Anycast DNS: Was ist das und warum ist es ausfallsicherer?

Was ist Anycast DNS?
Anycast DNS ist ein Routing Verfahren, bei dem DNS Server an vielen Standorten dieselbe IP Adresse per BGP ankündigen. Eine Anfrage erreicht in der Regel den Knoten, der im Routing am nächsten liegt. So verteilt eine einzige Adresse die Last, und bei einem Ausfall wandert der Verkehr zu den übrigen Knoten.
Die autoritativen Nameserver speichern die Einträge Ihrer Domain. Bevor das Gerät eines Besuchers Ihre Seite laden kann, fragt es einen dieser Server, welche IP Adresse zum Domainnamen gehört. Anders gesagt verteilt Anycast die Adresse dieser Server auf viele Orte, statt sie an einen einzigen zu binden.
Vorab ein Hinweis: Wir sind ein Team für digitales Marketing und Webentwicklung, kein Hosting Anbieter. Die technischen Teile dieses Beitrags stützen wir deshalb auf RFC Dokumente, auf Daten der Root Server Betreiber und auf die offizielle Dokumentation von Google. Unser Ziel ist, Ihnen eine fundierte Entscheidung für Ihre eigene Website zu erleichtern.
Was ist der Unterschied zwischen Unicast und Anycast?
Bei Unicast gehört eine IP Adresse zu genau einem Server oder einer Netzwerkschnittstelle. Bei Anycast lebt dieselbe Adresse auf mehreren Servern, und das Routing wählt für jede Anfrage einen davon aus. RFC 4786 beschreibt Anycast als Dienstadresse, die an mehreren getrennten, eigenständigen Standorten erreichbar ist.
| Merkmal | Unicast | Anycast |
|---|---|---|
| Adresse und Server | Eine Adresse, ein Server | Eine Adresse, viele Server |
| Routing | Immer dasselbe Ziel | Der Knoten, den das Routing wählt |
| Bei einem Ausfall | Die Adresse ist nicht erreichbar | Der Verkehr wandert zu anderen Knoten |
| Lastverteilung | Braucht einen eigenen Load Balancer | Eine grobe Verteilung entsteht von selbst |
| Lang laufende Verbindungen | Unproblematisch | Riskant, Pakete können auf einem anderen Knoten landen |
| Betriebsaufwand | Niedrig | Hoch, BGP und Monitoring nötig |
Die Tabelle zeigt: Anycast ist ein starkes Werkzeug für Ausfallsicherheit und Verteilung. Allerdings kostet der Betrieb mehr Aufwand, deshalb passt es nicht zu jedem Dienst.
An welcher Stelle steht die DNS Abfrage beim Laden einer Seite?
Bevor ein Browser eine Seite anzeigt, muss er den Domainnamen in eine IP Adresse übersetzen. Dieser Schritt kommt also vor dem ersten Byte der Seite. Um zu verstehen, wo Anycast hilft, müssen Sie die Reihenfolge kennen.
- Der Browser prüft zunächst den Zwischenspeicher des Betriebssystems.
- Gibt es keine Antwort, geht die Anfrage an einen rekursiven Resolver, etwa den Server Ihres Internetanbieters oder einen öffentlichen Dienst.
- Kennt der Resolver den Eintrag nicht, fragt er die Root Server und danach die Server der Domain Endung.
- Schließlich erreicht er den autoritativen Nameserver Ihrer Domain und holt den Eintrag.
- Der Resolver speichert die Antwort für die Dauer der TTL und gibt sie an den Browser weiter.
Anycast taucht in dieser Kette an zwei Stellen auf. Erstens schicken öffentliche Resolver wie Google Public DNS ihre Nutzer per Anycast zum nächsten Rechenzentrum. Zweitens nutzen die Root Server und viele autoritative Nameserver dieselbe Technik.
Wie kündigt Anycast DNS dieselbe IP Adresse per BGP an?
