Was ist RAID? RAID 0, 1, 5, 6 und 10 einfach erklärt

Was ist RAID?
RAID (Redundant Array of Independent Disks) ist ein Verfahren, das mehrere physische Festplatten zu einem logischen Speicher bündelt und die Daten per Striping, Spiegelung oder Parität auf diese Platten verteilt. Kurz gesagt, je nach Level gewinnen Sie mehr Tempo, Schutz vor einem Plattenausfall oder beides.
Wir haben diesen Leitfaden für Betreiber von Websites und Onlineshops geschrieben, außerdem für Entwickler, die einen eigenen VPS betreuen. Unser Ziel ist klar: Sie sollen am Ende wissen, was RAID löst und was nicht. Dann treffen Sie bessere Entscheidungen bei Hosting und Sicherheit.
Wir sind ein Team für digitales Marketing und Web, kein Hostinganbieter. Deshalb stützen wir uns auf die RAID Dokumentation von Red Hat Enterprise Linux, die md Dokumentation des Linux Kernels und die mdadm Anleitung. Bei Befehlen, Versionsnummern oder Standardwerten, deren wir nicht sicher waren, haben wir bewusst nichts angegeben.
Der Weg ist übersichtlich: Level, Vergleichstabelle, Backup Warnung, Hardware gegen Software, die Hosting Sicht, ein Ausfallszenario und Befehle. Zudem dürfen Sie ruhig zu dem Teil springen, der zu Ihrer Lage passt.
Welche drei Grundbausteine hat RAID: Striping, Spiegelung und Parität?
Das ist die technische Antwort auf die Frage, was ist RAID, und sie steckt in drei einfachen Ideen. Denn jedes RAID Level mischt diese Ideen anders. Deshalb müssen Sie die Level nicht auswendig lernen.
- Striping: RAID zerlegt die Daten in kleine Blöcke und schreibt sie abwechselnd auf die Platten. Mehrere Platten arbeiten gleichzeitig, allerdings kann der Verlust einer Platte den ganzen Verbund lahmlegen.
- Spiegelung: RAID schreibt dieselben Daten auf zwei oder mehr Platten. Fällt eine Platte aus, läuft die andere weiter.
- Parität: RAID speichert zusätzliche Informationen, die es aus den Daten berechnet. Fehlt eine Platte, errechnet es den fehlenden Teil aus den übrigen Daten und der Parität.
Spiegelung ist einfach und erholt sich schnell, verbraucht aber die Hälfte der Rohkapazität. Parität nutzt den Platz effizienter. Dafür braucht sie bei jedem Schreibvorgang zusätzliche Rechenarbeit, daher verschiebt sich die Balance aus Tempo, Kapazität und Sicherheit von Level zu Level.
Dazu kommt die Hot Spare. Diese freie Platte wartet im Verbund und springt dann ein, sobald ein Mitglied ausfällt. Danach startet der Wiederaufbau. Die Kernel Dokumentation nennt diesen Zustand "recover": Eine Reserveplatte übernimmt den Platz eines ausgefallenen oder fehlenden Geräts.
Was ist RAID 0 und wann setzen Sie es ein?
RAID 0 verteilt Daten per Striping auf mindestens zwei Platten. Die nutzbare Kapazität entspricht der Summe aller Platten, und es gibt keinerlei Redundanz. Konkret beschreibt die Red Hat Dokumentation es als leistungsorientierte Verteilung ohne Redundanz.
Wer nachschlägt, was ist RAID, hält RAID 0 oft für ein Tempo Upgrade. Allerdings ist es die falsche Wahl, wenn Sie Schutz vor Ausfällen suchen. Stirbt also eine einzige Platte, droht der Verlust aller Dateien im Verbund. Zudem steigt mit jeder weiteren Platte die Chance, dass eine davon ausfällt.
Wann ergibt RAID 0 also Sinn? Etwa bei Daten, die nur kurz leben und sich leicht neu erzeugen lassen. Zum Beispiel Arbeitsplatz für Videoverarbeitung, Build Ergebnisse oder ein Cache, den Sie erneut herunterladen können.
Die Datenbank Ihres Shops, Bestellungen oder Kundendateien gehören nicht auf RAID 0. Außerdem stimmt die Formel "zwei Platten, doppeltes Tempo" nicht für jede Last. Eine langsame Website leidet nämlich meist unter Code und Abfragen, nicht unter der Plattenanordnung.
