Digitales Marketing

Was ist GA4? Google Analytics 4 einfach erklärt und seine Vorteile

Talha AslanTalha Aslan 18 Min. Lesezeit

GA4, also Google Analytics 4, ist das kostenlose Messwerkzeug von Google für Websites und Apps. Ich richte seit 2012 Webanalyse für Kundenprojekte ein, und eine Erfahrung wiederholt sich ständig. Richten Sie GA4 sauber ein, sehen Sie, was Ihre Website tatsächlich für Ihr Geschäft leistet. Richten Sie es dagegen schlampig ein, dann liefert es hübsche Diagramme ohne Aussagekraft.

In diesem Beitrag vergleiche ich deshalb keine Analysetools. Stattdessen geht es um die Denkweise von GA4 selbst: das ereignisbasierte Modell, die wichtigsten Berichte, Schlüsselereignisse, BigQuery und den Einwilligungsmodus. Am Ende sollen Sie also wissen, was Sie in der Oberfläche sehen und welchen Zahlen Sie trauen können.

Was ist GA4 und wofür nutzen Sie es?

GA4 ist die Version von Google Analytics, die jede Nutzerinteraktion auf Website oder App als "Ereignis" erfasst. Seitenaufrufe, Scrollen, Formularversand und Käufe folgen somit derselben Ereignisstruktur. Dadurch messen Sie also Traffic Quellen, Content Leistung und Conversion Wege mit einem einheitlichen Datenmodell.

Konkret beantwortet GA4 drei Fragen. Woher kam der Besucher? Was hat er auf der Seite getan? Hat er einen Schritt gemacht, der für Ihr Geschäft zählt? Allerdings hängt die Qualität dieser Antworten komplett von Ihrer Einrichtung ab. Definieren Sie etwa den Formularversand nicht als eigenes Ereignis, kennt GA4 nur die Zahl der Aufrufe der Formularseite.

Zudem ist GA4 kein Einzelwerkzeug. Es steht im Zentrum eines Ökosystems, und Sie verbinden es mit Google Ads, der Search Console und BigQuery. Deshalb sollte Ihr Messkonzept auch Werbe und SEO Entscheidungen dienen, nicht nur dem Analyseteam.

Warum endete Universal Analytics, und was hat GA4 verändert?

Universal Analytics hat in Standard Properties am 1. Juli 2023 aufgehört, neue Daten zu verarbeiten. Die Begründung von Google war zunächst klar. Das alte Modell passte nicht mehr zu einer Welt mit weniger Cookies und Menschen, die zwischen mehreren Geräten wechseln. Außerdem ließ sich die sitzungs und seitenbasierte Struktur nicht mit App Daten zusammenführen.

GA4 hat diese Struktur daher umgedreht. Früher gab es eigene "Hit Typen" für Seitenaufrufe, Ereignisse und E-Commerce Transaktionen. Heute steht dann alles unter einem Dach, als Ereignis mit Parametern. Somit erfasst GA4 einen Seitenaufruf und einen Kauf nach genau derselben Logik.

Am meisten überrascht meine Kunden die Absprungrate. In der alten Version galt jeder Besuch mit nur einer Seite als Absprung. In GA4 ist die Absprungrate dagegen der Anteil der Sitzungen ohne Interaktion. Also führt ein direkter Vergleich alter und neuer Berichte meist in die Irre.

Wie funktioniert das ereignisbasierte Datenmodell?

Jeder Datensatz in GA4 ist ein Ereignis, und jedes Ereignis trägt Parameter. Das Ereignis "page_view" sendet zum Beispiel Adresse und Titel der Seite. Das Ereignis "purchase" enthält zudem Bestellwert, Währung und die Liste der Artikel. Die Berichte fassen diese Ereignisse und Parameter dann zusammen.

In der Praxis ist die Stärke dieses Modells seine Flexibilität. Konkret können Sie eigene Ereignisse definieren und beliebige Parameter anhängen. Ergänzen Sie etwa ein Anfrageereignis um den Parameter "leistung", sehen Sie später, welche Leistung die meisten Anfragen bringt.

