Onlineshop erstellen: Was Sie vor dem Start wissen müssen

Wer einen Onlineshop erstellen möchte, braucht deutlich mehr als ein schönes Template und ein paar Produktfotos. Seit 2012 begleite ich Händler beim Aufbau ihrer Shops, und die teuersten Fehler entstehen fast immer in den ersten Wochen. Dieser Leitfaden ist deshalb eine Checkliste für den Start: Shopsystem, Zahlung, Versand, Rechtliches, Produktdaten und Marketing. So wissen Sie vor dem Livegang, was geklärt sein muss.
Was müssen Sie wissen, bevor Sie einen Onlineshop erstellen?
Wenn Sie einen Onlineshop erstellen, brauchen Sie ein klares Geschäftsmodell, eine Gewerbeanmeldung, ein Shopsystem, eine Domain, einen Zahlungsanbieter, einen Versandpartner, rechtssichere Texte und saubere Produktdaten. Dazu kommen Tracking und ein Marketingplan für die ersten Kunden. Fehlt ein Baustein, gerät der gesamte Verkaufsprozess ins Stocken.
Kurz gesagt ist die Technik nur ein Teil der Arbeit. In der Praxis teile ich die Liste in vier Gruppen: Geschäft und Recht, Technik, Abläufe und Marketing. Zudem baut jede Gruppe auf der vorherigen auf. Ohne feste Versandkonditionen können Sie zum Beispiel keine Grenze für kostenlosen Versand festlegen. Ohne diese Grenze fehlt dann wiederum die Grundlage für Ihr Startangebot.
Lesen Sie die folgenden Abschnitte also am besten der Reihe nach. Zudem sammelt jeder Abschnitt die Fragen, die Sie vor dem Start beantworten sollten. Details zur Produktseite und zum Warenkorb lasse ich hier bewusst weg. Diese Themen optimieren Sie am besten erst nach dem Start, mit echten Daten.
Wie klären Sie Ihr Geschäftsmodell, bevor Sie verkaufen?
Das Geschäftsmodell beschreibt, was Sie an wen verkaufen, mit welcher Marge und über welchen Beschaffungsweg. Stellen Sie selbst her, kaufen Sie im Großhandel ein oder arbeiten Sie mit Dropshipping ohne eigenes Lager? Diese Antwort beeinflusst jede spätere Entscheidung, vom Shopsystem bis zum Versand.
Danach rechnen Sie Ihre Stückkosten durch. Ziehen Sie Produktkosten, Zahlungsgebühren, Versand, Verpackung, eine Reserve für Retouren und Werbekosten pro Bestellung ab. Was bleibt übrig? Shops ohne diese Rechnung können Umsatz und Verlust gleichzeitig steigern. Deshalb sollte Ihre erste Tabelle eine Kostentabelle sein, kein Moodboard.
Beispielrechnung: Sie verkaufen ein Produkt für 60 Euro brutto. Nach Abzug der Mehrwertsteuer, von 25 Euro Produktkosten, 7 Euro für Versand und Verpackung sowie 2 Euro Zahlungsgebühren bleibt nur ein kleiner Betrag. Kostet jede Bestellung über Werbung mehr als dieser Rest, verlieren Sie mit jedem Verkauf Geld. Die Zahlen dienen nur zur Veranschaulichung; rechnen Sie immer mit Ihren eigenen Werten.
Beschreiben Sie schließlich Ihre Zielgruppe in einem Satz. Die Antwort „alle“ macht Sortiment und Werbung gleichermaßen unscharf.
Welches Shopsystem passt, wenn Sie einen Onlineshop erstellen?
