Markensprache für die Website entwickeln: Leitfaden für einheitliche Tonalität

Schon nach wenigen Sätzen auf einer Website spüren Sie, wer hinter einem Unternehmen steht. Dieses Gefühl steuert die Markensprache. In diesem Leitfaden zeige ich, wie ich eine Markenstimme definiere, Tonalitätsskalen aufbaue, eine Tabelle mit Dos und Don'ts schreibe und das Ganze an die Bereiche einer Website anpasse. Microcopy wie Buttons oder Fehlermeldungen behandle ich hier bewusst nicht. Im Mittelpunkt steht also die Stimme selbst.
Was ist Markensprache auf der Website und warum ist sie wichtig?
Markensprache ist die einheitliche Persönlichkeit, Wortwahl und Ausdrucksweise, die ein Unternehmen in allen Texten verwendet. Auf der Website sorgt sie dafür, dass Besucher Sie im ersten Absatz erkennen, auf jeder Seite dieselbe Person hören und Vertrauen aufbauen. Kurz gesagt ist sie das Logo in Textform.
Das visuelle Erscheinungsbild nehmen die meisten Firmen ernst. Farbcodes, Schriften und Logoregeln liegen bereit. Die Texte haben allerdings oft keinen Verantwortlichen. Eine Agentur schreibt die Startseite, ein Praktikant die Leistungsseiten und ein anderes Team den Blog. Folglich spricht die Website mit drei Stimmen.
Besucher benennen dieses Durcheinander selten, sie spüren es trotzdem. Wer erst einen lockeren, dann einen steifen und zuletzt einen reißerischen Text liest, denkt schnell: Diese Firma weiß selbst nicht genau, wer sie ist. Deshalb ist Markensprache weniger eine Stilfrage als eine Frage des Vertrauens.
Worin unterscheiden sich Markenstimme und Tonalität?
Ohne diese Trennung schreiben Sie keinen stimmigen Leitfaden. Der öffentliche Content Styleguide von Mailchimp bringt es auf den Punkt: Die Stimme bleibt immer gleich, der Ton dagegen ändert sich mit der Situation und der Stimmung des Lesers.
Meinen Kunden erkläre ich es so. Die Stimme ist Ihr Charakter. Der Ton ist die Stimmung dieses Charakters im jeweiligen Moment. Zum Beispiel sprechen Sie auf einer Hochzeit anders als bei einer Beerdigung, und trotzdem bleiben Sie dieselbe Person. Genauso funktioniert Ihre Marke.
- Stimme: Persönlichkeit, Werte und Wortschatz der Marke. Sie bleibt über Jahre stabil.
- Ton: die Stimme, angepasst an den Kontext. Er wechselt je nach Seite, Kanal und Lage des Lesers.
- Stil: technische Entscheidungen wie Satzlänge, Anrede und Zeichensetzung.
Das Ziel ist also nicht, überall gleich zu klingen. Vielmehr sollen Sie überall wie dieselbe Person klingen, und zwar im passenden Ton.
Wo beginnen Sie, wenn Sie eine Markensprache entwickeln?
Zunächst brauchen Sie einen ehrlichen Blick auf den Ist Zustand. Dafür sammle ich alle Texte in einem Dokument: Startseite, Leistungen, Über uns, Blog, Kontakt, E-Mail Vorlagen und Profiltexte in sozialen Netzwerken. Dann versehe ich jeden Text mit einem Wort: förmlich, werblich, freundlich oder technisch.
Diese Bestandsaufnahme überrascht fast immer. Der Inhaber beschreibt die Firma als herzlich und nahbar, doch der Großteil der Website besteht aus Floskeln. Genau diese Lücke zeigt, was der Leitfaden korrigieren muss.
Danach höre ich drei Quellen an:
- Inhaber oder Geschäftsführung: Wie soll die Marke wahrgenommen werden?
