Storage Area Network (SAN): Was ist das und wie funktioniert es?

Was ist ein Storage Area Network (SAN), und wofür nutzt man es?
Ein Storage Area Network (SAN) ist ein eigenes Netzwerk, das Servern gemeinsamen Speicher auf Blockebene bereitstellt. Jeder Server sieht seinen Anteil am zentralen Speicherpool wie eine lokale Festplatte. Somit können viele Server ein einziges Speichersystem nutzen, und die Festplatte steckt nicht mehr in einer bestimmten Maschine.
Der herstellerneutrale Branchenverband SNIA beschreibt ein SAN in seinem Online Wörterbuch als Netzwerk, dessen Hauptzweck der Datentransport zwischen Rechnern und Speichergeräten ist. Ein SAN erfüllt also eine andere Aufgabe als Ihr Büronetz. Das Büronetz transportiert E-Mail und Webverkehr. Das SAN transportiert dagegen nur Lese und Schreibzugriffe auf Festplatten.
In diesem Beitrag erklären wir den Unterschied zu NAS und DAS, die Bausteine eines SAN, die Protokolle und die Rolle im Hosting. Wir sind ein Team für digitales Marketing und Webentwicklung, kein Hostinganbieter. Deshalb stützen wir technische Aussagen auf Primärquellen wie SNIA, IETF und die Dokumentation der Linux Distributionen. Unser Ziel: Sie sollen ein Hostingangebot lesen und die richtigen Fragen stellen können.
Was bedeutet Speicher auf Blockebene?
Eine Festplatte speichert Daten in Blöcken fester Größe. Das Betriebssystem legt darauf ein Dateisystem an und merkt sich, welche Datei in welchem Block liegt. Beim Zugriff auf Blockebene fordert der Server konkret bestimmte Blöcke an bestimmten Adressen an. Dateinamen, Ordner und Rechte spielen in diesem Gespräch keine Rolle.
Beim Zugriff auf Dateiebene läuft es anders. Hier fragt der Server nach einer Datei mit Namen, und das entfernte System verwaltet das Dateisystem. Ein gemeinsamer Ordner im Büro ist zum Beispiel ein typischer Fall. Auch SNIA betont: Ein SAN allein liefert keine Dateiabstraktion, sondern nur Operationen auf Blöcken.
Diese Unterscheidung hat praktische Folgen. Blockzugriff passt zu Anwendungen, die niedrige Latenz und konsistente Schreibvorgänge brauchen, etwa Datenbanken und Festplatten virtueller Maschinen. Denn das Betriebssystem formatiert das Laufwerk selbst und nutzt seinen eigenen Cache. Allerdings beschädigen zwei Server, die gleichzeitig auf dasselbe Blockgerät schreiben, die Daten, wenn kein clusterfähiges Dateisystem im Spiel ist.
Worin unterscheidet sich ein SAN von NAS und DAS?
Alle drei Ansätze stellen einem Server Speicherplatz bereit. DAS (Direct Attached Storage) verbindet die Festplatte direkt mit einem Server. NAS (Network Attached Storage) teilt Dateien über das normale Netzwerk. Ein SAN teilt dagegen Blöcke über ein separates Speichernetz. Die Tabelle fasst die Unterschiede zusammen:
| Merkmal | DAS | NAS | SAN |
|---|---|---|---|
| Zugriffsebene | Block | Datei | Block |
| Anbindung | Direktes Kabel oder im Server | Allgemeines IP Netz | Eigenes Speichernetz |
| Typische Protokolle | SATA, SAS, NVMe | NFS, SMB | Fibre Channel, iSCSI, FCoE |
| Teilen | Ein Server | Viele Clients, pro Datei | Viele Server, pro Volume |
| Wer verwaltet das Dateisystem? | Der Server | Das NAS | Der Server |
| Aufwand für Aufbau und Betrieb | Gering | Mittel | Hoch |
| Typischer Einsatz | Website auf einem Server, Entwicklung | Gemeinsame Ordner, Medienarchiv | Virtualisierungscluster, große Datenbanken |
Die wichtigste Zeile betrifft die Verwaltung des Dateisystems. Beim NAS greifen viele Clients sicher auf dieselben Dateien zu, denn das NAS kümmert sich um Sperren und Rechte. Im SAN gehört ein Volume dagegen meist einem Server oder einer Servergruppe mit Clustersoftware. Daher passt NAS zu gemeinsamen Ordnern und ein SAN zu Festplatten virtueller Maschinen.
