Beeinflusst die Textlänge das Google Ranking? Der Mythos Wortanzahl

Kurze Antwort
Beeinflusst die Textlänge das Google Ranking?
Die Textlänge ist der Umfang eines Seitentextes, meist in Wörtern gemessen, und für Google allein kein Rankingfaktor. Google sagt klar, dass die Länge für sich genommen keine Rolle spielt und es keine magische Wortanzahl gibt. Entscheidend ist, wie vollständig und eigenständig eine Seite die Suchintention erfüllt.
In diesem Ratgeber vergleichen wir, Talha Aslan und Team, den verbreiteten Glauben „Sie brauchen mindestens 2.000 Wörter“ mit den offiziellen Aussagen von Google. Außerdem zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie die passende Länge für jede Seite finden. Somit planen Sie Texte nach dem Bedarf der Leser statt nach einer Zahl.
Kurz gesagt geht es weder um kurze noch um lange Texte. Ziel ist, die Frage des Lesers so gut zu lösen, dass eine zweite Suche überflüssig wird.
Was sagt Google offiziell zur Wortanzahl?
Bei diesem Thema äußert sich Google sehr deutlich. Der SEO Startleitfaden von Google Search Central hält fest, dass die Länge eines Inhalts allein für das Ranking nicht zählt. Zudem ergänzt der Leitfaden, dass es kein magisches Wortziel, kein Minimum und kein Maximum gibt.
Außerdem listet die Seite zu hilfreichen Inhalten Fragen auf, die Sie sich selbst stellen sollten. Eine davon lautet sinngemäß, ob Sie auf eine bestimmte Wortanzahl hinschreiben, weil Sie von einer bevorzugten Wortanzahl bei Google gehört haben. Direkt danach antwortet Google, dass es eine solche Vorgabe nicht gibt.
Daher ist der Satz „Google liebt lange Texte“ keine offizielle Regel. Er ist eine Verallgemeinerung aus Beobachtungen. Zudem verwechselt er oft Ursache und Wirkung.
Warum stehen lange Artikel manchmal weiter oben?
Lange Artikel stehen manchmal weiter oben, allerdings liegt das nicht an der Wortanzahl selbst. Ein gründlicher Artikel beantwortet meist mehr Teilfragen. Folglich passt er zu einer größeren Menge an Suchanfragen.
Auch der Startleitfaden von Google erwähnt diesen indirekten Effekt. Laut Leitfaden steigen Ihre Chancen in der Suche, wenn Sie Ihre Formulierungen variieren, weil Sie dann schlicht mehr Suchbegriffe verwenden. Das heißt, der Vorteil entsteht durch thematische Abdeckung und nicht durch Seitenlänge.
Außerdem stecken in langen Artikeln oft mehr Aufwand, Recherche und eigene Erkenntnisse. Dieser Aufwand erleichtert es, interne und externe Links zu gewinnen. Kurz gesagt ist Länge nicht die Qualität selbst, sondern bestenfalls ein Nebenprodukt davon.
- Der Artikel beantwortet mehr Teilfragen und passt somit zu mehr Suchanfragen.
- Eigene Beispiele und Analysen heben die Seite von ähnlichen Seiten ab.
- Leser finden alles auf einer Seite und müssen nicht erneut suchen.
Woher stammt der Mythos von der Wortanzahl?
Der Mythos geht auf Korrelationsstudien zwischen Rankings und Wortanzahl zurück. Viele Studien berechnen die durchschnittliche Wortanzahl der Topergebnisse. Danach präsentieren sie diesen Durchschnitt als Zielwert.
Allerdings ist Korrelation keine Kausalität. Topergebnisse gehören oft starken Marken, haben mehr Links und behandeln das Thema gründlich. Ihre Länge ist also nicht die Ursache ihrer Rankings. Vielmehr ist sie ein Ergebnis desselben sorgfältigen Arbeitsprozesses.
Zudem verwischen Durchschnittswerte die Unterschiede zwischen Suchanfragen. Eine Anfrage wie „wie spät ist es“ und eine ausführliche Anleitung in denselben Durchschnitt zu packen, ergibt wenig Sinn. Deshalb ist ein allgemeines Wortziel für einzelne Seiten ein irreführender Kompass. Außerdem arbeitet jede Studie mit eigenen Stichproben, daher passen die Durchschnittswerte selten zueinander.
