Markenstimme für Social Media: Leitfaden erstellen mit Vorlage

Kurze Antwort
Was ist ein Leitfaden für die Markenstimme und wie erstellen Sie ihn?
Ein Leitfaden für die Markenstimme ist ein kurzes Dokument, das festlegt, wie Ihre Marke in Social Media spricht. Er beschreibt Persönlichkeit, Wortliste, Anrede, Emojis, den Ton bei Kommentaren und Direktnachrichten sowie Unterschiede je Plattform. Dadurch klingt Ihre Markenstimme gleich, egal wer schreibt.
In diesem Beitrag zeigen wir, Talha Aslan und Team, Schritt für Schritt die Vorlage, die wir in der Praxis nutzen. Unser Ziel: Sie sollen den ersten Entwurf an einem Nachmittag schreiben können. Zunächst definieren wir die Persönlichkeit. Danach folgen Wortliste, Anrede und Antwortton. Schließlich zeigen wir, wie Sie den Leitfaden im Team lebendig halten.
Was unterscheidet Markenstimme und Tonalität?
Die Markenstimme bleibt konstant; sie ist der Charakter Ihrer Marke. Die Tonalität dagegen passen Sie an die Situation an. Eine warme, hilfsbereite Marke klingt zum Beispiel bei einer Produktankündigung fröhlich. Bei einer Beschwerde antwortet sie dagegen ruhig und ernst. Das heißt: Die Stimme bleibt, den Ton stellen Sie je nach Anlass ein.
Fehlt diese Unterscheidung, entstehen zwei Fehler. Erstens sprechen Sie in jeder Lage gleich heiter, was in einer Krise unsensibel wirkt. Zweitens zeigen Sie in jedem Beitrag einen anderen Charakter, und Ihre Follower erkennen Sie nicht wieder. Deshalb beschreiben Sie auf der ersten Seite des Leitfadens die Stimme und auf den folgenden Seiten die Tonalität.
- Stimme: Die Antwort auf die Frage, wer wir sind und welchen Charakter wir haben.
- Tonalität: Die Antwort auf die Frage, wie wir in dieser Situation klingen sollten.
- Sprache: Wortwahl, Satzlänge und Schreibregeln.
Warum brauchen Sie eine schriftlich festgehaltene Markenstimme?
In den meisten Unternehmen betreuen mit der Zeit mehrere Personen den Social Media Kanal. Mal schreibt die Inhaberin selbst, mal ein Mitarbeiter, mal ein externes Team. Ohne schriftliche Regeln schreibt jeder nach eigener Gewohnheit. Folglich klingt ein Beitrag förmlich, der nächste verspielt und eine Antwort kühl, und das alles in derselben Woche.
Ein schriftlicher Leitfaden verhindert dieses Auseinanderdriften. Außerdem verkürzt er die Einarbeitung, denn Sie müssen nicht jedes Mal erklären, wie man bei Ihnen nicht schreibt. Zudem beschleunigt er Freigaben, weil Sie Texte am Dokument messen statt am persönlichen Geschmack.
Eine konsistente Markenstimme hilft Followern außerdem, Ihren Beitrag im Feed schon vor dem Logo zu erkennen. Aus dieser Wiedererkennung entsteht mit der Zeit Vertrauen, und aus Vertrauen entstehen Anfragen.
Falls Sie bereits an der Sprache Ihrer Website gearbeitet haben, stimmen Sie den Social Media Leitfaden darauf ab. Dieses Thema behandeln wir ausführlich im Beitrag Markensprache für die Website entwickeln. Hier konzentrieren wir uns also nur auf das, was speziell Social Media betrifft.
Auch bei externen Partnern zahlt sich der Leitfaden aus. Statt langer Meetings schicken Sie einer Designerin, einem Creator oder einer neuen Agentur einfach dieses Dokument. Der erste Entwurf trifft dann genauer, und Sie sparen Korrekturschleifen.
Wie definieren Sie die Persönlichkeit Ihrer Marke?
Stellen Sie sich Ihre Marke zunächst als Person vor. Wie würde diese Person in einem Meeting sprechen? Was würde sie tragen, und über welche Witze würde sie lachen? Fassen Sie die Antworten in drei bis vier Adjektiven zusammen, etwa „freundlich, kompetent, klar, geduldig“.
