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Influencer Kennzahlen: 7 Werte, die Sie vor der Auswahl prüfen

Talha Aslan 19 Minuten Lesezeit 2 Aufrufe

Welche 7 Influencer Kennzahlen sollten Sie bei der Auswahl prüfen?

Influencer Kennzahlen sind die messbaren Signale, die Sie vor der Zusammenarbeit mit einem Creator vergleichen: Engagement Rate, Reichweite und Aufrufe, Zielgruppe und Standort, Followerqualität, Konsistenz und Markenfit, tiefes Engagement wie Speichern und Teilen sowie die Leistung früherer Werbebeiträge. Kurz gesagt entscheidet die Followerzahl allein nie.

Ein Influencer, also eine Person mit Reichweite in sozialen Netzwerken, die regelmäßig Inhalte veröffentlicht, kann auf den ersten Blick beeindruckend wirken. Allerdings ist ein schönes Profil noch kein gutes Ergebnis. Die Followerzahl zeigt die Größe der Menge, aber nicht, ob diese Menge reagiert.

Deshalb schaut unser Team zuerst auf die Daten und dann auf das Bauchgefühl. Das Bauchgefühl hilft Ihnen zum Beispiel, den Fit zur Marke einzuschätzen. Die Daten dagegen machen Budgetentscheidungen nachvollziehbar, denn jeder Kandidat beantwortet dieselben sieben Fragen.

Deshalb gehen wir in diesem Leitfaden alle Influencer Kennzahlen nacheinander durch. Zu jeder der Influencer Kennzahlen erklären wir, was sie misst, wo Sie sie ablesen und welche Fehlinterpretation Sie vermeiden sollten. Feste Schwellenwerte nennen wir nicht, weil der passende Wert von Branche, Plattform und Ziel abhängt.

Wie unterscheiden sich die 7 Influencer Kennzahlen im Überblick?

Die folgende Tabelle fasst jede Kennzahl, die dazugehörige Frage und die Quelle zusammen. Zunächst lesen Sie die Übersicht, danach erklären wir jede Zeile im Detail. Verwenden Sie also niemals eine einzelne Kennzahl als alleiniges Kriterium, sondern lesen Sie alle gemeinsam.

KennzahlBeantwortete FrageWo Sie sie ablesen
Engagement RateReagiert die Zielgruppe auf die Inhalte?Beitragszahlen plus Follower oder Reichweite
Reichweite und AufrufeWie viele Menschen erreicht ein Beitrag wirklich?Das Analysefenster des Accounts selbst
Zielgruppe und StandortIst das Ihre Zielgruppe?Alter, Geschlecht, Land und Stadt
FollowerqualitätSind die Follower echt und interessiert?Kommentare, Wachstumskurve, Reichweitenlücke
Konsistenz und MarkenfitPassen Ton und Themen zu Ihrer Marke?Aktuelle Beiträge und frühere Kooperationen
Speichern und TeilenSchafft der Inhalt echten Nutzen?Zahlen zum Speichern und Teilen pro Beitrag
Leistung früherer WerbebeiträgeFunktioniert der Creator auch bei bezahlten Inhalten?Frühere Kooperationsbeiträge und Berichte

Allerdings ist die Reihenfolge in der Tabelle keine Rangliste. Ihr Kampagnenziel bestimmt, welche Kennzahl am meisten Gewicht bekommt, und das zeigen wir weiter unten in einer eigenen Tabelle.

Wie berechnen Sie die Engagement Rate?

Die Engagement Rate ist die Zahl der Menschen, die auf einen Beitrag reagiert haben, geteilt durch die Zahl der Menschen, die ihn hätten sehen können. Die allgemeine Formel lautet: Engagement Rate = (Likes + Kommentare + Speicherungen + Shares) / Follower x 100.

Stattdessen können Sie auch die Reichweite als Nenner verwenden. Die reichweitenbasierte Rate misst die Reaktionen an den Menschen, die den Beitrag tatsächlich gesehen haben, und liefert deshalb oft ein faireres Bild. Bei Videos teilen manche Analysten stattdessen durch die Aufrufe.

Beispielrechnung: Ein Beitrag erhält 400 Likes, 30 Kommentare, 20 Speicherungen und 10 Shares, der Account hat 10.000 Follower. Die Gesamtinteraktion beträgt 460, die followerbasierte Rate also 4,6 Prozent. Erreichte derselbe Beitrag 5.000 Menschen, liegt die reichweitenbasierte Rate bei 9,2 Prozent.

