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Webhosting wechseln: So gelingt der Umzug ohne Ausfall, mit Checkliste

Talha Aslan 18 Minuten Lesezeit 2 Aufrufe

Wie können Sie Ihr Webhosting wechseln, ohne Website und E-Mail zu verlieren?

Wenn Sie Ihr Webhosting wechseln, kopieren Sie Dateien, Datenbank und Postfächer zum neuen Anbieter und richten danach die DNS Einträge auf den neuen Server aus. Die sichere Reihenfolge lautet: vollständiges Backup, Einrichtung, Test über die hosts Datei, TTL vorab senken, DNS umstellen und den alten Vertrag weiterlaufen lassen.

Jeder Schritt dieser Reihenfolge schließt ein konkretes Risiko. Das Backup ist also Ihr Rückweg. Der Test zeigt Ihnen Fehler, bevor Ihre Besucher sie sehen. Eine vorab gesenkte TTL sorgt dafür, dass sich die Umstellung in Minuten statt in Tagen verbreitet. Wer die Reihenfolge bricht und zum Beispiel zuerst kündigt, hat keinen Rückweg mehr.

Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie das Webhosting wechseln, und behandelt die technische Seite: Backup, Einrichtung, Test, DNS, E-Mail, SSL und den Umstellungstag. Wir sind ein Team für digitales Marketing und Webentwicklung, kein Hostinganbieter. Deshalb stützen wir Befehle und Einstellungen auf offizielle Dokumentation. Außerdem sagen wir in jedem Abschnitt ehrlich, wann Sie die Arbeit besser nicht selbst erledigen.

Was sollten Sie vor dem Umzug erfassen?

Wenn Sie das Webhosting wechseln, entstehen die meisten Fehler nicht durch das, was Sie kopieren, sondern durch das, was Sie vergessen. Daher steht am Anfang eine schriftliche Liste aller Bestandteile, die auf Ihrem aktuellen Konto laufen. Denn ohne diese Liste bleibt die Aussage „alles ist umgezogen“ eine Vermutung.

  • Hauptdomain, Subdomains und zusätzliche Domains.
  • Datenbanken, Datenbankbenutzer und deren Rechte.
  • Postfächer, Weiterleitungen, Abwesenheitsnotizen und Filter.
  • Cronjobs und die Pfade der Skripte, die sie aufrufen.
  • PHP Version, aktive PHP Erweiterungen und eigene Limits wie den Arbeitsspeicher.
  • Alle Einträge der DNS Zone: A, AAAA, CNAME, MX, TXT und SRV.
  • Externe Dienste, die Ihre Server IP freigeben, also Zahlungsanbieter, Rechnungssoftware, Versanddienste oder Buchhaltung.

Der letzte Punkt fällt am häufigsten unter den Tisch. Manche Zahlungsanbieter und Geschäftsschnittstellen akzeptieren Anfragen zum Beispiel nur von einer hinterlegten IP Adresse. Vergessen Sie die Anmeldung der neuen IP, lädt die Website zwar, doch der Bezahlschritt scheitert deshalb still. Sichern Sie zudem einen vollständigen Auszug Ihrer DNS Zone. Mit unserer DNS Abfrage prüfen Sie jeden Eintrag, bevor Sie etwas ändern.

Ist ein Hosterwechsel dasselbe wie eine SEO Migration?

Nein, das sind zwei verschiedene Aufgaben. Beim reinen Hosterwechsel bleiben Domain und URL Struktur gleich; nur der Server dahinter ändert sich. Bei einer SEO Migration ändern sich dagegen Domain, URL Struktur oder Seitenarchitektur. Dann kommen zusätzliche Aufgaben wie 301 Weiterleitungen und eine URL Zuordnungstabelle hinzu.

Google trifft zudem dieselbe Unterscheidung. Der Leitfaden von Google Search Central zum Umzug ohne URL Änderungen behandelt einen reinen Infrastrukturwechsel als eigenes Szenario. Aus Suchsicht zählt dabei vor allem eines: Der Googlebot muss den neuen Server problemlos erreichen, und die Website muss durchgehend antworten.

