Warum löschen Nutzer Apps? So halten Sie sie in den ersten 7 Tagen

Kurze Antwort
Warum Nutzer Apps löschen: was sind die echten Gründe?
Warum Nutzer Apps löschen, hat fast immer mit Reibung in den ersten Tagen zu tun: eine Pflichtregistrierung vor jedem Nutzen, viele Berechtigungsanfragen auf einmal, eine erste Sitzung ohne klaren Vorteil, Abstürze, zu viele Benachrichtigungen und langsame Starts. Deshalb messen Sie die ersten 7 Tage und beseitigen diese Hürden nacheinander.
Menschen installieren eine App, weil sie ein Problem lösen möchten. Wenn sie allerdings Speicherplatz brauchen oder in der ersten Sitzung enttäuscht sind, dauert das Löschen nur Sekunden. Allerdings sagt Ihnen niemand, warum er gegangen ist. Sie sehen also nur eine Kurve, die fällt. Das heißt, eine Deinstallation entsteht selten durch einen großen Fehler, sondern durch viele kleine Reibungen.
Als Talha Aslan und Team sehen wir in mobilen Projekten immer wieder dasselbe Muster. Die meisten Gründe für eine Deinstallation lassen sich schon in Konzeption und Releaseplanung erkennen. Die folgenden Abschnitte behandeln die Gründe, die uns am häufigsten begegnen:
- Ein Konto verlangen, bevor Nutzer irgendetwas ausprobieren können.
- Benachrichtigungen, Standort, Kamera und Kontakte gleich beim ersten Start abfragen.
- In den ersten Minuten kein konkretes Ergebnis zeigen.
- Abstürze, Hänger und lange Ladebildschirme.
- Häufige, allgemeine Benachrichtigungen ohne echten Mehrwert.
- Hoher Speicherbedarf, Akkuverbrauch und Datenverbrauch.
Was bedeutet App Retention, und wie lesen Sie Tag 1, Tag 7 und Tag 30?
Retention, also Nutzerbindung, ist der Anteil der Nutzer, die Ihre App an einem bestimmten Tag zum ersten Mal geöffnet haben und an einem späteren Tag zurückkehren. Die Retention an Tag 1 zeigt zum Beispiel, wie viele dieser Nutzer die App einen Tag nach der Installation erneut öffnen. Tag 7 und Tag 30 folgen derselben Logik.
Konkret beantwortet jeder Messpunkt eine andere Frage. Tag 1 verrät, ob der erste Eindruck funktioniert hat. Der Wert an Tag 7 zeigt, ob die App eine Gewohnheit angestoßen hat. Tag 30 macht sichtbar, ob das Produkt einen dauerhaften Bedarf erfüllt. Daher betrachten Sie besser die Form der Kurve als eine einzelne Zahl.
Beispielrechnung: Am Montag öffnen 1.000 Personen Ihre App zum ersten Mal. Kehren 300 davon am Dienstag zurück, liegt die Retention an Tag 1 bei 30 Prozent. Kommen am folgenden Montag 120 zurück, liegt der Wert an Tag 7 bei 12 Prozent. Diese Zahlen zeigen allerdings nur die Rechenlogik. Sie sind weder Branchendurchschnitt noch Zielwert.
Fällt die Kurve schnell und flacht dann ab, haben Sie eine gesunde Kernzielgruppe. Flacht sie nie ab, liegt das Problem vermutlich im Kernnutzen des Produkts. Dann reichen Anpassungen an der Oberfläche allein nicht aus.
Warum sind die ersten 7 Tage so entscheidend?
In den ersten 7 Tagen entscheiden Nutzer, ob Ihre App einen festen Platz in ihrem Alltag bekommt. In dieser Woche öffnen sie die App einige Male, testen ein oder zwei Kernfunktionen und prüfen, ob sie ihre Erwartungen erfüllt. Folglich besteht die Zielgruppe, die Sie langfristig halten, größtenteils aus Menschen, die diese erste Woche überstanden haben.
Zudem entscheidet die erste Woche, ob sich Ihre Akquisitionskosten lohnen. Löscht ein Nutzer, den Sie per Anzeige gewonnen haben, die App am ersten Tag, ist das Werbebudget praktisch verloren. Andererseits ist ein Nutzer, der die erste Woche durchläuft, viel näher an den eigentlichen Zielen wie Kauf, Abo oder Terminbuchung.