Allerdings sind diese Zahlen frei erfunden, um die Formel zu zeigen, und sie sind kein Richtwert. Wichtig ist vor allem, dass Sie jeden Kandidaten gleich berechnen. Wenn Sie nicht rechnen möchten, nutzen Sie unseren Instagram Engagement Rechner.

Welche Fehler verzerren die Engagement Rate beim Vergleich?

Erstens ist der größte Fehler, nach einem einzelnen Beitrag zu urteilen. Zum Beispiel kann ein Beitrag zufällig gut laufen, ein anderer kann schwach bleiben. Schauen Sie deshalb auf den Durchschnitt und die Streuung der letzten Beiträge, und notieren Sie Ausreißer gesondert.

Zweitens ist das Mischen von Formeln ein Fehler. Wenn Sie eine followerbasierte Rate neben eine reichweitenbasierte legen, ziehen Sie falsche Schlüsse. Berechnen Sie daher jeden Kandidaten mit demselben Nenner und derselben Beitragsart, etwa Reels, Fotos oder Stories.

  • Bedenken Sie, dass sich Raten mit dem Wachstum ändern; ein hoher Wert ist bei einem kleinen Account leichter zu erreichen als bei einem großen.
  • Lesen Sie die Qualität der Kommentare, nicht nur die Anzahl, denn Antworten aus nur einem Wort oder reine Emojis sind ein schwaches Signal.
  • Lassen Sie Gewinnspiele außen vor, weil sie die normale Reaktion aufblähen.
  • Suchen Sie keinen magischen Schwellenwert; eine gute Rate hängt von Plattform, Branche und Inhaltstyp ab.

Kurz gesagt ist die Engagement Rate ein erster Filter und kein Urteil. Wirkt ein Wert niedrig, lehnen Sie den Kandidaten dennoch nicht sofort ab. Prüfen Sie zunächst Reichweite und Zielgruppe, denn die Ursache kann in der Verbreitung des Inhalts liegen.

Warum sind Reichweite und Aufrufe bei Influencer Kennzahlen so wichtig?

Die Reichweite ist die Zahl der verschiedenen Menschen, die einen Inhalt mindestens einmal gesehen haben. Aufrufe können dagegen wiederholte Wiedergaben derselben Person mitzählen. Das Glossar zu Reichweite und Häufigkeit in der Meta Business Hilfe trennt die Reichweite, also die Menschen, die etwas mindestens einmal gesehen haben, von den Impressionen, die mehrere Einblendungen bei derselben Person enthalten können.

Dieser Unterschied zählt bei der Auswahl, denn er bestimmt, wofür Sie bezahlen. Zum Beispiel erreicht ein Account mit sehr vielen Followern mit einem Beitrag unter Umständen nur einen kleinen Teil davon. Trotzdem orientiert sich das Honorar oft an der Followerzahl.

Fragen Sie deshalb jeden Kandidaten nach der durchschnittlichen Reichweite und den Aufrufen der letzten Beiträge. Danach vergleichen Sie diese mit der Followerzahl. Das Verhältnis zeigt, wie viel der Zielgruppe die Inhalte wirklich sieht. Plattformen benennen Kennzahlen gelegentlich um, also lesen Sie die Definition im jeweiligen Dashboard.

Auf Videoplattformen schwanken Aufrufe von Beitrag zu Beitrag stark. Schauen Sie daher auf die Streuung über mehrere aktuelle Videos und nicht auf einen Treffer. Somit ist ein Account mit stabilen Werten sicherer als einer mit einem einzelnen Ausreißer.

Warum unterscheiden sich Kennzahlen und Dashboards je nach Plattform?

Erstens hat jede Plattform ein eigenes Analysefenster und eigene Kennzahlnamen. Das heißt, dasselbe Wort kann an zwei Orten Verschiedenes messen. Zum Beispiel zählt eine Plattform jede Wiedergabe als Aufruf, während eine andere erst ab einem bestimmten Punkt zählt. Lesen Sie die Daten also immer nach der Definition der jeweiligen Plattform.

Daher halten Sie beim Vergleich Kandidaten derselben Plattform zusammen. Müssen Sie zwei Plattformen in eine Tabelle legen, wählen Sie einen gemeinsamen Nenner und schreiben ihn auf. So können Sie das Ergebnis später erklären.

