Hosting Tarif upgraden: Wann lohnt es sich und wie klappt es ohne Ausfall?

Hosting Tarif upgraden: Was bedeutet das und wann ist es nötig?
Wer seinen Hosting Tarif upgraden will, wechselt beim selben Anbieter in ein Paket mit mehr CPU, mehr Arbeitsspeicher, mehr gleichzeitigen Prozessen und mehr Speicherplatz. Nötig ist das, wenn Sie dauerhaft an Ressourcenlimits stoßen, die Website trotz Optimierung langsam bleibt oder Fehler 503 und 508 immer wieder auftreten.
Allerdings ist nicht jede Verlangsamung ein Tarifproblem. Denn ein schweres Theme, unkomprimierte Bilder oder ein fehlerhaftes Plugin zeigen dieselben Symptome. Deshalb gilt: zuerst die Diagnose, dann die Entscheidung.
In diesem Ratgeber gehen wir den gesamten Ablauf Schritt für Schritt durch. Sie erfahren, wie Sie die Warnsignale lesen, welche Art von Upgrade zu Ihnen passt und wie der Wechsel ohne Ausfall gelingt. Außerdem finden Sie eine Liste mit Fragen, die Sie Ihrem Anbieter stellen sollten.
Zur Einordnung: Wir sind kein Hostinganbieter, sondern ein Team für digitales Marketing und Webentwicklung. Daher stützen wir die technischen Details auf offizielle Dokumentation. Tarifnamen, Preise und Erstattungsregeln unterscheiden sich je nach Anbieter. Hier hat immer der Vertrag Ihres Anbieters das letzte Wort.
Wenn Sie neu im Thema sind, beginnen Sie am besten mit unserem Ratgeber zum Thema Webhosting auswählen.
An welchen Signalen erkennen Sie, dass Ihr Tarif nicht mehr reicht?
Ein einzelnes Symptom beweist noch nichts, denn meist treten mehrere Signale gemeinsam auf. Entscheidend ist daher, ob das Problem vorübergehend oder dauerhaft besteht. Ein einzelner Aktionstag ist also etwas anderes als ein täglicher Engpass.
Achten Sie vor allem auf diese Signale:
- Ressourcengrafiken in Ihrem Kundenbereich, die jeden Tag die Limitlinie berühren.
- Verlangsamungen oder Zeitüberschreitungen, die sich zu denselben Uhrzeiten wiederholen.
- Besucher, die gelegentlich Fehlerseiten mit Code 503 oder 508 sehen.
- Ein spürbar trägeres Backend, vor allem im WordPress Dashboard.
- Fehler beim Hochladen, weil das Kontingent für Speicher oder Inodes (Dateianzahl) voll ist.
- Ein dauerhafter Anstieg der Besucherzahlen durch neue Werbekanäle, Saisongeschäft oder einen wachsenden Onlineshop.
Andererseits reicht ein einzelnes Signal selten für eine Entscheidung. Zum Beispiel liegt ein voller Speicher oft an alten Backups oder Logdateien. In diesem Fall ist Aufräumen sinnvoller als ein größerer Tarif.
Unser Beitrag Warum ist meine Website langsam beschreibt serverseitige Ursachen ausführlich und erleichtert Ihnen die Diagnose.
Wie lesen Sie die Grafiken zur Ressourcennutzung?
Zunächst ein Blick auf die Technik: Viele Anbieter von Shared Hosting setzen CloudLinux ein. CloudLinux steckt jedes Konto in einen eigenen Container namens LVE. Somit bremst ein Konto mit hohem Verbrauch seine Nachbarn nicht aus.
Die Dokumentation zu den CloudLinux Limits nennt die wichtigsten Grenzen. SPEED begrenzt die CPU, PMEM den physischen Arbeitsspeicher, EP die gleichzeitigen Eingangsprozesse und NPROC die Gesamtzahl der Prozesse. IO begrenzt den Datendurchsatz der Festplatte, IOPS die Operationen pro Sekunde und Inodes die Anzahl der Dateien und Ordner.
