Webdesign Angebote vergleichen: Checkliste zur Bewertung von Angeboten

Auf Ihrem Tisch liegen drei Angebote: 4.000, 9.500 und 18.000 Euro. Der Preis allein sagt Ihnen fast nichts, denn die drei Dokumente beschreiben nicht dieselbe Leistung. In diesem Leitfaden zeige ich Ihnen, wie Sie ein Webdesign Angebot mit den Augen des Käufers lesen, wie Sie konkurrierende Angebote Position für Position vergleichen und welche Fragen Sie vor der Unterschrift stellen sollten. Ich schreibe seit 2012 selbst Angebote und prüfe zudem für meine Kunden die Angebote anderer Agenturen. Deshalb teile ich hier die Fallen, die mir am häufigsten begegnen.
Wie bewerten Sie ein Webdesign Angebot richtig?
Ein Webdesign Angebot bewerten heißt, Angebote nicht nach dem Endpreis zu vergleichen, sondern nach Leistungsumfang, Eigentum, Hosting, Wartung, Zeitplan und versteckten Kosten. Zunächst übertragen Sie jedes Angebot in dieselbe Positionsliste. Dann klären Sie die Lücken. Schließlich entscheiden Sie mit einer gewichteten Bewertungstabelle.
Der Kern ist also einfach. Denn jede Agentur schreibt ihr Webdesign Angebot in ihrer eigenen Sprache. Die eine sagt „Unternehmenswebsite“ und meint zehn Seiten. Die andere meint mit demselben Wort fünf Seiten und ein Kontaktformular. Ihre erste Aufgabe ist deshalb die Übersetzung. Sie holen jedes Angebot aus seinem eigenen Vokabular und tragen es in Ihre eigene Tabelle ein. Vergleichen Sie die Preise vorher, vergleichen Sie Äpfel mit Birnen.
Ich empfehle meinen Kunden immer dieselbe Reihenfolge. Zuerst klären Sie, was Sie bekommen. Danach klären Sie, wem es gehört. Erst dann schauen Sie auf den Preis. Somit steht der Preis am Ende der Entscheidung und nicht am Anfang. Falls Sie noch nicht wissen, was die Website leisten soll, beginnen Sie mit meinem Beitrag über Conversion Ziele festlegen. Denn ein Briefing ohne Ziel erzeugt Angebote ohne Ziel.
Warum sollten Sie vor der Anfrage ein eigenes Briefing schreiben?
Der größte Grund für große Preisunterschiede: Sie erzählen jeder Agentur eine andere Geschichte. Einer Agentur sagen Sie am Telefon „eine einfache Seite“. Danach erzählen Sie einer anderen im Termin von Ihren Plänen für einen Onlineshop. Folglich beantworten die Zahlen unterschiedliche Fragen. Deshalb rate ich zu einem schriftlichen Briefing von ein bis zwei Seiten, bevor Sie Angebote anfragen.
Ein gutes Briefing beantwortet konkret diese Fragen:
- Was ist das Ziel der Website in einem Satz: Anfragen, Termine oder Verkäufe?
- Wie viele Hauptseiten und welche Inhaltstypen gibt es (Leistungen, Produkte, Blog, Referenzen)?
- In wie vielen Sprachen veröffentlichen Sie?
- Wer liefert Texte und Bilder?
- Mit welchen Systemen muss die Seite verbunden sein (CRM, Zahlung, Buchhaltung, Terminbuchung)?
- Gibt es einen festen Starttermin?
- Haben Sie bereits eine Website mit Suchtraffic?
Bekommen alle Agenturen dasselbe Briefing, beantworten alle Angebote dieselbe Frage. Zudem verrät Ihnen die Reaktion einiges. Eine Agentur, die nachfragt und Lücken erkennt, nimmt den Auftrag meist ernst. Eine Agentur, die ohne Blick ins Briefing einen Paketpreis schickt, verkauft dagegen ihr Standardprodukt und nicht Ihr Projekt.
Welche Positionen gehören in den Leistungsumfang?
