Digitale Assets verwalten: Domain, Konten und Medien für eine nachhaltige Webstrategie planen

Wie verwalten Sie digitale Assets so, dass sie Ihrem Unternehmen gehören?
Digitale Assets verwalten heißt, für jede digitale Grundlage Ihres Unternehmens festzuhalten, wem sie gehört, wer Zugriff hat und wann sie verlängert werden muss: Domain, Hosting, Werbekonten, Analysekonten, Social Media Profile und Medienarchiv. Ohne Plan landen diese Werte unbemerkt im Konto eines Mitarbeiters oder einer Agentur.
Ich arbeite seit 2012 im Onlinemarketing. Die teuersten Fehler, die ich gesehen habe, lagen selten im Anzeigentext oder im Design. Sie lagen vor allem im Eigentum. Ein Unternehmen trennt sich zum Beispiel von seiner Agentur und verliert fünf Jahre Google Ads Historie, weil jemand das Konto mit der Mailadresse der Agentur eröffnet hat. Deshalb zeige ich Ihnen hier Schritt für Schritt, wie Sie einen Plan aufbauen.
Welche digitalen Assets gehören in Ihr Inventar?
Zunächst müssen Sie wissen, was Ihnen überhaupt gehört. Ohne Liste können Sie weder Rechte ordnen noch Verlängerungen planen. Deshalb fülle ich mit jedem neuen Kunden im ersten Termin diese Liste aus:
- Domains: Hauptdomain, Tippfehlervarianten und alte Kampagnendomains.
- Hosting und Server: Hostingpanel, DNS Anbieter, SSL Zertifikat und CDN Konto.
- Firmenmail: das Adminkonto von Google Workspace oder Microsoft 365.
- Messung und Werbung: Google Ads, GA4, Google Tag Manager, Search Console und das Meta Unternehmensportfolio.
- Social Media Profile und die zugehörigen Adminrollen.
- Medienarchiv: Logodateien, Fotos, Videos und das Corporate Design Handbuch.
- Software und Lizenzen: Theme, Plugins, Schriften und Stockfotos.
Die Liste wirkt zunächst lang. Allerdings brauchen Sie pro Zeile nur vier Angaben: Name, Eigentümer, Personen mit Zugriff und Ablaufdatum. Somit sehen Sie das ganze Bild in einer einzigen Tabelle.
Fragen Sie zudem Ihr Team. Marketing, Vertrieb und Personalabteilung eröffnen oft Konten, von denen Sie nichts wissen. Eine alte Eventseite oder ein vergessenes Pinterest Profil trägt vielleicht noch immer Ihren Markennamen.
Wem sollte Ihre Domain rechtlich gehören?
Zunächst: Die Domain ist das Fundament aller anderen Werte. Ihre Website, Ihre Mails und die meisten Verifizierungen hängen daran. Trotzdem liegt die Domain in vielen Firmen im Konto der Person, die einst die Website gebaut hat. Oft steht diese Person dann auch als Inhaber im Register.
Die richtige Lösung ist einfach. Eröffnen Sie das Registrarkonto auf den Firmennamen, mit einer allgemeinen Firmenadresse. Als Inhaber steht Ihr Unternehmen im Register. Braucht eine Agentur Zugriff, bekommt sie einen Unterbenutzer oder befristete Rechte, nicht das Konto selbst. Außerdem sollte die Transfersperre aktiv bleiben. Den Autorisierungscode (EPP Code) bewahrt nur die Geschäftsführung auf.
Den aktuellen Stand prüfen Sie mit einer DNS Abfrage. Dort sehen Sie, welche Nameserver Ihre Domain nutzt. Taucht ein unbekannter Anbieter auf, ist das die erste offene Frage in Ihrem Inventar.
Was passiert, wenn eine Domain abläuft?