BGP (Border Gateway Protocol) ist das Protokoll, mit dem sich Netze im Internet gegenseitig mitteilen, welche IP Blöcke sie erreichen. Außerdem trägt jedes Netz eine Nummer für sein autonomes System (AS). Beim Anycast DNS kündigt jeder Knoten über seine eigenen Verbindungen dasselbe IP Präfix an.
Dann sehen Router zwei oder mehr Wege zum selben Präfix. Dann wählt jeder Router anhand seiner eigenen Regeln und Kriterien wie der Pfadlänge einen Weg aus. In der Praxis trifft also kein zentrales Programm die Entscheidung für den "nächsten Knoten". Sie entsteht aus dem gemeinsamen Verhalten tausender Router.
RFC 4786 beschreibt zwei Arten von Knoten. Erstens sind globale Knoten im gesamten Internet sichtbar. Lokale Knoten kündigen sich dagegen nur einem begrenzten Umfeld an, zum Beispiel über BGP Community Werte wie NO_EXPORT. Zu BGP und AS Nummern gibt es einen eigenen, tieferen Beitrag, deshalb behandeln wir hier nur den Teil, den Anycast braucht.
Worin unterscheidet sich Anycast bei autoritativen Servern und bei Resolvern?
Anycast kommt an zwei verschiedenen Stellen vor, und viele verwechseln sie. Die erste ist der autoritative Nameserver, der die Einträge Ihrer Domain hält und den Sie oder Ihr Registrar auswählen. Die zweite ist der rekursive Resolver, den das Gerät des Besuchers fragt und der Antworten zwischenspeichert.
Als Domaininhaber wählen Sie also nur die autoritative Seite. Die Resolver Seite hängt dagegen vom Besucher ab, der den Server seines Anbieters oder einen öffentlichen Dienst wie Google Public DNS nutzen kann. Laut der Dokumentation von Google leitet dieser Dienst Nutzer per Anycast Routing zum geografisch nächsten Rechenzentrum.
Die DNS Leistung Ihrer Website setzt sich also aus zwei Anycast Schichten zusammen. Beeinflussen können Sie nur den autoritativen Teil, also wo und wie Ihre Nameserver stehen. Ein starkes autoritatives Setup erleichtert dem Resolver des Besuchers trotzdem die Arbeit.
Ist Anycast DNS dasselbe wie geografisches DNS Routing?
Nein, beide lösen unterschiedliche Probleme. Anycast entscheidet auf der Routing Ebene, welchen Serverknoten eine Anfrage erreicht. Geografisches DNS, oft GeoDNS genannt, ist dagegen eine Antwortstrategie, die je nach Herkunft der Anfrage andere IP Adressen liefert.
- Anycast verkürzt den Weg zum DNS Server und verbessert die Ausfallsicherheit.
- GeoDNS schickt Besucher zum passenden Webserver oder zur regionalen Seite.
- Sie können beides beim selben Anbieter nutzen, konfigurieren es aber dann getrennt.
Außerdem vermischen mehrsprachige Seiten mit mehreren Regionen die beiden Begriffe häufig. Betreibt ein Onlineshop zum Beispiel getrennte Server für Deutschland und die USA, leitet GeoDNS oder ein CDN den Besucher zum richtigen Server. Anycast sorgt dafür, dass der DNS Dienst, der diese Entscheidung trifft, schnell und erreichbar bleibt.
Warum schickt Anycast DNS eine Anfrage zum "nächsten" Knoten, und was heißt nah?
Nah bedeutet hier nah im Routing und nicht nah in Kilometern. RFC 4786 sagt dazu klar, dass topologische Nähe im Routing System im Allgemeinen nicht mit der Umlaufzeit übereinstimmt. Auch RFC 7094 wiederholt diese Warnung.