In dieser Woche gibt es drei Momente, die Sie gestalten sollten:
- Der erste Start: Versteht der Nutzer auf dem ersten Bildschirm, was zu tun ist?
- Der Nutzenmoment: Wie lange dauert es bis zum ersten konkreten Ergebnis?
- Der Rückkehrgrund: Gibt es einen Anlass, die App ein zweites Mal zu öffnen?
Eine App, die ohne diese drei Momente startet, wirkt wie ein undichter Eimer für Ihr Werbebudget. Kurz gesagt: Sichern Sie zuerst die erste Woche, bevor Sie über Wachstum sprechen.
Wie vertreibt eine lange Pflichtregistrierung die Nutzer?
Ein Registrierungsbildschirm verlangt einen Preis, bevor Nutzer Ihre App kennen. Müssen sie Name, E-Mail, Telefonnummer, Bestätigungscode und Passwort eingeben, ohne einen Nutzen zu sehen, brechen viele genau dort ab. Das trifft deshalb vor allem neugierige Besucher aus dem Store hart.
Die App Store Review Guidelines von Apple formulieren in Abschnitt 5.1.1 einen klaren Grundsatz. Bietet Ihre App keine wesentlichen kontobasierten Funktionen, sollten Nutzer sie ohne Anmeldung verwenden können. Derselbe Abschnitt verlangt außerdem, dass Apps mit Kontoerstellung auch die Kontolöschung innerhalb der App anbieten. Die Registrierung ist also sowohl eine Frage der Nutzererfahrung als auch der Storekonformität.
In der Praxis empfehlen wir diese Reihenfolge:
- Lassen Sie Nutzer zuerst stöbern, suchen oder ausprobieren.
- Fragen Sie nach einem Konto erst bei dem Schritt, der es wirklich braucht, etwa beim Speichern des Warenkorbs, bei einer Buchung oder beim Sichern des Fortschritts.
- Halten Sie das Formular so kurz wie möglich und verschieben Sie optionale Angaben.
- Führen Sie Nutzer nach der Registrierung zurück zur begonnenen Aufgabe, nicht auf einen leeren Bildschirm.
Wie Sie den Ablauf im Detail gestalten, zeigt unser Leitfaden App Onboarding richtig gestalten.
Warum führen zu viele Berechtigungsanfragen zur Deinstallation?
Eine App, die beim ersten Start nacheinander Benachrichtigungen, Standort, Kamera und Kontakte abfragt, wirkt aufdringlich. Nutzer verstehen nicht, warum sie so viel Zugriff braucht. Also wählen sie die einfachste Lösung und löschen sie. Außerdem lassen sich früh abgelehnte Berechtigungen später nur schwer zurückgewinnen.
Der Android Leitfaden zu Laufzeitberechtigungen empfiehlt, im Kontext zu fragen, also dann, wenn der Nutzer die betreffende Funktion verwendet. Laut demselben Leitfaden erscheint der Systemdialog nicht mehr, wenn ein Nutzer eine bestimmte Berechtigung während der Installationsdauer auf einem Gerät mehr als einmal ablehnt. Das gilt dann als dauerhafte Ablehnung. Deshalb kann eine Anfrage im falschen Moment bedeuten, dass Sie diese Funktion endgültig verlieren.
Apple folgt zudem einem ähnlichen Prinzip. Abschnitt 5.1.1 verlangt, dass Apps die Berechtigungseinstellungen respektieren und Nutzer nicht zu unnötigem Datenzugriff drängen. Er empfiehlt zudem Alternativen, etwa die manuelle Adresseingabe, wenn jemand den Standort nicht freigibt.
Die Arbeitsregel ist also einfach. Fragen Sie jede Berechtigung auf dem Bildschirm an, auf dem der Bedarf entsteht, und erklären Sie kurz den Grund. Lehnt der Nutzer ab, bleibt der Rest der App nutzbar, und nur diese Funktion pausiert. Einen Ablauf Schritt für Schritt beschreiben wir im Beitrag wann Sie um Pushbenachrichtigungen bitten sollten.
Was passiert, wenn die App in der ersten Sitzung keinen Nutzen zeigt?