Eine abgelaufene Domain geht nicht sofort an Dritte. Allerdings können Website und Mails ausfallen. Die Expired Registration Recovery Policy der ICANN verpflichtet Registrare generischer Domains, etwa einen Monat und etwa eine Woche vor Ablauf zu erinnern. Zudem müssen sie innerhalb von fünf Tagen nach Ablauf eine weitere Nachricht senden.
Nach derselben Richtlinie müssen Registries nach der Löschung eine Wiederherstellungsfrist von 30 Tagen anbieten. Diese Wiederherstellung kostet meist mehr als eine normale Verlängerung. Schlimmer noch: Gehen die Erinnerungen an das Postfach eines ehemaligen Mitarbeiters, liest sie niemand. Daher ist die Kontaktadresse im Registrarkonto die wichtigste einzelne Zeile, wenn Sie digitale Assets verwalten.
Länderdomains wie .de folgen teilweise eigenen Regeln. Prüfen Sie also auch die aktuellen Bedingungen Ihrer eigenen Vergabestelle.
Wie ordnen Sie Hosting und DNS Zugänge?
Nach der Domain macht dann das Hosting die meisten Probleme. Ein typisches Muster sieht so aus: Die Website liegt auf einem Resellerkonto der Agentur. Die Agentur bezahlt den Hoster, und Sie zahlen der Agentur eine Monatspauschale. Endet die Zusammenarbeit, hält die Agentur Dateien und Datenbank in der Hand.
Deshalb sollte der Hoster direkt an Ihr Unternehmen fakturieren. Agentur oder Entwickler melden sich mit einem eigenen Benutzer als zusätzliche Admins an. Zudem hilft es, DNS vom Hosting zu trennen. So bleiben Ihre Maileinträge (MX, SPF, DKIM) bei einem Serverwechsel an ihrem Platz.
Warum Mail und Domain zusammengehören, erkläre ich im Beitrag über die E-Mail mit eigener Domain. Hier nur ein Hinweis: Auch der Login für das DNS Panel gehört ins Inventar.
Gehört Ihnen Ihr Google Ads Konto wirklich?
Eigentum funktioniert bei Google Ads eher indirekt. Stattdessen hat jeder Nutzer eine Zugriffsebene. Laut der Hilfeseite zu Zugriffsebenen gibt es Administrator, Standard, Nur Lesezugriff, Abrechnung und Nur E-Mail. Administratoren können andere Nutzer hinzufügen und entfernen.
Meine Faustregel lautet also: Mindestens zwei Personen aus Ihrer Firma haben Adminzugriff mit Firmenadressen. Die Agentur verbindet sich dann über ihr eigenes Verwaltungskonto (MCC). Endet der Vertrag, lösen Sie diese Verknüpfung. Konto, Historie und Conversion Einstellungen bleiben bei Ihnen.
Prüfen Sie außerdem verknüpfte Konten wie Merchant Center, YouTube und Unternehmensprofil. Hat die Agentur diese Verbindungen von ihrer Seite angelegt, reißen sie bei der Übergabe ab. Tragen Sie daher jede Verknüpfung als eigene Zeile ein.
Bei meiner Google Ads Verwaltung eröffne ich das Konto immer auf den Namen des Kunden. Das steht als erster Punkt im Vertrag.
Wie verteilen Sie Rechte in GA4 und im Tag Manager?
In GA4 vergeben Sie Rollen auf Konto und Property Ebene. Die GA4 Hilfe zu Rollen nennt Administrator, Bearbeiter, Marketer, Analyst und Betrachter. Nur Administratoren verwalten Nutzer.
Konkret empfehle ich diese Aufteilung:
- Zwei Personen aus Ihrer Firma sind Administratoren auf Kontoebene.
- Die Agentur ist Bearbeiter auf Propertyebene, ohne Nutzerverwaltung.
- Führungskräfte, die nur Berichte lesen, sind Betrachter oder Analysten.