Denken Sie an ein gedankliches Szenario, nicht an eine Messung. Zunächst kann ein Nutzer in Istanbul zwischen einem Knoten in Frankfurt und einem in Sofia wählen. Hat sein Anbieter eine direkte Verbindung zum Netz des Frankfurter Knotens, kann der auf der Karte weiter entfernte Knoten im Routing trotzdem gewinnen.
Deshalb platzieren Anycast Anbieter ihre Knoten nicht nur in Städten, sondern auch dort, wo Netze viel Verkehr austauschen. Außerdem können Pakete derselben Quelle zu verschiedenen Zeiten verschiedene Knoten erreichen. RFC 7094 nennt das als einen Grund, warum die Latenz nicht immer optimal ist.
Verkürzt Anycast DNS die Auflösungszeit wirklich?
Das kann sein, allerdings ist der Effekt ist nicht immer groß. Anycast senkt die Umlaufzeit zwischen dem Resolver und dem autoritativen Nameserver. Diese Zeit zählt allerdings nur, wenn der Resolver den Eintrag nicht im Zwischenspeicher hat.
Die offiziellen Quellen geben deshalb ein Gefühl für die Größenordnung. Laut web.dev dauert eine DNS Auflösung typischerweise etwa 20 bis 120 ms. Die Dokumentation von Google Public DNS sagt, dass die Auflösung bei Anfragen ohne Treffer im Zwischenspeicher inklusive Zeitüberschreitungen und Fehlern im Mittel 300 bis 400 ms erreichen kann.
Daher ist der Gewinn durch Anycast in diesen Fällen am deutlichsten:
- Ihre Besucher kommen aus mehreren Ländern oder Kontinenten.
- Ihre Einträge haben eine kurze TTL, sodass Resolver oft zum autoritativen Server zurückkehren.
- Ihre Seiten verbinden sich mit vielen Domains von Drittanbietern.
Das Gesamtbild zur Geschwindigkeit finden Sie in unserem Beitrag dazu, wie die Ladezeit Ihr SEO beeinflusst.
Warum ist Anycast DNS widerstandsfähiger gegen DDoS Angriffe?
Weil der Angriffsverkehr nicht auf einen einzigen Punkt trifft. Er landet auf den Knoten, die den Netzen der Angreifer am nächsten liegen. RFC 4786 nennt zwei Vorteile: Anycast begrenzt den Schaden nicht verteilter Angriffe auf einen Knoten und hält verteilte Angriffe in Regionen fest.
Außerdem wächst die Gesamtkapazität mit der Zahl der Knoten. Zum Beispiel ist die Bandbreite eines einzelnen Servers schnell gefüllt. Eine Adresse, die über Dutzende Standorte verteilt ist, zu füllen, braucht dagegen weit mehr Verkehr.
Trotzdem ist das keine Garantie. Anders gesagt: Laut RFC 4786 begrenzt Anycast den Schaden und beseitigt den Angriff nicht. Folglich spüren Nutzer in dieser Region das, wenn ein Knoten an einem Standort überlastet ist. Achten Sie bei der Anbieterwahl daher nicht nur auf den Satz "wir nutzen Anycast", sondern auch auf Knotenzahl, Kapazität und Abwehrprozess.
Zudem zählt der Ablauf im Ernstfall. Manche Anbieter ziehen die Ankündigung eines angegriffenen Knotens zurück und schieben dessen Verkehr an andere Standorte. Dadurch wechseln die lokalen Nutzer zu einem anderen Knoten, doch das Gesamtsystem läuft weiter. Fragen Sie Ihren Anbieter ruhig, ob es ein solches Verfahren schriftlich gibt.
Wohin läuft der Verkehr, wenn ein Anycast Knoten ausfällt?
Solange ein Knoten gesund ist, kündigt er das Präfix weiter per BGP an. Fällt der Dienst aus, muss er dann die Ankündigung zurückziehen. Dann streichen Router diesen Weg aus ihren Tabellen, und der Verkehr wandert zum nächstbesten Knoten. RFC 4786 empfiehlt ausdrücklich, die Ankündigung an die Gesundheit des Dienstes zu koppeln.
