Was ist ein Looking Glass? Hosting Netzwerk vor dem Kauf testen

Was ist ein Looking Glass?
Ein Looking Glass ist eine öffentliche, schreibgeschützte Weboberfläche auf die Router eines Netzbetreibers. Damit führen Sie Ping, Traceroute und BGP Abfragen direkt aus dem Netz des Anbieters aus und lesen das Ergebnis im Browser. Sie sehen das Netz also von innen und nicht nur von Ihrem eigenen Anschluss aus.
Der Name klingt ungewöhnlich, die Idee ist aber einfach. In der Praxis sehen Sie das Internet normalerweise nur von Ihrer eigenen Leitung aus. Ein Looking Glass bietet Ihnen dagegen einen zweiten Blickwinkel, zum Beispiel aus einem Rechenzentrum in Frankfurt oder New York.
Unser Team begleitet Kunden häufig bei Hosting Entscheidungen rund um Websites und Onlineshops. In diesem Leitfaden zeigen wir, wie Sie das Werkzeug vor dem Hosting Kauf nutzen, wie Sie die Ausgabe lesen und wo es Sie in die Irre führen kann. Ping und Traceroute behandeln wir hier nur kurz, denn dazu gibt es eigene Beiträge.
Welche Befehle bietet ein Looking Glass?
Zunächst: Die meisten Looking Glass Seiten bieten drei Arten von Abfragen. Hurricane Electric betreibt dafür ein bekanntes öffentliches Beispiel. Dort wählen Sie einen Router Standort aus und führen dann BGP Route, BGP Summary, Ping oder Traceroute aus.
- Ping: Sendet ICMP Echo Anfragen vom gewählten Router an eine Ziel IP und zeigt die Laufzeit hin und zurück.
- Traceroute: Listet Schritt für Schritt die Router auf, die ein Paket auf dem Weg zum Ziel durchläuft.
- BGP Routenabfrage: Zeigt das Präfix, das die Ziel IP abdeckt, und die autonomen Systeme auf dem Pfad.
- BGP Summary: Listet die Nachbarn des Routers und ihren Zustand. Nicht jeder Anbieter schaltet diesen Befehl frei.
Der Befehlsumfang unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter. Manche bieten also nur Ping und Traceroute, andere öffnen auch BGP Abfragen. Außerdem enthält die Seite von Hurricane Electric einen nützlichen Hinweis: Dienst und Support laufen nach dem Prinzip Best Effort.
Wie unterscheidet sich ein Looking Glass vom Test auf dem eigenen Rechner?
Der Unterschied liegt im Blickwinkel. Zum Beispiel misst ein Ping von Ihrem Laptop den Weg von Ihrem Internetanbieter zum Ziel. Ein Looking Glass zeigt dagegen den Weg, der das Netz des Hosting Anbieters verlässt, also dort, wo Ihr Server steht.
Diese Unterscheidung ist wichtig, denn Hinweg und Rückweg müssen nicht gleich sein. Zum Beispiel kann das Paket eines Besuchers Ihren Server auf einer Route erreichen, während die Antwort einen anderen Weg nimmt. Ein Test in nur eine Richtung erzählt deshalb nur die halbe Geschichte.
| Methode | Was sie zeigt | Was sie nicht zeigt |
|---|---|---|
| Ping und Traceroute vom eigenen Rechner | Den Weg von Ihrem Anschluss zum Server | Den Weg, der den Server verlässt |
| Looking Glass | Weg und Routingdaten vom Netz des Anbieters zu einem Ziel | Die Qualität Ihrer Leitung zu Hause oder im Büro |
| Speedtest Seite | Downloadgeschwindigkeit und Durchsatz | Routing und Router Details |
| Lighthouse und Felddaten | Die echte Ladeleistung einer Seite | Die Stelle im Netz, an der es langsam wird |
Kurz gesagt ergänzt das Werkzeug die anderen Methoden, es ersetzt sie nicht. Erst im Zusammenspiel liefert es daher ein belastbares Bild.
Wie finden Sie vor dem Hosting Kauf ein Looking Glass?
Suchen Sie zunächst auf der Website des Anbieters nach einer Seite mit dem Namen Looking Glass, Netzwerk oder Test IP. Anbieter, die ihr Netz selbst betreiben und Transparenz schätzen, veröffentlichen deshalb oft eine solche Seite. Finden Sie nichts, fragen Sie beim Vertrieb oder Support nach.