Unsere Erfahrung aus der Praxis bestätigt das. Unser Team beobachtet oft, dass Texte, die nur für eine Zielzahl gestreckt sind, Leser ermüden.
Eine weitere Quelle des Mythos ist der Wunsch nach einer messbaren Vorgabe in der Content Produktion. Die Wortanzahl lässt sich leicht messen, leicht abrechnen und leicht prüfen. Also definieren viele Teams lieber eine Zahl statt Qualität. Trotzdem ist ein leicht messbarer Wert nicht automatisch der richtige Maßstab.
Wie bestimmt die Suchintention die Textlänge?
Die passende Textlänge folgt aus der Suchintention. Sucht der Leser eine schnelle Definition, reichen oft wenige Sätze. Möchte er dagegen einen Ablauf von Anfang bis Ende verstehen, braucht er eine längere Anleitung Schritt für Schritt.
Zum Beispiel erwartet die Frage „wie viele Zentimeter hat ein Meter“ eine Antwort in einer Zeile. Die Frage „wie führe ich ein technisches SEO Audit für einen Onlineshop durch“ verlangt dagegen Checklisten, Beispiele und Prioritäten. Wenn Sie beiden Anfragen dieselbe Wortanzahl vorgeben, langweilen Sie den einen Leser und lassen den anderen halb informiert zurück.
Unser Ratgeber zur Suchintention erklärt die Grundlagen dieses Schritts ausführlich. Sobald Sie die Intention richtig lesen, beantwortet sich die Frage nach der Länge fast von selbst.
Fragen Sie also zuerst: „Was möchte der Leser erreichen?“ Die Wortanzahl kommt erst nach der Antwort auf diese Frage.
Wie verändert sich der Längenbedarf je nach Intention?
Die folgende Tabelle fasst zusammen, welche Tiefe die einzelnen Intentionen meist brauchen. Die Angaben sind ein Startbereich aus der Praxis und keine Garantie. Bei jeder Suchanfrage empfehlen wir Ihnen, zuerst die Ergebnisseite selbst anzusehen.
| Suchintention | Erwartung des Lesers | Passende Tiefe | Risiko durch Fülltext |
|---|---|---|---|
| Schnelle Information (Definition, Maß) | Eine klare Antwort | Kurzer Absatz, bei Bedarf kleine Tabelle | Die Antwort geht unter, der Leser kehrt zurück |
| Anleitung | Geordnete Schritte | Nummerierte Schritte und ein Beispielszenario | Füllsätze zwischen den Schritten stören den Ablauf |
| Vergleich | Unterschiede zwischen Optionen | Tabelle und kurzer Kommentar | Langer Fließtext statt Tabelle verzögert die Entscheidung |
| Umfassender Ratgeber | Das Thema vollständig verstehen | Langer Text mit klaren Abschnitten | Wiederholte Abschnitte senken das Vertrauen |
| Kommerziell und transaktional | Produkt, Preisrahmen, Weg zum Kauf | Knappe Fakten und Vertrauenssignale | Der Kaufschritt geht im Text verloren |
Wie Sie sehen, landet das Risiko in jeder Zeile an derselben Stelle. Das, was der Leser wirklich sucht, verschwindet hinter Füllmaterial. Deshalb bestimmt die Intention die Textlänge, und nicht umgekehrt.
Wie schadet unnötiges Strecken dem Ranking?
Füllmaterial führt nicht unbedingt direkt zu einer Abstrafung, allerdings schadet es auf indirekten Wegen. Der erste Schaden betrifft die Nutzererfahrung. Ein Leser, der sich durch eine lange Einleitung kämpfen muss, kehrt oft zur Ergebnisseite zurück.
Der zweite Schaden betrifft die Eigenständigkeit. Allgemeine Sätze, die nur Umfang erzeugen, lassen die Seite wie hunderte andere wirken. Eine der Fragen von Google zu hilfreichen Inhalten lautet, ob der Inhalt aufschlussreiche Analysen oder interessante Informationen jenseits des Offensichtlichen bietet.