Adjektive allein reichen allerdings nicht, denn jeder versteht „freundlich“ anders. Deshalb ergänzen Sie zu jedem Adjektiv eine Notiz nach dem Muster „das heißt, das heißt nicht“. In der Praxis wird diese kleine Ergänzung zum nützlichsten Teil des Leitfadens.
- Notieren Sie, wie Kundinnen und Kunden Sie heute beschreiben.
- Notieren Sie, wie Sie beschrieben werden möchten.
- Wählen Sie drei bis vier Adjektive, die die Lücke dazwischen schließen.
- Legen Sie für jedes Adjektiv eine Grenze fest, was es nicht bedeutet.
- Lesen Sie die Adjektive in einer fünfminütigen Teambesprechung laut vor und notieren Sie Einwände.
Wählen Sie dabei möglichst Paare, die sich gegenseitig ausbalancieren. Ein „energiegeladener“ Auftritt bekommt zum Beispiel mit „verlässlich“ ein Gegengewicht, damit Energie nicht in Schlampigkeit kippt. Ebenso verhindert „verständlich“ neben „fachkundig“, dass Wissen belehrend klingt.
Wie bauen Sie eine Tabelle „so, nicht so“ für Ihre Adjektive?
Die folgende Tabelle ist ein Entwurf, den wir als Beispielszenario für ein Café im Viertel erstellt haben. Übernehmen Sie die Spalten und tauschen Sie die Zeilen gegen Ihre eigenen. So entstehen aus abstrakten Adjektiven konkrete Schreibentscheidungen.
| Adjektiv | Das heißt | Das heißt nicht |
|---|---|---|
| Freundlich | Alltagssprache, kurze Sätze, Gäste beim Namen nennen | Anbiederung, Slang, zu viele Emojis |
| Kompetent | Die Herkunft des Kaffees verständlich erklären | Fachbegriffe ohne Ende, belehrender Ton |
| Klar | Öffnungszeiten, Preise und Adresse offen nennen | Trockene, befehlende Sätze |
| Geduldig | Freundliche Antwort auf eine wiederholte Frage | Kopierte, roboterhafte Antworten |
Schreiben Sie beim Ausfüllen möglichst in jede Zelle einen echten Beispielsatz. Ergänzen Sie etwa in der Zeile „freundlich“ den Satz „Die Kekse kommen gerade frisch aus dem Ofen, schauen Sie vorbei“. Ihr Team ahmt solche Beispiele nämlich viel eher nach, als Regeln zu lesen.
Wie erstellen Sie eine Wortliste mit erlaubten und verbotenen Wörtern?
Die Wortliste ist die praktischste Seite des Leitfadens. Legen Sie zwei Spalten an: „Wir sagen“ und „Wir sagen nicht“. In die erste Spalte gehören Wörter, die Ihre Marke oft wiederholt und die zur Persönlichkeit passen. In die zweite Spalte gehören Wörter, die verwirren, übertreiben oder an Mitbewerber erinnern.
- Produktnamen: Schreiben Sie Produkte immer gleich und legen Sie Groß- und Kleinschreibung fest.
- Übertreibungen: Streichen Sie Aussagen, die Sie nicht belegen können, etwa „die besten“ oder „garantiert“.
- Fachjargon: Ersetzen Sie Begriffe, die Kunden nicht verstehen, durch einfache Wörter.
- Anglizismen: Entscheiden Sie einmal, ob Sie „Story“ oder „Geschichte“ schreiben.
- Heikle Wörter: Markieren Sie Formulierungen, die Sie bei Beschwerden und in Krisen nie verwenden.
Halten Sie die Liste kurz; fünfzehn bis zwanzig Wörter je Spalte genügen. Eine lange Liste liest niemand, und was niemand liest, setzt auch niemand um. Daher notieren Sie nur Entscheidungen, die häufig vorkommen.
Du oder Sie: Wie treffen Sie die Entscheidung zur Anrede?
Im Deutschen bestimmt die Anrede direkt die Distanz Ihrer Marke. Das Du wirkt nah und dynamisch; es passt zu jungen Zielgruppen, Lifestyle und Unterhaltung. Das Sie wirkt respektvoll und vertrauenswürdig; es ist für Dienstleister, B2B Firmen und breite Altersgruppen meist die sicherere Wahl.