- Vertrieb und Kundenservice: Wie sprechen sie tatsächlich mit Kunden?
- Kunden: Welche Wörter nutzen sie in Bewertungen, Nachrichten und Gesprächen?
Die dritte Quelle ist die wertvollste. Denn die Wörter Ihrer Kunden sind die Wörter, die auf Ihre Website gehören. Wie ich das systematisch erfasse, beschreibe ich in meinem Beitrag zur Zielgruppenanalyse.
Wie definieren Sie die Persönlichkeit Ihrer Marke?
Die Persönlichkeit ist das Rückgrat jedes Leitfadens zur Markensprache. Ich beschränke sie auf drei oder vier Adjektive. Mehr merkt sich niemand, weniger geben keine Richtung vor. Ein Set wie kompetent, klar, ehrlich und ruhig funktioniert zum Beispiel gut.
Adjektive allein reichen allerdings nicht. Denn fast jede Firma nennt sich zuverlässig und innovativ. Deshalb ergänze ich jedes Adjektiv um zwei Hinweise: was es bedeutet und was es nicht bedeutet. Ein Beispiel:
- Kompetent: Wir kennen das Thema genau und erklären es einfach. Wir beeindrucken nicht mit Fachjargon.
- Freundlich: Wir begegnen Lesern auf Augenhöhe. Wir werden nicht flapsig und opfern keine Klarheit für einen Witz.
- Ehrlich: Wir nennen unsere Grenzen. Wir versprechen keine garantierten Ergebnisse.
- Ruhig: Wir erzeugen keine künstliche Dringlichkeit. Ausrufezeichen setzen wir selten.
Der Teil „bedeutet nicht" ist der eigentlich nützliche. Zögert ein Autor, sieht er dort die Grenze. Somit wird aus einem vagen Schlagwort eine Regel, die Ihr Team anwenden kann.
Wie bauen Sie Tonalitätsskalen auf?
Die Persönlichkeit bleibt fest, der Ton dagegen muss sich justieren lassen. Dafür nutze ich Skalen. Die Nielsen Norman Group beschreibt in ihrer Studie zur Tonalität vier Dimensionen: formell oder locker, ernst oder humorvoll, respektvoll oder respektlos, sachlich oder begeistert.
In derselben Studie bewerteten 50 Teilnehmer Seiten mit identischem Design, aber unterschiedlichem Ton. Die Unterschiede lagen bei etwa einem halben bis einem Punkt auf einer Fünferskala. Dennoch waren sie statistisch signifikant. Anders gesagt: Der Ton ist kein Detail, sondern hat eine messbare Wirkung.
In der Praxis mache ich aus jeder Dimension eine Linie mit fünf Stufen. Dann markiere ich die Standardposition der Marke. Konkret sieht das für ein Ingenieurbüro etwa so aus:
- Formell 1, locker 5: Standard 3.
- Ernst 1, humorvoll 5: Standard 2.
- Respektvoll 1, respektlos 5: Standard 1.
- Sachlich 1, begeistert 5: Standard 2.
Diese Werte sind ein Rechenbeispiel, Ihre Marke liegt womöglich anders. Entscheidend ist also, dass Ihr Team auf dieselbe Linie schaut statt auf eine vage Anweisung wie „etwas lockerer bitte".
Wie verändert sich der Ton von Seite zu Seite?
Die Standardposition ist die Mitte Ihres Spielraums. Jeder Seitentyp darf ein oder zwei Stufen davon abweichen. Die Grenzen der Persönlichkeit verlässt er allerdings nie. Definieren Sie diesen Spielraum nicht, schreiben Autoren entweder überall gleich monoton oder driften nach eigenem Geschmack ab.
Auf der Startseite heben Sie die Begeisterung zum Beispiel um eine Stufe an, denn dort begrüßen Sie Besucher. Auf Preis und Vertragsseiten rücken Sie dagegen Richtung sachlich, weil Leser dort Klarheit wollen. Im Blog darf die Freundlichkeit steigen. Die Leser wollen lernen, und ein Gesprächston hält sie auf der Seite.
