Social Media

Was ist Social Selling? Ist die Kaltakquise tot? So gewinnen Sie B2B-Kunden

Talha Aslan 16 Minuten Lesezeit

Social Selling gehört zu den meistdiskutierten Begriffen im B2B-Vertrieb und zugleich zu den am häufigsten missverstandenen. Manche Teams halten es zum Beispiel für eine Erlaubnis, Postfächer auf LinkedIn mit Nachrichten zu füllen. Andere nutzen es als Ausrede, nicht mehr zum Telefon zu greifen. Beide Ansätze kosten allerdings Aufträge.

Seit 2012 arbeite ich an Prozessen in digitalem Marketing und Vertrieb. In diesem Leitfaden prüfe ich zunächst anhand veröffentlichter Studien, wie gut Kaltakquise heute funktioniert. Danach erkläre ich, was Social Selling bedeutet, wie der Social Selling Index von LinkedIn arbeitet, wie ein Prozess in vier Schritten aussieht, welche Regeln für Nachrichten gelten und wie Sie Ergebnisse messen. Taktische Schritte wie Kontaktanfragen oder den Sales Navigator behandle ich im Beitrag Kunden über LinkedIn gewinnen; hier geht es um die Methode und ihre Regeln.

Was ist Social Selling?

Social Selling bedeutet, dass Vertriebsmitarbeiter soziale Netzwerke nutzen, um eine glaubwürdige professionelle Präsenz aufzubauen, die richtigen Entscheider zu finden, nützliche Einblicke zu teilen und aus diesen Beziehungen Verkaufsgespräche zu entwickeln. Anders als bei der Kaltakquise findet der erste echte Kontakt statt, wenn der Käufer Sie bereits kennt und einen Grund für ein Gespräch hat.

LinkedIn selbst beschreibt den Begriff vor allem darüber, wie wirksam Vertriebsprofis soziale Medien für den Verkauf einsetzen. Es zählt also nicht die Zahl der Beiträge, sondern der Beitrag sozialer Kanäle zum Umsatz. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn viele Teams verwechseln Aktivität mit Ergebnis.

Außerdem verwechseln Teams Social Selling häufig mit drei anderen Dingen. Es ist keine Werbung, denn Vertrauen lässt sich nicht mit einem Mediabudget kaufen. Es ist auch keine Automatisierung von Massennachrichten; im Gegenteil, generische automatische Ansprache zerstört die Methode. Schließlich ist es kein Influencer Marketing, weil die sichtbare Person der Experte ist, der den Verkauf verantwortet, und kein bezahlter Dritter.

Ist die Kaltakquise tot?

Nein, die Kaltakquise ist nicht tot, aber ihre Effizienz sinkt deutlich. Der State of Cold Calling Report 2025 von Cognism definiert die Erfolgsquote als Anteil der Gespräche, die zu einem vereinbarten Termin führen. Konkret lag dieser Wert weltweit bei 2,3 Prozent, nach 4,82 Prozent im Bericht des Vorjahres. Anders gesagt: Ein Team braucht heute ungefähr doppelt so viele Gespräche für dieselbe Zahl an Terminen.

Andererseits sind Käufer für Ansprache durchaus offen. In der Studie Top Performance in Sales Prospecting der RAIN Group gaben 82 Prozent der Käufer an, zumindest gelegentlich Termine mit Verkäufern anzunehmen, die aktiv auf sie zugehen. Allerdings braucht es laut derselben Studie im Schnitt acht Kontaktpunkte bis zum ersten Termin.

Wenn ich beide Ergebnisse zusammen lese, komme ich zu einem klaren Schluss: Nicht die Kaltakquise ist tot, sondern der blinde Anruf. Denn Anrufe ohne Kontext gehen im Rauschen unter. Andererseits bleibt der Anruf bei jemandem, zu dem Sie bereits eine Beziehung aufgebaut haben, eines der schnellsten Werkzeuge im Vertrieb. Kurz gesagt: Das Problem ist nicht das Telefon, sondern der fehlende Kontext im Moment des Anrufs.

