Web

Rocky Linux oder AlmaLinux: Was unterscheidet sie, was passt?

Talha Aslan 17 Minuten Lesezeit 1 Aufrufe

Rocky Linux oder AlmaLinux: Was ist der Unterschied?

Rocky Linux und AlmaLinux sind zwei kostenlose, von der Community getragene Enterprise Distributionen, die mit Red Hat Enterprise Linux (RHEL) kompatibel sind. Zudem entstanden beide als Ersatz für CentOS Linux. Der Kernunterschied liegt in Steuerung und Ansatz: Rocky Linux baut weiter aus RHEL Quellen neu, AlmaLinux zielt dagegen auf binäre Kompatibilität (ABI).

Bei der Frage Rocky Linux oder AlmaLinux fühlt sich der Serveralltag fast gleich an. Konkret nutzen Sie denselben Paketmanager (dnf), dasselbe RPM Format und weitgehend dieselben Konfigurationsdateien. Deshalb hängt die Wahl meist von Teamgewohnheiten, Panelunterstützung und Supportverträgen ab, nicht von einem technischen Vorsprung.

Wir sind Talha Aslan und Team, ein Team für digitales Marketing und Webentwicklung, kein Hostinganbieter. Die technischen Angaben in diesem Leitfaden stammen aus offiziellen Ankündigungen, Projektdokumentationen und Unterlagen der Panelhersteller. Vergleichsbehauptungen, die wir nicht prüfen konnten, haben wir weggelassen. Wo wir unsicher waren, verweisen wir Sie stattdessen auf die offizielle Quelle.

Warum entstanden Rocky Linux und AlmaLinux?

Die Geschichte beginnt mit CentOS Linux. Hostinganbieter nutzten CentOS viele Jahre als kostenlosen, produktionsreifen Neubau von RHEL. Im Dezember 2020 kündigte Red Hat an, den Fokus auf CentOS Stream zu verlagern. Somit verlor CentOS Linux seine Rolle als stabile Kopie, die RHEL folgt.

Diese Entscheidung schickte Unternehmen und Hoster auf die Suche nach einem kostenlosen, langlebigen System mit RHEL Kompatibilität. Gregory Kurtzer, der ursprüngliche Gründer von CentOS, startete das Projekt Rocky Linux. Laut offizieller Projektseite erschien die erste stabile Version, Rocky Linux 8.4, im Juni 2021. Zur gleichen Zeit startete das CloudLinux Team AlmaLinux und übergab es später an eine unabhängige Stiftung.

CentOS Stream arbeitet heute dagegen wie eine Vorschau auf die nächste RHEL Unterversion. Anders gesagt läuft es RHEL voraus. Diesen Unterschied behandeln wir in unserem eigenen Beitrag zu CentOS Stream. Hier zählt vor allem eines: Rocky Linux und AlmaLinux wollen die alte Rolle von CentOS als stabile Kopie hinter RHEL ausfüllen.

Wer steuert Rocky Linux?

Die Rocky Enterprise Software Foundation (RESF) beherbergt das Projekt Rocky Linux. Die Seite „Über uns“ nennt diese Beziehung klar und verweist für Details zur Organisation auf eine eigene Seite. Kurtzer hat zudem erklärt, dass er das Projekt nach Rocky McGaugh benannte, einem frühen Mitgründer von CentOS.

Auf der kommerziellen Seite listet Rocky Linux auf seiner offiziellen Website Anbieter für kommerziellen Support. Dazu zählen zum Beispiel Firmen wie CIQ. Kurtzer ist bei CIQ engagiert; daher fragen manche Administratoren, wie viel Einfluss kommerzielle Firmen im Umfeld von Rocky haben. Das Projekt betont dagegen Community Steuerung und Open Source Prinzipien.

Für Sie lautet die praktische Frage also: Passt das Steuerungsmodell zu Ihrer eigenen Risikobereitschaft? Allerdings sehen wir kein offizielles Signal, dass eines der beiden Projekte kurzfristig verschwindet. Bei langfristigen Entscheidungen empfehlen wir Ihnen, die aktuelle Satzung und den Vorstand der jeweiligen Stiftung selbst zu prüfen.

Wer steuert AlmaLinux?