Wechseln Sie also zusätzlich die Domain oder bauen Sie die Website um, nutzen Sie neben diesem Leitfaden unsere Checkliste zur Website Migration. Dort beschreiben wir Weiterleitungsplan, URL Zuordnung und Search Console ausführlich, deshalb wiederholen wir das hier nicht. Allerdings raten wir davon ab, beide Aufgaben am selben Tag zu erledigen. Ziehen Sie zuerst den Server um und lassen Sie die Website einige Tage stabil laufen. Danach starten Sie die strukturellen Änderungen. So erkennen Sie bei einem Fehler sofort, ob der Server oder die URL Änderung die Ursache ist.

Wie sichern Sie Dateien, Datenbank und E-Mail?

Das Backup ist Ihre Versicherung und besteht aus drei Teilen: Websitedateien, Datenbank und Postfächer. Nutzen Sie cPanel, bietet der Bereich Backup sowohl eine vollständige Kontosicherung als auch Teilsicherungen. Mit den Teilsicherungen laden Sie Home Verzeichnis, MySQL Datenbanken sowie E-Mail Weiterleitungen und Filter einzeln herunter.

Haben Sie SSH Zugang, erstellen Sie den Datenbankdump auch auf der Kommandozeile. Das folgende Beispiel nutzt die Option --single-transaction für einen konsistenten Dump von InnoDB Tabellen:

mysqldump --single-transaction -u db_user -p db_name > backup.sql
tar -czf site_files.tar.gz public_html

Prüfen Sie das Backup dann sofort. Öffnen Sie das Archiv und kontrollieren Sie einige Dateien. Schauen Sie dann an das Ende der SQL Datei, um zu sehen, ob der Dump vollständig ist. Lassen Sie außerdem die einzige Kopie nicht auf dem alten Server liegen. Laden Sie sie auf Ihren Rechner oder einen separaten Speicher.

Backuparten und Aufbewahrung erklären wir in unserer Backup Strategie für Websites. Details zur Wiederherstellung mit mysqldump finden Sie in unserem Leitfaden zu Datenbank Backup und Wiederherstellung.

Wie funktionieren die Umzugswerkzeuge von cPanel?

Laufen beide Anbieter mit cPanel, wird Ihre Aufgabe leichter, denn cPanel bringt Werkzeuge für den Umzug ganzer Konten mit. Laut offizieller cPanel Dokumentation kopiert das Transfer Tool in WHM Konten, Pakete und Konfigurationen von einem Quellserver auf einen Zielserver. Dafür brauchen Sie Root Rechte auf dem Zielserver.

Die Dokumentation nennt konkret diese Punkte:

  • Das Werkzeug kopiert Kontodaten, Datenbankinformationen, E-Mail Daten und das Mailrouting.
  • Unter bestimmten Bedingungen kommen auch die DNS Zonendateien mit.
  • 2FA Einstellungen und DNS Zonenvorlagen zieht es nicht mit um.
  • Ohne Root Rechte steht in WHM die Oberfläche „Transfer or Restore a cPanel Account“ bereit.

Im Shared Hosting haben Sie allerdings keinen WHM Zugang. Dann ist der praktische Weg, beim alten Hoster eine vollständige Kontosicherung herunterzuladen und den Support des neuen Anbieters um die Wiederherstellung zu bitten. Viele Anbieter übernehmen das kostenlos; fragen Sie trotzdem vor Vertragsabschluss nach. Unterscheiden sich die Panels, etwa beim Wechsel von Plesk zu cPanel, ändert sich die Werkzeugunterstützung. Kurz gesagt: Bei gleichem Panel nutzen Sie das Werkzeug, sonst ziehen Sie Dateien und Datenbank von Hand um.

Wie richten Sie das neue Hosting ein?

Zunächst fügen Sie die Domain im neuen Konto hinzu. Danach laden Sie die Dateien in das richtige Verzeichnis, legen eine leere Datenbank samt Benutzer an und importieren dann den Dump:

mysql -u new_db_user -p new_db_name < backup.sql

Zudem setzen neue Anbieter häufig ein Präfix vor Datenbanknamen und Benutzernamen. Deshalb passen Sie die Konfigurationsdatei der Website an. In WordPress ist das die Datei wp-config.php, in Laravel die Datei .env. Tragen Sie dort Datenbankname, Benutzer, Passwort und Host neu ein.

