Digitales Marketing

Wie Remarketing Ihren Sales Funnel stärkt: Retargeting Schritt für Schritt

Talha AslanTalha Aslan 19 Min. Lesezeit 2 Aufrufe

Wie stärkt Remarketing Ihren Sales Funnel?

Remarketing stärkt Ihren Sales Funnel, indem Sie Besucher, die Ihre Website ohne Kauf verlassen haben, nach Funnel Stufe in Listen einteilen und jede Stufe mit einer eigenen Botschaft erneut ansprechen. Die Regel lautet: Stufe, Listenregel, Botschaft, Laufzeit und Messung gehören zusammen. Fehlt ein Glied, verliert der Funnel Umsatz.

Ich arbeite seit 2012 im digitalen Marketing, betreue Konten aus Istanbul heraus und seit einigen Jahren auch Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dabei arbeite ich ohne Zwischenhändler. Deshalb sehe ich in übernommenen Konten immer wieder denselben Fehler: Eine einzige Liste, eine einzige Anzeige, 540 Tage Laufzeit.

Genau dieses Muster verschenkt Geld. Remarketing ist nämlich kein Trick, mit dem Sie Warenkorbabbrechern eine Anzeige hinterherschicken. Es ist stattdessen ein System, das jeder Funnel Stufe eine eigene Liste, eine eigene Botschaft und ein eigenes Budget zuweist. In diesem Ratgeber zeige ich Ihnen dieses System Schritt für Schritt, inklusive der Zahlen, auf die es ankommt.

Was ist Remarketing und worin unterscheidet es sich von Retargeting?

Remarketing bezeichnet das erneute Ansprechen von Menschen, die bereits mit Ihrer Marke in Kontakt standen: über die Website, eine App, ein Video oder eine Kundenliste. Retargeting meint in der Praxis also dasselbe. Allerdings hat jede Plattform ihren eigenen Begriff dafür, und das sorgt regelmäßig für Verwirrung.

  • Google Ads spricht von Datensegmenten, früher hießen sie Remarketing Listen.
  • Meta nennt dieselbe Funktion Custom Audiences, also benutzerdefinierte Zielgruppen.
  • LinkedIn fasst Website Besucher und Kontaktlisten unter Matched Audiences zusammen.

Das Prinzip bleibt überall gleich: Konkret erkennt ein Tag auf Ihrer Website den Besucher, eine Regel ordnet ihn einer Liste zu, und eine Kampagne spielt dieser Liste passende Anzeigen aus. Deshalb verwende ich in diesem Text Remarketing als Oberbegriff. Wichtig ist nicht der Name, sondern die Frage, welche Stufe des Funnels Sie gerade ansprechen.

Zudem hilft ein zweiter Blick auf die Quelle des Erstkontakts. Besucher aus organischer Suche verhalten sich zum Beispiel anders als Klicks aus Social Media. Wer über Inhalte kommt, die Sie mit einer sauberen SEO Beratung aufgebaut haben, steht meist noch am Anfang der Reise. Folglich braucht diese Gruppe eine andere Anzeige als jemand, der schon im Warenkorb war.

Warum verliert ein Sales Funnel ohne Remarketing so viele Käufer?

Ein Sales Funnel verliert die meisten Menschen kurz vor dem Ziel. Das Baymard Institute hat 50 Studien ausgewertet und nennt eine durchschnittliche Warenkorbabbruchrate von 70,22 Prozent. Sieben von zehn Personen legen also Produkte in den Korb und kaufen dann nicht.

Interessant sind vor allem die Gründe, sobald man die reinen Schaufensterbummler herausrechnet. Baymard listet unter anderem:

  • Zusatzkosten zu hoch: 40 Prozent.
  • Lieferung zu langsam: 20 Prozent.
  • Kein Vertrauen bei der Eingabe der Kartendaten: 19 Prozent.
  • Pflicht zur Kontoerstellung: 18 Prozent.
  • Zu langer oder komplizierter Bezahlvorgang: 17 Prozent.

Jeder dieser Gründe ist also ein Einwand. Und jeden Einwand können Sie mit einer passenden Remarketing Botschaft beantworten, statt einfach nur das Produktbild zu wiederholen. Allerdings löst eine Anzeige kein strukturelles Problem im Checkout. Daher prüfe ich in meiner E-Commerce Beratung zuerst den Bezahlprozess und erst danach die Kampagnen. Ein schneller, klarer Shop macht schließlich jede spätere Anzeige billiger.

Welche technische Basis braucht Remarketing?