Erleben Nutzer keinen Moment, in dem sie denken, dass die App ihnen hilft, fehlt der Grund für einen zweiten Start. Produktteams nennen das deshalb oft den Aha Moment. Bei einer Essensapp ist es die erste unkomplizierte Bestellung. Eine Buchungsapp liefert ihn, sobald jemand den ersten freien Termin findet. Bei einer Notizapp ist es die erste gespeicherte Notiz.
Beispielszenario: Eine Friseurkette veröffentlicht eine Buchungsapp. Der erste Bildschirm zeigt Aktionsfolien, danach kommt ein Registrierungsformular, dann die Filialauswahl. Nutzer müssen vier Bildschirme durchlaufen, bevor sie einen freien Termin sehen. Zeigte der erste Bildschirm dagegen die heutigen freien Termine der nächsten Filiale, spürten Nutzer den Nutzen in Sekunden.
So verkürzen Sie den Weg zum ersten Nutzenmoment:
- Schreiben Sie in einem Satz auf, warum Menschen Ihre App installieren.
- Zählen Sie die Bildschirme bis zu diesem Ziel.
- Verschieben oder streichen Sie jeden Bildschirm, der nicht zwingend nötig ist.
- Zeigen Sie Beispielinhalte, fertige Vorlagen oder Ergebnisse in der Nähe statt leerer Seiten.
Kurz gesagt dient die erste Sitzung nicht der Produkttour. Sie soll dem Nutzer einen kleinen, aber echten Erfolg verschaffen.
Wie stark beschleunigen Abstürze und Hänger die Entscheidung zum Löschen?
Abstürze zehren zudem schneller an der Geduld als alles andere. Wirft eine App jemanden mitten in einer Aufgabe hinaus, erwartet er beim nächsten Versuch dasselbe. Vor allem ein Absturz beim Bezahlen, bei der Registrierung oder beim Absenden eines Formulars beschädigt das Vertrauen direkt.
Google Play sieht das allerdings nicht nur als Frage der Nutzererfahrung. Laut der Dokumentation zu Android vitals gibt es Schwellenwerte für schlechtes Verhalten bei der vom Nutzer wahrgenommenen Absturzrate und der ANR Rate, also bei nicht reagierenden Apps. Es gibt einen Gesamtwert und einen Wert pro Gerätemodell. Überschreitet Ihre App diese Werte, kann Play die Sichtbarkeit verringern und im Store einen Hinweis für Nutzer anzeigen. Prüfen Sie die aktuellen Schwellenwerte auf der offiziellen Seite, denn sie können sich ändern.
Apple schreibt in Abschnitt 2.1 der Richtlinien, dass Builds abgelehnt werden können, wenn sie abstürzen oder offensichtliche technische Probleme zeigen. Somit ist Stabilität eine Bedingung für die Prüfung und für die Sichtbarkeit im Store.
Richten Sie in der ersten Woche ein Werkzeug für Absturzberichte ein, beginnen Sie mit der Fehlergruppe, die die meisten Nutzer betrifft, und testen Sie auf leistungsschwachen Geräten. Messung und Grenzwerte vertiefen wir im Beitrag App Absturzrate und Store Grenzwerte.
Wie ermüden zu viele Benachrichtigungen die Nutzer?
Richtig eingesetzt sind Benachrichtigungen Ihr stärkstes Mittel, um Nutzer zurückzuholen. Tägliche allgemeine Werbenachrichten bringen Nutzer allerdings dazu, zuerst die Benachrichtigungen abzuschalten und dann die App zu löschen. Aus Sicht des Nutzers ist eine Benachrichtigung ohne Mehrwert nur Lärm in der Hosentasche.
Abschnitt 4.5.4 der Apple Richtlinien besagt, dass Pushbenachrichtigungen für die Funktion der App nicht erforderlich sein dürfen. Für Werbung oder Direktmarketing sind sie nur erlaubt, wenn Kunden über einen Zustimmungstext in der Oberfläche Ihrer App ausdrücklich eingewilligt haben. Zudem brauchen Nutzer in der App eine Möglichkeit zur Abmeldung. Daher sollten Sie Marketingnachrichten klar von Transaktionsnachrichten trennen.
Für die erste Woche empfehlen wir diese Regeln:
- Senden Sie nur Nachrichten zu etwas, das der Nutzer selbst begonnen hat, etwa Bestellstatus, Terminerinnerung oder eine offene Aufgabe.
- Bieten Sie Werbenachrichten als eigene Einstellung an und schalten Sie sie nicht standardmäßig ein.