In cPanel finden Sie diese Daten außerdem meist im Bereich „Resource Usage“. Laut der Dokumentation des CloudLinux Managers zeigen die Diagramme den durchschnittlichen Verbrauch, das Limit und sogenannte Faults in eigenen Farben. Ein Fault bedeutet, dass das Konto ein Limit erreicht hat.
Gehen Sie beim Lesen in dieser Reihenfolge vor. Zunächst prüfen Sie die Zahl der Faults; ohne Faults reicht Ihr Tarif vermutlich aus. Danach suchen Sie die Ressource, bei der sich die Faults häufen. Schließlich betrachten Sie die Uhrzeiten: Treten die Faults gebündelt oder über den ganzen Tag verteilt auf?
Das heißt, die Grafik sagt Ihnen nicht nur „voll“. Sie zeigt auch, was voll ist. Faults beim Arbeitsspeicher und Faults bei den Eingangsprozessen verlangen unterschiedliche Lösungen.
Hängen die Fehler 503 und 508 mit Ihrem Tarif zusammen?
Häufig ja, aber nicht immer. Laut CloudLinux Dokumentation liefert der Webserver den Fehlercode 508, sobald ein Konto sein Limit für Eingangsprozesse (EP) erreicht. Für Skripte, die an Speicher oder Prozessgrenzen stoßen, nennt dieselbe Seite die Fehler 500 oder 503.
Die Meldung „508 Resource Limit“ ist also ein recht klares Signal. Konkret haben zu viele gleichzeitige Anfragen das Prozesskontingent Ihres Kontos ausgeschöpft. Diese Anfragen können von echten Besuchern stammen, ebenso aber von Bots.
Ein Fehler 503 hat dagegen eine breitere Bedeutung. Der Server kann sich in Wartung befinden, der Pool der PHP Prozesse kann erschöpft sein oder ein Plugin hängt. Die vollständige Diagnose beschreiben wir im Beitrag zum Fehler 503 Service Unavailable.
Was sollten Sie also tun? Notieren Sie die Uhrzeit des Fehlers und vergleichen Sie sie mit der Ressourcengrafik zur selben Stunde. Zeigt die Grafik Faults bei EP oder PMEM, liegt die Ursache sehr wahrscheinlich am Limit. Ist die Grafik unauffällig, suchen Sie die Ursache im Code, in Plugins oder am Server insgesamt. Senden Sie dann die Fehlerzeit an den Support Ihres Anbieters.
Vergessen Sie zudem die Bots nicht. Aggressive Crawler füllen das EP Limit oft schneller als echte Besucher. Ein Upgrade ohne Blick in die Zugriffslogs verschiebt das Problem womöglich nur.
Ist mehr Traffic allein ein Grund für ein Upgrade?
Nein, mehr Traffic allein reicht nicht aus. Die eigentliche Frage lautet, ob sich der zusätzliche Traffic in Ihren Ressourcenlimits zeigt. Eine gut gecachte Website verkraftet oft die doppelte Besucherzahl im selben Tarif.
Allerdings verbrauchen manche Arten von Traffic deutlich mehr Ressourcen. Zum Beispiel kommen Warenkorb, Kasse und Kundenkonto in einem Onlineshop meist nicht aus dem Seitencache. Jeder dieser Aufrufe fragt die Datenbank ab und startet einen PHP Prozess. Deshalb erzeugt dieselbe Besucherzahl bei einem Blog wenig und bei einem Shop viel Last.
Bei geplanten Spitzen lohnt es sich daher, früh zu handeln. Prüfen Sie den Ressourcenstatus vor einer großen Werbekampagne, einem TV Auftritt oder einer Rabattwoche. Schließen Sie das Upgrade bei Bedarf einige Tage vorher ab. So bemerken Sie mögliche Probleme an einem ruhigen Tag.
Andererseits ist ein dauerhaftes Upgrade für eine eintägige Spitze nicht immer sinnvoll. Manche Anbieter bieten vorübergehende Ressourcen oder eine einfache Rückkehr zum alten Tarif. Eine kurze Nachfrage spart Ihnen unnötige Kosten.
