Bildsprache und UX im Online Shop optimieren: Ein Leitfaden für mehr Umsatz

Ein Shopbetreiber fragte mich einmal ganz direkt: "Unsere Produkte sind gut, unsere Preise marktüblich. Warum verlassen die Besucher den Shop trotzdem vor dem Warenkorb?" Die Antwort lag zum großen Teil in der Bildsprache und in kleinen Details der Online Shop UX. In diesem Leitfaden zeige ich, wie ich Produktfotos, Galerien, Kategorieseiten, Produktkacheln und den Warenkorb angehe. Außerdem teile ich belegte Ergebnisse aus der Forschung des Baymard Institute.
Was ist Online Shop UX, und welche Rolle spielt die Bildsprache?
Online Shop UX ist die Summe aller Interaktionen, die Kunden in einem Webshop erleben, von der Produktsuche bis zur abgeschlossenen Zahlung. Die Bildsprache trägt dieses Erlebnis. Fotos, Farben, Typografie und Produktkacheln sind die wichtigste Entscheidungsgrundlage, denn online kann niemand das Produkt anfassen.
Im Laden nehmen Kunden ein Produkt in die Hand, drehen es und prüfen das Material. Online übernehmen dann Bilder diese Aufgabe. Deshalb betrachte ich Bildsprache nicht als Dekoration, sondern als Produktinformation. Ein schönes Foto ohne Aussage verkauft schlechter als ein schlichtes Foto, das alle Fragen beantwortet.
Zudem reicht Bildsprache über Fotografie hinaus. Buttonfarben, die Größe des Preises, der Ton eines Lagerhinweises und die Icons gehören zur selben Sprache. Sprechen alle Elemente einheitlich, vertrauen Kunden dem Shop. Widersprechen sie sich, zögern Kunden.
Beeinflusst die Bildsprache tatsächlich den Umsatz?
Ja, allerdings meistens indirekt. Bildsprache ruft nicht "Jetzt kaufen". Stattdessen beantwortet sie die Fragen im Kopf der Kunden und schafft Vertrauen. Kunden mit offenen Fragen wandern daher zur Konkurrenz ab oder schicken das Paket später zurück.
Das Baymard Institute beziffert die dokumentierte durchschnittliche Abbruchrate im Warenkorb auf 70,22 Prozent, gestützt auf 50 Studien. Laut derselben Baymard Übersicht zu Kaufabbrüchen brachen 19 Prozent der Befragten ab, weil sie der Seite ihre Kartendaten nicht anvertrauen wollten. Dieses Vertrauen entsteht zu einem guten Teil aus einheitlicher Gestaltung, professionellen Fotos und einer aufgeräumten Oberfläche.
Kurz gesagt schafft Bildsprache allein keinen Umsatz. Sie räumt aber viele Hindernisse vor dem Kauf aus dem Weg. Meine Erfahrung bestätigt das: Shops mit festem Fotostandard bekommen deutlich weniger Anfragen im Stil von "Wie sieht das in echt aus?".
Wie legen Sie Standards für Produktfotos fest?
Sie beginnen zunächst mit einem Fotoleitfaden, nicht mit einem einzelnen Bild. Der Leitfaden beschreibt auf einer Seite Hintergrund, Lichtrichtung, den Anteil des Produkts im Bild, die Liste der Perspektiven und die Dateigrößen. Somit wirken Produkte, die Monate auseinander und von verschiedenen Personen fotografiert entstanden, trotzdem wie eine Familie.
Diese Punkte stehen in dem Leitfaden, den ich mit Kunden nutze:
- Ein fester Hintergrund für Listenbilder, meist Weiß oder ein sehr helles Neutral.
- Ein einheitlicher Bildanteil mit ähnlichem Rand um jedes Produkt.
- Eine feste Perspektivliste: vorne, seitlich, hinten, Detail und im Einsatz.
- Ein Seitenverhältnis pro Kategorie, etwa quadratisch oder 4:5.
- Farbtreue, damit der Bildschirm dem echten Produkt entspricht.
- Eine Regel für Dateinamen und Alt Texte mit Produktname und Variante.
Halten Sie den Leitfaden außerdem schriftlich fest. Kommt dann ein neues Produkt, muss niemand raten, wie das letzte Shooting lief. Ein Blick in das Dokument genügt.
Wie viele Fotos und welche Perspektiven braucht eine Produktseite?
