akzeptanz der Ergebnisse beschleunigt.

Beobachter notieren deshalb Ereignisse, keine Meinungen. Statt "Der Nutzer hasste das Menü" schreiben Sie also: "Der Nutzer öffnete und schloss das Menü dreimal und sagte: 'Hier ist es wohl nicht.'" Dieser Unterschied verkürzt spätere Diskussionen.

Eine einfache Vorlage kann diese Spalten enthalten: Aufgabennummer, Zeit, Beobachtung, Zitat und Ergebnis. Markieren Sie das Ergebnis mit einer von drei Optionen: ohne Hilfe gelöst, mit Mühe gelöst oder nicht gelöst.

Halten Sie nach jeder Sitzung eine kurze Nachbesprechung von 10 Minuten ab. Alle nennen ihre drei auffälligsten Beobachtungen. So bewahren Sie frische Eindrücke. Notieren Sie außerdem bei Aufnahmen die Zeitstempel wichtiger Momente, denn kurze Ausschnitte überzeugen in Präsentationen sehr.

Wie führen Sie einen Remote Usability Test durch?

Bei einem Remote Usability Test befinden sich Teilnehmer und Moderation an verschiedenen Orten. Der Artikel von Nielsen Norman Group zu Remote Tests bevorzugt zwar Tests vor Ort, wenn möglich. Gleichzeitig betont er, dass ein Remote Test viel besser ist als gar kein Test.

Konkret erfüllt jedes Videotool mit Bildschirmfreigabe den Zweck. Entscheidend ist die technische Vorbereitung. Prüfen Sie Verbindung, Bildschirmfreigabe und Aufnahme vorab mit einer Kollegin. Schicken Sie den Teilnehmern danach eine kurze Vorbereitungsnotiz.

Praktische Tipps für Remote Sitzungen:

  • Proben Sie die Technik und testen Sie das Versenden von Links und Aufgaben auf beiden Seiten.
  • Testen Sie die Aufgaben vorab in einer Pilotsitzung, denn ohne Moderation gibt es kein Sicherheitsnetz.
  • Melden Sie sich früh an und bleiben Sie per E-Mail oder Telefon für Fragen erreichbar.
  • Laden Sie einige Personen mehr ein, weil Absagen bei Remote Studien häufiger vorkommen können.

Beispielszenario: Ein Hersteller mit Händlern in mehreren Städten möchte sein Händlerportal testen. Statt die Händler ins Büro zu holen, plant das Team fünf Remote Sitzungen per Videoanruf. Somit arbeiten die Händler an ihren eigenen Rechnern in ihrer echten Arbeitsumgebung.

Moderiert oder unmoderiert: Welche Form passt zu Ihnen?

Remote Tests gibt es in zwei Hauptformen. Beim moderierten Test schaut die Moderation live zu und spricht mit der Person. Beim unmoderierten Test erledigt die Person die Aufgaben allein und zu ihrer eigenen Zeit, während eine Software die Sitzung aufzeichnet.

KriteriumModerierter Remote TestUnmoderierter Remote Test
NachfragenSie stellen sofort individuelle Fragen.Sie schreiben Fragen vorab, und alle erhalten dieselben.
Lautes Denken aufrechterhaltenSie erinnern stille Teilnehmer.Personen reden oft weniger, und niemand erinnert sie.
TerminplanungJede Sitzung braucht einen gemeinsamen Termin.Sitzungen laufen parallel, mit wenig Planungsaufwand.
Wenn jemand feststecktSie helfen bei Technikproblemen sofort.Eine festgefahrene Sitzung kann komplett verloren gehen.
Typischer EinsatzExplorative Tests, die tiefes Verständnis brauchen.Prüfung einer kleinen Änderung oder weniger Elemente.

Unser Rat: Führen Sie die erste Runde moderiert durch. In der ersten Runde wissen Sie noch nicht, was Sie nicht wissen, deshalb bringen Nachfragen die besten Befunde. Für spätere Runden, die Korrekturen bestätigen, spart ein unmoderierter Test dann Zeit.

