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Wie genau sind Traffic Schätzungen für Konkurrenten aus SEO Tools?

Talha Aslan 18 Minuten Lesezeit 1 Aufrufe

Kurze Antwort

Wie genau ist eine Traffic Schätzung für Konkurrenten aus SEO Tools?

Eine Traffic Schätzung für Konkurrenten ist ein Modell, das das monatliche Suchvolumen jedes Keywords, für das eine Website rankt, mit einer angenommenen Klickrate für die jeweilige Position multipliziert und alles addiert. Sie misst keine echten Besuche. Absolute Zahlen weichen deshalb oft stark ab, Trends innerhalb eines Tools bleiben dagegen nützlich.

Alle Details und Beispiele finden Sie weiter unten im Beitrag

Bei Talha Aslan und Team hören wir in fast jeder Konkurrenzanalyse dieselbe Frage: "Das Tool sagt, der Wettbewerber hat so viele Besuche im Monat, warum liegen wir dahinter?" Diese Frage beruht meist auf einer falschen Annahme. Denn die Zahl auf dem Bildschirm ist keine Zählung, sondern das Ergebnis eines Modells. Wer sie ohne Kenntnis des Modells liest, verwechselt also einen Kompass mit einer Landkarte.

In diesem Leitfaden zeigen wir, wie Drittanbieter Tools ihre Zahlen berechnen, woher die Abweichung kommt und wie Sie diese Abweichung mit Ihren eigenen Daten aus der Search Console messen. Konkrete Toolnamen nennen wir nicht, denn die Logik ist bei allen ähnlich. Außerdem gleich vorweg: Keine Methode liefert Ihnen die echten Analysedaten eines Konkurrenten, und keine Analyse garantiert Rankings.

Mit welcher Formel berechnen SEO Tools den Traffic?

Die meisten Tools folgen derselben Grundlogik. Zunächst crawlen sie in regelmäßigen Abständen die Suchergebnisse für die Keywords in ihrer eigenen Datenbank. Danach halten sie fest, auf welcher Position die Domain des Konkurrenten für jede Suchanfrage erscheint. Schließlich rechnen sie für jede Suchanfrage ein einfaches Produkt und addieren alles:

  1. Geschätztes monatliches Suchvolumen: eine Annahme darüber, wie oft Menschen die Suchanfrage pro Monat eingeben.
  2. Rankingposition: die Position, die der Crawler in diesem Moment gesehen hat.
  3. Geschätzte Klickrate: der durchschnittliche Klickanteil eines Ergebnisses auf dieser Position, abgeleitet aus einer Kurve.
  4. Summe: die Summe aller Produkte, also die Trafficzahl, die Sie im Tool sehen.

Ein Rechenbeispiel mit erfundenen Zahlen: Ein Tool schätzt für eine Suchanfrage 1.000 Suchen pro Monat. Der Konkurrent steht auf Platz drei, und die Kurve des Tools gibt Platz drei eine Klickrate von 10 Prozent. Das Tool rechnet dem Konkurrenten somit 100 Besuche aus dieser Suchanfrage zu. Allerdings sind alle drei Eingaben Schätzungen. Deshalb vervielfachen sich kleine Fehler, und über Tausende Suchanfragen kann die Endsumme weit von der Realität abweichen.

Manche Tools ergänzen dieses Modell um weitere Signale, zum Beispiel Besuchsdaten aus Browsererweiterungen oder freiwilligen Panels. Auch diese Ansätze haben eigene Stichprobenprobleme. Kurz gesagt: Jedes Tool nutzt ein etwas anderes Rezept, aber alle beruhen auf Ableitung statt auf direkter Beobachtung.

Warum ist das Suchvolumen die erste Fehlerquelle?

Das Suchvolumen ist der erste Faktor der Formel und zugleich ihr empfindlichster Teil. Selbst der Keyword Planner von Google zeigt das Volumen als Schätzung. Laut der Google Ads Hilfe lassen sich Keywords mit sehr geringem Suchvolumen oder als sensibel eingestufte Keywords im Planer weder finden noch prognostizieren. Der längste Teil des Longtails bleibt also von Anfang an unsichtbar.