Der Leistungsumfang ist das Herz jedes Angebots. Hier verstecken sich allerdings auch die meisten Überraschungen. Prüfen Sie zuerst, wie konkret die Liste „Was ist enthalten“ ist. „Moderne, responsive, SEO freundliche Website“ ist kein Leistungsumfang. Es ist vielmehr ein Werbeslogan.
Ein konkreter Leistungsumfang nennt mindestens Folgendes:
- Die Anzahl der Seiten oder Vorlagen, jeweils mit Namen.
- Die Anzahl der Designrunden: wie viele Entwürfe, wie viele Korrekturschleifen.
- Wer die Inhalte einpflegt und für wie viele Seiten.
- Eine Liste der Funktionen wie Formulare, Suche, Filter oder Mehrsprachigkeit.
- Ob ein Redaktionssystem und eine Schulung dazugehören.
- Die Browser und Geräte, auf denen die Agentur testet.
- Livegang, Domainumstellung und Umzug von der alten Seite.
Achten Sie besonders auf die Korrekturschleifen. „Unbegrenzte Korrekturen“ klingt großzügig. In der Praxis verlängert das entweder den Zeitplan, oder die Agentur sagt irgendwann „das ist ein neuer Auftrag“. Eine feste Zahl an Runden samt Definition, was als Korrektur zählt, funktioniert viel besser. Wenn Sie den Designprozess selbst beurteilen möchten, finden Sie das in meiner Checkliste für UI/UX Design. Hier wiederhole ich es also nicht.
Wie erkennen Sie im Webdesign Angebot, ob Theme oder individuelles Design gemeint ist?
Ein großer Teil der Preisunterschiede entsteht an genau dieser Stelle. Ein Theme ist eine fertige Vorlage, die jemand anderes gestaltet hat und die Ihre Agentur an Farben, Logo und Inhalte anpasst. Beim individuellen Design zeichnet die Agentur Ihre Seiten dagegen neu, passend zu Ihren Inhalten und Zielen. Beides ist also legitim. Das Problem beginnt, wenn das Angebot nicht sagt, was Sie eigentlich kaufen.
Achten Sie deshalb auf bestimmte Begriffe. „Themelizenz“, „Vorlage“ und „Designanpassung“ deuten auf ein fertiges Theme hin. „Wireframes“, „Prototyp“, „Designsystem“ und „Übergabe der Figma Datei“ deuten auf einen individuellen Prozess hin. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie direkt: „Welches Theme nutzen Sie, und auf wessen Namen läuft die Lizenz?“
Die verborgene Seite eines Themes ist die Abhängigkeit von Updates. Stellt der Entwickler den Support ein, geraten Plugins aus dem Takt, und irgendwann erhält Ihre Seite keine Sicherheitsupdates mehr. Andererseits kostet individuelles Design vor allem Zeit. Denn gute individuelle Arbeit dauert Wochen länger als ein Theme. Kurz gesagt: Dass das günstige Angebot ein Theme nutzt und das teure individuell ist, ist normal. Problematisch ist ein Theme zum Preis eines individuellen Designs.
Wem gehören Domain, Quellcode und Inhalte?
Diesen Abschnitt überspringen die meisten Käufer, und genau er wird später am teuersten. Die Krise, die ich über die Jahre am häufigsten erlebt habe: Ein Kunde trennt sich von seiner Agentur und kommt nicht einmal mehr an die eigene Domain. Lesen Sie daher die Eigentumsregeln vor dem Preis.
Ihr Unternehmen sollte selbst Inhaber der Domain sein. Die ICANN beschreibt auf ihrer Seite zu den Rechten und Pflichten von Domaininhabern, dass die Rechte beim eingetragenen Inhaber liegen. Registriert die Agentur die Domain auf sich, gehört sie technisch der Agentur. Mit einer DNS Abfrage sehen Sie zum Beispiel, auf welche Server Ihre Domain aktuell zeigt.