Die AlmaLinux OS Foundation leitet AlmaLinux. Sie ist eine gemeinnützige Organisation, in den USA mit dem Status 501(c)(6) registriert. Ein Vorstand trifft die Entscheidungen unter Beteiligung der Mitglieder. Den großen Kurswechsel im Juli 2023 verkündete Benny Vasquez als Vorsitz des Vorstands.

Das CloudLinux Team startete das Projekt und übertrug es dann an die Stiftung. Heute zählen außerdem verschiedene Infrastruktur und Cloud Unternehmen zu den Sponsoren. Diese Struktur soll die Sorge vor der Abhängigkeit von einer einzelnen Firma verringern. Andererseits lebt AlmaLinux wie jede Stiftung von Sponsorengeldern und freiwilligen Beiträgen.

Kurz gesagt bezeichnen sich beide Projekte als gemeinschaftlich geführt, ihre rechtlichen Strukturen unterscheiden sich allerdings. Rocky Linux steht unter dem Dach der RESF, AlmaLinux unter einer gemeinnützigen Stiftung. Im Einkauf größerer Firmen taucht dieser Unterschied manchmal in Lieferantenprüfungen und Verträgen auf. Haben Sie also eine Rechts oder Einkaufsabteilung, geben Sie ihr die Unterlagen zur Steuerung.

Wie unterscheiden sich beide Projekte bei der RHEL Kompatibilität?

Die eigentliche Trennung begann im Juni und Juli 2023. Red Hat schränkte den öffentlichen Zugang zum RHEL Quellcode ein und stellte die Veröffentlichung der Quellen auf CentOS Stream um. Diese Änderung traf direkt jene Projekte, die RHEL eins zu eins aus dem Quellcode neu bauten.

In seiner Ankündigung vom 29.06.2023 erklärte Rocky Linux, wie es weiter an die Quellen kommt. Zum Beispiel nannte das Team die kostenlosen UBI Container Images von Red Hat sowie öffentliche Cloud Instanzen mit nutzungsbasierter Abrechnung. Das heißt: Rocky Linux entschied sich, den Neubau aus RHEL Quellen fortzusetzen.

AlmaLinux wählte am 13.07.2023 einen anderen Weg. Die Stiftung verkündete, nicht mehr eine 1:1 Kopie von RHEL anzustreben. Stattdessen zielt sie auf binäre Kompatibilität mit RHEL. Dieser Ansatz erlaubt AlmaLinux, Fehlerkorrekturen außerhalb des Zeitplans von Red Hat auszuliefern. Laut Ankündigung merken Nutzer davon in der Praxis wenig, und Anwendungen für RHEL laufen weiter.

Was bedeutet ABI Kompatibilität in der Praxis?

Das Application Binary Interface (ABI) beschreibt, wie ein kompiliertes Programm mit dem Betriebssystem und seinen Bibliotheken spricht. Diese Art der Kompatibilität bedeutet, dass Sie ein für RHEL gebautes Programm ohne Neukompilieren auf AlmaLinux ausführen können. Folglich bleibt der Teil erhalten, der für Software von Drittanbietern am wichtigsten ist.

Ein Neubau im Verhältnis eins zu eins geht noch einen Schritt weiter. Hier soll jedes Paket aus derselben Quelle und mit denselben Patches entstehen wie sein Gegenstück in RHEL. So tritt ein Fehler aus RHEL auf Rocky Linux genauso auf. Manche Organisationen schätzen dieses identische Verhalten für Tests und Zertifizierungen.

Spielt dieser Unterschied für Ihre Website also eine Rolle? Bei den meisten Projekten mit WordPress, Laravel oder Node.js bemerken Sie ihn nicht. Denn Ihre Anwendung hängt von PHP, Datenbank und Webserver ab, nicht von RHEL selbst. Betreiben Sie allerdings Hardwaretreiber, eine Enterprise Datenbank oder zertifizierte kommerzielle Software, dann lassen Sie sich schriftlich bestätigen, welche Distribution der Hersteller offiziell unterstützt.

Rocky Linux oder AlmaLinux im Vergleich: die Tabelle

Die folgende Tabelle vergleicht beide Distributionen in Punkten, die wir in offiziellen Quellen prüfen konnten. Daten und Richtlinien können sich allerdings ändern. Prüfen Sie deshalb jede Zeile vor Ihrer Entscheidung auf der aktuellen Projektseite.