Wer einen Onlineshop erstellen will, verbringt bei der Wahl des Shopsystems meist die meiste Zeit. Es gibt drei Wege: gehostete Mietshops mit monatlichem Abo, Open Source Software auf dem eigenen Server und eine individuelle Entwicklung. Folglich gewichtet jeder Weg Kosten und Flexibilität anders.
| Kriterium | Mietshop (SaaS) | Open Source | Individuelle Lösung |
|---|---|---|---|
| Startgeschwindigkeit | Hoch | Mittel | Niedrig |
| Anfangskosten | Niedrig | Mittel | Hoch |
| Laufende Kosten | Abo, teils Transaktionsgebühren | Hosting und Wartung | Hosting, Wartung und Entwicklung |
| Flexibilität | So weit die Plattform es erlaubt | Hoch, über Erweiterungen | Vollständig |
| Sicherheit und Updates | Beim Anbieter | Bei Ihnen | Bei Ihnen |
| Geeignet für | Neue Marken, kleines Sortiment | Wachsende Marken mit Technikteam | Große Händler mit besonderen Abläufen |
Für eine neue Marke birgt ein Mietshop meist das geringste Risiko. Allerdings sollten Sie im Vertrag unbedingt das Recht auf Datenexport prüfen. Können Sie Produkte, Kunden und Bestellungen nicht als CSV exportieren, wird ein späterer Wechsel zu einem teuren Umzugsprojekt.
Warum sollten Domain, Hosting und E-Mail von Anfang an stimmen?
Die Domain ist Ihre Adresse im Netz. Ein späterer Wechsel kostet zudem Sichtbarkeit in der Suche und Vertrauen. Wählen Sie deshalb einen kurzen, leicht schreibbaren Namen, der zur Marke passt. Registrieren Sie die Domain zudem auf Ihr Unternehmen, nicht auf die Agentur oder den Entwickler. Dieser kleine Schritt verhindert später Streit um Zugänge.
Nutzen Sie keinen Mietshop, beeinflusst die Qualität des Hostings direkt den Umsatz. Ein Shop, der während einer Aktion ausfällt, verbrennt das Werbebudget. Achten Sie also auf Lastreserven, automatische Backups und die automatische Verlängerung des SSL Zertifikats.
Die geschäftliche E-Mail vergessen allerdings viele. Bestellbestätigungen, Versandinfos und Rechnungen landen schnell im Spam, wenn sie nicht von Ihrer eigenen Domain kommen. Außerdem vertrauen Kunden einer Freemail Adresse weniger. Die Einrichtung beschreibe ich im Beitrag E-Mail mit eigener Domain. Richten Sie SPF, DKIM und DMARC vor dem Start ein.
Welche Anmeldungen und Steuerfragen sollten Sie zuerst klären?
Wer in Deutschland regelmäßig online verkauft, braucht in aller Regel eine Gewerbeanmeldung. Danach meldet sich das Finanzamt mit dem Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Welche Rechtsform passt, hängt von Umsatzerwartung, Haftung und Gesellschaftern ab. Klären Sie das daher mit einer Steuerberatung; ich liste hier nur die Fragen für dieses Gespräch.
- Welche Rechtsform passt zu Ihrer Umsatzerwartung und Ihrem Risiko?
- Kommt die Kleinunternehmerregelung für Sie infrage oder nicht?
- Welcher Mehrwertsteuersatz gilt für Ihre Produkte?
- Verkaufen Sie in andere EU Länder, und was bedeutet das für die Umsatzsteuer?
- Mit welchem System erstellen Sie Rechnungen, und wie ordnen Sie diese den Bestellungen zu?
Automatisieren Sie vor allem den Rechnungsfluss früh. Einige Rechnungen pro Tag schaffen Sie noch von Hand, in einer Aktionswoche allerdings nicht mehr. Fragen Sie deshalb schon bei der Auswahl des Shopsystems nach Schnittstellen zur Buchhaltung.
Um Netto und Bruttopreise nicht zu verwechseln, hilft der Mehrwertsteuer Rechner. Denn nach der Preisangabenverordnung müssen Verbraucher den Gesamtpreis einschließlich Umsatzsteuer sehen.
Was gehört ins Impressum und in die AGB?
Jeder geschäftsmäßige Onlineshop in Deutschland braucht ein Impressum. Die Pflicht ergibt sich heute aus § 5 des Digitale Dienste Gesetzes (DDG), das das frühere Telemediengesetz abgelöst hat. Konkret gehören Name, ladungsfähige Anschrift, schnelle Kontaktmöglichkeit, gegebenenfalls Registereintrag und Umsatzsteuer Identifikationsnummer hinein. Das Impressum muss von jeder Seite aus leicht erreichbar sein.