Die eigentliche Frage lautet also nicht, was besser ist. Stattdessen zählt, welche Last welchen Speicher braucht. Eine kleine Firmenwebsite läuft meist problemlos auf DAS. Teilen sich allerdings Dutzende virtuelle Maschinen einen Pool, bringt ein SAN viel Flexibilität.
Aus welchen Komponenten besteht ein Storage Area Network?
Ein Storage Area Network besteht aus mehreren Schichten, die voneinander abhängen. Ist eine Schicht schwach, leidet das ganze System. Die zentralen Bausteine sind:
- Speichersystem (Array): Ein zentrales Gerät, das viele Festplatten per RAID bündelt und Controller sowie Cache enthält.
- HBA oder Netzwerkkarte: Die Karte, über die der Server mit dem SAN spricht. Fibre Channel nutzt einen HBA, iSCSI meist eine Ethernet Karte.
- Switches: Netzgeräte, die den Verkehr zwischen Servern und Speichersystem leiten, in der Regel paarweise.
- Verkabelung: Glasfaser oder Kupfer. Gute Designs sehen zwei unabhängige Pfade vor.
- Verwaltungssoftware: Die Oberfläche, die Kapazität aufteilt, Zugriff gewährt und den Zustand überwacht.
Auffällig ist, dass jede Schicht doppelt auftaucht. Das hat einen Grund, denn ein Ausfall im SAN trifft alle angeschlossenen Server gleichzeitig. Deshalb gelten zwei Switches, zwei Karten und zwei Controller in ernsthaften Umgebungen als Grundausstattung.
Mehr zur Anordnung der Festplatten im Array finden Sie in unserem Ratgeber zu den RAID Leveln. Kurz gesagt schützt RAID die Festplatten im Array, und das SAN verteilt diesen geschützten Pool über das Netz.
Wie funktioniert Fibre Channel?
Fibre Channel ist eine Netzwerktechnik speziell für Speicherverkehr, mit eigener Verkabelung, eigenen Switches und eigener Adressierung. Die Standards entwickelt das technische Komitee T11 bei INCITS. Trotz des Namens funktioniert die Technik auch über Kupfer. Im Rechenzentrum sehen Sie allerdings meist Glasfaser.
Jeder Port im Fibre Channel Netz trägt eine eindeutige Kennung, den WWN (World Wide Name). Er erfüllt eine ähnliche Aufgabe wie die MAC Adresse im Ethernet. Die Switches entscheiden dann anhand dieser Kennungen, welcher Server mit welchem Speicherport sprechen darf.
Die große Stärke von Fibre Channel ist die Trennung. Speicherverkehr teilt sich keine Leitung mit Webverkehr. Eine Lastspitze auf einem Webserver bremst den Plattenzugriff also nicht direkt. Allerdings hat diese Trennung ihren Preis: eigene Karten, eigene Switches und ein Team mit Fachwissen. Folglich setzen vor allem große Organisationen und Rechenzentren auf Fibre Channel.
Fibre Channel Netze bestehen meist aus zwei unabhängigen Fabrics, oft Fabric A und Fabric B genannt. Konkret verbinden Sie jeden Server mit beiden Fabrics über getrennte Karten. Fällt dann ein Switch aus oder geht in die Wartung, trägt die andere Fabric den Verkehr weiter. Dieses Muster ist der klassische Weg, um einen einzelnen Ausfallpunkt im SAN zu vermeiden.
Was ist iSCSI, und warum ist es für ein SAN so verbreitet?
iSCSI ist ein Protokoll, das SCSI Befehle über TCP/IP transportiert. Das IETF Dokument RFC 7143 beschreibt iSCSI als Transportprotokoll für SCSI, das auf TCP aufsetzt. Praktisch heißt das: Sie können ein SAN mit normaler Ethernet Hardware aufbauen.
