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Wann ist ein Website Relaunch fällig? 9 Anzeichen, dass es Zeit wird

Talha AslanTalha Aslan 16 Min. Lesezeit 1 Aufrufe

Den Website Relaunch planen die meisten Unternehmen zum falschen Zeitpunkt. Manche werfen eine gesunde Website weg, weil sie sich daran sattgesehen haben. Andere behalten eine Seite, die seit Jahren Anfragen verliert, weil sie ja „noch läuft“. Ich arbeite seit 2012 im Online Marketing und habe beide Fehler oft erlebt. Deshalb zeige ich Ihnen hier neun konkrete Anzeichen. Zu jedem Anzeichen erkläre ich außerdem, wie Sie es auf Ihrer eigenen Website messen und ob es einen kompletten Neuaufbau oder nur eine kleinere Korrektur verlangt.

Wann ist ein Website Relaunch wirklich sinnvoll?

Ein Website Relaunch bedeutet, Technik, Design und Inhaltsstruktur einer bestehenden Website gemeinsam zu erneuern. Er lohnt sich, wenn die Seite langsam ist, mobil schwach wirkt, auf veralteter Software läuft und kaum Anfragen bringt. Ein einzelnes Problem lösen Sie meist gezielt; zeigen sich drei oder mehr Anzeichen gleichzeitig, planen Sie den Relaunch.

Die entscheidende Unterscheidung ist einfach. Ein Relaunch ist eine unternehmerische Entscheidung, keine Geschmacksfrage. Daher rechtfertigt das Gefühl „wirkt altmodisch“ allein kein Budget. Andererseits kostet jeder Monat des Wartens Geld, sobald sich messbare Verluste häufen. Notieren Sie beim Lesen der neun Anzeichen deshalb gleich eine Bewertung für Ihre eigene Seite.

Noch ein Hinweis vorab. Den Schutz der Suchmaschinen Rankings während des Projekts behandle ich hier nicht erneut. Dazu lesen Sie meinen Beitrag SEO beim Website Relaunch schützen. Dieser Artikel beantwortet also nur die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt.

Welche Daten sollten Sie vor der Entscheidung sammeln?

Bevor Sie die Anzeichen prüfen, sammeln Sie ein paar Grunddaten. Sonst gewinnt im Meeting einfach die lauteste Meinung. Vor jedem Gespräch über einen Relaunch bitte ich Kunden zunächst um diese Daten:

  • Organische Klicks und Impressionen der letzten zwölf Monate aus der Search Console.
  • Conversions getrennt nach Mobil und Desktop: Formulare, Anrufe, Warenkörbe.
  • Messwerte zur Ladezeit, am besten Felddaten echter Nutzer.
  • Versionen von CMS, Plugins und Serversoftware.
  • Alle Änderungswünsche des letzten Jahres samt Kosten.

Zum Beispiel erkennen Sie ohne Search Console nicht, ob ein Rückgang saisonal oder technisch ist. Falls Sie das Tool noch nicht nutzen, hilft Ihnen meine Anleitung zur Google Search Console. Zudem liefert der Website Wert Rechner eine grobe Einschätzung, was Ihre aktuelle Seite wert ist.

Anzeichen 1: Verfehlt Ihre Website die Core Web Vitals?

Das erste Anzeichen ist die Geschwindigkeit. Google misst Nutzererfahrung mit drei Kennzahlen. Laut Dokumentation auf web.dev gelten diese Werte als gut: LCP bis 2,5 Sekunden, INP bis 200 Millisekunden und CLS bis 0,1. INP hat im März 2024 den Wert FID abgelöst. Das heißt: Google misst jetzt eine Kennzahl, die auf älteren Websites niemand optimiert hat.

Allerdings rechtfertigt Langsamkeit allein selten einen Neuaufbau. Oft genügt es, Bilder zu komprimieren, Caching einzurichten oder ein schweres Plugin zu entfernen. Suchen Sie deshalb zuerst die Ursache. Die Schritte dazu finden Sie in meinem Beitrag zum Google Lighthouse Test.