In der Regel gibt es bei Shared Hosting selten eine solche Seite, bei VPS und dedizierten Servern dagegen häufiger. Das ist allerdings eine Tendenz und keine feste Regel. Eine fehlende Seite ist außerdem nicht automatisch ein schlechtes Zeichen.
Sie können den Anbieter um Folgendes bitten:
- Die Adresse der Looking Glass Seite.
- Eine Test IP in dem Rechenzentrum, das Sie nutzen möchten.
- Wenn möglich, einen Link zu einer Testdatei zum Herunterladen.
- Eine kurze Liste der Standorte, an denen Router zur Abfrage bereitstehen.
Für die übrigen Teile der Entscheidung lesen Sie unseren Leitfaden Webhosting auswählen. Dort geht es außerdem um Prozessor, Speicher, Support und Backups.
Wie testen Sie Schritt für Schritt mit einem Looking Glass?
Entscheiden Sie zunächst, was Sie messen wollen. Für die meisten Websites lautet die eigentliche Frage: Erreichen Besucher in meiner Zielregion den Server sauber? Sie beantworten sie also, indem Sie in beide Richtungen testen.
- Wählen Sie eine IP Adresse auf einer Leitung in der Region, in der die meisten Ihrer Besucher leben. Ihre eigene Adresse finden Sie mit unserem Werkzeug Meine IP.
- Öffnen Sie das Looking Glass des Anbieters und wählen Sie den Router am Standort Ihres Servers.
- Führen Sie zuerst einen Ping aus und notieren Sie die Laufzeiten.
- Starten Sie danach eine Traceroute zum selben Ziel und achten Sie auf Anzahl der Hops und Verlauf der Route.
- Drehen Sie dann den Test um: Führen Sie Ping und Traceroute von Ihrem Rechner zur Test IP des Servers aus.
- Wiederholen Sie den Test mehrmals am Tag und tragen Sie die Ergebnisse in eine Tabelle ein.
Eine einzelne Messung kann täuschen. Deshalb liefert ein Test am Morgen, einer am Nachmittag und einer zur Abendspitze ein deutlich gesünderes Bild.
Wie lesen Sie ein Ping Ergebnis?
Im Ping Ergebnis achten Sie vor allem auf drei Werte: mittlere Laufzeit, maximale Laufzeit und Paketverlust. Die Laufzeit steht in Millisekunden. Der Paketverlust sollte null sein, denn dauerhafter Verlust deutet auf ein Problem mit der Leitung oder dem Ziel hin.
Denn bei Netzmessungen zählt Konstanz mehr als die absolute Zahl. Zum Beispiel spricht es für eine stabile Leitung, wenn zehn Versuche fast denselben Wert liefern. Springt ein Versuch weit über die anderen, schwankt das Netz möglicherweise.
Außerdem beeinflusst die räumliche Entfernung die Laufzeit. Licht hat eine feste Geschwindigkeit, daher antwortet ein Server in Frankfurt für einen Besucher in Istanbul naturgemäß langsamer als ein Server in derselben Stadt. Bewerten Sie die Zahl also immer vor dem Hintergrund Ihrer Zielgruppe.
Außerdem beruht Ping auf ICMP Echo Nachrichten, die RFC 792 beschreibt. Allerdings antworten manche Server und Firewalls darauf nicht. Bleibt die Antwort aus, schließen Sie daraus nicht, dass die Website offline ist.
Wie deuten Sie die Traceroute eines Looking Glass?
Traceroute gibt pro Zeile einen Hop aus. Jede Zeile zeigt die Nummer des Hops, den Namen oder die IP des Routers und meist drei Zeitwerte. Die folgende Ausgabe ist ein erfundenes Beispiel. Sie gehört zu keinem echten Netz und nutzt nur Adressen für Dokumentation.