Egal welche Form Sie wählen, testen Sie die Aufgabentexte immer zuerst in einer Pilotsitzung. Bei unmoderierten Tests zählt dieser Schritt sogar noch mehr.

Wie priorisieren Sie die Befunde?

Nach fünf Sitzungen liegen Dutzende Beobachtungen vor. Alle gleichzeitig zu beheben, ist allerdings unrealistisch. Bewerten Sie daher jedes Problem nach Schweregrad. Der Artikel von Nielsen Norman Group zu Schweregraden empfiehlt, drei Faktoren gemeinsam zu betrachten: Häufigkeit, Auswirkung und Beständigkeit.

Häufigkeit beschreibt, wie viele Nutzer auf das Problem stoßen. Auswirkung beschreibt, wie schwer es zu überwinden ist. Beständigkeit fragt, ob Nutzer auch nach dem Lernen immer wieder daran scheitern. Zudem kann ein leicht lösbares Problem höher rangieren, wenn es der Wahrnehmung der Marke schadet.

Der Artikel schlägt diese Skala von 0 bis 4 vor:

  • 0: Ich halte das überhaupt nicht für ein Usability Problem.
  • 1: Nur ein kosmetisches Problem; beheben Sie es nur, wenn Zeit übrig ist.
  • 2: Kleines Usability Problem; geben Sie der Korrektur niedrige Priorität.
  • 3: Großes Usability Problem; die Korrektur ist wichtig und verdient hohe Priorität.
  • 4: Usability Katastrophe; beheben Sie es unbedingt vor dem Launch.

Lassen Sie zwei oder drei Teammitglieder getrennt bewerten statt nur eine Person. Bilden Sie dann den Durchschnitt. So bestimmt nicht die Voreingenommenheit eines Einzelnen die Reihenfolge.

Wie machen Sie aus Befunden konkrete Designänderungen?

Nach der Bewertung schreiben Sie für jedes wichtige Problem ein Trio aus Beobachtung, Ursache und Empfehlung. Die Beobachtung beschreibt, was passiert ist, die Ursache erklärt die Quelle, und die Empfehlung nennt die Lösung. Zum Beispiel: "4 von 5 Personen fanden den Angebotsbutton nicht; er liegt im Menü unter 'Über uns'; verschieben Sie ihn auf die oberste Ebene."

Achten Sie dabei auf zwei Fallen. Erstens: Übernehmen Sie nicht einfach die Lösung, die ein Nutzer vorschlägt. Nutzer zeigen Probleme gut auf, ihre Lösungen treffen aber nicht immer zu. Zweitens: Versuchen Sie nicht, alles mit einem großen Redesign zu lösen. Wählen Sie stattdessen kleine, testbare Änderungen.

Danach verbinden Sie jede Empfehlung mit einer verantwortlichen Person und einem Termin. Landet der Bericht in der Schublade, war der Test umsonst. Eine kurze, visuelle Präsentation liest das Team zudem eher als ein langes Dokument. Ein Screenshot und ein kurzer Videoausschnitt pro Befund genügen.

Brauchen Ihre Befunde eine breitere Prüfung, nutzen Sie die systematischen Schritte aus unserem Beitrag zum Thema UX Audit durchführen. Ein Usability Test zeigt echtes Verhalten, ein Expertenaudit prüft dagegen die ganze Website anhand bekannter Prinzipien.

Welche Fehler passieren beim Usability Test am häufigsten?

Die meisten Fehler, die wir über die Jahre gesehen haben, entstehen in der Umsetzung, nicht in der Methode. Diese begegnen uns am häufigsten:

  • Teilnehmer aus dem Team: Wer das Design kennt, erlebt nie die Verwirrung eines neuen Besuchers.
  • Hinweise im Szenario: Ein Buttonname in der Aufgabe verdeckt Probleme mit Beschriftungen.
  • Hilfsbereite Moderation: Sofortige Hilfe beim Feststecken löscht Ihre wertvollsten Daten.
  • Zu später Test: Änderungen nach dem Launch kosten mehr, frühe Prototyptests kosten weniger.
  • Nur eine Runde: Sie erfahren nie, ob Ihre Korrekturen wirken.
  • Barrierefreiheit vergessen: Beziehen Sie möglichst auch Personen ein, die Screenreader oder Tastatur nutzen.