KriteriumRocky LinuxAlmaLinux
SteuerungUnter dem Dach der Rocky Enterprise Software Foundation (RESF)AlmaLinux OS Foundation, gemeinnützig nach 501(c)(6)
UrsprungVon CentOS Gründer Gregory Kurtzer gestartetVom CloudLinux Team gestartet, dann an die Stiftung übergeben
Ansatz zu RHELNeubau aus RHEL Quellen (bezogen über UBI und Cloud Instanzen)Seit 2023 Ziel der binären Kompatibilität (ABI)
Updates für Version 8Bis 2029Bis 2029
Updates für Version 9Sicherheitssupport bis 31.05.2032Bis 2032
Migrationswerkzeugmigrate2rockyalmalinux-deploy; ELevate für Hauptversionen
cPanel UnterstützungAuf der offiziellen ListeAuf der offiziellen Liste
Kommerzieller SupportAnbieter auf der offiziellen Website (etwa CIQ)Supportfirmen im Umfeld der Stiftung
LizenzkostenKostenlosKostenlos

Ein Blick auf die Tabelle zeigt: Der Abstand ist klein, und das stimmt auch. Die Unterschiede ballen sich in den Zeilen zu RHEL Ansatz und Steuerung. In den übrigen Zeilen stehen beide Distributionen fast am selben Punkt.

Wie lange dauern Updates und Lebenszyklus?

Beide Distributionen folgen dem langen Zyklus der RHEL Hauptversionen. Die offizielle FAQ von AlmaLinux nennt Updates und Sicherheitspatches für die Reihe 8.x bis 2029. Für die Reihe 9.x gilt laut FAQ das Jahr 2032. Ebenso nennt die Dokumentation von Rocky Linux für Rocky 9 das Ende des allgemeinen Supports am 31.05.2027.

Der Sicherheitssupport für Rocky 9 läuft laut derselben Quelle bis zum 31.05.2032. Allerdings übersehen viele ein Detail. In beiden Projekten verliert eine Unterversion (etwa 9.2) ihren Support, sobald die nächste Unterversion erscheint. Die Reihe 9.x lebt also lange, doch Sie müssen Ihr System regelmäßig auf die aktuelle Unterversion bringen. Schieben Sie Updates jahrelang auf, fallen Sie aus dem Supportrahmen.

Bei der Wahl Rocky Linux oder AlmaLinux herrscht in diesem Punkt also Gleichstand. Konkret brauchen Sie einen festen Wartungsplan. Ein Update starten Sie mit diesem Befehl:

sudo dnf upgrade --refresh

Legen Sie vor jedem Update ein Backup an. Dazu hilft Ihnen unser Leitfaden zur Backup Strategie für Websites. Für die Reihe 10 prüfen Sie den Supportzeitraum vor der Installation ebenfalls auf der offiziellen Versionsseite.

Wie passen die Versionsnummern zu RHEL?

Beide Distributionen richten ihre Versionsnummer nach der RHEL Unterversion. Nach RHEL 9.4 brachten zum Beispiel Rocky Linux und AlmaLinux jeweils ihre eigene Version 9.4 heraus. Diese Zuordnung zeigt Ihnen also schnell, mit welchem Paketstand Sie arbeiten.

Wie schnell jedes Projekt eine neue Unterversion veröffentlicht, ist nicht festgelegt. Mal liegt das eine Projekt vorn, mal das andere. Daher verzichten wir auf Aussagen wie „dieses Projekt ist immer zuerst fertig“. Für Sie zählt, dass Sie ein Update in angemessener Zeit einspielen.

CentOS Stream fällt aus diesem Muster heraus. Stream trägt zudem keine Unterversion und bewegt sich als fortlaufender Strom. Anders gesagt enthält es schon Änderungen für die nächste RHEL Unterversion. Diesen Unterschied erklären wir in einem eigenen Beitrag. Wünschen Sie in der Produktion einen planbaren Zyklus, dann lassen sich die nummerierten Unterversionen von Rocky Linux und AlmaLinux leichter verfolgen.