Remarketing braucht drei Bausteine: ein Tag auf jeder Seite, saubere Ereignisse und eine Einwilligung des Besuchers. Ohne Tag gibt es keine Liste, ohne Ereignisse keine Funnel Stufen, und ohne Einwilligung riskieren Sie in der EU rechtliche Probleme. Konkret setzen Sie folgende Werkzeuge ein:

  • Das Google Tag für Google Ads Datensegmente und das Conversion Tracking.
  • GA4 Zielgruppen, die bei aktiver Verknüpfung automatisch an Google Ads fließen.
  • Das Meta Pixel für Facebook und Instagram.
  • Das LinkedIn Insight Tag für B2B Kampagnen.

Laut Google landet ein Besucher Sekunden nach dem Aufruf einer Seite mit Google Tag in der zugehörigen Liste, und jeder neue Besuch erneuert den Zeitstempel. In GA4 legen Sie pro Standard Property bis zu 100 Zielgruppen an. Sobald die Verknüpfung mit Google Ads steht und personalisierte Werbung aktiv ist, füllt Google diese Zielgruppen mit bis zu 30 Tagen Verlaufsdaten vor.

PlattformTag oder QuelleMindestgrößeMaximale LaufzeitTypischer Einsatz
Google AdsGoogle Tag100 aktive Nutzer in 30 Tagen540 TageSuche, Display, YouTube
GA4 ZielgruppenGA4 Ereignisse100 Zielgruppen pro Property540 TageAutomatische Übergabe an Google Ads
MetaMeta PixelKeine offizielle Zahl180 TageFacebook, Instagram
LinkedInInsight Tag300 Mitglieder365 TageB2B Entscheider

Außerdem gehört der Consent Mode dazu. Er sorgt dafür, dass Tags die Einwilligung respektieren und Google trotzdem modellierte Daten liefert.

Wie teilen Sie Remarketing Listen nach Funnel Stufen auf?

Remarketing Listen teilen Sie nach der Absicht auf, die ein Besucher durch sein Verhalten gezeigt hat. Ich arbeite mit vier Stufen: Aufmerksamkeit, Bewertung, Entscheidung und Bestandskunde. Jede Stufe bekommt eine eigene Regel, eine eigene Laufzeit und eine eigene Botschaft. Außerdem schließt jede Stufe die nächsthöhere aus, damit niemand zwei Anzeigen gleichzeitig sieht.

Funnel StufeListenregelStartbereich LaufzeitBotschaftAusschluss
AufmerksamkeitBlogleser, Videoaufrufe60 bis 90 TageWeiterführender Inhalt, RatgeberProduktseiten, Käufer
BewertungProdukt oder Leistungsseite30 TageNutzen, Vergleich, ReferenzenWarenkorb, Käufer
EntscheidungWarenkorb, Angebotsformular7 bis 14 TageEinwand beantworten, ErinnerungKäufer
BestandskundeKaufabschluss, CRM Liste90 bis 365 TageZusatzprodukt, NachkaufAktive Abonnenten

Die Laufzeiten sind allerdings Startbereiche aus meiner Praxis, keine Garantie. Denn ein Möbelhaus mit langen Entscheidungswegen braucht andere Fenster als ein Shop für Verbrauchsartikel. Deshalb prüfen Sie nach vier Wochen, wie sich die Conversion Rate pro Stufe entwickelt, und passen dann die Regeln an. Der Ausschluss der Käufer ist dabei die wichtigste Zeile der Tabelle.

Wie lange sollte eine Remarketing Liste laufen?

Die Laufzeit einer Remarketing Liste richtet sich nach der Entscheidungsdauer Ihrer Kunden. Google Ads setzt die Mitgliedschaft standardmäßig auf 30 Tage und erlaubt maximal 540 Tage. GA4 Zielgruppen laufen ebenfalls bis zu 540 Tage. Meta begrenzt die Aufbewahrung bei Website Zielgruppen dagegen auf 180 Tage.

Diese Maximalwerte sind allerdings keine Empfehlung. Wer alle Besucher 540 Tage lang sammelt, spricht Menschen an, die Ihr Angebot längst vergessen haben. Daher nutze ich folgende Startbereiche, jeweils als Erfahrungswert und nicht als Garantie:

  1. Warenkorb oder Angebotsformular: 7 bis 14 Tage, weil die Kaufabsicht schnell abkühlt.
  2. Produkt oder Leistungsseite: 30 Tage, passend zum Standard von Google.
  3. Blog und Ratgeber: 60 bis 90 Tage, denn diese Menschen brauchen mehr Kontaktpunkte.
  4. B2B Angebote mit langen Zyklen: 180 bis 365 Tage, dann jedoch mit niedriger Frequenz.

