Prozentuale Zunahme und Abnahme berechnen: Formel und Beispiele

Kurze Antwort
Wie berechnet man die prozentuale Zunahme und Abnahme?
Die prozentuale Zunahme ist die Differenz zwischen neuem und altem Wert, geteilt durch den alten Wert und mal 100: (neu - alt) / alt × 100. Ein positives Ergebnis bedeutet eine Zunahme, ein negatives eine Abnahme. Steigen zum Beispiel 200 Besuche auf 250, ergibt 50 / 200 × 100 eine Zunahme von 25 %.
Dieser Ratgeber geht über die Formel hinaus. Er behandelt vor allem die Punkte, an denen Berichte in der Praxis scheitern: Prozentpunkte und Prozent, aufeinanderfolgende Veränderungen sowie ein Ausgangswert von null. Für ein schnelles Ergebnis lassen Sie unseren Prozentrechner in einem zweiten Tab offen und prüfen damit jedes Rechenbeispiel.
Wir, Talha Aslan und Team, lesen jeden Monat gemeinsam mit unseren Kunden Werbeberichte und SEO Berichte. Deshalb stammen alle Beispiele aus echten Marketingkennzahlen wie Klickrate, Bestellungen und Conversion Rate. Alle Zahlen sind Rechenbeispiele. Folgen Sie also einfach denselben Schritten mit Ihren eigenen Daten.
Wie lautet die Formel für die prozentuale Zunahme Schritt für Schritt?
Die Formel besteht aus vier Schritten, und die Reihenfolge zählt. Vertauschen Sie Subtraktion und Division, kommt ein völlig anderes Ergebnis heraus. Bilden Sie deshalb zuerst die Differenz und teilen Sie danach.
- Notieren Sie den alten Wert (Ausgangswert) und den neuen Wert (Endwert). Im Rechenbeispiel liegt der alte Wert bei 320 Bestellungen, der neue bei 368 Bestellungen.
- Ziehen Sie den alten Wert vom neuen ab: 368 - 320 = 48. Das ist die absolute Veränderung.
- Teilen Sie die absolute Veränderung durch den alten Wert: 48 / 320 = 0,15.
- Multiplizieren Sie mit 100: 0,15 × 100 = 15. Die Bestellungen sind also um 15 % gestiegen.
Den vierten Schritt vergessen viele. Eine Tabellenzelle mit 0,15 wirkt auf eilige Leser schnell wie 0,15 %. Formatieren Sie die Zelle dagegen als Prozent, übernimmt die Tabellenkalkulation die Multiplikation selbst. Rechnen Sie dann zusätzlich mal 100, zeigt die Zelle 1.500 %. Kurz gesagt: Multiplizieren Sie entweder in der Formel oder im Zellformat, nie in beiden.
Die Formel in einer Zeile lautet: Veränderung in % = (neu - alt) / alt × 100. Zunahme und Abnahme folgen aus derselben Formel; nur das Vorzeichen unterscheidet sich. Sie brauchen also keine zwei Formeln.
Worauf achten Sie bei der prozentualen Abnahme?
Für die Abnahme nutzen Sie dieselbe Formel. Der einzige Unterschied: Der neue Wert ist kleiner, daher fällt das Ergebnis negativ aus. Sinken die organischen Klicks zum Beispiel von 450 auf 396, beträgt die Differenz -54. Dann ergibt -54 / 450 × 100 den Wert -12, also eine Abnahme von 12 %.
Der klassische Fehler besteht darin, den Rückgang durch den neuen Wert zu teilen. Das ergibt 54 / 396, rund 0,136, und damit falsche 13,6 %. Bei einer Abnahme bildet allerdings immer der Ausgangswert die Basis.
Außerdem gibt es eine Asymmetrie. Von 200 auf 250 sind es plus 25 %. Von 250 zurück auf 200 sind es dagegen minus 20 %. Die Differenz bleibt mit 50 gleich, doch die Basis ändert sich, und damit auch der Prozentsatz. Folglich stimmt der Satz „letzten Monat minus 20 %, diesen Monat plus 20 %, also wieder am Start“ rechnerisch nicht.
Schließlich kann ein positiver Wert höchstens um 100 % sinken. Fällt er auf null, beträgt die Abnahme genau 100 %. Zeigt ein Bericht eine Abnahme von 120 %, suchen Sie den Fehler daher in der Basis oder im Vorzeichen.