Ein Relaunch drängt sich erst auf, wenn das Theme oder der Page Builder selbst die Ursache ist. Eine Struktur, die auf jeder Seite Hunderte Kilobyte ungenutztes JavaScript lädt, flicken Sie nicht. Wie Ladezeit Rankings und Umsatz beeinflusst, lesen Sie unter Wie beeinflusst die Ladezeit SEO.

Schauen Sie außerdem auf Felddaten statt auf einen Laborwert. Der Lighthouse Score spiegelt Ihren Testrechner wider. Felddaten dagegen stammen von den Smartphones echter Besucher. Auch die Google Dokumentation zur Page Experience betont, dass gute Nutzererfahrung mehr ist als eine einzelne Zahl.

Anzeichen 2: Haben mobile Besucher Probleme auf Ihrer Seite?

Google indexiert Websites inzwischen anhand der mobilen Version. Die Seite von Google Search Central zur Mobile First Indexierung beschreibt das klar. Folglich schaden fehlende Inhalte, versteckte Menüs oder abgeschnittene Tabellen auf dem Smartphone direkt Ihrer Sichtbarkeit.

Typische Symptome sehen so aus: Buttons, die für den Daumen zu klein sind, horizontales Scrollen, Popups über dem ganzen Bildschirm und Formularfelder, die hinter der Tastatur verschwinden. Zudem ist eine mobile Conversion Rate weit unter dem Desktop Wert ein starkes Signal.

Wann also bedeuten mobile Probleme einen Relaunch? Wenn die Seite eine feste Breite oder eine separate Mobilversion statt eines responsiven Layouts nutzt, kostet die Korrektur meist fast so viel wie ein Neubau. Für die Prüfung Ihrer Seite folgen Sie meiner Anleitung Mobilfreundlichkeit testen.

Anzeichen 3: Hat Ihre Technik den Sicherheitssupport verloren?

Über dieses Anzeichen spricht kaum jemand, dabei ist es das gefährlichste. Sobald Serversoftware ihr Supportende erreicht, schließt niemand mehr neue Lücken. Die Übersicht der unterstützten PHP Versionen auf php.net nennt zum Beispiel für jede Version die Termine für aktiven Support und Sicherheitsupdates. Fehlt Ihre Version dort, läuft Ihre Seite mit Risiko.

Dasselbe gilt für CMS und Plugins. Ein veraltetes Theme, ein verwaistes Formular Plugin oder Individualsoftware eines verschwundenen Entwicklers öffnen Angreifern die Tür. In den meisten gehackten Websites, die ich bereinigt habe, lag genau hier die Ursache.

Trotzdem bedeutet eine alte Version nicht automatisch einen Relaunch. Lässt sich der Code auf eine neue Version heben, reicht ein Update Projekt. Ist der Code allerdings so alt, dass er unter aktuellem PHP gar nicht läuft, schrumpft der Abstand zwischen Migration und Neuentwicklung. Dann ist der Relaunch die vernünftige Wahl.

Sie können das selbst prüfen. Schauen Sie im Hosting Panel nach der PHP Version und im CMS nach Kern und Plugins. Notieren Sie dann jeweils das letzte Updatedatum. Ein Plugin ohne Update seit zwei Jahren ist meist ein aufgegebenes Plugin.

Anzeichen 4: Warum kommt Traffic, aber keine Anfrage?

Kommen Besucher, aber keine Formulare, Anrufe oder Verkäufe, liegt das Problem in der Website und nicht im Traffic. Nehmen Sie dieses Anzeichen ernst, denn hier versickert das meiste Werbebudget. Sie bezahlen jeden Klick, doch die Seite macht daraus keinen Kunden.

Definieren Sie zunächst das Ziel. Wissen Sie nicht, welche Aktion als Conversion zählt, führt eine niedrige Quote in die Irre. Dabei hilft Ihnen mein Beitrag Conversion Ziele festlegen. Danach prüfen Sie Ihre meistbesuchten Seiten einzeln.

Die häufigsten Ursachen, die ich sehe: Der Angebotsbutton erscheint erst nach dem Scrollen, das Kontaktformular verlangt zwölf Felder, und zu Preis oder Ablauf steht nichts auf der Seite. Die meisten dieser Punkte beschreibe ich in UX Fehler, die Umsatz kosten. Müssen Sie dafür fast jede Seitenvorlage ändern, sprechen wir nicht mehr über Feinschliff, sondern über einen Relaunch.