Der Wechsel läuft meist in dieser Reihenfolge ab:
- Eine Gesundheitsprüfung bemerkt, dass der DNS Dienst nicht antwortet.
- Der Knoten zieht seine BGP Ankündigung zurück.
- Benachbarte Router geben die Neuigkeit weiter, und ein neuer bester Weg entsteht.
- Neue Anfragen landen auf einem anderen Knoten.
Der Wechsel geschieht nicht sofort, denn die Routing Information braucht Zeit zur Verbreitung. Zum Glück gleichen DNS Clients einen Teil dieser Lücke aus. Hat Ihre Domain mehr als einen NS Eintrag, probiert der Resolver den anderen Nameserver, wenn einer nicht antwortet. Ein gutes Setup kombiniert deshalb Anycast mit mehreren unabhängigen NS Adressen.
Darum ist die Annahme "wir haben Anycast, also brauchen wir keine Reserve" riskant. Alle Knoten eines Anbieters können unter demselben Softwarefehler oder einem fehlerhaften Konfigurationsupdate leiden. RFC 4786 empfiehlt deshalb, dass Knoten unabhängig und in sich vollständig bleiben.
Welche Risiken und Grenzen hat Anycast DNS?
Allerdings ist Anycast kein Mittel gegen jedes Problem. RFC 4786 und RFC 7094 beschreiben die Grenzen offen. Wenn Sie sie kennen, stellen Sie Ihrem Anbieter also bessere Fragen.
- Zustandsbehaftete Verbindungen: Wandern die Pakete einer TCP Verbindung zu verschiedenen Knoten, bricht die Verbindung ab. Die meisten DNS Anfragen sind kurze UDP Pakete, deshalb passt DNS gut zu Anycast. Bedenken Sie aber, dass große Antworten auf TCP ausweichen können.
- Gleichwertige Pfade: Teilen Router Pakete auf gleichwertige Wege auf, können Abläufe mit mehreren Paketen scheitern.
- Route Flapping: Kündigt ein Knoten ständig an und zieht zurück, verbreiten sich Strafpunkte, und sogar gesunde Knoten können leiden.
- Entführung: Legitime Knoten sind im Routing System sichtbar, deshalb fällt ein untergeschobener Knoten schwerer auf.
RFC 4786 hält im Fazit fest, dass Anycast kein allgemeiner Ansatz für jeden Dienst im Internet ist. Für die Verteilung einer begrenzten Zahl kritischer Dienste bleibt es dagegen nützlich.
Wie nutzen die DNS Root Server Anycast?
Die Root Server sind das bekannteste Beispiel für Anycast. Laut root-servers.org besteht das System der Root Nameserver aus 13 Kennungen, die 12 unabhängige Organisationen betreiben. Dieselbe Seite meldet für den 3.10.2026 insgesamt 2045 aktive Instanzen.
Anders gesagt: 13 Adressen stehen für tausende Server in hunderten Städten. Zunächst gab es praktische Gründe, die Zahl der Root Adressen bei 13 zu halten. Anycast machte es möglich, die Kapazität darüber hinaus auszubauen. RFC 7094 hält fest, dass 2007 mindestens 10 der 13 Root Server Anycast nutzten.
Kurz gesagt zeigt dieses Beispiel zwei Dinge. Erstens ist Anycast eine ausgereifte Technik, die seit Jahren in der Kerninfrastruktur des Internets läuft. Zweitens bleiben viele Knoten nur mit sorgfältigem Monitoring und einem starken Betriebsteam stabil.
Die Daten der Root Server zeigen außerdem, dass ein Buchstabenname für Instanzen in vielen Regionen stehen kann. Ein Name wie b.root-servers.net steht für ein verteiltes Netz und nicht für eine einzelne Maschine. Als Domaininhaber haben Sie mit den Root Servern nichts direkt zu tun. Trotzdem ist diese Struktur ein guter Grund, dieselbe Logik bei den eigenen Nameservern zu suchen.