Im Google Tag Manager gilt dieselbe Logik. Das Firmenkonto besitzt den Container, die Agentur bekommt Veröffentlichungsrechte. Notieren Sie zudem die Aufbewahrungsdauer der GA4 Daten und eine eventuelle BigQuery Verknüpfung. Genau diese Einstellungen gehen bei einem Agenturwechsel oft unter, und alte Daten verschwinden dann still.
Wer sollte Ihre Search Console Property bestätigen?
Die Search Console kennt drei Nutzertypen: Inhaber, uneingeschränkte Nutzer und eingeschränkte Nutzer. Laut der Google Dokumentation zu Berechtigungen können Inhaber andere Nutzer hinzufügen und entfernen.
Hier lauert allerdings eine typische Falle. Bestätigt die Agentur über einen DNS Eintrag, liegt der Inhaberstatus beim Google Konto der Agentur. Sie sehen die Property zwar, aber nur als Gast. Stattdessen bestätigen Sie die Domain Property mit dem Google Konto der Firma über einen TXT Eintrag. Danach fügen Sie die Agentur als uneingeschränkten Nutzer hinzu.
Wie Sie das Werkzeug selbst nutzen, steht in meiner Search Console Anleitung. In diesem Artikel geht es nur um das Eigentum.
Wie behalten Sie die Kontrolle über Social Media Konten?
Social Media ist vor allem die unordentlichste Gruppe. Ein Instagram Konto hängt etwa an der Handynummer eines Praktikanten. Eine LinkedIn Seite gehört einem ehemaligen Vertriebsleiter. Ein YouTube Kanal liegt auf einem privaten Gmail Konto.
Bei Meta verschieben Sie die Konten deshalb in ein Unternehmensportfolio. Zwei Personen aus Ihrer Firma sind dort Admins. Die Agentur fügen Sie als Partner hinzu, nie als Eigentümer. Bei LinkedIn legen Sie mindestens zwei Superadmins fest. YouTube Kanäle verbinden Sie mit einem Brand Account und mehreren Inhabern.
Aktivieren Sie außerdem überall die Zweifaktor Anmeldung und hinterlegen Sie eine Firmennummer zur Wiederherstellung. Eine private Nummer sperrt das Konto faktisch, sobald die Person geht.
Wie führen Sie ein Zugriffsinventar?
Ein Zugriffsinventar beantwortet eine Frage: Wer kommt wo hinein? Dafür brauchen Sie keine Spezialsoftware. Konkret reicht eine gepflegte Tabelle. Entscheidend ist also, dass die Tabelle an einem Ort liegt und nach jeder Änderung aktuell ist.
Die folgende Tabelle fasst die einfache Vorlage zusammen, die ich mit Kunden nutze:
| Asset | Eigentümerkonto | Weitere Nutzer | Rolle | Ablauf oder Prüfung |
|---|---|---|---|---|
| Domain | Registrarkonto der Firma | Geschäftsführung, IT | Kontoinhaber | Verlängerungsdatum |
| Hosting | Firmenkonto mit Rechnung | Entwickler | Zusatznutzer | Vertragsende |
| Google Ads | Firmenadresse | Agentur MCC | Standard | Quartalsprüfung |
| GA4 | Google Konto der Firma | Agentur | Bearbeiter | Quartalsprüfung |
| Search Console | Inhaber: Firma | Agentur | Uneingeschränkt | Quartalsprüfung |
| Meta Portfolio | Firmenadmins | Agentur als Partner | Assetzugriff | Quartalsprüfung |
Schreiben Sie allerdings niemals Passwörter in diese Tabelle. Passwörter gehören in einen Passwortmanager. Die Tabelle zeigt nur, wer welche Rolle hat.
Wo sollten Passwörter und Zweifaktor Codes liegen?
Passwortsicherheit verdient einen eigenen Artikel. Für digitale Assets zählen allerdings zwei Regeln besonders. Erstens verschicken Sie gemeinsame Passwörter nie per Mail oder Chat. Zweitens liegen Zweifaktor Codes nie nur auf einem einzigen Handy.