Statt einer festen Zahl verlange ich, dass jedes Foto eine Frage beantwortet. Konkret wollen Kunden Vorderseite, Rückseite, Details, Größe und das Produkt im Einsatz sehen. In den meisten Kategorien ergeben diese fünf Fragen etwa fünf bis acht Bilder. Diese Spanne stammt aus der Praxis und ist ein Ausgangspunkt, keine Garantie.
Die Größe ist die Frage, die Shops am häufigsten übergehen. Laut der Baymard Studie zu Größenbildern versuchen 42 Prozent der Nutzer, die Größe eines Produkts aus den Bildern abzuleiten. Dennoch zeigen 28 Prozent der Seiten kein Bild, das das Produkt neben einem bekannten Gegenstand oder einer Person darstellt. Daher ist ein Foto in der Hand, auf dem Schreibtisch oder am Model oft mehr wert als eine fünfte Studioperspektive.
Zum Beispiel profitiert Mode von Modelfotos, Möbel von Raumszenen und Elektronik von Nahaufnahmen der Anschlüsse. Anders gesagt passen Sie die Perspektivliste an die Kategorie an.
Studiofotos oder Lifestylefotos?
Sie brauchen beides, denn beide erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Studiofotos machen Produkte also vergleichbar. Lifestylefotos zeigen, wie das Produkt in den Alltag der Kunden passt. Wer das eine durch das andere ersetzt, verliert fast immer Information.
| Bildtyp | Beantwortete Frage | Bester Platz | Worauf achten |
|---|---|---|---|
| Studio, schlichter Hintergrund | Wie sieht es genau aus? | Produktkachel, erstes Galeriebild | Gleiches Licht und gleicher Ausschnitt |
| Detailaufnahme | Wie gut ist die Verarbeitung? | Galerie, Zoom | Ausreichende Auflösung |
| Größenbild | Wie groß ist es? | Unter den ersten drei Galeriebildern | Bekannter Vergleichsgegenstand |
| Lifestyle | Wie wirkt es in meinem Alltag? | Ende der Galerie, Aktionsflächen | Produkt geht in der Szene unter |
| Video oder Rundumansicht | Wie wirkt es in Bewegung? | Komplexe oder teure Produkte | Einfluss auf die Ladezeit |
Zum Beispiel gehört bei Keramiktassen das Foto vor weißem Hintergrund auf die Kachel. Ein Bild der gefüllten Tasse auf dem Schreibtisch schafft dann am Ende der Galerie die emotionale Verbindung.
Wie gestalten Sie die Produktgalerie?
Die Galerie bestimmt, wie Kunden Ihre Fotos erleben, und gute Fotos gehen in einer schlechten Galerie unter. Meine Grundregel lautet: Kunden sehen jederzeit, wie viele Bilder es gibt und welches gerade aktiv ist. Deshalb zeige ich weitere Bilder als Vorschaubilder.
Die Baymard Studie zu Vorschaubildern berichtet, dass 76 Prozent der mobilen Seiten für weitere Produktbilder keine Vorschaubilder nutzen, sondern nur Punkte. Punkte verraten zwar die Anzahl der Bilder, aber nicht ihren Inhalt. Also müssen Kunden die ganze Galerie durchwischen, um ein bestimmtes Detail zu finden.
Weitere Punkte, die ich in Galerien prüfe:
- Der Zoom funktioniert per Klick am Desktop und per Fingergeste am Smartphone.
- Die Wahl einer Variante, etwa einer Farbe, wechselt die Galerie auf diese Variante.
- Der Schließen Button bleibt in der Vollbildansicht sichtbar.
- Videos tragen im Vorschaubild ein deutliches Abspielsymbol.
Wie ordnen Sie eine Kategorieseite visuell?
Die Kategorieseite ist das Schaufenster, in dem Kunden Produkte nebeneinander vergleichen. Hier dient die Bildsprache also dem Vergleich. Produkte mit gleichem Seitenverhältnis, Hintergrund und Ausschnitt lassen echte Unterschiede schnell erkennen. Gemischte Bilder lenken dagegen den Blick auf Fotounterschiede.
Die Zahl der Produkte pro Reihe wählen Sie nach Produkttyp. Konkret brauchen Produkte mit Detailbedarf wie Möbel oder Schuhe größere Kacheln. Schnell überflogene Artikel wie Verbrauchsmaterial vertragen ein dichteres Raster. Zudem platzieren Sie Filter und Sortierung gut erreichbar über den Produkten.
Die Kategoriehierarchie selbst ist ein eigenes Thema. Menüs und Kategoriebäume behandle ich im Beitrag zur Kategoriestruktur für große Websites. Hier geht es nur um die Darstellung der Seite.