Wollen B2B-Einkäufer überhaupt noch mit dem Vertrieb sprechen?

Immer weniger. In einer Vertriebsstudie von Gartner aus dem März 2026 gaben 67 Prozent der B2B-Käufer an, einen Kaufprozess ohne Vertriebsmitarbeiter zu bevorzugen. Gartner befragte dafür im August und September 2025 insgesamt 646 Käufer; in der vergleichbaren Umfrage des Vorjahres lag der Wert bei 61 Prozent. Zudem nutzten 45 Prozent der Befragten bei einem kürzlichen Kauf Werkzeuge mit künstlicher Intelligenz.

Die frühere Umfrage von Gartner enthielt eine weitere deutliche Zahl: 73 Prozent der B2B-Käufer meiden aktiv Anbieter, die irrelevante Ansprache verschicken. Kurz gesagt: Eine nachlässige erste Nachricht bleibt nicht nur unbeantwortet. Sie kann Ihre Marke zudem von der Auswahlliste streichen.

Das macht den Vertrieb trotzdem nicht überflüssig. Käufer erledigen allerdings den Großteil ihrer Recherche, bevor sie mit jemandem sprechen; daher gehören Profil, Beiträge und Kommentare eines Verkäufers zu dieser Recherche. Käufer fragen außerdem ChatGPT, Gemini und ähnliche Assistenten nach Anbietern; diesen Trend beschreibe ich im Beitrag welche Marken Suchmaschinen mit KI empfehlen. Social Selling hält Sie deshalb in dieser stillen Recherchephase sichtbar und glaubwürdig.

Social Selling oder Kaltakquise: Worin liegt der Unterschied?

Der Kernunterschied liegt im Zeitpunkt und im Kontext. Bei der Kaltakquise folgt der erste Kontakt dem Kalender des Verkäufers. Beim Social Selling folgt er dagegen einem Signal des Käufers. Die folgende Tabelle fasst den Vergleich zusammen, den ich in Planungsrunden mit Vertriebsteams nutze.

KriteriumKaltakquiseSocial Selling
Anlass des ErstkontaktsZielliste und Quote des Verkäufers.Interaktion, Frage oder gemeinsamer Kontext des Käufers.
Kennt der Käufer Sie?Meist nicht.Er kennt Ihr Profil oder Ihre Inhalte.
SkalierbarkeitHoch; viele Anrufe pro Tag.Mittel; Beziehungen brauchen Zeit.
Zeit bis zum ErgebnisKann kurzfristig Termine bringen.Wächst über mehrere Monate.
Rechtliches RisikoDas UWG verlangt Einwilligungen für Anruf und E-Mail.Gering bei Inhalten; Nachrichten brauchen dieselbe Sorgfalt.
Zentrale KennzahlenAnwahlen, Erreichbarkeit und Termine.Chancen aus Social Selling, Pipelinewert und Abschlussquote.

Ich sehe beide Methoden deshalb nicht als Gegner. Die besten Ergebnisse erzielen Teams, die Beziehungen über Social Selling aufwärmen und sie dann im richtigen Moment telefonisch weiterführen.

Was misst der Social Selling Index (SSI) von LinkedIn?

Laut LinkedIn ist der Social Selling Index (SSI) eine Kennzahl von 0 bis 100, die zeigt, wie gut Verkäufer eine professionelle Marke aufbauen, die richtigen Interessenten finden, sich mit relevanten Einblicken auseinandersetzen und Beziehungen auf LinkedIn pflegen. Ihren Wert sehen Sie unter linkedin.com/sales/ssi, zudem mit einem Vergleich zu Ihrer Branche und Ihrem Netzwerk.