Welche Version Sie nutzen, zeigt Ihnen diese Datei:

cat /etc/os-release

Die Zeilen NAME und VERSION_ID nennen Distribution und Unterversion. Geben Sie diese Angaben zuerst weiter, etwa in Supportanfragen und bei der Prüfung der Panelkompatibilität.

Wo verfolgen Sie Sicherheitsupdates?

Beide Projekte veröffentlichen Sicherheitskorrekturen über eigene Errata Kanäle. AlmaLinux nutzt für diese Hinweise das Präfix ALSA, Rocky Linux das Präfix RLSA. Über diese Einträge sehen Sie, welche Paketversion welche CVE schließt.

Ein festes Urteil darüber, welches Projekt Patches „schneller“ liefert, geben wir nicht ab. Denn das Tempo hängt von der Art der Lücke ab. Ebenso zählt, wann der Quellcode verfügbar ist und wie voll die Bauwarteschlange ist. Tempovergleiche im Netz stützen sich oft auf Beispiele aus einem einzigen Zeitraum. Somit würde eine allgemeine Regel Sie in die Irre führen.

Wichtig ist für Sie vor allem, dass Sie Updates tatsächlich einspielen. Egal, welche Distribution Sie installieren:

  • Prüfen Sie automatische Sicherheitsupdates mit dnf-automatic.
  • Schützen Sie SSH vor Brute Force Angriffen mit einer Fail2ban Einrichtung.
  • Wählen Sie den passenden Paketspiegel für schnellere und zuverlässigere Downloads.
  • Kontrollieren Sie den Ablauf Ihres Zertifikats regelmäßig mit unserem SSL Check.

Welche Hostingpanels unterstützen welche Distribution?

Für viele Websitebetreiber mit Shared Hosting oder verwaltetem VPS ist die Panelunterstützung die eigentliche Frage. Die offizielle Seite zu den Systemanforderungen von cPanel nennt AlmaLinux OS, CloudLinux, Rocky Linux und Ubuntu. Diese Systeme unterstützt cPanel & WHM laut Hersteller. Planen Sie also cPanel, stehen beide Distributionen auf der offiziellen Liste.

Allerdings kann sich die Liste je nach Version ändern. Ein Panel unterstützt eine neue Hauptversion (etwa die Reihe 10) zum Beispiel erst nach einiger Zeit. Deshalb sollten Sie vor der Installation die genaue Versionsnummer auf der Betriebssystemseite des Panels prüfen. Nutzen Sie Plesk, DirectAdmin oder ein anderes Panel, dann machen Sie dieselbe Prüfung in dessen Dokumentation.

Im Shared Hosting begegnet Ihnen außerdem oft CloudLinux. Seine Stärken sind Kontoisolierung und Ressourcenlimits. Dieses Thema behandeln wir in unserem Beitrag zu CageFS und Kontoisolierung. Zur Verwaltung der PHP Version im Panel lesen Sie unsere Anleitung zum Ändern der PHP Version in cPanel.

Gibt es Unterschiede bei Software und Paketquellen?

Für die meisten Alltagsaufgaben zeigt sich bei Rocky Linux oder AlmaLinux kein Unterschied. Konkret bieten beide denselben Kernbestand an Paketen wie RHEL. Zudem liefert das EPEL Repository des Fedora Projekts zusätzliche Pakete für RHEL und kompatible Distributionen. Sie können es also auf beiden nutzen.

Softwarehersteller formulieren ihre Supportlisten jedoch unterschiedlich. Manche schreiben „RHEL und kompatible Distributionen“, andere nennen jede Distribution einzeln. Ein Backup Agent, ein Monitoring Werkzeug oder ein Sicherheitsagent nennt zum Beispiel vielleicht nur eine davon offiziell. Dann läuft die Software wahrscheinlich auch auf der anderen, doch der Hersteller hilft im Fehlerfall womöglich nicht.

Theoretisch erlaubt der ABI Ansatz AlmaLinux kleine Abweichungen von RHEL. Eine Fehlerkorrektur landet beispielsweise in AlmaLinux, bevor sie RHEL erreicht. Das wirkt in der Praxis meist zu Ihren Gunsten. In Umgebungen mit strenger Zertifizierung holen Sie sich trotzdem die Freigabe des Herstellers. Bei Rocky Linux ist das Ziel, dass die Pakete den RHEL Quellen entsprechen.