Mit einem Passwortmanager für Unternehmen teilen Sie Tresore im Team. Verlässt jemand die Firma, entziehen Sie den Zugriff mit einem Klick. Backupcodes bewahren Sie ausgedruckt im Safe oder in einem sicheren digitalen Tresor auf. Für neue Konten liefert der Passwort Generator in Sekunden ein starkes Passwort.
Für Adminkonten lohnt sich zudem ein Hardware Sicherheitsschlüssel. Er kostet wenig im Vergleich zu einem gekaperten Konto.
Schließlich sollten Sie gemeinsame Logins minimieren. Wo es geht, bekommt jede Person einen eigenen Nutzer. So sehen Sie in den Protokollen, wer was getan hat. Außerdem schließen Sie einen einzelnen Zugang, ohne das Passwort für alle zu ändern.
Wie bauen Sie einen Verlängerungskalender auf?
Ein Verlängerungskalender macht aus Inventardaten Erinnerungen. Ich baue ihn in drei Schichten:
- Automatische Verlängerung: aktiv für Domain, Hosting und SSL, bezahlt mit einer Firmenkarte.
- Kalendererinnerung: gemeinsame Termine 60 und 15 Tage vor Ablauf.
- Verantwortliche Person: ein Name pro Zeile, dazu eine Vertretung für den Urlaub.
Die automatische Verlängerung allein reicht nicht, denn Karten laufen ab und Limits sind erschöpft. Bei einem Kunden fiel zum Beispiel das SSL Zertifikat genau während des Kartenwechsels aus. Die Website zeigte zwei Tage lang eine Warnung. Die verbleibenden Tage zählen Sie schnell mit dem Tage Rechner.
Einmal im Jahr prüfen Sie dann den ganzen Kalender. Ungenutzte Domains aufzugeben oder umzuleiten, spart Geld. Prüfen Sie allerdings vorher, ob eine alte Domain noch Links oder Besucher bekommt. Sonst registriert sie jemand anderes und fängt Ihre früheren Besucher ab.
Wie organisieren Sie ein Medienarchiv mit DAM?
DAM Software (Digital Asset Management) hält Logos, Fotos, Videos und Designdateien verschlagwortet und versioniert bereit. Für große Marken lohnt sich ein eigenes DAM Produkt. Für kleine und mittlere Unternehmen genügt oft ein firmeneigener Cloudspeicher mit disziplinierter Ordnerstruktur.
Das eigentliche Problem ist selten die Software, sondern der Speicherort. Das Vektorlogo liegt etwa auf dem Laptop der Designerin. Produktfotos stecken im Downloadlink des Fotografen. Werbevideos bleiben auf dem Server der Agentur. Wechseln Sie die Agentur, bezahlen Sie die Produktion noch einmal.
Schreiben Sie deshalb in jeden Vertrag: Nach jeder Lieferung kommen die Quelldateien (AI, PSD, Figma, Rohvideo) ins Firmenarchiv. In meinen Projekten zur Markenidentität gehören Quelldateien immer zum Übergabepaket.
Welche Ordner und Dateinamen haben sich bewährt?
Ein gutes Archiv findet jede Datei in dreißig Sekunden. Ich empfehle diese einfache Struktur:
- 01 Marke: Logo, Farbcodes, Schriften, Designhandbuch.
- 02 Foto: Unterordner nach Aufnahmedatum.
- 03 Video: Rohfassung und Schnittfassung getrennt.
- 04 Anzeigen: nach Plattform und Kampagne.
- 05 Lizenzen: Nachweise für Schriften, Stockfotos und Musik.
Datum, Thema und Version gehören in den Dateinamen, zum Beispiel "2025_03_produktkatalog_v2". Pflegen Sie außerdem den Lizenzordner. Ein Bild ohne Lizenznachweis kann später eine Abmahnung auslösen. Vor dem Hochladen auf die Website hilft das Werkzeug zum Bild verkleinern.
Warum steht die Firmenmail im Zentrum?