Der dritte Schaden zeigt sich bei Massenproduktion. Die Spamrichtlinien von Google beschreiben den Missbrauch skalierter Inhalte als das Erstellen vieler Seiten vor allem zur Manipulation der Rankings statt zum Nutzen der Leser. Seiten, die ein Tool nur für eine Wortzahl automatisch aufbläht, rücken näher an dieses Risiko.
- Der Leser erreicht die Antwort spät und geht unzufrieden.
- Wiederholte Sätze schwächen den Eindruck von Eigenständigkeit.
- Der Pflegeaufwand steigt, und Aktualisierungen kosten mehr Zeit.
Sind dünne Inhalte dasselbe wie kurze Inhalte?
Nein, dünne Inhalte und kurze Inhalte sind nicht dasselbe. Eine kurze Seite kann wertvoll sein, wenn sie die Frage des Lesers vollständig beantwortet. Dünne Inhalte sind dagegen Seiten ohne eigenen Mehrwert, ganz gleich, wie lang sie sind.
Zum Beispiel kann eine lange Liste, die jemand ohne eigenen Kommentar von anderen Websites zusammengetragen hat, als dünn gelten. Eine Seite mit der richtigen Antwort auf eine Rechenfrage und einer kurzen Erklärung erfüllt dagegen trotz Kürze ihren Zweck. Mehr zu dieser Unterscheidung lesen Sie in unserem Ratgeber zu Thin Content.
Somit liegt die Antwort auf die Frage „meine Seite ist kurz, hält Google sie für dünn?“ im Mehrwert und nicht in der Wortanzahl. Bietet die Seite etwas, das Leser anderswo nicht finden? Können Sie das ehrlich bejahen, tritt die Textlänge in den Hintergrund.
Mit welchen Schritten finden Sie die richtige Textlänge?
Die richtige Textlänge ist das Ergebnis einer strukturierten Prüfung und keine Schätzung. Unten sehen Sie den Ablauf, dem unser Team bei der Planung neuer Artikel folgt. Diesen Ablauf übertragen Sie leicht auf Ihre eigene Website.
- Notieren Sie die Zielanfrage und formulieren Sie die eigentliche Frage des Lesers in einem Satz.
- Öffnen Sie die Topergebnisse und notieren Sie, welches Format dominiert.
- Listen Sie die Teilfragen auf, die Leser zu diesem Thema stellen.
- Legen Sie für jede Teilfrage die kürzeste ausreichende Antwort fest.
- Ergänzen Sie eigene Informationen, Beispiele oder Erfahrungen, die anderen Seiten fehlen.
- Lesen Sie den Entwurf aus Lesersicht und streichen Sie Sätze ohne Beitrag zur Antwort.
- Verfolgen Sie nach der Veröffentlichung die Abdeckung der Suchanfragen in der Search Console.
Bei dieser Methode ist die Wortanzahl ein Ergebnis und kein Ziel. Gibt es viele Teilfragen, wächst der Artikel. Gibt es wenige, bleibt er kurz. So erreicht jede Seite ihre natürliche Länge.
Was verrät die Analyse der Ergebnisseite über die Länge?
Die Ergebnisseite ist das konkreteste Zeichen dafür, was Google für eine Anfrage als hilfreich ansieht. Trotzdem lernen Sie aus Format und Abdeckung mehr als aus einer durchschnittlichen Wortanzahl.
Zeigen die Topergebnisse zum Beispiel Tabellen, Schrittlisten oder kurze Definitionen, erwartet der Leser eine schnelle Lösung. Stehen umfassende Ratgeber oben, erwartet er Tiefe. Diese Beobachtung sagt Ihnen mehr über die Struktur als über die Textlänge.
Außerdem brauchen Sie einen kurzen, direkten Antwortabsatz, wenn die Ergebnisseite ein Featured Snippet zeigt. Wie das gelingt, erklären wir im Ratgeber zum Featured Snippet. Selbst ein langer Artikel bedient schnelle und gründliche Leser, wenn sein erster Abschnitt klar antwortet.
Kurz gesagt ist die Ergebnisseite kein Wortzähler, sondern ein Formatleitfaden. Lernen Sie daraus die Struktur, nicht eine Zahl.
Wie ermitteln Sie Teilfragen und thematische Abdeckung?
Teilfragen sind die zweite und dritte Frage, die dem Leser nach der Hauptfrage einfallen. Wer sie sauber ermittelt, legt damit Umfang und Länge des Artikels fest.