Zudem hilft ein einfacher Entscheidungsbaum: Je günstiger das Produkt, desto kürzer die Liste. Je mehr Personen an der Entscheidung beteiligt sind, desto länger darf sie laufen. Somit ergibt sich für einen Schuhshop ein anderes Bild als für einen Anbieter von Industriesoftware. Legen Sie außerdem pro Stufe zwei Listen mit unterschiedlicher Länge an, zum Beispiel 7 und 30 Tage. Dann können Sie die frische Gruppe aggressiver bieten als die ältere.

Können kleine Websites Remarketing nutzen?

Kleine Websites können Remarketing nutzen, sobald ihre Listen die Mindestgröße der jeweiligen Plattform erreichen. Bei Google Ads braucht eine Liste in Display, Suche und YouTube mindestens 100 aktive Nutzer in den letzten 30 Tagen. Für Customer Match gilt seit dem 1. Februar 2024 ebenfalls eine Schwelle von 100 aktiven Nutzern; ältere Listen unterliegen weiterhin der Regel von 1.000 abgeglichenen Nutzern.

LinkedIn ist dagegen deutlich strenger, denn dort zählt die Mitgliederzahl. Dort benötigt eine Zielgruppe mindestens 300 Mitgliederkonten, bevor Sie sie für Anzeigen einsetzen können. Konkret bedeutet das für eine Website mit 2.000 Besuchern im Monat: Eine reine Warenkorbliste mit sieben Tagen Laufzeit bleibt oft unter der Schwelle. Trotzdem gibt es Wege, die Listen zu füllen:

  • Erweitern Sie die Regel, zum Beispiel von einer einzelnen Produktseite auf die gesamte Kategorie.
  • Verlängern Sie das Fenster vorübergehend von 7 auf 30 Tage.
  • Bauen Sie in GA4 eine kombinierte Zielgruppe aus mehreren Signalen wie Scrolltiefe und Verweildauer.
  • Nutzen Sie eine Kundenliste aus dem CRM als Ergänzung.

Anders gesagt: Sie starten mit wenigen, breiteren Listen und verfeinern erst, wenn der Traffic wächst. Das ist für kleine Anbieter kein Nachteil, denn drei saubere Listen schlagen zwanzig leere Listen jederzeit.

Welche Botschaft überzeugt Warenkorbabbrecher?

Warenkorbabbrecher überzeugen Sie, indem Sie den konkreten Abbruchgrund ansprechen, statt nur das Produkt zu zeigen. Die Baymard Zahlen liefern dafür eine Landkarte. Jedem Grund steht eine klare Remarketing Botschaft gegenüber:

  • Zusatzkosten zu hoch: Zeigen Sie den Gesamtpreis inklusive Versand direkt in der Anzeige.
  • Lieferung zu langsam: Nennen Sie die konkrete Lieferzeit, etwa Versand innerhalb von 24 Stunden.
  • Misstrauen bei Kartendaten: Zeigen Sie Zahlungslogos, Käuferschutz und echte Bewertungen.
  • Kontozwang: Werben Sie mit dem Gastkauf und sagen Sie das ausdrücklich.
  • Komplizierter Checkout: Versprechen Sie drei Schritte bis zur Bestellung und halten Sie es ein.

Rabatte kommen bei mir daher erst an letzter Stelle. Wer am ersten Tag zehn Prozent anbietet, erzieht Kunden dazu, den Warenkorb absichtlich stehen zu lassen. Stattdessen staffle ich die Botschaft: Erinnerung am Tag eins, Einwand am Tag drei, ein kleiner Anreiz frühestens am Tag sieben. Dennoch bleibt die Anzeige nur die halbe Miete. Wenn die Zielseite langsam lädt oder auf dem Smartphone bricht, hilft die beste Botschaft nicht. Deshalb gehört ein sauberes Webdesign für mich zum Remarketing dazu.

Wie funktioniert Remarketing mit Kundenlisten?

Remarketing mit Kundenlisten bedeutet, dass Sie E-Mail Adressen oder Telefonnummern Ihrer Kunden gehasht in die Werbeplattform laden. Google nennt das Customer Match, Meta spricht von Kundenlisten Zielgruppen. Die Plattform gleicht die Daten dann mit eingeloggten Nutzern ab und baut daraus eine Liste. Danach können Sie diese Menschen ansprechen oder gezielt ausschließen.