Welcher Wert ist der alte, welcher der neue?
Der alte Wert ist Ihr Bezugspunkt. Bei Zeitvergleichen ist das meist der frühere Zeitraum: der Vormonat, die Vorwoche oder derselbe Monat im Vorjahr. Wählen Sie den falschen Bezugspunkt, stimmt die Rechnung trotzdem, die Deutung aber nicht. In Marketingberichten begegnen uns vor allem drei Bezugspunkte:
- Vorperiode: Sie vergleichen diesen Monat mit dem Vormonat. Das eignet sich für schnelle Reaktionen, verdeckt aber saisonale Effekte.
- Vorjahreszeitraum: Sie vergleichen den November mit dem November des Vorjahres. Das gleicht saisonale Schwankungen weitgehend aus.
- Zielwert: Sie vergleichen das Ergebnis mit der Planung. In diesem Fall nimmt das Ziel den Platz des alten Werts ein.
Beispielszenario: Dank einer Rabattaktion stieg der Traffic im November gegenüber Oktober um 40 %. Im Vergleich zum November des Vorjahres betrug das Plus dagegen nur 6 %. Beide Zahlen stimmen, beantworten aber verschiedene Fragen. Nennen Sie deshalb neben jedem Prozentsatz den Vergleichszeitraum.
Achten Sie zudem auf gleich lange Zeiträume. Vergleichen Sie einen Monat mit 31 Tagen mit einem Monat mit 28 Tagen, entstehen rund 10 % Unterschied allein durch die zusätzlichen Tage. In solchen Fällen liefern Tagesdurchschnitte ein faireres Bild.
Was ist der Unterschied zwischen Prozent und Prozentpunkten?
Ein Prozentpunkt ist die einfache Differenz zwischen zwei Prozentsätzen. Die prozentuale Veränderung misst dagegen diese Differenz im Verhältnis zur Ausgangsquote. Bei Quoten wie Klickrate, Conversion Rate oder Absprungrate verwechseln viele beides ständig.
Rechenbeispiel: Ihre Conversion Rate steigt von 2 % auf 3 %. In Prozentpunkten beträgt der Anstieg 3 - 2 = 1 Punkt. Als prozentuale Veränderung ergibt (3 - 2) / 2 × 100 dagegen ein Plus von 50 %. Beide Aussagen sind korrekt. Der Satz „die Conversion Rate ist um 1 % gestiegen“ bleibt allerdings unklar, denn Leser könnten an einen Anstieg von 2 % auf 2,02 % denken.
Am klarsten formulieren Sie so: „Die Conversion Rate stieg von 2 % auf 3 % (plus 1 Prozentpunkt, relativ plus 50 %).“ Mit beiden Angaben bleibt kein Raum für Missverständnisse. Genau deshalb nutzen wir diese Schreibweise in jedem Bericht.
Ebenso gilt die Regel für Rückgänge. Sinkt die Absprungrate von 60 % auf 45 %, beträgt der Rückgang 15 Punkte, relativ also 25 %. Welche Zahl Sie in die Überschrift stellen, entscheiden Sie dann nach der Frage Ihrer Leser.
Wie berichten Sie eine Veränderung der Klickrate (CTR)?
Die Klickrate (CTR) ist die Zahl der Klicks geteilt durch die Zahl der Impressionen. Die Definition der CTR in der Google Ads Hilfe nennt dieselbe Formel: Klicks ÷ Impressionen. Eine Veränderung der CTR ist also die Veränderung einer Quote, und die Unterscheidung zwischen Punkten und Prozent gilt auch hier.
Rechenbeispiel: Eine Kampagne hatte im Vormonat 20.000 Impressionen und 600 Klicks, also eine CTR von 3,0 %. Diesen Monat sind es 25.000 Impressionen und 900 Klicks, also 3,6 %. Die CTR steigt somit um 0,6 Punkte. Relativ ergibt (3,6 - 3,0) / 3,0 × 100 ein Plus von 20 %.
Das Beispiel enthält gleich dreimal eine prozentuale Zunahme. Die Impressionen steigen um 25 %, die Klicks um 50 % und die CTR um 20 %. Tatsächlich gilt 1,25 × 1,20 = 1,50, die drei Werte passen also zusammen. Der Sprung bei den Klicks entsteht demnach aus mehr Sichtbarkeit und einem attraktiveren Suchergebnis.