Der Index besteht aus vier Komponenten, die im Dashboard gleich gewichtet mit bis zu 25 Punkten erscheinen:

  • Professionelle Marke etablieren: ein Profil, das sich an Käufer richtet, und regelmäßige Beiträge mit Mehrwert.
  • Die richtigen Personen finden: mit Suche und Recherche schneller passende Interessenten erkennen.
  • Mit Insights interagieren: Neuigkeiten entdecken und teilen, die echte Gespräche anstoßen.
  • Beziehungen aufbauen: sich mit Entscheidern vernetzen und deren Vertrauen gewinnen.

Als LinkedIn den SSI 2015 für alle Mitglieder öffnete, hieß es, dass Vertriebsprofis mit starkem Social Selling mit einer um 51 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit ihre Quote erreichen. Diese Zahl ist alt. Trotzdem überzeugt die Logik der vier Komponenten bis heute.

Verkauft ein Vertriebler mit hohem SSI automatisch mehr?

Nicht unbedingt. Auf derselben Seite schreibt LinkedIn, dass ein hoher SSI nicht immer die Wirksamkeit eines Verkäufers widerspiegelt und nicht immer mit messbaren Verkaufsergebnissen zusammenhängt. Diesen ehrlichen Hinweis sollten Sie daher ernst nehmen.

Der SSI ist vor allem ein Frühindikator. Er misst also Verhalten, nicht Ergebnisse. Deshalb lässt er sich leicht aufblähen: Sie senden allen Kontaktanfragen, liken jeden Beitrag, und der Wert steigt innerhalb weniger Wochen. Käufer empfinden dieses Verhalten allerdings als Lärm. Denken Sie dabei an die 73 Prozent aus der Studie von Gartner, denn irrelevante Ansprache vertreibt Käufer.

Mein Rat: Prüfen Sie Ihren SSI einmal im Monat und achten Sie nur auf den Trend. Steigt der Wert, während die Gespräche aus Social Selling stagnieren, liegt das Problem meist in der Zielgruppe oder im Inhalt. Bleibt der Wert dagegen gleich, während die Verkaufschancen wachsen, besteht dann kein Grund zur Sorge. Kurz gesagt: Der SSI ist ein Kompass, kein Ziel.

Aus welchen vier Schritten besteht der Social Selling Prozess?

Der Social Selling Prozess hat vier Schritte, die den vier Komponenten des SSI entsprechen. Die Reihenfolge zählt, denn jeder Schritt bereitet den nächsten vor.

  1. Profil: Sie bereiten den ersten Beleg vor, den ein Käufer bei seiner Recherche findet.
  2. Netzwerk: Sie bestimmen die richtigen Rollen in Zielkunden und vernetzen sich gezielt.
  3. Einblick: Sie teilen Beobachtungen und Daten, die dem Käufer bei seiner Arbeit helfen.
  4. Beziehung: Sie machen aus Interaktion ein Gespräch und aus dem Gespräch einen Termin.

In diesem Beitrag erkläre ich vor allem die strategische Logik jedes Schritts. Ausführungsdetails wie Vorlagen für Kontaktanfragen, Filter im Sales Navigator oder Anzeigen auf LinkedIn wiederhole ich nicht, denn dafür gibt es meinen Leitfaden zu LinkedIn. Welche Rolle Ihre Website dabei spielt, beschreibe ich im Beitrag über B2B-Websites mit klarer Seitenstruktur.

Warum ist Ihr Profil die erste Seite des Verkaufsgesprächs?

Weil Käufer Ihr Profil prüfen, bevor sie auf Ihre Nachricht antworten. Für einen Käufer, der lieber ohne Vertrieb vorankommt, ersetzt Ihr Profil also das erste Gespräch. Deshalb sollten Sie es als Seite für den Käufer schreiben und nicht als Lebenslauf.

Ein starkes Profil beantwortet drei Fragen: Wem helfen Sie, welches Problem lösen Sie, und was beweist das? Als Beleg eignen sich zum Beispiel eine kurze Fallbeschreibung, eine veröffentlichte Analyse oder das Zitat eines Kunden. Wenn Sie Zahlen nennen, zeigen Sie auch die Quelle. Sonst beschädigt eine unbelegte Behauptung das Vertrauen in der ersten Sekunde.