Zudem bestimmt die Gefühlslage des Lesers den Ton. Ein witziger Text vor einem Kunden mit Zahlungsproblem lässt selbst eine wohlmeinende Marke taktlos wirken. Deshalb notiere ich im Leitfaden für jeden Seitentyp, wie sich der Leser dort vermutlich fühlt. Danach wählen Sie den Ton.
Wie erstellen Sie eine Tabelle mit Dos und Don'ts?
Diese Tabelle schlagen Autoren am häufigsten auf. Zwei Beispiele nebeneinander beenden eine Diskussion in Sekunden, abstrakte Regeln schaffen das selten. Ich baue die Tabelle deshalb immer aus echten Texten der Website. Schwache Sätze aus der Bestandsaufnahme landen in der Spalte „nicht so", die überarbeitete Fassung in der Spalte „so".
| Thema | So | Nicht so |
|---|---|---|
| Anrede | „Ihr Angebot schicken wir innerhalb von zwei Werktagen." | „Ein Angebot wird Ihnen zeitnah übermittelt werden." |
| Kompetenz | „Ein Team mit 20 Jahren Erfahrung im Stahlbau." | „Der führende, innovative Lösungspartner der Branche." |
| Versprechen | „Wir planen gemeinsam und berichten jeden Monat." | „Garantierter Erfolg, sichere Ergebnisse!" |
| Fachbegriffe | „Strukturierte Daten beschreiben Ihre Seite für Google." | „Durch Schema Implementierung maximieren wir die SERP Sichtbarkeit." |
| Dringlichkeit | „Wir nehmen vier Projekte pro Monat an." | „LETZTE CHANCE!!! Jetzt zugreifen!" |
| Absage | „Diese Leistung bieten wir nicht an; diese Quelle hilft Ihnen weiter." | „Leider kann Ihre Anfrage nicht berücksichtigt werden." |
Ich halte die Tabelle unter zehn Zeilen. Eine lange Tabelle liest niemand, eine kurze hängt dagegen bald neben dem Bildschirm.
Warum braucht Markensprache eine Wortliste?
Nichts zerstört Einheitlichkeit schneller als wechselnde Begriffe für dieselbe Sache. Steht auf einer Seite Kunde, auf der nächsten Klient und auf der dritten Nutzer, glauben Leser womöglich an drei verschiedene Gruppen. Deshalb gehört in jeden meiner Leitfäden eine Wortliste.
Sie besteht aus drei Teilen:
- Bevorzugte Begriffe: Namen von Leistungen und Produkten, zentrale Konzepte und ihre einzig richtige Schreibweise.
- Verbotene Floskeln: „Marktführer", „ganzheitliche Lösungen", „höchste Qualität" und ähnliche Leerformeln.
- Schreibregeln: Abkürzungen, Groß und Kleinschreibung, Zahlen als Ziffer oder als Wort.
Schon die Liste der Floskeln hebt die Textqualität spürbar. Wer „Marktführer" nicht mehr schreiben darf, muss einen echten Beleg liefern. Somit schiebt die Liste Autoren ganz nebenbei zu besseren Inhalten. Wie natürlich Ihre Schlüsselbegriffe verteilt sind, prüfen Sie außerdem mit dem Keyword Dichte Tool.
Sollten Sie Ihre Leser duzen oder siezen?
Im Deutschen ist die Wahl zwischen Du und Sie die sichtbarste Entscheidung der Markensprache. Treffen Sie sie nach der Erwartung Ihrer Zielgruppe, nicht nach der Gewohnheit der Branche. Eine Modemarke für junge Käufer kann locker duzen. Eine Kanzlei oder ein Industriebetrieb kommt dagegen am Sie kaum vorbei.