Gleichen Sie anschließend diese Einstellungen mit dem alten Server ab:

  1. PHP Version und benötigte Erweiterungen.
  2. PHP Limits wie Arbeitsspeicher und Uploadgröße.
  3. Datei und Ordnerrechte.
  4. Cronjobs und deren Skriptpfade.
  5. Absolute Dateipfade, die fest im Code stehen.

Passt die PHP Version nicht, zeigt die Website womöglich eine leere Seite oder einen Fehlercode. In cPanel wählen Sie die Version in der Oberfläche MultiPHP. Ziehen Sie eine ältere Website um, starten Sie sie zuerst mit der alten PHP Version. Das Upgrade erledigen Sie danach als eigene Aufgabe, wenn der Umzug abgeschlossen ist.

Wie testen Sie den neuen Server, bevor Sie DNS umstellen?

Der sicherste Test leitet die Domain zunächst nur auf Ihrem eigenen Rechner zum neuen Server. Dazu nutzen Sie die hosts Datei Ihres Betriebssystems. Der Rest der Welt sieht weiter den alten Server, während Sie den neuen unter der echten Domain aufrufen.

Unter Windows liegt die hosts Datei unter C:\Windows\System32\drivers\etc\hosts, unter macOS und Linux unter /etc/hosts. Öffnen Sie sie mit Administratorrechten und ergänzen Sie eine Zeile wie diese:

203.0.113.10  example.com  www.example.com

Die IP ist nur ein Dokumentationsbeispiel; Sie tragen die IP Ihres neuen Anbieters ein. Leeren Sie nach dem Speichern den Browsercache oder öffnen Sie ein privates Fenster. Testen Sie dann diese Punkte:

  • Laden Startseite, Kategorieseiten und Produktseiten?
  • Klappt die Anmeldung im Adminbereich?
  • Verschickt das Kontaktformular Nachrichten?
  • Funktionieren Bilder und Downloads?
  • Laufen Suche, Warenkorb und Kundenlogin?

Löschen Sie die Zeile in der hosts Datei, sobald Sie fertig sind. Sonst wissen Sie nach der DNS Umstellung nicht sicher, welchen Server Sie sehen. Auch Google empfiehlt, die neue Infrastruktur vor dem Start im Browser zu testen. Zudem rät Google, mit dem URL Prüftool der Search Console zu kontrollieren, ob der Googlebot die neue Infrastruktur erreicht.

Warum und wann sollten Sie die TTL senken?

Die TTL legt in Sekunden fest, wie lange Resolver einen DNS Eintrag zwischenspeichern dürfen. Ist der Wert hoch, landen manche Besucher auch nach Ihrer Änderung noch bei der alten, zwischengespeicherten IP. Deshalb ist eine vorab gesenkte TTL der wirksamste Hebel für eine kurze Umstellung.

Dabei kommt es vor allem auf das Timing an. Resolver, die den alten hohen Wert bereits gespeichert haben, warten trotzdem, bis diese alte Frist abläuft. Folglich senken Sie die TTL mindestens so lange im Voraus, wie die aktuelle TTL dauert. Der Leitfaden von Google gibt dazu eine klare Empfehlung: Senken Sie die TTL mindestens eine Woche vorher auf einen vorsichtig niedrigen Wert, etwa einige Stunden.

In der Praxis gehen Sie so vor:

  1. Notieren Sie die aktuelle TTL Ihrer A, AAAA und bei Bedarf MX Einträge.
  2. Senken Sie die TTL dieser Einträge mindestens eine Woche vor dem Umzug.
  3. Ändern Sie am Umstellungstag die IP.
  4. Läuft alles einige Tage stabil, setzen Sie die TTL wieder hoch.

Überspringen Sie den letzten Schritt nicht, denn eine niedrige TTL sorgt für deutlich mehr Anfragen an Ihre DNS Server. Andererseits können Sie die TTL nur ändern, wenn Sie wissen, wo Ihr DNS verwaltet wird. Darum geht es im nächsten Abschnitt.

Nameserver ändern oder nur den A Record?

Es gibt zwei Wege, und die Wahl hängt vor allem davon ab, wo Ihr DNS liegt. Bei einem Nameserverwechsel zieht die gesamte DNS Zone zum neuen Anbieter. Bei einer Änderung des A Records bleibt das DNS, wo es ist; Sie ändern nur den Eintrag mit der IP Adresse der Website.

