Die ersten 90 Tage mit einem Marketingberater: Was dürfen Sie erwarten?

Kurze Antwort
Was dürfen Sie für die ersten 90 Tage mit einem Marketingberater erwarten?
Die ersten 90 Tage mit einem Marketingberater sollten vier greifbare Ergebnisse liefern: ein schriftliches Audit, eine funktionierende Messung, priorisierte schnelle Erfolge und kontrollierte Tests. Garantiertes Wachstum gehört nicht dazu. Diese Phase zeigt vielmehr mit Belegen, wo Ihr Unternehmen Geld und Chancen verliert, und schafft eine solide Basis für spätere Entscheidungen.
Nach der Vertragsunterschrift stellen die meisten Unternehmer dieselbe Frage: "Wann sehe ich Ergebnisse?" Nützlicher ist allerdings eine andere Frage: "Woran erkenne ich, dass wir auf dem richtigen Weg sind?" Genau darauf antwortet dieser Ratgeber. Außerdem erfahren Sie, welche Unterlagen in jeder Phase auf Ihrem Tisch liegen sollten und welches Verhalten Sie aufhorchen lassen sollte.
Wir, Talha Aslan und sein Team, arbeiten seit 2012 in der Praxis. Dabei sehen wir immer wieder: Projekte mit einem klar geregelten ersten Quartal laufen ruhiger, denn beide Seiten wissen, was wann fertig wird. Verstehen Sie den folgenden Rahmen als Vorlage. Branche, Budget und vorhandene Strukturen verändern natürlich die Details.
Was sollten die ersten 90 Tage mit einem Marketingberater nicht versprechen?
Erwarten Sie keine garantierte Platzierung, keinen garantierten Umsatz und keine feste Werberendite. Google schreibt in seinem offiziellen Leitfaden zur Auswahl eines SEO ausdrücklich, dass niemand Platz 1 garantieren kann. Dieselbe Logik gilt auch für Anzeigen und Social Media, denn das Ergebnis hängt zudem von Wettbewerb, Produkt, Preis und Markt ab.
Ebenso falsch ist der Maßstab, im ersten Monat müsse sich alles ändern. Wer sämtliche Konten neu aufbaut, wirkt zwar beschäftigt. Allerdings kann eine Änderung ohne Kenntnis der bisherigen Daten auch funktionierende Teile zerstören.
Deshalb sollten Sie bei diesen Versprechen vorsichtig sein:
- Eine bestimmte Umsatzsteigerung zu einem bestimmten Datum.
- Ein fertiges Kampagnenpaket vor jedem Audit.
- Erfolgsgrafiken ohne funktionierende Messung dahinter.
- Ziele, die ohne Fragen nach Marge und Markt entstehen.
Realistisch zu bleiben heißt trotzdem nicht, ohne Ziele zu arbeiten. Ein guter Berater garantiert kein Ergebnis, sagt Ihnen aber verbindlich, welche Leistung zu welchem Termin vorliegt.
Warum sollten Sie den Plan in drei Phasen aufteilen?
Drei Phasen halten die Arbeit in der richtigen Reihenfolge. Zunächst verstehen Sie die Lage, danach schließen Sie offensichtliche Lücken, und schließlich prüfen Sie Ihre Annahmen. Drehen Sie die Reihenfolge um, können Sie den Testergebnissen nicht trauen, weil die Messung fehlerhaft sein kann. Die Tabelle zeigt einen typischen Ablauf; die Zeitangaben sind allerdings keine starren Grenzen.