Wichtiger als die Wahl selbst ist allerdings die Konsequenz. Ein Beitrag, der mit Du beginnt und mit Sie endet, wirkt nachlässig. Schreiben Sie deshalb eine klare Regel in den Leitfaden, etwa: „In Beiträgen und Antworten siezen wir.“
Wenn Sie unsicher sind, sehen Sie sich die Kommentare und Nachrichten des letzten Monats an. Wie sprechen Ihre Kunden Sie an? Schauen Sie zudem auf die Kanäle, denen Ihre Zielgruppe folgt, nicht auf Ihre Mitbewerber. Diese zwei Beobachtungen zeigen meist schon die richtige Richtung.
Manche Marken duzen in Beiträgen und siezen in Direktnachrichten. Auch das ist eine vertretbare Wahl, solange sie schriftlich feststeht. Andererseits wirkt es professioneller, bei der eigenen Regel zu bleiben, selbst wenn ein Kunde Sie duzt.
Wie begrenzen Sie Emojis im Leitfaden?
Emojis transportieren Tonalität, doch zu viele davon erdrücken die Botschaft. Klären Sie im Leitfaden drei Fragen: welche Emojis Sie nutzen, wie viele pro Beitrag und wann Sie gar keine verwenden.
- Legen Sie ein kurzes freigegebenes Set von fünf bis zehn passenden Emojis fest.
- Bestimmen Sie eine Obergrenze pro Beitrag, zum Beispiel höchstens drei in der Caption.
- Verzichten Sie bei Beschwerden, Verzögerungen und Krisen komplett auf Emojis.
- Setzen Sie Emojis, deren Bedeutung je nach Kultur schwankt, auf die Verbotsliste.
- Platzieren Sie Emojis für Screenreader Nutzer am Satzende statt mitten im Satz.
Der letzte Punkt betrifft Barrierefreiheit, denn Screenreader lesen jedes Emoji laut vor. Mehr dazu finden Sie in unserem Beitrag zur Barrierefreiheit in Social Media.
Wie setzen Sie die Markenstimme in Captions um?
In der Caption zeigt sich die Stimme am deutlichsten. Definieren Sie deshalb ein einfaches Gerüst: Einstiegssatz, Nutzensatz, Handlungsaufforderung. So trifft jeder Autor denselben Rhythmus.
Der Einstieg kann zum Beispiel immer mit einer Frage oder einer Beobachtung beginnen. Der Nutzensatz sagt, was die Leser davon haben. Die Handlungsaufforderung bittet dann um genau eine Sache. Wer gleichzeitig um Speichern, Teilen und Kommentieren bittet, zerstreut die Aufmerksamkeit.
Die technische Seite des Schreibens erklären wir in Instagram Caption: Bedeutung und Beispiele. Hier ergänzen wir nur einen Punkt: Der Leitfaden sollte auch die Länge festlegen. Eine knappe Marke und eine erzählende Marke schreiben nie gleich lange Captions.
In welchem Ton antworten Sie auf Kommentare?
Antworten auf Kommentare sind öffentlich. Sie sprechen also nicht nur mit einer Person, sondern mit allen, die mitlesen. Teilen Sie Kommentare im Leitfaden deshalb in vier Gruppen ein und legen Sie für jede einen Ton fest.
| Kommentarart | Ton | Antwortansatz |
|---|---|---|
| Lob | Warm, kurz | Bedanken und die Person beim Namen nennen |
| Frage | Klar, hilfsbereit | Direkt antworten, bei Bedarf in die Nachrichten einladen |
| Beschwerde | Ruhig, verantwortungsvoll | Entschuldigen und die Lösung in eine private Nachricht verlagern |
| Beleidigung oder Spam | Keine Antwort | Nach den Gemeinschaftsregeln ausblenden oder melden |
Statt beleidigende Kommentare einzeln zu löschen, nutzen Sie besser die Filterfunktionen der Plattform. Wie das geht, zeigen wir in Instagram verborgene Wörter: Kommentare filtern. Welche Inhalte die Plattform entfernen darf, erklären die Gemeinschaftsstandards von Meta.