Zudem verändert auch das Format die Zahlen. Kurzvideos, Fotos und Stories werden unterschiedlich genutzt, daher unterscheiden sich auch die Erwartungen an Reichweite und Interaktion. Trennen Sie die letzten Beiträge nach Format, um zu sehen, wo ein Kandidat am stärksten ist.

Plattformregeln und Dashboards ändern sich zudem im Lauf der Zeit. Wenn Sie nicht sicher sind, wo eine Kennzahl steht, lesen Sie die offizielle Hilfe der Plattform oder bitten Sie den Creator, den Bildschirm zu teilen. Konkret hält das Verständnis der Messgröße länger als das Auswendiglernen eines Menüpfads.

Passen Zielgruppe und Standort zu Ihrem Markt?

Zur Zielgruppe gehören Altersspanne, Geschlechterverteilung, Land und Stadt der Follower. Auf Instagram sehen professionelle Konten diese Daten in ihrer eigenen Analyse, und die Meta Seite Über Instagram Insights beschreibt diese Werkzeuge.

In der Praxis entscheiden diese Daten oft über die Auswahl. Zum Beispiel liefert Ihr Shop nur in ein Land, aber die meisten Follower leben im Ausland; dann bringt eine große Followerzahl keine Verkäufe. Bei der Sprache gilt dasselbe, denn ein Creator, der in einer Sprache postet, kann eine Zielgruppe haben, die eine andere spricht.

Bitten Sie den Kandidaten um einen aktuellen Screenshot der Analyse oder um eine Bildschirmfreigabe. Außerdem sollte das Datum sichtbar und der Zeitraum aktuell sein. Zudem ist ein Blick in Echtzeit vertrauenswürdiger als ein polierter Bericht.

Zunächst schreiben Sie Ihre Zielgruppe auf. Welche Altersgruppe, welche Städte, welche Sprache passen zu Ihnen? Vergleichen Sie danach jeden Kandidaten mit dieser Definition. Anders gesagt gibt es ohne Definition nichts zu vergleichen, und die Entscheidung wird zur Bauchsache.

Wie lesen Sie Followerqualität und Fake Follower Signale?

Followerqualität beschreibt, ob die Follower echt, aktiv und an den Inhalten interessiert sind. Gefälschte oder gekaufte Follower kosten Budget und beschädigen daher die Glaubwürdigkeit eines Accounts. In diesem Abschnitt behandeln wir nur Risikosignale und den sicheren Umgang; wir erklären nicht, wie man falsche Konten erstellt oder Follower kauft.

  • Die Followerzahl kann über Nacht und ohne Bezug zu einem Inhalt sprunghaft steigen.
  • Kommentare können kopiert, sehr allgemein oder themenfremd wirken.
  • Die Reichweite kann im Vergleich zur Followerzahl auffallend niedrig liegen.
  • Die Herkunft der Follower kann nicht zur Sprache der Inhalte passen.
  • Es kann viele Likes geben, aber kaum Kommentare, Speicherungen oder Shares.

Allerdings ist ein einzelnes Signal kein Beweis. Treten jedoch mehrere gemeinsam auf, bitten Sie den Creator um eine Erklärung und prüfen Alternativen. Eine ausführlichere Checkliste finden Sie im Abschnitt zu Fake Followern in unserem Leitfaden zur Micro Influencer Kampagne; wir wiederholen sie hier nicht.

Sehen Sie echtes Risiko, ist daher der sicherste Weg, den Kandidaten zu streichen und eine kleinere, aber echte Zielgruppe zu wählen. Denn eine kleine, engagierte Zielgruppe schafft mehr Wert als eine aufgeblähte große.

Wie beurteilen Sie Konsistenz und Markenfit?

Konsistenz bedeutet, dass der Account über längere Zeit Thema, Ton und Qualität hält. Markenfit bedeutet, dass dieser Stil nah an Ihren Werten, Ihrem Produkt und Ihrer Zielgruppe liegt. Deshalb entscheiden beide zusammen, ob die Zielgruppe einen Werbebeitrag als natürlich empfindet.

Zunächst reihen Sie die letzten Beiträge des Kandidaten auf und stellen Sie Fragen. Folgen die Themen einem roten Faden? Bleibt die Stimme stabil? Sind Bildqualität und Rhythmus verlässlich? Ein zerfahrener Account hat meist eine zerfahrene Zielgruppe, und deshalb sind die Ergebnisse schwer vorherzusagen.

Beurteilen Sie den Markenfit nicht nur nach der Produktkategorie. Hat der Kandidat früher etwas gepostet, das Ihren Werten widerspricht, und wie hat die Zielgruppe reagiert? Somit verhindert diese Prüfung vor der Kampagne Situationen, die ein Krisenmanagement nötig machen.