KriteriumNameserverwechselNur A Record ändern
Wo Sie es ändernIm Panel Ihres DomainregistrarsIn den Zoneneinträgen bei Ihrem DNS Verwalter
UmfangDie gesamte DNS Zone inklusive MX, TXT und CNAMENur die IP Adresse der Website
VerbreitungMeist langsamer; das Caching auf Ebene der übergeordneten Zone liegt nicht in Ihrer HandSchnell, entsprechend der vorab gesenkten TTL
Risiko für E-MailHoch, wenn MX oder TXT in der neuen Zone fehlenGering, solange Sie MX nicht anfassen
RückwegAuch das Zurücksetzen der Nameserver braucht ZeitDie alte IP ist schnell wieder eingetragen

Wollen Sie den Ausfall möglichst klein halten, ist der Weg über den A Record meist besser steuerbar. Liegt Ihr DNS zum Beispiel bei einem unabhängigen DNS Dienst oder beim Registrar, ändern Sie nur die IP und lassen die Zone unberührt. Entscheiden Sie sich für den Nameserverwechsel, bauen Sie die Zone beim neuen Anbieter vorher vollständig auf. Vergleichen Sie sie dann Zeile für Zeile mit der alten Zone. Registrar und aktuelle Nameserver sehen Sie mit unserer Whois Abfrage.

Lässt sich das Webhosting wechseln, ohne dass Nachrichten verloren gehen?

Ja, allerdings ist E-Mail der empfindlichste Teil des Umzugs. Klären Sie zuerst, wo Ihre Postfächer tatsächlich liegen. Zeigt Ihr MX Eintrag auf einen separaten Dienst wie Google Workspace oder Microsoft 365, betrifft der Hosterwechsel Ihre E-Mail nicht. Einzige Bedingung: Die neue DNS Zone enthält dieselben MX und Verifizierungseinträge.

Liegen die Postfächer allerdings beim alten Hoster, sieht es anders aus. Dann kopieren Sie die Postfächer auf den neuen Server und richten den MX Eintrag dorthin aus. Auch eine MX Änderung verbreitet sich jedoch schrittweise über die Dauer der TTL. In dieser Zeit stellen manche Absender noch beim alten Server zu. Daher sollten Sie die alten Postfächer nicht sofort schließen.

Eine praktische Regel lautet: Prüfen Sie nach der MX Änderung einige Tage lang auch die alten Postfächer. Per IMAP verbinden Sie sich mit dem Hostnamen oder der IP, die Ihnen der alte Anbieter nennt. Verspätete Nachrichten verschieben Sie dann ins neue Postfach. Zudem ändern sich oft die Einstellungen für Posteingangs und Postausgangsserver bei Ihren Nutzern. Die Einrichtung beschreiben wir in unserem Beitrag zur E-Mail mit eigener Domain. Kurz gesagt: Die E-Mail einen Tag nach der Website umzuziehen, ist eine vernünftige Option, weil Sie dann nicht zwei Risiken gleichzeitig tragen.

Was müssen Sie bei SPF, DKIM und PTR prüfen?

Nach dem Umzug verlassen dann Kontaktformulare und Bestellbestätigungen den neuen Server. Damit diese Nachrichten nicht im Spam landen, aktualisieren Sie Ihre Absendereinträge.

  • SPF: Die SPF Angabe im TXT Eintrag muss die IP des neuen Servers abdecken. Fehlt sie, stufen empfangende Server diese Nachrichten womöglich als verdächtig ein.
  • DKIM: Der neue Server erzeugt meist einen eigenen DKIM Schlüssel. Der DKIM Eintrag im DNS muss zum Schlüssel des signierenden Servers passen.
  • DMARC: Die Richtlinie bleibt in der Regel gleich. Beobachten Sie trotzdem die Berichte auf Fehler von der neuen IP.
  • PTR: Den Reverse DNS Eintrag verwaltet der Eigentümer der IP. Sind Sie auf einen VPS umgezogen, beantragen Sie ihn beim Anbieter.

Warum PTR wichtig ist, erklären wir in unserem Beitrag zum PTR Eintrag. Nach dem Umzug prüfen Sie alle drei Absendereinträge gemeinsam mit unserem SPF, DKIM und DMARC Check. Senden Sie danach eine Testnachricht an Ihre eigene Gmail oder Outlook Adresse. Kontrollieren Sie in den Kopfzeilen, ob SPF und DKIM bestehen. So bemerken Sie Probleme, bevor Kunden sich beschweren.