Anzeichen 5: Passt Ihre Website noch zu Ihrer Marke?

Unternehmen wachsen, Leistungen ändern sich, Corporate Designs entwickeln sich weiter. Die Website bleibt dagegen oft fünf Jahre in der Vergangenheit stehen. Somit erlebt ein Interessent im Termin eine Marke und online eine andere.

Konkret sieht das so aus: Das neue Logo sitzt auf einer alten Farbpalette, Fotos zeigen ehemalige Mitarbeitende, und die Referenzliste hat seit Jahren niemand angefasst. Manchmal bewirbt die Seite sogar Leistungen, die Sie gar nicht mehr anbieten.

Andererseits verlangt ein neues Logo allein keinen Abriss der ganzen Website. Wann Arbeit an der Identität sinnvoll ist, erkläre ich in Wann ist ein Logo Redesign sinnvoll. Hat sich aber Ihre Positionierung geändert, etwa von kleinen Betrieben hin zu Konzernkunden, müssen Sprache, Struktur und Belege auf der Seite mitziehen. Das ist ein starkes Argument für einen Website Relaunch.

Anzeichen 6: Können Sie Inhalte ohne Entwickler pflegen?

Wenn eine kleine Textänderung eine E-Mail an den Entwickler und drei Tage Warten bedeutet, dient Ihnen die Website nicht. Das begegnet mir vor allem bei alter Individualsoftware und bei Systemen geschlossener Agenturen.

Eine Seite, die Sie nicht pflegen können, veraltet. Aktionen gehen verspätet online, Preise bleiben falsch, der Blog schläft ein. Aktuelle Inhalte zählen zudem für die Sichtbarkeit, wie ich in Content aktualisieren für SEO zeige.

Stellen Sie sich diese Fragen:

  1. Können Sie eine neue Leistungsseite ohne Entwickler anlegen?
  2. Können Sie Title und Description pro Seite ändern?
  3. Können mehrere Personen mit unterschiedlichen Rechten arbeiten?
  4. Gehören Ihnen Quellcode und Datenbank?

Antworten Sie zweimal oder öfter mit „nein“, denken Sie ernsthaft über ein neues CMS nach. Die letzte Frage wiegt am schwersten. Denn ohne eigenen Code gehört Ihnen die Website nicht wirklich.

Anzeichen 7: Hat sich Ihr Geschäft verändert, die Struktur aber nicht?

Hier geht es um Informationsarchitektur statt Design. Ein Unternehmen mit drei Leistungen beim Start bietet heute vielleicht zwölf an. Das alte Menü trägt dieses Wachstum nicht. Folglich landen Leistungen gequetscht auf einer langen Seite oder verschwinden im Menü.

In der Suche entsteht dasselbe Problem. Jede Leistung sollte eine eigene Suchanfrage bedienen. Leistungen auf einer gemeinsamen Seite ranken dagegen für keine davon richtig gut. Erschließen Sie also neue Märkte, Städte oder Sprachen, denken Sie die Struktur neu.

Ein Hersteller, der in den Export geht, braucht zum Beispiel mehr als eine Übersetzung. Er braucht Händleranfragen, Downloads für technische Unterlagen und Kontaktwege pro Land. In so einem Fall ist ein Neuaufbau der Struktur meist günstiger als Flickwerk.

Anzeichen 8: Warum ist Tracking und Integration so mühsam?

Eine moderne Website arbeitet nicht allein. Sie muss mit CRM, E-Mail Marketing, Zahlungsanbieter, Conversion Tags und Analytics sprechen. Bei älteren Seiten sind diese Verbindungen oft kaum machbar.

In der Praxis sehe ich häufig dieses Bild. Formulardaten landen nur im Postfach und nie im CRM. Werbe Conversions zählt niemand, weil es keine Dankeseite gibt. Consent Banner und Tags arbeiten nicht zusammen. Kurz gesagt: Das Marketing tappt im Dunkeln.

Werkzeuge wie der Google Tag Manager lösen einen Teil davon. Stecken Formulare, Vorlagen und Ereignisse allerdings tief im alten Code, wird jede Integration zum eigenen Entwicklungsprojekt. Stoßen Sie auch bei der dritten Anfrage an dieselbe Wand, haben Sie ein klares Relaunch Signal.