- Verzichten Sie auf Benachrichtigungen in der Nacht.
- Messen Sie Öffnungen und Abmeldungen für jede Nachrichtenart getrennt.
So wird die Benachrichtigung zu einem Kanal, der Nutzer zurückholt, statt sie zu vertreiben.
Führen langsame Starts, App Größe und Akkuverbrauch zum Löschen?
Ja, vor allem auf Smartphones mit wenig Speicher. Wollen Nutzer Platz schaffen, schauen sie zuerst auf Apps, die viel Speicher belegen und selten genutzt werden. Eine App, die in der ersten Woche zu wenig Nutzen gestiftet hat, gehört dann oft zu den ersten Kandidaten.
Die Startzeit wirkt ebenso. Sehen Nutzer bei jedem Öffnen einen langen Ladebildschirm, nutzen sie die App seltener. Außerdem verbrauchen unnötige Hintergrundprozesse Akku und mobile Daten. Bemerken Nutzer das in den Einstellungen ihres Telefons, sinkt das Vertrauen.
Die ersten Schritte sind deshalb klar. Komprimieren Sie Bilder, entfernen Sie ungenutzte Bibliotheken, laden Sie beim Start nur die Daten für den ersten Bildschirm und holen Sie schwere Inhalte bei Bedarf im Hintergrund. Außerdem spielt die Technik eine Rolle. Planen Sie zum Beispiel beide Plattformen mit einer Codebasis, beleuchtet unser Beitrag was React Native für iOS und Android leistet die Abwägungen bei der Leistung.
Bedenken Sie: Nutzer sehen keine technischen Details. Sie spüren nur die Langsamkeit. Deshalb messen Sie die Leistung in jeder Entwicklungsphase und nicht erst nach dem Start.
Warum frustrieren umständliche Oberflächen und kleine Tippflächen?
Einzelne Fehler in der Oberfläche wirken klein, doch sie summieren sich zu Ermüdung. Schaltflächen, die mit einer Hand unerreichbar sind, eng beieinanderliegende Tippflächen, winzige Schrift und uneinheitliche Menüs erschweren jede Aufgabe ein wenig. Irgendwann wechseln Nutzer dann zu einer bequemeren App, die dasselbe kann.
Liegt die Hauptaktion zum Beispiel in einer oberen Ecke, ist sie auf großen Smartphones mit dem Daumen schwer erreichbar. Das erklären wir mit Beispielen in unserem Leitfaden zur Daumenzone im mobilen Design.
Um Löschungen durch die Oberfläche zu verringern, prüfen Sie Folgendes:
- Hat jeder Bildschirm genau eine klare Hauptaktion?
- Liegt der Weg zurück immer an derselben Stelle?
- Sagen Fehlermeldungen, was der Nutzer als Nächstes tun soll?
- Passt sich die Schrift an die Systemschriftgröße an?
Möchten Sie diese Probleme in einer bestehenden App systematisch finden, übertragen Sie die Schritte aus unserem Beitrag UX Audit durchführen auf mobile Bildschirme.
Warum Nutzer Apps löschen im Vergleich: Anzeichen, Messung, erste Maßnahme
Die Tabelle stellt die wichtigsten Gründe mit ihren Anzeichen, der Messmethode und der ersten Maßnahme nebeneinander. Sie können sie in Ihren Besprechungen zur ersten Woche als Checkliste nutzen.
| Grund | Typisches Anzeichen | Wie messen Sie es? | Erste Maßnahme |
|---|---|---|---|
| Pflichtregistrierung | Hoher Abbruch im Registrierungsformular | Events für Start und Abschluss der Registrierung | Gastzugang, kürzeres Formular |
| Zu viele Berechtigungen | Viele Ablehnungen beim ersten Start | Events für Anfrage und Ergebnis | Im Kontext fragen |
| Kein sichtbarer Nutzen | Schwache Rückkehr an Tag 1 | Anteil der Nutzer mit Nutzenmoment | Weg zum Nutzen verkürzen |
| Abstürze und Hänger | Plötzliche Einbrüche auf bestimmten Geräten | Absturzberichte, Android vitals | Größte Fehlergruppe beheben |
| Zu viele Benachrichtigungen | Abmeldungen und mehr Löschungen | Verhalten nach jeder Nachricht | Frequenz senken, Einstellungsseite |
| Langsamkeit und Größe | Abbruch beim Start | Messung der Startzeit | Ersten Bildschirm entlasten |
Jede Zeile ist eine eigene Hypothese. Also ändern Sie nicht alles auf einmal, sondern beginnen beim Schritt mit dem größten Verlust.