Zur schnellen Kontrolle nutzen Sie unser Werkzeug zum CTR berechnen. Was die organische Klickrate beeinflusst, erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber organische Klickrate erhöhen.
Warum heben sich Zunahme und Abnahme nacheinander nicht auf?
Aufeinanderfolgende Veränderungen addieren Sie nicht, Sie multiplizieren sie. Diese Regel übersehen Berichte am häufigsten. Denn unsere Intuition behandelt Prozente wie feste Mengen.
Rechenbeispiel: Eine Website mit 1.000 Sitzungen wächst zunächst um 20 % und schrumpft danach um 20 %. Nach dem ersten Monat hat sie 1.000 × 1,20 = 1.200 Sitzungen. Im zweiten Monat fällt sie auf 1.200 × 0,80 = 960 Sitzungen. Am Ende steht also kein Ausgleich, sondern ein Verlust von 4 %, obwohl die prozentuale Zunahme und die Abnahme gleich groß waren.
Der Grund ist einfach. In der Praxis bezieht sich der zweite Prozentsatz auf die neue, größere Basis. Das Plus von 20 % wirkt auf eine kleine Basis, das Minus von 20 % dagegen auf eine größere. Deshalb nimmt die Abnahme mehr weg, als die Zunahme gebracht hat.
Mit derselben Logik finden Sie auch den Zuwachs, der für eine Erholung nötig ist. Eine Kennzahl, die um 20 % gefallen ist, muss um 25 % steigen, denn 0,80 × 1,25 = 1. Eine Kennzahl mit minus 50 % braucht sogar plus 100 %.
Die allgemeine Formel lautet: nötige Zunahme = Höhe des Rückgangs / Wert nach dem Rückgang × 100. Fällt eine Kennzahl zum Beispiel von 1.000 auf 800, ergibt 200 / 800 × 100 einen nötigen Zuwachs von 25 %. Unser Prozentrechner zeigt diesen Wert im Modus „Änderung in %“ außerdem als Zusatzzeile.
Wie berechnen Sie die prozentuale Zunahme über mehrere Zeiträume?
Wandeln Sie den Prozentsatz jedes Zeitraums in einen Faktor um und multiplizieren Sie die Faktoren miteinander. Bei einer Zunahme addieren Sie den Prozentsatz zu 1, aus plus 10 % wird also 1,10. Bei einer Abnahme ziehen Sie ihn von 1 ab, aus minus 8 % wird 0,92.
- Wandeln Sie jeden Prozentsatz in einen Faktor um.
- Multiplizieren Sie alle Faktoren miteinander.
- Ziehen Sie vom Ergebnis 1 ab und multiplizieren Sie mit 100. Das ist die Gesamtveränderung.
Rechenbeispiel: Ein Newsletterverteiler, der drei Monate in Folge um 10 % wächst, wächst insgesamt um 33,1 % und nicht um 30 %. Denn 1,10 × 1,10 × 1,10 = 1,331. Eine gemischte Reihe lösen Sie ebenso.
Plus 15 %, minus 8 % und plus 5 % ergeben zum Beispiel 1,15 × 0,92 × 1,05 = 1,1109. Das heißt, die Gesamtveränderung liegt bei rund plus 11,1 %. Die einfache Addition (15 - 8 + 5 = 12) liegt hier noch nah dran. Mit mehr Zeiträumen und größeren Sätzen wächst die Abweichung allerdings.
Summieren Sie daher im Jahresbericht nicht die Monatswerte und nennen das Ergebnis Jahreswachstum. Setzen Sie stattdessen den Wert vom Jahresanfang und vom Jahresende direkt in die Formel ein. So rechnen Sie kürzer und zugleich genauer.
Wie ermitteln Sie die durchschnittliche Zunahme pro Zeitraum?
Kennen Sie die Gesamtveränderung über mehrere Zeiträume, finden Sie den Durchschnitt pro Zeitraum mit dem geometrischen Mittel, nicht mit dem arithmetischen. Anders gesagt: Sie ziehen aus dem Gesamtfaktor die Wurzel, deren Grad der Zahl der Zeiträume entspricht.