Beispielszenario: Eine Marke für Wohnaccessoires sucht eine ruhige, minimalistische Tonalität. Verkauft ein Kandidat zum Beispiel in jedem Beitrag laut, passt er trotz großer Reichweite schlecht. In diesem Fall liefert ein ruhigerer, kleinerer Account möglicherweise das bessere Ergebnis.

Schließlich lohnt der Blick darauf, wie der Creator Kommentare beantwortet. Ein Account, der mit seiner Zielgruppe spricht, wirkt glaubwürdiger, wenn er Ihr Produkt empfiehlt, denn die Beziehung läuft in beide Richtungen.

Warum zählt tiefes Engagement wie Speichern und Teilen?

Tiefes Engagement umfasst Reaktionen mit mehr Absicht als ein Like: Speichern, Teilen, Diskussion in den Kommentaren und Direktnachrichten. Erstens ist ein Like schnell und leicht vergeben. Eine Speicherung oder ein Share deutet dagegen darauf hin, dass der Inhalt nützlich oder empfehlenswert erschien.

Das ist unsere Einschätzung und keine Aussage darüber, wie eine Plattform Inhalte sortiert. Der Unterschied im Marketing ist trotzdem klar. Wer zum Beispiel einen Produktbeitrag speichert, kommt eventuell später zurück, und wer einen Beitrag an einen Freund schickt, spricht eine kleine Empfehlung aus.

Dann bitten Sie den Kandidaten um Zahlen zum Speichern und Teilen pro Beitrag. Setzen Sie diese dann ins Verhältnis zum gesamten Engagement. Ein Account mit vielen Likes, aber sehr wenigen Speicherungen und Shares, produziert womöglich Inhalte, die hübsch aussehen, ohne Nutzen zu stiften.

  • Ratgeber und Anleitungen werden häufig gespeichert.
  • Lustige oder emotionale Beiträge werden häufig geteilt.
  • Geht es um Bekanntheit, zählen Shares oft mehr; geht es um Verkauf, können Speicherungen und Direktnachrichten wertvoller sein.

Allerdings sieht in der Regel nur der Kontoinhaber diese Zahlen. Deshalb ist es normal und professionell, den Creator um einen Nachweis zu bitten.

Wie prüfen Sie die Leistung früherer Werbebeiträge?

Die Leistung früherer Werbebeiträge zeigt, wie die Zielgruppe frühere Markenkooperationen des Creators aufgenommen hat. Starke organische Inhalte garantieren keine starken bezahlten Inhalte, denn Zielgruppen reagieren anders, sobald sie Werbung spüren.

Suchen Sie also die letzten Werbebeiträge des Kandidaten heraus. Vergleichen Sie Reichweite, Kommentare und Speicherungen bei Beiträgen mit Werbekennzeichnung mit organischen Beiträgen. Lesen Sie den Ton der Kommentare: Zeigen Menschen Interesse, oder zeigen sie Werbemüdigkeit?

Prüfen Sie außerdem, ob der Kandidat in kurzer Folge viele ähnliche Produkte bewirbt. Empfiehlt ein Creator zu viele gleichartige Dinge hintereinander, stellt die Zielgruppe den Wert jeder Empfehlung infrage. Überlegen Sie zudem, ob Sie Exklusivität brauchen, das heißt, ob der Creator für einen Zeitraum nicht mit Wettbewerbern arbeitet.

Fragen Sie nach Referenzen früherer Kooperationen und, soweit möglich, nach Exporten aus dem Dashboard. Allerdings kann Vertraulichkeit mancher Marken einzelne Daten blockieren. Dann stützen Sie sich auf sichtbare Daten und eine kleine Testkooperation.

Wie fassen Sie die sieben Influencer Kennzahlen in einem Bewertungsbogen zusammen?

Am einfachsten füllen Sie für jeden Kandidaten denselben Bewertungsbogen aus. Vergeben Sie für jede Kennzahl einen Wert von eins bis fünf und legen Sie Gewichte nach Ihrem Kampagnenziel fest. Somit beruht die Entscheidung auf einem schriftlichen Maßstab und nicht auf persönlichem Geschmack.