Allerdings hat diese Flexibilität ihren Preis. Damit ein Parameter in den Standardberichten erscheint, müssen Sie ihn als benutzerdefinierte Dimension registrieren. Lassen Sie das aus, sammelt GA4 die Daten zwar, zeigt sie aber nirgends an. Genau das ist die häufigste Enttäuschung, die ich in Projekten höre: "Die Daten gehen raus, aber ich finde sie nicht."

  • Ereignis: eine Aktion des Nutzers, etwa ein Seitenaufruf oder ein Formularversand.
  • Parameter: ein Detail dieses Ereignisses, etwa die Seitenadresse oder der Bestellwert.
  • Nutzereigenschaft: ein dauerhaftes Merkmal des Nutzers, etwa die Art der Mitgliedschaft.
  • Benutzerdefinierte Dimension: die Definition, die einen Parameter in Berichten sichtbar macht.

Welche Ereignisse erfasst GA4 automatisch?

Zunächst erfasst GA4 einige Ereignisse ohne Ihr Zutun. So kommen "first_visit" und "session_start" automatisch an. Außerdem gibt es die Einstellung "Optimierte Analysen". Ist sie aktiv, erfasst GA4 mehrere gängige Interaktionen ohne zusätzlichen Code.

  1. Seitenaufrufe (page_view).
  2. Scrollen, sobald jemand etwa 90 % der Seitentiefe erreicht (scroll).
  3. Klicks auf ausgehende Links (click).
  4. Ergebnisse der Websitesuche (view_search_results).
  5. Fortschritt bei eingebetteten YouTube Videos.
  6. Dateidownloads (file_download).
  7. Formularinteraktionen (form_start und form_submit).

Hier habe ich allerdings eine Warnung. Denn die automatische Formularmessung funktioniert nicht bei jedem Formular zuverlässig. Gerade bei Formularen ohne Neuladen der Seite oder bei Formularen von Drittanbietern sehe ich oft doppelte oder fehlende Zählungen. Daher messe ich geschäftskritische Formulare immer mit einem eigenen Ereignis, häufig über den Google Tag Manager.

Zudem können Sie jede Option der optimierten Analysen einzeln ein und ausschalten. Hat Ihre Website keine eingebetteten Videos, hält das Abschalten der Videomessung die Berichte schlank. Prüfen Sie bei der Websitesuche außerdem den Namen des Suchparameters, denn sonst verpasst GA4 Ihre Suchanfragen. Kurz gesagt: Optimierte Analysen sind ein guter Start, ersetzen aber kein Messkonzept.

Wie berechnet GA4 Sitzungen und Interaktionsrate?

Eine Sitzung in GA4 beginnt mit dem Ereignis "session_start" und endet standardmäßig nach 30 Minuten Inaktivität. Die Hilfeseite von Google zu Sitzungen definiert auch die Sitzung mit Interaktion. Das ist eine Sitzung, die länger als 10 Sekunden dauert, ein Schlüsselereignis enthält oder mindestens zwei Seiten oder Bildschirmaufrufe hat.

Die Interaktionsrate ist der Anteil dieser Sitzungen an allen Sitzungen. Die Absprungrate ist also einfach das Gegenteil. Liegt die Interaktionsrate also bei 60 %, beträgt die Absprungrate 40 %. Diese Definition ist zudem deutlich fairer als die alte Logik. Denn wer einen Blogartikel drei Minuten liest und dann geht, zählt nicht mehr als gescheiterter Besuch.

Trotzdem braucht auch diese Kennzahl Einordnung. Soll eine Seite zum Anruf führen, tippt ein Besucher vielleicht nach fünf Sekunden auf die Nummer und geht. Markieren Sie in diesem Fall den Anrufklick als Schlüsselereignis, dann wertet GA4 die Sitzung als interaktiv. Konkrete Wege zu einer niedrigeren Absprungrate beschreibe ich im Beitrag Absprungrate auf der Firmenwebsite senken.

Wo finden Sie die wichtigsten Berichte, und was zeigen sie?

Die Oberfläche von GA4 wirkt anfangs unübersichtlich, die Logik ist aber einfach. Der Bereich "Berichte" im linken Menü enthält fertige Zusammenfassungen. Unter "Explorative Datenanalysen" finden Sie dagegen Ihre eigenen Auswertungen. Für die tägliche Kontrolle reichen daher den meisten Unternehmen wenige Berichte.