Checkliste für die ersten 7 Tage, Tag für Tag
Die folgende Liste hilft Ihnen, die erste Woche neuer Nutzer aus Ihrer Sicht zu planen. Die Tage sind allerdings keine starre Regel. Passen Sie den Rahmen an, je nachdem wie oft Menschen Ihr Produkt brauchen.
- Installationstag (Tag 0): Führen Sie Nutzer ohne Anmeldezwang zum Nutzenmoment und fragen Sie nur die Berechtigung an, die gerade nötig ist.
- Tag 1: Senden Sie eine persönliche Nachricht zur offenen Aufgabe und keine allgemeine Werbung.
- Am zweiten Tag: Stellen Sie eine zweite Kernfunktion vor, passend zur ersten Aktion des Nutzers.
- Tag 3: Schlagen Sie jetzt die Personalisierung vor, etwa ein Profil oder Vorlieben.
- An Tag 4 und 5: Bieten Sie eine Erinnerung oder Inhalte an, die beim Aufbau einer Gewohnheit helfen.
- Tag 6: Bitten Sie zufriedene Nutzer im passenden Moment um Rückmeldung.
- Zum Abschluss an Tag 7: Prüfen Sie die Kohortendaten, wählen Sie den Schritt mit dem größten Verlust und beheben Sie ihn im nächsten Release.
Beispielszenario: Eine Fitnessstudio App zeigt an Tag 0 den Kursplan ohne Anmeldung. Ein Konto verlangt sie dann erst bei der Kursbuchung und schickt an Tag 1 eine Buchungserinnerung. So folgen Registrierung und Benachrichtigung dem Wunsch des Nutzers.
Welche Events sollten Sie messen, um Löschungen zu verstehen?
Um Löschungen zu verringern, müssen Sie zuerst sehen, wo sie beginnen. Die Google Analytics Hilfe erklärt, wie die Kohortenanalyse funktioniert. In der App liefern die automatisch erfassten Events einen guten Start. Das Event first_open zum Beispiel erfasst den ersten Start nach einer Installation oder Neuinstallation.
Laut der Liste automatisch erfasster Events von Google löst app_remove aus, wenn ein App Paket von einem Android Gerät entfernt wird, und es funktioniert nur unter Android. Unter iOS lesen Sie Löschungen also indirekt, über Nutzer, die nicht zurückkehren. Das Event user_engagement misst zudem die Interaktion, solange die App im Vordergrund ist.
Ergänzen Sie dann eigene Events:
- Registrierung gestartet und Registrierung abgeschlossen.
- Jede Berechtigungsanfrage und die Antwort des Nutzers.
- Der erste Nutzenmoment, etwa erste Bestellung, erste Buchung oder erster gespeicherter Eintrag.
- Geöffnete Benachrichtigungen und Abmeldungen davon.
Benennung und Einrichtung beschreiben wir ausführlich im Beitrag welche Events Sie in der App messen sollten. Hier konzentrieren wir uns nur auf die Events rund um Löschungen.
Wie lesen Sie die Nutzerbindung mit einer Kohortenanalyse?
Konkret ist eine Kohorte eine Gruppe von Nutzern, die die App im selben Zeitraum zum ersten Mal geöffnet haben. Laut Google Analytics Hilfe wählen Sie in der Kohortenanalyse ein Aufnahmekriterium wie den ersten Besuch, ein Rückkehrkriterium und eine tägliche, wöchentliche oder monatliche Granularität. Eine Woche läuft dabei von Sonntag bis Samstag und nicht über rollierende 7 Tage.
Die Hilfe beschreibt drei Berechnungsarten. Standard zählt in jeder Zelle nur Nutzer, die genau in diesem Zeitraum zurückgekehrt sind. Bei der rollierenden Berechnung müssen Nutzer in diesem und in allen früheren Zeiträumen zurückgekehrt sein. Kumulativ summiert sich der Wert über die Zeiträume. Folglich sollten Sie beim Vergleich zweier Berichte immer dieselbe Berechnungsart wählen.
Beim Lesen der Kohortentabelle suchen Sie Antworten auf diese Fragen:
- Halten Kohorten nach einem neuen Release besser als frühere?
