Was sind IOPS? Festplattenleistung, NVMe SSD und fio Messung

Was sind IOPS und was messen sie bei der Festplattenleistung?
IOPS steht für Input/Output Operations Per Second. Der Wert zeigt also, wie viele Lese und Schreibvorgänge ein Laufwerk pro Sekunde abschließen kann. Je höher die Zahl, desto schneller antwortet das Laufwerk auf kleine, häufige Anfragen. Daher hängen Datenbanken und WordPress Seiten, die viele kleine Datenstücke lesen, davon ab.
Wir haben diesen Leitfaden für Website und Shop Betreiber sowie für Entwickler geschrieben. Sie wollen eine Entscheidung zu Hosting oder VPS Speicher verstehen. Verwalten Sie Ihren eigenen VPS, können Sie die Befehle dann der Reihe nach ausführen. Außerdem erklären wir, warum jeder Schritt nötig ist, denn die meisten Probleme mit Datenträgern entstehen durch eine falsche Messung.
Wir sind ein Team für digitales Marketing und Web, kein Hosting Anbieter. Daher stützt sich die Erklärung auf die Dokumentation von fio und MySQL, auf Schnittstellenstandards und auf Produktunterlagen. Konkret: Wo wir eine Zahl nennen, steht die Quelle direkt daneben. Wo keine Quelle vorliegt, schreiben wir "typischer Bereich, je nach Produkt unterschiedlich".
Als Beispiele nutzen wir nur Dokumentations IP Blöcke und example.com als Domain. Zudem tragen Sie niemals echte Passwörter, Schlüssel oder Produktivdomains in Dateien ein, die Sie aus einer Anleitung kopiert haben.
Was ist der Unterschied zwischen IOPS, Durchsatz und Latenz?
Diese drei Werte beschreiben dasselbe Laufwerk aus drei Blickwinkeln. IOPS zählt die Vorgänge, der Durchsatz misst die Datenmenge pro Sekunde (MB/s), und die Latenz zeigt, wie lange ein einzelner Vorgang dauert. Somit kann der eine Wert hoch sein, während der andere niedrig bleibt.
Zum Beispiel hilft ein Vergleich mit der Autobahn. Der Durchsatz entspricht der Breite der Straße, also wie viel Verkehr gleichzeitig durchpasst. IOPS ist die Zahl der Autos, die in einer Stunde vorbeikommen. Die Latenz ist dann die Zeit, die ein einzelnes Auto von A nach B braucht.
- IOPS: Vorgänge pro Sekunde. Das zählt vor allem bei vielen kleinen Anfragen.
- Durchsatz (MB/s): Datenmenge pro Sekunde. Das zählt vor allem bei großen Dateikopien und Backups.
- Latenz: Dauer eines Vorgangs. Sie kommt deshalb der Wartezeit Ihres Besuchers am nächsten.
Es kann also in die Irre führen, nur MB/s oder nur IOPS zu lesen. Zum Beispiel zeigt ein Backup oft einen hohen MB/s Wert. Dasselbe Laufwerk kann trotzdem langsam wirken, wenn Hunderte kleiner Abfragen gleichzeitig eintreffen.
Wie hängen Latenz und IOPS zusammen?
Sinkt die Latenz, schließt ein System, das auf jeweils einen Vorgang wartet, mehr Vorgänge pro Sekunde ab. Die Grundbeziehung ist einfach: Die Vorgänge pro Sekunde nähern sich der Zahl der gleichzeitigen Vorgänge geteilt durch die mittlere Latenz. Das heißt: Die Warteschlangentheorie nennt diesen Zusammenhang das Little'sche Gesetz.
Ein Rechenbeispiel zeigt das konkret. Bei einer mittleren Latenz von 0,1 Millisekunden und einem Vorgang zur Zeit sind höchstens 10.000 Vorgänge pro Sekunde möglich. Steigt die Latenz dann auf 1 Millisekunde, sinkt die Obergrenze auf 1.000. Diese Zahlen zeigen daher nur die Logik. Es sind keine Werte eines echten Produkts.