Wie Werbetraffic und Ladezeit zusammenhängen, zeigt unser Beitrag Ladezeit im Onlineshop: Beeinflusst sie den Umsatz? aus Sicht der Conversion.
Welche Optimierungen sollten Sie vor dem Upgrade ausprobieren?
Bevor Sie Ihren Hosting Tarif upgraden, lohnen sich günstige und schnelle Verbesserungen. Denn manche Probleme ziehen einfach mit in den größeren Tarif um. Ein schlecht programmiertes Plugin verbraucht jede Ressource, die Sie ihm geben.
Wir empfehlen diese Reihenfolge:
- Aktivieren Sie das Seitencaching. Der Cache Ihres Hosters oder Ihres CMS senkt die Last für PHP und Datenbank deutlich.
- Prüfen Sie, ob OPcache für PHP aktiv ist. Details erklärt unser Beitrag Was ist OPcache.
- Komprimieren Sie Bilder und bringen Sie sie auf die richtige Größe. Unser Ratgeber Bilder für die Website optimieren zeigt Ihnen jeden Schritt.
- Entfernen Sie ungenutzte Plugins und aktualisieren Sie die übrigen.
- Prüfen Sie geplante Aufgaben und Hintergrundjobs. Eine zu häufig laufende Aufgabe verbraucht still Ressourcen.
- Begrenzen Sie schädlichen oder unnötigen Traffic von Bots.
Beobachten Sie danach Ihre Ressourcengrafiken noch einige Tage. Verschwinden die Faults, brauchen Sie kein Upgrade mehr. Bleiben sie bestehen, haben Sie nun einen klaren Grund für die Entscheidung.
Welche Arten von Upgrade gibt es?
Zudem läuft ein Upgrade nicht bei jedem Anbieter gleich ab. Grundsätzlich begegnen Ihnen drei Varianten. Wenn Sie wissen, welche auf Sie zutrifft, erkennen Sie das Risiko von Ausfall und IP Wechsel im Voraus.
| Art des Upgrades | Was ändert sich? | IP Wechsel | Ihre Aufgabe |
|---|---|---|---|
| Tarifwechsel auf demselben Server | Ressourcenlimits und Kontingente | Meist keiner | Backup erstellen und neue Limits prüfen |
| Automatischer Umzug auf einen anderen Server | Server, eventuell PHP und Softwareeinstellungen | Möglich, beim Anbieter erfragen | DNS, SSL, E-Mail und Cronjobs prüfen |
| Wechsel von Shared Hosting zum VPS | Gesamte Umgebung und Verantwortung für die Verwaltung | Fast immer | Einrichtung, Sicherheit, Backups und Monitoring planen |
Die Wörter „meist“ und „möglich“ haben wir bewusst gewählt. Die Infrastruktur legt Ihr Anbieter fest, und derselbe Anbieter betreibt verschiedene Tariffamilien oft auf verschiedenen Servern.
Lassen Sie sich daher vor der Bestellung schriftlich bestätigen, um welche Variante es sich handelt. Die nächsten drei Abschnitte betrachten jede Variante einzeln.
Wie funktioniert ein Tarifwechsel auf demselben Server?
Das ist vor allem der einfachste Fall. Ihr Konto bleibt auf demselben Server, nur die Limits und Kontingente ändern sich. Bei Systemen mit cPanel erledigt der Anbieter das meist über WHM.
Die cPanel Dokumentation zu „Upgrade/Downgrade an Account“ sagt klar, dass diese Funktion das Paket des Kontos ändert, nicht aber die IP Adresse. Für einen IP Wechsel braucht der Anbieter eine eigene Funktion. Das heißt, ein Tarifwechsel auf demselben Server verlangt von Ihnen keine Arbeit am DNS.