Rechenbeispiel: Die monatlichen Sitzungen steigen in zwei Monaten von 1.000 auf 1.440. Die Gesamtzunahme beträgt 44 %. Der Monatsdurchschnitt liegt allerdings bei 20 % und nicht bei 22 %, denn die Quadratwurzel aus 1,44 ist 1,20. Die Probe gelingt schnell: 1.000 × 1,20 = 1.200, danach 1.200 × 1,20 = 1.440.
Warum das arithmetische Mittel täuscht, zeigt das frühere Beispiel. Der Mittelwert aus plus 20 % und minus 20 % ist null, tatsächlich gab es aber einen Verlust von 4 %. Das geometrische Mittel geht dagegen vom Produkt 0,96 aus und zeigt pro Zeitraum rund 2 % Verlust.
Bei mehr als zwei Zeiträumen nutzen Sie die Potenzfunktion Ihres Taschenrechners und rechnen den Gesamtfaktor hoch 1/n, wobei n die Zahl der Zeiträume ist. Dieser Durchschnitt hilft vor allem beim Vergleich von Zeiträumen unterschiedlicher Länge. Konkret können Sie so eine Kampagne über drei Monate mit einer über sechs Monate vergleichen.
Wie rechnen Sie nach einer Veränderung auf den Ausgangswert zurück?
Haben Sie nur den neuen Wert und den Prozentsatz, teilen Sie durch den Faktor. Die Formel lautet: alter Wert = neuer Wert / (1 + Prozentsatz / 100). Bei einer Abnahme steht im Nenner stattdessen 1 - Prozentsatz / 100.
Rechenbeispiel: Ein Bericht nennt 138 Bestellungen in diesem Monat, ein Plus von 15 % gegenüber dem Vormonat. Im Vormonat waren es also 138 / 1,15 = 120 Bestellungen. Ein häufiger Fehler ist es, 15 % von 138 (20,7) abzuziehen und auf 117,3 zu kommen. Das stimmt nicht, weil sich das Plus von 15 % auf die Basis 120 bezog und nicht auf 138.
Dieselbe Logik hilft bei der Zielplanung. Beispielszenario: Im letzten Quartal gingen 400 Formularanfragen ein, und Sie planen ein Plus von 25 %. Das Ziel liegt dann bei 400 × 1,25 = 500 Anfragen. Den Fortschritt messen Sie mit Ist / Ziel × 100; bei 450 Anfragen haben Sie 90 % des Ziels erreicht.
Auch der Weg vom reduzierten Preis zurück zum Listenpreis ist eine Variante dieser Rückrechnung. Dieses Thema behandeln wir gesondert im Ratgeber Rabatt in Prozent berechnen.
Wie prüfen Sie die prozentuale Zunahme mit dem Prozentrechner?
Eine zweite Rechnung auf anderem Weg fängt die meisten Fehler ab, bevor ein Bericht in die Besprechung geht. Deshalb rechnet unser Team jede wichtige Zahl zweimal und auf zwei Wegen. Die Prüfung mit dem Rechner dauert nur Sekunden:
- Öffnen Sie den Prozentrechner und tippen Sie oben auf „Änderung in %“.
- Tragen Sie im ersten Feld den alten Wert ein und im zweiten Feld den neuen. Für das Rechenbeispiel geben Sie 320 und 368 ein.
- Lesen Sie die große Zahl. Ein Plus zeigt eine Zunahme, ein Minus eine Abnahme; hier sehen Sie plus 15 %.
- Für die Gegenrichtung tippen Sie auf „Tauschen“. Dann sehen Sie dieselben Zahlen in umgekehrter Richtung.
- Vergleichen Sie das Ergebnis mit Ihrer eigenen Rechnung. Weicht es ab, prüfen Sie zuerst die Basis und danach die Reihenfolge der Werte.
Der Rechner liest Zahlen im deutschen Format, also 10.000 als zehntausend und 1,5 als eineinhalb. Ist der alte Wert negativ, nutzt er außerdem im Nenner den Betrag. Dieses Detail erklären wir weiter unten im Abschnitt zu negativen Werten.