1 core1.example.net (198.51.100.1) 0.4 ms 0.4 ms 0.5 ms
2 edge2.example.net (198.51.100.9) 1.1 ms 1.0 ms 1.2 ms
3 transit.example.org (203.0.113.5) 8.3 ms 8.1 ms 8.4 ms
4 isp-gw.example.com (203.0.113.77) 24.7 ms 25.2 ms 24.9 ms
5 203.0.113.10 25.8 ms 25.6 ms 26.0 ms
In diesem Beispiel wächst die Zeit von Hop zu Hop und die letzte Zeile erreicht das Ziel. Das ist also das typische Bild eines gesunden Pfads. Ein plötzlicher und anhaltender Sprung zwischen zwei Hops verdient dagegen einen genaueren Blick.
Eine Reihe von Sternchen (*) bedeutet allerdings nicht automatisch ein Problem. Denn manche Router beantworten solche Anfragen nur mit niedriger Priorität oder gar nicht. Entscheidend ist dann, ob der Sprung auch in den späteren Hops anhält.
Auch die Routernamen liefern Hinweise. Zum Beispiel setzen viele Netze ein Kürzel für Stadt oder Firma in den Namen. So erkennen Sie grob, über welchen Kontinent das Paket gelaufen ist.
Was verrät eine BGP Routenabfrage?
BGP ist das Routingprotokoll, mit dem unabhängige Netze einander mitteilen, welche Adressen sie erreichen. Die aktuelle Version, BGP Version 4, beschreibt RFC 4271. Ein Looking Glass zeigt diese Informationen in lesbarer Form.
Bei einer BGP Routenabfrage sehen Sie typischerweise Folgendes:
- Das Präfix, das die Ziel IP Adresse abdeckt.
- Den AS Pfad: die Reihenfolge der autonomen Systeme, die das Paket durchläuft.
- Den Nachbarn, von dem der Router die Route gelernt hat.
- Zusätzliche Attribute wie Communities.
Ein kurzer AS Pfad bedeutet meist eine direktere Route, allerdings ist ein kurzer Pfad nicht immer der schnellere. Routingentscheidungen hängen von Handelsabkommen und der Richtlinie des jeweiligen Anbieters ab.
Bei Systemen im Stil von Cisco lautet der passende Befehl show ip bgp, während Weboberflächen ihn meist hinter einer Schaltfläche BGP Route verstecken. Dieser Detailgrad ist für viele Website Betreiber allerdings technischer als nötig. Trotzdem erleichtert es das Gespräch mit Ihrem Anbieter, wenn Sie die Begriffe kennen.
Wer nutzt ein Looking Glass und warum ist es öffentlich?
Netzbetreiber, Mitglieder von Internetknoten (IXP) und Netzwerkingenieure nutzen es am häufigsten. Nach der Seite von Philip Smith zum Peering ist es eine Weboberfläche mit begrenztem Zugriff auf einen Router oder Route Collector. Betreiber prüfen damit die BGP Tabelle, kontrollieren ausgehende Richtlinien und testen die Erreichbarkeit von verschiedenen Punkten.
Warum öffnen Anbieter es dann für alle? Weil Transparenz Vertrauen schafft und den Supportaufwand senkt. Hat ein Kunde ein Problem, kann er eine eigene Messung zum Support mitbringen, und beide Seiten sprechen über dieselben Daten.
Als Betreiber einer Website oder eines Shops gehören Sie nicht zur Hauptzielgruppe, dürfen das Werkzeug aber trotzdem nutzen. Wichtig ist daher, dass die Ausgabe für Netzwerkingenieure gedacht ist. Für die meisten Entscheidungen genügen Laufzeit, Paketverlust und die grobe Form des Pfads.
Wie schauen Sie mit einem fremden Looking Glass von außen auf Ihren Server?
Eine clevere Nutzung besteht darin, Ihren Server aus anderen Netzen zu betrachten. Die IP Adresse Ihres Servers finden Sie mit unserer DNS Abfrage. Öffnen Sie dann ein öffentliches Looking Glass, wählen Sie einen Standort nahe Ihrer Zielregion und geben Sie die IP Ihres Servers als Ziel ein.
Das ergibt eine Sicht, die der Richtung des Besuchers näherkommt, denn das Paket läuft aus jenem Netz in Richtung Ihres Servers. Seien Sie allerdings vorsichtig: Ein einzelnes fremdes Netz steht nicht für alle Ihre Besucher.
- Testen Sie zunächst aus mehreren Regionen und mehreren Netzen.
- Nutzen Sie jedes Mal dasselbe Ziel und denselben Befehl, damit die Ergebnisse vergleichbar bleiben.