In der Praxis läuft Ihre Website während dieser Art von Upgrade weiter. Trotzdem lohnen sich einige Prüfungen. Zunächst bestätigen Sie im Bereich „Resource Usage“, dass die neuen Limits tatsächlich für Ihr Konto gelten. Dann prüfen Sie, ob PHP Version und PHP Einstellungen gleich geblieben sind.
Außerdem verknüpfen manche Anbieter höhere Tarife mit anderen PHP Limits oder Zusatzfunktionen. Zum Beispiel steigt das Speicherlimit, während ein alter Wert in Ihrer eigenen PHP Konfiguration es überschreibt. In diesem Fall passen Sie den Wert an den neuen Tarif an.
Kurz gesagt ist dieses Szenario risikoarm. Risikoarm heißt allerdings nicht, dass Sie auf ein Backup verzichten können. Darauf gehen wir weiter unten ein.
Was ändert sich beim Umzug auf einen anderen Server?
Manche Anbieter betreiben höhere Tarife allerdings auf eigenen Servergruppen. Dann bedeutet das Upgrade, dass Ihr Konto automatisch auf einen anderen Server umzieht. Den Umzug übernimmt meist der Anbieter, die Folgen sehen Sie aber auf Ihrer Website.
Die größte Änderung betrifft die IP Adresse. Liegen die DNS Einträge Ihrer Domain auf den Nameservern des Anbieters, aktualisiert er sie in der Regel selbst. Verwalten Sie Ihr DNS dagegen bei einem externen Dienst, müssen Sie den A Record womöglich selbst ändern. Klären Sie das deshalb vorab.
Zudem stimmt die Software auf dem neuen Server nicht immer exakt überein. Standardversion von PHP, PHP Erweiterungen, Einstellungen des Webservers und die E-Mail Konfiguration können abweichen. Arbeiten Sie die Checkliste nach dem Upgrade in diesem Szenario daher vollständig ab.
Auch Daten aus dem Umzugszeitraum bergen ein Risiko. Eine Bestellung oder ein Kommentar nach Beginn des Umzugs bleibt womöglich auf dem alten Server. Fragen Sie deshalb nach dem Zeitfenster und pausieren Sie in diesen Stunden alle Inhaltsänderungen.
Ein Wechsel zu einem anderen Anbieter ist dagegen ein eigenes Thema. Dort liegt die Arbeit meist bei Ihnen. Ändern sich zudem Ihre URLs, hilft Ihnen unsere SEO Checkliste für die Website Migration.
Wann sollten Sie von Shared Hosting auf einen VPS wechseln?
Reicht selbst der größte Shared Hosting Tarif nicht aus, ist ein VPS der logische nächste Schritt. Ein VPS bedeutet allerdings nicht nur mehr Ressourcen. Er bedeutet auch mehr Verantwortung.
Denken Sie in diesen Fällen ernsthaft über einen VPS nach:
- Die Faults bleiben selbst im höchsten Shared Tarif bestehen.
- Ihre Anwendung braucht eigene Software, Hintergrundprozesse oder einen bestimmten Serverstack.
- Sie möchten jeden Einfluss benachbarter Konten vollständig ausschließen.
- Vollen Zugriff auf die Servereinstellungen braucht Ihr Team tatsächlich.
Andererseits sind auf einem nicht verwalteten VPS Updates, Firewall, Backups und Monitoring Ihre Aufgabe. Fehlt dafür jemand im Team, ist ein verwalteter VPS oder verwaltetes Hosting die sicherere Wahl. Die Unterschiede vergleichen wir im Beitrag VPS oder Cloud Server.
Zudem sollten Sie die Kostenstruktur vorher verstehen. Unser Beitrag Serverkosten: Wovon hängt der Preis ab? schlüsselt die einzelnen Posten auf.
Wie sichern Sie Ihre Daten, bevor Sie den Hosting Tarif upgraden?
Ganz gleich, wie einfach es wirkt: Bevor Sie den Hosting Tarif upgraden, erstellen Sie ein Backup. Die automatischen Backups des Anbieters sind zwar hilfreich, eine unabhängige Kopie in Ihren eigenen Händen bietet allerdings eine ganz andere Sicherheit.