Das eigentliche Problem ist allerdings nicht die Wahl, sondern die Mischung. Ein Du auf der einen und ein Sie auf der anderen Seite irritiert Leser. Manchmal finde ich sogar beides im selben Absatz. Halten Sie die Entscheidung daher in einem Satz fest und wenden Sie sie ohne Ausnahme an.
Ebenso wichtig ist, wie die Firma über sich selbst spricht. „Wir" klingt warm und übernimmt Verantwortung. „Unser Unternehmen" oder „die Firma" schafft dagegen Distanz. Ich empfehle das Wir sogar auf sehr seriösen Websites. Denn Leser wollen spüren, dass sie mit Menschen arbeiten und nicht mit einer Institution.
Wie passen Sie Ihre Markensprache an die Bereiche der Website an?
Jeder Bereich hat eine andere Aufgabe, deshalb stellen Sie den Ton jeweils anders ein. Die folgende Übersicht ist der Startrahmen aus meinen Leitfäden. Er beruht auf Praxiserfahrung und ist keine Garantie für jede Marke.
- Startseite: die höchste Energie. Kurz, klar, ein zentrales Versprechen.
- Leistungsseiten: kompetent und erklärend. Erst der Nutzen, dann die Merkmale. Den Aufbau solcher Seiten beschreibe ich im Beitrag über conversionorientiertes Webdesign.
- Über uns: der persönlichste Bereich. Hier dürfen Sie in der Ichform erzählen.
- Blog: lehrreich und im Gesprächston. Die Freundlichkeit darf eine Stufe steigen.
- Preise, Verträge und Rechtliches: der sachlichste Ton. Kein Witz, keine Euphorie.
- Karriere: warm und ehrlich. Die Kultur beschreiben Sie ohne Übertreibung.
Steht diese Liste im Leitfaden, bestimmt jeder Autor zuerst den Seitentyp und wählt dann den Ton. Folglich ersetzen Sie Diskussionen durch Entscheidungen.
Wie übertragen Sie die Markenstimme auf Social Media und E-Mail?
Die Website ist das Zentrum der Markensprache, aber nicht der einzige Kanal. Viele Menschen begegnen Ihnen zuerst auf LinkedIn, Instagram oder in einer E-Mail und kommen erst danach auf die Website. Wechselt die Stimme zwischen den Kanälen, verpufft die Einheitlichkeit der Website.
Einen eigenen Leitfaden pro Kanal schreibe ich trotzdem nicht. Stattdessen ergänze ich den Hauptleitfaden um Kanalnotizen, zum Beispiel:
- LinkedIn: Fachwissen und Fakten zuerst. Persönliche Erfahrungen wirken gut.
- Instagram: eine oder zwei Stufen freundlicher. Die Sätze werden kürzer und stützen das Bild.
- Newsletter: nah am Blogton. Schreiben Sie, als ginge der Text an eine einzige Person.
- Transaktionsmails: sachlich und klar. Bestellungen, Angebote und Erinnerungen vertragen keinen Witz.
Der Kanal wechselt, die Persönlichkeit bleibt. In einer Krise müssen Sie den Ton allerdings in allen Kanälen gleichzeitig ernster stellen. Das beschreibe ich ausführlich im Beitrag zum Krisenmanagement in Social Media.
Wie greifen Corporate Design und Markensprache ineinander?
Text und Bild sollten dieselbe Persönlichkeit erzählen. Setzen Sie schreiende Überschriften und Ausrufezeichen auf eine ruhige, minimalistische Website mit viel Weißraum, prallen zwei Signale aufeinander. Umgekehrt wirken lange, förmliche Sätze in einem bunten, energiegeladenen Design fremd.
Deshalb verbinde ich die Arbeit an der Sprache möglichst mit der Arbeit am Erscheinungsbild. Sobald die Adjektive feststehen, nutzen Designer und Texter dieselbe Liste. Konkret bedeutet „ruhig" im Design großzügige Abstände und sanfte Kontraste. Im Text bedeutet es kurze, aber unaufgeregte Sätze.