Was ist RAID 1 und warum ist es die häufigste Wahl?
RAID 1 schreibt identische Daten auf zwei Platten. Konkret beschreibt die Red Hat Dokumentation das als Kopie derselben Daten auf jede Mitgliedsplatte. Die nutzbare Kapazität entspricht dann der kleinsten Platte im Verbund.
Der Verbund läuft auch mit nur einer vorhandenen Platte weiter. Fällt also eine Platte aus, geht Ihre Website nicht offline. Der Verbund wechselt lediglich in den Zustand "degraded", und Sie müssen zügig eine neue Platte einbauen.
Die Vorteile von RAID 1 lassen sich schnell aufzählen:
- Aufbau und Logik sind einfach.
- Zudem können sich Lesezugriffe auf beide Platten verteilen.
- Die Wiederherstellung nach einem Ausfall ist vergleichsweise leicht.
- Außerdem wählen viele Teams es für die Systemplatte.
Der Nachteil sind die Kapazitätskosten. Zum Beispiel ergeben zwei Platten mit je 2 TB nur 2 TB nutzbaren Platz. Außerdem ersetzt RAID 1 kein Backup: Eine versehentlich gelöschte Datei verschwindet im selben Moment von beiden Platten.
Was ist RAID 5, wie viele Platten braucht es und wie viel Platz bleibt?
RAID 5 verbindet Striping mit Parität. Laut Red Hat Dokumentation brauchen Sie mindestens drei Platten, erhalten die Gesamtkapazität minus eine Platte und überstehen den Ausfall einer Platte. Dieselbe Seite nennt es den häufigsten RAID Typ.
Beispielrechnung: Mit vier Platten zu je 2 TB ergibt RAID 5 etwa 6 TB nutzbaren Platz. Die Kapazität einer Platte geht an die Parität. Gespiegelte Paare auf denselben Platten würden deutlich weniger Platz lassen.
Allerdings liegt die Schwäche von RAID 5 bei der Schreibleistung. Bei einem kleinen Schreibvorgang liest der Controller die alten Daten und die alte Parität, berechnet die neue Parität und schreibt beides. Deshalb können schreibintensive Lasten, etwa eine stark genutzte Datenbank, langsamer wirken als erwartet.
Zudem verkraftet RAID 5 nur eine ausgefallene Platte. Macht beim Wiederaufbau eine zweite Platte Probleme, verlieren Sie den Verbund. Bei großen Platten wiegt dieses Risiko daher schwerer, wie der Abschnitt zum Wiederaufbau unten zeigt.
Ist RAID 6 wirklich sicherer als RAID 5?
Ja, und zwar in einem bestimmten Punkt. RAID 6 speichert zwei unabhängige Paritätsblöcke. Laut Red Hat Dokumentation brauchen Sie mindestens vier Platten, erhalten die Gesamtkapazität minus zwei Platten und überstehen den Ausfall beliebiger zwei Platten.
Diese zusätzliche Sicherheit zählt vor allem bei Verbunden mit großen Platten. Denn ein Wiederaufbau kann Stunden oder sogar Tage dauern. In diesem Zeitfenster ist ein zweiter Ausfall möglich. Somit hält RAID 6 den Verbund in dieser Phase am Leben.
Der Preis hat zwei Seiten. Erstens geht die Kapazität von zwei Platten an die Parität. Zweitens braucht jeder Schreibvorgang noch mehr Rechenarbeit als bei RAID 5. Zusammengefasst setzt RAID 6 auf Sicherheit statt auf Tempo.
Beispielrechnung: Sechs Platten zu je 2 TB ergeben mit RAID 6 etwa 8 TB nutzbaren Platz. Mit RAID 5 wären es dagegen etwa 10 TB, also 2 TB mehr. Diese 2 TB Differenz sind die Versicherungsprämie gegen einen zweiten Ausfall.
Was ist RAID 10 und wie unterscheidet es sich von RAID 5?
RAID 10 kombiniert Spiegelung und Striping. Im klassischen Aufbau bilden vier Platten zwei gespiegelte Paare, und die Daten laufen per Striping über diese Paare. So erhalten Sie einen Teil der Sicherheit von RAID 1 und einen Teil des Tempos von RAID 0.