AGB sind zwar nicht in jedem Fall Pflicht, im Onlinehandel aber fast immer sinnvoll. Sie regeln Vertragsschluss, Zahlung, Lieferung, Eigentumsvorbehalt und Gewährleistung. Allerdings bringen fehlerhafte AGB mehr Risiko als keine AGB, denn Mitbewerber können unwirksame Klauseln abmahnen.
Deshalb rate ich von kopierten Texten ab. Nutzen Sie stattdessen einen seriösen Rechtstexte Dienst oder lassen Sie die Texte anwaltlich prüfen. Wichtig ist, dass Rechtstexte und echte Abläufe übereinstimmen. Steht in den AGB eine Lieferzeit, die Ihr Lager nicht schafft, entsteht genau der Widerspruch, den Kunden und Abmahner finden.
Planen Sie außerdem eine Aktualisierung ein. Gesetze ändern sich regelmäßig, also sollten Ihre Texte automatisch oder zumindest jährlich überprüft werden.
Wie setzen Sie Widerrufsrecht und Buttonlösung richtig um?
Verbraucher haben bei Fernabsatzverträgen grundsätzlich ein Widerrufsrecht von 14 Tagen. Sie müssen darüber vor der Bestellung korrekt belehren und das gesetzliche Musterformular für den Widerruf bereitstellen. Nach einem wirksamen Widerruf erstatten Sie den Kaufpreis und die Standardversandkosten innerhalb von 14 Tagen.
Fehlt die Belehrung oder ist sie fehlerhaft, verlängert sich die Widerrufsfrist erheblich. Deshalb lohnt sich hier besondere Sorgfalt. Zudem gibt es Ausnahmen, etwa für Waren nach Kundenspezifikation oder versiegelte Hygieneartikel nach dem Öffnen. Welche Ausnahme für Ihr Sortiment greift, klären Sie am besten anwaltlich.
Ebenso wichtig ist die sogenannte Buttonlösung. Nach § 312j BGB muss der Bestellbutton eindeutig auf die Zahlungspflicht hinweisen, zum Beispiel mit „zahlungspflichtig bestellen“. Ein Button mit „Weiter“ oder „Bestellung abschicken“ reicht nicht. Fehlt diese Beschriftung, kommt kein wirksamer Vertrag zustande.
Direkt über dem Button müssen außerdem die wesentlichen Merkmale der Ware, der Gesamtpreis und die Versandkosten stehen. Prüfen Sie diese Anzeige auf dem Smartphone, denn dort verschwinden Angaben schnell unter dem sichtbaren Bereich.
Welche Pflichten gelten beim Datenschutz und bei Cookies?
Ein Onlineshop verarbeitet zwangsläufig personenbezogene Daten wie Namen, Adressen, Telefonnummern und E-Mail Adressen. Also brauchen Sie eine Datenschutzerklärung nach DSGVO. Sie erklärt, welche Daten Sie zu welchem Zweck und auf welcher Rechtsgrundlage verarbeiten und an wen Sie sie weitergeben.
Trennen Sie zudem Werbeeinwilligung und Bestellung sauber. Für Newsletter per E-Mail brauchen Sie eine ausdrückliche Einwilligung, in der Praxis mit Bestätigungslink. Ein vorab angekreuztes Kästchen im Bestellprozess reicht dafür nicht aus.
Bei Cookies und ähnlichen Technologien gilt in Deutschland § 25 TDDDG. Nicht notwendige Cookies für Analyse und Werbung dürfen Sie erst nach Einwilligung setzen. Ein sauber konfiguriertes Cookie Banner schützt Sie also rechtlich und gibt Ihnen Kontrolle über die Daten, die an Werbeplattformen fließen.
- Impressum.
- Datenschutzerklärung.
- AGB mit Kundeninformationen.
- Widerrufsbelehrung und Musterformular.
- Informationen zu Versand und Zahlung.
- Cookie Banner mit Einstellungen.
Welche Zahlungsarten sollten Sie anbieten?