Bei iSCSI gibt es zwei Rollen. Der Server, der den Speicher nutzt, heißt Initiator, und das System, das ihn bereitstellt, heißt Target. Zudem trägt jede Seite einen eindeutigen Namen, der meist mit iqn beginnt und auf einem Domainnamen basiert. Das Target lauscht standardmäßig auf TCP Port 3260, dem bei der IANA für iSCSI registrierten Port.
iSCSI ist beliebt, weil es günstiger und vertrauter ist. Sie starten mit vorhandenem Ethernet Wissen und vorhandener Technik. Trotzdem trennt eine gute Umgebung den Speicherverkehr per eigenem VLAN oder eigenen Switches. Sonst erhöht ein Backupjob oder eine plötzliche Lastspitze die Latenz Ihrer Datenbank. Außerdem empfehlen wir, eine Authentifizierung wie CHAP zu aktivieren.
Auch einige Netzwerkdetails zählen. Verwenden Sie zum Beispiel auf allen Karten und Switches im Speichernetz eine einheitliche MTU, denn eine Abweichung erzeugt schwer auffindbare Verzögerungen. Zudem sollten Verwaltungsverkehr und Speicherverkehr möglichst nicht dieselbe Karte teilen.
Welche Rolle spielen FCoE und neuere Transportwege?
FCoE (Fibre Channel over Ethernet) packt Fibre Channel Rahmen direkt in Ethernet Rahmen. Sie behalten also das Verwaltungsmodell von Fibre Channel, nutzen aber eine einzige Ethernet Infrastruktur. Allerdings braucht FCoE verlustfreies Ethernet, daher müssen Ihre Switches die Funktionen von Data Center Bridging unterstützen.
Viel Aufmerksamkeit bekommt zudem NVMe over Fabrics. Dieser Ansatz transportiert den NVMe Befehlssatz über ein Netz und läuft über TCP, RDMA oder Fibre Channel. Die Spezifikation veröffentlicht die Organisation NVM Express. Zusammengefasst lassen sich die Optionen so ordnen:
- Fibre Channel: Eigenes, ausgereiftes Speichernetz mit hoher Anfangsinvestition.
- iSCSI: Läuft über Ethernet und TCP/IP, mit niedrigeren Einstiegskosten.
- FCoE: Logik von Fibre Channel auf Ethernet Verkabelung, aber nur mit verlustfreiem Netz.
- NVMe over Fabrics: Ein neuerer Weg, der die niedrige Latenz von Flash Speicher ins Netz bringen soll.
Die reale Geschwindigkeit hängt von Hardwaregeneration und Konfiguration ab, nicht allein vom Protokoll. Fragen Sie deshalb bei Angeboten nach der Zahl redundanter Pfade und nach gemessener Latenz.
Was bedeuten LUN, Zoning und Masking?
Ein Speichersystem im SAN teilt seinen großen Pool in kleinere logische Laufwerke. Jedes davon heißt LUN, kurz für Logical Unit Number. Aus Sicht des Servers wirkt eine LUN wie eine frisch eingebaute Festplatte. Der Server formatiert sie dann und legt ein Dateisystem an.
Doch welcher Server darf welche LUN sehen? Hier greifen zwei Ebenen der Zugriffskontrolle:
- Zoning: Diese Einstellung liegt auf dem Fibre Channel Switch. Sie legt fest, welche Ports einander sehen, also eine Trennung auf Netzebene.
- LUN Masking: Diese Einstellung liegt auf dem Speichersystem. Sie legt fest, welcher Server welche LUN erreicht.
- iSCSI Zugriffslisten: Bei iSCSI hängt der Zugriff vom Namen des Initiators und optional von CHAP ab.