Dieselbe Klarheit brauchen Sie beim Quellcode und bei den Designdateien. Idealerweise steht im Angebot ein Satz wie: „Nach vollständiger Zahlung übergeben wir Quellcode, Datenbank, Designdateien und Adminzugang an den Kunden.“ Manche Agenturen vermieten stattdessen ihre eigene Plattform. Auch das ist zunächst ein legitimes Modell. Allerdings sollten Sie dann wissen, dass Sie die Seite beim Wechsel nicht mitnehmen können. Fragen Sie außerdem, wer die Lizenzen für Stockfotos kauft und auf wessen Namen.
Wie lesen Sie die Position Hosting?
Hosting ist meist der unklarste Teil eines Angebots. „Erstes Jahr Hosting gratis“ klingt attraktiv. Trotzdem können Sie das nicht bewerten, solange nichts über das zweite Jahr, die Serverleistung oder einen Umzug dasteht.
Fragen Sie also nach diesen Details. Handelt es sich um Shared Hosting oder einen virtuellen Server? Wie oft laufen Backups, und wo liegen sie? Wer kümmert sich um das SSL Zertifikat? Was kostet das Hosting ab dem zweiten Jahr? Vor allem: Wie schnell bekommen Sie Dateien und Datenbank, wenn Sie zu einem anderen Anbieter wechseln?
Hosting beeinflusst zudem die Performance. Auf web.dev nennt Google als gute Schwellenwerte für die Core Web Vitals 2,5 Sekunden für LCP, 200 Millisekunden für INP und 0,1 für CLS. Ein schwacher Server kann also selbst ein gutes Design über diese Grenzen schieben. Verlangen Sie deshalb vor der Abnahme einen Performancetest. Wie Sie ihn lesen, erkläre ich in meinem Beitrag zum Google Lighthouse Test.
Was gehört in einen Wartungsvertrag?
Eine Website endet nicht am Tag des Livegangs. An diesem Tag beginnt sie erst zu leben. Kernsoftware, Plugins und Serversoftware brauchen regelmäßige Updates. Ein Angebot, das Wartung als eigene, klare Position aufführt, ist deshalb ein reifes Angebot und kein unvollständiges.
Achten Sie im Wartungsteil auf folgende Punkte:
- Wie oft Updates stattfinden und ob vorher ein Backup entsteht.
- Die erste Reaktionszeit bei Störungen, etwa innerhalb einer festen Zahl an Arbeitsstunden.
- Wie viele Stunden für Inhalte oder kleine Änderungen pro Monat enthalten sind.
- Ob Sicherheitsüberwachung und die Bereinigung nach einem Angriff dazugehören.
- Laufzeit, Kündigungsfrist und Datenübergabe bei Vertragsende.
Manche Agenturen halten die Monatspauschale niedrig und rechnen jede Kleinigkeit stundenweise ab. Vergleichen Sie daher nicht nur den Monatsbetrag, sondern auch die enthaltenen Stunden. Verwechseln Sie außerdem Gewährleistung nicht mit Wartung. Gewährleistung heißt, dass die Agentur eigene Fehler kostenlos behebt. Wartung deckt dagegen neue Anforderungen ab, die später entstehen. Ein gutes Angebot trennt beides sauber.
Wo verstecken sich Kosten in einem Webdesign Angebot?
Versteckte Kosten entstehen selten aus böser Absicht. Meist stammen sie aus Annahmen, die niemand aufgeschrieben hat. Die Agentur denkt, Sie liefern die Texte. Sie denken, die Agentur schreibt sie. Dann kommt die Rechnung, und beide Seiten fühlen sich im Recht. Behandeln Sie deshalb jede Lücke im Angebot als Fragezeichen.
Diese Zusatzposten sehe ich am häufigsten:
- Jährliche Verlängerungen für Premium Plugins und Themelizenzen.
- Lizenzen für Stockfotos, Iconsets und Schriften.
- Texterstellung und Übersetzung.
- Übernahme von Inhalten und Produkten aus der alten Seite.
- Einrichtung der geschäftlichen E-Mail.
- Anbindung von Zahlung, Versand und Buchhaltung.
- Der Stundensatz für Änderungen außerhalb des Umfangs.