Wann macht Anycast DNS wirklich einen Unterschied?
Der Unterschied hängt davon ab, wo Ihre Besucher sitzen, wie stark Ihr Traffic schwankt und was ein Ausfall Sie kostet. Die Tabelle unten ist eine allgemeine Einschätzung und keine Messung. Prüfen Sie daher echte Daten Ihrer eigenen Seite, bevor Sie entscheiden.
| Situation | Nutzen von Anycast DNS | Warum |
|---|---|---|
| Lokaler Betrieb für eine einzige Stadt | Begrenzt | Besucher erreichen ohnehin einen nahen Standort |
| Onlineshop mit Verkauf in mehrere Länder | Spürbar | Die erste DNS Anfrage kommt von verschiedenen Kontinenten |
| Seite mit plötzlichem Kampagnenverkehr | Spürbar | Die Last verteilt sich auf viele Knoten |
| Branchen, die Angriffe anziehen | Spürbar | Der Schaden bleibt lokal, die Kapazität wächst |
| Firmenseite mit langer TTL und seltenen Änderungen | Begrenzt | Resolver antworten die meisten Anfragen aus dem Zwischenspeicher |
Kurz gesagt: Anycast DNS schafft umso mehr Wert, je internationaler und ausfallempfindlicher Ihr Geschäft ist.
Warum ist Anycast DNS für Onlineshops und Kampagnenzeiten wichtig?
Im E-Commerce trifft der Preis eines Ausfalls direkt den Umsatz. DNS ist die erste Tür vor Ihrer Seite. Ist die Tür zu, hilft also auch der schnellste Webserver der Welt nicht. Daher gehört die DNS Ausfallsicherheit auf Ihre Checkliste vor jeder Kampagne.
Nehmen Sie eine einfache Beispielrechnung. Die Zahlen sind erfunden, um die Logik zu zeigen, und keine echten Daten. Stellen Sie sich einen Shop mit 100.000 Euro Tagesumsatz und 20.000 Euro Werbebudget pro Tag vor. Der Verkehr verteilt sich allerdings nicht gleichmäßig über den Tag. Trotzdem bedeuten 30 Minuten Ausfall im Durchschnitt rund 2.083 Euro entgangenen Umsatz und etwa 417 Euro verbranntes Werbebudget.
In einer Kampagnenstunde steigt der Verkehr, deshalb kann der reale Verlust über diesem Durchschnitt liegen. Zudem verlieren Sie mehr als Verkäufe, denn ein Besucher, der auf eine Anzeige geklickt und einen Fehler gesehen hat, vertraut der Marke beim nächsten Mal vielleicht weniger. Allerdings beseitigt Anycast allein dieses Risiko nicht. Es erschwert aber, dass die DNS Schicht an einem einzelnen Fehler scheitert. Den Zusammenhang zwischen Tempo und Umsatz behandeln wir in unserem Beitrag zur Ladezeit im Onlineshop.
Brauchen Sie Anycast DNS für eine kleine Unternehmenswebsite?
In den meisten Fällen müssen Sie Anycast nicht selbst bauen, denn verwaltete DNS Dienste bieten es bereits an. Ihre Aufgabe ist es, herauszufinden, ob Ihr DNS Anbieter diese Infrastruktur hat, und Ihre Domain darauf zu richten.
Vielleicht nutzen auch die Standard Nameserver Ihres Registrars Anycast. Lassen Sie das deshalb nicht als Annahme stehen. Fragen Sie die Dokumentation oder den Support des Anbieters. Danach können Sie die IP Adressen Ihrer Nameserver mit einer DNS Abfrage nachschlagen und die Netzdaten prüfen.
Für eine kleine Seite liegt das eigentliche Risiko nicht im fehlenden Anycast. Stattdessen hängen Sie an einem einzigen Nameserver. Wie Sie DNS und Infrastruktur in die Hosting Entscheidung einbeziehen, lesen Sie in unserem Leitfaden, wie Sie Webhosting auswählen.