Muss Ihr Entwickler zum Beispiel für ein einziges Werbe Tag auf jeder Formularseite Code einbauen, dauert selbst eine einfache Kampagne Wochen. Auf einer modernen Basis erledigen Sie das im Tag Manager in wenigen Minuten.

Anzeichen 9: Nähern sich die Wartungskosten den Kosten einer neuen Seite?

Das letzte Anzeichen ist rein finanziell. Addieren Sie alle Stunden, die Sie im vergangenen Jahr für Fehlerbehebung, Updates und Notfälle bezahlt haben. Steigt diese Summe jedes Jahr, zahlen Sie dem alten System eine unsichtbare Miete.

Dazu eine einfache Beispielrechnung. Nehmen Sie im Schnitt sechs Stunden Korrekturen pro Monat zu Ihrem vereinbarten Stundensatz an. Vergleichen Sie die Jahressumme dann mit einem Drittel der Kosten einer neuen Website. Das ist nur eine beispielhafte Methode, Ihre Zahlen hängen von Ihren Verträgen ab. Kommt die Wartung diesem Verhältnis nahe, amortisiert sich eine neue Seite oft innerhalb von etwa drei Jahren.

Außerdem fehlen in dieser Rechnung die Opportunitätskosten. Verspätete Kampagnen, verlorene Anfragen und Sicherheitsrisiken gehören ebenfalls dazu. Schauen Sie daher nicht nur auf die Rechnung, sondern darauf, wie stark die Seite Ihr Team bremst.

Ab wie vielen Anzeichen lohnt sich ein Website Relaunch?

Haben Sie alle neun Anzeichen bewertet, hilft diese einfache Regel. Sie ist ein Startrahmen aus meiner Praxiserfahrung, keine Garantie:

Anzahl AnzeichenEmpfohlener WegTypischer Umfang
0 bis 2Gezielte VerbesserungenLadezeit, Inhalte aktualisieren, Formulare vereinfachen
3 bis 4Teilweiser RelaunchNeues Theme, neue Vorlagen, CMS bleibt
5 oder mehrKompletter Website RelaunchNeue Technik, neue Informationsarchitektur, neues Design
Anzeichen 3 allein kritischDringender SicherheitsplanErst Update oder Migration, dann Entscheidung über Relaunch

Auch die Gewichtung zählt. Das Sicherheitsanzeichen verlangt schon allein sofortiges Handeln. Das Markenanzeichen kann dagegen meist warten, wenn sonst alles stimmt. Also zählen Sie die Anzeichen, aber gewichten Sie sie auch.

Was unterscheidet einen teilweisen von einem kompletten Relaunch?

Beim teilweisen Relaunch behalten Sie die Technik und ändern nur die sichtbare Ebene. Zum Beispiel tauschen Sie das WordPress Theme und bauen die Seitenvorlagen neu. Inhalte, URL Struktur und Datenbank bleiben bestehen.

Beim kompletten Relaunch ändern sich Technik, Informationsarchitektur und Design gemeinsam. Dieser Weg kostet mehr und dauert länger. Zudem birgt er mehr Risiko, weil sich URLs meist ändern. Planen Sie den Umzug deshalb unbedingt mit einer Checkliste zur Website Migration.

Meine Faustregel lautet so. Liegen die Probleme in der sichtbaren Ebene, genügt ein teilweiser Relaunch. Liegen sie im Fundament, also bei Sicherheit, CMS Flexibilität oder Integrationen, führt kein Weg am kompletten Relaunch vorbei.

Sollten Sie nur wegen eines alten Looks neu starten?

Kurz gesagt: meistens nicht. Designtrends wechseln alle zwei bis drei Jahre, und ein Neubau bei jeder Welle ist nicht tragbar. Zudem riskieren Sie Erreichtes, wenn Sie eine Seite mit guten Rankings und Conversions nur für die Optik umbauen.

Trotzdem steckt hinter „altmodisch“ manchmal ein echtes Problem. Halten Besucher die Seite für unseriös und springen ab, wird daraus ein Conversion Anzeichen. Das finden Sie mit einem kurzen Nutzertest oder zumindest mit Heatmap Daten heraus.