Welche Informationen gehören auf eine Produktkachel?
Eine Produktkachel fasst einen Artikel auf der Listenseite zusammen. In diesem kleinen Bereich entscheiden Kunden zudem über den Klick. Deshalb liefert die Kachel die wichtigsten Fakten auf einen Blick und überlässt den Rest der Produktseite.
- Ein Hauptbild nach Ihrem Standard.
- Ein klarer, vollständiger Produktname.
- Der Preis, bei Rabatt alter und neuer Preis zusammen.
- Ein Hinweis auf Varianten, etwa Farbfelder.
- Bewertung und Anzahl der Rezensionen, falls vorhanden.
- Wichtiger Status: geringer Bestand oder kostenloser Versand.
Allerdings ist es ebenso ein Fehler, alles auf die Kachel zu packen. Fünf Badges, drei Etiketten und zwei Buttons erzeugen Unruhe im ganzen Raster. Meine Regel ist einfach: Hilft ein Element nicht bei der Klickentscheidung, fliegt es raus.
Manche Shops zeigen beim Überfahren mit der Maus ein zweites Bild, und das funktioniert oft gut. Am Smartphone gibt es diesen Zustand jedoch nicht. Folglich verstecken Sie wichtige Informationen nie ausschließlich dahinter.
Wie ergänzen Farbe, Typografie und Icons die Bildsprache?
Für die Online Shop UX gilt: Fotos beschreiben das Produkt, Farbe, Typografie und Icons geben dem Shop seine Stimme. Diese Stimme soll die Produkte also rahmen, ohne mit ihnen zu konkurrieren. Deshalb empfehle ich, die Farben der Oberfläche ruhiger zu halten als die Produktfotos.
Die wichtigste Farbregel lautet daher: eine Aktionsfarbe, konsequent eingesetzt. Welche Farbe der Button "In den Warenkorb" auch trägt, sie taucht nirgends sonst als Dekoration auf. So lesen Kunden schon an der Farbe ab, was zu tun ist. Zu Buttontexten und Platzierung finden Sie Beispiele im Beitrag zu CTA Buttons.
In der Typografie bauen Sie eine klare Hierarchie zwischen Preis, Produktname und Beschreibung auf. Bei Icons wählen Sie zudem eine einzige Zeichenfamilie. Icons aus verschiedenen Bibliotheken wirken auf aufmerksame Kunden nachlässig.
Wie beeinflussen Produktbilder Ladezeit und Sichtbarkeit in der Suche?
Produktbilder sind meist die schwersten Dateien in der Online Shop UX. Auf einer Produktseite ist das erste Galeriebild oft das größte sichtbare Element und bestimmt damit den Largest Contentful Paint (LCP). Der web.dev Leitfaden zum LCP empfiehlt für ein gutes Erlebnis einen LCP von höchstens 2,5 Sekunden.
In der Praxis setze ich diese Schritte um:
- Bilder in modernen Formaten wie WebP oder AVIF ausliefern.
- Mit srcset mehrere Größen für verschiedene Bildschirme bereitstellen.
- Das erste Galeriebild sofort laden und die übrigen verzögert.
- Breite und Höhe angeben, damit das Layout nicht springt.
Für die Suche empfehlen die Google Richtlinien für Bilder aussagekräftige Dateinamen, Alt Texte und eine Platzierung nahe am passenden Text. Dateien verkleinern Sie schnell mit meinem Tool zum Bild verkleinern. Ausführlicher behandle ich das Thema im Beitrag wie die Ladezeit SEO beeinflusst.
Warum braucht die mobile Online Shop UX eine eigene Planung?
Ein Smartphone ist kein kleiner Desktop, sondern ein anderer Kontext. Kunden kaufen mit einer Hand und oft nebenbei. Daher beruht die mobile Online Shop UX auf daumengroßen Tippflächen, vertikalem Scrollen und kurzer Aufmerksamkeit.
Für die Bildsprache zählen mobil vor allem einige Entscheidungen. Zunächst nutzt die Galerie die volle Bildschirmbreite. Vorschaubilder lassen sich bequem antippen. Außerdem bleibt der Button zum Warenkorb beim Scrollen erreichbar. Zudem muss der Text auf Kacheln lesbar bleiben, denn eine feine Schrift, die am Desktop elegant wirkt, ist am Smartphone oft kaum lesbar.