Für Google gilt: Eine Kundenliste bleibt nur dann nutzbar, wenn in den letzten 540 Tagen mindestens 100 Mitglieder hinzugefügt oder aktualisiert wurden. Aktualisieren Sie die Liste daher regelmäßig, am besten automatisch aus dem CRM heraus. Typische Einsatzfelder sind:

  • Nachkauf bei Verbrauchsprodukten, zum Beispiel 30 Tage nach der letzten Bestellung.
  • Zusatzverkauf passender Produkte an frische Käufer.
  • Reaktivierung von Kunden, die seit sechs Monaten nichts gekauft haben.
  • Ausschluss aktiver Kunden aus Neukundenkampagnen, um Budget zu sparen.

Allerdings dürfen Sie diese Daten nur mit einer ausdrücklichen Einwilligung für Werbezwecke nutzen. In der EU greift die DSGVO, in der Türkei das KVKK. Deshalb lasse ich mir vor dem ersten Upload immer zeigen, wo genau der Kunde zugestimmt hat. Fehlt dieser Nachweis, verzichte ich lieber auf die Liste. Ein Bußgeld kostet mehr, als jede Kampagne einbringt.

Wie arbeitet Remarketing im Suchnetzwerk?

Remarketing im Suchnetzwerk, bekannt als RLSA, greift, wenn ein früherer Besucher erneut bei Google sucht. Sie haben dann zwei Möglichkeiten: Entweder Sie hängen die Liste zur Beobachtung an eine bestehende Kampagne und passen das Gebot an, oder Sie bauen eine eigene Kampagne nur für diese Liste mit breiteren Keywords.

Bevor Sie Gebote anpassen, sollten Sie den Marktdurchschnitt kennen. LocaliQ und WordStream nennen in ihrem Benchmark für Suchanzeigen über mehr als 20 Branchen eine durchschnittliche Klickrate von 6,64 Prozent, einen Klickpreis von 5,42 US-Dollar, eine Conversion Rate von 8,18 Prozent und Kosten pro Lead von 66,69 US-Dollar. Diese Werte gelten für alle Suchanzeigen, nicht speziell für Remarketing Listen.

Daher gehe ich so vor: Zunächst messe ich, wie meine Kampagne gegen diesen Durchschnitt und gegen die eigene Historie abschneidet. Danach erhöhe ich das Gebot für frühere Besucher moderat und beobachte zwei Wochen lang die Conversion Rate der Liste. Steigt sie deutlich über den Rest der Kampagne, lohnt sich eine eigene Kampagne mit generischen Begriffen, die ich Neukunden nie zeigen würde. Zum Beispiel darf ein früherer Besucher eines Küchenstudios auch bei der Suche nach Küche planen eine Anzeige sehen. Für Fremde wäre dieses Keyword dagegen zu teuer, also bleibt es der Liste vorbehalten. Diese Feinarbeit ist ein Kern meiner Google Ads Verwaltung.

Wie trennen Sie Remarketing in Display, YouTube und Demand Gen?

Remarketing und Neukundengewinnung gehören in getrennte Kampagnen. Sonst mischen sich Klickpreise, Zielgruppen und Botschaften, und Sie erkennen nicht mehr, welcher Teil das Ergebnis liefert. Ich lege deshalb pro Netzwerk mindestens zwei Kampagnen an: eine für Prospecting, eine für Remarketing. Beide schließen sich außerdem gegenseitig aus.

Im Displaynetzwerk setzen Sie die Funnel Listen als Zielgruppen ein und schließen Käufer aus. Bei YouTube kommen zusätzlich Videolisten hinzu, etwa alle, die ein Produktvideo zu mehr als der Hälfte gesehen haben. Demand Gen verbindet YouTube, Discover und Gmail; hier funktionieren Bildanzeigen mit einem klaren Nutzenversprechen besonders gut.

Zudem beachten Sie die Reihenfolge der Ausschlüsse. In der Prospecting Kampagne schließen Sie alle Besucher der letzten 30 Tage aus, damit Sie kein Geld für Menschen ausgeben, die Sie ohnehin erreichen. In der Remarketing Kampagne schließen Sie Käufer und Bestandskunden aus. Auf diese Weise sieht jeder Nutzer nur eine Kampagne pro Phase. Somit lassen sich Budgets endlich getrennt bewerten.

  • Prospecting: neue Zielgruppen, Besucher der letzten 30 Tage ausgeschlossen.
  • Remarketing: Funnel Listen, Käufer ausgeschlossen.
  • Bestandskunden: Kundenliste, aktive Abonnenten ausgeschlossen.