Wie installieren Sie das SSL Zertifikat auf dem neuen Server?

Ein SSL Zertifikat gehört zur Serverkonfiguration und wandert nicht automatisch mit den Dateien. Nutzen Sie ein kostenloses Zertifikat von Let's Encrypt, stellen Sie es auf dem neuen Server neu aus. Dabei gibt es ein Detail beim Timing.

Laut Dokumentation von Let's Encrypt funktioniert die Challenge HTTP-01 nur über Port 80, und Let's Encrypt liest die Prüfdatei über Ihre Domain. Das heißt: Solange die Domain nicht auf den neuen Server zeigt, erhalten Sie auf diesem Weg kein Zertifikat. Deshalb schließen automatische Systeme wie AutoSSL in cPanel das Zertifikat meist erst nach der DNS Umstellung ab. Die Challenge DNS-01 arbeitet stattdessen mit einem TXT Eintrag und ermöglicht auch Wildcard Zertifikate.

Um Unterbrechungen zu verringern, haben Sie zwei Möglichkeiten:

  1. Haben Sie ein kostenpflichtiges Zertifikat, exportieren Sie Zertifikat, privaten Schlüssel und Zwischenzertifikate vom alten Server. Installieren Sie alles vorab auf dem neuen Server.
  2. Nutzen Sie Let's Encrypt, lösen Sie die Ausstellung direkt nach der DNS Umstellung aus. Legen Sie die Umstellung außerdem in die Stunde mit dem geringsten Traffic.

Ist auf Ihrer Website HSTS aktiv, seien Sie besonders vorsichtig, weil Browser bei einem ungültigen Zertifikat kein Weiterklicken erlauben. Prüfen Sie die Zertifikatskette nach der Einrichtung mit unserem SSL Check. Zertifikatstypen erklären wir im Beitrag Was ist ein SSL Zertifikat.

Wie vermeiden Sie im Onlineshop verlorene Bestellungen?

Auf einer reinen Unternehmensseite ändern sich Inhalte selten, also bleiben Backup und Live Website deckungsgleich. In einem Onlineshop entstehen dagegen jede Minute neue Bestellungen, Registrierungen und Lagerbewegungen. Wer im Shop das Webhosting wechseln will, das Backup aber morgens erstellt und DNS erst abends umstellt, lässt die Bestellungen dazwischen auf dem alten Server zurück.

Dieses Problem lösen Sie mit einem Freeze Fenster. Darunter verstehen wir einen kurzen Zeitraum, in dem Sie alle Schreibvorgänge auf der Website anhalten. Die Reihenfolge sieht so aus:

  1. Wählen Sie die Stunde mit dem geringsten Traffic und informieren Sie Ihre Kunden vorab.
  2. Schalten Sie den Wartungsmodus ein und stoppen Sie Bestellungen und Registrierungen.
  3. Erstellen Sie den letzten Datenbankdump und importieren Sie ihn auf dem neuen Server.
  4. Gleichen Sie neue Dateien ab, die Nutzer hochgeladen haben.
  5. Stellen Sie DNS um und beenden Sie den Wartungsmodus auf dem neuen Server.
  6. Lassen Sie den Wartungsmodus auf dem alten Server aktiv, damit verspätete Besucher dort nicht bestellen.

Der letzte Punkt ist daher entscheidend. Erreicht ein Kunde während der Verbreitung noch die alte IP, könnte seine Bestellung die neue Datenbank nie erreichen. Prüfen Sie zudem die Benachrichtigungsadresse und die IP Freigabe Ihres Zahlungsanbieters. Führen Sie für Zahlung, Versand und Rechnungsstellung eine Testtransaktion vom neuen Server aus durch. Bei solchen Infrastrukturfragen unterstützen wir Sie im Rahmen unserer E-Commerce Beratung.

Wie läuft der Umstellungstag Schritt für Schritt ab?

Am Umstellungstag planen Sie nicht mehr, Sie setzen den Plan um. Deshalb empfehlen wir, die Schritte vorher aufzuschreiben und der Reihe nach abzuhaken. Die folgende Abfolge setzt voraus, dass die Vorbereitung aus den vorigen Abschnitten erledigt ist.