Zusammengefasst: Die Optik sollte nie allein entscheiden. Kommt sie zusammen mit anderen Anzeichen, nehmen Sie sie ernst. Kommt sie allein, reichen kleine gestalterische Anpassungen.

Kann Barrierefreiheit ein Grund für einen Relaunch sein?

Ja, und das immer häufiger. Dass Menschen mit Behinderung Ihre Seite nutzen können, ist eine ethische und eine wirtschaftliche Frage. Der internationale Maßstab sind die WCAG Richtlinien des W3C. Kontrast, Tastaturbedienung, Alternativtexte für Bilder und Formularlabels gehören zu den Kernthemen.

Ältere Websites haben Barrierefreiheit selten bedacht. Menüs funktionieren zum Beispiel nur mit der Maus, Formulare haben keine Labels, der Farbkontrast ist schwach. Einiges davon beheben Sie direkt. Ist die Vorlagenstruktur allerdings von Grund auf fehlerhaft, lässt sich Barrierefreiheit später nur mühsam nachrüsten.

Verkaufen Sie in der EU, gewinnt das Thema zusätzlich an Gewicht. Schieben Sie Barrierefreiheit daher nicht in eine spätere Phase. Schreiben Sie sie als Grundanforderung in das neue Projekt.

Was kostet es, den Website Relaunch aufzuschieben?

Aufschieben wirkt kostenlos, ist es aber nicht. Jeden Monat summieren sich verlorene Anfragen, verschwendete Werbeklicks und wachsende Wartungsstunden. Weil diese Kosten auf keiner Rechnung stehen, übersehen die meisten Verantwortlichen sie.

Dazu kommt ein technischer Preis. Ein ungepflegtes System altert jedes Jahr ein Stück weiter, und die Migration wird schwerer. Was heute ein Update löst, verlangt in zwei Jahren vielleicht einen kompletten Neubau.

Andererseits ist ein überhasteter Relaunch ebenfalls teuer. Unvorbereitete Projekte sprengen das Budget und verlieren Traffic. Deshalb lautet der richtige Weg: Anzeichen regelmäßig messen und die Entscheidung auf Daten stützen. Ich empfehle Kunden, die neun Anzeichen einmal im Jahr zu prüfen.

Welcher Zeitpunkt im Jahr eignet sich für den Livegang?

Das Timing ist so wichtig wie die Entscheidung selbst. Gehen Sie nicht mitten in Ihrer stärksten Verkaufssaison live. In den ersten Wochen nach dem Start tauchen immer kleine Fehler auf. Diese in der Hochsaison zu beheben, bedeutet Stress und Umsatzverlust.

Mein Vorschlag ist einfach. Bestimmen Sie die zwei oder drei ruhigsten Monate Ihrer Branche und legen Sie den Livegang an deren Anfang. Im Bildungsbereich ist zum Beispiel die Anmeldephase riskant, im Handel November und Dezember, im Tourismus der Sommer. So bleibt Ihnen Luft für Korrekturen.

Schätzen Sie außerdem die Projektdauer ehrlich. Design, Inhalte, Entwicklung und Tests dauern fast immer länger als geplant. Am häufigsten verzögern sich die Texte, denn meist schreibt sie jemand aus Ihrem eigenen Team. Starten Sie die Inhaltsarbeit daher parallel zum Design.

Welche Fragen sollten Sie dem umsetzenden Team stellen?

Sie haben die Anzeichen gesehen und entschieden. Nun wählen Sie das Team. Dabei sollte der Preis nicht das einzige Kriterium sein. Die Antworten auf diese Fragen verraten viel darüber, wie das Projekt endet:

  • Analysieren Sie zu Beginn den aktuellen Traffic und die Conversions?
  • Wer behält Quellcode, Designdateien und Adminzugang?
  • Stehen Ziele für Ladezeit und Core Web Vitals im Vertrag?
  • Wie viele Tage kostenlose Korrekturen nach dem Livegang sind enthalten?
  • Wer erstellt den Weiterleitungsplan für alte URLs?

Bekommen Sie keine klaren Antworten, seien Sie vorsichtig. Vor allem die Frage nach dem Quellcode zählt, denn so kehrt das Problem aus Anzeichen sechs nicht zurück. Anders gesagt: Kaufen Sie nicht das Problem von morgen, während Sie das von heute lösen.