Die erste Quelle sind verwandte Fragen und Vorschläge der Autovervollständigung auf der Ergebnisseite. Echte Fragen Ihrer Kunden und Ihres Vertriebs liefern die zweite Quelle. Schließlich zeigt die Search Console als dritte Quelle die Anfragen, für die Ihre Seite bereits Impressionen erhält.
Nach dem Gruppieren betrachten Sie jede Gruppe als Abschnitt. Manche Fragen beantworten Sie in einem Satz, daher verdienen sie keinen eigenen Abschnitt. Andere brauchen eine Tabelle oder eine Schrittliste.
- Teilfragen mit direktem Bezug zur Hauptfrage gehören in den Haupttext.
- Lose verwandte Fragen verschieben Sie in einen eigenen Artikel und verlinken ihn.
- Fragen mit kurzer Antwort nehmen Sie in den FAQ Bereich auf.
Folglich wird der Artikel gründlich, ohne aufzublähen. Zudem bauen Sie auf Ihrer Website ein Netz aus Inhalten auf, die sich gegenseitig stützen.
Wie prüfen Sie Ihre Längenentscheidung in der Search Console?
Nach der Veröffentlichung ist die Search Console Ihre verlässlichste Datenquelle. Der Leistungsbericht zeigt Klicks, Impressionen, Klickrate und durchschnittliche Position (Average position). Mit den Tabs für Suchanfragen (Queries) und Seiten (Pages) prüfen Sie diese Daten für jede einzelne Seite.
Wenn Sie zum Beispiel eine Seite filtern und den Tab für Suchanfragen öffnen, sehen Sie, bei welchen Anfragen sie erscheint. Erhält die Seite Impressionen für verwandte Anfragen, die sie nicht beantwortet, gibt es eine Abdeckungslücke. Diese Lücke mit einem kurzen Abschnitt zu schließen, ist eine Erweiterung auf Basis echter Nachfrage.
Erscheint die Seite dagegen für viele fremde Anfragen, ist das Thema vielleicht zu breit. Dann bringt es meist mehr, den Artikel zu fokussieren oder zu teilen. Vergleichen Sie außerdem denselben Zeitraum vor und nach der Änderung, damit saisonale Schwankungen nicht wie ein Effekt Ihrer Änderung wirken. Für den Einstieg in den Bericht empfehlen wir unsere Google Search Console Anleitung.
Sollten Sie bestehende Artikel kürzen oder erweitern?
Auch diese Entscheidung sollten Daten und Intention treffen, nicht die Wortanzahl. Ist ein Artikel für seine Zielanfrage abgerutscht, prüfen Sie zunächst, ob sich die Ergebnisseite verändert hat. Haben sich die Erwartungen der Leser verschoben, passen Sie die Struktur entsprechend an.
Eine Erweiterung lohnt sich nur, wenn tatsächlich etwas fehlt. Ist zum Beispiel eine neue Teilfrage aufgekommen oder fragen Leser oft nach einem fehlenden Schritt, schafft dieser Teil Mehrwert. Zufällige Ergänzungen, die nur frisch wirken sollen, bringen dagegen nichts.
Das Kürzen übersehen viele Teams. Doppelte Abschnitte zusammenzuführen, veraltete Teile zu entfernen und die Einleitung zu straffen, kann einen Artikel stärken. Wie Sie Artikel erkennen, die mit der Zeit an Wert verlieren, zeigt unser Ratgeber zu Content Decay. Das Aussortieren unnötiger Seiten behandeln wir im Artikel zu Content Pruning.
Bedenken Sie dabei, dass Google in seinen Fragen zu hilfreichen Inhalten auch das Ändern von Seitendaten ohne wesentliche inhaltliche Änderung als Warnsignal nennt.
Beispielszenario: dasselbe Thema in zwei Längen
Stellen Sie sich in diesem Beispielszenario einen Shop für Haushaltsgeräte namens example.com vor. Der Shop plant einen Artikel zur Frage „warum leuchtet die Salzanzeige der Spülmaschine“. Aufgrund eines Zeitungsartikels verlangt die Redaktion mindestens 2.500 Wörter.