Fast jedes digitale Asset hängt nämlich an einer Mailadresse, denn dort starten alle Zugänge. Passwortlinks, Rechnungen und Sicherheitswarnungen landen dort. Deshalb empfehle ich, Konten mit Rollenadressen statt mit persönlichen Adressen zu eröffnen.
Eine Rollenadresse wie "ads@" oder "digital@" bleibt im Unternehmen, auch wenn Personen wechseln. Richten Sie sie als Gruppe oder gemeinsames Postfach ein, sehen mehrere Leute jede Nachricht. Folglich geht keine Verlängerungswarnung in einem einzelnen Postfach verloren.
Auch das Adminkonto von Google Workspace oder Microsoft 365 ist ein Asset. Verlieren Sie es, verlieren Sie die Kontrolle über alle Firmenmails. Daher braucht auch dieses Konto zwei Personen, eine starke Zweifaktor Anmeldung und ausgedruckte Backupcodes. Nutzen Sie es zudem nie für den täglichen Mailverkehr.
Wer sollte Quellcode und Backups der Website besitzen?
Selbst wenn Domain und Hosting Ihnen gehören, liegt der Quellcode vielleicht woanders. Individuelle Themes, Plugins und Softwareprojekte stecken oft im Repository des Entwicklers. Ohne Zugang dazu wird nach Vertragsende schon eine kleine Änderung schwierig.
Legen Sie das Repository daher in einem Organisationskonto der Firma an und fügen Sie den Entwickler als Mitwirkenden hinzu. Halten Sie außerdem Ihre Backupregeln schriftlich fest. Wer erstellt das Backup? Wo liegt es? Wie viele Tage reicht es zurück? Ein Backup nur auf demselben Server nützt nichts, wenn dieser Server ausfällt.
Mein praktischer Rat: Mindestens ein Backup liegt bei einem anderen Anbieter als Ihrem Hoster. Einmal im Jahr testen Sie dann die Wiederherstellung. Ein nie getestetes Backup überrascht Sie sonst im schlechtesten Moment.
Wie schützt Sie ein Plan für digitale Assets beim Agenturwechsel?
Der Agenturwechsel ist der echte Test für Ihr Vorgehen. Mit Plan dauert die Übergabe wenige Tage. Ohne Plan kann sie zu wochenlangen Verhandlungen werden. Meine Checkliste folgt dieser Reihenfolge:
- Inventar aktualisieren und fehlendes Eigentum zur Firma holen, solange die Agentur noch arbeitet.
- Quelldateien, Berichte und einen Export der Kampagnenstruktur anfordern.
- Die neue Agentur hinzufügen und beide Teams einige Tage parallel arbeiten lassen.
- Die alte Agentur entfernen und ihre Zeilen in der Tabelle schließen.
- Passwörter und API Schlüssel erneuern.
Die Reihenfolge zählt vor allem aus einem Grund. Entfernen Sie die alte Agentur direkt nach der Übergabe, nicht erst, wenn die Stimmung kippt. Sonst bleibt eine Änderung, selbst eine gut gemeinte, womöglich unbemerkt.
Welche Werte sind bei einem Website Umzug gefährdet?
Ein Agenturwechsel kommt oft zusammen mit einem Relaunch. Dann verdoppelt sich das Risiko, denn Eigentum und SEO Wert stehen gleichzeitig auf dem Spiel. Auch das Backup der alten Website, die URL Liste und die Weiterleitungstabelle sind digitale Assets.
Sichern Sie vor dem Umzug ein vollständiges Backup der alten Website im Firmenarchiv. Ist der alte Server erst abgeschaltet, gibt es womöglich keinen Weg zurück. Danach prüfen Sie die Weiterleitungen mit dem Redirect Checker.
Die technische Seite habe ich in der Checkliste zur Website Migration gesammelt. Die Botschaft hier ist einfacher: Wissen Sie vor dem Umzug, was Ihnen gehört, sonst wissen Sie nie, was Sie verloren haben.