BerichtWas er zeigtWelche Frage er beantwortet
Akquisition: TrafficakquisitionSitzungen nach Quelle und KanalWoher kommen die Besucher?
Akquisition: NutzerakquisitionErster Kanal neuer NutzerWelcher Kanal bringt neue Zielgruppen?
Engagement: Seiten und BildschirmeAufrufe und Interaktionszeit je SeiteWelche Inhalte lesen die Leute?
Engagement: EreignisseAnzahl aller EreignisseFunktioniert die Messung korrekt?
MonetarisierungE-Commerce Umsatz und ProduktleistungWas hat sich verkauft, und was hat es eingebracht?
BindungWiederkehrende NutzerKommen Besucher zurück?

Mein Rat: Konzentrieren Sie sich im ersten Monat nur auf die Trafficakquisition und den Ereignisbericht. So beobachten Sie dann gleichzeitig Ihre Kanäle und den Zustand Ihrer Messung. Die allgemeine Logik beim Lesen von Berichten erkläre ich zudem in Marketing Report richtig lesen.

Wann brauchen Sie explorative Datenanalysen?

Standardberichte beantworten die Frage "Was ist passiert?". Mit explorativen Analysen gehen Sie dagegen der Frage "Warum?" nach. Es gibt Vorlagen wie freies Format, Trichteranalyse, Pfadanalyse, Segmentüberschneidung und Kohortenanalyse. Eine Trichteranalyse zeigt zum Beispiel, wie viele Menschen Sie zwischen Produktseite und Kasse bei jedem Schritt verlieren.

Die Pfadanalyse funktioniert außerdem auch rückwärts. Starten Sie bei einer Angebotsanfrage und verfolgen Sie, welche Seiten die Leute davor gelesen haben. Bei der Content Planung liefert mir diese Analyse oft klarere Hinweise als ein Keyword Tool.

Allerdings haben explorative Analysen zwei Grenzen. Erstens hängen sie von der Aufbewahrungsdauer ab; ältere Daten auf Ereignisebene verschwinden aus ihnen. Zweitens kann bei großen Datenmengen eine Stichprobe greifen. Deshalb prüfe ich Daten aus einem zweiten Blickwinkel, bevor ich eine wichtige Entscheidung auf eine einzige Analyse stütze. Wie Sie Trichterdenken auf Ihre Website übertragen, lesen Sie im Beitrag Was ist ein Conversion Funnel.

Warum heißen Conversions in GA4 jetzt "Schlüsselereignisse"?

Anfang 2024 hat Google die "Conversions" in GA4 in "Schlüsselereignisse" umbenannt. Den Begriff "Conversion" nutzt Google seitdem für Google Ads, also für die Messung, die Gebotsstrategien steuert. In GA4 markieren Sie somit geschäftlich wichtige Ereignisse als Schlüsselereignisse. Diejenigen, die Sie für Gebote brauchen, importieren Sie dann als Conversions in Google Ads.

Diese Trennung verwirrt anfangs, ist aber sinnvoll. Denn nicht jedes wichtige Ereignis eignet sich für die Gebotsoptimierung. Der "Aufruf der Preisseite" kann etwa ein wertvolles Schlüsselereignis für die Analyse sein. Machen Sie ihn aber zur primären Conversion in Google Ads, jagt das System Seitenaufrufen hinterher statt Verkäufen.

Daher empfehle ich zwei getrennte Listen: eine breite Liste von Schlüsselereignissen in GA4 und eine schmale Liste von Google Ads Conversions nah am echten Umsatz.

Welche Ereignisse sollten Sie als Schlüsselereignisse markieren?

Die Auswahl hängt von Ihrem Geschäftsmodell ab. Die Regel ist einfach: Jedes markierte Ereignis sollte nah an einem echten Geschäftsergebnis liegen. Den gesamten Prozess der Zieldefinition, inklusive Makro und Mikro Conversions, beschreibe ich im Leitfaden Conversion Ziele festlegen. Hier fasse ich nur die praktischen Entscheidungen in GA4 zusammen.

  • E-Commerce: purchase als primäres Ereignis; begin_checkout und add_to_cart für die Analyse.
  • Dienstleister: Angebotsanfragen, Klicks auf die Telefonnummer und WhatsApp Klicks.
  • SaaS: Registrierungen für Testphasen, Demoanfragen und Wechsel in einen bezahlten Tarif.
  • Content Website: Newsletter Anmeldungen, Dateidownloads und intensive Lesesitzungen.