Die Kapazität beträgt also grob die Hälfte der Rohsumme. Beispielrechnung: Vier Platten zu je 2 TB ergeben mit RAID 10 etwa 4 TB. Die Red Hat Dokumentation weist darauf hin, dass Linux md hier flexibler ist: Die Kapazität hängt von der Konfiguration ab, und der Aufbau geht sogar mit drei Platten. Hardware Controller können andere Regeln haben.
Der Unterschied zu RAID 5 lässt sich in wenigen Punkten fassen:
- RAID 10 berechnet keine Parität, daher sind Schreibzugriffe meist gleichmäßiger.
- Nach einem Ausfall kopiert der Wiederaufbau nur die Partnerplatte. Dann muss der gesamte Verbund nicht gelesen werden.
- Die Kapazitätsausbeute liegt allerdings unter der von RAID 5.
- Die Ausfallsicherheit hängt davon ab, welche Platten ausfallen: Fallen beide Platten eines Paares aus, sind die Daten weg.
Deshalb wählen viele Teams RAID 10 für schreibintensive Aufgaben wie Datenbanken. Trotzdem ist es nicht immer die richtige Antwort, denn Budget und Kapazitätsbedarf entscheiden mit.
Wie unterscheiden sich die RAID Level und welches passt wozu?
Die Tabelle unten nutzt Angaben aus der Red Hat Dokumentation und die Beispielrechnungen von oben. Die Kapazitätsspalte geht von vier Platten zu je 2 TB aus (bei RAID 1 von zwei Platten). Außerdem zeigt die letzte Spalte nur eine allgemeine Tendenz. Denn das reale Ergebnis hängt von Ihrer Last ab.
| Level | Mindestzahl Platten | Nutzbare Kapazität (Beispielrechnung) | Überstandene Plattenausfälle | Allgemeine Tendenz |
|---|---|---|---|---|
| RAID 0 | 2 | 8 TB (vier Platten) | Keiner | Schnell, hohes Risiko |
| RAID 1 | 2 | 2 TB (zwei Platten) | Eine Platte | Einfach, gut für die Systemplatte |
| RAID 5 | 3 | 6 TB (vier Platten) | Eine Platte | Platzeffizient, langsameres Schreiben |
| RAID 6 | 4 | 4 TB (vier Platten) | Zwei Platten | Sicherer, noch langsameres Schreiben |
| RAID 10 | 4 (klassisch) | 4 TB (vier Platten) | Eine pro gespiegeltem Paar | Schnell und sicher, weniger Platz |
Wenn Sie Level für Level fragen, was ist RAID, lautet das Fazit: Ein einzelnes bestes Level gibt es nicht. Für eine kleine Firmenseite reicht RAID 1 in der Praxis oft aus. Bei einem stark belasteten Datenbankserver fällt die Wahl eher auf RAID 10.
Was ist RAID nicht: Ist es ein Backup?
Nein. RAID hält ein System bei einem Hardwaredefekt am Laufen, während ein Backup Ihre Daten an einem anderen Ort zu einem anderen Zeitpunkt speichert. Die Red Hat Dokumentation stellt ebenfalls klar, dass RAID keine Backup Lösung ist.
Davor schützt RAID Sie nicht:
- Dateien, die Sie versehentlich löschen oder überschreiben, weil die Änderung alle Mitglieder gleichzeitig erreicht.
- Außerdem logische Schäden wie Ransomware oder ein fehlerhaftes Update.
- Dateisystemfehler und Anwendungsfehler.
- Physische Ereignisse wie Feuer, Wasserschaden oder Diebstahl, denn alle Platten stehen im selben Gerät.
- Administrationsfehler, zum Beispiel das Entfernen der falschen Platte aus dem Verbund.
Ein vorhandenes RAID bedeutet also nicht, dass Sie ein Backup haben. Bewahren Sie Ihr Backup an einem getrennten Ort mit getrenntem Zugang auf, und testen Sie die Wiederherstellung. Das ganze Bild zeigt unser Leitfaden zur Website Backup Strategie.
Worin unterscheiden sich Hardware RAID und Software RAID?
Beim Hardware RAID übernimmt eine eigene Controllerkarte oder ein Chip auf dem Mainboard die Arbeit. Beim Software RAID dagegen verwaltet das Betriebssystem die Platten selbst. Unter Linux heißt das md, und Sie steuern es mit dem Werkzeug mdadm.
