Was ist UX Writing? So schreiben Sie Mikrotexte, die Besucher zum Handeln bewegen

UX Writing ist das Schreiben der kleinen Texte auf einer Website, also Buttons, Formularfelder, Fehlermeldungen und leere Ansichten, damit Besucher ihr Ziel ohne Umwege erreichen. In diesem Beitrag gehe ich diese Mikrotexte einzeln durch. Mein Ziel ist dabei keine Theorie, sondern eine Arbeitsweise, die Sie schon morgen auf Ihrer Website anwenden können.
Was ist UX Writing und was umfasst es auf einer Website?
UX Writing bezeichnet die Gestaltung von Mikrotexten in der Benutzeroberfläche, also Buttons, Feldbeschriftungen, Hilfetexte, Fehlermeldungen, leere Zustände und Bestätigungen, damit Nutzer eine Aufgabe schnell, fehlerfrei und sicher abschließen. Der Maßstab ist deshalb kein schöner Satz, sondern eine erledigte Aufgabe: Ging das Formular raus, blieb jemand hängen?
Der Umfang ist größer, als viele Unternehmen denken. Die große Überschrift auf der Startseite ist Werbetext. Allerdings gehören der Button „Angebot anfordern“ darunter, das Feld „Telefonnummer“ im Formular und der rote Hinweis nach einem Tippfehler zum UX Writing. Anders gesagt: Jedes Wort, das ein Besucher liest, während er etwas tun möchte, gehört zu dieser Aufgabe.
Seit 2012 baue und prüfe ich Websites. Dabei bekommen genau diese kleinen Texte fast immer die wenigste Aufmerksamkeit. Zunächst zeichnet jemand den Kasten, dann setzt ein Entwickler ein Platzhalterwort hinein, und dieses Wort bleibt oft jahrelang online. Deshalb sehe ich UX Writing nicht als Dekoration, sondern als Teil der Oberfläche selbst.
Worin unterscheidet sich UX Writing vom Copywriting?
Beide arbeiten mit Worten, verfolgen allerdings unterschiedliche Ziele. Copywriting weckt Interesse und überzeugt. UX Writing ebnet dagegen den Weg für jemanden, der schon überzeugt ist. Das eine beantwortet also die Frage „Warum Sie?“, das andere die Frage „Was tue ich jetzt?“. Die folgende Tabelle zeigt, wie ich den Unterschied im Alltag sehe.
| Kriterium | Copywriting | UX Writing |
|---|---|---|
| Ziel | Interesse wecken, überzeugen | Aufgabe abschließen lassen |
| Länge | Absätze und Seiten | Wenige Wörter, oft eine Zeile |
| Ort | Überschriften, Einleitungen, Anzeigen | Buttons, Formulare, Hinweise, leere Ansichten |
| Erfolgsmaß | Lesen, Klicks, Erinnerung | Fehlerfreier Abschluss, weniger Supportanfragen |
| Spielraum für Kreativität | Hoch | Gering, Klarheit geht immer vor |
Kurz gesagt ergänzen sich beide Disziplinen. Ein starker Werbetext bringt den Besucher bis zum Formular. Trotzdem kann eine unklare Beschriftung diese Mühe im letzten Schritt zunichte machen. Markenstimme und Tonalität sind übrigens ein eigenes Thema; hier geht es ausschließlich um funktionale Texte.
Warum beeinflussen Mikrotexte die Conversion Rate so stark?
Weil Mikrotexte genau im Moment der Entscheidung gelesen werden. Lange Absätze überfliegen Besucher meist. Die zwei Wörter auf dem Button, den sie gleich drücken, lesen sie dagegen fast immer. Sind diese Wörter unklar, beginnt das Zögern, und Zögern ist oft der erste Schritt zum Absprung.