Worauf sollten Sie bei der Wahl eines Anycast DNS Anbieters achten?
Der Satz "globales Netz" auf der Werbeseite eines Anbieters sagt allein wenig. Stellen Sie die folgenden Fragen und verlangen Sie konkrete Antworten.
- In welchen Städten und an welchen Anschlusspunkten stehen die Knoten, und decken sie die Regionen Ihrer Zielgruppe ab?
- Erhält Ihre Domain mehr als eine Nameserver Adresse, und kündigen diese aus unabhängigen Netzen an?
- Unterstützt der Anbieter IPv6 (AAAA) Einträge und IPv6 Adressen für die eigenen Nameserver? Mit unserem IPv6 Test prüfen Sie Ihre Seite.
- Unterstützt er DNSSEC und die benötigten Eintragstypen wie CNAME, MX, TXT und CAA?
- Gibt es eine Statusseite, Störungsmeldungen und eine schriftliche Zusage zum Servicelevel?
- Bietet er eine Oberfläche und eine API, um Einträge schnell zu ändern?
Die Frage "wie viele Knoten?" haben wir bewusst nicht an die erste Stelle gesetzt. Denn die Knotenzahl allein zeigt keine Qualität. Verbindungsqualität und Monitoring sind mindestens ebenso wichtig.
Worauf sollten Sie beim Wechsel des DNS Anbieters achten?
Falsch ausgeführt, macht ein Anbieterwechsel Ihre Seite und Ihre E-Mail für eine Weile unerreichbar. Binden Sie den Umzug daher an einen Plan und führen Sie ihn außerhalb der Stoßzeiten durch. Die übliche Reihenfolge sieht so aus:
- Exportieren Sie alle Einträge (A, AAAA, CNAME, MX, TXT, CAA) aus der aktuellen DNS Zone und legen Sie sie beim neuen Anbieter identisch an.
- Senken Sie die TTL Werte einige Tage vor der Änderung.
- Testen Sie beim neuen Anbieter, indem Sie dessen Nameserver direkt abfragen und die Antworten prüfen.
- Ändern Sie die Nameserver im Panel Ihres Registrars.
- Löschen Sie die alte Zone nicht sofort, sondern warten Sie, bis die Resolver auf die neuen Daten umgestellt haben.
Außerdem sollten Sie besonders vorsichtig sein, wenn DNSSEC aktiv ist. Handhaben Sie den DS Eintrag falsch, lässt sich die Domain bei vielen Resolvern eventuell gar nicht mehr auflösen. Folgen Sie der Dokumentation des alten und des neuen Anbieters der Reihe nach. Sind Sie unsicher, führen Sie den Wechsel gemeinsam mit dem Support des Anbieters durch.
Sollten Sie ein eigenes Anycast DNS Netz bauen, und wann überlassen Sie es dem Hosting Anbieter?
Für die meisten Inhaber von Websites und Onlineshops lautet die Antwort Nein. Ein eigenes Anycast Netz zu bauen heißt, Netzbetreiber zu werden, und das geht weit über die Installation einer DNS Software hinaus. Es jemand anderem zu überlassen, ist meist die klügere Wahl.
Grob brauchen Sie dafür Folgendes:
- Eine eigene AS Nummer und ein IP Präfix, das Sie ankündigen dürfen.
- Server an verschiedenen Standorten, die per BGP mit dem Internet verbunden sind.
- Eine Steuerung der Ankündigung, die an die Gesundheit jedes Knotens gekoppelt ist.
- Monitoring von verteilten Punkten und ein Team, das bei einem Angriff reagieren kann.
RFC 4786 betont, dass Knoten so unabhängig wie möglich laufen sollen. Allerdings ist diese Unabhängigkeit teuer. Auch wenn Sie als Entwickler einen Nameserver auf dem eigenen VPS betreiben, überlassen Sie den Anycast Schritt einem Anbieter. Brauchen Sie ihn wirklich, dann planen Sie ihn mit einem Netzwerkingenieur.