Was ist RAID in der Praxis, hängt auch von dieser Wahl ab. Laut Red Hat Dokumentation liefert Software RAID auf modernen Systemen gute Leistung ohne zusätzliche Hardwarekosten. Die Seite sagt zudem, es könne Hardware RAID übertreffen. Die alte Annahme, Hardware sei immer besser, gilt also nicht mehr.
| Thema | Hardware RAID | Software RAID (Linux md) |
|---|---|---|
| Verwaltung | Eigenes Werkzeug des Controllers | mdadm und Kernel Schnittstellen |
| Zusatzkosten | Controllerkarte | Meist keine |
| Übertragbarkeit | Oft ein kompatibler Controller nötig | Platten lassen sich in einen anderen Linux Rechner stecken |
| Einsehbarkeit | Abhängig vom Herstellerwerkzeug | Offen über /proc/mdstat und sysfs |
Die Zeilen zu Übertragbarkeit und Einsehbarkeit beschreiben eine allgemeine Tendenz. Das genaue Verhalten hängt vom Controllermodell ab, also prüfen Sie die Herstellerdokumentation.
Warum sollten Sie Ihren Hoster fragen, was ist RAID auf seinen Servern?
Bei Shared Hosting zum Beispiel sehen Sie die Platten nie. Der Anbieter baut den Speicher auf seine Weise auf, und die Tarifseite verrät selten, ob RAID existiert oder welches Level läuft. Trotzdem entscheidet ein Plattenausfall darüber, ob Ihre Seite offline geht oder Daten verliert.
Fragen Sie den Anbieter daher direkt. Für eine Firmenseite macht die einmalige Frage, was ist RAID auf seiner Plattform, ein jahrelanges Risiko sichtbar. Weitere Auswahlkriterien haben wir in unserem Beitrag zur Auswahl von Webhosting gesammelt.
Verlangen Sie vom Anbieter diese Antworten:
- Schützt der Anbieter den Speicher mit RAID, und auf welchem Level?
- Wie laufen Plattentausch und Wiederaufbau nach einem Ausfall ab?
- Gibt es ein getrenntes Backup der Kundendaten, und wo liegt es?
- Wie schnell bearbeitet der Anbieter eine Wiederherstellungsanfrage?
Vage Antworten sagen ebenfalls etwas aus. Dennoch gilt: Ein Hoster mit RAID liefert Ihnen kein Backup.
Was bedeutet RAID auf einem VPS oder Cloud Server?
Auf einem VPS sieht Ihr Betriebssystem eine virtuelle Platte. Ob dahinter RAID arbeitet, sehen Sie meist nicht. Das ist nämlich eine Infrastrukturentscheidung des Anbieters, und sie unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter. Software RAID innerhalb eines VPS ergibt daher selten Sinn.
Bei einem dedizierten Server sieht das anders aus. Haben Sie mehrere physische Platten, können Sie das RAID Level oft selbst wählen. Viele Anbieter bieten diese Option zudem bei der Installation an. Lesen Sie die Dokumentation Ihres Anbieters für Einzelheiten.
Bei Blockspeicher in Cloud Plattformen lesen Sie Dokumentation und Vertrag. Die Haltbarkeitszusagen unterscheiden sich je nach Plattform, und die Plattformdokumentation sagt, ob eine Zusage als Backup zählt. Die Grundregel bleibt gleich: Planen Sie ein unabhängiges Backup für Ihre Daten.
Betreuen Sie Ihren VPS selbst, helfen Ihnen unsere Werkzeuge IP Abfrage und WHOIS Abfrage. Damit prüfen Sie dann, welchem Anbieter Ihr Server gehört, und wenden sich an den richtigen Support.
Wie wirkt sich RAID auf die Ladezeit Ihrer Website aus?
Es kann eine Rolle spielen, ist aber bei den meisten Seiten nicht der Hauptfaktor. Denn die meiste Trägheit stammt von Bildgrößen, JavaScript, ineffizienten Abfragen und fehlendem Caching. Daher bleibt die Plattenanordnung meist im Hintergrund.
In manchen Fällen macht sie dennoch einen Unterschied. Zum Beispiel kann eine schreibintensive Datenbank auf RAID 5 langsamer laufen als erwartet. Ist der Verbund degraded oder im Wiederaufbau, steigen außerdem die Latenzen beim Lesen und Schreiben.