Kurz gesagt ist ein IOPS Wert keine eigenständige "Leistungsangabe". Zudem messen Hersteller den Spitzenwert oft mit vielen gleichzeitigen Vorgängen. Ihre Website sendet dagegen häufig wenige Abfragen nacheinander. In diesem Fall hilft Ihnen eine niedrige Latenz mehr als eine riesige IOPS Zahl.
Zudem haben wir Latenz auch auf der Netzwerkseite behandelt. Lesen Sie dazu unseren Beitrag über Ping, Latenz und RTT. Dort geht es allerdings um die Entfernung des Servers, hier um die Antwortzeit des Datenträgers.
Was ist der Unterschied zwischen zufälligem und sequenziellem Lesen und Schreiben?
Bei einem sequenziellen Vorgang liest oder schreibt das Laufwerk Daten Stück für Stück in einem Strom. Bei einem zufälligen Vorgang fordert es dann kleine Stücke aus verschiedenen Stellen der Datei an. Beim zufälligen Zugriff zeigt sich der Unterschied zwischen den Laufwerkstypen am deutlichsten.
Zum Beispiel ist das Kopieren einer großen Backup Datei ein sequenzieller Vorgang. Eine Datenbank, die Indexseiten von verstreuten Stellen liest, ist ein zufälliges Beispiel. In der Praxis gehören die meisten Website Lasten zur zweiten Gruppe.
Denn eine Festplatte muss ihren Lesekopf mechanisch bewegen. Deshalb brechen ihre IOPS beim zufälligen Zugriff stark ein. Zudem nennt die MySQL Dokumentation für ältere Laufwerke etwa 100 IOPS. Flash Speicher hat dagegen keine beweglichen Teile, daher ist der zufällige Zugriff dort viel schneller.
- Sequenzielles Lesen: Backups, große Dateiübertragungen, Videostreaming.
- Zufälliges Lesen: Datenbankabfragen, viele kleine PHP und Bilddateien.
- Zufälliges Schreiben: Sitzungsdateien, Logs, Bestelldatensätze.
Wie verändert die Blockgröße IOPS und MB/s?
In der Praxis entspricht der Durchsatz ungefähr IOPS mal Blockgröße. Dasselbe Laufwerk zeigt mit kleinen Blöcken hohe IOPS und mit großen Blöcken hohe MB/s. Sie müssen also die Blockgröße kennen, bevor Sie ein Testergebnis lesen.
Ein Rechenbeispiel: 10.000 Vorgänge pro Sekunde bei 4 KB Blockgröße ergeben etwa 40 MB/s. Schafft dasselbe Laufwerk mit 1 MB Blöcken 500 Vorgänge pro Sekunde, messen Sie etwa 500 MB/s. Das Laufwerk ist in beiden Tests dasselbe, denn nur die Last hat sich geändert.
Zum Beispiel beträgt die Standardblockgröße von fio 4 KB, das steht in der offiziellen Dokumentation. Viele Tests für zufälligen Zugriff nutzen ebenfalls 4 KB, weil das kleine Lese und Schreibvorgänge abbildet. Der MB/s Wert auf einer Werbeseite stammt dagegen meist aus einem sequenziellen Test mit großen Blöcken.
Außerdem müssen beim Vergleich zweier Anbieter Blockgröße, Warteschlangentiefe und Lese Schreib Verhältnis übereinstimmen. Sonst ist der Vergleich wertlos.
Was ist die Warteschlangentiefe und warum ist sie wichtig?
Die Warteschlangentiefe ist die Zahl der Vorgänge, die im selben Moment am Laufwerk warten. Mit wachsender Tiefe kann eine SSD daher Vorgänge parallel bearbeiten, und die IOPS steigen. Eine mechanische Festplatte gewinnt dabei wenig, denn sie hat nur einen Kopf.