Ein Muster sehe ich häufig: Ein Unternehmen erhöht das Werbebudget, der Traffic kommt, trotzdem füllt kaum jemand das Formular aus. Eine Heatmap zeigt dann, dass Besucher an einem bestimmten Feld stoppen. Meist liegt das Problem nicht im Design. Stattdessen fehlt eine Beschriftung, die erklärt, was das Feld verlangt. Daher gehört die Überarbeitung der Texte zu den günstigsten Hebeln für mehr Anfragen.
Das deckt sich mit meinem Beitrag über UX Fehler, die Umsatz kosten. Optische Fehler fallen auf. Textfehler kosten dagegen still und leise Besucher. Zudem braucht ein Entwickler für eine Textänderung meist nur Minuten; das Risiko ist also gering und der Lerneffekt hoch.
Welche vier Eigenschaften hat ein guter Mikrotext?
Jeden Mikrotext prüfe ich mit vier Filtern. Sie sind kein Regelwerk, sondern ein schnelles Werkzeug, um Diskussionen im Team zu beenden. Außerdem zählt die Reihenfolge: Klarheit schlägt immer Kürze.
- Klar: Der Text lässt nur eine Deutung zu. Was genau sendet „Absenden“?
- Knapp: Sie streichen jedes Wort, das Sie ohne Bedeutungsverlust entfernen können. Informationen streichen Sie allerdings nie.
- Nützlich: Der Text erleichtert den nächsten Schritt. Höfliche Füllsätze kosten dagegen nur Platz.
- Einheitlich: Dieselbe Aktion trägt überall denselben Namen. Also steht nicht auf einer Seite „Warenkorb“ und auf der nächsten „Einkaufstasche“.
Zum Beispiel ist „Ein Fehler ist aufgetreten“ kurz, allerdings weder klar noch nützlich. „Die Kartennummer braucht 16 Ziffern“ erfüllt dagegen alle vier Kriterien. Deshalb frage ich bei jedem Text zuerst: Weiß der Leser jetzt, was er tun soll? Lautet die Antwort nein, spielt die Wortzahl keine Rolle mehr.
Wie schreiben Sie gute Buttontexte?
Schreiben Sie einen Button als Namen dessen, was nach dem Klick passiert. Allgemeine Wörter wie „OK“, „Senden“ oder „Weiter“ beschreiben das Ergebnis nicht. Nutzen Sie stattdessen Formulierungen, die Handlung und Objekt verbinden, etwa „Angebot erhalten“, „Termin bestätigen“ oder „Rechnung herunterladen“.
Die Überzeugungsseite von Buttons behandle ich hier nicht. Farbe, Position und Beispiele finden Sie in meinem Beitrag mit CTA Button Beispielen. Aus Sicht der Mikrotexte sind vor allem drei Regeln wichtig:
- Der Button passt zur Überschrift darüber. Verspricht die Überschrift ein kostenloses Erstgespräch, steht auf dem Button nicht „Jetzt kaufen“.
- Endgültige Aktionen benennen Sie deutlich, also „Konto dauerhaft löschen“ statt nur „Löschen“.
- In Dialogen bekommen beide Buttons ein Verb. „Entwurf löschen / Weiter bearbeiten“ erleichtert die Entscheidung mehr als „Ja / Nein“.
Zudem sollten Button und Titel der Folgeseite zusammenpassen. Klickt jemand auf „Preise ansehen“ und landet auf einem Kontaktformular, sinkt das Vertrauen. Somit ist ein Button ein kleines Versprechen, das die nächste Ansicht halten muss.
Wie sehen gute Feldbeschriftungen und Hilfetexte aus?
Eine Feldbeschriftung sagt auf einen Blick, was ein Feld verlangt, und bleibt auch nach dem Tippen sichtbar. Der häufigste Fehler ist ein grauer Platzhaltertext im Feld als einzige Beschriftung. Dieser Text verschwindet, sobald jemand tippt. Danach muss der Nutzer seine Eingabe löschen, um sich an die Frage zu erinnern.