Zum letzten Punkt: Barrierefreiheit ist ein eigenes Fachgebiet und stützt sich auf die WCAG Richtlinien. Grundlagen finden Sie in unserem Beitrag zur barrierefreien Website nach WCAG und BFSG.

Falls Sie wissen möchten, wie sich solche Probleme auf den Umsatz auswirken, lesen Sie außerdem unseren Beitrag über UX Fehler, die Umsatz kosten.

Können Sie einen Usability Test mit einem Prototyp durchführen?

Ja, und oft ist das sogar der produktivste Zeitpunkt. Lautes Denken funktioniert in jeder Entwicklungsphase und bei den meisten Oberflächen. Also können Sie alles testen, von der Papierskizze bis zum klickbaren Prototyp.

Der größte Vorteil früher Tests sind die Kosten. Ein Menü im Prototyp zu ändern, dauert zum Beispiel nur Minuten. Auf einer Live Website betrifft dieselbe Änderung zusätzlich Inhalte, Weiterleitungen und Einstellungen für Suchmaschinen. Deshalb planen wir bei neuen Projekten die erste Testrunde am Prototyp.

Sagen Sie Teilnehmern beim Prototyptest, dass es keine fertige Website ist. Erwähnen Sie vorab, dass manche Links nicht funktionieren. Allerdings muss der Ablauf jeder getesteten Aufgabe von Anfang bis Ende klickbar sein. Sonst landen Personen ständig auf leeren Seiten, und der Test verliert seinen Sinn.

Möchten Sie Testrunden direkt in ein neues Websiteprojekt einbauen, gehört der Prototyptest in unserem Webdesign Service fest zum Plan. So prüfen echte Nutzer das Design, bevor es live geht.

Checkliste für Ihren Usability Test

Gehen Sie diese Liste vor jeder Testrunde durch. Starten Sie die Sitzungen erst, wenn Sie jeden Punkt abhaken können.

Vorbereitung

  • Ein Ziel in einem Satz und ein Erfolgskriterium stehen fest.
  • Nutzergruppen sind klar: 5 Personen für eine Gruppe oder 3 bis 4 pro Gruppe bei mehreren.
  • Teilnehmer kommen von außerhalb des Teams und passen zur Zielgruppe.
  • Datenschutzhinweis, Einwilligung zur Aufnahme und Dankeschön liegen bereit.
  • Drei bis sechs Szenarien kommen ohne Begriffe aus der Oberfläche und ohne Schrittlisten aus.
  • Eine Kollegin hat die Szenarien in einer Pilotsitzung ausprobiert.

Testtag

  • Gerät, Browser und Aufnahme starten in einem sauberen Zustand.
  • Die Person weiß, dass die Website im Test steht und nicht sie selbst.
  • Eine kurze Vorführung zum lauten Denken eröffnet die Sitzung.
  • Suggestivfragen bleiben draußen, jedes Eingreifen steht in den Notizen.
  • Nach jeder Sitzung folgt eine Nachbesprechung von 10 Minuten.

Auswertung

  • Jedes Problem hat eine Bewertung für Häufigkeit, Auswirkung und Beständigkeit.
  • Mindestens zwei Personen haben auf der Skala von 0 bis 4 bewertet.
  • Zu jedem wichtigen Problem gibt es Beobachtung, Ursache und Empfehlung.
  • Jede Korrektur hat eine verantwortliche Person und einen Termin.
  • Die zweite Testrunde steht im Kalender.

Wann lohnt sich externe Unterstützung beim Usability Test?

Eine kleine Runde schafft Ihr eigenes Team in der Praxis problemlos. Schließlich lassen sich die Grundlagen des lauten Denkens an einem Tag lernen. Dennoch beschleunigt externe Unterstützung in manchen Fällen den Prozess.

Zum Beispiel lohnt sie sich, wenn Ihr Designteam die eigene Arbeit schwer neutral beurteilen kann. Ebenso hilft sie, wenn Sie mehrere Nutzergruppen steuern müssen oder ein Team brauchen, das Befunde direkt in ein neues Design übersetzt. Zudem weiß eine erfahrene Moderation, wie man Menschen zum Reden bringt, ohne sie zu lenken.