Stimmt eine dieser Ebenen nicht, halten womöglich zwei Server dieselbe Festplatte für ihre eigene. Binden zum Beispiel zwei getrennte Linux Server dieselbe LUN mit einem normalen Dateisystem ein, überschreiben sie gegenseitig ihre Daten. Daher verlangt die Verwaltung eines SAN dieselbe sorgfältige Änderungsdisziplin wie die Netzwerkverwaltung.
Warum ist Multipathing so wichtig?
Multipathing bedeutet, dass ein Server dieselbe LUN über mehr als einen physischen Pfad erreicht. Angenommen, der Server hat zwei Karten, das SAN zwei Switches und das Array zwei Controller. Dann führen bis zu vier Wege zur selben Festplatte. Reißt ein Kabel, läuft der Verkehr über die übrigen Pfade weiter.
Unter Linux übernimmt meist DM Multipath diese Aufgabe. Laut der Dokumentation von Red Hat zu DM Multipath bündelt Multipathing die I/O Pfade und erzeugt daraus ein neues Gerät. Die Anwendung sieht also eine einzige Festplatte, und die untere Schicht kümmert sich um Pfadwechsel.
Ohne Multipathing erscheint dieselbe LUN unter Umständen als zwei oder vier getrennte Festplatten. Dann drohen Fehler wie das Formatieren des falschen Geräts oder die Nutzung nur eines Pfads. Deshalb gehört die Einrichtung von Multipath auf die Pflichtliste jedes Servers mit SAN Anbindung.
Welche Vorteile bietet ein Storage Area Network?
Der größte Vorteil eines Storage Area Network: Es trennt die Festplatte vom Server. Der Speicher steckt nicht mehr in einer Maschine, sondern liegt in einem zentralen Pool. Daraus ergeben sich mehrere Vorteile:
- Zentrale Verwaltung: Sie überwachen, erweitern und verteilen Kapazität an einer Stelle.
- Flexible Kapazität: Ist ein Server voll, weisen Sie ihm zusätzlichen Platz aus dem Pool zu, oft ohne Eingriff in die Hardware.
- Livemigration: Sie verschieben eine virtuelle Maschine auf einen anderen Host, während ihre Festplatte an Ort und Stelle bleibt.
- Snapshots: Sie erstellen Snapshots im Array und haben vor einem Update einen schnellen Rückkehrpunkt.
- Hochverfügbarkeit: Fällt ein Server aus, übernimmt ein anderer Server mit Zugriff auf dieselbe Festplatte die Last.
Außerdem bieten viele Speichersysteme Replikation, also das Kopieren der Daten auf ein zweites Array an einem anderen Standort. Allerdings heißt eine vorhandene Funktion noch nicht, dass sie gut eingerichtet ist. Wirbt ein Hostinganbieter mit SAN, fragen Sie daher, welche dieser Vorteile er wirklich nutzt.
Welche Nachteile und Risiken hat ein SAN?
Ein SAN ist leistungsfähig, passt aber nicht zu jedem Szenario. Der erste Nachteil sind die Kosten. Array, redundante Switches, Karten und Lizenzen ergeben eine beträchtliche Investition. Zudem brauchen Sie ein Team, das Speichernetze versteht.
Der zweite Nachteil ist die Komplexität. Zoning, LUN Masking, Multipathing und Firmware Kompatibilität passen selten in den Alltag eines kleinen Teams. Eine einzige falsche Änderung trifft zudem nicht einen Server, sondern alle Server am Pool.
Das dritte Risiko entsteht durch das Teilen. Arbeitet eine virtuelle Maschine im Array mit sehr vielen Plattenzugriffen, steigt womöglich die Latenz ihrer Nachbarn. Deshalb setzen gute Anbieter Grenzen pro Maschine. Wie Sie die Plattenleistung messen, erklären wir im Beitrag zu IOPS und Festplattenleistung. Schließlich addiert ein SAN Netzwerklatenz zu jedem Zugriff. Im Vergleich mit einer lokalen NVMe SSD spüren manche Anwendungen diesen Abstand.
Warum brauchen Virtualisierungscluster gemeinsamen Speicher?