Drittanbieter Tools mischen für das Volumen mehrere Quellen. Dabei fassen sie unter Umständen ähnliche Varianten zusammen, legen Schreibvarianten in eine Zeile und verteilen saisonale Spitzen auf einen Jahresdurchschnitt. Zum Beispiel wirkt eine Suchanfrage, die jeden Sommer stark ansteigt, im Jahresmittel ruhig. Daher zeigen zwei Tools für dasselbe Keyword oft sehr unterschiedliche Volumen.

Um diese Lücke zu verstehen, sollten Sie wissen, wie man Volumendaten liest. Die Seite zum Keyword Planner in der Google Ads Hilfe macht deutlich, dass diese Zahlen der Kampagnenplanung dienen. Es handelt sich also um Prognosen, nicht um eine Zählung aller Suchen.

Warum zeigen Rankingdaten nur einen einzigen Moment?

Ein Tool erfasst die Position des Konkurrenten an einem bestimmten Tag, von einem bestimmten Standort und oft nur für einen Gerätetyp. Die Search Console Hilfe von Google stellt jedoch klar, dass Suchergebnisse von Zeit, Ort, Gerät und jüngstem Verlauf der suchenden Person abhängen. Was der Crawler sieht, ist also nur eine Stichprobe dessen, was echte Nutzer sehen.

Bei lokalen Suchen wächst diese Lücke. Konkret kann jemand, der in Hamburg nach einer Dienstleistung sucht, andere Ergebnisse sehen als jemand, der dieselbe Suchanfrage in München eingibt. Das Tool crawlt dagegen meist von einem landesweiten Standort aus. Zudem unterscheidet sich die Crawlhäufigkeit je Keyword. Keywords mit wenig Volumen prüfen Tools seltener, deshalb erscheinen Rankingänderungen erst mit Verzögerung in der Schätzung.

Folglich kann ein Konkurrent von Seite eins fallen, ohne dass das Tool es eine Weile bemerkt. Umgekehrt passiert es ebenso: Eine kurze Spitze geht in die Schätzung ein, als wäre sie dauerhaft. Deshalb empfehlen wir, Trends über mehrere Wochen zu betrachten statt die Zahl eines einzelnen Tages.

Warum passt die Klickratenkurve bei vielen Suchanfragen nicht?

Die dritte Eingabe ist die Kurve, die jeder Position eine durchschnittliche Klickrate zuordnet. Tools leiten diese Kurve aus einer breiten Stichprobe ab und wenden sie dann auf die meisten Suchanfragen an. In der Praxis schwankt die echte Klickrate allerdings stark mit dem Aufbau der Ergebnisseite. Anzeigen, Bildblöcke, Videoergebnisse oder ein lokales Kartenpaket oben senken den Anteil, den das erste organische Ergebnis erhält.

Die Galerie der visuellen Elemente in der Dokumentation von Google Search Central zeigt, dass eine Ergebnisseite neben Textergebnissen auch Rich Results, Bild und Videoergebnisse sowie Explorationsfunktionen enthält. Jedes Element lenkt Klicks in eine andere Richtung. Außerdem belegt ein Karussell laut den Definitionen der Search Console eine einzige Position, und alle Elemente darin teilen sich diese Position. Platz eins bedeutet also nicht auf jeder Seite dieselbe Sichtbarkeit.

Wie stark die Klickrate auf Ihrer eigenen Website schwankt, sehen Sie mit unserem CTR Rechner. Dort geben Sie Impressionen und Klicks pro Suchanfrage ein und vergleichen dann Ihre echte Rate mit der Kurve, die ein Tool annimmt.

Warum fehlen Longtail Suchanfragen in der Schätzung fast ganz?

Egal wie groß die Datenbank eines Tools ist, sie bleibt begrenzt. Jeden Tag geben Menschen sehr viele Suchanfragen ein, die vorher niemand gesucht hat, und die meisten davon landen in keiner Datenbank. Dennoch beziehen viele Websites einen großen Teil ihres Traffics genau aus diesen verstreuten Suchanfragen mit wenig Volumen. Vor allem Blogs mit Ratgebern und Onlineshops mit breitem Sortiment spüren diesen Effekt.