Im ersten Entwurf beginnt der Autor mit der Geschichte der Spülmaschine. Danach geht es um Wasserhärte, Spülmittelarten und Markenvergleiche. Die Antwort auf die eigentliche Frage steht dagegen erst in der Mitte der Seite.
Im zweiten Entwurf liest das Team zuerst die Intention. Der Leser möchte schnell wissen, was er bei leuchtender Anzeige tun soll. Deshalb beginnt der Artikel mit der direkten Antwort. Dann folgen die Schritte zum Nachfüllen, eine Checkliste für den Fall, dass die Anzeige weiter leuchtet, und der richtige Zeitpunkt für den Kundendienst.
Der zweite Entwurf hat ungefähr ein Drittel der Länge des ersten. Trotzdem beantwortet er jede Frage des Lesers und erspart ihm eine zweite Suche. Dieses Szenario zeigt konkret, dass die Textlänge aus der Intention folgt.
Die Geschichte und der Markenvergleich aus dem ersten Entwurf landen dabei nicht im Papierkorb. Stattdessen macht das Team daraus eigene Artikel und verlinkt sie aus dem Hauptartikel. So erreicht jede Information den Leser, der genau danach sucht.
Wann bringen lange Inhalte wirklich einen Vorteil?
Lange Inhalte bringen einen Vorteil, wenn das Thema es verlangt. Umfassende Ratgeber, Vergleiche als Entscheidungshilfe und mehrstufige Abläufe gehören in diese Gruppe. Bei solchen Themen lässt eine kurze Seite den Leser halb informiert zurück.
Denken Sie zum Beispiel an einen Unternehmer, der den Umzug seiner Website plant. Dieser Leser möchte Weiterleitungen, typische Fehler, eine Checkliste und die Kennzahlen für die Zeit danach an einem Ort sehen. Hier ist die Textlänge die natürliche Antwort auf seinen Bedarf.
Allerdings müssen auch lange Inhalte lesbar bleiben. Sie brauchen klare Zwischenüberschriften, eine kurze Antwort am Anfang jedes Abschnitts sowie Tabellen und Listen. So springt der Leser direkt zu dem Teil, den er braucht.
Überlegen Sie außerdem vor dem Schreiben, ob eine einzelne Seite oder eine kleine Gruppe verlinkter Seiten besser zum Thema passt. Manchmal dienen mehrere fokussierte Artikel dem Leser besser als ein riesiger Ratgeber. Auch diese Wahl hängt von der Intention ab und davon, wie eng die Teilfragen zusammenhängen.
Zudem bieten lange Inhalte mehr Raum für Signale von Erfahrung und Expertise. Diese Signale behandeln wir in unserem Ratgeber zu E-E-A-T.
Wofür sollten Sie einen Wortzähler nutzen?
Ein Wortzähler ist ein Prüfwerkzeug und kein Zielwerkzeug. Er zeigt Ihnen, ob ein Entwurf deutlich länger oder kürzer ausfällt als erwartet. Für eine Rankingprognose taugt er allerdings nicht.
Zum Beispiel prüfen Sie mit der Wortanzahl die Balance zwischen Abschnitten. Ist ein Abschnitt dreimal so lang wie die anderen, steckt darin oft ein eigenes Thema oder eine unnötige Wiederholung. Für diese Prüfung können Sie unseren Wörterzähler verwenden.
Dieselbe Logik gilt für die Keyworddichte. Wer einen festen Prozentwert anstrebt, zerstört natürliche Sprache. Diesem Thema widmen wir uns gesondert im Artikel zur Keyworddichte.
Kurz gesagt halten Zähler Ihnen einen Spiegel vor. Die Entscheidung trifft aber der Bedarf des Lesers.
Fällt Ihr Entwurf etwa doppelt so lang aus wie geplant, ist das kein Alarm, sondern ein Anlass zur Prüfung. Klären Sie, ob die zusätzliche Länge aus einer neuen, notwendigen Teilfrage oder aus Wiederholung stammt. Ersteres stärkt den Artikel, Letzteres schwächt ihn.
Wie sollten Teams die Länge im Content Briefing festlegen?
Viele Teams schreiben eine einzige Wortzahl ins Briefing. Dieser Ansatz drängt Autoren zu Füllmaterial. Stattdessen führt eine klare Definition des Umfangs im Briefing zu deutlich besseren Ergebnissen.