Woran messen Sie den Erfolg der neuen Website?

Ein Relaunch Projekt endet nicht am Tag des Livegangs. Stattdessen beginnt die eigentliche Prüfung in den drei Monaten danach. Legen Sie deshalb vor Projektstart fest, wie Sie Erfolg messen.

Mit Kunden verfolge ich meist organische Klicks und Impressionen, Conversion Rates für Mobil und Desktop, Core Web Vitals aus Felddaten und die Kosten pro Anfrage. Außerdem messe ich die Zeit für Inhaltsänderungen. Dauert eine Änderung statt drei Tagen nur noch zehn Minuten, ist das ein konkreter Gewinn.

Kleine Schwankungen im Traffic sind in den ersten Wochen normal. Google braucht Zeit, um die neue Struktur zu crawlen und zu verstehen. Geraten Sie daher in Woche eins nicht in Panik. Zeigt sich in Woche vier allerdings noch ein deutlicher Rückgang, prüfen Sie sofort Weiterleitungen und Indexierung.

Welche Fehler passieren bei der Relaunch Entscheidung am häufigsten?

Über die Jahre habe ich dieselben Fehler in ganz unterschiedlichen Firmen gesehen. Wer sie kennt, vermeidet teure Irrtümer:

  1. Nach dem Geschmack einer Person entscheiden statt nach Daten.
  2. Gut laufende Seiten löschen, weil sie „nicht zum neuen Design passen“.
  3. Die Inhaltsarbeit auf die letzte Woche schieben.
  4. Tracking und Conversion Tags erst nach dem Livegang einrichten.
  5. Die neue Seite nur am Desktop Bildschirm abnehmen.

Der zweite Fehler schmerzt am meisten. Bringt eine alte Seite seit Jahren Traffic, behalten Sie sie in der neuen Struktur. Idealerweise sogar unter derselben Adresse. Sonst schenkt Ihnen das Projekt einen neuen Look und nimmt Ihnen jahrelange Arbeit.

Achten Sie schließlich auf den fünften Punkt. In Meetings nimmt man Websites auf großen Bildschirmen ab, doch die meisten Kunden kommen per Smartphone. Nehmen Sie mindestens zwei Geräte in die Abnahme auf: ein aktuelles und ein einige Jahre altes Mittelklassemodell.

Gelten die Anzeichen für Onlineshops anders?

Alle neun Anzeichen gelten auch im E-Commerce, doch ihr Gewicht verschiebt sich. Auf einer Unternehmensseite fällt ein Rückgang bei Formularen oft erst nach Wochen auf. Ein einziger Fehler im Checkout eines Shops trifft dagegen noch am selben Tag den Umsatz.

Beobachten Sie im E-Commerce deshalb drei Anzeichen genauer: Ladezeit, mobile Nutzung und Integrationen. Langsame Kategorieseiten, ein verschwundenes Gutscheinfeld im mobilen Warenkorb oder Probleme beim Abgleich mit Lager und Versand kosten direkt Geld.

Zudem ist ein Plattformwechsel im E-Commerce komplexer als bei einer Unternehmensseite. Produktdaten, Kundenkonten, Bestellhistorie und Produkt URLs müssen mit umziehen. Kurz gesagt: Treffen Sie die Entscheidung im E-Commerce früher, aber planen Sie die Umsetzung sorgfältiger.

Reicht statt eines Relaunchs vielleicht eine Landingpage?

Manchmal ja. Betrifft Ihr Problem nur die Conversion einer Kampagne oder einer Leistung, bringt eine eigene Landingpage oft schneller Ergebnisse als ein Neubau. Das funktioniert besonders gut für Seiten, auf die Sie Google Ads Traffic schicken.

Allerdings ist eine Landingpage ein Pflaster, keine Heilung. Sie behebt keine Probleme der Hauptseite mit Sicherheit, CMS oder Struktur. Zudem kann eine Landingpage, die ganz anders aussieht als die Website, die Markenwirkung stören.