Plattentempo und IOPS sind ein eigenes Thema, das wir in einem Schwesterbeitrag behandeln. Wir wiederholen es hier nicht. Zum Zusammenhang von Tempo und Suche lesen Sie wie die Ladezeit das SEO beeinflusst. Für Shops lesen Sie, wie die Ladezeit den Umsatz beeinflusst.
Zusammengefasst: Erst messen, dann die Plattenanordnung beschuldigen. Ein Lighthouse Test für die Website Performance ist ein guter Anfang.
Was passiert mit einem RAID Verbund, wenn eine Platte ausfällt?
Bei einem redundanten Level (RAID 1, 5, 6 oder 10) läuft der Verbund bei einem Plattenausfall weiter. Allerdings wechselt er in den Zustand "degraded". Ihre Daten bleiben erreichbar, doch der Schutz vor dem nächsten Ausfall ist gesunken, und die Leistung kann sich ändern.
Der Ablauf sieht meist so aus:
- Zunächst bemerkt das System, dass eine Platte Fehler meldet, und wirft sie aus dem Verbund.
- Danach läuft der Verbund im degraded Modus weiter.
- Sie oder Ihr Anbieter tauschen die defekte Platte aus, oder eine wartende Hot Spare springt ein.
- Die neue Platte tritt dem Verbund bei, und der Wiederaufbau beginnt.
- Nach dem Wiederaufbau kehrt der Verbund zur vollen Redundanz zurück.
Entscheidend ist hier die Zeit. Je kürzer die degraded Phase, desto kleiner die Chance auf einen zweiten Ausfall. Daher sind Alarme und eine Reserveplatte ebenso wichtig wie das gewählte Level.
RAID 0 kennt dieses Szenario nicht. Stirbt eine Platte, stirbt der Verbund mit ihr. Legen Sie deshalb keine Produktionsdaten auf RAID 0.
Warum ist ein Wiederaufbau eine riskante Phase?
Beim Wiederaufbau schreibt der Verbund die fehlenden Daten neu auf die frische Platte. Bei Paritäts Leveln (RAID 5 und 6) muss er dafür den Großteil der übrigen Platten komplett lesen. Somit gilt: Je größer die Platten, desto länger dauert das.
In diesem Fenster stechen allerdings zwei Risiken hervor. Erstens kann eine weitere Platte ausfallen. Zweitens sind Daten womöglich nicht zu retten, falls eine verbliebene Platte einen unlesbaren Sektor hat. Plattenhersteller nennen außerdem Raten für unlesbare Sektoren in ihren Datenblättern. Die Zahlen unterscheiden sich je nach Modell, deshalb nennen wir hier keine.
Zudem altern Platten, die zusammen gekauft wurden und unter gleicher Last laufen, oft ähnlich schnell. Ein Ausfall kann daher ein Hinweis sein, dass weitere bald folgen. Dann ist es sinnvoll, die Gesundheitsdaten der übrigen Platten zu prüfen.
Gehen Sie während eines Wiederaufbaus so vor:
- Prüfen Sie zunächst, dass ein aktuelles Backup existiert und sich zurückspielen lässt.
- Senken Sie dann die zusätzliche Schreiblast und verschieben Sie schwere Wartungsarbeiten.
- Beobachten Sie den Fortschritt; unter Linux sehen Sie ihn in /proc/mdstat.
Wie prüfen Sie den Status eines Linux Software RAID?
Den Zustand eines Linux md Verbunds prüfen Sie mit zwei Befehlen. Beide stehen auch in der Red Hat Dokumentation. Wir haben md0 als Verbundnamen genommen, setzen Sie daher den Namen Ihres eigenen Systems ein.
cat /proc/mdstat
mdadm --detail /dev/md0
Der erste Befehl zeigt eine Übersicht aller md Verbunde und, falls einer neu aufbaut, den Fortschritt. Der zweite dagegen listet Level, Mitgliedsplatten und Zustand des gewählten Verbunds auf. Sehen Sie also das Wort "degraded", läuft der Verbund mit einer fehlenden Platte.