Deshalb unterschätzt ein Tool eine Website, die von vielen kleinen Suchanfragen lebt. Andererseits wirkt eine Website, die für wenige Keywords mit hohem Volumen gut rankt, größer, als sie ist. Anders gesagt: Der geschätzte Abstand zwischen zwei Konkurrenten spiegelt oft eher den Unterschied im Keywordmix als den Unterschied im echten Traffic.

Warum Keywords mit wenig Volumen strategischen Wert haben, erklären wir in unserem Leitfaden zu Keywords mit geringem Suchvolumen. Entscheidend ist hier nur eines: Traffic, den das Tool nicht sieht, bedeutet trotzdem echte Besucher auf Ihrer Website.

Wie verzerren Markensuchen die Traffic Schätzung?

Ein großer Teil des Traffics einer bekannten Marke kommt von Menschen, die direkt nach dem Markennamen suchen. Bei diesen Suchanfragen steht die Website der Marke fast immer auf Platz eins. Ihre Klickrate liegt zudem weit über dem, was eine allgemeine Kurve annimmt, denn der Nutzer will ohnehin genau diese Website besuchen.

Wendet das Tool seine allgemeine Kurve auf diese Suchanfragen an, unterschätzt es den Markentraffic. Schätzt das Tool dagegen das Markenvolumen falsch ein, kann sich der Fehler auch umkehren. Daher besteht der erste Schritt beim Lesen einer Traffic Schätzung darin, Markensuchen und markenfremde Suchanfragen zu trennen. Sie konkurrieren vor allem bei markenfremden Suchanfragen. Die Markennachfrage eines Konkurrenten können Sie nicht kopieren.

Für diese Trennung auf Ihrer eigenen Website folgen Sie unserem Leitfaden zu Marken und markenfremden Suchanfragen in der Search Console mit Regex. So sehen Sie mit eigenen Daten, wie weit ein Tool bei Markensuchen danebenliegt.

Wie beeinflussen AI Overviews und Zero Click Suchen die Schätzung?

Bei manchen Suchen finden Nutzer die Antwort direkt auf der Ergebnisseite und klicken auf keine Website. Man spricht dann von einer Zero Click Suche. Außerdem bringen KI Funktionen wie AI Overviews noch mehr Information direkt auf die Ergebnisseite. Ältere Klickratenkurven berücksichtigen diese Verschiebung nicht immer.

Laut der Google Dokumentation zu KI Funktionen zählen Websites, die in AI Overviews und im AI Mode erscheinen, zum gesamten Suchtraffic in der Search Console. Der Leistungsbericht führt sie unter dem Suchtyp "Web". Diese Sichtbarkeit sehen Sie also innerhalb Ihrer Summen, nicht als eigene Zeile. Details finden Sie auf der Seite zu KI Funktionen in Google Search Central.

Folglich schreibt ein Tool einem Konkurrenten bei informativen Suchanfragen unter Umständen Klicks zu, die in Wirklichkeit nie stattgefunden haben. Den größeren Zusammenhang beschreibt unser Beitrag Was sind Zero Click Suchen. Dieses Thema wiederholen wir hier nicht.

Was misst die Search Console tatsächlich?

Für die Kalibrierung brauchen Sie eine solide Referenz, und diese Referenz ist Ihre eigene Search Console Property. Laut der Search Console Hilfe zählt ein Klick jedes Mal, wenn ein Nutzer von der Google Suche auf Ihre Website wechselt. Eine Impression zählt jedes Mal, wenn Ihre Website in den Ergebnissen erscheint. Die Klickrate ergibt sich aus Klicks geteilt durch Impressionen.

Die durchschnittliche Position verlangt etwas mehr Sorgfalt. Google beschreibt sie als die oberste Position, die ein Link Ihrer Website in den Ergebnissen belegt, gemittelt über alle Suchanfragen. Erscheint eine Seite also zweimal für eine Suchanfrage, zählt nur das höhere Ergebnis. Die vollständigen Definitionen lesen Sie auf der Hilfeseite der Search Console zu Impressionen, Position und Klicks.