Ein vollständiges Backup umfasst mindestens diese Teile:
- Alle Dateien der Website, einschließlich hochgeladener Medien.
- Jede Datenbank als eigener Export.
- Eine Liste der E-Mail Konten und bei Bedarf die Inhalte der Postfächer.
- Eine Aufstellung Ihrer DNS Einträge: A, MX, TXT, CNAME und weitere.
- Die Befehle Ihrer Cronjobs samt Ausführungsintervall.
- Eine Notiz zu PHP Version und eigenen PHP Einstellungen.
Prüfen Sie danach, ob sich das Backup öffnen lässt. Laden Sie das Archiv auf Ihren Rechner und kontrollieren Sie, ob die erwarteten Ordner darin liegen. Ein Backup, das sich nicht öffnen lässt, ist so gut wie keines.
Arbeiten Sie mit Datenbanken auf der Kommandozeile, zeigt unser Ratgeber Datenbank Backup mit mysqldump und pg_dump die passenden Befehle. Den grundsätzlichen Ansatz beschreibt unsere Backup Strategie für Websites.
Welche Fragen sollten Sie Ihrem Anbieter stellen?
Konkret verhindern die richtigen Fragen vor dem Upgrade die meisten Überraschungen. Holen Sie die Antworten möglichst schriftlich ein, zum Beispiel über ein Supportticket.
- Bleibt mein Konto bei diesem Upgrade auf demselben Server oder zieht es um?
- Falls es umzieht: Ändert sich meine IP Adresse und wer aktualisiert das DNS?
- Rechnen Sie mit einer Ausfallzeit, und falls ja, in welchem Zeitfenster?
- Bleiben PHP Version, PHP Erweiterungen und eigene PHP Einstellungen erhalten?
- Verlängert sich mein SSL Zertifikat in der neuen Umgebung automatisch?
- Ziehen E-Mail Konten, Weiterleitungen und Postfachinhalte mit um?
- Übernehmen Sie meine Cronjobs unverändert?
- Wie rechnen Sie die Restlaufzeit meines alten Tarifs ab? Gibt es eine Gutschrift oder Erstattung?
- Welche Backup Häufigkeit und Aufbewahrungsdauer bietet der neue Tarif?
- Kann ich zum alten Tarif zurückkehren, falls ich unzufrieden bin?
Diese Liste können Sie an Ihre Situation anpassen. Bleiben Sie zum Beispiel auf demselben Server, entfallen die Fragen zu IP und DNS. Stellen Sie die erste Frage trotzdem immer, denn alle anderen Antworten hängen von ihr ab.
Wie meistern Sie IP und DNS Wechsel ohne Ausfall?
Ändert sich die IP, ist das DNS Caching die Hauptquelle für Ausfälle. Selbst nach der Aktualisierung merken sich Resolver die alte IP für die Dauer der TTL. Folglich erreichen manche Besucher in dieser Zeit noch den alten Server.
Googles Leitfaden zum Hostingwechsel ohne URL Änderung gibt dazu eine klare Empfehlung. Senken Sie die TTL mindestens eine Woche vor dem Umzug auf einen niedrigen Wert, etwa einige Stunden. Derselbe Leitfaden rät außerdem, den alten Server erst abzuschalten, wenn dort kein Traffic mehr ankommt.
In der Praxis sieht der Ablauf so aus. Zunächst ermitteln Sie die aktuelle TTL Ihres A Records. Danach senken Sie den Wert und warten, bis der alte Wert abläuft. Am Umzugstag stellen Sie den A Record auf die neue IP um. Schließlich beobachten Sie einige Tage lang die Logs des alten Servers.
Wie der Eintrag von verschiedenen Orten aus aussieht, prüfen Sie mit unserer DNS Abfrage. Auf der Kommandozeile zeigt diese Abfrage den A Record samt TTL:
dig example.com A +noall +answerDie zweite Spalte der Ausgabe nennt die verbleibende TTL in Sekunden. Damit schätzen Sie ab, wann sich die Caches erneuern.