| Phase | Hauptarbeit | Ergebnis auf Ihrem Tisch | Ihr Beitrag |
|---|---|---|---|
| Tag 1 bis 30 | Audit und Messung | Schriftliches Audit, Messplan, Prioritätenliste | Zugänge, Verkaufsdaten, klare Ziele |
| Tag 31 bis 60 | Schnelle Erfolge | Liste umgesetzter Korrekturen, Vergleich von vorher und nachher | Schnelle Freigaben, technische Unterstützung |
| Tag 61 bis 90 | Kontrollierte Tests | Testprotokoll, Auswertung, Plan für das nächste Quartal | Geduld während der Tests, Rückmeldung aus dem Vertrieb |
In einem kleinen Unternehmen kann das Audit nach zwei Wochen fertig sein. Bei einer Marke mit vielen Kanälen dauert es dagegen auch einmal sechs Wochen. Entscheidend ist, dass der Zeitplan schriftlich vorliegt und jede Verzögerung ehrlich begründet wird. Kurz gesagt: Der Plan soll Sie nicht festlegen, sondern Entscheidungen sichtbar halten.
Was sollte ein Berater vor dem Start von Ihnen verlangen?
Für einen gesunden Start fragt Ihr Berater in der ersten Woche nach Zugängen und Hintergrund. Wer nichts verlangt, arbeitet entweder oberflächlich oder wendet eine fertige Schablone an. Also ist diese lange Liste eigentlich ein gutes Zeichen.
- Rollenbasierte Zugänge zu Anzeigen, Analyse und Suchkonten.
- Bisherige Verkaufsdaten oder Anfragen.
- Margen je Produkt oder Dienstleistung.
- Beschreibung Ihrer besten und schwierigsten Kunden.
- Frühere Maßnahmen und deren Ergebnisse.
- Name der freigebenden Person und übliche Freigabezeit.
Geben Sie dafür keine Passwörter weiter. Nutzen Sie stattdessen die Nutzerverwaltung der jeweiligen Plattform. Die Berechtigungen der Search Console unterscheiden zum Beispiel zwischen Inhabern, uneingeschränkten und eingeschränkten Nutzern. Für Werbekonten beschreibt unser Beitrag zum Zugriff auf Google Ads die Schritte, deshalb wiederholen wir sie hier nicht. Das Eigentum an jedem Konto sollte in jedem Fall bei Ihrem Unternehmen bleiben.
Was sollte das Audit in den ersten 30 Tagen abdecken?
Ein Audit ist eine belegte Momentaufnahme Ihres aktuellen Marketings. Der Umfang hängt vom Unternehmen ab, das Ergebnis sollte jedoch immer schriftlich vorliegen. Eine mündliche Zusammenfassung genügt nicht, denn nach drei Monaten messen Sie Veränderungen nur an einem festgehaltenen Ausgangspunkt.
Ein typisches Audit behandelt diese Bereiche:
- Aufbau des Werbekontos, Suchbegriffe und Budgetverteilung.
- Geschwindigkeit der Website, mobile Nutzung und Formularablauf.
- Sichtbarkeit in der Suche, Indexstatus und inhaltliche Lücken.
- Angebote der Wettbewerber und Unterschiede in der Botschaft.
- Qualität der Anfragen, die Ihren Vertrieb erreichen.
Im Anzeigenbereich zeigt der Suchbegriffsbericht oft schnell, wohin das Budget fließt. Für einen ersten Eindruck können Sie zudem mit unserem Google Ads Audit Tool Ihr eigenes Konto ansehen. Trotzdem ersetzt ein Werkzeug kein Audit; es verbessert lediglich Ihre Fragenliste.
Die letzte Seite eines guten Berichts ist die Prioritätenliste. Zu jedem Befund gehören erwartete Wirkung, nötiger Aufwand und eine verantwortliche Person. Sonst landet der Bericht in der Schublade, und nichts ändert sich.
Warum steht die Messung vor allem anderen?
Ist die Messung falsch, beruht jede spätere Entscheidung auf falschen Daten. Deshalb fragen gute Berater zunächst "Was zählen wir eigentlich?", bevor sie einen Anzeigentext anfassen. Einen Verkauf, ein Formular, einen Anruf oder eine Chatnachricht? Die Antwort hängt vom Unternehmen ab und gehört in einen schriftlichen Messplan.