Zudem sollten Profil und Unternehmenswebsite dieselbe Sprache sprechen. Wechselt ein Käufer vom Profil auf die Website und findet dort eine andere Positionierung, entstehen Zweifel. Markensprache und visuelle Konsistenz gehören daher auch zur Aufgabe des Vertriebs. Wenn mein Team und ich Projekte zur Markenidentität umsetzen, beziehen wir die Profile des Vertriebsteams mit ein.

Wen sollten Sie in Ihr Netzwerk aufnehmen?

Relevanz zählt mehr als Größe. B2B-Käufe hängen selten von einer einzelnen Person ab; meist entscheidet ein Einkaufsgremium gemeinsam. Folglich müssen Sie in jedem Zielkunden mehrere Rollen erreichen.

Wenn ich einen Zielkunden analysiere, betrachte ich diese Rollen getrennt:

  • Entscheider: die Person, die das Budget freigibt und das letzte Wort hat.
  • Anwender: das Team, das täglich mit dem Produkt oder der Leistung arbeitet.
  • Technischer Einflussgeber: IT, Technik oder Rechtsabteilung, die Eignung und Risiko prüfen.
  • Finanzen und Einkauf: die Stellen, die Kosten und Vertragsbedingungen bewerten.

Um diese Rollen zu bestimmen, klären Sie zuerst Ihr ideales Kundenprofil: Branche, Unternehmensgröße, Region und Kaufanlässe. Wie das konkret geht, zeigt mein Leitfaden zur Zielgruppenanalyse. Danach vernetzen Sie sich mit ein bis zwei Personen pro Rolle. Laut LinkedIn haben Nutzer des Sales Navigator mit mindestens vier Kontakten in einem Zielunternehmen eine um 16 Prozent höhere Chance auf einen Abschluss; das deckt sich mit meiner Erfahrung.

Wie entstehen aus geteilten Einblicken Verkaufschancen?

Ein Einblick ist eine Perspektive, die der Käufer nicht ohne Weiteres selbst findet: eine Beobachtung aus der Praxis, die Deutung von Daten oder die Analyse eines häufigen Fehlers. Eine Produktankündigung ist dagegen kein Einblick. Genau an solchen Beiträgen erkennen Käufer schließlich, ob ein Verkäufer ihr Geschäft versteht.

Der B2B Thought Leadership Impact Report 2024 von Edelman und LinkedIn beziffert diesen Effekt. In der Befragung von fast 3.500 Führungskräften in sieben Ländern bezeichneten 73 Prozent der Entscheider die Fachbeiträge eines Unternehmens als verlässlichere Grundlage für die Bewertung seiner Fähigkeiten als dessen Marketingmaterial. Außerdem gaben 90 Prozent an, offener für Ansprache aus Vertrieb oder Marketing eines Unternehmens zu sein, das regelmäßig hochwertige Fachbeiträge veröffentlicht.

In der Praxis genügen für die meisten Verkäufer zwei eigene Beiträge pro Woche und einige durchdachte Kommentare pro Tag. Ideen liefern vor allem Kundenfragen, Einwände aus Angebotsgesprächen und Branchenberichte. Wenn Sie auf Unternehmensebene längere Inhalte produzieren möchten, ist mein Beitrag zum Unternehmensblog für SEO und Vertrieb ein guter Einstieg.

Wie führen Sie eine Beziehung ins Verkaufsgespräch?

Sie verknüpfen die Anfrage mit einem Anlass. Hat der Käufer Ihren Beitrag kommentiert, hat sein Unternehmen eine Investition angekündigt oder hat die Person eine neue Position angetreten, dann haben Sie ein Signal für ein Gespräch. Ohne Signal warten Sie besser, denn wer die Beziehung erzwingt, verspielt monatelang aufgebautes Vertrauen in einer einzigen Nachricht.