Worauf achten Sie während des Upgrades selbst?
Das Zeitfenster des Upgrades ist oft kurz. Trotzdem wachsen kleine Fehler darin schnell zu großen Problemen. Das gilt vor allem, wenn sich der Server ändert.
Beginnen Sie mit dem Timing. Suchen Sie in Ihrer Webanalyse die Stunde mit dem wenigsten Traffic und planen Sie die Arbeit dorthin. Betreiben Sie einen Onlineshop, wählen Sie einen Tag ohne Aktionen, Newsletter oder hohes Werbebudget.
Danach frieren Sie die Inhalte ein. Veröffentlichen Sie während des Umzugs keine Beiträge, legen Sie keine Produkte an und ändern Sie keine Einstellungen. Sonst bleiben diese Änderungen womöglich auf dem alten Server und gehen verloren. Bei einem Shop informiert ein kurzer Wartungshinweis Ihre Kundschaft.
Auch die E-Mail verdient Aufmerksamkeit. Wechselt der Server, landen manche Nachrichten während der DNS Verbreitung noch auf dem alten System. Prüfen Sie daher einige Tage lang auch das alte Postfach.
Informieren Sie schließlich Ihr Team. Werbung, Kundenservice und Redaktion sollten wissen, was wann passiert. So erreicht eine Fehlermeldung schnell die richtige Person.
Ist die Website während eines Wartungsfensters bewusst offline, ist der Statuscode 503 die richtige Antwort. Eine Wartungsseite mit dem Code 200 sendet Suchmaschinen dagegen ein falsches Signal.
Was gehört auf die Checkliste nach dem Upgrade?
Allerdings ist die Arbeit mit dem Ende des Upgrades nicht erledigt. Echte Sicherheit haben Sie erst, wenn Sie die Checkliste abgearbeitet haben. Wir empfehlen diese Reihenfolge:
- Öffnen Sie Startseite, eine Produkt oder Beitragsseite und das Kontaktformular im Browser.
- Prüfen Sie, ob das SSL Zertifikat gültig ist und zur richtigen Domain gehört. Unser SSL Check zeigt Ihnen auch das Ablaufdatum.
- Bestätigen Sie, dass die PHP Version der alten Version entspricht oder der Version, die Sie bewusst gewählt haben.
- Senden und empfangen Sie Testnachrichten per E-Mail über Webmail und über Ihr Kontaktformular.
- Kontrollieren Sie, ob Ihre Cronjobs vorhanden sind und zur erwarteten Zeit laufen.
- Melden Sie sich im Backend an, legen Sie einen Testeintrag an und löschen Sie ihn wieder.
- Testen Sie kritische Abläufe wie Kasse, Registrierung und Suche einmal vollständig.
- Beobachten Sie im Bereich „Resource Usage“ die neuen Limits und den Verbrauch der ersten Tage.
Müssen Sie die PHP Version in cPanel ändern, erklärt unser Ratgeber PHP Version in cPanel ändern den Unterschied zwischen MultiPHP Manager und PHP Selector.
Wiederholen Sie außerdem einige Tage später Ihre Geschwindigkeitsmessung. Nur eine Messung zeigt, ob das Upgrade tatsächlich etwas gebracht hat.
Was prüfen Sie zuerst auf einem neuen VPS?
Sind Sie auf einen VPS umgezogen, ist die Checkliste zudem etwas länger. Arbeiten Sie auf der Kommandozeile statt im Panel, liefern diese Standardbefehle unter Linux einen schnellen ersten Überblick. Sie lesen nur Informationen und ändern nichts am System.
nproc
free -h
df -h
uptime
php -v
crontab -lDer Reihe nach zeigen diese Befehle die Zahl der CPU Kerne, den Arbeitsspeicher, die Belegung der Festplatte, die Systemlast, die PHP Version und die Cronjobs des aktuellen Benutzers. Passen die Werte nicht zu dem, was Sie bezahlt haben, wenden Sie sich sofort an Ihren Anbieter.