Auch diese Daten haben Grenzen. Zum Beispiel können die neuesten Daten vorläufig sein und sich innerhalb weniger Stunden ändern. Zudem erscheinen manche Suchanfragen aus Datenschutzgründen nie in der Tabelle; das erklären wir im Beitrag Warum fehlen Suchanfragen in der Search Console. Trotzdem handelt es sich um Googles eigene Messung, die weit verlässlicher ist als jede Traffic Schätzung aus einem Tool. Wenn Sie neu einsteigen, beginnen Sie mit unserer Search Console Anleitung für Einsteiger.

Worin unterscheiden sich Toolschätzung und Search Console Daten?

Legen Sie beide Quellen nebeneinander, erkennen Sie, woher die Lücke stammt. Die folgende Tabelle fasst zusammen, welche Eigenschaft welche Quelle bei der Kalibrierung gut abdeckt:

EigenschaftSchätzung eines Drittanbieter ToolsDaten der Search Console
DatenartModellergebnis aus Annahmen zu Volumen, Position und KlickrateKlicks und Impressionen, die Google selbst misst
AbdeckungNur Keywords aus der Datenbank des ToolsSuchanfragen, bei denen Ihre Website erscheint, mit Datenschutzfilter
Daten zu KonkurrentenVorhanden, geschätztNicht vorhanden, nur Ihre eigene Property
Standort und GerätMeist ein Standort, wenige GeräteAlle Standorte und Geräte echter Nutzer
LongtailGroßteils lückenhaftGroßteils enthalten, außer anonymisierten Suchanfragen
Bester EinsatzRelative Trends und Vergleich mit KonkurrentenAbsolute Leistung und Basis der Kalibrierung

Die Erkenntnis ist einfach. Ein Tool zeigt Ihnen den Konkurrenten, aber keine exakte Zahl. Die Search Console liefert eine nahezu exakte Zahl, allerdings nur für Ihre eigene Website. Deshalb verbinden Sie am besten beide Quellen.

Wie kalibrieren Sie die Schätzung Schritt für Schritt mit Ihrer Website?

Die Kalibrierung beruht auf einer Idee: Wenn ein Tool Ihre Website um einen bestimmten Betrag falsch einschätzt, liegt es bei einem ähnlich aufgebauten Konkurrenten wahrscheinlich in dieselbe Richtung daneben. Diese Annahme ist nicht perfekt, liefert aber einen deutlich besseren Ausgangspunkt als die rohe Schätzung. Gehen Sie so vor:

  1. Notieren Sie, für welches Land und welchen Zeitraum das Tool Ihre Website berechnet.
  2. Öffnen Sie in der Search Console den Leistungsbericht, wählen Sie den Suchtyp Web und filtern Sie nach demselben Land und Zeitraum.
  3. Vergleichen Sie den geschätzten organischen Traffic des Tools mit den gesamten Klicks in der Search Console und berechnen Sie das Verhältnis.
  4. Wiederholen Sie den Vergleich für Ihre 20 bis 30 Seiten mit den meisten Klicks.
  5. Vergleichen Sie Markensuchen und markenfremde Suchanfragen getrennt, denn der Fehler unterscheidet sich dort meist.
  6. Machen Sie das für mindestens drei verschiedene Monate und beobachten Sie, wie stark das Verhältnis schwankt.
  7. Halten Sie die Spanne fest. Sie arbeiten danach mit einer Spanne, nicht mit einer einzelnen Zahl.

Die Oberfläche der Search Console begrenzt die Zahl der exportierbaren Zeilen. Planen Sie einen breiten Vergleich nach Seite und Suchanfrage, lesen Sie unseren Beitrag zum Umgehen des Zeilenlimits. Für die Grundlagen des Berichts ist die Hilfeseite zum Leistungsbericht der Search Console eine gute Referenz.

Beispielszenario: Wie berechnen Sie einen Korrekturfaktor?

Beispielszenario mit erfundenen Zahlen für example.com: Ein Tool schätzt 8.000 organische Besuche pro Monat in Deutschland. Die Search Console zeigt für denselben Monat und dasselbe Land 12.000 Klicks. Die echten Klicks liegen also beim 1,5 fachen der Schätzung. Nehmen wir nun an, das Verhältnis beträgt im Folgemonat 1,3 und im Monat danach 1,7.