In der Praxis nutze ich diese Reihenfolge. Zuerst schreiben Sie einen Kommentar, der den Beitrag der Person wirklich ergänzt. Danach teilen Sie eine passende Ressource ohne Gegenleistung. Erst dann schlagen Sie ein kurzes Gespräch vor. Die Bitte sollte konkret sein: Dauer, Thema und Nutzen für den Käufer in einem Satz.

An dieser Stelle kommt dann das Telefon zurück. Ein Anruf bei jemandem, der Sie bereits kennt, ist keine Kaltakquise mehr; im Vertrieb spricht man hier von einem warmen Anruf. Beachten Sie in Deutschland dennoch die Regeln des UWG, die ich weiter unten erkläre. Dokumentieren Sie außerdem jeden Schritt im CRM, sonst verlieren Sie den Überblick, wo jede Beziehung steht.

Wo beginnen die ethischen Grenzen im Social Selling?

Die ethische Grenze beginnt beim Respekt vor der Zeit und der Entscheidung des Käufers. Bevor ich eine Nachricht sende, stelle ich mir eine Frage: Versteht die Person beim Lesen, warum ich gerade ihr schreibe? Lautet die Antwort nein, bleibt die Nachricht deshalb im Entwurf.

Diese Verhaltensweisen zerstören Vertrauen am schnellsten:

  • Ein Angebot schicken, sobald jemand Ihre Kontaktanfrage annimmt.
  • Einen gemeinsamen Kontakt oder ein Treffen erfinden, das nie stattfand.
  • Mit austauschbaren Komplimenten beginnen, ohne den Beitrag des Käufers gelesen zu haben.
  • Dieselbe Nachricht immer wieder an jemanden senden, der nicht antwortet.
  • Nicht autorisierte Automatisierung für Massennachrichten, Likes oder Kontaktanfragen einsetzen.

Der letzte Punkt ist mehr als eine Frage des Stils. Abschnitt 8.2 der Nutzervereinbarung von LinkedIn verbietet ausdrücklich Bots und andere nicht autorisierte automatisierte Methoden, um Kontakte hinzuzufügen, Nachrichten zu senden oder unechte Interaktionen zu erzeugen. Derselbe Abschnitt erfasst auch Browser Plugins, die Profile auslesen. Eine Einschränkung des Kontos ist dabei die mildeste Folge.

Ethische Ansprache hat zudem eine rechtliche Seite. Konkret gelten in Deutschland für Anrufe und Werbung per E-Mail klare Regeln, die ich in den nächsten Abschnitten zusammenfasse.

Ist telefonische Kaltakquise im B2B in Deutschland erlaubt?

Ja, aber nur unter einer Bedingung. § 7 UWG wertet Werbung mit einem Telefonanruf gegenüber einem sonstigen Marktteilnehmer als unzumutbare Belästigung, wenn keine zumindest mutmaßliche Einwilligung vorliegt. Gegenüber Verbrauchern verlangt das Gesetz sogar eine vorherige ausdrückliche Einwilligung.

Mutmaßliche Einwilligung bedeutet: Sie brauchen einen konkreten, sachlichen Grund zur Annahme, dass der Angerufene an Ihrem Angebot interessiert ist. Ein bloß allgemeiner Bezug zur Branche ist dafür nach meiner Erfahrung eine schwache Grundlage. Social Selling hilft hier ganz praktisch, denn eine dokumentierte Interaktion, eine Anfrage oder ein vereinbartes Gespräch liefert genau diesen Kontext.

Dokumentieren Sie deshalb, woher der Anlass für jeden Anruf stammt. Nehmen Sie zudem Widersprüche sofort in eine Sperrliste auf, die das ganze Team nutzt. Dieser Abschnitt ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Dürfen Sie Geschäftskunden ohne Einwilligung Werbung per E-Mail schicken?