Anschließend prüfen Sie anhand der Header, ob die Website vom neuen Server antwortet:
curl -I https://example.comDieser Befehl ruft nur die HTTP Antwortheader ab. Erwartet sind der Statuscode 200 und Serverheader, die zur neuen Umgebung passen.
Die Ersteinrichtung eines VPS sprengt allerdings den Rahmen dieses Beitrags. Für Sicherheit und Grundkonfiguration folgen Sie unserem Ratgeber Ubuntu Server installieren und einrichten.
Wie funktionieren Abrechnung und Restlaufzeit?
Darauf gibt es keine einheitliche Antwort, denn jeder Anbieter hat eigene Regeln. Manche rechnen die Restlaufzeit des alten Tarifs auf den neuen an. Andere berechnen die Differenz anteilig. Wieder andere stellen schlicht die neue Laufzeit in Rechnung.
Deshalb nennen wir hier keine Zahlen; jede Zahl könnte für Ihren Anbieter falsch sein. Klären Sie stattdessen diese Punkte:
- Gibt es für die Restlaufzeit eine Gutschrift, eine anteilige Abrechnung oder eine Erstattung?
- Beginnt die neue Abrechnungsperiode heute oder erst mit dem Ende der alten Laufzeit?
- Gelten andere Regeln beim Wechsel zwischen jährlicher und monatlicher Zahlung?
- Bleibt ein Aktionspreis nach dem Upgrade erhalten?
- Wie verrechnet der Anbieter die Differenz bei einem späteren Downgrade?
Befinden Sie sich zum Beispiel mitten in einem Jahresvertrag, verändert die Anrechnungsregel Ihre Gesamtkosten spürbar. Fordern Sie daher vor der Bestätigung eine Vorschau der Rechnung an.
Schauen Sie schließlich auch auf den Verlängerungspreis im Vertrag. Der Abstand zwischen Einstiegspreis und Verlängerungspreis kann Ihre langfristige Entscheidung verändern.
Wirkt es sich auf SEO aus, wenn Sie den Hosting Tarif upgraden?
Wenn Sie den Hosting Tarif upgraden und sauber vorgehen, schadet das Ihrer SEO nicht. Im Gegenteil, oft hilft es sogar. Das eigentliche Risiko liegt in langen Phasen mit Serverfehlern vor dem Upgrade.
Googles Dokumentation zu HTTP und Netzwerkfehlern erklärt, dass Fehler der Klasse 5xx und der Code 429 die Crawler von Google vorübergehend bremsen. Laut derselben Seite bleiben indexierte URLs eine Weile im Index, fallen bei anhaltenden Fehlern aber irgendwann heraus.
Eine Website, die wegen Ressourcenlimits ständig 503 oder 508 liefert, verliert also mehr als Besucher. Sie riskiert auch ihr Crawling und langfristig ihre Präsenz im Index. Somit ist ein Upgrade bei Bedarf auch eine SEO Maßnahme.
Wechselt der Server, sind kurze Schwankungen dagegen normal, denn Google muss die neue Umgebung erst kennenlernen. Laut Googles Leitfaden zum Hostingwechsel sinkt die Crawling Rate direkt nach dem Start oft vorübergehend und steigt in den folgenden Tagen stetig an.
Mehr zum Zusammenhang von Tempo und Rankings lesen Sie im Beitrag Wie beeinflusst die Ladezeit SEO. Für Messungen vor und nach dem Upgrade bietet unser Ratgeber zum Google Lighthouse Test eine praktische Methode.
Wann sollten Sie die Arbeit ganz Ihrem Anbieter überlassen?
Zunächst gilt: Sie müssen nicht jedes Upgrade selbst steuern. In manchen Fällen ist es sogar die beste Entscheidung, die gesamte Arbeit dem Anbieter zu überlassen. Ehrlich gesagt trifft das auf die meisten kleinen Unternehmen zu.
Wir empfehlen, die Arbeit in diesen Fällen abzugeben:
- Es handelt sich um einen einfachen Tarifwechsel auf demselben Server.