Die Kernel Dokumentation beschreibt außerdem Überwachungsdateien unter sysfs. Zum Beispiel zählt /sys/block/md0/md/degraded, wie viele Geräte dem Verbund fehlen. Ebenso zeigt die Datei sync_completed die fertigen Sektoren des laufenden Vorgangs, gefolgt von der Gesamtzahl.
cat /sys/block/md0/md/degraded
cat /sys/block/md0/md/sync_completed
Diese Befehle lesen nur, sie schaden dem Verbund nicht. Trotzdem sollten Sie auf einem Produktionsserver den Verbundnamen vor jedem Befehl noch einmal prüfen.
Wie tauschen Sie eine defekte Platte mit mdadm aus?
Die Red Hat Dokumentation zeigt für den Plattentausch einen Ablauf in drei Schritten: Platte als defekt markieren, aus dem Verbund entfernen, dann die neue hinzufügen. Zum Beispiel ist unten /dev/sdb1 die defekte Partition und /dev/sdd1 die neue. Prüfen Sie Ihre eigenen Gerätenamen immer nach.
mdadm --manage --fail /dev/md0 /dev/sdb1
mdadm --manage --remove /dev/md0 /dev/sdb1
mdadm --manage --add /dev/md0 /dev/sdd1
Den physischen Tausch machen Sie nach den ersten beiden Befehlen. Auf der neuen Platte brauchen Sie außerdem ein Partitionslayout, das zur alten passt. Die Einzelheiten hängen von Ihrer Distribution und Ihrem Plattenlayout ab, lesen Sie daher deren Dokumentation.
Nach dem dritten Befehl beginnt der Wiederaufbau, den Sie in /proc/mdstat verfolgen. Entfernen Sie aus einem degraded Verbund die falsche Platte, kann das den ganzen Verbund zerstören. Prüfen Sie deshalb Seriennummer und Gerätenamen zweimal, bevor Sie die Befehle ausführen.
Es gibt außerdem einen Befehl, der einen neuen Verbund anlegt. Führen Sie ihn nur auf leeren Platten aus, denn er kann den vorhandenen Inhalt der Mitgliedsplatten unbrauchbar machen. Probieren Sie ihn nicht in der Produktion aus.
Wie überwachen Sie einen RAID Verbund regelmäßig?
Der gefährlichste Zustand bei RAID ist ein stiller Ausfall, den niemand bemerkt. Eine Platte kann vor Monaten ausgefallen sein, während alle beruhigt sind, weil "wir ja RAID haben". Daher ist Überwachung genauso wichtig wie die Wahl des Levels.
Die mdadm Anleitung beschreibt einen Monitor Modus, der Verbunde regelmäßig auf Ereignisse abfragt. In diesem Modus gehen die Ereignisse an ein Programm oder kommen per E-Mail. Laut Anleitung lösen nur die Ereignisse Fail, FailSpare, DegradedArray, SparesMissing und TestMessage eine E-Mail aus.
mdadm --monitor --scan --mail=root@localhost
Die Kernel Dokumentation beschreibt zudem einen Weg, den Verbund nach Plan zu prüfen. Schreiben Sie check in die Datei sync_action, startet eine vollständige Prüfung der Redundanz. Dabei zählt der Kernel die gefundenen Unstimmigkeiten in mismatch_cnt.
echo check > /sys/block/md0/md/sync_action
cat /sys/block/md0/md/mismatch_cnt
Der Wert repair korrigiert zusätzlich, was die Prüfung findet. Führen Sie repair nicht aus, wenn Sie nicht wissen, was es tut. Manche Distributionen planen regelmäßige Prüfungen bereits selbst, also lesen Sie zuerst deren Dokumentation.
Wann sollten Sie RAID nicht selbst einrichten und Ihrem Hoster überlassen?
Zu wissen, was ist RAID, heißt nicht, dass Sie es selbst bauen müssen. Ehrlich gesagt brauchen die meisten Website Betreiber kein selbst eingerichtetes RAID. Bei Shared Hosting, verwaltetem VPS oder verwalteter Cloud ist diese Ebene Sache des Anbieters, und Sie kommen ohnehin nicht heran.
Wir empfehlen, die Arbeit Ihrem Anbieter oder einem erfahrenen Systemadministrator zu überlassen, wenn einer dieser Fälle zutrifft:
- Sie stellen einen Live Server mit Bestell oder Kundendaten erstmals auf RAID um.
- Sie müssten vorhandene Platten löschen, um einen Verbund anzulegen.
- Oder Sie wollen Einstellungen eines Hardware RAID Controllers ändern.