Außerdem sollten Sie jedem Schlüsselereignis nach Möglichkeit einen Wert zuweisen. Eine Beispielrechnung: Werden 20 % der Anfragen zu Aufträgen und liegt der durchschnittliche Auftrag bei 5.000 Euro, können Sie jeder Anfrage 1.000 Euro zuweisen. Somit vergleichen Sie Kanäle künftig in Geld statt in bloßen Stückzahlen.

Was bringt die Verknüpfung von GA4 mit Google Ads?

Verknüpfen Sie Ihre GA4 Property mit einem Google Ads Konto, profitieren Sie in beide Richtungen. Einerseits erscheinen Klicks, Kosten und Kampagnennamen in den Berichten von GA4. Andererseits importieren Sie Schlüsselereignisse als Conversions in Google Ads und nutzen Zielgruppen aus GA4 für Remarketing.

Dabei passiert jedoch ein typischer Fehler. Manche Werbetreibende messen dieselbe Aktion mit dem Google Ads Tag und zusätzlich mit einer importierten Conversion aus GA4 und setzen beide auf primär. Google dedupliziert diese zwei getrennten Quellen nicht automatisch. Die Folge sind aufgeblähte Conversion Zahlen und eine Gebotsstrategie, die das Falsche lernt. Deshalb wähle ich für jede Aktion genau eine primäre Quelle.

Möchten Sie Kampagnen, Budget und Messung aus einer Hand, sehen Sie sich meine Google Ads Verwaltung an. Für eine schnelle Renditeprüfung eignet sich der ROAS Rechner.

Warum sind Kanalgruppierung und UTM Parameter so wichtig?

GA4 ordnet jede Sitzung anhand von Quelle, Medium und Kampagne einer Standard Kanalgruppe zu. Typische Gruppen sind etwa Organic Search, Paid Search, Organic Social, E-Mail und Referral. Diese Zuordnung beruht auf den UTM Parametern Ihrer Links.

Genau hier liegt das Problem. Ein Instagram Link ohne UTM Parameter landet oft unter Referral oder sogar unter Direct. Dadurch verschwindet der Beitrag von Social Media still aus Ihren Berichten. Dasselbe gilt für Newsletter und WhatsApp Weiterleitungen.

Die Lösung heißt konsequente Kennzeichnung. Legen Sie ein kleines, kleingeschriebenes Vokabular für Quelle und Medium fest. Schreiben Sie zum Beispiel immer "instagram" und wechseln Sie nie zwischen "Instagram" und "ig". Statt Links von Hand zu tippen, erzeugen Sie sie am besten mit dem UTM Generator; so vermeiden Sie die meisten Tippfehler.

Wann brauchen Sie den BigQuery Export?

Die Verknüpfung mit BigQuery überträgt die Rohdaten der Ereignisse aus GA4 in ein Data Warehouse in Google Cloud. Sie brauchen sie, sobald die Oberfläche Sie ausbremst. Wollen Sie etwa Daten auf Ereignisebene jenseits der Aufbewahrungsdauer auswerten oder GA4 Daten mit CRM Datensätzen verbinden, ist BigQuery fast unverzichtbar.

Laut der Hilfeseite zum BigQuery Export gilt für Standard Properties ein tägliches Exportlimit von 1 Million Ereignissen, während der Streaming Export kein solches Limit hat. Überschreiten Sie das Limit dauerhaft, kann Google den täglichen Export pausieren. Der Export selbst kostet in einer Standard Property nichts. Speicher und Abfragekosten in BigQuery erscheinen aber auf Ihrer Google Cloud Rechnung.

Meine Praxis ist einfach. Bei jeder Property mit nennenswertem E-Commerce Volumen oder Werbebudget aktiviere ich die Verknüpfung ab dem ersten Tag. Denn BigQuery füllt keine Vergangenheit nach, sondern sammelt erst ab dem Tag der Verbindung. Auch wenn Sie die Daten heute nicht brauchen, können sie in einem Jahr sehr wertvoll sein.

Wie beeinflusst der Einwilligungsmodus die Daten in GA4?