In diesem Beispiel über drei Monate liegt der Faktor zwischen 1,3 und 1,7. Das Tool unterschätzt diese Website also dauerhaft, und die Größe der Abweichung schwankt von Monat zu Monat. Nehmen wir weiter an, dasselbe Tool schätzt für einen Konkurrenten in derselben Nische 20.000 Besuche pro Monat. Mit dem Faktor erhalten Sie dann grob eine Spanne von 26.000 bis 34.000 Besuchen für diesen Konkurrenten.

Zwei Hinweise sind wichtig. Erstens ist diese Spanne keine Gewissheit, sondern nur eine plausiblere Schätzung. Zweitens ergibt der Faktor nur bei Websites mit ähnlicher Struktur Sinn. Bezieht der Konkurrent den Großteil seines Traffics aus Markensuchen oder nutzt er ein völlig anderes Contentmodell, bildet Ihr Faktor ihn nicht gut ab. Prüfen Sie deshalb die Struktur des Konkurrenten, bevor Sie den Faktor anwenden.

Wie übertragen Sie die Kalibrierung auf die Traffic Schätzung des Konkurrenten?

Sobald Sie einen Faktor haben, lesen Sie die Traffic Schätzung eines Konkurrenten nicht mehr als einzelne Zahl, sondern als Spanne. Allerdings sollten Sie zuvor einige Bedingungen prüfen. Sonst fügt die Korrektur eine neue Fehlerschicht hinzu, statt den Fehler zu verringern.

  • Gleiches Land und gleiche Sprache: Nutzen Sie den Faktor nur im Markt, in dem Sie Ihre eigene Website gemessen haben.
  • Ähnlicher Keywordmix: Der Anteil an Markensuchen und informativen Suchanfragen sollte Ihrem ähneln.
  • Ähnliche Seitentypen: Korrigieren Sie eine blogstarke Website nicht mit demselben Faktor wie eine produktstarke Website.
  • Gleiches Tool und gleicher Zeitraum: Faktoren verschiedener Tools lassen sich nicht übertragen.

Zum Beispiel kann ein Tool bei Ihrer Dienstleistungswebsite und bei einem großen Contentportal eines Konkurrenten in unterschiedliche Richtungen danebenliegen. In diesem Fall ist es ehrlicher, nur relative Trends zu betrachten. Kurz gesagt: Die Kalibrierung ist ein Korrekturwerkzeug, aber sie gilt nicht für jeden Konkurrenten auf dieselbe Weise.

Welche Seitentypen den Traffic eines Konkurrenten tragen, ermitteln Sie mit der Seitenklassifizierung aus unserer Anleitung zur SEO Konkurrenzanalyse. Die vollständige Analyse wiederholen wir hier nicht; dieser Beitrag konzentriert sich nur auf die Trafficschätzung.

Welche Segmente brauchen einen eigenen Korrekturfaktor?

Ein einziger Gesamtfaktor verdeckt große Unterschiede hinter einem Durchschnitt. Deshalb empfehlen wir, die Kalibrierung in einige Segmente aufzuteilen. Das Tool liegt in jedem Segment unterschiedlich weit daneben, und eigene Faktoren machen Ihre Einschätzung der Konkurrenten aussagekräftiger.

  • Markensuchen: Hier zeigt sich meist die größte Abweichung.
  • Informative Suchanfragen: Zero Click Verhalten und Rich Results wirken hier am stärksten.
  • Kommerzielle und transaktionale Suchanfragen: Anzeigen oben senken die organische Klickrate.
  • Lokale Suchanfragen: Standortbedingte Unterschiede in den Ergebnissen wachsen hier.
  • Gerätetyp: Mobile Ergebnisseiten und Desktopseiten können anders aufgebaut sein.

Konkret überschätzt das Tool auf Ihrer Website vielleicht den informativen Traffic und unterschätzt den kommerziellen. Dann sehen Sie die kommerziellen Seiten des Konkurrenten wahrscheinlich schwächer und seine Ratgeber stärker, als sie sind. Mit Faktoren je Segment beurteilen Sie somit genauer, wo die echte Stärke des Konkurrenten liegt.

Wie hilft Google Trends bei der Prüfung einer Schätzung?