In Google Analytics 4 (GA4) markieren Sie wichtige Handlungen als Key Events. Die Analytics Hilfe erklärt, dass eine daraus erstellte Google Ads Conversion die Zählung in beiden Produkten einheitlich hält. Weichen die Zahlen trotzdem ab, hilft unser Beitrag zu fehlenden GA4 Conversions weiter.
Außerdem brauchen Kampagnenlinks eine einheitliche Kennzeichnung. UTM Parameter zeigen der Analyse, woher ein Klick stammt, und ein UTM Generator hilft Ihnen, ein einziges Benennungssystem beizubehalten. Schließlich sollten Sie verfolgen, ob aus Anfragen tatsächlich Verkäufe werden. Steigt die Formularzahl, während der Umsatz stagniert, haben Sie keinen Erfolg, sondern nur Rauschen.
Welche Aufgaben gelten wirklich als schnelle Erfolge?
Ein schneller Erfolg ist eine Korrektur mit wenig Aufwand, baldiger Wirkung und ohne Risiko für das bestehende System. Eine Kampagne komplett neu aufzubauen, passt nicht in diese Definition. Ein defektes Formular zu reparieren oder Ausgaben für irrelevante Suchen zu stoppen, passt dagegen genau.
Häufige Beispiele aus unserer Praxis sind:
- Defektes Formular, defekter Telefonlink oder Kassenschritt.
- Werbebudget für irrelevante Suchbegriffe.
- Zielseite, die nicht zur Anzeigenbotschaft passt.
- Fehlende oder veraltete Angaben im Google Unternehmensprofil.
- Defekte Links und wichtige Seiten außerhalb des Index.
Andererseits bedeutet "schnell" nicht, dass auch das Ergebnis groß ausfällt. Manche Korrekturen stopfen nur ein Leck. Folglich entsteht kein Sprung in der Grafik, allerdings fließt das nächste Budget nicht mehr ins Leere. Genau so sollten Sie den Wert dieser Arbeit lesen.
Einen Erfolg prüfen Sie zudem auf einfache Weise. Notieren Sie zunächst den Zustand vor der Korrektur, und lesen Sie danach dieselbe Kennzahl erneut. Bei einer Formularreparatur vergleichen Sie zum Beispiel die abgeschickten Formulare, bei einer Bereinigung die Ausgaben für irrelevante Suchen. Somit haben Sie einen vergleichbaren Beleg und nicht nur den Satz "Das haben wir behoben". Tragen Sie diese Notizen ins Änderungsprotokoll ein, dann sehen Sie am Quartalsende, was funktioniert hat.
In welcher Reihenfolge gehen Sie den zweiten Monat an?
Im zweiten Monat bestimmen erwartete Wirkung und nötiger Aufwand die Reihenfolge. Aufgaben mit hoher Wirkung und wenig Aufwand kommen zuerst. Danach folgen wirkungsvolle, aber aufwendigere Aufgaben, und Aufgaben mit geringer Wirkung und hohem Aufwand streichen Sie.
Beispielszenario: Angenommen, das Audit findet drei Probleme. Formulare scheitern auf dem Smartphone, Anzeigen erscheinen bei irrelevanten Suchen, und der Blog steht seit Langem still. In diesem Fall reparieren Sie zuerst das Formular, weil dort direkt Anfragen verloren gehen. Danach bereinigen Sie die Suchbegriffe. Der Redaktionsplan bleibt wichtig, rückt aber auf den dritten Platz.
In dieser Phase beeinflusst auch Ihr eigenes Tempo das Ergebnis. Betreut zum Beispiel ein externer Entwickler Ihre Website, kann eine kleine Änderung wochenlang warten. Klären Sie daher bereits im ersten Monat die Frage: "Wer setzt Änderungen an der Website um?"
Halten Sie außerdem jede Korrektur mit Datum fest. Ein einfaches Änderungsprotokoll genügt. Sehen Sie dann drei Monate später einen Anstieg, ordnen Sie ihn anhand des Datums einer Maßnahme zu und müssen nicht raten. Zudem kann ein künftiger Berater oder ein anderes Team mit denselben Aufzeichnungen weiterarbeiten.