Rechenbeispiele für Marketingkennzahlen in einer Tabelle
Die folgende Tabelle zeigt Rechenbeispiele für Kennzahlen, die uns in monatlichen Marketingberichten häufig begegnen. Bei Mengen steht in der vierten Spalte die absolute Veränderung, bei Quoten die Veränderung in Prozentpunkten. So erkennen Sie auf einen Blick, welche Schreibweise jede Zeile braucht.
| Kennzahl | Alter Wert | Neuer Wert | Absolute Veränderung oder Punkte | Veränderung in % |
|---|---|---|---|---|
| Sitzungen | 12.000 | 13.800 | +1.800 | +15 % |
| Organische Klicks | 450 | 396 | −54 | −12 % |
| Klickrate (CTR) | 3,0 % | 3,6 % | +0,6 Punkte | +20 % |
| Conversion Rate | 2,5 % | 2,0 % | −0,5 Punkte | −20 % |
| Bestellungen | 320 | 368 | +48 | +15 % |
| ROAS | 4,0 | 5,0 | +1,0 | +25 % |
Auffällig ist vor allem die Zeile zur Conversion Rate. Ein halber Punkt wirkt klein, relativ ist es allerdings ein Verlust von 20 %. Da die Sitzungen gleichzeitig um 15 % steigen, sinken die Conversions insgesamt um rund 8 %, denn 1,15 × 0,80 = 0,92.
Lässt sich die prozentuale Zunahme ab null berechnen?
Nein. Ist der alte Wert null, verlangt die Formel eine Division durch null, und die prozentuale Veränderung hat keinen sinnvollen Wert. Hatte eine neue Kampagne zum Beispiel im Vormonat 0 und diesen Monat 40 Conversions, ergibt „unendliches Wachstum“ oder ein erfundener Prozentsatz keinen Sinn. Stattdessen haben Sie drei ehrliche Möglichkeiten:
- Nennen Sie die absolute Veränderung: „Die Conversions stiegen von 0 auf 40.“
- Wählen Sie eine längere Basis und nehmen Sie den ersten vollen Kampagnenmonat als Bezug.
- Nennen Sie einen Anteil statt einer Veränderung: „8 % aller Conversions kamen aus der neuen Kampagne.“
In Tabellenkalkulationen erscheint dieser Fall meist als Fehler wegen Division durch null. Bauen Sie die Formel so, dass sie bei einem alten Wert von null die Zelle leer lässt oder „neu“ anzeigt. Dann bleibt die Tabelle sauber, und niemand zieht falsche Schlüsse.
Eine ähnliche Falle droht, wenn der alte Wert nur knapp über null liegt. Rechnerisch klappt es, doch das Ergebnis fällt absurd hoch aus. Diesen Fall besprechen wir im Abschnitt zu kleinen Zahlen.
Wie lesen Sie prozentuale Veränderungen bei negativen Werten?
Manche Kennzahlen können unter null fallen, etwa die Nettoveränderung der Follower oder der Abonnenten. Ist die Basis negativ, liefert die Standardformel Ergebnisse mit falschem Vorzeichen.
Rechenbeispiel: Im Vormonat lag Ihre Nettoveränderung der Follower bei -50, Sie haben also mehr Follower verloren als gewonnen. Diesen Monat liegt sie bei +30. Wenden Sie die Formel unverändert an, ergibt (30 - (-50)) / -50 × 100 minus 160 %. Der Bericht zeigt somit einen Rückgang, obwohl sich die Lage verbessert hat.
Eine gängige Lösung nutzt im Nenner den Betrag des alten Werts: 80 / 50 × 100, also eine Verbesserung um 160 %. Auch unser Prozentrechner wendet diese Methode an, sobald der alte Wert negativ ist. Trotzdem missverstehen Leser solche Zahlen leicht.
Deshalb stellen wir bei negativer Basis die absolute Veränderung nach vorn: „Die Nettoveränderung der Follower drehte von -50 auf +30 (eine Verbesserung um 80 Personen).“ Den Prozentsatz nennen Sie nur ergänzend und mit Angabe der Methode.
Warum unterscheiden sich prozentuale Veränderung und prozentuale Differenz?
Die prozentuale Veränderung hat eine Richtung: Es gibt ein Vorher und ein Nachher. Die prozentuale Differenz passt dagegen zu Fällen, in denen keiner der Werte zuerst kommt. Zum Beispiel eignet sie sich für den Vergleich zweier Anzeigengruppen oder zweier Städte.