Wie formulieren Sie den Ton für Direktnachrichten?
In einer Direktnachricht sprechen Sie eins zu eins, und die Kundin kommt meist mit einem konkreten Anliegen. Deshalb sollte der Ton etwas schlichter und lösungsorientierter sein als in Beiträgen. Schreiben Sie ein Muster für Einstieg, Hauptteil und Abschluss in den Leitfaden. Allerdings als Rahmen, nicht als Text zum wortwörtlichen Kopieren.
- Einstieg: Gruß und Name, bei Wartezeit ein kurzer Dank für die Geduld.
- Hauptteil: Kurze Zusammenfassung des Anliegens, klare Antwort und gegebenenfalls der nächste Schritt.
- Abschluss: Nachfragen, ob noch etwas offen ist, und ein markentypischer Gruß.
Falls Sie gespeicherte Antworten nutzen, machen Sie es zur Regel, jede um mindestens einen persönlichen Satz zu ergänzen. Sonst fühlt sich die Kundin wie im Gespräch mit einem Bot. Zudem sollten Sie veränderliche Angaben wie Preise, Rückgabe und Lieferzeiten nicht fest in Vorlagen schreiben. Prüfen Sie stattdessen jedes Mal den aktuellen Stand.
Wie verändert sich die Tonalität je nach Plattform?
Ihre Markenstimme bleibt auf jeder Plattform gleich. Dennoch hat jede Plattform eigene Gewohnheiten. Instagram ist visuell und persönlich, LinkedIn professionell und TikTok schnell und verspielt. Schreiben Sie daher für jede Plattform einen kurzen Absatz mit Einstellungen in den Leitfaden.
| Plattform | Tonalität | Worauf Sie achten sollten |
|---|---|---|
| Warm, bildstark, mittlere Länge | Die erste Zeile der Caption weckt Neugier | |
| Professionell, erfahrungsbasiert | Wenige Emojis, konkreter Nutzen zuerst | |
| TikTok | Schnell, verspielt, umgangssprachlich | Kurzer Text, die Stimme trägt das Video |
| Gemeinschaftlich, informativ | Klare Angaben bei Events und Ankündigungen | |
| X | Kurz, pointiert, aktuell | Grenzen für Humor vorab festlegen |
Auch die Regeln der Plattformen prägen den Ton. Die LinkedIn Richtlinien für die professionelle Community erwarten zum Beispiel einen professionellen Umgang. Kurz gesagt: Richten Sie die Tonalität nicht nur nach Geschmack, sondern auch nach den Regeln aus.
Teilen Sie denselben Inhalt auf mehreren Plattformen, passen Sie den Text jeweils an, statt ihn zu kopieren. Machen Sie also aus einem lockeren Instagram Einstieg für LinkedIn einen Satz, der eine Erfahrung schildert.
Wie zeigen Sie mit Beispielsätzen „nicht so, sondern so“?
Der meistgelesene Teil eines Leitfadens ist meist die Liste „nicht so, sondern so“. Zwei Sätze nebeneinander zeigen Schreibenden ihre Fehler sofort, viel besser als eine abstrakte Regel. Das folgende Beispielszenario haben wir für ein Modegeschäft entworfen.
- Nicht so: „Ihre Bestellung verzögert sich aufgrund systemseitiger Probleme.“ Sondern so: „Ihre Bestellung ist wegen eines Fehlers bei uns spät dran. Das tut uns leid, morgen geht sie raus.“
- Nicht so: „DIE BESTEN PREISE ALLER ZEITEN!!!“ Sondern so: „Diese Woche sind Teile aus der Saison reduziert.“
- Nicht so: „Schreiben Sie uns per DM.“ Sondern so: „Schicken Sie uns Ihre Größe per Nachricht, dann prüfen wir sofort den Bestand.“
- Nicht so: „Danke für Ihren Kommentar.“ Sondern so: „Frau Weber, schön, dass Ihnen die Jacke gefällt.“
Ergänzen Sie diese Liste jeden Monat um neue Zeilen. Übernehmen Sie vor allem Sätze, über die Ihr Team diskutiert hat. So wird der Leitfaden zu einem lebendigen Dokument, das aus Ihrer eigenen Erfahrung wächst.