Wie richten Sie die Tests im dritten Monat ein?
Im dritten Monat sollte jeder Test genau eine Annahme prüfen. "Verbessern wir die Anzeigen" ist kein Test. Die Frage "Bringt eine Preisspanne in der Überschrift bessere Anfragen?" lässt sich dagegen messen. Sie schreiben also zunächst die Frage auf, wählen dann die Erfolgskennzahl und gehen erst danach mit der Änderung live.
Der Leitfaden zu Tests in der Google Ads Hilfe empfiehlt eine ähnliche Disziplin: Wählen Sie vor dem Start ein oder zwei Erfolgskennzahlen, und ändern Sie die Basiskampagne während des Tests möglichst nicht. Sonst können Sie nicht erkennen, welche Änderung das Ergebnis verursacht hat.
- Eine Annahme: pro Test eine wesentliche Änderung.
- Feste Kennzahl: Kriterien nach dem Ergebnis nicht austauschen.
- Genug Volumen: kleine Unterschiede nicht sofort als Sieg werten.
- Schriftliche Aufzeichnung: auch verlorene Tests festhalten.
Ob der Unterschied zwischen zwei Varianten aussagekräftig ist, prüfen Sie mit unserem A/B Test Rechner. Wenig Traffic ist dabei kein Hindernis. In dem Fall testen Sie allerdings besser große Unterschiede wie Angebot oder Zielgruppe statt kleiner Details.
Warum braucht Anzeigenautomatisierung Geduld?
Intelligente Gebotsstrategien entscheiden auf Basis von Daten, deshalb erschweren ständige strukturelle Änderungen das Lesen der Ergebnisse. Die Seite zur Lernphase in der Google Ads Hilfe nennt als Auslöser des Status zum Beispiel eine neue Strategie, Änderungen am Kampagnenaufbau oder erhebliche Änderungen an den Conversion Zielen.
Dieselbe Seite empfiehlt, die Leistung auch nach dem Ende dieses Status mit Blick auf die Conversion Zyklen zu bewerten. Prüfen Sie aktuelle Zeitangaben immer auf dieser offiziellen Seite, denn Plattformregeln können sich ändern.
In der Praxis heißt das: Brauchen Ihre Kunden zwei Wochen für eine Entscheidung, können Sie die gestrige Änderung heute nicht messen. Daher wirkt ein Berater, der täglich Ziele verändert, zwar fleißig, kann das System aber instabil machen.
Das Konto sich selbst zu überlassen, ist trotzdem keine Lösung. Suchbegriffe, Budgetverlauf und Conversions brauchen regelmäßige Kontrolle. Der Unterschied besteht darin, dass Beobachten und Eingreifen nicht dasselbe sind. Auch deshalb halten wir bei unserer Google Ads Verwaltung den Grund jeder Änderung fest.
Liefern SEO und Anzeigen gleich schnell Ergebnisse?
Nein, das tun sie nicht. Anzeigen bringen Traffic, sobald das Budget läuft, allerdings verlangt Rentabilität weiterhin Messung und Tests. SEO setzt dagegen voraus, dass Sie zunächst Probleme bei Crawling und Inhalten lösen, und seine Wirkung kommt meist später und schrittweise.
Am Tag 90 lauten die richtigen SEO Fragen also: Sind technische Hürden beseitigt, stehen die wichtigen Seiten im Index, wie entwickeln sich die Impressionen? Umsatzerwartungen auf diese Phase zu laden, ist meistens ungerecht. Auch Google rät, einen SEO nach den erwarteten Ergebnissen und dem Zeitrahmen zu fragen. Die Frage ist also berechtigt, die Antwort muss aber ehrlich sein.
Wenn Sie den Umfang genauer kennen möchten, fasst unsere Seite zur SEO Beratung den Ablauf zusammen.