Wer mobil zuerst gestaltet, verhindert die meisten dieser Probleme. Den Ansatz erkläre ich im Beitrag was Mobile First Design bedeutet. Um Ihre eigenen Seiten am Smartphone zu prüfen, hilft Ihnen mein Leitfaden zum Test der Mobilfreundlichkeit.
Welche Entscheidungen im Warenkorb senken die Abbruchrate?
Im Warenkorb fragen sich Kunden ein letztes Mal, ob sie den Artikel wirklich wollen. Die Bildsprache muss hier deshalb Klarheit und Vertrauen liefern. Konkret zeigt jede Zeile ein kleines Bild, die Variante, die Menge und den Preis. Kunden sollen nie zweifeln, was sie kaufen.
In den Baymard Daten ist der häufigste Grund für einen Abbruch im Checkout mit 40 Prozent zu hohe Zusatzkosten wie Versand, Steuern und Gebühren. Also zeigen Sie Gesamtsumme, Versandkosten und Lieferzeit schon im Warenkorb, statt die Überraschung auf den Zahlungsschritt zu verschieben. Außerdem gaben 18 Prozent an, abgebrochen zu haben, weil sie ein Kundenkonto anlegen sollten.
- Gesamtsumme und Versandkosten früh im Warenkorb anzeigen.
- Einen gut sichtbaren Gastkauf anbieten.
- Mengenänderung und Entfernen einfach machen.
- Hinweise zu sicherer Zahlung und Rückgabe nahe am Button platzieren.
- Das Gutscheinfeld so platzieren, dass es nicht ablenkt.
Auch Produktempfehlungen im Warenkorb verdienen Sorgfalt. Sparsam eingesetzt können sie den Bestellwert steigern. Eine riesige Empfehlungsleiste lenkt dagegen vom Checkout ab. Halten Sie sie klein und unterhalb der Warenkorbzeilen.
Wie lang sollte das Formular im Checkout sein?
So kurz wie möglich. Baymard hat gemessen, dass ein idealer Checkout mit etwa 12 bis 14 Formularelementen auskommt, also 7 bis 8 Eingabefeldern. Der durchschnittliche Checkout in den USA zeigt dagegen standardmäßig 23,48 Formularelemente. Diese Lücke bedeutet reine Reibung für Kunden.
Um ein Formular zu kürzen, stelle ich daher zu jedem Feld eine Frage: Können wir die Bestellung ohne diese Angabe liefern? Die Rechnungsadresse entspricht meist der Lieferadresse, deshalb ist "wie Lieferadresse" die Voreinstellung. Optionale Felder wie der Firmenname verschwinden hinter einem kleinen Link.
Visuell bleibt das Formular schlicht: eine Spalte, Beschriftungen über den Feldern und sofortige Fehlermeldungen. Mehr zu meinen Entscheidungen bei Formularen lesen Sie im Beitrag Formulare optimieren.
Wie zeigen Sie Vertrauenssignale visuell?
Ein Vertrauenssignal ist alles, was Kunden zeigt, dass der Shop echt und zuverlässig ist: echte Bewertungen, Kontaktdaten, Rückgabebedingungen und ein klarer Hinweis zur sicheren Zahlung. Wichtiger als die Anzahl sind also der richtige Ort und die Ehrlichkeit.
Zum Beispiel vergraben Sie die Rückgaberegeln nicht auf einer Seite im Footer, sondern setzen eine kurze Zeile nahe an den Preis. Bei Bewertungen beantworten Kundenfotos eine Frage, die Studiofotos nicht beantworten: "Wie sieht es in Wirklichkeit aus?"
Eine klare Warnung dazu: Verzichten Sie auf erfundene Bewertungen, falsche Countdowns oder unwahre Hinweise wie "nur noch 3 verfügbar". Kurzfristig bringen sie vielleicht einen Klick. Sobald Kunden es merken, verlieren sie jedoch das Vertrauen in Ihre gesamte Bildsprache. Zudem bergen solche Taktiken wettbewerbsrechtliche Risiken.
Reichen Fotos vom Lieferanten aus?
Für den Start vielleicht, aber sie heben Sie nicht von anderen ab. Verkaufen Dutzende Shops denselben Artikel mit demselben Lieferantenfoto, bleibt als sichtbarer Unterschied nur der Preis. Zudem kommen Lieferantenbilder mit wechselnden Hintergründen, Formaten und Lichtverhältnissen, was Kategorieseiten unruhig macht.