Im Zahlungsschritt fällt die eigentliche Kaufentscheidung. Legen Sie deshalb früh fest, welche Zahlungsarten Sie anbieten: Kreditkarte, PayPal, Kauf auf Rechnung, Vorkasse, Lastschrift oder Wallets wie Apple Pay. Zudem bringt jede Zahlungsart eigene Kosten und eigenen Aufwand mit sich.
Konkret haben deutsche Kunden ausgeprägte Vorlieben. Kauf auf Rechnung und PayPal spielen hierzulande eine deutlich größere Rolle als in vielen anderen Ländern. Bieten Sie Rechnungskauf an, übernehmen Sie allerdings ein Ausfallrisiko, sofern Sie keinen Dienstleister zwischenschalten, der dieses Risiko trägt.
Vergleichen Sie Zahlungsanbieter nicht nur anhand der Gebühr pro Transaktion. Achten Sie zudem auf Auszahlungsrhythmus, Kosten bei Rückbuchungen, den Umgang mit Erstattungen und die Unterstützung der starken Kundenauthentifizierung, etwa 3D Secure. Hinzu kommt die Frage, wie gut sich der Anbieter in Ihr Shopsystem einfügt.
Mein Rat: Starten Sie mit wenigen, zuverlässigen Zahlungsarten. Erweitern Sie das Angebot dann, sobald Ihre Daten zeigen, wo Käufer abspringen. So bleiben die Abläufe schlank, während Sie das Verhalten Ihrer Kunden kennenlernen.
Wie organisieren Sie Versand und Verpackung?
Der Versand ist der erste physische Kontakt zwischen Kunde und Marke. Klären Sie daher Versanddienstleister, Konditionen und Laufzeiten vor dem Start. Mehrere Dienstleister geben Ihnen zudem eine Ausweichmöglichkeit, wenn es bei einem Netz regional hakt.
Versprechen Sie nur, was Sie halten können. Eine Angabe wie „Versand am selben Tag“, die Sie nicht einhalten, führt direkt zu schlechten Bewertungen. Orientieren Sie die Lieferzeit also an Ihrer realen Packkapazität, nicht an Ihrem besten Tag.
Ein Punkt, den viele Gründer übersehen, ist das Verpackungsgesetz. Wer verpackte Waren an Endverbraucher verschickt, muss sich vor dem ersten Verkauf im Verpackungsregister LUCID registrieren und sich an einem dualen System beteiligen. Das gilt auch für Versandkartons und Füllmaterial.
Legen Sie außerdem die Grenze für kostenlosen Versand auf Basis Ihrer Stückkosten fest. Liegt sie etwas über dem durchschnittlichen Warenkorb, legen Kunden oft noch einen Artikel dazu. Liegt sie zu niedrig, frisst der Versand Ihre Marge. Senden Sie zudem die Sendungsnummer automatisch an den Kunden; das senkt die Zahl der Anfragen spürbar.
Wie gestalten Sie Retouren und Erstattungen?
Ein klarer Retourenprozess ist rechtlich notwendig und stärkt gleichzeitig das Vertrauen. Kunden bestellen entspannter, wenn sie genau wissen, wie eine Rücksendung abläuft. Veröffentlichen Sie deshalb Frist, Ablauf und Erstattungszeit auf einer eigenen Seite.
Halten Sie die Abläufe also einfach. Wo meldet der Kunde die Retoure an? Welches Etikett nutzt er? Wann ist das Geld zurück? Diese drei Antworten sollten ohne Kontakt zum Support auffindbar sein.
Entscheiden Sie zudem bewusst, wer die Rücksendekosten trägt. Gesetzlich dürfen Sie diese Kosten bei ordnungsgemäßer Belehrung dem Kunden auferlegen. Viele Händler übernehmen sie trotzdem, weil der Wettbewerb es verlangt. Beides ist legitim, solange Belehrung und Praxis übereinstimmen.
Erfassen Sie schließlich den Grund jeder Retoure. Wenn Sie Gründe wie falsche Größe, abweichende Farbe oder Transportschaden auswerten, verbessern Sie Produkttexte und Verpackung gezielt. Dadurch sinkt die Retourenquote mit der Zeit, und Ihre Marge bleibt stabil.
Wie bereiten Sie Ihre Produktdaten vor dem Start vor?