In einem Virtualisierungscluster betreiben mehrere physische Hosts zusammen Dutzende oder Hunderte virtuelle Maschinen. Liegt die Festplatte einer VM in einem einzelnen Host, ist sie bei dessen Ausfall nicht erreichbar. Mit gemeinsamem Speicher liegt die Festplatte dagegen in einem Bereich, den alle Hosts des Clusters erreichen.
Dieser Aufbau erleichtert zwei wichtige Dinge. Erstens die Livemigration: Der Hypervisor überträgt den Arbeitsspeicher der VM auf einen anderen Host, die Festplatte bleibt, wo sie ist. Zweitens die Hochverfügbarkeit: Steht ein Host still, startet der Cluster die VM auf einem anderen Host neu.
Gemeinsamer Speicher muss nicht immer ein klassisches SAN sein. Auch ein NAS auf Basis von NFS oder verteilte Speichersysteme, die lokale Platten mehrerer Server bündeln, erfüllen diesen Zweck. Für die Grundlagen der Virtualisierung empfehlen wir unseren Leitfaden zur KVM Virtualisierung.
Kann die Festplatte Ihres VPS in einem SAN liegen?
Ja, das ist möglich. Bei einem VPS liegt die Festplatte an einem von drei Orten: auf der lokalen Platte des Hosts, auf gemeinsamem Speicher im Netz wie einem SAN oder NAS oder in einem verteilten Speichercluster. Anbieter nennen diese Wahl auf der Tarifseite oft nicht ausdrücklich.
Trotzdem gibt es Hinweise. Startet ein Anbieter Ihren VPS nach einem Hardwaredefekt innerhalb weniger Minuten auf einem anderen Host, nutzt er sehr wahrscheinlich gemeinsamen Speicher. Andererseits behalten Tarife mit dem Schlagwort lokale NVMe die Festplatte meist im Host. Dann sinkt die Latenz, aber ein Umzug nach einem Defekt ist schwieriger.
Welches Modell zu Ihnen passt, zeigen die Kriterien in unserem Vergleich von VPS, VDS und Cloud Server. Wenn Sie sehen möchten, bei welchem Anbieter und in welchem Adressblock Ihre Website liegt, nutzen Sie unsere IP Abfrage.
Wie wirkt sich ein SAN Ausfall auf eine Website aus?
Ein gut geplantes SAN verkraftet den Ausfall einer einzelnen Komponente. Eine Lücke im Design oder ein Fehler, der mehrere Teile zugleich trifft, betrifft allerdings alle Server am Pool. Deshalb zeigen sich Probleme im SAN selten bei nur einer Website. Stattdessen werden viele Websites auf derselben Plattform gleichzeitig langsam.
Die Symptome beginnen selten mit einem Totalausfall. Zunächst steigt die Latenz der Festplatte, Datenbankabfragen dauern länger und die Antwortzeiten wachsen. Danach laufen einzelne Anfragen in einen Timeout. Im schlimmsten Fall glaubt das Betriebssystem, die Festplatte sei verloren, und hängt das Dateisystem nur lesend ein. Dann speichert die Website keine neuen Bestellungen oder Formulare mehr.
Als Websitebetreiber beheben Sie das nicht selbst, aber Sie können die richtigen Belege sammeln. Notieren Sie zum Beispiel den Beginn des Problems, die betroffenen Seiten und die Fehlermeldungen. Prüfen Sie außerdem die Statusseite des Anbieters. So geben Sie dem Support ein messbares Bild statt einer vagen Beschwerde.
Wo beginnt ein SAN Projekt im Unternehmen?
Betreiben Sie eigene Infrastruktur, sollte die Entscheidung für ein SAN mit einer Lastanalyse beginnen, nicht mit einem Hardwarekatalog. Klären Sie zunächst, wie viel Kapazität, wie viele Plattenzugriffe und wie viel Latenztoleranz jede Anwendung braucht. Suchen Sie dann die einfachste Architektur, die das leistet.
In der Praxis sieht die Reihenfolge meist so aus:
- Messen Sie Plattenbelegung, das Verhältnis von Lese und Schreibzugriffen sowie die Zugriffe in Spitzenzeiten.