Zunächst: Ein Test mit Tiefe 1 misst nur den Fall einer einzelnen Anfrage. Manchmal ist das realistisch, etwa bei einem Admin Bereich mit einem Nutzer. In einem stark besuchten Shop warten jedoch Dutzende Abfragen gleichzeitig auf den Datenträger. Dann ist eine höhere Tiefe realistischer.
Merken Sie sich einen Punkt: Mit der Tiefe steigen die IOPS, aber auch die Latenz. Denn Ihr Besucher spürt die Latenz. Daher sollte ein guter Test IOPS und Latenz Perzentile gemeinsam ausweisen.
Außerdem prägt die Schnittstelle die Warteschlange. Das AHCI Protokoll hinter SATA unterstützt eine einzige Befehlswarteschlange mit bis zu 32 Befehlen. NVMe unterstützt bis zu 64.000 Warteschlangen mit je bis zu 64.000 Befehlen (Quelle: Vergleich von NVMe und SATA bei phoenixNAP).
Was ist der Unterschied zwischen HDD, SATA SSD und NVMe SSD?
Eine HDD arbeitet mit mechanischen Scheiben und einem Lesekopf. Dagegen nutzt eine SATA SSD Flash Zellen hinter einer SATA Schnittstelle. Schließlich nutzt eine NVMe SSD denselben Flash, hängt aber über PCIe direkt am Prozessor. Der Unterschied zeigt sich bei Latenz und Parallelität, nicht nur bei der Geschwindigkeit.
| Merkmal | HDD | SATA SSD | NVMe SSD |
|---|---|---|---|
| Funktionsweise | Mechanische Scheibe und Kopf | Flash Zellen, SATA Schnittstelle | Flash Zellen, PCIe Schnittstelle |
| Zufällige IOPS | Größenordnung um 100 (MySQL Dokumentation, ältere Laufwerke) | Weit über HDD; je nach Produkt unterschiedlich | Über SATA SSD; je nach Produkt unterschiedlich |
| Sequenzielle Geschwindigkeit | Typischer Bereich, je nach Produkt unterschiedlich | Theoretisch 600 MB/s, praktisch etwa 550 MB/s (phoenixNAP) | Übersteigt die SATA Grenze; hängt von PCIe Generation und Lanes ab |
| Latenz | Hoch wegen mechanischer Bewegung | Deutlich niedriger als HDD | Unter 100 Mikrosekunden (phoenixNAP) |
| Befehlswarteschlange | Meist SATA oder SAS Schnittstelle | Eine Warteschlange, 32 Befehle (AHCI) | 64.000 Warteschlangen mit je 64.000 Befehlen |
Die Formulierung "je nach Produkt unterschiedlich" ist Absicht. Trotzdem können selbst zwei Laufwerke derselben Klasse stark abweichen. Lesen Sie daher vor der Entscheidung das Datenblatt des Herstellers und unabhängige Tests. Quelle: Vergleich von NVMe und SATA bei phoenixNAP.
Warum arbeitet NVMe anders als eine SATA SSD?
NVMe ist ein Protokoll, das von Grund auf für die Geschwindigkeit von Flash Speicher entworfen wurde. SATA und AHCI stammen dagegen noch aus der Zeit drehender Platten, also aus einer anderen Epoche. NVMe spricht über PCIe Lanes direkt mit dem Prozessor und nutzt viele Warteschlangen parallel.
Laut phoenixNAP kann NVMe Daten über vier PCI Express Lanes übertragen, die direkt am Mainboard hängen. Zudem nennt dieselbe Quelle eine geringere Latenz als bei SSDs, die über SATA angebunden sind. Auch die theoretische Bandbreite liegt über der SATA Grenze von 600 MB/s.
Zunächst sollten Sie zwei Begriffe trennen. "SSD" ist eine Speicherart, "NVMe" ist die Art der Anbindung. Jede NVMe ist also eine SSD, aber nicht jede SSD ist NVMe. Steht in einem Hosting Tarif nur "SSD", kann es durchaus SATA sein.