Kurz gesagt: Ist Ihre Softwareliste klar, öffnen Sie die Supportseite jeder kritischen Komponente und suchen Sie nach beiden Namen. Diese Prüfung dauert wenige Minuten und erspart Ihnen später Streit über Kompatibilität.

Welche Optionen für kommerziellen Support gibt es?

Beide Distributionen sind kostenlos; Communityforen, Chatkanäle und Dokumentation helfen Ihnen weiter. In Unternehmen zählt allerdings die Frage, wen Sie im Störfall anrufen. Genau dann kommen kommerzielle Supportverträge ins Spiel.

Rocky Linux listet Firmen für kommerziellen Support auf der Seite „Commercial Support“ seiner offiziellen Website. Im Umfeld der AlmaLinux Stiftung gibt es ebenfalls Firmen, die Support und langfristige Wartung anbieten. Welche Firma welches Servicelevel (SLA) bietet, erfahren Sie über ein direktes Angebot. Wir heben hier keinen bestimmten Anbieter hervor.

Ob Sie einen Supportvertrag brauchen, klären Sie mit diesen Fragen:

  1. Erleiden Sie spürbare Umsatz oder Imageverluste, wenn der Server eine Stunde ausfällt?
  2. Gibt es in Ihrem Team jemanden mit Erfahrung in der Linux Systemverwaltung?
  3. Verlangt ein Audit oder Kundenvertrag ein unterstütztes Betriebssystem?
  4. Übernimmt Ihr Hostinganbieter die Wartung des Betriebssystems bereits?

Lautet die Antwort auf die letzte Frage ja, brauchen Sie oft keinen eigenen Vertrag. Ein Anbieter mit verwalteten Diensten wählt das Betriebssystem meist ohnehin passend zu seinem Supportumfang.

Wie migrieren Sie von CentOS oder einer anderen Distribution?

Beide Projekte bieten offizielle Werkzeuge, die ein bestehendes RHEL kompatibles System in die eigene Distribution umwandeln. Für Rocky Linux heißt das Werkzeug migrate2rocky. Laut offizieller Dokumentation tauscht das Skript die Paketquellen gegen die von Rocky Linux. Dann aktualisiert oder ersetzt es Pakete nach Bedarf und ändert das Branding des Systems.

Für AlmaLinux heißt das Gegenstück almalinux-deploy. Laut FAQ von AlmaLinux vereinfacht es den Umstieg von Distributionen wie CentOS und CentOS Stream. Für Sprünge zwischen Hauptversionen entwickelte die AlmaLinux Community außerdem das Projekt ELevate. ELevate baut auf dem Werkzeug Leapp auf und hilft beim Wechsel zwischen Hauptversionen von RHEL Derivaten.

Zudem laufen beide Skripte mit Root Rechten. Der Aufruf sieht so aus; laden Sie das Skript stets aus dem offiziellen Repository des Projekts:

# Umstieg auf Rocky Linux (nach Download aus dem offiziellen Repository)
sudo bash migrate2rocky.sh -r

# Umstieg auf AlmaLinux (nach Download aus dem offiziellen Repository)
sudo bash almalinux-deploy.sh

Details und unterstützte Ausgangsversionen finden Sie in der Migrationsanleitung von Rocky Linux und in der FAQ von AlmaLinux. Erzwingen Sie das Skript auf einer nicht unterstützten Ausgangsversion, bleibt das System womöglich halb umgestellt.

Was sollten Sie vor der Migration prüfen?

Die Umstellungsskripte arbeiten direkt auf dem laufenden System. Daher zählt die Vorbereitung mehr als das Skript selbst. Halten Sie zunächst den aktuellen Zustand fest:

cat /etc/os-release
dnf repolist

Danach haken Sie diese Liste Punkt für Punkt ab:

  • Erstellen Sie ein vollständiges Backup oder einen Snapshot über das Panel Ihres Anbieters.
  • Exportieren Sie Datenbanken getrennt und testen Sie die Wiederherstellung.
  • Listen Sie Paketquellen von Drittanbietern (Panel, Monitoring, Backup Agent) auf und prüfen Sie deren Kompatibilität.
  • Fragen Sie den Panelhersteller, ob Ihre Lizenz mit dem neuen Systemnamen Probleme macht.
  • Planen Sie die Arbeit im Zeitfenster mit dem geringsten Traffic und prüfen Sie Ihren Konsolenzugang.