Wie entscheiden Sie dann zwischen den Kanälen? Bei den meisten Unternehmen hängen Kanalwahl und Personenwahl zusammen. Besprechen Sie deshalb schon beim ersten Termin mit einem Online Marketing Berater jeden Kanal einzeln, und notieren Sie für jeden eine eigene Zeiterwartung. Somit beurteilen Sie nicht alle Kanäle nach demselben Kalender.
Welche Unterlagen sollten die ersten 90 Tage mit einem Marketingberater hinterlassen?
Am Ende des Quartals sollten Sie eine Akte besitzen, die Ihnen gehört und die Sie weitergeben können. Diese Unterlagen bleiben nützlich, auch wenn sich Ihre Wege trennen. Kurz gesagt: Der Wert liegt nicht nur in der geleisteten Arbeit, sondern auch im verbleibenden Wissen.
- Auditbericht mit priorisierten Befunden.
- Messplan: welches Ereignis was zählt und in welchem Bericht.
- Änderungsprotokoll: Datum, Maßnahme, Grund.
- Testprotokoll: Annahme, Dauer, Ergebnis, Entscheidung.
- Monatsberichte mit Einordnung.
- Priorisierter Plan für die nächsten drei Monate.
Beim Bericht zählt vor allem der Inhalt. Eine Tabelle mit reinen Klicks und Impressionen gibt Ihnen keine Richtung. Welche Kennzahlen mit dem Geschäftsergebnis zusammenhängen, erklärt unser Ratgeber zu Online Marketing KPIs. Zudem sollte jeder Bericht drei Fragen beantworten: Was ist passiert, warum ist es passiert, und was tun wir jetzt? Fehlt davon etwas, halten Sie eher eine Sammlung von Screenshots in der Hand als einen Bericht.
Wie oft sollten Sie sich mit dem Berater abstimmen?
Für die meisten Unternehmen genügen im ersten Monat ein kurzer Wochentermin und danach eine Besprechung alle zwei Wochen oder monatlich. Die Häufigkeit allein sagt wenig über die Qualität aus. Entscheidend ist, ob jeder Termin mit einer schriftlichen Notiz endet: Wer erledigt was bis wann?
In den ersten Wochen hilft zum Beispiel ein kurzer Termin, weil Fragen zu Zugängen und Daten schnelle Antworten brauchen. Ab dem zweiten Monat kostet häufiges Treffen ohne neue Daten dagegen nur Zeit.
Für ein produktives Monatstreffen empfehlen wir diesen Ablauf:
- Zusagen aus dem Vormonat und ihr aktueller Stand.
- Veränderungen der Hauptkennzahlen und mögliche Ursachen.
- Rückmeldungen aus dem Vertrieb.
- Drei Prioritäten für den kommenden Monat.
Der Vertrieb sollte in diesem Termin zu Wort kommen, denn die Qualität von Anfragen kennt niemand so gut wie die Person im Kundengespräch. Arbeiten Sie an verschiedenen Standorten, funktioniert derselbe Ablauf außerdem auch schriftlich. Dann genügt es, alle Notizen in einem gemeinsamen Dokument zu führen.
Woran erkennen Sie gute Signale in den ersten drei Monaten?
Ein gutes Signal muss kein großer Umsatzsprung sein. Oft zeigt es sich leiser: Die Klarheit wächst, Überraschungen nehmen ab, Entscheidungen brauchen weniger Zeit. Lesen Sie Erfolg daher nur aus dem Endergebnis, übersehen Sie womöglich wertvolle frühe Fortschritte.
- Ihr Berater belegt Befunde mit Daten, Screenshots und Quellen.
- Sie hören auch einmal: "Das weiß ich nicht, ich prüfe es und melde mich."
- Gescheiterte Tests erscheinen als Erkenntnis im Bericht und verschwinden nicht.
- Manche Ideen bekommen ein klares "Jetzt nicht" samt Begründung.
- Ihr Vertrieb bemerkt eine Veränderung in der Qualität der Anfragen.