Der Barrierefreiheitsstandard WCAG des W3C enthält ein Erfolgskriterium, das Beschriftungen oder Anweisungen verlangt, sobald Inhalte eine Eingabe erfordern. Ebenso empfiehlt der Formularkurs auf web.dev von Google für jedes Feld eine sichtbare Beschriftung. Daher setze ich die Beschriftung immer über das Feld.
Hilfetexte ergänze ich nur, wo sie wirklich helfen. Ein Hinweis unter „USt IdNr.“ wie „Kleinunternehmer können das Feld leer lassen“ erspart zum Beispiel viele Anrufe. Pflichtfelder und optionale Felder kennzeichnen Sie außerdem eindeutig. Den Aufbau von Termin, Angebots und Demoformularen beschreibe ich in meinem Beitrag zum Thema Formular optimieren.
Wie schreiben Sie eine hilfreiche Fehlermeldung?
Eine gute Fehlermeldung leistet drei Dinge: Sie nennt das Problem, erklärt die Lösung und gibt dem Nutzer keine Schuld. Das WCAG Kriterium zur Fehlererkennung verlangt, dass automatisch erkannte Eingabefehler als Text beschrieben sind. In der Praxis reicht ein roter Rahmen also nicht.
Das GOV.UK Design System der britischen Regierung enthält klare Vorgaben für Fehlermeldungen und empfiehlt kurze, einfache Sprache ohne Fachjargon. In meinen Projekten gehe ich deshalb in dieser Reihenfolge vor:
- Sie zeigen den Fehler direkt neben dem Feld und nicht irgendwo oben auf der Seite.
- Sie beschreiben das Problem konkret: „In der E-Mail Adresse fehlt das @“ statt „Ungültige Eingabe“.
- Die Lösung steht im selben Satz, etwa „Das Passwort braucht mindestens 8 Zeichen“.
- Sie vermeiden vorwurfsvolle Formulierungen wie „Sie haben einen Fehler gemacht“.
- Die Eingabe des Nutzers bleibt erhalten, damit er sie direkt korrigieren kann.
Dasselbe Prinzip gilt bei Serverfehlern. „Fehler 500“ sagt Besuchern nichts. Schreiben Sie stattdessen: „Wir erreichen den Server gerade nicht. Ihre Angaben sind gespeichert, versuchen Sie es in ein paar Minuten erneut.“ Somit erklären Sie die Lage und nehmen gleichzeitig Sorge.
Was gehört in eine leere Ansicht?
Eine leere Ansicht erscheint, wenn eine Liste noch keinen Inhalt hat: ein leerer Warenkorb, eine Suche ohne Treffer oder ein Kundenkonto ohne Bestellung. Viele Websites zeigen dort nur „Keine Einträge gefunden“. Dabei ist genau diese Ansicht eine wertvolle Gelegenheit, den nächsten Schritt zu zeigen.
Ein guter Text für leere Ansichten hat zwei Teile: einen kurzen Satz zur Lage und eine Aktion für den nächsten Schritt. Im leeren Warenkorb schreiben Sie also etwa „Ihr Warenkorb ist leer. Stöbern Sie in unseren beliebtesten Produkten“ und setzen einen Button darunter. Bei einer Suche ohne Treffer bieten Sie dann Schreibvorschläge oder beliebte Kategorien an.
- Erste Nutzung: Sie erklären, was hier erscheinen wird und wie der Einstieg gelingt.
- Keine Treffer: Sie wiederholen den Suchbegriff und bieten andere Wege an.
- Erledigte Liste: Sie bestätigen mit einem positiven Satz, dass die Aufgabe abgeschlossen ist.
Andererseits wollen Teams leere Ansichten oft witzig gestalten. Ein Witz, den man einmal liest, kann charmant sein. Ein Kunde, der dieselbe Ansicht täglich sieht, ist davon allerdings schnell genervt. Deshalb stelle ich Orientierung vor Humor.
Warum sind Bestätigungen und Erfolgsmeldungen so wichtig?