Gerade die E-Mail sorgt oft für Verwirrung. Die eine Agentur zählt sie zur Website, die andere erwähnt sie gar nicht. Was Sie wirklich brauchen, lesen Sie in meinem Beitrag zur E-Mail mit eigener Domain. Prüfen Sie außerdem, ob jeder Preis netto oder brutto angegeben ist. Um alle Angebote auf dieselbe Basis zu bringen, hilft Ihnen der Mehrwertsteuer Rechner.
Wie schützt das Angebot Ihr SEO und Ihren bestehenden Traffic?
Haben Sie bereits eine Website, ist das größte Risiko einer neuen Seite nicht das Design. Es ist vielmehr der Verlust von Suchtraffic, also Ihr wertvollster Kanal. Viele Angebote schreiben „SEO freundlich“ und erklären nie, was das bedeutet. Ohne eine Weiterleitungsliste mit 301 Umleitungen von alten auf neue Adressen können jedoch Rankings, die Sie über Jahre aufgebaut haben, innerhalb weniger Wochen verschwinden.
Verlangen Sie deshalb diese Aufgaben schriftlich. Die Agentur exportiert die alten URLs, erstellt eine Weiterleitungsliste, überträgt Titel und Beschreibungen, reicht eine Sitemap ein und prüft die Search Console. Der SEO Leitfaden für Einsteiger von Google fasst Grundlagen wie sprechende URLs und eine klare Seitenstruktur zusammen. Daran können Sie dann jedes Webdesign Angebot messen.
Die Details behandle ich in zwei eigenen Beiträgen. Für einen Relaunch lesen Sie, wie Sie SEO beim Website Relaunch schützen. Wechseln Domain oder Plattform, hilft die Checkliste zur Website Migration. Für das Angebot selbst brauchen Sie nur eine Antwort: Ist diese Arbeit enthalten, oder rechnet die Agentur sie separat ab?
Welche Kriterien für Performance und Barrierefreiheit sollte das Angebot nennen?
„Eine schnelle Website“ ist ein Versprechen und keine Messgröße. Deshalb brauchen Sie ein messbares Abnahmekriterium. Zum Beispiel: „Startseite und zwei Vorlagenseiten erreichen mobil einen vereinbarten Mindestwert im Lighthouse Performance Score.“ So ein Satz beendet die Diskussion schon vor dem Abnahmetag.
Bei der Barrierefreiheit gilt dasselbe. Die WCAG 2.2 des W3C definieren prüfbare Erfolgskriterien, vom Farbkontrast bis zur Bedienung per Tastatur. Für Unternehmen in Deutschland ist das zudem keine reine Kür mehr. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz setzt den European Accessibility Act um und gilt seit dem 28. Juni 2025 für bestimmte Produkte und Dienstleistungen. Nennt das Angebot eine Zielstufe wie AA, nimmt die Agentur das Thema ernst.
Warum Geschwindigkeit so wichtig ist, erkläre ich im Beitrag Wie beeinflusst die Ladezeit SEO. Für das Angebot gilt also: Steht kein Kriterium drin, wissen Sie bei der Abnahme nicht, was Sie eigentlich abnehmen.
Warum sollten Sie Zeitplan und Zahlungsplan zusammen lesen?
Zeitplan und Zahlungsplan sind zwei Seiten derselben Medaille. Ist der Großteil des Geldes vorab fällig, sinkt der Anreiz der Agentur, schnell zu arbeiten. Ist dagegen alles erst am Ende fällig, will die Agentur ihr Risiko zu Recht begrenzen. Das gesunde Modell koppelt Zahlungen an konkrete Lieferungen.
Ausgewogen ist zum Beispiel diese Struktur: eine Anzahlung bei Vertragsschluss, eine Zwischenzahlung bei Designfreigabe und der Rest beim Livegang. Wichtig ist dabei eine schriftliche Definition von „geliefert“ für jede Phase. Welche Dateien und Ansichten geben Sie beim Design frei? Welche Tests müssen bestanden sein, bevor der Livegang als abgenommen gilt?