- Ihre Mitarbeitenden können den Bericht selbstständig lesen und einordnen.
Beispielszenario: Die Werbeausgaben bleiben gleich, die Formularzahl sinkt leicht, doch der Anteil der Formulare, aus denen Verkäufe entstehen, steigt. Auf den ersten Blick wirkt das schlecht, dennoch kann es eine gesunde Entwicklung sein. Fällen Sie allerdings kein endgültiges Urteil nach einem einzigen Monat. Verfolgen Sie stattdessen den Trend über mehrere Zeiträume.
Welche Warnzeichen sollten Sie ernst nehmen?
Das ernsteste Warnzeichen ist anhaltende Unklarheit. Wissen Sie nach drei Monaten immer noch nicht, was geschah, warum und was die Messung erfasst, geht das Problem über die Kommunikation hinaus. Treten mehrere der folgenden Punkte gleichzeitig auf, sprechen Sie das Thema offen an.
| Signal | Mögliche Bedeutung | Ihre Frage |
|---|---|---|
| Sie haben keinen Zugang zu den Konten | Risiko beim Eigentum | Warum läuft dieses Konto nicht auf unseren Namen? |
| Berichte zeigen nur Klicks und Reichweite | Kein Bezug zum Geschäftsergebnis | Wie wirkt sich diese Zahl auf den Verkauf aus? |
| Jeden Monat derselbe Kommentar | Berichte nach Schablone | Was hat sich diesen Monat geändert und warum? |
| Jeder Rückgang hat eine äußere Ursache | Ausweichen vor Verantwortung | Was zeigen unsere Daten dazu? |
| Die Messung verschiebt sich ständig | Ergebnisse bleiben ungeprüft | Wann ist sie fertig? |
Ein einzelnes Signal ist allerdings noch kein Grund zur Trennung. Fragen Sie zuerst nach, und achten Sie dann auf die Qualität der Antwort. Ein Partner, der die Daten offenlegt und nicht in die Defensive geht, kann mit Ihnen auch einen schwierigen Monat bewältigen.
Welche Verantwortung tragen Sie selbst in dieser Phase?
Das Ergebnis ist eine gemeinsame Leistung. Ein Berater kann Anzeigen und Seiten verbessern. Allerdings bestimmen meist Sie den Preis, die Lieferzeit, die Reaktionszeit am Telefon und die Produktqualität. Deshalb spricht ein guter Berater gelegentlich auch Themen außerhalb des Marketings an.
Auf Ihrer Seite beschleunigen vier Gewohnheiten den Ablauf spürbar:
- Benennen Sie eine entscheidende Person und halten Sie Freigaben in Bewegung.
- Teilen Sie regelmäßig Verkaufsergebnisse, auch welche Anfragen scheiterten.
- Kündigen Sie Aktionen, Rabatte und Bestandsänderungen vorher an.
- Sammeln Sie neue Ideen während der Tests auf einer eigenen Liste.
Starten Sie zum Beispiel einen Rabatt ohne Ankündigung, rechnet Ihr Berater den Anstieg womöglich einem Anzeigentest zu. Folglich entsteht ein falscher Schluss, und das nächste Budget fließt an die falsche Stelle. Auch hilft es, diese gegenseitigen Pflichten im Vertrag festzuhalten. Dabei können Sie derselben Logik folgen wie in unserer Checkliste zum SEO Vertrag.
Wie steuern Sie das Budget im ersten Quartal?
Erhöhen Sie das Budget erst, wenn Sie der Messung vertrauen können. Im ersten Monat ist es meist klüger, die aktuellen Ausgaben zu halten oder Verschwendung zu kürzen. Mehr Geld in einer Kampagne ohne verlässliche Messung vergrößert nämlich nur das Problem.