Erstellen Sie zudem eine Liste für den Starttag. Wer ändert die DNS Einträge? Danach: Wer meldet die Adressänderung in der Search Console? Wer prüft das GA4 Tag? Auch diese Liste gehört ins Inventar.
Welche Eigentumsklauseln gehören in den Agenturvertrag?
Zudem zählt die Vertragssprache genauso wie die Technik. Ich gebe allerdings keine Rechtsberatung. Aus meiner Praxis möchte ich dennoch diese Punkte in jedem Vertrag mit Agentur oder Freelancer sehen:
- Werbe, Analyse und Social Media Konten laufen auf den Namen des Kunden.
- Der Kunde erhält die Quelldateien aller gelieferten Designs.
- Domain und Hosting laufen auf den Namen des Kunden.
- Zugänge gehen nach Vertragsende innerhalb einer festen Frist über.
- Der Vertrag nennt, auf wessen Namen Stockfoto und Schriftlizenzen laufen.
Lassen Sie diese Punkte vor der Unterschrift von einer Anwältin oder einem Anwalt prüfen. Ziel ist, Unklarheiten früh auszuräumen, auch in freundlichen Beziehungen.
Hilfreich ist zudem eine kurze Anlage: eine Liste aller Konten, die das Projekt eröffnet, samt Eigentümer. Am Projektende dient diese Anlage dann als Übergabeliste. Beide Seiten haken dieselbe Liste ab, statt zu streiten.
Wie stützen digitale Assets eine nachhaltige Webstrategie?
Eine nachhaltige Webstrategie bedeutet, dass Ihre Website über Jahre wachsen kann. SEO Stärke, die Lernhistorie Ihres Werbekontos und Ihre Analysedaten gewinnen mit der Zeit an Wert. Allerdings gehört Ihnen dieser Wert nur, solange die Assets bei Ihnen bleiben.
Fünf Jahre GA4 und Search Console Daten zeigen Ihnen zum Beispiel saisonale Muster. Verschwinden diese Daten beim Agenturwechsel, beginnt die Strategie bei null. Ebenso hilft die Conversion Historie in Google Ads den automatischen Gebotsstrategien, schneller zu lernen.
Ein Rechenbeispiel: Ein Onlineshop mit vier Kampagnensaisons pro Jahr nutzt die Ergebnisse jeder Saison für die nächste Planung. Liegen drei Jahre Daten in einem Konto, sehen Sie schnell, welcher Monat für welches Produkt funktioniert. Startet das Konto mit jeder Agentur neu, zahlen Sie jedes Jahr dieselben Testkosten.
Also ist die Verwaltung digitaler Werte keine lästige IT Aufgabe, sondern die Basis Ihrer Marketingstrategie. Inhalte aktuell zu halten ist wichtig, und die Assets darunter zu besitzen ebenso.
Wer im Unternehmen sollte den Plan verantworten?
Eine Person verantwortet den Plan, aber das Wissen darf nie bei nur einer Person liegen. In kleinen Firmen übernimmt meist die Gründerin oder der Geschäftsführer. In mittleren Unternehmen kann die IT oder die Marketingleitung diese Rolle haben.
Ich empfehle die Regel "eine Verantwortliche, eine Vertretung". Die verantwortliche Person pflegt Inventar und Kalender. Die Vertretung hat überall Zugriff, hält sich aber aus dem Alltag heraus. Somit läuft der Prozess weiter, auch bei Urlaub oder Kündigung.
Die Agentur gehört deshalb nicht in diese Rolle. Sie darf zwar Lücken melden und das Inventar ergänzen. Trotzdem sollte der Plan immer jemandem im Haus gehören. Eine gute Agentur bevorzugt das ohnehin, denn so sind die Zuständigkeiten klar.
Einmal im Jahr lohnt sich dann eine kurze Vorstellung vor der Geschäftsführung. Auf einer Seite sieht sie, welche Assets riskant sind, welche Verlängerungen anstehen und welche Konten noch außerhalb liegen.