Schauen Sie im Zeitplan außerdem auf Ihre eigenen Pflichten. Die meisten Verzögerungen verursacht zudem nicht die Agentur. Sie entstehen vielmehr, weil Kunden Inhalte und Freigaben zu spät liefern. Ein gutes Angebot enthält daher Termine für beide Seiten, etwa „Kunde liefert alle Texte bis zu einem festen Datum“. Ein Zeitplan, der nur die Zusagen der Agentur nennt, führt bei der ersten Verzögerung zum Streit. Fragen Sie sich also auch selbst: Kann ich diese Termine halten?
Warum ist die technische Plattform im Webdesign Angebot so wichtig?
Die Plattform steht im Angebot oft nur als ein Wort in einer Ecke. Trotzdem prägt sie die nächsten fünf Jahre Ihrer Website. Ein verbreitetes Redaktionssystem wie WordPress erleichtert die Übergabe an ein anderes Team, denn viele Entwickler kennen es. Eine agentureigene Plattform kann dagegen bedeuten, dass nur diese eine Agentur Ihre Seite pflegen kann.
Deshalb wollen Sie den Namen der Plattform, die Version und die Begründung der Wahl schriftlich sehen. Fragen Sie jede Agentur mit eigener Plattform: „Wenn wir uns morgen trennen, wie übernimmt ein anderes Team diese Seite?“ Bleibt die Antwort vage, werten Sie diese Unsicherheit in Ihrer Tabelle beim Kriterium Eigentum ab.
In der Praxis stelle ich die Plattformfrage immer zusammen mit der Wartungsfrage. Bietet dieselbe Agentur eine eigene Plattform und eine hohe Wartungspauschale an, rechnen Sie die Kosten über drei Jahre separat. Somit sehen Sie den echten Preis der Abhängigkeit von Anfang an.
Mit welcher Tabelle vergleichen Sie Angebote nebeneinander?
Nachdem Sie jedes Angebot gelesen haben, übertragen Sie alle in eine gemeinsame Tabelle. Die folgende Tabelle ist eine vereinfachte Version der Vorlage, die ich mit meinen Kunden ausfülle. Gibt ein Angebot für eine Zeile keine klare Antwort, schreiben Sie „unklar“ in die Zelle. Ihre unklaren Zellen ergeben dann die Liste der Rückfragen an jede Agentur.
| Position | Zu klärende Frage | Warnsignal |
|---|---|---|
| Leistungsumfang | Wie viele Seiten, Vorlagen und Funktionen? | Vage Begriffe wie „Unternehmenswebsite“ |
| Design | Theme oder individuelles Design? | Keine Antwort auf die Frage nach dem Theme |
| Eigentum | Wer behält Domain, Code und Dateien? | Domain auf die Agentur registriert |
| Hosting | Preis ab Jahr zwei und Umzugsbedingungen? | Nur „Hosting gratis“ |
| Wartung | Reaktionszeit und enthaltene Stunden? | Wartung wird gar nicht erwähnt |
| SEO | Ist eine Weiterleitungsliste enthalten? | Nur die Floskel „SEO freundlich“ |
| Performance | Gibt es ein messbares Abnahmekriterium? | Versprechen wie „blitzschnell“ |
| Zahlung | Sind Zahlungen an Lieferungen gekoppelt? | Volle Zahlung im Voraus |
Ist die Tabelle ausgefüllt, scheidet oft ein Angebot von selbst aus. Die verbleibenden zwei oder drei trennen Sie dann mit der Bewertungsmethode aus dem nächsten Abschnitt.
Wie entscheiden Sie mit einer gewichteten Bewertungstabelle?
Die Vergleichstabelle zeigt Ihnen die Unterschiede. Sie sagt Ihnen allerdings nicht, welcher Unterschied am meisten zählt. Dafür nutze ich eine gewichtete Bewertung. Die Logik ist einfach: Sie geben jedem Kriterium ein Gewicht, bewerten jedes Angebot darin mit 1 bis 5 Punkten, multiplizieren und addieren.