  1. Zunächst schreiben Sie Kampagnenziel und Zielgruppe in einem Satz auf.
  2. Dann sammeln Sie die sieben Influencer Kennzahlen für jeden Kandidaten im selben Zeitraum.
  3. Berechnen Sie jede der Influencer Kennzahlen mit derselben Formel und demselben Inhaltstyp.
  4. Geben Sie zwei oder drei Kennzahlen je nach Ziel ein höheres Gewicht.
  5. Addieren Sie die Werte, aber behandeln Sie einen sehr niedrigen Wert, etwa bei der Followerqualität, als Ausschlusskriterium.
  6. Treffen Sie unter den verbleibenden Kandidaten die Endauswahl nach Markenfit und Kommunikation.

Allerdings garantiert diese Methode kein perfektes Ergebnis. Dennoch liefert sie einen konsistenten Ablauf, und ein konsistenter Ablauf macht es leichter, bei Problemen die Ursache zu finden. Vergleichen Sie nach jeder Kampagne die Werte mit dem realen Ergebnis und passen Sie den Bogen an.

Wie sehen die sieben Kennzahlen in einem Beispielszenario aus?

Beispielszenario: Eine Marke für Wohnaccessoires bewertet drei Kandidaten für eine neue Kollektion. Außerdem gehören die folgenden Werte zu keinem echten Account. Wir haben sie nur qualitativ (hoch, mittel, niedrig) angegeben, um die Bewertungslogik zu zeigen.

KennzahlKandidat AKandidat BKandidat C
Engagement RateMittelHochMittel
Reichweite und AufrufeHochMittelMittel
Zielgruppe und StandortNiedrigHochHoch
FollowerqualitätMittelHochNiedrig
Konsistenz und MarkenfitMittelHochMittel
Speichern und TeilenMittelHochNiedrig
Frühere WerbebeiträgeHochMittelMittel

Kandidat A hat starke Reichweite, doch die Zielgruppe sitzt außerhalb der Zielregion, deshalb sollte A nicht auf Platz eins stehen. Bei Kandidat C ist die Followerqualität niedrig, und das ist ein Ausschlussgrund, selbst wenn andere Zeilen gut aussehen. Schließlich ist Kandidat B in den meisten Zeilen stark.

Allerdings ist die Reichweite von B nur mittel, daher könnten Sie bei einem Bekanntheitsziel einen zweiten Account ergänzen. Anders gesagt: Die Antwort kann eine Kombination sein, die zum Ziel passt, und nicht ein einzelner Name. Dann bestätigen Sie das Ergebnis immer mit einer kurzen Testkooperation.

Wie erstellen Sie eine Shortlist von Creatoren?

Eine Shortlist enthält die wenigen Kandidaten, die eine vollständige Prüfung verdienen. Beginnen Sie mit einem Briefing, also einer kurzen Kampagnenbeschreibung mit Ziel, Zielgruppe, Inhaltstyp und Zeitplan. Das Briefing beschleunigt die erste Auswahl, weil Sie ungeeignete Accounts gleich am Anfang aussortieren.

Kandidaten finden Sie bei Accounts, die Ihrer Marke bereits folgen, bei Kunden, die von sich aus über Ihr Produkt posten, und bei Creatoren, die unter Ihren Themen und Hashtags aktiv sind. Bewerten Sie jeden danach mit den sieben Kennzahlen. So bleibt die Liste breit und trotzdem kontrolliert.

Machen Sie die Liste daher nicht länger, als Sie verwalten können. Erstens verlangsamt eine sehr lange Liste Datensammlung und Kommunikation. Eine sehr kurze Liste dagegen verengt Ihre Optionen und schwächt Ihre Verhandlungsposition. Bleiben Sie bei einer Zahl, die zu Ihrer Kapazität passt.

Führen Sie pro Kandidat eine Zeile: Link zum Account, Datum der Datenerhebung, sieben Werte und eine kurze Notiz. Somit hilft Ihnen eine konsistente Dokumentation, sich Monate später zu erinnern, warum Sie einen Namen gewählt haben.

Welche Kennzahl steht bei welchem Kampagnenziel im Vordergrund?

In der Praxis gewichtet nicht jedes Ziel dieselbe Kennzahl gleich. Bei einer Bekanntheitskampagne stehen Reichweite und Zielgruppenprofil vorn. Bei einer Verkaufskampagne zählen dagegen Followerqualität, Speicherungen und frühere Werbebeiträge mehr.