Produktdaten sind das unsichtbare Rückgrat jedes Shops. Dieselben Daten speisen Ihren Shop, Google Shopping, Marktplätze und Werbekampagnen. Erfassen Sie Produkte daher nicht einzeln im Backend, sondern bereiten Sie zunächst eine saubere Produkttabelle vor.
- Eindeutige Artikelnummer (SKU) und, falls vorhanden, eine GTIN.
- Aussagekräftiger Produkttitel mit Marke, Produktart und wichtigstem Merkmal.
- Kategorie und Unterkategorie.
- Varianten wie Farbe, Größe und Maße.
- Bruttopreis, Lagerbestand und Steuersatz.
- Gewicht und Paketmaße.
- Eigene Produktbeschreibung und saubere Bilder.
Übernehmen Sie vor allem keine Herstellertexte. Steht derselbe Text auf hunderten Seiten, kann eine Suchmaschine kaum erkennen, warum gerade Ihre Seite ranken sollte. Eine kurze, eigene Beschreibung schlägt einen langen kopierten Text.
Denken Sie bei bestimmten Waren auch an den Grundpreis, etwa bei Lebensmitteln oder Kosmetik nach Gewicht oder Volumen. Die Gestaltung der Produktseite selbst lasse ich hier bewusst weg. Trotzdem gilt: Saubere Daten am Anfang machen jede spätere Optimierung schneller und günstiger.
Warum sollten Sie Kategorien und die Shopsuche früh planen?
Die Kategoriestruktur bestimmt, wie Kunden Produkte finden und wie Suchmaschinen Ihren Shop verstehen. Spätere Umbenennungen und neue URLs bedeuten Weiterleitungen und ein Risiko für Rankings. Bauen Sie deshalb auch bei kleinem Sortiment eine Struktur, die Raum zum Wachsen lässt.
Starten Sie deshalb mit der Sprache Ihrer Kunden. Sie nennen ein Produkt vielleicht bei seinem Fachbegriff, während Käufer ganz anders suchen. Eine Kategorie namens „Lösungen zur Lebensmittelaufbewahrung“ hilft niemandem, der nach „Vorratsdosen“ sucht. Prüfen Sie Kategorienamen also mit einer Keyword Recherche.
Behalten Sie zudem Filterseiten im Griff. Filter für Farbe, Größe und Preis erzeugen schnell tausende dünne URLs. Legen Sie früh fest, welche Filterseiten indexiert sein sollen und welche nicht. Ausführlich behandle ich das im Beitrag zur Kategoriestruktur für große Websites.
Die Shopsuche wirkt wie ein Nebenthema, verrät aber viel. Suchbegriffe ohne Treffer zeigen fehlende Produkte und schlecht benannte Kategorien. Werten Sie diesen Bericht deshalb monatlich aus.
Welche SEO Grundlagen brauchen Sie, wenn Sie einen Onlineshop erstellen?
SEO auf die Zeit nach dem Start zu verschieben, gehört zu den häufigsten und teuersten Fehlern. Stimmen URL Struktur, Kategorien und technische Einstellungen vom ersten Tag an, baut sich organischer Traffic mit der Zeit auf. Google fasst seine wichtigsten Empfehlungen im E-Commerce Leitfaden von Search Central zusammen.
- Kurze, lesbare und dauerhafte URLs.
- Eigene Titel und Beschreibungen für jede Kategorie und jedes Produkt.
- Strukturierte Produktdaten für Preis, Verfügbarkeit und Bewertungen.
- Klare Regeln für ausverkaufte und eingestellte Produkte.
- Schnelle Seiten, die mobil gut funktionieren.
- Eine XML Sitemap und korrekte Robots Einstellungen.
Für strukturierte Daten zeigt Ihnen der Schema Generator, wie Produktauszeichnung funktioniert. Außerdem lohnt sich ein Konto im Google Merchant Center, denn damit können Ihre Produkte in kostenlosen Einträgen erscheinen.
SEO ist allerdings eine Daueraufgabe, keine Startaufgabe. Wer Kategorieseiten ausbaut und hilfreiche Ratgeber veröffentlicht, sieht die Wirkung über Monate. Wie ich dabei vorgehe, erkläre ich auf der Seite zur SEO Beratung.