- Halten Sie jedes Ergebnis mit Datum und Uhrzeit fest.
- Richten Sie das Werkzeug nicht auf andere Systeme als Ihren eigenen Server.
Der Test hilft vor allem vor oder nach einem Umzug auf einen neuen Server. Stellen Sie die Netzsicht des neuen Servers neben die des alten, dann stützt sich Ihre Entscheidung auf Daten.
Warum fällt die Latenz hoch aus?
Eine hohe Latenz hat dagegen einige typische Ursachen. Wenn Sie diese kennen, deuten Sie das Ergebnis besser, denn jede Ursache braucht eine andere Lösung.
- Physische Entfernung: Signale laufen mit begrenzter Geschwindigkeit durch Kabel, daher ist ein weit entfernter Standort von Natur aus langsamer.
- Umweg bei der Route: Ein Paket kann einen Pfad nehmen, der geografisch wenig Sinn ergibt. Zum Beispiel kann Verkehr zwischen zwei Nachbarländern über ein drittes Land fließen.
- Überlast: Sättigt sich eine Leitung zu Stoßzeiten, steigt die Latenz.
- Priorität im Router: Manche Geräte antworten auf Testpakete langsam, was bei einem mittleren Hop als hohe Zeit erscheint.
- Das Ziel selbst: Ist der Server ausgelastet, kann seine Antwort sich verzögern.
Umwege entstehen durch den kommerziellen Charakter von BGP. Denn der kürzeste physische Weg ist nicht immer der günstigste oder bevorzugte. Das können Sie nicht selbst beheben, denn nur das Netzteam des Anbieters ändert Routingpräferenzen.
Worauf achten Sie bei IPv4 und IPv6 Abfragen?
Viele Looking Glass Seiten unterstützen IPv4 und IPv6. Die Seite von Hurricane Electric bietet zum Beispiel die BGP Summary für beide Versionen getrennt an. Heute gehört die Erreichbarkeit über beide Versionen zu den modernen Erwartungen an eine Website.
Zudem können die beiden Versionen unterschiedliche Pfade nehmen. Führen Sie daher getrennte Abfragen zum selben Ziel über IPv4 und IPv6 aus. Ist der IPv6 Pfad deutlich langsamer oder verliert er Pakete, melden Sie das Ihrem Anbieter.
Ob Ihre Seite über IPv6 antwortet, prüfen Sie schnell mit unserem IPv6 Test. Hat die Seite keine IPv6 Adresse, funktioniert auch die Abfrage nicht, also fragen Sie zuerst nach der IPv6 Unterstützung. In Beispielen für Dokumentation gilt für IPv6 nur der Block 2001:db8::/32, und Ihre echte Adresse sollten Sie nie veröffentlichen.
Wie vergleichen Sie zwei Anbieter mit einem Looking Glass?
Damit der Vergleich fair bleibt, nutzen Sie bei beiden Anbietern dasselbe Ziel, dieselben Uhrzeiten und dieselbe Anzahl an Versuchen. Die folgende Tabelle ist ein erfundenes Beispiel. Sie zeigt weder eine echte Messung noch einen echten Anbieter, sondern nur, wie Sie Ihre Aufzeichnungen führen.
| Messwert (Beispiel) | Anbieter A | Anbieter B |
|---|---|---|
| Mittlerer Ping, morgens | 22 ms | 31 ms |
| Mittlerer Ping, Abendspitze | 24 ms | 58 ms |
| Paketverlust | 0 Prozent | 0 Prozent |
| Anzahl der Hops | 9 | 14 |
| Rückweg | Ähnlich | Über ein anderes Land |
In dieser erfundenen Tabelle bleibt Anbieter A am Abend stabil, während sich die Latenz bei Anbieter B fast verdoppelt. Ein solcher Abstand kann daher bei ähnlichem Preis den Ausschlag geben. Entscheiden Sie trotzdem nicht allein nach dieser Tabelle, denn auch Supportqualität, Backups und Serverressourcen zählen.
Wie halten Sie Ihre Messwerte fest?
Messen ist wichtig, denn ordentliche Aufzeichnungen sind es ebenfalls. Sonst wissen Sie eine Woche später nicht mehr, welches Ergebnis zu welcher Uhrzeit kam. Eine einfache Tabellenkalkulation genügt meistens.