Wir, Talha Aslan und Team, bauen Testrunden fest in den Designablauf von Webprojekten ein: Prototyp, erste Runde, Korrekturen, zweite Runde. Wenn Sie diesen Prozess für Ihre Website aufsetzen möchten, beschreiben Sie Ihr Projekt auf unserer Seite zu Webdesign Leistungen und fordern Sie ein Angebot an. Für Conversion Ideen nach dem Test empfehlen wir unseren Beitrag zum CRO Prozess für Firmenwebsites.

Kurz gesagt: Guter Test braucht eher eine feste Gewohnheit als ein großes Budget. Fünf Nutzer, gut geschriebene Szenarien und ehrliche Priorisierung machen Ihr Design mit jeder Runde ein Stück stärker.

Häufig gestellte Fragen

Reichen 5 Nutzer für einen Usability Test wirklich aus?
Für qualitative, explorative Tests meistens ja. Laut Nielsen Norman Group decken 5 Nutzer rund 85 Prozent der Probleme eines Designs auf. Bedienen Sie allerdings sehr unterschiedliche Nutzergruppen, testen Sie jede Gruppe einzeln. Für quantitative Messungen wie statistische Zeitvergleiche brauchen Sie dagegen eine deutlich größere Stichprobe.
Was unterscheidet einen Usability Test von einem A/B Test?
Ein Usability Test ist eine qualitative Methode, die zeigt, warum Nutzer scheitern, und kommt mit wenigen Teilnehmern aus. Ein A/B Test vergleicht zwei Versionen mit echtem Traffic und misst, welche besser abschneidet. Deshalb ersetzt das eine nicht das andere. Zusammen liefern beide Gründe und Belege.
Wie viele Aufgaben gehören in eine Sitzung?
Drei bis sechs Aufgaben passen meist gut. Beginnen Sie mit einer leichten Aufgabe zum Aufwärmen und legen Sie die wichtigste Aufgabe in die Mitte. Unser Startwert aus der Praxis liegt bei 30 bis 60 Minuten pro Sitzung. In längeren Sitzungen sinkt die Aufmerksamkeit, und die letzten Aufgaben liefern schwächere Daten.
Ist ein Remote Usability Test so verlässlich wie ein Test vor Ort?
Ein Remote Test ersetzt Sitzungen vor Ort nicht vollständig, ist aber viel besser als gar kein Test. Bei moderierten Remote Tests stellen Sie Nachfragen und erinnern stille Teilnehmer ans laute Denken. Wenn Sie die Technik proben, die Aufgaben vorab testen und einige Personen mehr einladen, erhalten Sie verlässliche Ergebnisse.
Sollte ich helfen, wenn ein Teilnehmer feststeckt?
Helfen Sie nicht sofort, denn der Moment des Feststeckens liefert Ihre wertvollsten Daten. Stellen Sie zunächst eine neutrale Frage wie "Was denken Sie gerade?". Kommt die Person lange nicht weiter, gehen Sie freundlich zur nächsten Aufgabe über. Notieren Sie dann, wo Sie eingegriffen haben, und werten Sie diese Stellen getrennt aus.
Wer sollte die Schwere der Befunde bewerten?
Zwei oder drei Teammitglieder sollten getrennt bewerten statt nur eine Person. Betrachten Sie bei jedem Problem Häufigkeit, Auswirkung und Beständigkeit und vergeben Sie dann einen Wert auf der Skala von 0 bis 4. Bilden Sie anschließend den Durchschnitt. So entscheidet nicht die Voreingenommenheit eines Einzelnen über die Reihenfolge.
  • Usability Test
  • UX Forschung
  • lautes Denken
  • Aufgabenszenarien
  • Remote Test
  • Webdesign
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Talha Aslan

Google Partner und Experte für digitales Marketing. Seit 2012 praktisch in SEO, Google Ads, Webdesign und E-Commerce Projekten; jeder Beitrag hier stammt aus dieser Erfahrung.

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