Auch eine M.2 Karte muss nicht NVMe sein. Manche M.2 Karten laufen zum Beispiel über SATA. Achten Sie daher auf der Produktseite gezielt auf das Wort "NVMe".
Bringt eine NVMe SSD bei jeder Website einen Unterschied?
Nein. Allerdings hilft NVMe nur, wenn der Datenträger der Engpass Ihrer Website ist. Bei vielen Inhaltsseiten liegt die Langsamkeit eher an der PHP Verarbeitung, an schweren Plugins, an großen Bildern und an fehlendem Cache. Ein Wechsel des Laufwerks ändert dann kaum etwas.
Beim Laden einer Seite ist die Kette lang: Netzwerk, Webserver, PHP, Datenbank und Datenträger. Somit bestimmt das langsamste Glied die Gesamtzeit. Der Datenträger ist also nur ein Teil dieser Kette.
Ist ein Cache aktiv, kommt die Seite dann oft aus dem Arbeitsspeicher oder aus einer fertigen Datei. Somit sinken die Anfragen an den Datenträger. Zum Beispiel erreichen bei einer WordPress Seite mit vollständigem Seitencache die meisten Besucher die Datenbank gar nicht. Den Unterschied beim Datenträger spüren vor allem die Anfragen, die den Cache umgehen.
- Wenig Verkehr und statische Seiten: Dann bleibt der Laufwerkstyp im Hintergrund.
- Viele Anfragen ohne Cache, etwa Admin Bereich, Suche und Filter: Dann gewinnt der Datenträger an Bedeutung.
- Viele Schreibzugriffe auf die Datenbank: Hier schauen Sie zuerst hin.
Wie Geschwindigkeit die Suche beeinflusst, haben wir in Wie beeinflusst die Ladezeit das SEO erklärt.
Wie hängt eine Datenbank von IOPS ab?
Zunächst teilt eine Datenbank ihre Daten in kleine Seiten auf und liest und schreibt sie auf dem Datenträger. Die Last ist daher von Natur aus zufällig und klein. Jede Seite, die nicht im Arbeitsspeicher liegt, bedeutet einen Lesezugriff, und jeder Eintrag im Transaktionslog braucht einen Schreibzugriff. Deshalb gehört eine Datenbank zu den Lasten, die am stärksten auf IOPS reagieren.
Konkret macht die InnoDB Engine von MySQL das als Einstellung sichtbar. Laut offizieller Dokumentation sollten Sie die Variable innodb_io_capacity nahe an die Zahl der E/A Vorgänge setzen, die das System pro Sekunde schafft. Der Standardwert beträgt also 200. Die Seite nennt etwa 100 für Festplatten bis 7200 U/min, den Standard 200 für einfachere SSDs und einen Wert wie 1000 für leistungsstärkere SSDs.
Allerdings ist es nicht immer klug, diese Einstellung zu ändern. Zum Beispiel kann ein zu hoher Wert einen Schreibdruck erzeugen, den der Datenträger nicht bewältigt. Außerdem können Sie sie auf einem Server, den Ihr Anbieter verwaltet, oft gar nicht ändern.
Wirksamer sind meist diese Schritte: einen fehlenden Index anlegen, langsame Abfragen finden und dem Pufferspeicher genug Arbeitsspeicher geben. Quelle: MySQL Dokumentation zur InnoDB E/A Kapazität.
Wo spüren Sie die Datenträgerleistung bei einer WordPress Seite?
In der Praxis kann WordPress bei jeder Anfrage Dutzende PHP Dateien und Datenbankabfragen ausführen. Ohne Cache baut jeder Besuch diese Kette dann von vorn auf. Daher spüren Sie den Datenträger vor allem im Admin Bereich, im WooCommerce Warenkorb und bei Suchergebnissen.
Zunächst nutzt der Admin Bereich keinen Seitencache. Zudem schreiben Plugin und Theme Updates viele kleine Dateien. Auf einem langsamen Datenträger dauert ein Update deshalb länger. Backup Plugins lesen und komprimieren außerdem gleichzeitig Dateien, sodass sie den Rest der Seite bremsen können.