Wie oft sollten Sie Zugriffsrechte prüfen?
Zugriffslisten veralten von selbst. Mitarbeiter gehen, und Freelancer bleiben nach einem einzigen Auftrag für immer im Konto. Daher brauchen Sie eine regelmäßige Prüfung.
Mein Startwert, basierend auf Praxiserfahrung und ohne Garantie: alle drei Monate für Konten mit Adminrechten, alle sechs Monate für den Rest. Fragen Sie bei jeder Prüfung:
- Arbeitet diese Person noch in der Firma oder im Projekt?
- Gibt diese Rolle mehr Macht, als die Aufgabe verlangt?
- Sind Wiederherstellungsadresse und Telefonnummer aktuell?
Ergänzen Sie außerdem Ihren Austrittsprozess um einen Schritt "digitale Zugänge". Meldet die Personalabteilung einen Austritt, entfernt die verantwortliche Person am selben Tag die Rechte. So entsteht zwischen zwei Prüfungen keine Lücke. Zudem verhindern Sie peinliche Momente, etwa wenn ein Ehemaliger versehentlich eine Kampagne pausiert.
Wo fangen Sie in den ersten 30 Tagen an?
Versuchen Sie nicht, alles auf einmal zu lösen. Mit dieser Reihenfolge schließen Sie die größten Risiken in einem Monat. Den Zeitplan dürfen Sie strecken, die Reihenfolge sollten Sie aber halten:
- Woche 1: Inventartabelle anlegen und jedes bekannte Asset eintragen.
- Zweite Woche: Eigentum an Domain und Hosting prüfen, Kontaktadresse aktualisieren.
- Woche 3: Rechte in Google Ads, GA4, Search Console und Meta ordnen.
- Letzte Woche: Medienarchiv, Verlängerungskalender und Prüftermine einrichten.
Nach der ersten Runde bleiben einige Zeilen offen. Das ist also normal. Wichtig ist vor allem, dass das Inventar als lebendes Dokument beginnt. Es bei jedem neuen Konto oder Austritt zu aktualisieren, wird dann schnell zur Gewohnheit.
Lohnt sich Unterstützung von außen?
Inventar und Rechte ordnen die meisten Firmen selbst. Dafür brauchen Sie kein Spezialwissen, nur eine klare Tabelle und ein paar konzentrierte Stunden. Andererseits spart Hilfe Zeit bei technischen Schritten, etwa bei einer Kontoübertragung, bei Werbedaten im Agenturkonto oder bei einem Domaintransfer.
Ich übernehme das meist als ersten Schritt einer neuen SEO Beratung oder eines Webdesign Projekts. Da ich ohne Zwischenhändler arbeite, laufen die Konten von Anfang an auf den Kunden, und Übergabeprobleme entstehen gar nicht erst.
Egal welchen Weg Sie wählen, der Test bleibt gleich. Wäre Ihre Agentur heute nicht erreichbar, kämen Sie morgen früh allein an Website, Anzeigen und Daten? Ein Ja zeigt, dass Ihr Plan funktioniert. Andernfalls ist die 30 Tage Reihenfolge oben ein guter Anfang.
Kurz gesagt: Was brauchen Sie, um digitale Assets nachhaltig zu verwalten?
Kurz gesagt drei Dinge: ein Inventar, klares Eigentum und einen verlässlichen Kalender. Domain und Hosting gehören der Firma. In Werbe und Analysekonten ist die Firma Admin, die Agentur hat begrenzte Rechte. Mediendateien liegen im Firmenarchiv.
Anders gesagt: Nichts davon ist kompliziert. Aufschieben macht es jedoch teuer. Ein Agenturwechsel, ein Austritt oder ein vergessenes Ablaufdatum kann Jahre digitaler Arbeit innerhalb einer Woche gefährden.
Bei Fragen schreiben Sie mir über die Kontaktseite. Dann prüfen wir gemeinsam Ihren aktuellen Stand und legen Prioritäten fest.