Für Marken, die vom Print ins Digitale wechseln, ist das besonders schwer, denn Broschürensprache wirkt im Web oft zu schwer. Diesen Schritt behandle ich im Beitrag Corporate Design digital umsetzen. Möchten Sie die gesamte Identität aufbauen, finden Sie mehr unter Markenidentität.
Steht Markensprache im Konflikt mit SEO?
Kurz gesagt: nicht, wenn Sie sie sauber aufsetzen. Der Konflikt entsteht nur, wenn SEO bedeutet, das Keyword in jeden Satz zu pressen. Dann klingt der Text wie von einer Maschine, und die Stimme verschwindet.
Die Google Hinweise zu hilfreichen, nutzerorientierten Inhalten verlangen Texte für Menschen, die eigene Erfahrung zeigen. Eine einheitliche, kompetente und ehrliche Stimme unterstützt genau das. Sprache und SEO zeigen also in dieselbe Richtung.
In der Praxis halte ich diese Balance:
- In Titeln und Meta Tags nutze ich den Suchbegriff klar, im Fließtext schütze ich die Stimme.
- Die Suchsprache der Kunden kommt auf die Wortliste, damit natürliche Wörter zugleich gesuchte Wörter sind.
- Die Lesbarkeit messe ich, korrigiere aber für den Leser und nicht für den Wert.
Für einen schnellen Blick auf den Lesefluss eignet sich das Tool Lesbarkeit prüfen. Mehr zur SEO Seite finden Sie in meinem Leitfaden SEO Texte schreiben.
Wie bewahren Sie die Stimme in KI gestützten Texten?
Viele Teams erstellen erste Entwürfe inzwischen mit KI Werkzeugen. Dagegen habe ich nichts. Allerdings liefern diese Werkzeuge ohne Vorgaben eine flache, austauschbare Stimme. Absätze, die mit „In der heutigen digitalen Welt" beginnen, sind das typische Symptom.
Die Lösung: Machen Sie den Leitfaden auch für die Maschine lesbar. Fassen Sie Adjektive, Skalen, die Tabelle und die Floskelliste in einem Text zusammen. Dann geben Sie diesen Text bei jeder Anfrage als Kontext mit.
Die letzte Lektüre bleibt trotzdem beim Menschen. Ich prüfe KI Entwürfe mit drei Fragen:
- Hätte ein Wettbewerber genau diesen Satz schreiben können?
- Ist eine Floskel von der Verbotsliste durchgerutscht?
- Gibt es ein konkretes Beispiel, eine Zahl oder eine Erfahrung, oder nur Allgemeinplätze?
Lautet die Antwort auf die erste Frage ja, trägt der Satz keine Stimme. Also schreiben Sie ihn neu.
Wie sollte die Seite Über uns klingen?
Auf der Seite Über uns zeigt sich die Stimme am deutlichsten. Auf Leistungsseiten beschreiben Sie Produkte und Abläufe, hier dagegen sich selbst. Deshalb fallen Floskeln auf dieser Seite am stärksten auf.
Viele Texte beginnen gleich: „Unser Unternehmen wurde 1998 gegründet und ist führender Anbieter der Branche." Der Satz liefert eine Information, aber keine Persönlichkeit. Stattdessen suche ich Antworten auf drei Fragen. Warum machen Sie diese Arbeit? Was machen Sie anders? Welche Aufträge lehnen Sie immer ab?
Vor allem die letzte Frage wirkt stark. Eine Marke, die ihre Grenzen nennt, ist glaubwürdiger als eine, die alles zu können behauptet. Zum Beispiel zeigt der Satz „SEO Projekte unter sechs Monaten nehmen wir nicht an, weil Sie in dieser Zeit kaum Ergebnisse sehen" Ehrlichkeit und Kompetenz zugleich.