Im E-Commerce ist die Lage allerdings kritischer. Denn Bestandsupdates, Bestelldatensätze und Sitzungsdaten erzeugen ständig Schreibzugriffe. Den Einfluss der Geschwindigkeit auf den Umsatz haben wir in Ladezeit im Onlineshop und Umsatz behandelt.
Zudem gibt es auch bei PHP einen Gewinn. OPcache hält kompilierten PHP Code im Arbeitsspeicher und verringert Dateizugriffe. Details finden Sie in Was ist OPcache.
Welche Frage zum Datenträger sollten Sie bei einem Hosting Tarif stellen?
Prüfen Sie zunächst, ob im Tarif "SSD" oder "NVMe" steht. Klären Sie dann, ob der Datenträger mit anderen geteilt wird und ob Ihr Konto ein E/A Limit hat. Denn bei Shared Hosting nutzen benachbarte Konten denselben Datenträger. Der Laufwerkstyp allein genügt daher nicht.
Zum Beispiel setzen manche Shared Tarife ein E/A und IOPS Limit pro Konto. Erreichen Sie dieses Limit, wird die Seite langsam, auch wenn das Laufwerk schnell ist. Das Limit steht zum Beispiel auf der Tarifseite oder in den Nutzungsbedingungen. Fehlt es dort, ist daher eine Nachfrage beim Anbieter sinnvoll.
| Hosting Art | Teilung des Datenträgers | Worauf Sie achten |
|---|---|---|
| Shared Hosting | Viele Konten nutzen denselben Datenträger | E/A und IOPS Limit pro Konto |
| VPS | Virtueller Datenträger im Speicher des Anbieters | Laufwerkstyp und Speicherlimits des Anbieters |
| Dedizierter Server | Die Laufwerke gehören nur Ihnen | Laufwerkstyp, Anzahl und Redundanz |
Die allgemeinen Auswahlkriterien haben wir in Webhosting auswählen gesammelt. Die Frage zum Datenträger ist nur ein Punkt auf dieser Liste.
Welche Fragen zum Datenträger richten Sie an Ihren Hosting Anbieter?
Die Fragen an den Anbieter sollten daher kurz und messbar sein. Fragen Sie stattdessen nach Laufwerkstyp, Teilungsmodell und Limits, nicht nur "Ist es schnell?". Bewahren Sie die schriftliche Antwort auf, denn sie ist Ihre Grundlage, falls später ein Problem auftritt.
- Welchen Laufwerkstyp gibt es: HDD, SATA SSD oder NVMe?
- Gibt es ein IOPS oder E/A Limit für mein Konto oder meine virtuelle Maschine?
- Ist der Speicher redundant, und wie wirkt sich das auf die Leistung aus?
- Können andere Kunden auf demselben Datenträger mich zu Spitzenzeiten beeinflussen?
- Darf ich die Datenträgerleistung mit eigenen Werkzeugen testen?
- Liegen Backups auf demselben Datenträger oder in einem getrennten Speicher?
Die fünfte Frage ist allerdings besonders wichtig. Denn manche Anbieter werten eine starke Testlast als Verstoß gegen ihre Bedingungen. Holen Sie daher zuerst die Erlaubnis ein und messen Sie danach. Zu Backups lesen Sie unseren Beitrag zur Website Backup Strategie.
Wie funktionieren IOPS Limits bei VPS und Cloud Datenträgern?
Bei virtuellen Servern wird der Datenträger oft aus dem gemeinsamen Speicher des Anbieters herausgeschnitten. Deshalb koppeln manche Anbieter IOPS und Durchsatz an den Tarif. Das heißt, zwei gleich große Datenträger können in verschiedenen Tarifen unterschiedlich schnell sein. Die Limits stehen daher in der Tarifdokumentation.