Im zweiten Monat können Sie frei gewordenes Budget in funktionierende Bereiche verschieben, sobald Sie Lücken schließen. Im dritten Monat lohnt sich außerdem ein eigener Anteil für Tests, damit Experimente Ihre Hauptkampagnen nicht stören. Wie groß dieser Anteil ausfällt, hängt von Risikobereitschaft und Anfragevolumen ab. Ein allgemein richtiges Verhältnis gibt es nicht.
Sagt ein Berater "Verdoppeln wir sofort das Budget", fragen Sie nach dem Grund. Welche Daten stützen das, wie verfolgt er die Rentabilität, und wann erfolgt ein Schritt zurück? Bei der Planung hilft unser Google Ads Budget Rechner für eine erste Schätzung; aktualisieren Sie diese aber mit echten Daten. Zudem lassen sich Ergebnisse leichter lesen, wenn Sie die Ausgaben stufenweise erhöhen. Teilen Sie schließlich auch Ihre finanziellen Grenzen mit, denn dort beginnt ein realistischer Plan.
Wie teilen Sie die Arbeit mit einem internen Team auf?
Schreiben Sie die Aufgabenteilung in der ersten Woche auf, und zwar Aufgabe für Aufgabe. Sonst nimmt jede Seite an, die andere kümmere sich darum, und wichtige Arbeiten bleiben liegen. Inhalte, Design, Entwicklung und Nachfassen im Vertrieb fallen besonders häufig in diese Lücke.
Eine einfache Tabelle reicht aus: Jede Zeile nennt Aufgabe, ausführende Person, Freigabe und Termin. Der Berater schreibt zum Beispiel den Anzeigentext, Ihre Designerin bereitet das Motiv vor, und die Marketingleitung gibt die Markentreue frei. So sehen alle jederzeit, wer auf wen wartet.
Machen Sie außerdem das Lernen Ihres Teams zu einem ausdrücklichen Ziel. Erklärt der Berater seine Arbeit, führt Aufzeichnungen und ermuntert zu Fragen, sinkt die Abhängigkeit nach drei Monaten. Läuft dagegen alles wie in einer Blackbox, geht das Wissen am letzten Vertragstag mit ihm. Übergeben Sie deshalb am Ende des zweiten Monats eine kleine Aufgabe, etwa den ersten Entwurf des Monatsberichts. Das Ziel ist also nicht nur das heutige Ergebnis, sondern auch die eigene Fähigkeit Ihres Unternehmens.
Wie läuft der Plan bei einem lokalen Dienstleister ab?
Bei einem lokalen Unternehmen steht meist die korrekte Zählung von Anrufen und Formularen an erster Stelle. Der folgende Ablauf ist ein Beispielszenario, kein echtes Kundenergebnis, und er kommt ohne Zahlen aus. Stellen Sie sich einen Sanitärbetrieb vor, der einige nahe Stadtteile bedient.
Im ersten Monat prüft das Team das Google Unternehmensprofil, das Werbekonto und die Website. Zudem untersucht es, ob die Messung Anrufe überhaupt erfasst. Der erste Befund lautet oft: Die Anzeigen laufen, aber niemand weiß, welcher Anruf von einer Anzeige kam.
Im zweiten Monat entfernt das Team nicht bediente Gebiete und irrelevante Suchen und vereinfacht die Zielseite für Smartphones. Danach notiert der Inhaber die Herkunft jedes Auftrags in einer kurzen Tabelle. Dann treffen Daten aus dem Konto auf Daten aus der Praxis.
Im dritten Monat vergleichen Sie beispielsweise eine Botschaft zum Notdienst mit einer Botschaft zum geplanten Termin. Die Entscheidung fällt nicht allein nach Klicks, sondern danach, welche Anfragen zu echten Aufträgen werden. Am Ende empfiehlt das Team schriftlich, welche Leistungen und Gebiete Vorrang bekommen.
Wie läuft der Plan bei einem Onlineshop ab?