Wie richten Sie das Tracking vor dem Livegang ein?
Umsatz, den Sie nicht messen, können Sie nicht steuern. Installieren Sie deshalb Analyse, Conversion Tags und E-Commerce Ereignisse vor dem Livegang. Die Daten ab dem ersten Tag bilden dann die Grundlage jeder späteren Entscheidung.
Messen Sie mindestens vier Ereignisse: Produktansicht, In den Warenkorb, Beginn des Bezahlvorgangs und Kauf. Das Kaufereignis braucht den Bestellwert und die Bestellnummer. So sehen Sie, wie viel Umsatz jeder Kanal bringt. Nutzen Sie die Bestellnummer zudem zur Deduplizierung, damit keine Bestellung doppelt zählt.
Gleichen Sie in Werbeplattformen den Conversion Wert mit dem echten Umsatz ab. Wie viel Ihr Werbebudget zurückbringt, zeigt Ihnen der ROAS Rechner. Allerdings reicht ROAS allein nicht, denn erst mit Ihrer Marge sehen Sie, ob eine Kampagne wirklich Gewinn bringt.
Geben Sie vor dem Start eine Testbestellung auf und prüfen Sie die ganze Kette. Kam die Bestellung im Backend an? Wurde die Rechnung verschickt, ist die Bestätigung im Postfach, und hat die Analyse den Kauf mit dem richtigen Wert erfasst? Dieser Test dauert eine halbe Stunde und erspart Ihnen Wochen mit falschen Daten.
Über welche Kanäle gewinnen Sie die ersten Kunden?
Sobald Sie Ihren Onlineshop erstellen und freischalten, zeigt sich das erste Problem: Niemand kennt ihn. Weil organischer Traffic Zeit braucht, tragen in den ersten Monaten meist bezahlte Kanäle, das eigene Netzwerk und Social Media gemeinsam die Last. Welcher Kanal vorne liegt, hängt von Produkt und Budget ab.
Bei Produkten, nach denen Menschen bereits suchen, liefern Google Shopping und Suchkampagnen oft schnell Ergebnisse, denn der Kunde sucht ja schon. Bei neuen oder unbekannten Produktkategorien eignen sich Social Ads dagegen besser, um Nachfrage zu erzeugen. Worauf ich beim Kampagnenaufbau achte, beschreibe ich unter Google Ads Verwaltung.
Besucher erneut anzusprechen, die ohne Kauf gegangen sind, gehört bei kleinem Budget zu den effizientesten Schritten. Den Ansatz erkläre ich im Beitrag Remarketing für einen stärkeren Sales Funnel.
Beginnen Sie außerdem vom ersten Tag an mit dem Aufbau einer E-Mail Liste. Eine Liste mit sauberer Einwilligung ist der einzige Kanal, der Ihnen unabhängig von Werbepreisen gehört. Ein kleiner Anreiz bei der ersten Bestellung kann die Anmeldungen steigern.
Wie bereiten Sie den Kundenservice vor?
Onlinekäufer wollen wissen, dass ein Mensch ihre Fragen beantwortet. Legen Sie deshalb fest, welche Kanäle Sie öffnen, etwa Telefon, E-Mail oder Chat, und wer zu welchen Zeiten antwortet. Ein Kanal, den Sie öffnen, aber nicht betreuen, kostet mehr Vertrauen als gar kein Kanal.
Sammeln Sie zunächst die typischen Fragen und schreiben Sie Antwortvorlagen. Wo ist meine Bestellung, wie funktioniert die Rücksendung, wann ist ein Artikel wieder da: Diese Fragen tauchen in jedem Shop auf. Bündeln Sie die Antworten auf einer FAQ Seite, dann sinkt die Supportlast deutlich.
Führen Sie danach alle Anfragen an einem Ort zusammen. Laufen E-Mail, Chat und Kommentare in getrennten Tools, bleiben manche Kunden ohne Antwort. Ein einfaches Ticketsystem oder ein gemeinsames Postfach löst das bereits.