- Klären Sie mit den Fachbereichen die Ausfalltoleranz: Wie lange darf welches System stehen?
- Wählen Sie die Technik, die Ihr Team kennt. Starkes Ethernet Wissen spricht für iSCSI, eine vorhandene Fibre Channel Umgebung verdient eine faire Prüfung.
- Planen Sie redundante Pfade, redundante Controller und ein separates Backupziel von Anfang an ein.
- Testen Sie vor dem Livebetrieb den Ausfall eines Pfads, den Wechsel des Controllers und die Wiederherstellung.
Dieses Vorgehen erspart Ihnen jahrelange Probleme mit einem überdimensionierten Array oder einem zu schwachen Netz. Kalkulieren Sie zudem die Betriebskosten ein: Wartungsvertrag, Ersatzteile, Lizenzen und Schulung machen einen großen Teil der Gesamtkosten aus. Vergleichen Sie diese Summe daher auch mit verwaltetem Block Storage eines Cloudanbieters.
Ersetzt ein SAN RAID oder Backups?
Nein, ein SAN ersetzt weder RAID noch Backups. RAID schützt die Festplatten im Array vor dem Ausfall eines Laufwerks. Das SAN verteilt diesen geschützten Pool dann über das Netz an die Server. Beide arbeiten also auf verschiedenen Ebenen und ergänzen sich.
Backups beantworten dagegen eine ganz andere Frage. Eine versehentlich gelöschte Tabelle, Ransomware oder ein fehlerhaftes Update trifft die Daten im SAN sofort, denn das SAN speichert jede Änderung zuverlässig. Snapshots helfen zwar, aber solange sie im selben Array liegen, retten sie Sie nicht, wenn das Array selbst ausfällt.
Ein solider Plan kombiniert deshalb drei Ebenen:
- RAID im Array gegen den Ausfall einzelner Laufwerke.
- Snapshots als kurzfristige, schnelle Rückkehrpunkte.
- Backups auf einem anderen System, idealerweise an einem anderen Standort, mit getesteter Wiederherstellung.
Für die Backupseite lesen Sie unseren Beitrag zur Backup Strategie für Websites.
Wie binden Sie eine iSCSI Festplatte unter Linux ein?
Für Leser, die eigene Server verwalten, folgt ein kurzes Beispiel. Die Schritte folgen der Red Hat Dokumentation zum iSCSI Initiator und gelten für Distributionen der RHEL Familie. Adresse und Name im Beispiel sind reine Dokumentationswerte.
# Initiator-Paket installieren (RHEL-Familie)
dnf install iscsi-initiator-utils
# iSCSI-Namen des Servers anzeigen
cat /etc/iscsi/initiatorname.iscsi
# Targets auf dem Speichersystem suchen
iscsiadm -m discovery -t st -p 192.0.2.10
# Am gefundenen Target anmelden
iscsiadm -m node -T iqn.2005-01.com.example:speicher1 -l
# Neues Blockgerät anzeigen
lsblk
# Bei Multipathing die Pfade prüfen
multipath -llBeachten Sie vor dem Ausführen folgende Punkte:
- Das Speichersystem muss den Namen Ihres Initiators freigeben.
- Prüfen Sie die Ausgabe von
lsblkzweimal, bevor Sie etwas formatieren. Ein falsch formatiertes Laufwerk lässt sich nicht zurückholen. - Gibt es mehrere Pfade, nutzen Sie das Multipath Gerät und nicht einen einzelnen Pfad.
- Debian und Ubuntu verwenden andere Paketnamen und Dienstnamen. Halten Sie sich dort an die Dokumentation Ihrer Distribution.
Wann sollten Sie das Ihrem Hostinganbieter überlassen?
Ehrlich gesagt ist der Aufbau oder Betrieb eines SAN für die meisten Websitebetreiber die falsche Aufgabe. Nutzen Sie Shared Hosting, einen verwalteten VPS oder einen Cloud Server, liegt die Speicherschicht ohnehin in der Verantwortung des Anbieters. Ihre Aufgabe ist es, nachzufragen und die Ergebnisse zu messen.