Der Einwilligungsmodus (Consent Mode) steuert, wie sich Google Tags bei Nutzern verhalten, die Cookies ablehnen. Die Dokumentation von Google zum Einwilligungsmodus beschreibt zwei Varianten. Im einfachen Modus laden die Tags erst, wenn eine Einwilligung vorliegt. Im erweiterten Modus senden sie ohne Einwilligung cookielose Signale ohne Kennungen.

Mit Version 2 kamen die Parameter "ad_user_data" und "ad_personalization" hinzu. Sie spielen inzwischen eine entscheidende Rolle für Werbefunktionen bei Nutzern im Europäischen Wirtschaftsraum.

Den Cookie Banner sollten Sie gemeinsam mit Ihrer Rechtsberatung gestalten, denn das ist eine rechtliche Entscheidung. Mein technischer Hinweis lautet: Bei niedriger Einwilligungsquote liegen Nutzer und Sitzungszahlen in GA4 unter Ihrem echten Traffic. Geraten Sie also nicht in Panik, wenn ein Bericht nach einer Banneränderung "einbricht". Prüfen Sie zunächst die Einwilligungsquote.

Wie verändern Aufbewahrungsdauer und Schwellenwerte Ihre Berichte?

In Standard Properties können Sie GA4 so einstellen, dass es Daten auf Ereignisebene 2 oder 14 Monate aufbewahrt. Viele Konten laufen allerdings noch mit 2 Monaten. Diese Einstellung betrifft die Standardberichte nicht. Sie begrenzt jedoch direkt, wie weit Sie in explorativen Analysen zurückblicken. Deshalb stelle ich bei jeder neuen Property als Erstes auf 14 Monate um.

Schwellenwerte sind ein eigenes Thema. Sind Google Signale aktiv oder sind Nutzergruppen klein, blendet GA4 manche Zeilen aus, um eine Identifizierung zu verhindern. Sehen Sie in der Ecke eines Berichts ein Warnsymbol, greift ein Schwellenwert.

Als praktische Lösung können Sie die Berichtsidentität anpassen. Zudem macht ein längerer Zeitraum ausgeblendete Zeilen oft wieder sichtbar. Kleine Websites trifft das häufig, also prüfen Sie den Warnhinweis, bevor Sie von verlorenen Daten ausgehen.

Wofür nutzen Sie benutzerdefinierte Dimensionen und Zielgruppen?

Eine benutzerdefinierte Dimension macht einen selbst gesendeten Parameter in Berichten nutzbar. Ergänzen Sie Ihre Blogartikel etwa um die Parameter "autor" oder "thema". Dann sehen Sie, welche Themen die meisten Schlüsselereignisse auslösen. So planen Sie Ihren Redaktionskalender mit Daten statt mit Bauchgefühl.

Zielgruppen hingegen sind Gruppen von Nutzern, die bestimmte Bedingungen erfüllen. Sie definieren beispielsweise "hat die Preisseite gesehen, aber kein Formular gesendet". Diese Zielgruppe nutzen Sie dann für Remarketing in Google Ads. Wo das im Funnel ansetzt, erkläre ich im Beitrag Remarketing im Sales Funnel.

Beachten Sie dabei einen Punkt. Die meisten Zielgruppen füllen sich nicht rückwirkend, sondern sammeln Mitglieder ab dem Moment der Erstellung. Folglich lohnt es sich, benötigte Zielgruppen früh anzulegen. Außerdem stoßen kleine Zielgruppen auf der Werbeseite an Mindestgrößen. Kurz gesagt: Wochen vor einer Kampagne vorbereitete Zielgruppen sparen Ihnen Zeit.

Wie richten Sie GA4 in einem Onlineshop ein?

Im E-Commerce hängt der Nutzen von GA4 davon ab, dass Sie die empfohlenen E-Commerce Ereignisse vollständig senden. Google schlägt feste Namen vor, etwa view_item, add_to_cart, begin_checkout, add_payment_info und purchase. Verwenden Sie diese Namen, füllen sich die Monetarisierungsberichte von selbst. Erfinden Sie eigene Namen, bleiben diese Berichte leer.