- Dazu wissen Sie in einem beschädigten Verbund nicht, welche Platte gesund ist.
- Schließlich haben Sie kein Backup, das sich zurückspielen lässt.
Betreuen Sie einen eigenen dedizierten Server, probieren Sie die Befehle oben zuerst auf einem Testrechner aus. Denn der erste Versuch in der Produktion ist der Moment, in dem ein Fehler am teuersten wird.
Wir arbeiten auf der Web und Marketing Seite und betreiben keine Serverinfrastruktur. Beeinflusst Ihre Infrastrukturwahl Tempo und Conversions, klären wir die technischen Anforderungen gern mit Ihnen im Rahmen unseres Webdesign Angebots.
Welche RAID Fragen stellen Sie einem Hostinganbieter?
Eine kurze Liste vor dem Kauf kostet weniger als ein späterer Ausfall. Fragen Sie schriftlich per E-Mail, dann bleibt die Antwort als Beleg erhalten.
- Nutzt der Speicher RAID, und auf welchem Level?
- Genießen SSD und NVMe Platten denselben Schutz?
- Wie lauten Reaktionszeit und Servicezusage nach einem Plattenausfall?
- Liegen Kunden Backups an einem getrennten Standort?
- Wann hat der Anbieter zuletzt eine Wiederherstellung getestet?
- Können Sie eine Wiederherstellung selbst starten, oder brauchen Sie ein Support Ticket?
In der Praxis zeigt eine klare Antwort, dass ein Anbieter die Aufgabe ernst nimmt. Eine vage oder ausweichende Antwort macht Ihren eigenen Backup Plan noch wichtiger.
Außerdem sind Serverstandort und Netzqualität eigene Entscheidungen. Zum Standort lesen Sie über Ping, Latenz und RTT. Zum Datenvolumen lesen Sie über die Bandbreite beim Webhosting.
Welche RAID Fehler passieren am häufigsten?
Wir haben die Fehler aufgelistet, die Dokumentation und allgemeine Praxis am häufigsten nennen. Alle entspringen dem Gedanken "Ich habe RAID, also bin ich sicher".
- RAID als Backup ansehen: Eine gelöschte Datei verschwindet von beiden Platten.
- Nicht überwachen: Der Verbund läuft monatelang degraded, und niemand merkt es.
- Produktionsdaten auf RAID 0 legen: Denn ein Plattenausfall reißt alles mit.
- Wiederaufbau ohne Backup starten: Beim Wiederaufbau kann ein zweites Problem auftreten.
- Die falsche Platte entfernen: Gerätenamen können sich nach einem Neustart ändern, prüfen Sie daher die Seriennummer.
- Nie eine Wiederherstellung testen: Einem Backup, das Sie nie ausprobiert haben, können Sie nicht trauen.
Also kann selbst jemand, der weiß, was ist RAID, in diese Fallen tappen. Keiner dieser Fehler ist schwer zu vermeiden; sie verlangen nur Disziplin. Eine einfache Checkliste genügt. Für das größere Sicherheitsbild lesen Sie zudem unseren Beitrag zu den OWASP Top 10.
Welches RAID Level sollten Sie wählen?
Der letzte Schritt bei der Frage, was ist RAID, ist die Wahl eines Levels. Die Wahl hängt vom Wert Ihrer Daten, Ihrem Budget und Ihrer Last ab. Die Vorschläge unten sind daher ein allgemeiner Rahmen und keine Garantie.
- Betriebssystem und kleine Firmenseite: RAID 1 ist einfach und meist ausreichend.
- Datei und Archivspeicher: RAID 5 oder RAID 6 nutzt den Platz effizient; bei großen Platten prüfen Sie RAID 6.
- Schreibintensive Datenbank: RAID 10 liefert oft gleichmäßigere Ergebnisse.
- Temporäre, reproduzierbare Daten: RAID 0 ist möglich, aber halten Sie wichtige Daten davon fern.
Welches Level Sie auch wählen, merken Sie sich drei Dinge. Halten Sie erstens das Backup getrennt, lassen Sie zweitens die Überwachung an und testen Sie drittens die Wiederherstellung. Sonst schützt Sie selbst das teuerste Level nicht.
Fallen Ihnen technische Entscheidungen für Ihre Website schwer, können Sie Infrastruktur und Performance mit unserem Team im Rahmen der SEO Beratung durchgehen.