- Ihre DNS Einträge liegen auf den Nameservern des Anbieters.
- Ihnen fehlt Erfahrung mit Kommandozeile und Serverkonfiguration.
- Der Anbieter bietet einen kostenlosen Umzug samt Prüfung an.
In diesen Szenarien besteht Ihre Rolle darin, zu kontrollieren. Sie erstellen das Backup, stellen die Fragen und arbeiten die Checkliste ab. Die technischen Schritte übernimmt das Team, das täglich mit Servern arbeitet.
Anders sieht es bei einem nicht verwalteten VPS aus. Dann geht die Verantwortung für den Server auf Sie über. Kann niemand in Ihrem Team sie tragen, ist eine verwaltete Lösung auf lange Sicht oft günstiger.
Wollen Sie es trotzdem selbst angehen, klären Sie zumindest, wen Sie im Notfall erreichen. Die Supportzeiten spielen eine große Rolle, wenn Sie nachts arbeiten.
Welche Fehler passieren am häufigsten?
Einige Fehler tauchen bei Upgrades allerdings immer wieder auf. Wenn Sie diese kennen, tappen Sie nicht in dieselben Fallen.
Erstens: ein Upgrade ohne Diagnose. Verursacht ein schlechtes Plugin das Problem, ist auch der neue Tarif bald wieder voll. Prüfen Sie also zuerst Ressourcengrafiken und Logs.
Zweitens: sich allein auf das Backup des Anbieters verlassen. Dieses Backup liegt oft auf derselben Infrastruktur. Eine unabhängige Kopie schützt Sie, wenn das Unerwartete eintritt.
Drittens: die TTL erst in letzter Minute senken. Am Umzugstag hilft das nicht mehr, weil die alte, lange TTL in den Caches noch gilt.
Viertens: die E-Mail vergessen. Die Website läuft, doch MX Einträge oder Postfächer fehlen. Viele merken das erst, wenn sich Kunden über unbeantwortete Nachrichten beschweren.
Fünftens: den alten Server zu früh abschalten. Warten Sie, wie auch Google empfiehlt, bis dort kein Traffic mehr ankommt.
Der letzte Fehler ist fehlendes Messen. Ohne Vergleich von Vorher und Nachher beruht auch Ihre nächste Entscheidung wieder auf Vermutungen.
Kurz gesagt: Wie treffen Sie die Entscheidung zum Upgrade?
Zusammengefasst läuft die Entscheidung auf drei Schritte hinaus. Zunächst bestätigen Sie anhand der Ressourcengrafiken, dass das Problem wirklich an den Limits liegt. Dann testen Sie günstige Lösungen wie Caching, Bildoptimierung und das Aufräumen von Plugins. Bleibt das Problem bestehen, wählen Sie die passende Art von Upgrade und wechseln kontrolliert.
Vor allem sind Ihre wichtigsten Werkzeuge dabei ein Backup, schriftliche Antworten und eine Checkliste. Stellen Sie Ihrem Anbieter die Fragen früh und senken Sie die TTL rechtzeitig. Prüfen Sie nach dem Wechsel SSL, E-Mail, Cronjobs und PHP Version einzeln. So können Sie Ihren Hosting Tarif upgraden, ohne dass Ihre Besucher etwas davon merken.
Denken Sie trotzdem daran: Hosting ist nur ein Baustein. Eine schnelle und stabile Website bringt erst zusammen mit durchdachtem Design und sauberem Code echte Ergebnisse. Wenn Sie Unterstützung bei Infrastruktur, Tempo oder Struktur wünschen, arbeiten wir gern im Rahmen unseres Webdesign Angebots mit Ihnen zusammen.
Möchten Sie zudem verfolgen, wie sich Tempo in der Sichtbarkeit bei Google niederschlägt, finden Sie unseren Ansatz auf der Seite zur SEO Beratung. Welchen Weg Sie auch wählen, eine Entscheidung auf Basis von Daten ist immer der sicherste Start.