Ein Datenträger, der sein Limit erreicht, stürzt nicht ab, sondern wird langsamer. Die Vorgänge warten dann in einer Schlange, und die Latenz steigt. Sie erkennen das konkret an langsamen Abfragen und längeren Seitenzeiten. Größe und Geschwindigkeit des Datenträgers sind also zwei getrennte Fragen.
Es gibt zwei Auswege. Erstens wechseln Sie in einen Tarif mit höherem Limit. Zweitens senken Sie die Anfragen an den Datenträger durch Cache und Indizes. Der zweite Weg ist deshalb oft günstiger. Überschreiten Sie das Limit aber wirklich, führt kein Weg am Upgrade vorbei.
Achten Sie außerdem beim Lesen der Werte in der Anbieterdokumentation auf gleiche Testbedingungen. Fehlt zum Beispiel die Blockgröße, sollten Sie die Zahl vorsichtig deuten.
Wie messen Sie die Datenträgerleistung mit fio?
fio ist das verbreitetste Werkzeug für Datenträgertests unter Linux. Zunächst definieren Sie einen Job mit Lese oder Schreibtyp, Blockgröße, Warteschlangentiefe und Dauer. Danach gibt das Werkzeug IOPS, Bandbreite und Latenz Perzentile aus. Der folgende Befehl misst zufälliges Lesen mit 4 KB.
fio --name=zufaellig-lesen --filename=/var/tmp/fio-test.bin --size=1G \
--rw=randread --bs=4k --ioengine=libaio --iodepth=32 \
--direct=1 --runtime=30 --time_based --group_reporting
Die Teile des Befehls erklären wir kurz. --rw=randread wählt zufälliges Lesen. --bs=4k legt die Blockgröße fest. --direct=1 umgeht den Cache des Betriebssystems, damit Sie das Laufwerk selbst messen. --time_based und --runtime=30 lassen den Test 30 Sekunden laufen.
Für die sequenzielle Geschwindigkeit und eine gemischte Last ändern Sie dasselbe Muster.
# Sequenzielles Lesen, großer Block
fio --name=seq-lesen --filename=/var/tmp/fio-test.bin --size=1G \
--rw=read --bs=1M --ioengine=libaio --iodepth=8 \
--direct=1 --runtime=30 --time_based --group_reporting
# Zufällige gemischte Last, 70 Prozent Lesen
fio --name=gemischt --filename=/var/tmp/fio-test.bin --size=1G \
--rw=randrw --rwmixread=70 --bs=4k --ioengine=libaio --iodepth=16 \
--direct=1 --runtime=30 --time_based --group_reporting
# Testdatei löschen
rm /var/tmp/fio-test.bin
Diese Befehle arbeiten mit einer Datei und schreiben nicht auf einen Rohdatenträger. Allerdings kann ein fio Job, der auf ein Rohgerät schreibt, Daten zerstören. Überlegen Sie daher zweimal, bevor Sie einen Gerätenamen von Hand eintippen. Details finden Sie in der offiziellen fio Dokumentation.
Wie lesen Sie die Ausgabe von fio?
Schauen Sie in der Ausgabe zuerst auf die Zeile mit IOPS= und BW=, dann auf die Zeile clat. IOPS zeigt die Zahl der Vorgänge, BW die Bandbreite und clat die Abschlusslatenz. Folglich ist die Perzentil Tabelle der Latenz der beste Weg, langsame Anfragen zu erkennen.
Allerdings kann die mittlere Latenz täuschen. Das 99. oder 99,9. Perzentil zeigt, wie langsam die langsamsten Anfragen sind. Bemerken Besucher ein Stocken auf einer Seite, sind meist diese Ausreißer die Ursache.
- Hohe IOPS bei hoher Latenz: Die Warteschlangentiefe ist womöglich zu groß, wiederholen Sie den Test mit geringerer Tiefe.
- Niedrige IOPS bei niedriger Latenz: Der Test ist womöglich auf eine einzelne Anfrage beschränkt.
- Die Ergebnisse schwanken von Minute zu Minute: Der Datenträger ist womöglich geteilt, oder ein anderer Prozess belastet ihn.