Ich prüfe drei Dinge. Erstens muss das Ereignis purchase immer eine Bestellnummer (transaction_id) enthalten, denn GA4 nutzt sie, um doppelte Käufe auszufiltern. Zweitens sollten Steuern und Versand einer einheitlichen Regel folgen. Drittens sollte jedes Ereignis die Währung ausdrücklich angeben.

Leitet der Checkout auf eine andere Domain um, sollten Sie außerdem die Domaineinstellungen prüfen, damit die Sitzung bei der Rückkehr nicht zerfällt. Andernfalls schreibt GA4 Verkäufe der Zahlungsseite zu statt Anzeigen oder organischer Suche. Möchten Sie die Messung gemeinsam mit Ihrer Vertriebsstrategie angehen, finden Sie mehr in meiner E-Commerce Beratung.

Was passiert, wenn Sie GA4 ohne Messkonzept einrichten?

Ein Messkonzept ist ein einfaches Dokument, in dem Sie vorab festhalten, welche Frage welches Ereignis beantwortet. Überspringen Sie es, landen Sie meist in einem von zwei Extremen. Entweder definieren Sie gar keine eigenen Ereignisse und GA4 zählt nur Traffic. Oder Sie machen aus jedem Klick ein Ereignis, und die Berichte werden zu bedeutungslosem Rauschen.

Mein Konzept passt auf eine Seite. Links steht die Geschäftsfrage, in der Mitte Ereignisname und Parameter, rechts die Angabe, ob es ein Schlüsselereignis ist. Die Frage "Welche Leistung bringt die meisten Anfragen?" passt dann etwa zum Ereignis "generate_lead" mit dem Parameter "leistung". Dadurch nutzt jeder im Team dieselben Namen.

Überprüfen Sie dieses Dokument einmal im Jahr. Websites ändern sich, und mit ihnen Formulare, Buttons und Ziele. Pflegen Sie das Konzept nicht, messen nach einem Jahr womöglich die Hälfte Ihrer Berichte Buttons, die es nicht mehr gibt.

Die häufigsten Fehler bei der Einrichtung von GA4

Übernehme ich Konten, finde ich immer wieder dieselben Fehler. Technisch wirken die meisten klein, in den Berichten richten sie aber großen Schaden an. Die folgende Liste zeigt, was ich bei einem Audit einer GA4 Property zuerst prüfe.

  1. Doppeltes Laden: Das Tag steckt im Theme und zusätzlich im Tag Manager. Ergebnis sind doppelte Seitenaufrufe.
  2. Ihre eigene Zahlungs oder Buchungsdomain erscheint als Referral. Dann schreibt GA4 Verkäufe dem Zahlungsanbieter zu.
  3. Niemand filtert internen Traffic aus Büro, Agentur oder Entwicklung.
  4. Die Aufbewahrungsdauer bleibt bei 2 Monaten.
  5. Testbestellungen mischen sich mit echten Daten.
  6. Ein Schlüsselereignis hängt am falschen Ereignis, etwa am Aufruf der Formularseite statt am Versand.

Um die meisten davon zu finden, reichen der Echtzeitbericht und DebugView. Senden Sie von Ihrem eigenen Gerät ein Testformular und prüfen Sie, dass das Ereignis genau einmal ankommt. Das klingt banal, dennoch macht diesen Test kaum ein Team. Wiederholen Sie ihn nach jeder größeren Änderung, jedem neuen Formular und jedem Wechsel des Zahlungsanbieters. Mich kostet das etwa eine halbe Stunde, monatelang falsche Daten kosten deutlich mehr.

Welche Vorteile bietet Ihnen GA4?

Fasse ich den geschäftlichen Nutzen zusammen, bietet GA4 mehrere handfeste Vorteile. Erstens ist es kostenlos, und eine Standard Property deckt den Bedarf der meisten kleinen und mittleren Unternehmen. Zweitens ist es direkt mit Google Ads integriert, sodass Sie Zielgruppen und Conversions mit wenigen Klicks teilen.

Drittens erlaubt das Ereignismodell, Web und App Daten in einer Property zusammenzuführen. Viertens steht der BigQuery Export auch Standard Properties offen; früher bot ihn nur die kostenpflichtige Version. Fünftens beschreiben Kennzahlen wie die Interaktionsrate das Besucherverhalten fairer.