KampagnenzielFührende KennzahlenZusätzliche Beachtung
BekanntheitReichweite, Aufrufe, Zielgruppe und StandortDie Zielgruppe muss zur Zielregion passen.
Interaktion und CommunityEngagement Rate, Shares, KommentarqualitätPrüfen Sie, ob Kommentare echt sind.
Website TrafficReichweite, Speicherungen, frühere WerbebeiträgeMessen Sie mit einem eigenen Tracking Link.
VerkaufFollowerqualität, Speicherungen, frühere WerbebeiträgeStarten Sie zuerst mit einem kleinen Test.
MarkenimageKonsistenz, MarkenfitSuchen Sie Wertekonflikte in alten Beiträgen.

Allerdings ist die Tabelle zu den Influencer Kennzahlen ein Rahmen und keine Regel. Schreiben Sie zuerst Ihr eigenes Ziel auf und passen Sie danach die Gewichte an. Zur Strategie lesen Sie unseren Leitfaden zur Influencer Marketing Strategie.

Wie unterscheiden sich Influencer Kennzahlen bei kleinen und großen Accounts?

Zunächst verändert die Größe eines Accounts die Bedeutung der Influencer Kennzahlen. Bei kleinen Accounts wirkt die Engagement Rate oft höher, weil die Community enger und vertrauter ist. Bei großen Accounts treten dagegen Reichweite und Vielfalt der Zielgruppe in den Vordergrund, daher braucht dieselbe Rate eine andere Lesart.

Deshalb ist es unfair, einen kleinen Account direkt mit einem großen zu bewerten. Halten Sie die Gruppen stattdessen getrennt und vergleichen Sie innerhalb jeder Größenstufe. Über Stufen hinweg bieten Reichweite und Followerqualität die verlässlichere gemeinsame Grundlage.

Die Stärke kleiner Accounts ist zum Beispiel die enge Bindung zu den Followern. Ihre Schwäche ist die begrenzte Größe und die Produktionskapazität einer einzelnen Person. Alle Details zur Arbeit mit kleinen Creatoren finden Sie in unserem Leitfaden zur Micro Influencer Kampagne.

In der Praxis ist eine gemischte Liste üblich: Wenige große Accounts bringen Reichweite, viele kleine bringen Vertrauen und Conversion. Welche Mischung zu Ihnen passt, lernen Sie also durch einen kleinen Test.

Welche Daten sollten Sie vor der Auswahl vom Creator anfordern?

Die Liste der angeforderten Daten sollte vorher feststehen. Sonst arbeitet jedes Gespräch mit anderen Zahlen, und ein Vergleich ist nicht möglich. Die folgende Liste ist für die meisten Kampagnen ein vernünftiger Ausgangspunkt.

  • Reichweite, Aufrufe, Likes, Kommentare, Speicherungen und Shares der letzten Beiträge.
  • Eine aktuelle Analyseansicht mit Alter, Geschlecht, Land und Stadt der Follower.
  • Ein Diagramm zum Followerwachstum samt Erklärung für plötzliche Sprünge.
  • Beispiele früherer Markenkooperationen und, soweit erlaubt, deren Ergebnisse.
  • Veröffentlichungsrhythmus, Inhaltsformate und genutzte Plattformen.
  • Leistungsumfang: wie viele Beiträge, welches Format, Nutzungsrechte und Laufzeit.

Fordern Sie daher von allen denselben Zeitraum an. Teilt zum Beispiel ein Creator den letzten Monat und ein anderer das letzte Jahr, bricht der Vergleich zusammen. Stellen Sie die Anfrage schriftlich, denn eine schriftliche Anfrage ist eindeutig und dient später als Beleg.

Zur Vergütung nennen wir keine Zahlen, stattdessen erklären wir die Posten. Ein Honorar setzt sich meist aus Anzahl der Beiträge, Format, Nutzungsrechten, Exklusivität und Laufzeit zusammen. In einem schriftlichen Angebot sollten Sie die Begründung für jeden Posten sehen.

Warum gehört eine Testkooperation vor ein großes Budget?

Eine Testkooperation ist ein kleines erstes Projekt mit dem gewählten Creator. Egal wie gut die Daten aussehen: Erst ein echter Beitrag zeigt, wie die Zielgruppe auf Ihr Produkt reagiert. Deshalb ist ein kleiner Test sinnvoll, bevor Sie ein großes Budget binden.

Richten Sie den Test daher messbar ein. Vergeben Sie einen eigenen Tracking Link, notieren Sie die Zielkennzahl vorab und vergleichen Sie das Ergebnis mit den Werten Ihres Bewertungsbogens. Dann sehen Sie die Lücke zwischen Prognose und Ergebnis.