Nach dem Absenden eines Formulars denken Nutzer zuerst: „Ist das wirklich angekommen?“ Eine vage Bestätigung führt folglich zu doppelten Anfragen oder Kontrollanrufen. Somit gehört die Bestätigung zu den meistgelesenen und zugleich am wenigsten beachteten Texten im ganzen Ablauf.
Eine starke Bestätigung beantwortet drei Fragen: Was ist passiert, was passiert als Nächstes und wann? „Danke“ allein reicht nicht. Schreiben Sie stattdessen etwas Konkretes wie „Ihre Anfrage ist da. An Werktagen antworten wir am selben Tag per E-Mail.“ Wählen Sie dabei zudem eine Antwortzeit, die Sie tatsächlich einhalten können.
Auch für die Messung ist die Bestätigungsseite wichtig. Oft verknüpfe ich das Conversion Tracking mit genau dieser Seite; also planen Sie Text und Messung gemeinsam. Welche Aktion als Conversion zählt, erkläre ich im Beitrag Conversion Ziele festlegen.
Was sagen Sie Nutzern während einer Wartezeit?
In Wartemomenten wissen Nutzer nicht, ob das System arbeitet. Ein drehendes Symbol allein erzeugt Unsicherheit. Vor allem bei Zahlungen oder Uploads laden Menschen dann die Seite neu oder klicken erneut. Eine kurze Statuszeile senkt dieses Risiko.
Im Zahlungsschritt hilft zum Beispiel der Satz „Ihre Zahlung läuft, bitte schließen Sie diese Seite nicht“, Beschwerden über doppelte Abbuchungen vorzubeugen. Bei Uploads nennen Sie dann den Fortschritt in Schritten oder Prozent: „2 von 3 Dateien hochgeladen“. So können Nutzer die Wartezeit einschätzen.
Dennoch ersetzen diese Texte keine Geschwindigkeit. Eine langsame Seite retten Sie nicht mit einem netten Wartesatz; zunächst beheben Sie die Ladezeit. Wie ich die Leistung messe, beschreibe ich in meinem Beitrag zum Lighthouse Test. Bei unvermeidbaren Wartezeiten verlängert das richtige Wort die Geduld allerdings spürbar.
Wie gestalten Sie Fortschrittstexte in mehrstufigen Formularen?
Ein langes Anfrageformular in Schritte zu teilen, entlastet Nutzer. Ohne guten Fortschrittstext verwirrt diese Struktur allerdings. Wissen Nutzer nicht, wie viele Schritte noch kommen, brechen sie oft schon auf der zweiten Ansicht ab.
Fortschrittstexte baue ich daher auf zwei Angaben auf: aktueller Schritt und Gesamtzahl. Eine Überschrift wie „Schritt 2 von 4: Kontaktdaten“ nennt Position und Inhalt zugleich. Außerdem kündigt jeder Schrittname an, welche Angaben dort kommen. Folglich fühlt sich niemand überrumpelt.
- Sie benennen Schritte mit Substantiven: „Projekt“, „Budget“, „Kontakt“.
- Am Zurück Button vermerken Sie, dass eingegebene Daten erhalten bleiben.
- Im letzten Schritt zeigen Sie eine Zusammenfassung mit der Option „Angaben bearbeiten“.
Im Budgetschritt nimmt zum Beispiel ein Hinweis wie „Keine genaue Zahl nötig, eine grobe Spanne genügt“ vielen Besuchern die Scheu. Nach meiner Erfahrung aus der Praxis gehört die Budgetfrage zu den Feldern mit den meisten Abbrüchen. Deshalb achte ich auf den Text daneben besonders.
Welche Mikrotexte sind im Checkout entscheidend?
Im Checkout ist die Unsicherheit am größten. Bevor Nutzer ihre Kartendaten eingeben, haben sie Fragen: Wie hoch ist die Gesamtsumme, kommen Versandkosten dazu, kann ich zurückgeben, sind meine Daten sicher? Diese Fragen beantworten Sie mit Mikrotexten, und zwar genau dort, wo sie entstehen.