Legen Sie diese Spalten an: Datum, Uhrzeit, Standort des Looking Glass, Ziel IP, Befehl, mittlere Latenz, Paketverlust und Notizen. Tragen Sie in die Notizen ein, was an dem Tag ungewöhnlich war. Zum Beispiel kann eine Wartungsmeldung oder ein starker Kampagnentag das Ergebnis beeinflussen.
So erkennen Sie also die Entwicklung über die Zeit. Ein einzelnes schlechtes Ergebnis und ein schlechtes Ergebnis jeden Abend bedeuten etwas völlig anderes. Das zweite deutet auf ein echtes Überlastproblem hin, das erste meist auf eine kurze Schwankung.
Ihre Aufzeichnungen dienen außerdem als solide Grundlage in Gesprächen über Vertrag oder Servicelevel. Wer mit datierten und wiederholbaren Daten zum Anbieter geht, wird deutlich ernster genommen als bei einer allgemeinen Beschwerde.
Welche Grenzen hat dieses Werkzeug?
Ein Looking Glass bietet starke Sichtbarkeit, hat aber einige Grenzen. Wenn Sie diese ignorieren, interpretieren Sie daher leicht zu viel in ein Ergebnis hinein.
- Ein Blickwinkel: Die Abfrage startet nur am gewählten Router, andere Router des Anbieters verhalten sich eventuell anders.
- Eine Momentaufnahme: Das Ergebnis zeigt nur diese Sekunde, und zur Stoßzeit kann das Bild anders aussehen.
- Nur Netzschicht: Es misst nicht die Geschwindigkeit von Webserver, PHP oder Datenbank.
- Eine Richtung: Meist zeigt es den Weg vom Anbieter zum Ziel, nicht den Rückweg.
- Begrenzter Zugriff: Der Anbieter entscheidet, welche Befehle offen bleiben.
- Best Effort: Wie das Beispiel von Hurricane Electric zeigt, gibt der Dienst selbst keine Garantie.
Manche Anbieter liefern die Seite zudem von einem ausgelasteten oder getrennten Rechner aus. Dann kann das Ergebnis leicht von dem Segment abweichen, in dem Kundenserver stehen. Betrachten Sie daher jedes Ergebnis als Hinweis und nicht als endgültiges Urteil.
Wie wirken sich Netzergebnisse auf die Seitengeschwindigkeit aus?
Die Netzlatenz addiert sich direkt zur Zeit, bis das erste Byte Ihrer Seite beim Besucher ankommt. web.dev beschreibt Time to First Byte (TTFB) als die Zeit zwischen dem Start der Navigation und dem Eintreffen des ersten Bytes der Antwort. Diese Zeit umfasst Weiterleitungen, DNS Abfrage, Verbindungs und TLS Aufbau sowie die Serverantwort.
web.dev nennt 0,8 Sekunden oder weniger als gutes TTFB und mehr als 1,8 Sekunden als schlechtes. Somit senken kürzere Verbindungszeiten und eine schnellere Serverseite das TTFB. Ein Looking Glass zeigt Ihnen davon nur das Netzglied der Kette.
Sehen die Netzergebnisse also gut aus, die Seite ist aber langsam, liegt das Problem vermutlich nicht im Netz. Dann spielen Software, Datenbank, Plugins oder Bildgrößen eine Rolle. Hier lohnt es sich eher, zu lesen, wie die Ladezeit das SEO beeinflusst, und sich mit den Core Web Vitals zu befassen.
Für Shop Betreiber ist das Bild zudem noch wichtiger. Die Ladezeit wirkt auf die Conversion, und unser Beitrag Ladezeit im Onlineshop geht darauf im Detail ein.
Bei welcher Hosting Art ist der Test am aussagekräftigsten?