Richten Sie nach Möglichkeit zuerst einen Testserver mit gleicher Konfiguration ein und probieren Sie die Migration dort. Den ersten Versuch auf dem Produktivserver zu wagen, ist riskant. Nach dem Umstieg prüfen Sie DNS und IP Einstellungen außerdem mit unserer IP Abfrage.

Merken Sie im Alltag einen Unterschied?

In den meisten Fällen nicht. Richten Sie einen Webserver ein, installieren Sie Nginx oder Apache, PHP sowie MariaDB oder MySQL auf beiden mit denselben Befehlen. Ebenso folgen firewalld, SELinux Richtlinien und systemd Dienste derselben Logik.

Den Unterschied sehen Sie eher in bestimmten Momenten. Erstens, wenn ein Installationsskript den Namen der Distribution prüft und nur eine kennt. Zweitens, wenn ein Hersteller eine Supportanfrage mit „nicht unterstütztes Betriebssystem“ beantwortet. Drittens bei der Suche in Dokumentation und Foren: Beide Communitys sind aktiv, doch je nach Thema finden Sie in einer mehr Beispiele.

Folglich wäre ein pauschales Urteil wie „schneller“ oder „sicherer“ bei Rocky Linux oder AlmaLinux nicht fair. Wir sehen keine offizielle Grundlage, auf gleicher Hardware mit gleichen Einstellungen einen klaren Leistungsunterschied zu erwarten. In der Praxis prägen PHP Version, Caching und Datenbankeinstellungen die Leistung weit stärker als die Distribution.

Wann ist eine RHEL Distribution sinnvoller als Ubuntu oder Debian?

Dieser Leitfaden vergleicht zwei RHEL kompatible Distributionen, doch für manche Leser kommt die eigentliche Frage einen Schritt früher. Ubuntu und Debian sind auf Servern ebenfalls sehr verbreitet, und cPanel nennt auch Ubuntu als unterstütztes System. Wann also passt die RHEL Familie besser?

  • Arbeitet Ihr Team gewohnt mit dnf, RPM, SELinux und firewalld, fühlt sich die RHEL Familie natürlicher an.
  • Listet Ihre kommerzielle Software offiziell nur RHEL und kompatible Systeme, hat diese Familie Vorrang.
  • Wünschen Sie einen langen, planbaren Zyklus für Hauptversionen, hilft der Horizont von rund zehn Jahren.
  • Kennt Ihr Team apt und Werkzeuge aus der Debian Welt gut, ist der Verbleib bei Ubuntu oder Debian weniger riskant.

Kurz gesagt ist die richtige Familie die, die Ihr Team am besten kennt. Statt eine Distribution nur wegen ihrer Beliebtheit zu wählen, klären Sie zuerst, wer sie wie wartet. Haben Sie darauf keine klare Antwort, sprechen Sie vor der Entscheidung mit einem Systemadministrator.

Welche sollten Sie wählen, und nach welchen Kriterien?

Weil der technische Abstand klein ist, binden Sie die Entscheidung am besten an wenige konkrete Kriterien. Die folgende Reihenfolge bietet einen praktischen Weg für eine Website oder einen E-Commerce Shop:

  1. Panelunterstützung: Wählen Sie die Version, die auf der Betriebssystemliste Ihres Panels steht.
  2. Softwarehersteller: Nennt Ihre kritische kommerzielle Software eine Distribution offiziell, nehmen Sie diese.
  3. Teamerfahrung: Hat Ihr Team bereits eine davon betrieben, passen Doku und Gewohnheiten schon dazu.
  4. Supportvertrag: Kaufen Sie kommerziellen Support, bevorzugen Sie die Distribution, auf die sich Ihr Anbieter spezialisiert.
  5. Nähe zu RHEL: Zählt identisches Verhalten, passt eher Rocky Linux; zählen eigenständige Fehlerkorrekturen, eher AlmaLinux.