Wie schützen Sie die Markenstimme in Krisen und bei Beschwerden?
In einer Krise steht die Markenstimme auf dem härtesten Prüfstand. Unter Druck schreibt das Team schnell, und der Ton kippt leicht ins Defensive. Fügen Sie deshalb eine eigene Seite für schwierige Momente hinzu.
- Stoppen Sie sofort Witze, Emojis und Kampagnensprache.
- Prüfen Sie geplante Beiträge und verschieben Sie alles, was nicht mehr passt.
- Schreiben Sie eine kurze, ruhige und verantwortungsvolle erste Stellungnahme.
- Spekulieren Sie nicht; sagen Sie „Wir prüfen das und melden uns“, und melden Sie sich dann zur genannten Zeit.
- Bündeln Sie die Antwortbefugnis bei einer Person oder einer Freigabestelle.
Alle Schritte des Krisenmanagements beschreiben wir in Krisenmanagement in Social Media. Der Leitfaden hat eine engere Aufgabe: Er sorgt dafür, dass Ihre Marke selbst in der Krise wiedererkennbar bleibt.
Wie übertragen Sie die Markenstimme auf Stories und Videos?
In Stories und kurzen Videos transportieren Sprache, Musik und Schnitttempo die Stimme, nicht nur Text. Daher braucht der Leitfaden einen Abschnitt für Bild und Ton. Eine freundliche Marke spricht etwa direkt in die Kamera. Eine seriöse Marke wählt stattdessen eher Sprecherstimme und schlichte Texttafeln.
- Sprecher: Legen Sie fest, wer in Videos spricht und welche Anrede gilt.
- Bildschirmtext: Bestimmen Sie eine Regel für Schrift, Länge und Großbuchstaben.
- Musik: Listen Sie passende Musikstile auf und prüfen Sie jedes Mal die Rechte für gewerbliche Nutzung.
- Untertitel: Halten Sie Sprache und Schreibweise der Untertitel gleich wie in den Captions.
Auch Texte in Umfragen und Fragesticker gehören zur Stimme. „Was würdest du wählen?“ und „Was bevorzugen Sie?“ spiegeln direkt Ihre Anredeentscheidung. Schreiben Sie also auch diese kleinen Texte nach dem Leitfaden. Bei Livestreams bleibt wenig Zeit zur Vorbereitung; geben Sie der Moderation deshalb vorab eine einseitige Zusammenfassung.
Wie bewahren Sie die Stimme bei Aktionen und Rabatten?
In Aktionszeiten verlieren Marken ihre Stimme am häufigsten. Unter Verkaufsdruck tauchen plötzlich Großbuchstaben, Ausrufezeichen und Übertreibungen auf. Dabei wollen Follower auch dann dieselbe Marke hören. Ergänzen Sie den Leitfaden deshalb um einen kurzen Abschnitt zur Aktionssprache.
Drei Regeln genügen hier. Erstens nennen Sie Rabatt und Laufzeit klar und überprüfbar. Zweitens nutzen Sie Formulierungen wie „letzte Chance“ nur, wenn sie wirklich stimmen. Drittens stellen Sie die Aktionsbedingungen vollständig in die Caption oder einen Link. Somit verkaufen Sie, ohne Vertrauen zu verspielen.
Denken Sie als Beispielszenario an eine Buchhandlung mit ruhiger, kundiger Stimme. Ihre Aktion könnte so beginnen: „Eine gute Woche, um Ihre Leseliste abzuschließen: ausgewählte Romane sind reduziert.“ Eine schreiende Ankündigung würde hier fremd wirken. Kurz gesagt darf der Ton steigen, der Charakter aber bleibt.
Wie geben Sie die Markenstimme an Creator und Partner weiter?
Bei Kooperationen mit Creatorn treffen zwei Stimmen aufeinander: Ihre und deren. Follower kennen den Creator mit seiner eigenen Stimme, also schadet ein kompletter Umbau seines Stils der Glaubwürdigkeit. Teilen Sie im Briefing deshalb eine kurze Zusammenfassung statt des ganzen Dokuments.
- Nennen Sie die drei Adjektive der Marke mit ihren Grenzen.