Läuft der Test gut, erweitern Sie danach den Umfang. Läuft er schlecht, klären Sie die Ursache: War die Zielgruppe falsch, passte der Inhalt nicht, oder war die Darstellung schwach? Somit bleibt Ihr Verlust in jedem Fall klein, und Ihr Lerngewinn ist groß.

Beobachten Sie während des Tests zudem Kommunikation und Professionalität. Pünktliche Lieferung, Treue zum Briefing und Offenheit für Feedback zählen in einer langen Zusammenarbeit so viel wie Zahlen. Sie stehen nicht in der Tabelle, aber sie prägen das Ergebnis.

Wie messen Sie die Ergebnisse nach der Auswahl eines Creators?

Haben Sie gut gewählt, sehen Sie es also am Ende der Kampagne in den Daten. Planen Sie die Messung vor dem Start, denn wenn Sie nicht jedem Creator einen eigenen Tracking Link gegeben haben, lässt sich später nicht trennen, wer was gebracht hat.

Am einfachsten ist daher ein eigener UTM Link für jeden Creator. Unser UTM Generator erstellt diese Links schnell, und die Logik erklären wir in unserem Beitrag zu UTM Parametern.

Haben Sie ein Verkaufsziel, deuten Sie den Ertrag mit dem ROAS Rechner. Den größeren Rahmen finden Sie im Leitfaden zum Influencer Marketing ROI. Die Logik der Kosten pro Interaktion steht in unserem Beitrag zur CPE Berechnung.

Vergleichen Sie am Ende der Kampagne Ihren Bewertungsbogen mit den realen Ergebnissen. Welche Kennzahl hat das Resultat gut vorhergesagt, und welche hat Sie in die Irre geführt? Somit macht diese Rückmeldung die nächste Auswahl treffsicherer.

Welche rechtlichen und ethischen Punkte sollten Sie bei der Auswahl beachten?

Bei der Auswahl geht es nicht nur um Leistung, sondern auch um Regelkonformität. Besteht eine geschäftliche Beziehung, erwartet man, dass die Zielgruppe klar darüber informiert wird. Allerdings unterscheiden sich die Regeln je nach Land. In der Türkei gelten die Verordnung über Handelswerbung und unlautere Geschäftspraktiken sowie das Verfahren des Werberats, in Deutschland etwa das Wettbewerbsrecht und die Medienaufsicht.

Deshalb wiederholen wir die einzelnen Vorschriften hier nicht. Für die türkische Seite lesen Sie unseren Beitrag zur Werbeverordnung Türkei. Prüfen Sie bei der Auswahl außerdem, ob frühere Werbebeiträge des Creators klar gekennzeichnet waren.

Verträge, Rechnungen und Steuerthemen behandeln wir in diesem Leitfaden nur allgemein. Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung oder Steuerberatung. Für Vertragsklauseln, Nutzungsrechte und steuerliche Pflichten wenden Sie sich an eine qualifizierte Fachperson für Recht und Steuern.

Klären Sie außerdem vor der Veröffentlichung, wie die Zusammenarbeit gekennzeichnet wird. Halten Sie die Art der Kennzeichnung daher im Briefing fest. Dann müssen weder Sie noch der Creator einen Beitrag nach dem Start nachbessern.

Welche Fehler machen Marken bei der Influencer Auswahl am häufigsten?

Die meisten wiederkehrenden Fehler entstehen, weil der Ablauf übersprungen wird. Die folgende Liste zeigt die Fehler, die wir in der Auswahlphase am häufigsten sehen. Anders gesagt gehen alle darauf zurück, dass die sieben Influencer Kennzahlen nicht festgehalten oder falsch gelesen wurden.

  • Auf die Followerzahl schauen und Reichweite und Engagement ignorieren.
  • Nach einem Beitrag urteilen und den Durchschnitt falsch einschätzen.
  • Mit einem regionalen Produkt starten, ohne die Herkunft der Follower zu prüfen.
  • Fake Follower Signale bemerken und trotzdem weitermachen.
  • Eine Kandidatenliste erstellen, bevor das Ziel feststeht.
  • Den Tracking Link erst nach dem Kampagnenstart bedenken.
  • Fragen zu Vertrag und Kennzeichnung ans Ende schieben.

Erstens beseitigt ein schriftlicher Bewertungsbogen die meisten dieser Fehler. Außerdem zeigt Ihnen eine kleine Testkooperation den Kandidaten in der Praxis, ohne ein großes Budget zu riskieren. Planen Sie zudem von Anfang an Zeit für die Auswahl im Kampagnenkalender ein, denn unter Zeitdruck werden Prüfungen übersprungen.