Entscheidet keines dieser Kriterien, ist die Standarddistribution Ihres Hostinganbieters eine vernünftige Wahl. Denn der Anbieter hat Image, Netzwerkeinstellungen und Supportteam darauf abgestimmt. Einen breiteren Blick auf die Hostingwahl bietet unser Leitfaden zum Auswählen von Webhosting.

Wann überlassen Sie diese Entscheidung besser Ihrem Hoster?

Ehrlich gesagt sollte die Wahl des Betriebssystems für die meisten Websitebetreiber nicht ihre Aufgabe sein. Nutzen Sie Shared Hosting, trifft der Anbieter die Wahl ohnehin und kümmert sich um die Wartung. Dann ist die Frage Rocky Linux oder AlmaLinux für Sie keine praktische Entscheidung.

Ähnlich verhält es sich bei einem verwalteten VPS oder Server. Die Distribution zu nutzen, die Ihr Anbieter unterstützt und aktuell hält, ist sicherer als eine eigene Vorliebe durchzusetzen. Schließlich kennt das Supportteam diese Distribution, sobald Probleme auftreten. Außerdem stimmen Anbieter ihre fertigen Images, Netzwerkeinstellungen und Konsolenwerkzeuge darauf ab. Installieren Sie ein eigenes Image, verlieren Sie womöglich einen Teil dieser Vorteile.

Verwalten Sie Ihren eigenen VPS mit Root Zugang, liegt die Entscheidung bei Ihnen. Kümmert sich in Ihrem Team allerdings niemand regelmäßig um Updates, Backups und Sicherheitseinstellungen, sollten Sie einen verwalteten Dienst ernsthaft erwägen. Den Unterschied zwischen VPS, VDS und Cloud Server erklären wir in unserem Vergleich von VPS und Cloud Server.

Was kommt nach der Installation?

Nach der Wahl der Distribution folgen Installation und erste Härtung. Die Installation von AlmaLinux behandeln wir Schritt für Schritt in einem eigenen Beitrag; für Rocky Linux sind die Schritte weitgehend gleich. Zunächst eine kurze Erinnerung an die Reihenfolge. Die meisten Schritte nutzen auf beiden dieselben Befehle, was Teams beim Wechsel zusätzlich hilft.

  • Aktualisieren Sie das System und stellen Sie die Zeitzone des Servers korrekt ein.
  • Deaktivieren Sie den direkten Root Login per SSH und wechseln Sie zur schlüsselbasierten Anmeldung.
  • Lassen Sie mit firewalld nur die nötigen Ports offen.
  • Passen Sie die nötigen SELinux Richtlinien an, statt SELinux abzuschalten.
  • Planen Sie automatische Backups und regelmäßige Tests der Wiederherstellung fest ein.

Auf der Seite der Website zählt die Anwendungsschicht so viel wie das Betriebssystem. Möchten Sie Design und Technik Ihrer Website gemeinsam planen, sehen Sie sich unser Angebot für Webdesign an. Planen Sie eine eigene Anwendung oder Integration, zeigt Ihnen unsere Seite zur individuellen Softwareentwicklung den Weg.

Rocky Linux oder AlmaLinux: die kurze Zusammenfassung

Rocky Linux und AlmaLinux sind zwei starke, kostenlose und langlebige Optionen, die die Lücke nach CentOS Linux füllen. Beide sind mit RHEL kompatibel, nutzen dieselben Werkzeuge und bieten für die Reihen 8 und 9 ähnliche Supportzeiträume. Der Unterschied liegt also in der Steuerung und im Ansatz zu RHEL seit 2023.

Schauen Sie bei der Entscheidung zuerst auf Panel und Softwareunterstützung, dann auf Teamerfahrung und Supportbedarf. Bei den meisten Webprojekten ist der technische Abstand nicht groß genug, um das Ergebnis zu ändern. Also ist die „richtige“ Distribution jene, die Sie regelmäßig warten können.

Kaufen Sie etwa einen verwalteten VPS mit cPanel für einen kleinen Onlineshop, dann wählen Sie die Standarddistribution des Anbieters. So bleibt Ihre Energie für Ladezeit und Sicherheit der Website frei. Sind Sie dagegen ein Softwareteam mit eigener Anwendung, senkt der Verbleib bei der vertrauten Distribution die Wartungskosten.