In diesen Fällen empfehlen wir, das Thema dem Anbieter zu überlassen:
- In Ihrem Team hat niemand praktische Erfahrung mit Fibre Channel, iSCSI und Multipathing.
- Ihre Anwendung passt auf einen Server, und Sie brauchen keinen Hochverfügbarkeitscluster.
- Sie haben kein eigenes Budget und keinen Wartungsvertrag für Speicherhardware.
- Sie haben keine Rufbereitschaft, die bei Störungen innerhalb weniger Stunden reagiert.
Ein eigenes SAN lohnt sich vor allem für Organisationen mit eigenem Rechenzentrum oder eigenem Virtualisierungscluster. Für die Kostenseite bietet unser Beitrag Serverkosten: Wovon hängt der Preis ab? einen guten Rahmen.
Was bedeutet ein Storage Area Network praktisch für Websitebetreiber?
Als Websitebetreiber haben Sie mit einem Storage Area Network nie direkt zu tun, aber Sie spüren seine Wirkung täglich. Lädt eine Seite, greifen Datenbankabfragen auf die Festplatte zu. Ob diese lokal oder im Netz liegt und wie stark sie geteilt ist, bestimmt also die Antwortzeit.
Ein Beispiel: In einem Onlineshop steigt während einer Aktion der Traffic, und die Bestelltabelle erhält viele Schreibzugriffe. Gerät die Speicherschicht unter Druck, laden Seiten langsamer und der Checkout zieht sich. Für die Diagnose folgen Sie der Reihenfolge in unserem Beitrag Warum ist meine Website langsam?.
Andererseits kann ein SAN Ausfallzeiten verkürzen. Startet Ihre VM nach einem Hostdefekt binnen Kurzem anderswo neu, merken Besucher davon kaum etwas. In unseren Projekten für Webdesign und E-Commerce Beratung bewerten wir Infrastruktur deshalb genau nach diesen zwei Punkten: Tempo und Kontinuität.
Welche Fragen zum Speicher sollten Sie Ihrem Hoster stellen?
Hostingangebote betonen meist die Plattengröße und Schlagworte wie SSD oder NVMe. Um die Qualität des Speichers einzuschätzen, brauchen Sie allerdings ein paar weitere Fragen:
- Liegt die Festplatte meiner VM lokal oder auf gemeinsamem Speicher im Netz?
- Hat die Speicherschicht redundante Pfade und redundante Controller?
- Gibt es Grenzen pro Maschine für Plattenzugriffe oder Bandbreite?
- Startet meine VM bei einem Hostausfall automatisch auf einem anderen Host?
- Liegen Snapshots und Backups im selben Array oder auf einem getrennten System?
- Wie lange dauert eine Wiederherstellung, und wann haben Sie diese zuletzt getestet?
Die Antworten zeigen den echten Unterschied zwischen zwei ähnlich teuren Tarifen. Wie Festplatte und Netz zusammenspielen, erklärt außerdem unser Beitrag zur Bandbreite beim Webhosting. Allgemeine Auswahlkriterien finden Sie zudem in unserem Leitfaden zur Wahl des Webhostings.
Für wen ist ein Storage Area Network die richtige Wahl?
Ein Storage Area Network trennt Festplatten von Servern und bietet zentrale Verwaltung, Livemigration und Hochverfügbarkeit. Somit passt es zu Virtualisierungsclustern, großen Datenbanken und Geschäftssystemen mit geringer Ausfalltoleranz. Kosten, Komplexität und Fachwissen machen es allerdings für kleine Projekte überdimensioniert.
Als Betreiber einer Website oder eines Onlineshops lautet die richtige Frage also nicht, ob Sie ein SAN aufbauen. Fragen Sie stattdessen, wie Ihr Anbieter seine Speicherschicht gestaltet. Stellen Sie die Fragen oben, lassen Sie sich die Antworten schriftlich geben und messen Sie die reale Leistung Ihrer Website. Dann entscheiden Sie mit klarem Blick darauf, wo Ihre Daten liegen und wie sie geschützt sind.