  1. Bestätigen Sie per DNS Abfrage, dass die TTL seit mindestens einer Woche niedrig ist.
  2. Starten Sie das Freeze Fenster, wenn die Website laufend Daten verändert.
  3. Erstellen Sie den letzten Datenbankdump, importieren Sie ihn und vergleichen Sie die Datensatzzahlen.
  4. Testen Sie den neuen Server ein letztes Mal über die hosts Datei und löschen Sie danach die Zeile.
  5. Aktualisieren Sie A und AAAA Einträge oder die Nameserver.
  6. Lösen Sie das SSL Zertifikat aus oder prüfen Sie das vorab installierte.
  7. Zieht die E-Mail mit um, aktualisieren Sie MX, SPF und DKIM.
  8. Testen Sie Formulare, Bezahlvorgang und ausgehende E-Mail unter der echten Domain.

Notieren Sie zudem zu jedem Schritt Uhrzeit und Ergebnis. Tritt ein Problem auf, sehen Sie sofort, nach welchem Schritt es begann. Legen Sie außerdem eine Schwelle für den Rückweg fest. Funktioniert zum Beispiel der Bezahlvorgang nach einer festgelegten Zeit nicht, tragen Sie im A Record wieder die alte IP ein. Weil der alte Server noch läuft und aktuell ist, dauert dieser Rückweg nur Minuten. Somit gilt: Ein Umzug ohne Rückwegplan ist bloß eine optimistische Annahme.

Wie verfolgen Sie die DNS Propagation?

DNS Propagation bezeichnet die schrittweise Übernahme des neuen Eintrags durch Resolver weltweit. Sie geschieht nicht auf einen Schlag; jeder Resolver erneuert den alten Eintrag, sobald dessen TTL abläuft. Deshalb sehen Sie womöglich schon die neue Website, während ein Besucher in einer anderen Stadt noch die alte sieht.

Auf der Kommandozeile fragen Sie Einträge mit dig ab:

dig +short example.com A
dig +short example.com MX
dig example.com NS

Für einen bestimmten öffentlichen Resolver ergänzen Sie dessen Adresse mit dem Zeichen @. So erhalten Sie ein Ergebnis, das nicht vom Cache Ihres eigenen Netzes abhängt. Bevorzugen Sie den Browser, zeigt die bereits erwähnte DNS Abfrage dieselben Einträge.

Google empfiehlt zudem, die Serverlogs auf altem und neuem System zu beobachten und öffentliche DNS Prüfdienste zu nutzen. Diese Methode bewährt sich in der Praxis. Steigt der Traffic im Zugriffslog des neuen Servers, sinkt er im alten. Trotzdem aktualisieren manche Netze und Firmenfirewalls Einträge verspätet. Beobachten Sie deshalb beide Seiten, bis beim alten Server kein Traffic mehr ankommt.

Wann sollten Sie den alten Hostingvertrag kündigen?

Kündigen Sie den alten Vertrag nicht am Tag der DNS Umstellung. Wer das Webhosting wechseln will und zu früh kündigt, macht einen der teuersten Fehler überhaupt. Auch der Leitfaden von Google rät, die alte Infrastruktur erst abzuschalten, wenn beim alten Anbieter kein Traffic mehr ankommt.

Eine zu frühe Kündigung birgt konkrete Risiken:

  • Besucher, deren Resolver noch die alte IP kennen, sehen eine Fehlerseite.
  • Verspätete Nachrichten, die beim alten Server ankommen, kommen zurück oder gehen verloren.
  • Einen vergessenen Cronjob, eine Datei oder eine Datenbanktabelle können Sie nicht mehr retten.
  • Bei einem Problem fehlt Ihnen der schnelle Rückweg.

Stimmen Sie daher das Vertragsende auf den Umzugsplan ab. Ziehen Sie zu knapp vor der Verlängerung um, sperrt der Anbieter das Konto womöglich mitten in der Umstellung. Ziehen Sie nach Möglichkeit einige Wochen vor der Verlängerung um, damit beide Konten ein paar Tage parallel laufen. Laden Sie vor der Kündigung ein letztes vollständiges Backup herunter und bewahren Sie es eine Weile auf. Ist Ihre Domain beim alten Hoster registriert, prüfen Sie außerdem die Domainregistrierung separat, damit die Kündigung die Verlängerung der Domain nicht berührt.