Direkt unter die Gesamtsumme setze ich Hinweise zu Steuer und Versand. Neben das Kartenfeld kommt eine kurze Zeile zum Zahlungsanbieter. Zudem zeige ich den Betrag auf dem Zahlungsbutton selbst. Ein Text wie „120 € bezahlen“ nimmt die Angst vor einer Überraschung in letzter Sekunde. Der Betrag dient hier nur als Rechenbeispiel.
Bei Zahlungsfehlern zählt jedes Wort noch mehr. Statt „Transaktion fehlgeschlagen“ schreiben Sie also: „Ihre Bank hat die Zahlung abgelehnt. Prüfen Sie Ihr Kartenlimit oder nutzen Sie eine andere Karte.“ Damit zeigen Sie einen Ausweg. Wenn Sie den gesamten Ablauf prüfen möchten, können wir das im Rahmen der E-Commerce Beratung gemeinsam angehen.
Wie verändert sich UX Writing auf dem Smartphone?
Auf dem Smartphone ist der Bildschirm schmal, der Finger breit und die Aufmerksamkeit geteilt. Diese drei Bedingungen zwingen Sie, Mikrotexte noch weiter zu kürzen. Ein Button, der am Desktop in eine Zeile passt, bricht auf dem Handy vielleicht in zwei Zeilen um. Daher prüfe ich jeden Text bei der schmalsten Bildschirmbreite.
Außerdem gehört auf dem Smartphone die Tastatur zum Text. Ein Telefonfeld sollte die Zifferntastatur öffnen, ein E-Mail Feld eine Tastatur mit @. Das steuern Sie über HTML Eingabetypen und autocomplete Attribute, die auch der Formularkurs auf web.dev empfiehlt. Die richtige Tastatur senkt Fehleingaben; somit brauchen Sie weniger Fehlermeldungen.
Das Prinzip aus meinem Beitrag Was ist Mobile First Design gilt auch hier. Schreiben Sie zuerst für den kleinsten Bildschirm und erweitern Sie dann für größere. Andernfalls geht beim Kürzen Bedeutung verloren.
Wie greifen Barrierefreiheit und UX Writing ineinander?
Barrierefreie Texte ermöglichen auch Menschen mit Screenreader, mit Farbsehschwäche oder mit Deutsch als Zweitsprache, die Aufgabe abzuschließen. Ihre Bedürfnisse sind im Grunde eine verstärkte Form der Bedürfnisse aller. Folglich helfen Verbesserungen für Barrierefreiheit jedem Besucher.
- Sie zeigen Fehler nie nur über Farbe, sondern immer auch als Text.
- Statt „Hier klicken“ sagen Linktexte, wohin der Link führt.
- Symbolbuttons bekommen einen Namen, den Screenreader vorlesen können.
- Sie vermeiden Abkürzungen und internen Fachjargon und nutzen die Worte Ihrer Kunden.
Ein interner Code in der Sendungsverfolgung bedeutet zum Beispiel Ihrem Team etwas, dem Kunden allerdings nichts. Zudem helfen kurze Sätze Menschen mit Leseschwierigkeiten ebenso wie allen, die am Handy schnell überfliegen.
Beeinflusst UX Writing die SEO?
Nicht als direkter Rankingfaktor, indirekt aber schon. Google schreibt in seiner Dokumentation zur Nutzererfahrung auf der Seite, dass die Systeme Inhalte mit guter Nutzererfahrung belohnen wollen. Verständliche Mikrotexte sind ein Teil davon.
In der Praxis sehe ich dieses Muster: Finden Besucher nicht, was sie suchen, oder bleiben sie im Formular hängen, verlassen sie die Seite. Auch wenn das kein direktes Signal ist, bedeutet es für das Unternehmen einen verlorenen Kunden. Außerdem erklären beschreibende Linktexte in internen Links sowohl Nutzern als auch Suchmaschinen, worum es auf einer Seite geht.