In Deutschland in der Regel nicht. § 7 Absatz 2 UWG verlangt für Werbung per elektronischer Post eine vorherige ausdrückliche Einwilligung des Adressaten, und zwar unabhängig davon, ob er Verbraucher oder Unternehmer ist. Eine Ausnahme regelt Absatz 3 für Bestandskunden: Wer die Adresse im Zusammenhang mit einem Verkauf erhalten hat, darf unter bestimmten Bedingungen für eigene ähnliche Waren oder Dienstleistungen werben.

Für Social Selling heißt das: Eine Nachricht auf LinkedIn ersetzt keine Einwilligung für spätere Werbemails. Ob Direktnachrichten in sozialen Netzwerken selbst als elektronische Post gelten, ist rechtlich nicht abschließend geklärt. Mein Team und ich behandeln sie deshalb mit derselben Vorsicht: persönlich, anlassbezogen und mit einem klaren Weg, weitere Nachrichten abzulehnen.

Wenn Sie Newsletter oder Folgekampagnen planen, holen Sie die Einwilligung über ein sauberes Anmeldeformular mit Bestätigungsschritt ein. Wie Sie Formulare und Datenschutz auf Ihrer Website sauber aufsetzen, zeigt mein Leitfaden zur datenschutzkonformen Website.

Was verlangt die DSGVO bei Daten aus LinkedIn Profilen?

Name, Position und Arbeitgeber sind personenbezogene Daten, auch wenn sie öffentlich im Profil stehen. Erwägungsgrund 47 der DSGVO erkennt an, dass die Verarbeitung für Direktwerbung einem berechtigten Interesse dienen kann. Sie brauchen also nicht für jeden Kontakt eine Einwilligung; die Interessenabwägung sollten Sie aber dokumentieren.

Zwei Artikel prägen die Praxis besonders. Erstens Artikel 14: Wenn Sie Daten nicht bei der Person selbst, sondern etwa aus einem Profil erheben, informieren Sie sie spätestens bei der ersten Kontaktaufnahme über die Verarbeitung. Zweitens Artikel 21: Widerspricht die Person der Direktwerbung, dürfen Sie ihre Daten für diesen Zweck nicht mehr verarbeiten. Dieses Widerspruchsrecht gilt also ohne Abwägung.

In der Praxis setzen wir diese Punkte so um:

  • Im CRM landen nur Daten, die für das Verkaufsgespräch wirklich nötig sind.
  • Für jeden Datensatz halten wir Quelle und Datum fest.
  • Auf Anfrage legen wir die Quelle offen und löschen die Daten.
  • Die Datenschutzhinweise sind beim ersten Kontakt über einen Link erreichbar.

Wenn Ihr CRM oder Ihre Vertriebswerkzeuge Daten in Drittländer übertragen, prüfen Sie zusätzlich die Regeln für internationale Datenübermittlungen gemeinsam mit Ihrer Datenschutzberatung.

Wie messen Sie den Erfolg von Social Selling?

Sie messen Social Selling auf drei Ebenen: Verhalten, Interaktion und Umsatz. Teams, die nur die erste Ebene betrachten, sind zwar beschäftigt, allerdings steht die Pipeline still. Deshalb gehören alle drei Ebenen in einen gemeinsamen Bericht.

  • Verhalten (Frühindikator): Trend des SSI, Profilaufrufe aus Zielrollen, eigene Beiträge pro Woche und durchdachte Kommentare.
  • Interaktion (Zwischenstufe): Kommentare und Antworten aus Zielkunden, Gespräche aus Social Selling und die Quote vom Gespräch zum Termin.
  • Umsatz (Ergebnis): Pipelinewert der Chancen aus Social Selling, Abschlussquote und durchschnittliche Dauer des Verkaufszyklus.

Die Grundlage bildet Ihr CRM. Wenn Sie nicht jeder Verkaufschance ein Quellenfeld mit der Option „Social“ geben, verlieren Sie die wertvollsten Daten. Wie Sie Formulare auf Ihrer Website mit dem CRM verbinden, beschreibe ich im Beitrag zur CRM Anbindung der Website. Wenn Sie Links in Profil und Beiträgen mit dem UTM Generator versehen, sehen Sie Besuche aus sozialen Netzwerken zudem getrennt in der Analyse.