Im E-Commerce steht meist im Vordergrund, den Kaufabschluss und die Rentabilität je Produkt sichtbar zu machen. Auch dies ist ein Beispielszenario und kein echter Fall. Stellen Sie sich einen mittelgroßen Shop für Heimtextilien vor, der für alle Produkte ein einziges Anzeigenziel nutzt.
Im ersten Monat vergleicht das Team Bestelldaten mit Anzeigen und Analysedaten. Außerdem ermittelt es die Margenunterschiede der Kategorien, denn dieselbe Werberendite kann in einer margenschwachen Kategorie Verlust bedeuten. Wenn Sie die Rendite mit dem ROAS Rechner berechnen, notieren Sie diesen Unterschied deshalb gesondert.
Im zweiten Monat beseitigt das Team Hürden im Warenkorb und an der Kasse, stoppt Anzeigen für nicht verfügbare Produkte und zeigt Versandangaben früher. Nichts davon wirkt spektakulär. Dennoch beeinflusst es den Wert des vorhandenen Traffics.
Im dritten Monat können Sie eine Kampagnenstruktur nach Kategorien oder neue Produktbilder ausprobieren. Schreiben Sie auch dann vor jedem Test die Zielkennzahl auf. Spielt saisonale Nachfrage eine Rolle, vergleichen Sie die Ergebnisse zudem mit demselben früheren Zeitraum. Sonst halten Sie einen Saisoneffekt womöglich für Erfolg.
Wie entscheiden Sie am Tag 90 über die Fortsetzung?
Entscheiden Sie nach geleisteter Arbeit, gewonnenen Erkenntnissen und der Qualität des nächsten Plans, nicht allein nach dem Umsatz. Für viele Unternehmen sind drei Monate zu kurz, um das gesamte Wachstum zu sehen. Allerdings reichen sie meist aus, um die Qualität der Zusammenarbeit zu beurteilen.
Beantworten Sie im Abschlussgespräch diese Fragen:
- Kamen die zugesagten Ergebnisse pünktlich?
- Vertrauen Sie der Messung heute mehr?
- Verstehen Sie besser als zuvor, wohin das Budget fließt?
- Haben die Tests klare Erkenntnisse gebracht?
- Beruht der Plan für das nächste Quartal auf Daten?
Lauten die meisten Antworten "Ja" und haben sich die Ergebnisse noch nicht ganz eingependelt, kann eine Fortsetzung sinnvoll sein. Lauten sie dagegen überwiegend "Nein", bleiben Sie vorsichtig, selbst wenn der Umsatz gestiegen ist. Wissen Sie nämlich nicht, woher ein Anstieg kam, können Sie ihn auch nicht wiederholen. Trennen Sie sich, dann entziehen Sie Zugänge geordnet und nehmen Ihre Unterlagen mit.
Was ist der eigentliche Gewinn aus den ersten 90 Tagen mit einem Marketingberater?
Der eigentliche Gewinn ist ein System, das Ihre Entscheidungen vom Raten zu Daten führt. Das Audit zeigt Ihren Standort, die Messung trennt Funktionierendes von Unwirksamem, schnelle Erfolge schließen Lücken, und Tests weisen dem nächsten Budget die Richtung. Stehen diese vier Teile, hat Wachstum eine deutlich festere Grundlage.
Zusammengefasst sollten Sie auf drei Dinge achten: schriftliche Ergebnisse, ehrliche Kommunikation und Wissen, das bei Ihnen bleibt. Verlangen Sie eine Zusage zum Vorgehen und keine Ergebnisgarantie. Tragen Sie außerdem Ihre eigenen Aufgaben in den Kalender ein.
Möchten Sie diesen Rahmen auf Ihr Unternehmen übertragen, können Sie Ihre aktuelle Lage und Ihre Ziele mit Digital Marketing Experte Talha Aslan und seinem Team besprechen. So sehen Sie konkret, wie die ersten 90 Tage bei Ihnen aussehen würden.
Grundlagen: Was ist Online Marketing? Arten, Beispiele und Vorgehen auf einer Seite, mit einem interaktiven Film durch das Gehirn.