Ein gutes Briefing nennt die Hauptfrage, die zu beantwortenden Teilfragen und die eigenen Informationen, die der Autor ergänzt. Außerdem hält es fest, welches Format der Leser erwartet, etwa eine Tabelle, eine Schrittliste oder ein Beispielszenario. Folglich erscheint die Textlänge dann als geschätzter Bereich, der aus diesen Punkten folgt.
- Die Hauptfrage und eine direkte Antwort in einem Satz.
- Die abzudeckenden Teilfragen und ihre Priorität.
- Der eigene Beitrag: Erfahrung, Beispielszenario oder Daten.
- Das erwartete Format: Tabelle, Schrittliste oder kurze Definition.
So konzentriert sich der Autor auf den Leser statt auf eine Zahl. Auch die Redaktion prüft den Entwurf anhand dieser Liste und nicht anhand der Wortanzahl.
Worauf sollten Sie bei langen KI Entwürfen achten?
KI Werkzeuge erzeugen in kurzer Zeit sehr lange Texte. Allerdings bedeuten Tempo und Umfang noch keinen Mehrwert. Die Fragen von Google zu hilfreichen Inhalten zielen auch darauf, ob Sie mit umfangreicher Automatisierung Inhalte zu vielen Themen erstellen.
Ein langer, aber allgemeiner KI Entwurf wiederholt oft Informationen, die andere Seiten längst bieten. Das senkt die Eigenständigkeit der Seite. Daher können Sie solche Werkzeuge für Entwürfe oder Gliederungen nutzen, Erfahrung, Beispiele und Faktenprüfung sollten Sie aber selbst ergänzen.
Zudem wiederholen automatische Entwürfe häufig Einleitung und Schluss. Wenn Sie diese Teile kürzen, sinkt die Textlänge auf ein natürliches Maß, und die Lesbarkeit steigt. Kurz gesagt: zuerst der Mehrwert, dann der Umfang.
Wie verändern Struktur und Lesbarkeit die gefühlte Länge?
Zwei gleich lange Artikel können auf Leser völlig unterschiedlich wirken. Der eine wirkt schwer und endlos, der andere wie ein Ratgeber, den man leicht überfliegt. Diesen Unterschied erzeugt die Struktur und nicht die Wortanzahl.
Beginnt etwa jeder Abschnitt mit einer kurzen Antwort, findet der Leser den gesuchten Teil in Sekunden. In einem Artikel ohne Zwischenüberschriften und mit langen Absätzen verlässt er die Seite dagegen womöglich vorher. Wenn Sie einen langen Ratgeber schreiben, sollten Sie also in die Struktur mindestens so viel Arbeit stecken wie in den Inhalt.
- Jeder Abschnitt beantwortet eine Frage, und die Überschrift nennt sie klar.
- Absätze bleiben kurz und tragen jeweils nur einen Gedanken.
- Für Vergleiche eignen sich Tabellen, für Abläufe nummerierte Listen.
- Wichtige Begriffe erklären Sie bei ihrer ersten Nennung kurz.
Prüfen Sie außerdem die Lesbarkeit auf dem Smartphone. Ein Abschnitt, der am Desktop ausgewogen wirkt, kann auf dem Handy zu mehreren Bildschirmen ununterbrochenen Textes werden. Kurz gesagt macht gute Struktur einen langen Artikel leicht, schlechte Struktur dagegen selbst einen kurzen schwer.
Lesen Sie nach dem Entwurf zur Kontrolle nur die Überschriften. Erzählen die Überschriften allein den Ablauf des Artikels, ist Ihre Struktur solide. Andernfalls korrigieren Sie zuerst die Struktur und schauen danach auf die Textlänge.
Wie denken Sie die Textlänge bei Produkt und Kategorieseiten?
Auf Produkt und Kategorieseiten unterscheidet sich die Intention von einem Blogartikel. Hier möchte der Leser meist vergleichen, auswählen oder kaufen. Deshalb steht langer Text dem Kaufschritt oft im Weg.
Viele Shops setzen zum Beispiel hunderte Wörter allgemeinen Text an den Anfang einer Kategorieseite. Der Leser muss dann daran vorbeiscrollen, um die Produkte zu sehen. Eine kurze Einleitung, klare Filter und ein Abschnitt unter den Produkten mit Antworten auf einige echte Fragen ergeben dagegen ein ausgewogeneres Bild.