Wo sich SEO und Nutzererfahrung überschneiden und wo nicht, beschreibe ich im Beitrag UX und SEO in Einklang bringen. Kurz gesagt ersetzt UX Writing keine SEO Arbeit. Stattdessen sorgt es dafür, dass Sie den Traffic aus der Suche nicht verlieren. Für die organische Seite finden Sie Details unter SEO Beratung.
Wie testen Sie Mikrotexte?
Statt Texte im Meeting zu diskutieren, zeigen Sie sie echten Nutzern. Die einfachste Methode: Sie zeigen fünf Personen aus Ihrer Zielgruppe eine Ansicht und fragen, was nach dem Klick auf diesen Button passiert. Weichen die Antworten von Ihrer Absicht ab, ändern Sie den Text.
Mit genug Traffic können Sie auch einen A/B Test fahren. Allerdings sind Unterschiede bei Mikrotexten oft klein, deshalb dauert ein belastbares Ergebnis lange. Bei Firmenwebsites mit wenig Traffic starte ich daher mit qualitativen Methoden: Sitzungsaufzeichnungen, wiederkehrende Fragen im Support und Sätze, die der Vertrieb am Telefon am häufigsten hört.
Beim Schreiben helfen zudem zwei einfache Werkzeuge. Wie leicht sich Ihr Text liest, prüfen Sie mit dem Tool Lesbarkeit prüfen. Die Länge von Buttons und Beschriftungen kontrollieren Sie dann mit dem Wörterzähler. Vor allem eine Zeichengrenze für mobile Buttons verhindert Umbrüche von Anfang an.
Wie erstellen Sie ein Textinventar und ein Glossar?
Ein Textinventar ist eine Tabelle mit allen Mikrotexten Ihrer Website. Spalten für Seite, Komponente, aktuellen Text, neuen Vorschlag und Notizen genügen. Beim ersten Mal staunen Sie vielleicht, wie viele verschiedene Wörter Sie für dieselbe Aktion verwenden.
Beim Aufbau gehe ich so vor:
- Zunächst gehen Sie jedes Formular, jeden Dialog und jeden Hinweis durch und machen Screenshots.
- Dann tragen Sie jeden Text in die Tabelle ein und notieren den Fundort.
- Danach gruppieren Sie unterschiedliche Wörter für dieselbe Aktion und wählen einen Begriff.
- Anschließend nehmen Sie die gewählten Begriffe in ein gemeinsames Glossar auf.
- Schließlich sammeln Sie mit dem Entwickler alle Texte in einer Datei, statt sie fest im Code zu verteilen.
Auf mehrsprachigen Websites ist dieses Glossar Gold wert. Übersetzer holen jeden Begriff aus einer Quelle; also wird aus „Angebot anfordern“ nicht in einer anderen Sprache plötzlich eine Handvoll verschiedener Formulierungen. Außerdem weiß der Designer bei einer neuen Seite sofort, welches Wort er nutzen soll.
Worauf achten Sie bei deutschen Mikrotexten besonders?
Deutsch stellt Mikrotexte vor eigene Aufgaben. Zunächst sind deutsche Wörter oft lang, und ein Button aus einer englischen Vorlage wächst in der Übersetzung schnell deutlich. Deshalb gestalten Sie das Layout nicht mit englischem Blindtext, sondern direkt mit dem deutschen Text.
Dann kommt die Anrede. Sie entscheiden sich für „Sie“ oder „du“ und bleiben auf der ganzen Website dabei. Steht auf einer Seite „Erstelle dein Konto“ und auf der nächsten „Geben Sie Ihr Passwort ein“, wirkt das nachlässig. Ebenso legen Sie fest, ob Buttons im Infinitiv („Angebot anfordern“) oder im Imperativ („Fordern Sie ein Angebot an“) stehen; der Infinitiv ist meist kürzer.
Schließlich prüfen Sie Umlaute und ß. Manche Themes oder Plugins zeigen sie fehlerhaft an oder wandeln sie in Großbuchstaben falsch um. Beim Vereinheitlichen der Schreibweise hilft das Tool Groß und Kleinschreibung. Kurz gesagt lesen Sie jeden deutschen Text vor dem Start auf einem echten Bildschirm.