Lesen Sie schließlich die offiziellen Dokumente, die wir als Quellen genutzt haben, selbst. Die Ankündigung von AlmaLinux vom Juli 2023, die Ankündigung von Rocky Linux zum Zugang zu den Quellen und die Seite zu den Systemanforderungen von cPanel enthalten die Kernfakten dieser Entscheidung. Für kommerziellen Support hilft die Liste der Supportanbieter von Rocky Linux.

Häufig gestellte Fragen

Sind Rocky Linux und AlmaLinux kostenlos?
Ja, beide Distributionen sind kostenlos und verlangen keine Lizenzgebühr. Sie laden die Installationsabbilder von den offiziellen Websites und nutzen sie auf beliebig vielen Servern. Kosten entstehen erst, wenn Sie optionalen kommerziellen Support, eine Panellizenz oder verwaltetes Hosting kaufen. Ein Kostenunterschied kommt also von den Diensten rund um die Distribution, nicht von ihr selbst.
Sollte ich von CentOS zu Rocky Linux oder zu AlmaLinux wechseln?
Wechseln Sie zu der Distribution, die Ihr Panel und Ihre Software offiziell unterstützen. Beide Projekte bieten ein offizielles Skript zur Umstellung: migrate2rocky für Rocky Linux und ein eigenes Deploy Skript für AlmaLinux. Erstellen Sie zuerst ein vollständiges Backup und einen Snapshot. Testen Sie möglichst vorher auf einem Testserver und prüfen Sie die unterstützten Ausgangsversionen.
Ist AlmaLinux nicht mehr mit RHEL kompatibel?
Doch, nur das Ziel hat sich geändert. Im Juli 2023 kündigte AlmaLinux an, statt einer 1:1 Kopie binäre Kompatibilität (ABI) anzustreben. Anwendungen für RHEL laufen daher ohne Neukompilieren auf AlmaLinux. Laut Stiftung merken Nutzer in der Praxis wenig davon. Bei zertifizierter kommerzieller Software sprechen Sie trotzdem mit dem Hersteller.
Ist Rocky Linux oder AlmaLinux besser für cPanel?
Die offizielle Seite zu den Systemanforderungen von cPanel nennt beide als unterstützte Betriebssysteme. Aus Sicht von cPanel ist also jede der beiden eine gültige Wahl. Prüfen Sie vor der Installation, ob Ihre genaue Versionsnummer auf der Liste steht. Bietet Ihr Hoster ein Standardimage an, ist dieses für den Support meist die praktischere Option.
Wie lange erhalten Rocky Linux und AlmaLinux Updates?
Beide folgen dem langen Supportzyklus von RHEL. Laut offiziellen Quellen erhält die Reihe 8 Sicherheitsupdates bis 2029 und die Reihe 9 bis 2032. Allerdings verliert jede Unterversion ihren Support, sobald die nächste erscheint. Deshalb sollten Sie regelmäßig aktualisieren und auf der aktuellen Unterversion bleiben.
Spielt diese Wahl bei Shared Hosting eine Rolle?
Meist nicht. Beim Shared Hosting wählt, installiert und aktualisiert der Anbieter das Betriebssystem, und Sie verwalten Ihre Website über das Panel. Wichtiger sind für Sie dann PHP Version, Backups und SSL. Zu Ihrer Entscheidung wird die Wahl erst, wenn Sie einen eigenen VPS oder Server mit Root Zugang betreiben.
  • rocky linux
  • almalinux
  • rhel kompatible distribution
  • centos alternative
  • linux server
  • cpanel betriebssystem
  • vps verwaltung
Teilen:
Talha Aslan

Google Partner und Experte für digitales Marketing. Seit 2012 praktisch in SEO, Google Ads, Webdesign und E-Commerce Projekten; jeder Beitrag hier stammt aus dieser Erfahrung.

Nächstes Projekt

Sprechen wir über Ihr Projekt.

Ihre Anfrage geht direkt an Talha Aslan und Team: Strategie von Talha, Umsetzung durch ein erfahrenes Team. Das Erstgespräch ist kostenlos, wir hören zu und melden uns mit einer klaren Roadmap.