Nach meiner Erfahrung ist die Abschlussquote der Chancen aus Social Selling der ehrlichste einzelne Indikator. Denn sie zeigt, ob online aufgebaute Beziehungen zu Umsatz führen und nicht nur zu Aktivität.

Wie starten Sie ein Social Selling Programm im Vertriebsteam?

Beginnen Sie mit einer kleinen Pilotgruppe und einem Plan über 90 Tage. Wer alle gleichzeitig einbindet, verteilt die Methode, bevor sich Standards festigen. So sieht mein Plan aus:

  1. Tag 1 bis 30: Idealkundenprofil und Zielkundenliste schärfen, Profile für Käufer neu schreiben, Sperrlisten und Widersprüche zentral pflegen.
  2. Tag 31 bis 60: einen wöchentlichen Rhythmus für Inhalte starten; jeder Verkäufer kommentiert regelmäßig und durchdacht Beiträge von Personen aus Zielkunden.
  3. Tag 61 bis 90: Personen mit Signalen vom Gespräch zum Termin führen, warme Anrufe im Rahmen des UWG starten und erste Ergebnisse im CRM auswerten.

Zur Steuerung reicht dann eine wöchentliche Runde von 30 Minuten aus. Dort schaut sich das Team ein gelungenes Gespräch und eine verpasste Chance gemeinsam an; so lernt es aus echten Beispielen statt aus Vorlagen. Entwickeln sich Abschlussquote und Terminzahl in der Pilotgruppe positiv, dann weiten Sie das Programm auf das ganze Team aus.

Die Rolle der Führungskraft ist dabei entscheidend. Wer Beiträge erwartet, aber keine Zeit dafür einplant, erlebt den Stillstand im ersten vollen Monat. Social Selling braucht also einen geschützten Platz im Wochenkalender.

Wann ist Social Selling die falsche Wahl?

Bei günstigen, schnellen und wiederkehrenden Käufen rechnet sich Social Selling selten. Wenn eine Person in wenigen Minuten entscheidet, ergibt monatelanger Beziehungsaufbau wirtschaftlich keinen Sinn. Dann funktionieren Suchanzeigen, Marktplätze oder E-Mail Marketing meist besser.

Social Selling spielt seine Stärken bei hohen Vertragswerten, langen Verkaufszyklen und mehreren Entscheidern aus. Typische Beispiele sind Unternehmenssoftware, Beratung, Industrieanlagen und professionelle Dienstleistungen. Bei der Wahl des passenden Kanals hilft Ihnen auch mein Beitrag zur Frage organisches Wachstum oder bezahlte Werbung.

Noch ein Hinweis: Social Selling rettet weder ein schwaches Produkt noch eine unklare Positionierung. Zuerst schärfen Sie Ihr Angebot, danach skalieren Sie die Beziehungen.

Wie bauen mein Team und ich Social Selling für B2B-Unternehmen auf?

Mein Team und ich beginnen jedes Social Selling Projekt zunächst mit der Positionierung. Wir richten die Profile des Vertriebs, die Unternehmensseite und die Website auf eine gemeinsame Botschaft aus und bauen den Redaktionsplan aus echten Kundenfragen auf. Im Rahmen unserer Social Media Betreuung planen wir diesen Rhythmus gemeinsam mit den Vertriebszielen.

Bei der Messung richten wir Quellenfelder im CRM ein, legen einen Standard für UTM Parameter fest und erstellen einen monatlichen Bericht über die Ebenen Verhalten, Interaktion und Umsatz. Beim Thema Recht erarbeiten wir die Checkliste für UWG und DSGVO gemeinsam mit Ihrer Rechtsberatung. Rechtliche Gutachten geben wir nicht ab; wir bauen den Prozess um diese Beratung herum.