Eine verbreitete Definition teilt die absolute Differenz durch den Mittelwert beider Werte. Rechenbeispiel: Anzeigengruppe A brachte 80 Conversions, Anzeigengruppe B brachte 120. Die Differenz beträgt 40, der Mittelwert 100, die prozentuale Differenz also 40 %. Nehmen Sie A als Basis, liegt B allerdings 50 % höher. Mit B als Basis liegt A dagegen rund 33,3 % niedriger.
Alle drei Zahlen stimmen innerhalb ihrer Definition. Das Problem entsteht erst, wenn Sie eine Zahl ohne Definition nennen. Wir empfehlen daher Sätze, die die Basis benennen, etwa: „Gruppe B brachte 50 % mehr Conversions als Gruppe A.“ Dann müssen Leser Ihren Bezugspunkt nicht erraten.
Warum täuscht die prozentuale Zunahme bei kleinen Zahlen?
Bei kleinen Ausgangswerten erzeugt schon eine einzige Einheit einen riesigen Prozentsatz. Rechenbeispiel: Eine Produktseite brachte letzte Woche 2 Verkäufe und diese Woche 5. Die prozentuale Zunahme beträgt dann 150 %. Auf dem Papier wirkt das beeindruckend, der Unterschied kann aber reiner Zufall sein.
In unseren Berichten nennen wir Prozentsätze auf kleiner Basis daher immer zusammen mit den absoluten Zahlen: „von 2 auf 5 (plus 3 Verkäufe)“. Zudem hilft es, die Prozentspalte unterhalb einer festen Schwelle leer zu lassen. Diese Schwelle legen Sie nach Ihrem eigenen Volumen fest, denn keine einzelne Zahl passt für jedes Unternehmen.
Umgekehrt gilt das ebenso. Auf einer sehr großen Basis wirkt ein Plus von 2 % bescheiden, kann aber Tausende zusätzliche Besuche bedeuten. Kurz gesagt: Prozente verbergen die Größenordnung, absolute Zahlen verbergen das Verhältnis. Zeigen Sie beides, dann ist das Bild vollständig.
Was zeigen die Vergleichsansichten in Google Ads und der Search Console?
Plattformen berechnen die Veränderung in Prozent für Sie. Zu wissen, wie sie rechnen, erleichtert allerdings die Deutung. Laut der Google Ads Hilfe zum Vergleich von Zeiträumen erscheint nach dem Aktivieren eines Vergleichs die prozentuale Veränderung in den Tabellen für Kampagnen, Anzeigengruppen und Anzeigen. Erweitern Sie eine Spalte, sehen Sie aktuellen Zeitraum, Vergleichszeitraum, Differenz und Veränderung in Prozent nebeneinander.
In der Search Console ergänzt der Leistungsbericht beim Vergleich zweier Zeiträume eine Spalte mit der Differenz. Die Search Console Hilfe zu erweiterten Filtern und Vergleichen empfiehlt für Zeitvergleiche eine wöchentliche oder monatliche Granularität. So fällt der Wochentagseffekt weg.
Ein praktischer Hinweis: Der Prozentsatz der Plattform und Ihre eigene Rechnung können leicht voneinander abweichen. Meist liegt das an Rundungen oder an unterschiedlichen Zeiträumen in zwei Ansichten. Gleichen Sie zunächst die Daten an und rechnen Sie dann mit den ungerundeten Rohzahlen. Da sich Menünamen ändern können, prüfen Sie die aktuellen Schritte immer auf der offiziellen Hilfeseite.
Wie lesen Sie Veränderungen bei Conversion Rate und ROAS?
Auch die Conversion Rate ist eine Quote, also berichten Sie ihre Veränderung in Punkten und relativ in Prozent. Rechenbeispiel: Sinkt die Conversion Rate von 2,5 % auf 2,0 %, beträgt der Rückgang 0,5 Punkte, relativ also 20 %. Die Quote je Zeitraum ermitteln Sie mit unserem Conversion Rate Rechner und vergleichen die beiden Werte danach mit der Formel oben.