- Gibt es Unterschiede zwischen bezahlten und organischen Kohorten?
- An welchem Tag fällt die Kurve am stärksten?
Ein starker Einbruch an Tag 1 deutet zum Beispiel meist auf den ersten Start hin. Ein Rückgang zwischen Tag 3 und Tag 7 zeigt dagegen oft, dass keine Gewohnheit entstanden ist.
Können Sie Nutzer zurückgewinnen, die die App gelöscht haben?
Ja, allerdings ist es schwer und teuer. Denn nach dem Löschen ist der Pushkanal geschlossen. Es bleiben nur Kanäle, denen der Nutzer früher zugestimmt hat, etwa E-Mail, sowie Retargeting Anzeigen. Deshalb ersetzt ein Plan zur Rückgewinnung nie den Plan, Löschungen von vornherein zu verhindern.
Für die Rückgewinnung empfehlen wir diesen Weg. Untersuchen Sie zunächst das letzte Verhalten vor der Löschung: Wo blieb der Nutzer hängen? Danach kündigen Sie das Release an, das genau dieses Problem behebt, und zwar nur Nutzern mit Einwilligung und mit einer konkreten Botschaft. Konkret wirkt eine allgemeine Nachricht wie „Wir vermissen Sie“ selten. Eine klare Änderung wie „Buchen geht jetzt in zwei Schritten“ überzeugt eher.
Zudem sollte der Link, der Nutzer zurückholt, direkt den passenden Bildschirm öffnen. Landet jemand nach einer Anzeige auf der Startseite, erlebt er dieselbe Enttäuschung erneut. Planen Sie außerdem frühzeitig, wie Sie ein App Update erzwingen können, damit auch Nutzer alter Versionen kritische Korrekturen erhalten.
Beeinflusst der Zeitpunkt der Bewertungsanfrage die Löschungen?
Sie ist kein direkter Grund, doch eine Bewertungsanfrage zur falschen Zeit verdirbt die erste Woche. Sehen Nutzer einen Bewertungsdialog, bevor sie die App kennen, empfinden sie ihn als Druck. Zudem kann die Bitte an unzufriedene Nutzer den Durchschnitt im Store senken.
Besser verknüpfen Sie die Anfrage mit einem Moment, in dem der Nutzer gerade etwas erfolgreich abgeschlossen hat. Eine Anfrage nach einer gelieferten Bestellung oder einem reibungslosen Termin wirkt zum Beispiel natürlicher und führt zu einer faireren Bewertung.
Zudem haben beide Stores eigene Regeln und Systemdialoge für Bewertungsanfragen. Regeln und passendes Timing behandeln wir im Beitrag App Bewertungen richtig anfragen. Für dieses Thema zählt vor allem eines: Die Bewertungsanfrage darf nie vor dem ersten Nutzenmoment kommen.
Kurz gesagt sollten Sie Nutzern in der ersten Woche erst etwas geben, bevor Sie etwas verlangen. Diese Reihenfolge schützt die Nutzerbindung und Ihre Bewertung im Store.
Wie verhindern Sie Löschungen schon während der App Entwicklung?
Die meisten Gründe für Löschungen entstehen in Planung und Entwicklung, nicht nach dem Start. Welcher Bildschirm zuerst erscheint, wann jede Berechtigung kommt und welche Events Sie messen, entscheiden Sie am besten, bevor jemand Code schreibt. Spätere Änderungen kosten also Zeit und Budget.
Mit unserer App Entwicklung entwickeln wir Ihre App und bringen sie für Sie in die Stores. Dabei behandeln wir den Ablauf der ersten Woche, das Timing der Berechtigungen und den Messplan von Anfang an als Teil des Projekts. Folglich erhalten Sie zum Start nicht nur eine funktionierende App, sondern eine erste Woche, die Sie messen können.
Während der Entwicklung empfehlen wir diese Prüfungen:
- Halten Sie in der Konzeptphase fest, wie viele Bildschirme zwischen Installation und erstem Nutzenmoment liegen.
- Legen Sie fest, auf welchem Bildschirm und mit welcher Erklärung Sie jede Berechtigung anfragen.
- Testen Sie vor dem Release auf verschiedenen Bildschirmgrößen und auf leistungsschwachen Geräten.
- Prüfen Sie den Messplan vor dem Start in einer Testumgebung.