- Listen Sie die Wörter auf, die keinesfalls vorkommen sollen.
- Geben Sie die korrekte Schreibweise der Produktnamen und die Grenzen von Aussagen an.
- Bitten Sie um die Kennzeichnung als Werbung nach den Regeln der Plattform.
- Überlassen Sie den Rest dem eigenen Stil des Creators.
Diese Balance schützt die Wiedererkennung und hält den Inhalt natürlich. Klären Sie zudem vorab Grenzen für Beleidigungen und Streit in den Kommentarantworten des Creators. Dann bleibt ein möglicher Konflikt beherrschbar, bevor er auf Ihre Marke überspringt.
Wie sorgen Sie für Einheitlichkeit im Team?
Selbst der beste Leitfaden nützt nichts, wenn ihn niemand liest. Legen Sie das Dokument deshalb dorthin, wo Ihr Team täglich hinschaut: in einen geteilten Ordner, auf die erste Seite des Redaktionsplans oder in den Notizbereich Ihres Verwaltungstools. Machen Sie das Lesen außerdem zur Aufgabe am ersten Arbeitstag.
- Führen Sie einen kurzen Freigabeschritt ein, damit jeder Beitrag vor der Veröffentlichung einmal gegen den Leitfaden läuft.
- Wählen Sie einmal im Monat drei veröffentlichte Beiträge und besprechen Sie diese gemeinsam.
- Nutzen Sie schwache Beispiele als Material für die Liste „nicht so, sondern so“, nicht als Vorwurf.
- Teilen Mitarbeitende die Marke auf privaten Profilen, geben Sie ihnen eine Kurzfassung.
Der letzte Punkt zählt besonders bei Programmen mit Mitarbeitenden als Markenbotschaftern. Mehr dazu lesen Sie in Employee Advocacy: Mitarbeitende als Markenbotschafter. Mitarbeitende behalten ihre eigene Stimme, halten sich aber an die Grundregeln, sobald sie für die Marke sprechen.
Wächst das Team, hilft zudem eine verantwortliche Person für die Stimme. Sie entscheidet bei strittigen Sätzen und dokumentiert jede Änderung. So kommen die Regeln aus einer Quelle statt von Person zu Person zu wandern.
Welche Abschnitte gehören in eine Vorlage für die Markenstimme?
Die folgende Vorlage können Sie direkt übernehmen und für Ihre Marke ausfüllen. Kein Abschnitt sollte länger als eine halbe Seite sein; insgesamt kommen Sie dann auf fünf bis acht Seiten.
- Wer wir sind: Eine Zusammenfassung der Marke und ihrer Zielgruppe in einem Absatz.
- Persönlichkeit: Drei bis vier Adjektive und die Tabelle „so, nicht so“.
- Anrede: Die Regel für Du oder Sie, getrennt für Beiträge und Nachrichten.
- Wortliste: Die Spalten „Wir sagen“ und „Wir sagen nicht“.
- Emojiregeln: Freigegebenes Set, Obergrenze und Ausnahmen.
- Ton bei Kommentaren und Nachrichten: Antworttabelle und Rahmen für Direktnachrichten.
- Plattformen: Ein Absatz pro Plattform.
- Nicht so, sondern so: Mindestens zehn Satzpaare.
- Schwierige Momente: Sprache für Krisen und Beschwerden.
- Änderungsprotokoll: Datum der letzten Änderung und verantwortliche Person.
Bauen Sie diese Struktur zum ersten Mal auf und fehlt Ihrem Team die Zeit dafür, übernehmen wir das im Rahmen unserer Social Media Betreuung. Wir erarbeiten den Leitfaden gemeinsam mit Ihnen und betreuen Ihre Kanäle danach entsprechend.
Welche Fehler passieren beim Erstellen am häufigsten?
Den häufigsten Fehler sehen wir darin, den Leitfaden einmal zu schreiben und dann abzulegen. Ein weiterer Fehler ist zu viel Umfang; einen vierzigseitigen Leitfaden öffnet niemand. Außerdem listen viele nur Adjektive auf, ohne Beispielsätze.