Der ROAS (Return on Ad Spend) ist ein Verhältnis und kein Prozentsatz; seine Veränderung drücken Sie trotzdem in Prozent aus. Steigt der ROAS zum Beispiel von 4,0 auf 5,0, beträgt das Plus 25 %. Unser ROAS Rechner liefert den Wert für einen Zeitraum; zwei Zeiträume vergleichen Sie dann mit der Formel aus diesem Ratgeber.
Trennen Sie bei Quoten außerdem die Ursachen der Veränderung. Die Conversion Rate kann sinken, während die Zahl der Conversions steigt, weil der Traffic schneller gewachsen ist. Typische Ursachen eines ROAS Rückgangs behandeln wir im Ratgeber ROAS Rückgang: Ursachen und Diagnose.
Wie formulieren Sie prozentuale Veränderungen im Bericht?
Eine richtige Rechnung verliert an Wert, wenn die Formulierung nicht stimmt. Unser Team nutzt in Monatsberichten ein Muster aus vier Teilen:
- Name der Kennzahl und Zeitraum: „Organische Klicks im Oktober, verglichen mit September“.
- Absolute Werte: „von 4.500 auf 5.175“.
- Veränderung und Richtung: „plus 15 %“.
- Bei Quoten die Punkte: „CTR von 3,0 % auf 3,6 % (plus 0,6 Punkte)“.
Halten Sie zudem die Zahl der Nachkommastellen einheitlich. Steht in einer Zeile 15 % und in der nächsten 14,87 %, entsteht der Eindruck einer Genauigkeit, die es so nicht gibt. Für die meisten Marketingberichte genügt eine Nachkommastelle.
Wie Sie den ganzen Bericht sicher lesen, zeigt unser Ratgeber Marketing Report richtig lesen. Welche Kennzahlen sich zu verfolgen lohnen, erklären wir außerdem in unserer Übersicht zu Online Marketing KPIs.
Typische Fehler: Wo geht die prozentuale Zunahme am häufigsten schief?
Über die Jahre begegnen uns in Berichten immer wieder dieselben Fehler. Zum Glück hat jeder davon eine einfache Lösung:
- Die Differenz durch den neuen Wert teilen. Die Basis ist immer der alte Wert.
- Prozentpunkte und Prozent verwechseln. Nennen Sie bei Quoten beides.
- Aufeinanderfolgende Prozentsätze addieren. Multiplizieren Sie stattdessen die Faktoren.
- Prozente auf einer Basis von null oder fast null nennen. Stellen Sie die absolute Zahl nach vorn.
- Unterschiedlich lange Zeiträume vergleichen. Wechseln Sie zu Tagesdurchschnitten oder wählen Sie gleich lange Zeiträume.
- Zweimal mit 100 multiplizieren. Prüfen Sie das Zellformat.
- Bei der Rückrechnung einen Prozentsatz des neuen Werts abziehen. Teilen Sie durch den Faktor.
Diese Liste eignet sich als kurze Checkliste, bevor Sie einen Bericht verschicken. Wie dieselben Fehler in Daten der Search Console auftauchen, zeigen wir in unserem Ratgeber SEO Bericht richtig lesen.
Prozentuale Zunahme und Abnahme: das Wichtigste im Überblick
Zusammengefasst hat die prozentuale Veränderung eine einzige Formel: (neu - alt) / alt × 100. Die Basis ist immer der alte Wert, und nur das Vorzeichen trennt Zunahme und Abnahme. Bei Quoten nennen Sie Punkte und relative Veränderung zusammen. Aufeinanderfolgende Prozente multiplizieren Sie, Durchschnitte bilden Sie geometrisch.
Bei einer Basis von null, bei negativen Werten und bei kleinen Zahlen stellen Sie die absolute Zahl vor den Prozentsatz. Diese wenigen Regeln verhindern die meisten Deutungsfehler in Marketingberichten. Zudem sorgen sie dafür, dass Ihr ganzes Team dieselbe Sprache spricht.
Richtig gelesene Berichte führen zu richtigen Entscheidungen über Budget und Inhalte. Wir, Talha Aslan und Team, legen in jedem Reporting großen Wert auf diese Sorgfalt. Beginnen Sie Ihren nächsten Bericht also am besten damit, die Zahlen mit den Schritten aus diesem Ratgeber zu prüfen.
Grundlagen: Was ist Online Marketing? Arten, Beispiele und Vorgehen auf einer Seite, mit einem interaktiven Film durch das Gehirn.