Google Trends liefert kein absolutes Volumen, zeigt aber relative Veränderungen. Laut der Hilfe zu Google Trends teilt Google jeden Datenpunkt durch die gesamten Suchen am jeweiligen Ort und im jeweiligen Zeitraum und skaliert das Ergebnis dann von 0 bis 100. Zudem nutzt Trends nur eine Stichprobe der Google Suchen. Details finden Sie in den häufigen Fragen zu den Daten von Google Trends.

Dadurch eignet sich Trends gut zur Prüfung. Behauptet ein Tool zum Beispiel, der Traffic eines Konkurrenten habe sich in drei Monaten verdoppelt, prüfen Sie die Trendkurve für den Markennamen und das Hauptthema des Konkurrenten. Bleibt die Kurve flach, stammt der Sprung vermutlich aus einer Datenbankaktualisierung des Tools oder einer Rankingänderung, nicht aus steigender Nachfrage.

Dennoch sollten Sie Trends nicht allein als Beweis nehmen. Bei Themen mit wenig Volumen kann die Stichprobe schwanken. Zeigen aber die Traffic Schätzung, Ihre Kalibrierung aus der Search Console und die Trendkurve in dieselbe Richtung, wird Ihr Ergebnis deutlich belastbarer.

Wie lesen Sie die Volumen aus dem Keyword Planner richtig?

Der Keyword Planner ist ein wichtiger Datenpunkt, und viele Tools stützen ihre Volumenschätzungen auch darauf. Trotzdem sollten Sie ihn nicht wie eine Zähltabelle lesen. Laut der Google Ads Hilfe aktualisiert der Planer seine Prognosen täglich, stützt sie auf die letzten Tage und passt sie an saisonale Muster an. Die Zahlen sind also Prognosen, die sich laufend ändern.

In der Praxis lesen wir das Volumen mit drei Fragen. Erstens: Ist diese Suchanfrage saisonal? Zweitens: Könnten ähnliche Varianten in einer Zeile zusammengefasst sein? Drittens: Zeigt die Ergebnisseite Funktionen, die Klicks verringern? Die Antworten zeigen Ihnen, wie stark der Traffic, den das Tool für diese Suchanfrage berechnet, überhöht oder zu niedrig sein kann.

Wenn Sie Volumenschätzungen in den Vergleich mit Konkurrenten übernehmen, hilft außerdem unsere Anleitung zur Keyword Gap Analyse. Jener Beitrag konzentriert sich auf das Finden von Lücken. Dieser Beitrag erklärt dagegen, wie viel Vertrauen Sie dem Trafficwert dieser Keywords schenken können.

Regeln für den richtigen Einsatz von Trafficschätzungen in der Konkurrenzanalyse

Sobald Sie die Fehlerquellen kennen, wird die Schätzung zu einem wirklich nützlichen Instrument. Sie müssen sie nur auf die richtigen Fragen anwenden. Unsere Regeln aus der Praxis lauten:

  • Verfolgen Sie Trends innerhalb eines Tools, nicht absolute Zahlen.
  • Vergleichen Sie Konkurrenten nur mit demselben Tool und derselben Ländereinstellung.
  • Achten Sie darauf, welche Seiten und Themencluster den Traffic eines Konkurrenten tragen, nicht nur auf die Summe.
  • Reagieren Sie auf plötzliche Sprünge erst, wenn Sie sie mit Ihrer Kalibrierung und mit Trends geprüft haben.
  • Halten Sie Markentraffic getrennt. Ihr Wettbewerbsfeld sind markenfremde Suchanfragen.
  • Berichten Sie die Schätzung immer als Spanne, nie als einzelne Zahl.

Diese Regeln verraten Ihnen nicht, wie viele Besuche ein Konkurrent pro Monat genau hat. Stattdessen liefern sie eine verlässliche Antwort auf eine bessere Frage: "Wo ist dieser Konkurrent stärker als wir, und wächst diese Stärke?" Genau das braucht eine SEO Strategie.

Wann sollten Sie sich nicht auf eine Traffic Schätzung verlassen?

Manche Entscheidungen verlangen mehr, als eine Schätzung tragen kann. Wenn Sie zum Beispiel eine Website kaufen oder bewerten, ist es riskant, sich auf eine Traffic Schätzung zu stützen. In solchen Fällen bitten Sie den Verkäufer um direkten Zugang zu Analytics und Search Console. Ebenso ist eine Schätzung keine solide Grundlage für Prognosen zu Werbeeinnahmen, Sponsoringpreise oder eine Präsentation für Investoren.