Wiederholen Sie den Test mehrmals zu verschiedenen Uhrzeiten, denn ein einzelner Lauf kann Zufall sein. Außerdem bremst ein Test auf dem Datenträger einer Live Seite auch Ihre Besucher. Messen Sie daher möglichst in einem Wartungsfenster.
Wie erkennen Sie mit iostat einen Datenträger Engpass auf einem Live Server?
iostat gehört zum Paket sysstat und zeigt, wie ausgelastet ein Datenträger ist, während der Server läuft. Es beobachtet nur und erzeugt keine Last, daher ist es auf einem Live System sicherer als fio. Für die erweiterte Ausgabe nutzen Sie dann den Befehl iostat -x 1.
iostat -x 1
Die Spaltennamen unterscheiden sich je nach sysstat Version leicht. Im Allgemeinen sehen Sie Lese und Schreibvorgänge pro Sekunde, Wartezeiten, die mittlere Warteschlangenlänge und den Auslastungsprozentsatz. Steigen die Wartezeiten und wächst die Warteschlange, ist somit der Datenträger der Engpass.
Verlassen Sie sich allerdings nicht allein auf den Auslastungsprozentsatz. SSDs und NVMe Laufwerke arbeiten parallel, daher können sie 100 Prozent anzeigen, obwohl noch Reserve bleibt. Wartezeit und Warteschlangenlänge sind daher verlässlichere Zeichen.
Ist der Datenträger in Ordnung, schauen Sie dann woanders hin. Prozessor, Arbeitsspeicher und Netzwerk können eine Seite ebenso bremsen. Um zu sehen, woher die Anfragen kommen, können Sie auch unsere Logfile Analyse nutzen.
Was tun Sie zuerst, wenn der Datenträger langsam wirkt?
Auch wenn der Datenträger langsam wirkt, sollte der Austausch trotzdem nicht der erste Schritt sein. Senken Sie zunächst die Zahl der Anfragen, die den Datenträger erreichen. Denn Cache, Indizes und Bildoptimierung bringen meist ein günstigeres und schnelleres Ergebnis als ein größeres Laufwerk.
- Seitencache: Hält die Seite bereit, sodass PHP und Datenbank nicht laufen.
- Objektcache: Speichert die Ergebnisse häufiger Abfragen im Arbeitsspeicher. Lesen Sie dazu Redis und Memcached.
- HTTP Cache: Setzt eine Cache Schicht vor die Anwendung, und Varnish Cache übernimmt diese Aufgabe.
- Datenbankindex: Vermeidet unnötige vollständige Tabellenscans.
- Bildgröße: Weniger Bytes bedeuten also weniger Lesezugriffe.
Messen Sie danach erneut. Denn ohne Werte vorher und nachher wissen Sie nicht, welcher Schritt gewirkt hat. Für die Seitenseite ist der Google Lighthouse Test ein guter Anfang.
Sehen Sie nach diesen Schritten weiterhin Datenträger Latenz, ist dann der Wechsel in einen schnelleren Tarif sinnvoll.
Wie wirkt sich RAID auf IOPS aus?
RAID nutzt mehrere Laufwerke als eine Einheit und verändert je nach Level sowohl IOPS als auch Ausfallsicherheit. Weil das Thema eine eigene Seite verdient, geben wir hier nur einen kurzen Hinweis. Daher behandeln wir RAID ausführlich in einem separaten Beitrag.
Zusammengefasst lautet der Überblick: Manche Level erhöhen die Lese IOPS, andere bringen beim Schreiben zusätzlichen Aufwand. "Es hat RAID, also ist es schnell" ist daher kein gültiger Schluss. Nennt ein Hosting Tarif RAID, fragen Sie deshalb, ob es der Geschwindigkeit oder der Ausfallsicherheit dient.
Außerdem ist RAID kein Backup. Löschen Sie zum Beispiel versehentlich eine Datei oder verschlüsselt Ransomware Ihre Dateien, schützt RAID Sie nicht. Eine eigene Backup Strategie brauchen Sie daher in jedem Fall.