Wie richten Sie Remarketing auf Meta und Instagram ein?

Remarketing auf Meta richten Sie über Website Custom Audiences ein, die aus Ereignissen des Meta Pixel entstehen. Meta erlaubt dabei eine Aufbewahrungsdauer von höchstens 180 Tagen, und die Zielgruppe aktualisiert sich laufend mit allen Personen, die die gewählte Regel erfüllen.

Die Regeln bauen Sie dann auf den Standardereignissen auf. Konkret nutze ich drei Ereignisse als Grundgerüst:

  1. ViewContent für alle, die eine Produkt oder Leistungsseite gesehen haben.
  2. AddToCart für alle, die ein Produkt in den Warenkorb gelegt haben.
  3. Purchase für alle Käufer, die Sie aus den beiden ersten Gruppen ausschließen.

Zusätzlich liefern Instagram und Facebook eigene Signale: Profilbesucher, Personen, die einen Beitrag gespeichert haben, oder Zuschauer eines Reels. Diese Engagement Zielgruppen gehören zur Stufe Aufmerksamkeit und ergänzen die Website Listen sinnvoll. Vor allem für Marken mit visuellen Produkten liefern sie günstige Kontakte.

Denken Sie außerdem an die Conversions API. Sie sendet Ereignisse serverseitig und fängt einen Teil der Signale auf, die der Browser blockiert. Ohne diese Ergänzung schrumpfen Ihre AddToCart Listen schneller, als Ihnen lieb ist. In der Praxis kombiniere ich Pixel und API immer und dedupliziere die Ereignisse über eine gemeinsame ID.

Wie funktioniert B2B Remarketing auf LinkedIn?

B2B Remarketing auf LinkedIn läuft über Matched Audiences und setzt das LinkedIn Insight Tag auf Ihrer Website voraus. Eine Zielgruppe braucht mindestens 300 Mitgliederkonten, und das Rückblickfenster wählen Sie zwischen 30 und 365 Tagen. Diese Schwelle ist höher als bei Google, dafür erreichen Sie Entscheider nach Funktion und Unternehmen.

Für B2B Anbieter baue ich in der Regel drei Listen:

  • Besucher der Unternehmensseite auf LinkedIn selbst, als Stufe Aufmerksamkeit.
  • Besucher Ihrer Leistungs oder Preisseiten, als Stufe Bewertung.
  • Zuschauer, die ein Video zu mindestens 50 Prozent gesehen haben, als Zwischenstufe.

Die Klickpreise auf LinkedIn sind allerdings hoch. Deshalb kombiniere ich die Plattform oft mit Google: LinkedIn liefert den ersten Kontakt mit einem Fachbeitrag, Google Display und YouTube halten den Kontakt günstig warm. Sobald der Entscheider dann nach Ihrer Lösung sucht, fängt RLSA die Suche ab. Somit übernimmt jede Plattform die Rolle, in der sie am günstigsten ist. Für Beratungsunternehmen und Softwareanbieter ist dieses Zusammenspiel meist wirtschaftlicher als ein reiner LinkedIn Funnel.

Wie setzen Sie Frequenz und Sättigungsgrenze?

Die Frequenz legen Sie so fest, dass eine Person Ihre Anzeige oft genug sieht, um sich zu erinnern, aber nicht so oft, dass sie genervt ist. Eine allgemeingültige Zahl gibt es allerdings nicht. Stattdessen orientiere ich mich an drei Prinzipien.

Erstens: Setzen Sie überall dort ein Frequency Capping, wo die Plattform es erlaubt, und beginnen Sie konservativ. Zweitens: Rotieren Sie Ihre Anzeigen. Denn wer dieselbe Grafik zwei Wochen lang sieht, blendet sie aus. Drei bis vier Motive pro Liste, die Sie alle zwei Wochen wechseln, halten die Aufmerksamkeit hoch. Drittens: Schließen Sie Käufer sofort aus. Nichts ärgert Kunden mehr als eine Anzeige für ein Produkt, das gestern angekommen ist.

Zudem beobachten Sie zwei Kennzahlen pro Liste: die Klickrate und den Anteil der Nutzer, die die Anzeige ausblenden oder melden. Fällt die Klickrate über zwei Wochen stetig, ist die Liste gesättigt. Dann senken Sie die Frequenz, kürzen die Laufzeit oder tauschen die Botschaft. In der Praxis reicht oft schon ein neuer Aufhänger, zum Beispiel eine Kundenbewertung statt eines Produktfotos. Remarketing soll erinnern, nicht verfolgen. Dieser Satz steht bei mir in jedem Kampagnenbriefing.