Seien Sie auch bei der Budgetplanung vorsichtig. Ein Plan nach dem Muster "der Konkurrent hat so viel Traffic, also erreichen wir mit ähnlichem Content dasselbe" stapelt zwei Schätzungen übereinander. Die erste betrifft den Traffic des Konkurrenten. Die zweite betrifft Ihre Chance, dieselben Rankings zu erreichen, und beide sind unsicher. Bei solchen Plänen setzen wir Ziele daher immer als Spannen und versprechen nie Rankings.

Zusammengefasst taugt eine Schätzung gut zur Orientierung. Als einziger Beleg für eine Entscheidung über Geld, Verträge oder Investitionen reicht sie dagegen nicht. Wo immer Sie eine exakte Zahl brauchen, verlangen Sie Daten aus erster Hand.

Häufige Fehler bei der Interpretation und wie Sie sie vermeiden

Die Fehler, die wir am häufigsten sehen, ähneln sich und haben dieselbe Wurzel: Sie behandeln ein Modell wie eine Messung. Die folgende Liste fasst diese Fehler zusammen und zeigt, was Sie stattdessen tun:

  • Zahlen zweier Tools addieren oder mitteln: Ergebnisse verschiedener Modelle lassen sich nicht kombinieren. Wählen Sie ein Tool als Referenz.
  • Einen Rückgang im Tool als sicheren Trafficverlust lesen: Prüfen Sie zunächst, ob das Tool seine Datenbank aktualisiert hat.
  • Für die eigene Website die Toolschätzung statt der Search Console berichten: Nutzen Sie für Ihre eigene Website immer eigene Daten.
  • Die Ländereinstellung übersehen: Mischen Sie globale und lokale Schätzungen nicht.
  • Einen Faktor aus einem einzigen Monat ableiten: Nutzen Sie mindestens drei Monate und berichten Sie eine Spanne.

Die gemeinsame Lösung lautet: Notieren Sie neben jeder Zahl die Quelle und die Unsicherheitsspanne. So erkennt jeder Leser des Berichts sofort, was Messung und was Schätzung ist. Somit schleicht sich keine falsche Genauigkeit in Entscheidungen ein.

Wie führen wir die Trafficanalyse von Konkurrenten für Sie durch?

In unserer SEO Beratung behandeln wir die Trafficanalyse von Konkurrenten als laufendes Monitoring, nicht als einmaligen Bericht. Zunächst kalibrieren wir die Schätzung des Tools je Segment mit Ihren Daten aus der Search Console. Danach beobachten wir ausgewählte Konkurrenten mit demselben Tool und derselben Ländereinstellung und nennen die Fehlerspanne in jedem Bericht klar.

So beantworten wir Fragen wie "Ist der Konkurrent gewachsen, bei welchen Themen, und was bedeutet das für uns?" jeden Monat mit Belegen. Zugleich erinnern wir in jedem Bericht daran, dass niemand die Rankingentscheidungen von Google kontrolliert. Wir bieten also einen messbaren Prozess und transparente Berichte, keine Rankinggarantie.

Möchten Sie ein Monitoring, das Trafficschätzungen von Konkurrenten richtig liest und mit Ihren eigenen Daten kalibriert, dann fordern Sie auf unserer Seite zur SEO Beratung ein Angebot an. Den Umfang legen wir gemeinsam nach der Struktur Ihrer Website und der Zahl der Konkurrenten fest.

Fazit: Eine Schätzung ist ein Kompass, keine Landkarte

Die Traffic Schätzung eines Drittanbieter Tools ist das Produkt aus Annahmen zu Suchvolumen, Ranking und Klickrate. Jede dieser Eingaben weicht aus anderen Gründen ab, und die Fehler summieren sich. Deshalb sollten Sie die Zahl auf dem Bildschirm als Ergebnis eines Modells lesen, nicht als Messung.