Zudem können Sie GA4 mit der Search Console verbinden. Dann sehen Sie organische Suchanfragen und Zielseiten direkt neben den Analysedaten. Die Search Console selbst erkläre ich in meiner Anleitung für Einsteiger. Kurz gesagt liegt der größte Vorteil von GA4 darin, dass es Ihre Marketingentscheidungen bei sauberer Einrichtung in eine gemeinsame Messsprache bringt.

Wo liegen die Grenzen und Nachteile von GA4?

Ehrlich gesagt ist GA4 nicht perfekt. Teams, die an die alte Version gewöhnt sind, tun sich mit der Oberfläche weiterhin schwer. Selbst einfache Fragen erfordern manchmal einen eigenen Bericht oder eine explorative Analyse. Außerdem stimmt GA4 wegen abgelehnter Einwilligungen und Werbeblockern nie exakt mit Serverlogs oder CRM überein.

Deshalb präsentiere ich GA4 meinen Kunden als verlässlichen Trendindikator, nicht als vollständige Wahrheit. Die exakte Zahl der Bestellungen liefert Ihr Shopsystem oder Ihre Buchhaltung. GA4 zeigt Ihnen dagegen, aus welchen Kanälen und Inhalten diese Bestellungen kamen.

Berücksichtigen Sie zudem Schwellenwerte, Stichproben und Aufbewahrungsdauer. Werden diese Grenzen spürbar, lautet die Antwort meist BigQuery plus eine Reportingebene. Die Lücken lassen sich also oft mit Zusatzwerkzeugen schließen, das kostet aber Wissen und Zeit.

Mit welchen KPIs sollten Sie Daten aus GA4 lesen?

GA4 bietet Hunderte Messwerte, für Entscheidungen genügen aber wenige. Ich schaue meist auf Sitzungen je Kanal, Interaktionsrate, Anzahl und Rate der Schlüsselereignisse sowie, falls vorhanden, den Umsatz. Zusammen zeigen diese fünf Werte Traffic, Qualität und Ergebnis jedes Kanals.

Bringt ein Kanal zum Beispiel viele Sitzungen bei niedriger Interaktionsrate, passen Ausrichtung oder Zielseite nicht. Umgekehrt ist ein Kanal mit wenigen Sitzungen und hoher Rate an Schlüsselereignissen ein starker Kandidat für mehr Budget.

Welche Kennzahl zu welchem Ziel gehört, beschreibe ich im Beitrag Online Marketing KPIs. Entscheidend ist, jeden Monat dieselben Kennzahlen mit denselben Definitionen zu verfolgen, damit Sie Veränderungen wirklich erkennen.

Was sollten Sie in den ersten 30 Tagen einer neuen GA4 Property tun?

Bei jeder Property, die ich einrichte oder übernehme, folge ich derselben Reihenfolge. So haben Sie am Ende des ersten Monats eine verlässliche Basis.

  • Tag eins: Tag aus einer einzigen Quelle laden, Aufbewahrung auf 14 Monate stellen, internen Traffic definieren.
  • Erste Woche: kritische Ereignisse testen, Schlüsselereignisse markieren, Werte zuweisen.
  • Danach Google Ads und Search Console verknüpfen und BigQuery aktivieren.
  • In Woche drei das UTM Vokabular im Team teilen und ungekennzeichnete Kampagnen korrigieren.
  • Zum Monatsende den ersten Bericht ziehen und mit CRM oder Bestelldaten vergleichen.

Dieser letzte Schritt ist besonders wichtig. Bleibt die Abweichung zwischen GA4 und echten Verkäufen in einem vernünftigen Rahmen, ist Ihre Messung gesund. Ist sie groß, steckt meist einer der oben genannten Fehler dahinter. Wiederholen Sie diesen Vergleich daher jedes Quartal. Notieren Sie die Abweichung monatlich in einer Tabelle, dann erkennen Sie Messprobleme viel früher.

Fazit: So holen Sie echten Nutzen aus GA4

GA4 ist ein starkes Werkzeug, schafft aber nicht von allein Wert. Der Wert entsteht durch die Ereignisse, die Sie definieren, die Schlüsselereignisse, die Sie wählen, und eine disziplinierte Kennzeichnung. Sobald Sie das Ereignismodell verstehen, ergeben auch die Berichte Sinn.