Wie verteilen Sie das Remarketing Budget auf die Funnel Stufen?

Das Remarketing Budget verteilen Sie nach der Nähe zum Kauf: Die Stufe Entscheidung bekommt den größten Anteil pro Person, die Stufe Aufmerksamkeit den kleinsten. Denn ein Warenkorbabbrecher ist mehr wert als ein flüchtiger Blogleser. Gleichzeitig ist die Warenkorbliste klein, deshalb verbraucht sie in absoluten Zahlen oft weniger als erwartet.

Eine Beispielrechnung, ausdrücklich mit angenommenen Zahlen und ohne Garantie: Ein Shop hat 10.000 Besucher im Monat. Davon legen 1.000 Personen etwas in den Warenkorb, 70 Prozent brechen ab, es bleiben 700 Abbrecher. Sie sprechen diese Gruppe 14 Tage lang an. Angenommen, 3 Prozent kaufen doch noch, ergibt das 21 Bestellungen. Bei einem durchschnittlichen Warenkorb von 150 Euro sind das 3.150 Euro Umsatz. Kostet die Kampagne 400 Euro, liegt der ROAS bei 7,9.

Diese Rechnung zeigt also das Prinzip, nicht Ihr Ergebnis. Rechnen Sie Ihre eigenen Werte mit meinem ROAS Rechner durch. Für die Aufteilung eines Monatsbudgets nutze ich als Startpunkt, ebenfalls nur als Beispiel:

  • Entscheidung: 40 Prozent, weil hier der Umsatz entsteht.
  • Bewertung: 30 Prozent, um die Produktseite in Erinnerung zu halten.
  • Aufmerksamkeit: 15 Prozent, für Leser und Zuschauer.
  • Bestandskunden: 15 Prozent, für Nachkauf und Zusatzverkauf.

Nach vier Wochen verschieben Sie die Anteile dorthin, wo der Umsatz pro ausgegebenem Euro am höchsten ist.

Sind Third Party Cookies vorbei und trifft das Remarketing?

Third Party Cookies sind in Chrome nicht abgeschafft. Google hat am 22. April 2025 mitgeteilt, dass Chrome keine gesonderte Abfrage für Drittanbieter Cookies einführt und den bisherigen Ansatz beibehält. Nutzer verwalten ihre Cookie Einstellungen also weiterhin in den Datenschutzeinstellungen des Browsers.

Für Remarketing bedeutet das: Cookie basierte Listen funktionieren in Chrome weiter. Allerdings schrumpft die Reichweite aus meiner Sicht trotzdem, denn Safari und Firefox blockieren Drittanbieter Cookies bereits, und viele Nutzer lehnen Cookies im Banner ab. Diese Einschätzung ist meine Erfahrung aus laufenden Konten, keine offizielle Zahl.

Google selbst empfiehlt Werbetreibenden in seinen Hinweisen zu Drittanbieter Cookies einen Ansatz aus First Party Daten, KI gestützten Lösungen und datenschutzfreundlichen Technologien, und betont, dass diese Lösungen schon heute zur Leistung der Kampagnen beitragen. Daraus leite ich drei konkrete Schritte ab:

  1. Sammeln Sie eigene Daten mit Einwilligung: Newsletter, Kundenkonto, CRM.
  2. Setzen Sie serverseitiges Tagging und den Consent Mode ein, damit weniger Signale verloren gehen.
  3. Nutzen Sie Kundenlisten und GA4 Zielgruppen stärker als reine Cookie Listen.

Kurz gesagt: Remarketing endet nicht, es verschiebt sich von fremden Cookies zu eigenen Daten. Wer heute damit anfängt, hat in zwei Jahren einen klaren Vorsprung.

Wie messen Sie Remarketing Ergebnisse richtig?

Remarketing Ergebnisse messen Sie, indem Sie den Umsatz betrachten, der ohne die Kampagne nicht entstanden wäre. Das klingt einfach, ist allerdings die größte Falle im ganzen Thema. Denn Plattformen rechnen sich gern Conversions zu, die auch ohne Anzeige passiert wären.

Die erste Falle heißt View Through Conversion: Jemand sieht Ihre Anzeige, klickt nicht, kauft aber später. Google und Meta zählen das dennoch teilweise als Erfolg. Deshalb bewerte ich Remarketing zuerst nach Klick Conversions und betrachte View Through Werte nur als Zusatzinformation. Die zweite Falle ist die Attribution zwischen Kanälen. Ein Warenkorbabbrecher, der über den Newsletter zurückkommt, gehört zum Beispiel nicht der Display Kampagne.