Echte Namen und Gesichter stärken die Stimme zusätzlich. Ein kurzer Absatz des Gründers in der Ichform sagt mehr als drei Absätze Firmengeschichte. Meine eigene Seite Über mich habe ich nach dieser Logik geschrieben.
Wie halten Sie die Markensprache bei schlechten Nachrichten?
Am härtesten wird die Markensprache in schwierigen Momenten geprüft. Freundlich sein ist leicht, solange alles läuft. Müssen Sie jedoch eine Verzögerung, eine Preiserhöhung oder das Ende einer Leistung ankündigen, fallen Teams schnell in steife, defensive Formeln zurück.
„Wir bitten etwaige Unannehmlichkeiten zu entschuldigen" schiebt die Verantwortung niemandem zu. Dagegen ist „Wir haben Ihre Lieferung um zwei Tage verzögert, das ist der Grund, das ist der neue Termin" ehrlich und klar. Leser schätzen diese Offenheit meist.
Deshalb ergänze ich den Leitfaden um einen Abschnitt für schwierige Botschaften. Er enthält drei Regeln:
- Übernehmen Sie Verantwortung mit „wir" und verstecken Sie sich nicht hinter Sätzen ohne Subjekt.
- Sagen Sie der Reihe nach, was passiert ist, warum es passiert ist und was Sie als Nächstes tun.
- Stellen Sie den Ton ernster, behalten Sie aber Ihre Persönlichkeit, denn kalte Förmlichkeit schadet dem Vertrauen ebenfalls.
Somit kann selbst eine schlechte Nachricht Ihren Charakter stärken.
Wie heben Sie sich mit Markensprache vom Wettbewerb ab?
Lesen Sie die Seiten Über uns und die Leistungsseiten von fünf Firmen Ihrer Branche direkt nacheinander. Wahrscheinlich finden Sie überall dieselben Wörter: Qualität, Vertrauen, Erfahrung, Kundenzufriedenheit. Genau diese Wiederholung ist Ihre Chance.
Bei der Arbeit an der Sprache mache ich deshalb einen kurzen Sprachvergleich mit dem Wettbewerb. Überschriften der Startseiten, Leistungsbeschreibungen und Profiltexte kommen in eine Tabelle. Dann markiere ich die gemeinsamen Klischees. Diese Formulierungen wandern direkt auf Ihre Floskelliste.
Sich abzuheben heißt allerdings nicht, schrill zu sein. Oft genügt es, konkret zu werden. Die Konkurrenz schreibt „schnelle Lieferung", Sie schreiben „Lagerware verschicken wir am selben Tag". Die Konkurrenz schreibt „erfahrenes Team", Sie beschreiben, was Ihre Leute tatsächlich tun.
Zudem vergleichen Sie, um Lücken zu finden, nicht um zu kopieren. Klingt die ganze Branche förmlich, macht Sie eine maßvolle Freundlichkeit einprägsam. Die SEO Seite davon behandle ich in der Anleitung zur SEO Konkurrenzanalyse.
Was gehört in einen Leitfaden zur Markensprache?
Entscheidend ist die Nutzbarkeit, nicht der Umfang. Ein Dokument mit vierzig Seiten verschwindet in der Schublade, ein klares mit fünf Seiten öffnet Ihr Team jeden Tag. Meine Leitfäden folgen diesem Gerüst:
- Markenkern in einem Absatz: Wer sind wir, mit wem sprechen wir und wozu?
- Persönlichkeit: jedes Adjektiv mit „bedeutet" und „bedeutet nicht".
- Tonalitätsskalen: Standardposition und Spielraum je Seitentyp.
- Tabelle mit Dos und Don'ts: höchstens zehn echte Beispiele.
- Wortliste: bevorzugte Begriffe, Floskeln und Schreibregeln.
- Kanalnotizen: Bereiche der Website, Social Media, E-Mail.