Mein Rat lautet deshalb: Starten Sie mit einem kleinen, aber korrekten Messkonzept. Drei oder vier Schlüsselereignisse, ein sauberes UTM System und 14 Monate Aufbewahrung bilden für die meisten Unternehmen eine solide Basis. Danach vertiefen Sie mit BigQuery und eigenen Berichten, sobald der Bedarf wächst.

Möchten Sie die Messung gemeinsam mit Ihrer SEO Strategie angehen, besuchen Sie meine SEO Beratung oder schreiben Sie mir über die Kontaktseite.

Häufig gestellte Fragen

Ist GA4 kostenlos?
Ja, die Standardversion von GA4 ist kostenlos und deckt den Bedarf der meisten kleinen und mittleren Unternehmen. Für sehr hohe Datenmengen, längere Aufbewahrung und garantierte Servicelevel gibt es die kostenpflichtige Version Google Analytics 360. Der BigQuery Export funktioniert auch in Standard Properties, Speicher und Abfragen rechnet Google Cloud allerdings separat ab.
Warum weichen die Zahlen in GA4 von Universal Analytics ab?
Weil beide Versionen Kennzahlen unterschiedlich definieren. GA4 arbeitet ereignisbasiert und berechnet Sitzungen und Absprungrate auf eigene Weise. Die Absprungrate ist jetzt der Anteil der Sitzungen ohne Interaktion. Auch Einwilligungen und Filter verändern die Zahlen. Vergleichen Sie deshalb nicht direkt, sondern betrachten Sie den Trend innerhalb jeder Version.
Sind Schlüsselereignisse dasselbe wie Google Ads Conversions?
Nein, sie hängen zusammen, sind aber nicht identisch. Ein Schlüsselereignis markieren Sie in GA4 als geschäftlich wichtig. Eine Google Ads Conversion steuert dagegen die Gebotsstrategie. Sie können Schlüsselereignisse in Google Ads importieren. Messen Sie dieselbe Aktion jedoch aus zwei Quellen und setzen beide auf primär, verdoppeln sich die Zahlen.
Brauche ich den Google Tag Manager für GA4?
Zwingend nötig ist er nicht, ich empfehle ihn aber meistens. Auf einer einfachen Website reicht oft das direkt eingebaute Google Tag. Wollen Sie jedoch Formulare, Anrufklicks oder eigene Ereignisse messen, erlaubt der Tag Manager Änderungen ohne neuen Code Release. Dadurch bleiben Sie bei der Messung unabhängig von der Warteschlange der Entwickler.
Warum wirken meine Daten in GA4 unvollständig?
Die häufigsten Ursachen sind abgelehnte Cookie Einwilligungen, Werbeblocker, Schwellenwerte und eine fehlerhafte Einrichtung. Prüfen Sie zuerst, ob das Tag auf jeder Seite genau einmal lädt. Sehen Sie sich danach die Zustimmungsquote Ihres Banners an. Zeigt ein Bericht einen Schwellenwert, erweitern Sie den Zeitraum. Vergleichen Sie zuletzt mit Bestellungen oder CRM.
Wie lange sollte die Aufbewahrungsdauer in GA4 sein?
Standard Properties bieten 2 oder 14 Monate, und ich empfehle fast immer 14 Monate. Die Einstellung betrifft die Standardberichte nicht, bestimmt aber, wie weit Sie in explorativen Analysen auf Ereignisebene zurückblicken. Brauchen Sie Rohdaten für längere Zeiträume, aktivieren Sie den BigQuery Export, der Daten speichert, bis Sie sie selbst löschen.
#GA4#Google Analytics 4#Schlüsselereignisse#BigQuery#Consent Mode#Webanalyse
Teilen:
Talha Aslan
Talha Aslan

Google Partner und Experte für digitales Marketing. Seit 2012 praktisch in SEO, Google Ads, Webdesign und E-Commerce Projekten; jeder Beitrag hier stammt aus dieser Erfahrung.

Nächstes Projekt

Sprechen wir über Ihr Projekt.

Ihre Anfrage geht direkt an Talha Aslan und Team: Strategie von Talha, Umsetzung durch ein erfahrenes Team. Das Erstgespräch ist kostenlos, wir hören zu und melden uns mit einer klaren Roadmap.

WhatsApp Jetzt anrufen