Mein Rat: Beginnen Sie eigene Shootings mit den Bestsellern und den Produkten mit der höchsten Marge. Die übrigen Lieferantenbilder bringen Sie zumindest auf denselben Hintergrund und dasselbe Format. Dann ergänzen Sie die Galerie mit eigenen Größenbildern und Fotos im Einsatz.
Prüfen Sie außerdem die Bildrechte. Stellen Sie sicher, dass der Lieferant die Nutzung erlaubt. Bilder ohne Lizenz können später rechtliche und rufschädigende Folgen haben.
Wie wirken sich Aktionsbanner auf die Bildsprache aus?
In Aktionszeiten bricht die Bildsprache am häufigsten. Bekommt jeder Sale eine neue Farbe, eine neue Schrift und einen neuen Bannerstil, zerfällt der Shop innerhalb weniger Monate in lose Einzelteile. Kunden lesen dieses Durcheinander daher als Nachlässigkeit.
Deshalb erstellen Sie auch für Aktionen ein kleines Vorlagenset: ein festes Layout, eine Akzentfarbe aus der Markenpalette und eine Schrift für Überschriften. So wirkt jede Aktion frisch, und der Shop behält seine Identität. Achten Sie zudem darauf, dass der Banner die Produkte nicht aus dem sichtbaren Bereich schiebt. Gerade mobil verzögert ein riesiger Banner den Weg zu den gesuchten Artikeln.
Wie zeigen Sie die Auswahl von Varianten?
Farbe, Größe und Material sind der härteste Test für die Bildsprache. Wählen Kunden zum Beispiel Rot, erwarten sie das rote Produkt. Bleibt das blaue Foto stehen, entsteht Verwirrung, und im schlimmsten Fall bestellen sie den falschen Artikel.
Daher bevorzuge ich nach Möglichkeit kleine Produktbilder statt einfacher Farbfelder. Den Unterschied zwischen "Marine" und "Nachtblau" beschreiben Worte schlecht, ein kleines Foto zeigt ihn sofort. Außerdem blende ich ausverkaufte Varianten nicht aus, sondern zeige sie blass. So wissen Kunden, dass es die Option gibt, sie aber gerade vergriffen ist.
Bei Größen hilft eine Maßzeichnung neben der Größentabelle. Lesen Kunden "Brustweite", sehen sie gleich, wo sie messen sollen. Somit sinken die Rücksendungen wegen falscher Größe.
Wie arbeiten Produkttext und Bilder zusammen?
Bild und Text erzählen dieselbe Geschichte. Steht im Text "matte Oberfläche", während das Foto glänzt, wissen Kunden nicht, was stimmt. Also schreiben Sie den Text mit Blick auf die Galerie und bauen die Galerie mit Blick auf den Text.
Mit Kunden nutze ich deshalb eine einfache Methode: Jede wichtige Aussage im Text bekommt ein passendes Bild. Versprechen Sie einen wasserdichten Reißverschluss, zeigen Sie ihn in Nahaufnahme. Schreiben Sie "leicht zu reinigen", ergänzen Sie ein Foto nach der Nutzung. Zudem zeigt diese Zuordnung sofort, welche Bilder Ihrem Team noch fehlen.
Technische Daten fasse ich in einer kurzen Tabelle zusammen statt in langen Absätzen. Kunden finden den Wert in der Tabelle und sehen seine Bedeutung im Foto. Wie Nutzererfahrung und Ranking zusammenhängen, erkläre ich im Beitrag zu SEO und UX.
Welche Rolle spielt Barrierefreiheit in der Bildsprache?
Barrierefreiheit sorgt dafür, dass Bildsprache für alle funktioniert. Menschen mit Sehschwäche nutzen zum Beispiel einen Screenreader. Menschen mit Farbsehschwäche übersehen womöglich Informationen, die nur über Farbe laufen. Deshalb prüfen Sie visuelle Entscheidungen nicht nur auf Optik, sondern auch auf Zugänglichkeit.
Konkret achte ich auf diese Punkte: sinnvolle Alt Texte an jedem Produktbild, genug Kontrast zwischen Text und Hintergrund, Statusanzeigen, die nicht allein auf Farbe setzen, und eine Galerie, die sich per Tastatur bedienen lässt. Ebenso halte ich Buttons und Tippflächen groß genug für den Daumen.
Davon profitieren nicht nur Menschen mit Einschränkungen. Auch wer im grellen Sonnenlicht aufs Handy schaut oder es eilig hat, kommt besser zurecht. Kurz gesagt verkauft eine barrierefreie Bildsprache an mehr Menschen mit weniger Reibung.