- Vorher und nachher: zwei oder drei neu geschriebene Seiten.
Der letzte Punkt überzeugt am meisten. Sieht das Team alten und neuen Text nebeneinander, versteht es sofort, wozu der Leitfaden da ist. Folglich wird aus einem Regelwerk eine gemeinsame Referenz.
Wie bringen Sie Ihr Team dazu, die Markensprache zu nutzen?
Selbst der beste Leitfaden nützt nichts, wenn ihn niemand liest. Die Einführung ist daher schwerer als das Schreiben. Ich setze auf drei Bausteine: einen kurzen Auftakttermin, eine gemeinsame Beispielsammlung und regelmäßiges Feedback.
Im Termin lese ich den Leitfaden nicht vor. Stattdessen schreibt das Team gemeinsam ein paar alte Texte neu. Menschen lernen Regeln durch Anwenden, nicht durch Zuhören. Außerdem bekommt jeder neue Autor diese Übung in seiner ersten Woche.
Die Beispielsammlung ist ein geteilter Ordner mit freigegebenen Texten. Zögert jemand, schaut er zuerst dort nach, denn ein Beispiel versteht man schneller als eine Regel.
Feedback stützt sich dann auf den Leitfaden und nicht auf Geschmack. Statt „Das gefällt mir nicht" sagen Sie „Dieser Satz verletzt die Regel ruhig, schauen wir uns diese Zeile an". So wird aus persönlicher Vorliebe ein gemeinsamer Maßstab.
Wie prüfen Sie, ob die Markensprache einheitlich bleibt?
Mit der Veröffentlichung ist die Arbeit nicht erledigt. Die Website wächst, neue Autoren schreiben, und die Stimme driftet langsam ab. Deshalb mache ich alle sechs Monate einen kurzen Check.
Der Check ist einfach. Zunächst wähle ich zehn zufällige Seiten und bewerte jede anhand der Adjektive und Skalen. Danach suche ich nach Floskeln von der Verbotsliste. Schließlich prüfe ich die Anrede.
Zahlen können den Check ergänzen. Haben sich zum Beispiel Verweildauer oder Anfragen auf den überarbeiteten Leistungsseiten verändert? Seien Sie allerdings vorsichtig, denn viele Faktoren außer dem Text beeinflussen diese Werte. Ich lese die Daten also als Hinweis, nicht als Beweis. Welche Kennzahlen sinnvoll sind, erkläre ich im Beitrag zu Online Marketing KPIs.
Wann sollten Sie Ihre Markensprache überarbeiten?
Eine Stimme sollte über Jahre stabil bleiben, aber nicht für immer. Ich nehme den Leitfaden wieder vor, wenn sich die Zielgruppe deutlich ändert, wenn Sie einen neuen Markt oder eine neue Sprache erschließen oder nach einer Fusion oder Neupositionierung.
Eine neue Sprache verlangt besondere Sorgfalt, denn Markensprache wird angepasst und nicht einfach übersetzt. Das türkische „siz" entspricht zwar dem deutschen „Sie", doch Satzbau und kulturelle Erwartungen unterscheiden sich. Die SEO Perspektive dazu finden Sie im Beitrag zur mehrsprachigen Website.
Auch ein Relaunch ist ein guter Anlass. Alte Texte in ein neues Design zu übernehmen, ist wie alte Möbel in einen Neubau zu stellen. Ich empfehle daher, die Sprachebene vor der Designphase abzuschließen. Dann entstehen Text und Bild im Webdesign gleichzeitig.
Zusammengefasst ist Markensprache kein einmaliges Textprojekt, sondern ein lebendiger Teil Ihrer Website. Gut aufgesetzt beschleunigt sie das Schreiben, verkürzt Diskussionen und lässt jede Seite wie dieselbe vertrauenswürdige Person klingen. Wenn Sie dabei Unterstützung möchten, erreichen Sie mich über die Kontaktseite.