Welche UX Writing Fehler sehe ich am häufigsten?
Auf den Websites, die ich prüfe, wiederholen sich dieselben Fehler erstaunlich regelmäßig. Die folgende Liste beruht auf meinen eigenen Beobachtungen aus der Praxis. Nicht jeder Fehler steckt in jeder Website, einige finden Sie allerdings fast immer.
- Platzhalter wie „Lorem ipsum“ oder „Button“, die nach der Entwicklung online bleiben.
- Systemhinweise in einer anderen Sprache als der Rest der Website.
- Platzhaltertext anstelle einer echten Beschriftung.
- Allgemeine Meldungen wie „Etwas ist schiefgelaufen“ ohne Lösung.
- Formulare ohne Bestätigung, die nur die Seite neu laden.
- Dieselbe Aktion mit unterschiedlichen Namen auf verschiedenen Seiten.
Gemeinsam ist diesen Fehlern, dass der Text erst am Ende des Designprozesses kommt. Deshalb hole ich den Text in neuen Projekten an den Anfang: Wir klären die Worte, bevor wir den Kasten zeichnen. Ebenso verhindert echtes Textmaterial beim Webdesign mit Figma spätere Überläufe und Umbrüche.
Wer sollte im Team für UX Writing verantwortlich sein?
Für ein kleines Unternehmen ist ein eigener UX Writer selten realistisch. Also teilen Sie die Verantwortung zwischen Designer und Produkt oder Marketingverantwortlichem. Entscheidend ist, dass der Text einen Besitzer hat. Jemand muss sagen: „Die Worte auf dieser Ansicht liegen bei mir.“
In größeren Projekten sehe ich Text dagegen als Teil des Designteams. Denn Mikrotexte hängen eng am Verhalten der Komponenten: Wann erscheint der Fehler, wann ist der Button inaktiv, wo steht die Bestätigung? Ohne diese Antworten können Sie keinen guten Text schreiben.
Bauen Sie Ihre Website neu auf, kostet ein Webdesign Projekt mit Text von Anfang an deutlich weniger als Korrekturen nach dem Start. Welche Fragen Sie vor der Beauftragung stellen sollten, finden Sie zudem in meiner Checkliste zur UI UX Beauftragung.
Welche Checkliste nutzen Sie vor dem Livegang?
Vor dem Start jeder neuen Seite oder jedes Formulars stelle ich die folgenden Fragen der Reihe nach. Die Liste halte ich bewusst kurz, denn lange Checklisten liest im Team niemand bis zum Ende. Können Sie alle Fragen mit Ja beantworten, stehen Ihre Mikrotexte also auf festem Boden.
- Sagt jeder Button, was nach dem Klick passiert?
- Behalten Formularfelder beim Tippen eine sichtbare Beschriftung?
- Nennt jede Fehlermeldung Problem und Lösung?
- Zeigen leere Ansichten einen nächsten Schritt?
- Erklärt die Bestätigung, was als Nächstes passiert und wann?
- Trägt dieselbe Aktion überall denselben Namen?
- Lässt sich jeder Text auf dem schmalsten Handybildschirm ohne Umbruchfehler lesen?
Schließlich sehen Sie diese Liste nicht als einmalige Aufgabe. Bei jeder neuen Kampagne, jeder neuen Zahlungsart und jedem neuen Formular gehen Sie sie erneut durch. Somit wird UX Writing zu einer dauerhaften Qualitätsgewohnheit Ihrer Website.
Wissen Sie nicht, wo Sie anfangen sollen, dann beginnen Sie mit Ihrem meistbesuchten Formular. Zunächst tragen Sie alle Texte daraus ins Inventar ein. Danach stellen Sie die sieben Fragen oben einzeln. Haben Sie ein Formular vollständig überarbeitet, fällt Ihnen dieselbe Methode für den Rest der Website deutlich leichter.