Der Test hilft also am meisten dort, wo der Netzpfad den Ausschlag gibt. Bei Shared Hosting wiegen Serverlast und die Nachbarn auf dem Rechner oft schwerer als das Netz.
| Hosting Art | Aussagekraft des Tests | Grund |
|---|---|---|
| Shared Hosting | Begrenzt | Serverlast und Ressourcenlimits bestimmen meist die Leistung |
| VPS | Mittel bis hoch | Standort und Netzqualität haben bei Ihrer Wahl großes Gewicht |
| Dedizierter Server | Hoch | Netzanbieter und Bandbreitenvertrag entscheiden viel |
| Seite hinter einem CDN | Indirekt | Besucher verbinden sich zuerst mit dem CDN, der Pfad zum Ursprungsserver tritt zurück |
Steht ein CDN vor Ihrer Seite, kommt die Antwort aus einem Punkt nahe beim Besucher. Daher zählt der Pfad zum Ursprungsserver nur für Anfragen, die nicht im Cache liegen. Mehr zum Thema Cache lesen Sie in Caching erklärt.
Wie fügen Sie die Ausgabe einem Support Ticket bei?
Melden Sie Ihrem Anbieter ein Verbindungsproblem, ist diese Ausgabe ein starker Beleg. Statt zu schreiben, dass Sie Ihre Seite nicht erreichen, hilft eine Messung dem Support, das Problem schneller einzugrenzen.
Fügen Sie dem Ticket Folgendes bei:
- Datum und Uhrzeit des Tests samt Zeitzone.
- Den Standort des Looking Glass und den verwendeten Befehl.
- Die Ziel IP und die Domain, bei der das Problem auftritt.
- Eine Textkopie der Ping und Traceroute Ausgabe.
- Das Ergebnis desselben Tests von Ihrem eigenen Rechner.
Eingefügter Text ist besser als ein Screenshot, denn der Support kann ihn durchsuchen und vergleichen. Achten Sie außerdem darauf, Ihre eigene echte IP nicht in öffentlichen Foren zu veröffentlichen.
Wem eine IP Adresse gehört, finden Sie mit unserer IP Abfrage und der WHOIS Abfrage heraus.
Wann überlassen Sie es besser Ihrem Hosting Anbieter?
Ein Looking Glass zu lesen kann jeder, doch die Deutung und das Eingreifen erfordern Netzwerktechnik. In den folgenden Fällen überlassen Sie die Arbeit besser dem Anbieter.
- Sie sehen dauerhaften Paketverlust oder Abbrüche. Das fällt daher meist in die Zuständigkeit des Anbieters oder eines vorgelagerten Netzes.
- Sie bemerken einen unerwarteten AS Pfad in der Routingtabelle. Eine Routenänderung korrigiert nur die Stelle, die das Netz betreibt.
- Sie müssten die Netzkonfiguration (Firewall, Routen, Schnittstellen) ändern und sind sich nicht sicher, was Sie tun.
- Sie sehen Anzeichen für verdächtigen starken Verkehr oder einen Angriff.
Konkret: Wir sind ein Team für digitales Marketing und Web, kein Hosting Unternehmen. Dieser Leitfaden stützt sich auf offizielle Dokumente und Standards und erhebt keinen Anspruch auf Erfahrung im Netzbetrieb. Für eine verbindliche Diagnose auf Netzebene ist daher das Netzteam Ihres Anbieters der richtige Ansprechpartner.
Erledigen Sie Ihren eigenen Teil: Messen Sie, sammeln Sie die Belege und formulieren Sie die Anfrage klar. Die Lösung überlassen Sie dann dem Team, das dazu befugt ist.
Welche anderen Tests runden das Bild ab?
Dennoch zeigt kein einzelnes Werkzeug das ganze Bild. Ein Looking Glass deckt den Netzpfad ab, andere Werkzeuge decken andere Schichten ab. Bei der Bewertung eines Hostings ergänzen Sie diese Prüfungen.
- Prüfen Sie mit der DNS Abfrage, ob Ihre Domain auf die richtige IP Adresse zeigt.
- Kontrollieren Sie mit einer SSL Prüfung, ob das Zertifikat gültig ist. Hintergründe finden Sie im Beitrag Was ist ein SSL Zertifikat.
- Testen Sie mit dem IPv6 Test, ob Ihre Seite auch über IPv6 antwortet.
- Messen Sie die Seitenleistung mit Google Lighthouse.
Die Backup Routine gehört zudem zur Hosting Entscheidung. Ist das Netz noch so gut, bleibt eine Seite ohne Backups riskant. Dazu empfehlen wir unseren Leitfaden zur Backup Strategie für Websites.
Welche Fehler vermeiden Sie besser?