Hier eine Beispielgewichtung, die Sie an Ihre Prioritäten anpassen: Klarheit des Umfangs 20 Prozent, Eigentum und Übergabe 20 Prozent, Team und Referenzen 15 Prozent, Wartung und Support 15 Prozent, SEO und Performance 15 Prozent, Gesamtkosten 15 Prozent. Dass der Preis nur 15 Prozent bekommt, ist Absicht. Der Preis soll zwischen sonst gleichwertigen Angeboten entscheiden.
Weiter mit einer Beispielrechnung: Angebot A erhält beim Umfang 4, beim Eigentum 5, beim Team 3, bei der Wartung 4, bei SEO 4 und bei den Kosten 2 Punkte. Die gewichtete Summe ergibt 0,8 + 1,0 + 0,45 + 0,6 + 0,6 + 0,3 = 3,75. Holt Angebot B bei den Kosten 5, beim Eigentum aber nur 2 Punkte, landet es meist unter A. Der Prozentrechner beschleunigt die Rechnung. Der eigentliche Nutzen liegt jedoch woanders: Sie können Ihrem Team die Entscheidung mit Gründen erklären.
Wann ist das günstigste Angebot tatsächlich die richtige Wahl?
Das günstigste Angebot automatisch abzulehnen, ist ebenfalls ein Fehler. Manchmal ist der niedrigste Preis genau richtig. Ein junges Unternehmen, das einen Markt testen will, braucht zum Beispiel oft nur wenige Seiten. Dort ist eine Seite auf Basis eines Themes, die schnell online geht, sinnvoll. Das Budget fließt dann besser in Traffic und Inhalte statt in die Seite selbst.
Damit das günstige Angebot die richtige Wahl ist, müssen drei Bedingungen erfüllt sein. Domain und Inhalte bleiben bei Ihnen. Die Seite bleibt übertragbar. Und das Angebot sagt klar, was es nicht enthält. Stimmen alle drei, ist das Risiko eines niedrigen Preises begrenzt. Schlimmstenfalls bauen Sie in ein bis zwei Jahren neu.
Soll die Seite dagegen direkt Verkäufe oder Anfragen bringen, ändert sich das Bild. Eine Seite, die konvertiert, braucht durchdachte Arbeit von der Seitenstruktur bis zum Formular. Was dazugehört, erkläre ich unter conversionorientiertes Webdesign. Bei so einem Projekt bedeutet das günstigste Angebot kurzfristig Ersparnis und langfristig verlorene Kunden.
Wie prüfen Sie Referenzen und Portfolio?
Ein Portfolio ist ein Schaufenster. Allerdings zeigt ein Schaufenster nicht immer, was im Laden passiert. Schauen Sie sich Referenzen also nicht nur an, sondern prüfen Sie sie. Ich empfehle deshalb drei Schritte.
Erstens öffnen Sie zwei oder drei Seiten aus dem Portfolio. Prüfen Sie, ob sie noch online sind und mobil sauber funktionieren. Zweitens kontaktieren Sie einen dieser Seitenbetreiber, am besten über einen Kanal, den die Agentur Ihnen nicht genannt hat. Stellen Sie eine kurze Frage: „Hatten Sie nach dem Livegang Support, und wie schnell hat die Agentur Probleme gelöst?“ Schließlich fragen Sie, wer Ihr Projekt tatsächlich umsetzt. Die erfahrenen Leute im Verkaufsgespräch sind nicht immer die, die später die Arbeit machen.
Prüfen Sie außerdem: Passen die Referenzen zu Ihrer Branche und Größe? Ein Hersteller mit Händlernetz und Export braucht etwas ganz anderes als ein Café. Diese Unterschiede beschreibe ich im Beitrag zur Website für Industrieunternehmen. Ein Team, das Ähnliches schon gebaut hat, braucht bei Ihrem Projekt folglich weniger Versuch und Irrtum.
Welche Fragen stellen Sie im Angebotsgespräch?