Wie prüfen Sie Anycast DNS mit dig und einer DNS Abfrage?
Prüfen Sie zunächst, welche Nameserver Ihre Domain nutzt. Fragen Sie dann jeden direkt ab und messen Sie die Antwortzeit. Unsere Befehle nutzen Optionen aus der offiziellen dig Dokumentation, und sowohl die Beispieldomain als auch der Nameserver sind erfunden.
dig example.com NS +short
dig @ns1.example.com example.com A +stats
dig @ns1.example.com example.com A +nsid
dig example.com +trace
Der erste Befehl listet die Nameserver in Kurzform auf. Danach fragt der zweite den gewählten Server ab und zeigt am Ende die Abfragezeit. Mit dem dritten fordern Sie die EDNS Kennung des Nameservers (NSID) an, falls der Server sie unterstützt, und manche Anbieter benennen damit den antwortenden Knoten. Schließlich verfolgt der vierte den Delegationsweg ab den Root Servern.
Bedenken Sie aber, dass eine Abfrage von einem einzigen Punkt nur den Knoten zeigt, der Ihnen am nächsten liegt. Um Ergebnisse aus verschiedenen Ländern zu sehen, brauchen Sie Messungen von verteilten Punkten, und auch RFC 4786 empfiehlt Monitoring mit verteilten Sonden. Für einen schnellen Check nutzen Sie unsere DNS Abfrage, unsere IP Abfrage für die IP Daten der Nameserver und unsere WHOIS Abfrage für Angaben zum Registrar.
Wie wirken TTL und DNS Zwischenspeicher mit Anycast DNS zusammen?
Die TTL sagt Resolvern, wie lange sie einen Eintrag behalten dürfen. Bei langer TTL geht der Resolver selten zum autoritativen Server zurück, deshalb schrumpft der Tempo Effekt von Anycast. Bei kurzer TTL kommen mehr Anfragen an, und ein naher Knoten wird wertvoller.
Die Dokumentation von Google Public DNS erinnert zudem daran, dass niedrige TTL Werte zu mehr Fehltreffern im Zwischenspeicher führen. Das heißt: Eine kurze TTL ist nicht gratis. Senken Sie die TTL deshalb nur bei echtem Bedarf.
Zum Beispiel hilft es, die TTL vor einem Umzug oder einer IP Änderung zu verkürzen, damit die Änderung die Resolver schneller erreicht. Danach ist es sinnvoll, zum alten Wert zurückzukehren. Für die SEO Seite eines Umzugs hilft unsere SEO Beratung.
Beeinflusst die DNS Ausfallsicherheit auch die Zustellung von E-Mail Nachrichten?
Ja, denn auch E-Mail hängt von den Einträgen Ihrer Domain ab. Ein sendender Server fragt die MX Einträge Ihrer Domain ab, bevor er Post an Sie zustellt. Sind Ihre Nameserver nicht erreichbar, bleibt diese Abfrage also unbeantwortet.
In der Praxis verwerfen die meisten Mailserver die Nachricht in einem solchen Fall nicht sofort. Stattdessen stellen sie sie in eine Warteschlange und versuchen es später erneut. Allerdings ist dieses Verhalten nicht überall gleich. Außerdem stützen sich SPF, DKIM und DMARC auf TXT Einträge, und diese Prüfungen können scheitern, wenn DNS nicht antwortet.
Für ein Unternehmen mit eigener Firmenadresse ist DNS Ausfallsicherheit also nicht nur ein Thema der Website. Ein Angebot kann zum Beispiel verspätet ankommen, eine Bestellbestätigung im Spam landen oder eine Kundenantwort verloren gehen. Die Einrichtung einer E-Mail Adresse mit eigener Domain erklären wir Schritt für Schritt in unserem Beitrag zur E-Mail mit eigener Domain.