Konkret gehe ich so vor:

  • Jede Remarketing Kampagne bekommt eigene UTM Parameter, die ich mit dem UTM Generator erzeuge.
  • In GA4 vergleiche ich die Conversion Rate der Listen mit der Rate aller Wiederkehrer ohne Anzeigenkontakt.
  • Einmal im Quartal pausiere ich eine Liste für zwei Wochen und beobachte, ob der Umsatz wirklich fällt.

Der letzte Punkt ist ein einfacher Inkrementalitätstest. Er ist nicht perfekt, dennoch zeigt er schnell, ob eine Liste echten Mehrwert liefert oder nur Käufer abfängt, die sowieso gekommen wären. Somit entscheiden Zahlen über das Budget, nicht das Bauchgefühl.

Welche Remarketing Fehler sehe ich am häufigsten?

Die häufigsten Remarketing Fehler sind strukturell, nicht kreativ. In fast jedem Konto, das ich übernehme, finde ich zum Beispiel mindestens zwei davon. Deshalb lohnt sich diese Liste als Prüfung für Ihr eigenes Konto:

  1. Eine Liste, eine Anzeige: Alle Besucher bekommen dieselbe Botschaft, unabhängig von der Funnel Stufe.
  2. Käufer bleiben drin: Niemand hat die Purchase Liste als Ausschluss hinterlegt.
  3. 540 Tage für alles: Die maximale Laufzeit gilt als Standard, obwohl sie fast nie passt.
  4. Rabatt am ersten Tag: Der Anreiz kommt sofort und erzieht Kunden zum Abwarten.
  5. Kein Frequency Capping: Die Anzeige erscheint täglich mehrfach, bis sie stört.
  6. Prospecting und Remarketing in einer Kampagne: Die Ergebnisse lassen sich nicht mehr trennen.
  7. Keine Einwilligung geprüft: Kundenlisten stammen aus Quellen ohne Werbeeinwilligung.
  8. Falsches Ziel: Die Kampagne optimiert auf Klicks statt auf Käufe.

Jeder dieser Fehler kostet Geld, allerdings ist keiner schwer zu beheben. Zum Beispiel dauert der Käuferausschluss in Google Ads zehn Minuten. Trotzdem fehlt er in vielen Konten seit Jahren. Beginnen Sie daher mit den Ausschlüssen, dann mit der Aufteilung nach Stufen und erst danach mit neuen Anzeigenmotiven. Diese Reihenfolge bringt den schnellsten Effekt.

Wie richten Sie Remarketing Schritt für Schritt ein?

Die Einrichtung von Remarketing folgt einer festen Reihenfolge, die Sie in zwei bis drei Arbeitstagen abschließen können. Ich nutze dafür diese Checkliste mit zehn Schritten:

  1. Installieren Sie das Google Tag, das Meta Pixel und bei B2B das LinkedIn Insight Tag auf allen Seiten.
  2. Definieren Sie Conversion Ereignisse: Seitenaufruf, Warenkorb, Formular, Kauf.
  3. Legen Sie in GA4 Zielgruppen für jede Funnel Stufe an.
  4. Verknüpfen Sie GA4 mit Google Ads und prüfen Sie, ob die Zielgruppen ankommen.
  5. Erstellen Sie die Listen pro Stufe mit den passenden Laufzeiten.
  6. Bauen Sie Ausschlusslisten für Käufer und Bestandskunden.
  7. Trennen Sie Prospecting und Remarketing in eigene Kampagnen.
  8. Produzieren Sie pro Stufe drei bis vier Anzeigenmotive mit passender Botschaft.
  9. Setzen Sie Frequency Capping und Gebotsanpassungen.
  10. Prüfen Sie wöchentlich Conversion Rate, Frequenz und Umsatz pro Liste.

Danach beginnt die eigentliche Arbeit: beobachten, anpassen, wiederholen. Denn eine Liste ist nie fertig. Ich plane für die ersten vier Wochen bewusst kleine Budgets ein, damit die Listen wachsen und die Daten aussagekräftig werden. Erst danach skaliere ich die Stufe mit dem besten Ergebnis. Kurz gesagt: Erst Struktur, dann Budget.

Wann lohnt sich professionelle Unterstützung beim Remarketing?