Egal wie gut das schriftliche Angebot ist, ein kurzes Gespräch klärt vieles. Nutzen Sie die folgenden Fragen zur Vorbereitung. Es geht dabei nicht darum, die Agentur in die Enge zu treiben. Vielmehr sollen versteckte Annahmen an die Oberfläche kommen.
- Wer betreut das Projekt im Alltag, und wie erreiche ich diese Person?
- Was passiert, wenn ich nach der Designfreigabe Änderungen möchte?
- Auf welcher Plattform bauen Sie, und warum haben Sie sie gewählt?
- Wie gehen Sie mit Fehlern im ersten Monat nach dem Livegang um?
- Wenn der Vertrag endet: In welchem Format und wie schnell bekomme ich alle Dateien?
- Welche drei Wünsche äußern Kunden oft, die dieser Preis nicht abdeckt?
- Was war das größte Problem bei einem ähnlichen Projekt, und wie haben Sie es gelöst?
Frage sechs ist übrigens meine liebste, denn sie trennt schnell. Eine ehrliche Agentur beantwortet sie sofort, denn sie weiß, welche Wünsche später kommen. Weicht eine Agentur aus oder sagt „alles inklusive“, ist sie entweder unerfahren oder will diese Punkte später besprechen. Ebenso zeigt die letzte Frage, ob die Agentur aus Fehlern lernt.
Was müssen Sie vor dem Vertrag festhalten?
Ein Angebot ist eine Absichtserklärung. Bindend ist dagegen erst der Vertrag, denn nur er verpflichtet beide Seiten. Achten Sie also darauf, dass jede Bedingung des gewählten Angebots vollständig in den Vertrag übergeht. Auch mündliche Zusagen aus dem Gespräch gehören schriftlich festgehalten. Ich rate meinen Kunden, nach jedem Termin eine kurze Zusammenfassung per E-Mail zu schicken und sie von der Agentur bestätigen zu lassen.
Prüfen Sie im Vertrag besonders diese Klauseln: Nutzungsrechte und Übertragung, Vertraulichkeit, Verarbeitung personenbezogener Daten aus Formularen, Folgen von Verzug, Kündigung samt Übergabe sowie den Gerichtsstand. Für die Formulardaten braucht es in der Regel einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach DSGVO. Für diesen Teil ist juristischer Rat der sicherste Weg.
Legen Sie außerdem das Abnahmeverfahren fest. Wie viele Tage haben Sie nach der Übergabe zum Testen? Wie melden Sie Fehler? Wann gilt die Arbeit als abgenommen? Fehlen diese Punkte, entsteht oft eine lange Pause zwischen letzter Zahlung und letzter Korrektur. Ein klares Abnahmeverfahren schützt somit beide Seiten.
Welche Fehler machen Käufer beim Webdesign Angebot am häufigsten?
Über die Jahre sehe ich beim Webdesign Angebot immer wieder dieselben Fehler. Der erste: nur den Gesamtpreis vergleichen. Ein weiterer: die Eigentumsregeln nie lesen. Außerdem rechnen viele nur das erste Jahr und vergessen die folgenden.
Gerade der letzte Fehler ist verbreitet. Ein Angebot wirkt zum Beispiel im ersten Jahr günstig. Dann heben Lizenzverlängerungen, Wartung und Hosting die Summe über drei Jahre über die der Konkurrenz. Deshalb empfehle ich, die Gesamtkosten über drei Jahre zu vergleichen. Als Beispielrechnung addieren Sie Einrichtung plus drei Jahre Hosting, Wartung und Lizenzen und vergleichen dann diese Summe.
Der vierte Fehler: Die echten Nutzer der Seite bleiben bei der Entscheidung außen vor. Was braucht Ihr Vertrieb aus dem Formular? Welche Fragen hört der Kundenservice jede Woche? Fehlt dieser Input im Briefing, beantwortet selbst das beste Angebot die falsche Frage. Wenn Sie eine unabhängige Zweitmeinung möchten, prüfe ich Angebote auch im Rahmen meiner Leistung Webdesign. Mein Ziel ist dabei nicht, Ihnen eine Option zu verkaufen, sondern Ihre Wahl klarer zu machen.