Wo fangen Sie an, die Online Shop UX zu verbessern?
Statt alles gleichzeitig zu ändern, beginnen Sie mit den Seiten, die den meisten Traffic und Umsatz tragen. In den meisten Shops sind das konkret einige Bestseller, die Hauptkategorien und der Warenkorb. Eine Verbesserung dort bringt mehr als Dutzende Korrekturen auf selten besuchten Seiten.
- Die Seiten mit den meisten Besuchen und dem höchsten Umsatz aus der Analyse ziehen.
- Auf diesen Seiten Fotostandard und Galerie prüfen.
- Warenkorb und Checkout selbst am Smartphone durchlaufen.
- Die Probleme nach Wirkung und Aufwand sortieren.
- Änderungen einzeln veröffentlichen und die Wirkung beobachten.
So erkennen Sie, welche Änderung tatsächlich gewirkt hat. Zunächst lohnt es sich allerdings, Conversion Ziele festzulegen; wie das geht, lesen Sie im Beitrag Conversion Ziele festlegen.
Wie messen Sie die Wirkung visueller Änderungen?
Zuerst brauchen Sie einen Ausgangswert vor der Änderung. Gute Startkennzahlen sind zum Beispiel die Rate der Warenkorbzugaben auf Produktseiten, die Klickrate auf Kategorieseiten und der Übergang vom Warenkorb in den Checkout. Nach der Änderung vergleichen Sie dieselben Werte mit einem ähnlichen Zeitraum.
Saisonale Schwankungen und Aktionen können das Ergebnis allerdings verzerren. Daher setzen Sie nach Möglichkeit einen A/B Test auf. Bei wenig Traffic veröffentlichen Sie die Änderung zumindest in einer ruhigen Phase ohne Rabatte. Qualitativ beobachten Sie Produktfragen im Support und Rücksendegründe. Weniger Rücksendungen mit dem Grund "kleiner als erwartet" sprechen dafür, dass das Größenbild wirkt.
Gestaltung und Conversion gemeinsam behandle ich im Beitrag zu conversionorientiertem Webdesign. Für regelmäßige Leistungsmessungen ist ein Lighthouse Test eine gute Gewohnheit.
Intern umsetzen oder externe Hilfe holen?
Das hängt vor allem von Sortimentsgröße und Fähigkeiten Ihres Teams ab. Ein Shop mit kleinem Sortiment kann Fotos mit einem guten Leitfaden und einem einfachen Studioaufbau selbst erstellen. Shops mit Hunderten Produkten und häufigen neuen Kollektionen brauchen dagegen einen geregelten Ablauf für Aufnahme und Bearbeitung.
Mein Rat: Bauen Sie Standard und Leitfaden einmal mit externer Unterstützung sauber auf und übergeben Sie die tägliche Umsetzung dann Ihrem Team. Somit hängen Sie nicht bei jedem neuen Produkt von Dienstleistern ab. Die Arbeit an Galerie, Produktkachel und Warenkorb gehört dagegen meist zu einem Design und Entwicklungsprojekt.
Wenn Sie Unterstützung suchen, beschreiben meine Seiten zur E-Commerce Beratung und zum Webdesign den Umfang. Zusammengefasst: erst der Standard, dann die Oberfläche, zuletzt die Messung.
Ist Bildsprache jemals fertig?
Nein. Bildsprache ist ein lebendes System, das sich mit Sortiment, Zielgruppe und Gerätegewohnheiten verändert. Steht aber einmal ein solides Fundament, erfolgen Anpassungen in kleinen Schritten. Somit fangen Sie nicht jede Saison bei null an.
Zusammengefasst beginnt bessere Online Shop UX damit, die Fragen der Kunden visuell zu beantworten. Wie sieht es aus? Wie groß ist es? Wofür nutze ich es? Was kostet es insgesamt? Kann ich diesem Shop vertrauen? Ein Shop, der diese Fragen klar beantwortet, erlebt weniger Rücksendungen und mehr Wiederholungskäufe.
Zum Schluss eine kleine Gewohnheit, die ich allen Kunden empfehle. Kaufen Sie zunächst in Ihrem eigenen Shop wie ein Kunde ein. Legen Sie dann am Smartphone ein Produkt in den Warenkorb und gehen Sie bis zur Zahlung. Jede Stelle, an der Sie hängen bleiben, bremst auch Ihre Kunden; wiederholen Sie diesen Test deshalb jedes Quartal.