Ebenfalls verbreitet ist es, die Stimme eines Mitbewerbers zu kopieren. Wer dessen Humor übernimmt, nur weil er zu funktionieren scheint, macht die eigene Marke zur Kopie. Hören Sie stattdessen darauf, wie Ihre eigenen Kunden mit Ihnen sprechen, und beginnen Sie dort.
Schließlich vergessen Teams, die mit KI Werkzeugen texten, oft, dem Werkzeug den Leitfaden mitzugeben. Geben Sie Adjektive, Wortliste und Beispielsätze als Anweisung mit, dann liegen die Entwürfe deutlich näher an Ihrer Marke. Trotzdem sollte ein Mensch jeden Entwurf ein letztes Mal lesen.
Ein verwandter Fehler: den Leitfaden nur mit der Geschäftsführung abzustimmen. Holen Sie Vertrieb und Kundenservice dazu, denn diese Kolleginnen und Kollegen hören die echte Stimme der Marke jeden Tag.
Wie oft sollten Sie die Markenstimme überprüfen?
Wir empfehlen, den Leitfaden alle sechs Monate zu prüfen. Bei großen Veränderungen aktualisieren Sie ihn sofort. Beispiele dafür sind eine neue Produktlinie, eine neue Zielgruppe, eine neue Plattform oder ein neues Erscheinungsbild.
Stellen Sie bei der Prüfung drei Fragen. Erstens: Nehmen uns Follower noch so wahr, wie wir uns beschreiben? Zweitens: Welche Regel bricht das Team immer wieder, und warum? Drittens: Hat eine Plattform Regeln geändert, die uns betreffen? Da sich Plattformregeln ändern können, prüfen Sie den aktuellen Stand immer auf den offiziellen Hilfeseiten.
Schicken Sie dem Team nach der Aktualisierung eine kurze Notiz, was sich geändert hat und warum. Dann setzen alle die neue Regel am selben Tag um.
Woran erkennen Sie, ob Ihre Markenstimme wirkt?
Eine Stimme lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl messen. Allerdings können Sie indirekte Signale beobachten. Verändert sich der Ton der Kommentare? Erkennen Follower Ihre Beiträge ohne Logo? Wiederholen sich dieselben Fragen in Nachrichten seltener?
- Qualitative Signale: Tauchen in Kommentaren Wörter auf, die zur Persönlichkeit Ihrer Marke passen?
- Interaktion: Verändern sich Speicherungen und Weiterleitungen über die Zeit?
- Supportaufwand: Sinken wiederholte Fragen nach klar formulierten Beiträgen?
- Interne Konsistenz: Findet die monatliche Prüfung weniger Beiträge, die vom Leitfaden abweichen?
Betrachten Sie dabei Entwicklungen über mehrere Monate, nicht einzelne Beiträge. Algorithmusänderungen und Saisonalität beeinflussen einzelne Posts. Geben Sie dem Leitfaden also genug Zeit, bevor Sie Schlüsse ziehen.
Sollten Sie den Leitfaden selbst schreiben oder mit einem Team?
In einem kleinen Unternehmen kann die Inhaberin den Leitfaden selbst schreiben; schließlich kennt niemand die Marke besser. Die Vorlage in diesem Beitrag reicht für einen ersten Entwurf. Mit mehreren Plattformen, mehreren Autoren und regem Kommentarverkehr wird die Umsetzung allerdings zu einer eigenen Aufgabe.
Dann erarbeiten wir, Talha Aslan und Team, die Markenstimme gemeinsam mit Ihnen. Anschließend betreuen wir Redaktionsplan, Kommentare und Nachrichten nach diesem Leitfaden. Schildern Sie uns Ihre Kanäle und Ziele, dann erstellen wir ein individuelles Angebot. Das Anfrageformular finden Sie auf unserer Seite zur Social Media Betreuung.
Egal welchen Weg Sie wählen, der erste Schritt bleibt gleich. Schreiben Sie drei Adjektive auf, ergänzen Sie zu jedem eine Grenze und teilen Sie das Ergebnis mit Ihrem Team. Aus diesem kleinen Anfang wächst der Leitfaden, und nach einigen Monaten ist er das Dokument, das Ihr Team am häufigsten öffnet.
Grundlagen: Was ist Online Marketing? Arten, Beispiele und Vorgehen auf einer Seite, mit einem interaktiven Film durch das Gehirn.