Richtig eingesetzt ist die Schätzung allerdings sehr wertvoll. Kalibrieren Sie sie mit Ihren eigenen Daten aus der Search Console, berichten Sie sie als Spanne und prüfen Sie sie mit Trends. Dann erkennen Sie recht genau, wo ein Konkurrent zulegt und wo er an Boden verliert. Kurz gesagt: Sobald Sie fragen "Bei welchen Themen gewinnt der Konkurrent?" statt "Wie viele Besuche genau?", weisen Ihnen diese Tools tatsächlich den Weg.

Ein letzter praktischer Tipp: Führen Sie diese Kalibrierung nicht nur einmal durch. Vergleichen Sie jedes Quartal die Traffic Schätzung des Tools für Ihre Website erneut mit der Search Console und aktualisieren Sie Ihre Spanne. So bemerken Sie Modelländerungen im Tool und neue Funktionen auf der Ergebnisseite früh. Außerdem lohnt es sich, in Berichten bei jeder Zahl die Quelle zu nennen. Diese kleine Disziplin verhindert Fehlentscheidungen im ganzen Team.

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Häufig gestellte Fragen

Wie genau sind Trafficschätzungen für Konkurrenten aus SEO Tools?
Als absolute Zahlen sind sie nur eingeschränkt genau, denn jede Schätzung multipliziert Annahmen zu Suchvolumen, Ranking und Klickrate. Die Abweichung kann je nach Website und Branche groß sein. Vergleiche über die Zeit innerhalb desselben Tools bleiben allerdings nützlich. Am sichersten messen Sie den Fehler des Tools auf Ihrer eigenen Website mit Daten aus der Search Console.
Gibt es eine Möglichkeit, den echten Traffic eines Konkurrenten zu sehen?
Nein. Ohne Zugang zu Analytics oder Search Console des Konkurrenten können Sie seinen echten Traffic nicht sicher kennen. Jede Berechnung von außen bleibt eine Schätzung. Brauchen Sie exakte Zahlen, etwa beim Kauf einer Website, bitten Sie den Verkäufer um direkten Zugang zu Analytics und Search Console. In anderen Fällen genügen kalibrierte Schätzungen und Trendanalysen.
Warum zeigen zwei Tools für dieselbe Website sehr unterschiedliche Zahlen?
Jedes Tool nutzt eine andere Keyworddatenbank, andere Volumenquellen und eine andere Klickratenkurve. Auch Crawlhäufigkeit und Standorteinstellungen unterscheiden sich. Deshalb sollten Sie die Zahlen zweier Tools nie addieren oder mitteln. Wenn Sie ein Tool als Referenz wählen und es mit Ihren eigenen Daten kalibrieren, erhalten Sie deutlich konsistentere Ergebnisse.
Wie oft sollte ich meinen Korrekturfaktor aktualisieren?
Wir empfehlen, den Faktor aus mindestens drei Monaten abzuleiten und ihn alle paar Monate zu erneuern. Tools aktualisieren ihre Datenbanken und Modelle von Zeit zu Zeit, und auch der Aufbau der Ergebnisseiten bei Google ändert sich. Daher verliert ein alter Faktor mit der Zeit an Gültigkeit. Nach starken Rankingschwankungen lohnt sich zudem eine sofortige Prüfung.
Warum sind Daten aus der Search Console verlässlicher als eine Toolschätzung?
Die Search Console zeigt echte Klicks und Impressionen, die Google selbst für Ihre Website misst. Ein Tool schätzt diese Werte dagegen von außen. Auch die Search Console hat Grenzen; zum Beispiel bleiben manche Suchanfragen aus Datenschutzgründen verborgen, und die neuesten Daten können vorläufig sein. Trotzdem bleibt sie die solideste Referenz für Ihre Website.
Wie setze ich Trafficschätzungen in meiner SEO Strategie ein?
Nutzen Sie sie, um zu sehen, welche Themen und Seitencluster den Traffic eines Konkurrenten tragen und ob diese Stärke wächst. Trennen Sie Markensuchen, berichten Sie Zahlen als Spannen und prüfen Sie plötzliche Änderungen mit Google Trends. So setzen Sie Prioritäten für Inhalte und Links genauer. Eine Rankinggarantie liefert allerdings keine Analyse.
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Talha Aslan

Google Partner und Experte für digitales Marketing. Seit 2012 praktisch in SEO, Google Ads, Webdesign und E-Commerce Projekten; jeder Beitrag hier stammt aus dieser Erfahrung.

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