Wie wirkt sich ein DNS Ausfall auf SEO und Anzeigen aus?
Fällt DNS aus, erreichen Besucher Ihre Seite gar nicht mehr. Zudem teilen auch die Bots der Suchmaschinen dieses Schicksal. Der Bericht zu den Crawling Statistiken in der Google Search Console zeigt das mit einer eigenen Kennzahl: Das Diagramm zu DNS Fehlern listet die Zeitpunkte, an denen Ihr DNS Server den Hostnamen nicht erkannte oder beim Crawlen nicht antwortete.
Auch der robots.txt Teil desselben Berichts ist wichtig. Laut Google verlangsamt oder stoppt Google das Crawlen Ihrer Seite, wenn die Anfrage nach der robots.txt weder eine gültige Datei noch eine 404 Antwort liefert. Also kann ein DNS Problem auch diese Anfrage blockieren.
Bei Anzeigen ist das Bild klar. Klickt ein Nutzer zum Beispiel auf eine Anzeige und sieht die Seite nicht, ist das Budget verloren. In Phasen mit hohem Risiko, etwa an großen Kampagnentagen, nehmen Sie die DNS Ausfallsicherheit daher in Ihre Checkliste auf. Deshalb behalten wir die Gesundheit der Infrastruktur auch in unserer Google Ads Verwaltung im Blick.
Welche verbreiteten Irrtümer gibt es zu Anycast DNS?
Weil das Thema technisch ist, weckt Marketing Sprache leicht falsche Erwartungen. Diese Missverständnisse kommen am häufigsten vor.
- "Anycast ist ein CDN." Nein. Anycast ist eine Routing Technik, ein CDN dagegen ein Dienst zum Zwischenspeichern von Inhalten. Sie können beides zusammen nutzen, es ist aber nicht dasselbe.
- "Anycast schützt vollständig vor DDoS." Nein. Laut RFC 4786 begrenzt es den Schaden und beseitigt ihn nicht.
- "Anycast ist immer schneller." Nein. RFC 7094 weist darauf hin, dass der im Routing nächste Knoten nicht die niedrigste Latenz haben muss.
- "Meine Seite wird mit Anycast DNS schneller." Teilweise. Nur der Schritt der DNS Auflösung wird kürzer, während Serverantwortzeit und Seitengewicht gleich bleiben.
Die echten Tempoprobleme Ihrer Seite finden Sie meist schneller, wenn Sie zuerst Ihre Core Web Vitals ansehen.
Welche Schritte sollten Sie bei Anycast DNS gehen?
Der Kern ist einfach: Verschaffen Sie sich zuerst einen Überblick und verbessern Sie nur, wenn es wirklich nötig ist. Die folgende Reihenfolge reicht für die meisten Inhaber von Websites und Onlineshops.
- Listen Sie die Nameserver Ihrer Domain auf und finden Sie heraus, wer sie betreibt.
- Fragen Sie den Anbieter schriftlich, ob er Anycast nutzt und in welchen Regionen seine Knoten stehen.
- Prüfen Sie, dass mindestens zwei unabhängige Nameserver Adressen eingetragen sind.
- Messen Sie danach die Abfragezeit aus den Regionen, aus denen Ihre Besucher kommen.
- Wählen Sie Ihre TTL Werte bewusst und senken Sie sie vor einem Umzug vorübergehend.
- Schließlich kontrollieren Sie die DNS Fehler im Bericht zu den Crawling Statistiken regelmäßig.
Möchten Sie Infrastrukturentscheidungen gemeinsam mit Ihren Marketingzielen planen, unterstützen wir Sie mit unseren Leistungen für Webdesign und E-Commerce Beratung. Verwalten Sie Ihren eigenen VPS und fühlen sich bei DNS unsicher, ist es oft die beste Entscheidung, die Nameserver einem verlässlichen Anbieter zu überlassen.