Schaffen Sie schließlich Raum für Kundenbewertungen. Denn echte Bewertungen erleichtern neuen Besuchern die Entscheidung. Filtern Sie Bewertungen aber nie selektiv und veröffentlichen Sie keine erfundenen Bewertungen, denn das verstößt gegen das Wettbewerbsrecht. Eine schnelle, freundliche Antwort auf Kritik schafft oft mehr Vertrauen als jedes Lob.
Wie verteilen Sie Ihr Budget sinnvoll?
Wer einen Onlineshop erstellen lässt, braucht ein Budget, das weit mehr als den Aufbau umfasst. Viele Gründer investieren alles ins Design und haben nach dem Start nichts mehr für Marketing übrig. Dabei entsteht der Umsatz erst in den Monaten nach dem Livegang.
Planen Sie diese Posten getrennt: Shopsystem oder Software, Design und Einrichtung, Produktfotos und Texte, Rechtstexte, Erstbestand, Versand und Verpackungsmaterial, Werbung und Marketing sowie eine Reserve für Unvorhergesehenes. Allerdings unterscheiden sich die Beträge stark von Shop zu Shop. Deshalb nenne ich hier keine festen Prozentsätze.
Ein Grundsatz aus meiner Praxis, ohne Garantie: Halten Sie das Werbebudget für die ersten Monate getrennt vom Budget für den Aufbau. Dann haben Sie nach dem Start tatsächlich Mittel, um Besucher zu holen. Sonst stehen Sie mit einem schönen, aber leeren Laden da.
Wenn Sie professionelle Unterstützung suchen, finden Sie Umfang und Ablauf auf der Seite zur E-Commerce Beratung. Für die Gestaltung lohnt ein Blick auf mein Angebot zum Webdesign.
Was gehört auf die letzte Checkliste vor dem Start?
Vor dem Starttag prüfen Sie, ob alle Bausteine zusammenspielen. Die folgende Liste nutze ich in der letzten Woche jedes Projekts. Sie beginnt mit dem kritischsten Punkt.
- Echte Testbestellung mit Karte aufgeben und anschließend erstatten.
- Bestellbutton, Widerrufsbelehrung und AGB im Bestellprozess prüfen.
- Impressum und Datenschutzerklärung von jeder Seite aus erreichbar machen.
- Kontrollieren, dass Bestell, Versand und Rechnungsmails im Posteingang ankommen.
- Analyse und Werbetags auf korrekte Kaufwerte prüfen.
- Den gesamten Bestellprozess auf dem Smartphone durchspielen.
- Registrierung im Verpackungsregister bestätigen.
- Preise, Grundpreise und Bestände ein letztes Mal abgleichen.
- Backups und SSL Zertifikat überprüfen.
Lassen Sie die Liste von zwei Personen getrennt abarbeiten. Wer den Shop gebaut hat, übersieht eigene Fehler leicht. Ein frischer Blick erkennt Hürden im mobilen Bestellprozess deutlich schneller.
Welche Anfängerfehler sollten Sie vermeiden?
Über die Jahre habe ich dieselben Fehler in ganz unterschiedlichen Branchen gesehen. Wer sie kennt, spart Zeit und Geld, sobald er einen Onlineshop erstellen will.
Erstens investieren viele zu viel ins Design und vergessen das Marketing. Zweitens legen sie Preise ohne Kostentabelle fest. Ein weiterer Klassiker sind kopierte Rechtstexte, die nicht zum eigenen Ablauf passen und Abmahnungen nach sich ziehen. Häufig startet zudem die Werbung, bevor das Tracking funktioniert; dann erfahren Sie nie, welche Ausgabe sich gelohnt hat.
Auch kleine Hürden in der Bedienung kosten viel Umsatz. Langsame Seiten, versteckte Versandkosten und ein Zwang zum Kundenkonto stehen ganz oben. Beispiele dafür habe ich im Beitrag zu UX Fehlern, die Umsatz kosten gesammelt.
Schließlich ist Ungeduld ein Fehler. Statt einen Kanal nach einem Monat abzuschalten, sammeln Sie zuerst genug Daten. Anders gesagt: E-Commerce ist kein Sprint, sondern ein Prozess, den Sie über Messung steuern. Ein Shop auf solidem Fundament arbeitet jeden Monat ein Stück effizienter.