Dieselbe Logik gilt für Produktseiten. Klare Antworten auf Entscheidungsfragen wie technische Daten, Nutzung, Rückgabe und Versand zählen am meisten. Lange Herstellerbeschreibungen, die Sie nur übernehmen, bieten dagegen keinen eigenen Mehrwert. Zudem stellen sie Sie auf eine Stufe mit jeder anderen Website, die denselben Text nutzt.
Kurz gesagt ist die richtige Textlänge auf kommerziellen Seiten jene, die dem Leser bei der Entscheidung hilft. Geben Sie alle Informationen, die er dafür braucht, und verlagern Sie den Rest per internem Link in passende Ratgeber.
Wie unterstützt eine SEO Beratung diesen Prozess?
Eine Entscheidung zur Textlänge wirkt bei einem einzelnen Artikel einfach. Auf einer Website mit hunderten Seiten verlangt die Frage, welchen Artikel Sie erweitern, kürzen oder zusammenführen, allerdings eine strukturierte Analyse. In unserer SEO Beratung führen wir diese Analyse mit den Daten Ihrer Website durch.
Zunächst ermitteln wir mit Daten aus der Search Console, welche Suchanfragen Ihre bestehenden Inhalte abdecken. Danach priorisieren wir Seiten, die die Intention verfehlen, zu lang sind oder Lücken haben. Dann setzen wir die Änderungen um und verfolgen die Ergebnisse regelmäßig.
Natürlich kann kein Team Rankings garantieren, und auch wir tun das nicht. Trotzdem legt eine Ausrichtung der Inhalte am Bedarf der Leser die Grundlage für gesundes Wachstum auf lange Sicht. Wenn Sie einen vollständigen Fahrplan für Ihre Website wünschen, können Sie über unsere Seite zur SEO Beratung ein Angebot anfordern.
Welche Fehler bei der Textlänge passieren am häufigsten?
Die Fehler, die wir in der Praxis am häufigsten sehen, ähneln sich. Sie alle beginnen damit, an eine Zahl zu denken statt an den Leser. Die folgende Liste fasst diese Fehler und schnelle Lösungen zusammen.
- Jedem Artikel dieselbe Wortzahl vorgeben: lesen Sie die Intention für jede Anfrage einzeln.
- Die Antwort hinter einer langen Einleitung verstecken: antworten Sie direkt im ersten Absatz.
- Die Durchschnittslänge der Konkurrenz kopieren: achten Sie stattdessen auf Format und Abdeckung.
- Zufällige Abschnitte für einen frischen Eindruck ergänzen: erweitern Sie nur bei echtem Bedarf.
- Lose verwandte Themen in einen Artikel pressen: verschieben Sie diese in eigene Beiträge.
- Nach der Veröffentlichung keine Daten prüfen: verfolgen Sie die Abdeckung in der Search Console.
Wenn Sie diese Fehler vermeiden, werden Ihre Artikel lesbarer und fokussierter. Somit ist die Textlänge kein Ziel mehr, sondern ein Ergebnis im Dienst des Lesers.
Fazit: Worauf sollten Sie statt auf die Textlänge achten?
Zusammengefasst hat Google keine bevorzugte Wortanzahl. Länge bringt nur dann Mehrwert, wenn sie Ihnen hilft, die Frage des Lesers vollständiger zu beantworten. Füllmaterial ermüdet dagegen Leser, senkt die Eigenständigkeit und erhöht den Pflegeaufwand.
Beginnen Sie deshalb jeden Artikel mit der Suchintention. Ermitteln Sie dann die Teilfragen, ergänzen Sie Ihren eigenen Beitrag und streichen Sie jeden Satz, der nichts zur Antwort beiträgt. Prüfen Sie Ihre Entscheidung nach der Veröffentlichung mit Daten aus der Search Console.
Anders gesagt ist die richtige Textlänge jene, bei der der Leser keine zweite Suche mehr braucht. Sobald Sie diesen Punkt treffen, ergibt sich die Wortanzahl von selbst.
Grundlagen: Was ist Online Marketing? Arten, Beispiele und Vorgehen auf einer Seite, mit einem interaktiven Film durch das Gehirn.