Wenn Sie das Budget interessiert, hilft Ihnen unser Beitrag was die Kosten der App Entwicklung bestimmt bei der Entscheidung.
Hängt es von der Branche ab, warum Nutzer Apps löschen?
Die Grundmuster, warum Nutzer Apps löschen, sind überall ähnlich, doch ihr Gewicht verschiebt sich. In einer Shoppingapp stört Reibung an der Kasse und bei der Lieferung am meisten. In einer Buchungsapp entsteht der größte Verlust, wenn kein freier Termin zu finden ist oder keine Bestätigung kommt.
Beispielszenario: Eine Restaurantkette startet eine Bestellapp. Das Menü lädt schnell, aber die Lieferadresse ist bei jeder Bestellung neu einzugeben. Nach zwei Bestellungen kehrt der Nutzer zur Website zurück und löscht die App. Das Problem liegt hier nicht im Design, sondern in einem kleinen Schritt, der sich wiederholt.
Stellen Sie deshalb für Ihre Branche diese Fragen:
- Wie oft pro Woche sollten Menschen die App öffnen?
- Welcher mühsame Schritt wiederholt sich bei jeder Nutzung?
- Erledigt die Website oder ein Messenger dieselbe Aufgabe einfacher?
Die letzte Frage ist dabei besonders wichtig, denn sie zeigt den Wettbewerb. Ist die App nicht schneller oder persönlicher als die Alternativen, lohnt sie den Speicherplatz nicht. Anders gesagt konkurriert die Nutzerbindung ebenso mit dem Browser wie mit anderen Apps. Daher sollte ein Vorteil, den es nur in der App gibt, etwa eine gespeicherte Adresse, eine Nachbestellung mit einem Tippen oder eine persönliche Erinnerung, schon in der ersten Woche sichtbar sein.
Welche Fehler schaden der Bindung in der ersten Woche am meisten?
Die häufigsten Fehler sind gut gemeinte Entscheidungen, die Nutzer ermüden. Teams möchten zum Beispiel oft jede Funktion am ersten Tag zeigen. Am ersten Tag wollen Nutzer jedoch nur eine Aufgabe lösen. Diese Lücke zeigt sich dann deutlich in der Kurve der ersten Woche.
Diese Fehler begegnen uns am häufigsten:
- Fünf oder sechs Einführungsfolien ohne Möglichkeit zum Überspringen.
- Nutzer nach der Registrierung auf einer leeren Startseite allein lassen.
- Am ersten Tag mehr als eine Marketingnachricht senden.
- Nur die Gesamtzahl der Downloads beobachten und Kohortendaten ignorieren.
- Absturzberichte nur in der Startwoche prüfen und danach vergessen.
Gemeinsam ist diesen Fehlern, dass Entscheidungen auf Annahmen statt auf Nutzerdaten beruhen. Deshalb wählen Sie pro Release eine Hypothese, messen sie und übertragen das Ergebnis ins nächste Release. Außerdem lohnt ein regelmäßiger Blick auf die offiziellen Richtlinienseiten der Stores, denn die Regeln können sich ändern.
Fazit: Wo fangen Sie an, wenn Sie wissen, warum Nutzer Apps löschen?
Sobald Sie verstehen, warum Nutzer Apps löschen, richten Sie zuerst die Messung ein und beheben dann den Schritt mit dem größten Verlust. In den meisten Apps liegt der erste Ansatzpunkt bei der Registrierung, beim Timing der Berechtigungen oder beim ersten Nutzenmoment. Abstürze und Benachrichtigungen beobachten Sie außerdem parallel.
Eine kurze Startreihenfolge könnte so aussehen:
- Richten Sie Events für first_open, Registrierung, Berechtigungen und den ersten Nutzenmoment ein.
- Beobachten Sie die Werte für Tag 1 und Tag 7 in einer wöchentlichen Kohortentabelle.
- Wählen Sie den Schritt mit dem stärksten Abfall und testen Sie jeweils nur eine Änderung.
- Bestätigen Sie die Wirkung der Änderung in neuen Kohorten.
Planen Sie eine neue App oder möchten Sie die erste Woche Ihrer bestehenden App neu aufbauen, können Sie über unsere Seite zur App Entwicklung ein Angebot für Ihr Projekt anfordern. Unser Team klärt dann mit Ihnen Umfang, Plattformen und Veröffentlichung.