Wir raten Ihnen nicht, das Telefon aufzugeben. Stattdessen verlegen wir den Anruf in den Moment, in dem die Beziehung warm ist. Wenn Sie Ihren eigenen Vertriebsprozess mit uns prüfen möchten, erreichen Sie uns über die Kontaktseite.

Häufig gestellte Fragen

Funktioniert Social Selling nur auf LinkedIn?
Nein, aber im B2B ist LinkedIn meist die wichtigste Bühne. Sind Ihre Käufer auf XING, YouTube, in Fachcommunitys oder Branchenforen aktiv, wenden Sie dort dieselben vier Schritte an. Entscheidend ist, dass Sie dort als glaubwürdiger Experte präsent sind, wo Ihre Käufer ohnehin Zeit verbringen. Beobachten Sie vorher, wo Ihre Zielrollen tatsächlich über ihre Probleme sprechen.
Wie lange dauert es, bis Social Selling wirkt?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht; nach meiner Erfahrung sieht ein konsequent arbeitendes Team die ersten Termine aus Social Selling meist innerhalb weniger Monate. Das Tempo bestimmen die Länge Ihres Verkaufszyklus, die Zahl der Zielkunden und Ihr Rhythmus bei Inhalten. Deshalb plane ich die ersten 90 Tage als Phase für Gewohnheiten, nicht für Ergebnisse.
Welcher SSI Wert ist gut?
Einen festen Zielwert gibt es nicht. LinkedIn zeigt Ihnen den Vergleich mit Ihrer Branche und Ihrem Netzwerk, und dieser Vergleich sagt mehr als eine einzelne Zahl. Wichtig ist der Trend und ob er sich gemeinsam mit den Gesprächen aus Social Selling bewegt. LinkedIn selbst weist darauf hin, dass ein hoher Wert nicht immer mit Verkaufsergebnissen zusammenhängt.
Darf ich Unternehmen in Deutschland kalt anrufen?
Ja, wenn eine zumindest mutmaßliche Einwilligung vorliegt. § 7 UWG verlangt bei Werbeanrufen gegenüber Unternehmen einen konkreten Grund zur Annahme, dass der Angerufene an Ihrem Angebot interessiert ist. Verbraucher dürfen Sie nur mit vorheriger ausdrücklicher Einwilligung anrufen. Dokumentieren Sie deshalb den Anlass jedes Anrufs und führen Sie eine zentrale Sperrliste.
Soll ich die Kaltakquise ganz aufgeben?
Nein, das empfehle ich nicht. Die Daten zeigen, dass Anrufe ohne Kontext an Wirkung verlieren; der Anruf bei jemandem, der Sie bereits kennt, bleibt dagegen stark. Reservieren Sie das Telefon für Personen, die mit Ihnen interagiert haben und bei denen ein klarer Anlass besteht. So verbinden Sie Wirkung und Rechtssicherheit.
Darf ich für Social Selling Automatisierungstools nutzen?
Für die Planung von Beiträgen und die Pflege des CRM ja, für Kontaktanfragen, Nachrichten oder Likes nein. Die Nutzervereinbarung von LinkedIn verbietet dafür Bots und nicht autorisierte Automatisierung und erfasst auch Plugins, die Profile auslesen. Zudem wirken automatische Nachrichten austauschbar und schwächen das Vertrauen, auf dem Social Selling beruht.
  • Social Selling
  • B2B Vertrieb
  • LinkedIn SSI
  • Kaltakquise
  • Neukundengewinnung
  • DSGVO
  • UWG
Teilen:
Talha Aslan

Google Partner und Experte für digitales Marketing. Seit 2012 praktisch in SEO, Google Ads, Webdesign und E-Commerce Projekten; jeder Beitrag hier stammt aus dieser Erfahrung.

Nächstes Projekt

Sprechen wir über Ihr Projekt.

Ihre Anfrage geht direkt an Talha Aslan und Team: Strategie von Talha, Umsetzung durch ein erfahrenes Team. Das Erstgespräch ist kostenlos, wir hören zu und melden uns mit einer klaren Roadmap.