Erstens ist es der häufigste Fehler, nach einer einzelnen Messung zu entscheiden. Denn die Latenz kann von Moment zu Moment schwanken. Mittelwert und Streuung mehrerer Messungen sind zuverlässiger.
Zweitens ist es ein Fehler, das Ergebnis für die Geschwindigkeit der Seite zu halten. Es zeigt nur den Netzpfad. Den größten Teil der Ladezeit verbringt eine Seite meist im Browser und in der Anwendung.
Drittens ist der Missbrauch des Werkzeugs ein Fehler. Diese Seiten sind öffentliche, geteilte Ressourcen. Vermeiden Sie daher folgendes Verhalten:
- Dieselbe Abfrage hunderte Male hintereinander auszuführen.
- Fremde Systeme stark abzutasten.
- Die Seite mit automatischen Skripten ständig abzufragen.
Solches Verhalten bremst nämlich den Dienst für alle, und der Anbieter kann Sie sperren. Außerdem können starke Tests gegen Systeme, die Ihnen nicht gehören, rechtliche und ethische Probleme verursachen.
Wie sieht eine Looking Glass Checkliste vor dem Kauf aus?
Die folgende Liste ist ein kurzer Leitfaden vor dem Kauf von Hosting oder einem VPS. Sie müssen nicht jeden Schritt abarbeiten, wählen Sie also nach Priorität.
- Finden Sie die Looking Glass Seite oder Test IP des Anbieters.
- Führen Sie aus Ihrer Zielregion Ping und Traceroute zur Test IP des Servers aus.
- Führen Sie vom Looking Glass des Anbieters Ping und Traceroute zu Ihrer eigenen IP aus.
- Nehmen Sie zu verschiedenen Zeiten mindestens drei Messungen auf.
- Tragen Sie Paketverlust, Konstanz der Latenz und Anzahl der Hops in eine Tabelle ein.
- Führen Sie die Prüfungen für DNS, SSL und IPv6 durch.
- Wägen Sie die Ergebnisse zusammen mit Preis und Supportqualität ab.
Sie können diese Liste außerdem wie eine Entscheidungstabelle nutzen. Nehmen Sie bei jedem Anbieter dieselben Messungen vor, bleibt der Vergleich fair.
Was tun Sie, wenn die Ergebnisse schlecht ausfallen?
Bleiben Sie zunächst ruhig. Wiederholen Sie den Test zu anderen Zeiten und von anderen Standorten. Bleibt das Problem bestehen, schreiben Sie dem Anbieter und hängen Sie die Ergebnisse an.
Vor dem Kauf ist die einfachste Lösung, einen anderen Rechenzentrumsstandort oder einen anderen Anbieter zu testen. Nach dem Kauf warten Sie zuerst die Antwort des Anbieters ab und bitten dann bei Bedarf um einen Standortwechsel.
Andererseits kann die Lösung anders aussehen, wenn die Ergebnisse nur aus einer Region schlecht sind und nicht auf jeder Leitung. Leben Ihre Besucher zum Beispiel in dieser Region, erwägen Sie ein CDN oder einen zusätzlichen Standort. Sitzt Ihre Zielgruppe woanders, ist der Befund weniger wichtig.
Wünschen Sie eine breitere Prüfung der technischen Leistung und Sichtbarkeit Ihrer Seite, unterstützen Sie unsere Leistungen SEO Beratung und Webdesign in diesem Rahmen.
Was sollten Sie aus alldem mitnehmen?
Ein Looking Glass ist der kostenlose und schnelle Weg, das Netz eines Hosting Anbieters von innen zu betrachten. Gut genutzt liefert es Ihnen also vor dem Kauf harte Daten. Falsch gelesen führt es dagegen in die Irre.
Zusammengefasst sollten Sie drei Dinge im Kopf behalten: Stützen Sie eine Entscheidung nie auf eine Messung, vermischen Sie nie Netzschicht und Anwendungsschicht, und überlassen Sie Änderungen auf Netzebene dem Anbieter. Für Details zu Ping und Traceroute lesen Sie unsere weiteren Beiträge.
Für mehr Hintergrund lesen Sie die Looking Glass Seite von Philip Smith, das Looking Glass von Hurricane Electric, RFC 4271 zu BGP, RFC 792 zu ICMP und den web.dev Leitfaden zu TTFB.