Wann sollten Sie den Umzug dem Hoster überlassen?

Sie müssen nicht jeden Umzug selbst durchführen, wenn Sie das Webhosting wechseln. Manchmal ist es die beste Entscheidung, die Arbeit dem Support des neuen Anbieters zu überlassen. Ehrlich gesagt ist dieser Weg für die meisten kleinen Websites schneller und sicherer.

In diesen Fällen raten wir dazu:

  • Beide Seiten nutzen cPanel, und der neue Anbieter bietet einen kostenlosen Umzug an.
  • Ihnen fehlt Erfahrung mit SSH, Datenbanken oder DNS.
  • Es gibt viele Postfächer mit jahrelanger Korrespondenz.
  • Sie wechseln zu einem Managed Hosting, bei dem Sie den Server nicht selbst verwalten.

Andererseits heißt Abgeben nicht, die Kontrolle ganz aufzugeben. Erstellen Sie die Bestandsliste selbst, testen Sie selbst über die hosts Datei und legen Sie den Zeitpunkt der DNS Umstellung selbst fest. Vor allem im Onlineshop planen Sie das Freeze Fenster gemeinsam mit dem Anbieter. Suchen Sie noch einen Anbieter, finden Sie die Kriterien in unserem Beitrag Webhosting auswählen. Reicht Ihr aktueller Tarif nur nicht mehr aus, ist ein Upgrade beim selben Anbieter eine Alternative; dazu folgt ein eigener Beitrag.

Checkliste: Webhosting wechseln in zwölf Punkten

Die folgende Liste bündelt die Schritte aus den vorigen Abschnitten. Drucken Sie sie aus und haken Sie jeden Punkt ab.

  • Bestandsliste: Domains, Datenbanken, E-Mail, Cronjobs, PHP Einstellungen und DNS Einträge erfassen.
  • IP Freigaben: neue IP bei Zahlungsanbieter, Rechnungssoftware und Schnittstellen melden.
  • Backup: Dateien, Datenbank und E-Mail sichern, prüfen und vom Server herunterladen.
  • Einrichtung: Website, Datenbank und Konfigurationsdatei im neuen Konto vorbereiten.
  • Test: alle wichtigen Seiten und Formulare über die hosts Datei ausprobieren.
  • TTL: mindestens eine Woche vor dem Umzug senken.
  • DNS Weg: zwischen Nameserverwechsel und A Record entscheiden.
  • E-Mail: Änderungen an MX, SPF, DKIM und PTR planen.
  • SSL: Methode und Zeitpunkt für das Zertifikat festlegen.
  • Freeze Fenster: Uhrzeit und Kundenhinweis für Websites mit laufenden Daten festlegen.
  • Rückweg: alte IP und Schwelle für die Rückkehr notieren.
  • Alter Vertrag: weiterlaufen lassen, bis kein Traffic mehr ankommt.

Mit dieser Liste wird aus dem Vorhaben, das Webhosting wechseln zu wollen, kein Glücksspiel, sondern ein messbares Projekt.

Was sollten Sie in der ersten Woche nach dem Umzug beobachten?

Die DNS Umstellung ist allerdings nicht das Ende des Umzugs. In der ersten Woche zeigen sich die versteckten Probleme. Deshalb empfehlen wir, einige Signale regelmäßig zu prüfen.

Schauen Sie zuerst ins Fehlerlog des Servers. Eine fehlende PHP Erweiterung oder ein Rechteproblem taucht meist dort auf. Prüfen Sie dann, ob die Cronjobs tatsächlich laufen; startet zum Beispiel das automatische Backup oder der Newsletterversand auf dem neuen Server? Kontrollieren Sie außerdem mit einer Testnachricht, ob ausgehende Nachrichten ankommen.

Auf der Suchseite beobachten Sie die Search Console. Google weist darauf hin, dass ein vorübergehender Rückgang der Crawlingrate direkt nach dem Start normal ist und in den folgenden Tagen ein stetiger Anstieg folgt. Stellen Sie zudem sicher, dass Ihre Bestätigungsmethode für die Search Console, etwa die HTML Datei oder das Meta Tag, auf dem neuen Server noch vorhanden ist.