Wann sollten Sie Datenträger Arbeiten nicht selbst erledigen, sondern Ihrem Anbieter überlassen?
Bei Shared Hosting, verwaltetem VPS und verwalteten Cloud Tarifen ist die Datenträger Abstimmung Sache des Anbieters. Denn eigene Tests oder Eingriffe in Kernel Einstellungen gehen dort über Ihre Rechte hinaus und bergen Risiko. Stattdessen eröffnen Sie besser ein Support Ticket und teilen Ihre Messung.
Verwalten Sie Ihren eigenen VPS, können Sie dann mit fio und iostat messen. In diesen Fällen überlassen Sie die Arbeit aber lieber einem Experten oder dem Anbieter:
- Sie müssten auf einen Rohdatenträger oder eine Partition mit Live Daten schreiben.
- Sie wollen Dateisystem, RAID oder Datenträger Aufbau ändern.
- Es gibt kein Backup, oder Sie haben die Wiederherstellung nie getestet.
- Sie planen einen Lasttest auf einem Live Shop zu Spitzenzeiten.
Wir betreiben also kein Hosting, sondern unterstützen Sie bei Web und Marketing. Bei technischen Entscheidungen hat die offizielle Anleitung Ihres Anbieters Vorrang. Planen Sie einen Neuaufbau Ihrer Website, sehen Sie sich unser Webdesign Angebot an.
Welcher Laufwerkstyp passt zu welcher Last?
Zum Beispiel genügt für eine kleine Visitenkarten Seite fast jede SSD. Für einen datenbanklastigen Shop ist NVMe dann ein sinnvolles Ziel. Die Tabelle unten gibt eine Startrichtung je nach Last. Sie beruht allerdings nur auf Erfahrung aus der Praxis und ist keine Garantie.
| Last | Wichtigster Messwert | Startrichtung für den Datenträger |
|---|---|---|
| Firmenseite mit Cache | Niedrige Latenz | Eine SSD genügt |
| Blog und Nachrichtenseite | Zufälliges Lesen | SSD, bei viel Verkehr NVMe |
| WooCommerce und E-Commerce | Zufälliges Schreiben und Latenz | NVMe und getrennter Backup Speicher |
| Datenbanklastige Anwendung | IOPS und Latenz Perzentile | NVMe, zuerst messen |
| Medien und Dateiarchiv | Kapazität und sequenzielle Geschwindigkeit | Große SSD oder HDD |
Treffen Sie die Entscheidung anhand von Ergebnissen, die Sie an Ihrer eigenen Last messen, nicht anhand von Spitzenwerten. Auch der Webserver spielt mit, wie unser Beitrag zu OpenLiteSpeed und Nginx zeigt.
Was sind die häufigsten Fehler bei IOPS?
Erstens ist der häufigste Fehler, nach einer einzigen Zahl zu entscheiden. Zweitens vergleichen viele zwei Tests mit unterschiedlicher Blockgröße und Warteschlangentiefe. Drittens gibt man dem Datenträger die Schuld, obwohl der Engpass woanders liegt.
- Die Spitzen IOPS einer Werbeseite für den Wert halten, den Ihre Seite sehen wird.
- Nur MB/s lesen und den zufälligen Zugriff nie messen.
- Mit aktivem Cache testen und glauben, man habe den Datenträger selbst gemessen.
- Einen starken Lasttest auf dem Datenträger einer Live Seite fahren.
- Cache und Index Schritte überspringen und direkt zum Upgrade greifen.
Außerdem sollten Sie einer einmaligen Messung nicht trauen. Denn die Datenträgerleistung kann je nach Uhrzeit und Nachbarlast schwanken. Nehmen Sie daher mindestens einige Messungen vor, bevor Sie den Hoster wechseln. So sparen Sie auch die Kosten eines falschen Upgrades.
Bei Problemen jenseits des Datenträgers kann unsere SEO Beratung zudem bei technischem SEO und Geschwindigkeit helfen.