Mein Rat lautet deshalb: Steht der Relaunch fest, dauert aber noch einige Monate, bauen Sie für Ihre wichtigste Leistung eine vorübergehende Landingpage. So verpufft Ihr Werbebudget nicht, während die neue Seite entsteht. Nach dem Livegang übernehmen Sie die Seite in die neue Struktur und nutzen ihre Conversion Daten weiter.

Wie bewerten Sie Ihre eigene Website noch heute?

Zum Schluss eine Selbstprüfung in 30 Minuten. Öffnen Sie eine Tabelle mit neun Zeilen. Tragen Sie für jedes Anzeichen „ja“, „teilweise“ oder „nein“ ein. Notieren Sie daneben den Beleg: einen Screenshot, eine Kennzahl oder eine Rechnung.

  • Ladezeit: LCP, INP und CLS aus Felddaten.
  • Mobil: mobile Conversion Rate im Vergleich zum Desktop.
  • Sicherheit: Supportstatus von PHP, CMS und Plugins.
  • Conversion: Formulare und Anrufe der letzten 90 Tage.
  • Marke, Inhalte, Struktur, Integrationen und Wartung: konkrete Beispiele aus dem letzten Jahr.

Werten Sie jede Zeile ohne Beleg als „nein“. So halten Sie Emotionen aus der Entscheidung heraus. Kommen Sie auf fünf oder mehr, ist es Zeit, Budget für einen kompletten Website Relaunch einzuplanen. Liegen Sie bei drei bis vier, planen Sie eine teilweise Verbesserung. Möchten Sie den gesamten Weg von der Bestandsaufnahme bis zum Livegang gemeinsam gehen, deckt mein Webdesign Angebot jeden Schritt ab.

Häufig gestellte Fragen

Wie oft sollte man eine Website erneuern?
Einen festen Rhythmus gibt es nicht; entscheiden Sie nach Anzeichen statt nach Alter. Nach meiner Erfahrung bleiben gepflegte Websites lange gesund, während vernachlässigte Seiten nach zwei bis drei Jahren Probleme machen. Das ist Praxiserfahrung, keine Garantie. Eine jährliche Prüfung der neun Anzeichen bringt deshalb bessere Ergebnisse als ein Relaunch nach Kalender.
Schadet ein Website Relaunch den Rankings?
Ohne Planung kann er schaden, mit guter Planung schützt er Rankings oder verbessert sie sogar. Die eigentlichen Risiken sind geänderte URLs, gelöschte Inhalte und fehlende Weiterleitungen. Erstellen Sie daher vor Projektstart eine Bestandsliste aller Seiten und einen Weiterleitungsplan. Den kompletten Ablauf beschreibe ich in meinem Beitrag zum SEO Schutz beim Relaunch.
Zählt ein reines Redesign schon als Relaunch?
Ja, allerdings nenne ich das einen teilweisen Relaunch. Technik, Inhaltsstruktur und URLs bleiben, nur die sichtbare Ebene ändert sich. Liegen Ihre Probleme im Design, reicht dieser Weg und birgt weniger Risiko. Kommen sie aus Sicherheit, CMS oder Integrationen, löst ein reines Redesign sie dagegen nicht.
Braucht eine langsame Website sofort einen Relaunch?
Nein, suchen Sie zuerst die Ursache. Meist liegt die Langsamkeit an unkomprimierten Bildern, fehlendem Caching oder schweren Plugins, und das beheben Sie direkt. Ein Relaunch lohnt sich erst, wenn Theme oder Page Builder selbst das Problem sind und die Korrektur fast so viel kostet wie ein Neubau. Erstellen Sie vorher einen Lighthouse Bericht.
Wer sollte über den Relaunch entscheiden?
Die Geschäftsführung sollte entscheiden, aber auf Basis von Daten. Die Entwicklung liefert den technischen Stand, das Marketing Traffic und Conversions, die Buchhaltung die Wartungskosten. Entscheidungen nach der Meinung einer einzelnen Person führen meist zu unnötigen Ausgaben oder zu Problemen, die jahrelang bleiben. Die Tabelle mit neun Anzeichen dient dabei als gemeinsame Sprache.
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Talha Aslan
Talha Aslan

Google Partner und Experte für digitales Marketing. Seit 2012 praktisch in SEO, Google Ads, Webdesign und E-Commerce Projekten; jeder Beitrag hier stammt aus dieser Erfahrung.

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