Messen Sie schließlich die Geschwindigkeit. Vergleichen Sie den neuen Server mit Ihren Messungen vor dem Umzug, damit Sie wissen, ob er wirklich schneller ist. Möchten Sie die technische Grundlage Ihrer Website neu aufstellen, übernehmen wir die Infrastrukturplanung auch im Rahmen unseres Webdesign Service.

Kurz gesagt: Was macht einen Umzug ohne Ausfall aus?

Der Kern eines Umzugs ohne Ausfall ist, den Rückweg bis zum Schluss offen zu halten. Sie erstellen ein Backup, testen den neuen Server über die hosts Datei, senken die TTL eine Woche vorher und lassen den alten Vertrag laufen, bis kein Traffic mehr ankommt. Diese vier Gewohnheiten verhindern die meisten Probleme, bevor sie entstehen.

E-Mail und Onlineshop brauchen also die meiste Sorgfalt. Bei der E-Mail übernehmen Sie MX, SPF und DKIM vollständig. Im Shop verhindert das Freeze Fenster, dass die letzten Bestellungen verloren gehen. Fühlen Sie sich nicht bereit, das Webhosting wechseln selbst zu übernehmen, ist die Übergabe an den Anbieter ebenfalls eine professionelle Entscheidung, solange Test und Timing in Ihrer Hand bleiben.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange ist meine Website offline, wenn ich den Hoster wechsle?
Bei guter Planung gibt es praktisch keinen Ausfall, denn Besucher sehen entweder den alten oder den neuen Server. Eine Unterbrechung entsteht meist nur durch das kurze Freeze Fenster im Onlineshop. Senken Sie daher die TTL mindestens eine Woche vorher, testen Sie über die hosts Datei und lassen Sie den alten Vertrag weiterlaufen.
Wie lange dauert die DNS Propagation?
Die Dauer hängt von der TTL Ihrer Einträge ab. Haben Sie die TTL vorab gesenkt, verbreitet sich eine Änderung des A Records meist innerhalb dieser Frist. Ein Nameserverwechsel kann wegen des Cachings der übergeordneten Zone länger dauern. Manche Netze aktualisieren spät, deshalb beobachten Sie beide Server, bis beim alten kein Traffic mehr ankommt.
Gehen meine Nachrichten verloren, wenn ich das Webhosting wechsle?
Nein, sofern Sie die Postfächer vorher sichern. Läuft Ihre E-Mail bei einem separaten Dienst, übernehmen Sie nur MX und Verifizierungseinträge in die neue DNS Zone. Liegt die E-Mail beim alten Hoster, kopieren Sie die Postfächer, ändern den MX Eintrag und prüfen einige Tage lang die alten Postfächer auf verspätete Nachrichten.
Schadet ein Hosterwechsel meinem Google Ranking?
Bleiben Domain und URLs gleich, schadet ein sauber durchgeführter Hosterwechsel dem Ranking auf Dauer in der Regel nicht. Laut Google ist ein vorübergehender Rückgang der Crawlingrate direkt nach dem Umzug normal. Das eigentliche Risiko ist ein neuer Server mit Fehlern oder schwacher Leistung. Behalten Sie daher die Search Console Bestätigung und prüfen Sie die Fehlerlogs.
Kann ich mein SSL Zertifikat zum neuen Hoster mitnehmen?
Ja, ein kostenpflichtiges Zertifikat exportieren Sie samt privatem Schlüssel und Zwischenzertifikaten und installieren es auf dem neuen Server. Ein kostenloses Zertifikat von Let's Encrypt stellen Sie dagegen neu aus. Weil die HTTP Challenge voraussetzt, dass die Domain auf den neuen Server zeigt, klappt die Ausstellung meist direkt nach der DNS Umstellung.
Sollte ich den Umzug selbst machen oder dem Hoster überlassen?
Nutzen beide Seiten cPanel und bietet der neue Anbieter einen kostenlosen Umzug, ist die Übergabe meist schneller und sicherer. Haben Sie Erfahrung mit SSH, Datenbanken und DNS, können Sie es auch selbst erledigen. In beiden Fällen empfehlen wir, Bestandsliste, Test über die hosts Datei und Zeitpunkt der DNS Umstellung selbst zu steuern.
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Talha Aslan

Google Partner und Experte für digitales Marketing. Seit 2012 praktisch in SEO, Google Ads, Webdesign und E-Commerce Projekten; jeder Beitrag hier stammt aus dieser Erfahrung.

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