Professionelle Unterstützung lohnt sich, sobald Sie mehrere Plattformen gleichzeitig bespielen, Kundenlisten aus dem CRM einbinden möchten oder Ihr Monatsbudget so groß ist, dass ein Strukturfehler spürbar ins Geld geht. Bis dahin können Sie allerdings mit dieser Anleitung sehr weit kommen. Falls Sie Ihr Konto einmal von außen prüfen lassen möchten, schauen Sie sich meine Referenzen an und schreiben Sie mir über die Kontaktseite. Ich sage Ihnen ehrlich, ob sich ein Umbau lohnt oder ob Ihr Remarketing bereits sauber läuft.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Remarketing und wie funktioniert es?
Remarketing spricht Menschen erneut an, die Ihre Website, App oder Inhalte bereits kennen. Ein Tag auf der Website erkennt den Besucher, eine Regel ordnet ihn einer Liste zu, und eine Kampagne zeigt dieser Liste passende Anzeigen. Wirksam wird das erst, wenn Sie die Listen nach Funnel Stufe trennen und jede Stufe mit einer eigenen Botschaft und Laufzeit ansprechen.
Was ist der Unterschied zwischen Remarketing und Retargeting?
In der Praxis gibt es keinen inhaltlichen Unterschied, beide Begriffe meinen das erneute Ansprechen früherer Besucher. Google spricht von Datensegmenten, Meta von Custom Audiences und LinkedIn von Matched Audiences. Manche Fachleute nutzen Remarketing eher für E-Mail und Kundenlisten und Retargeting für Anzeigen. Entscheidend ist nicht der Name, sondern die Frage, welche Funnel Stufe Sie gerade erreichen wollen.
Wie lange sollte eine Remarketing Liste laufen?
Die Laufzeit hängt von der Entscheidungsdauer Ihrer Kunden ab. Google Ads setzt standardmäßig 30 Tage, erlaubt bis zu 540 Tage; Meta begrenzt Website Zielgruppen auf 180 Tage. Als Startbereich aus der Praxis, ohne Garantie: Warenkorb 7 bis 14 Tage, Produktseite 30 Tage, Blogleser 60 bis 90 Tage. Prüfen Sie nach vier Wochen die Conversion Rate pro Liste und passen Sie dann an.
Wie viele Besucher braucht man für Remarketing?
Bei Google Ads braucht eine Liste mindestens 100 aktive Nutzer in den letzten 30 Tagen, damit sie in Suche, Display und YouTube Anzeigen ausspielt. LinkedIn verlangt mindestens 300 Mitgliederkonten pro Zielgruppe. Kleine Websites starten deshalb mit breiteren Regeln und längeren Fenstern und verfeinern die Listen erst, wenn der Traffic wächst. Drei gefüllte Listen sind besser als zwanzig leere.
Sind Remarketing Anzeigen aufdringlich und wie begrenzt man die Frequenz?
Remarketing Anzeigen wirken nur dann aufdringlich, wenn Frequenz, Laufzeit und Ausschlüsse fehlen. Setzen Sie ein Frequency Capping, rotieren Sie drei bis vier Motive pro Liste und schließen Sie Käufer sofort aus. Beobachten Sie zudem die Klickrate pro Liste: Fällt sie über zwei Wochen stetig, ist die Zielgruppe gesättigt. Dann senken Sie die Frequenz oder tauschen die Botschaft.
Funktioniert Remarketing ohne Third Party Cookies?
Ja, Remarketing funktioniert auch ohne Third Party Cookies, es stützt sich dann stärker auf eigene Daten. Chrome hat die Cookies zwar nicht abgeschafft, Safari und Firefox blockieren sie aber bereits. Deshalb setzen Sie auf Kundenlisten mit Einwilligung, GA4 Zielgruppen, serverseitiges Tagging und den Consent Mode. Diese Bausteine liefern schon heute stabile Listen und werden mit der Zeit wichtiger.
#Remarketing#Retargeting#Sales Funnel#Google Ads#Meta Ads#LinkedIn Ads#E-Commerce#Conversion Rate
Teilen:
Talha Aslan
Talha Aslan

Google Partner und Experte für digitales Marketing. Seit 2012 praktisch in SEO, Google Ads, Webdesign und E-Commerce Projekten; jeder Beitrag hier stammt aus dieser Erfahrung.

Nächstes Projekt

Sprechen wir über Ihr Projekt.

Keine Zwischenhändler, keine Ebenen: Sie sprechen direkt mit dem Experten, der die Arbeit macht. Das Erstgespräch ist kostenlos, ich höre zu und melde mich mit einer klaren Roadmap.

WhatsApp Jetzt anrufen