Wann ist professionelle Unterstützung bei der Influencer Auswahl sinnvoll?

Für einen kleinen Test mit wenigen Kandidaten können Sie zunächst die Bewertung selbst übernehmen. Wächst jedoch die Liste, kommen mehrere Plattformen ins Spiel oder steigt das Budget, nimmt der Aufwand für Datensammlung und Vergleich schnell zu.

Wir, Talha Aslan und unser Team, helfen Marken im Rahmen unseres Influencer Marketing Angebots dabei, den Ablauf von der Kandidatensuche bis zur Messung aufzubauen. Unsere Arbeitsweise sehen Sie auf der Seite Influencer Marketing. Für die laufende Betreuung Ihrer Kanäle lesen Sie Social Media Betreuung.

Welchen Weg Sie auch wählen: Die Prinzipien bleiben gleich, nämlich erst das Ziel, dann die sieben Influencer Kennzahlen, dann die Messung. Halten Sie diese Reihenfolge ein, stützt sich Ihr Budget somit auf Belege statt auf Vermutungen.

Häufig gestellte Fragen

Welche Kennzahl ist bei Influencern am wichtigsten?
Es gibt keine einzelne Kennzahl, die immer gewinnt; es hängt vom Ziel ab. Bei Bekanntheit stehen Reichweite und Zielgruppenprofil vorn, beim Verkauf zählen Followerqualität und frühere Werbebeiträge mehr. Die Engagement Rate dient oft als erster Filter. Deshalb empfehlen wir, alle sieben Kennzahlen gemeinsam zu lesen und nach Ihrem Kampagnenziel zu gewichten.
Wie berechnet man die Engagement Rate eines Influencers?
Die allgemeine Formel addiert Likes, Kommentare, Speicherungen und Shares, teilt die Summe durch die Followerzahl und multipliziert mit hundert. Nutzen Sie die Reichweite als Nenner, bildet die Rate die Menschen ab, die den Beitrag wirklich gesehen haben. Welchen Nenner Sie auch wählen: Berechnen Sie alle Kandidaten gleich, sonst führt der Vergleich in die Irre.
Wie viele Follower braucht ein guter Influencer?
Eine feste Followerzahl gibt es nicht, denn sie hängt von Branche, Plattform und Ziel ab. Die Followerzahl allein sagt nichts über Qualität. Reichweite, Engagement, Zielgruppenprofil und Markenfit sind aussagekräftiger. Eine kleine, aber interessierte Zielgruppe kann besser abschneiden als eine große, passive, was Sie mit einer kleinen Testkooperation prüfen sollten.
Woran erkenne ich Fake Follower bei einem Influencer?
Es gibt keine einzelne sichere Methode, aber es gibt Risikosignale: plötzliche Followersprünge ohne Bezug zu Inhalten, allgemeine oder kopierte Kommentare, eine Reichweite weit unter der Followerzahl und eine Herkunft der Follower, die nicht zur Sprache der Inhalte passt. Treten mehrere Signale auf, bitten Sie um eine Erklärung oder wählen Sie einen verlässlicheren Account.
Welche Analysedaten kann ich von einem Influencer anfordern?
Sie können Reichweite, Aufrufe, Likes, Kommentare, Speicherungen und Shares der letzten Beiträge anfordern, dazu die Verteilung nach Alter, Geschlecht und Standort, ein Diagramm zum Followerwachstum und Beispiele früherer Markenarbeit. Verlangen Sie von allen Kandidaten denselben Zeitraum und einen aktuellen Screenshot. Eine schriftliche Anfrage hält den Ablauf klar.
An wen wende ich mich bei rechtlichen Fragen zur Influencer Auswahl?
Bei Verträgen, Nutzungsrechten, Rechnungen und Steuern wenden Sie sich an eine qualifizierte Fachperson für Recht und Steuern. Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen und keine Rechtsberatung oder Steuerberatung. Für Werberegeln folgen Sie den offiziellen Quellen Ihres Marktes, in Deutschland etwa dem Wettbewerbsrecht und den Hinweisen der Medienaufsicht zur Werbekennzeichnung.
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Talha Aslan

Google Partner und Experte für digitales Marketing. Seit 2012 praktisch in SEO, Google Ads, Webdesign und E-Commerce Projekten; jeder Beitrag hier stammt aus dieser Erfahrung.

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