Künstliche Intelligenz

ChatGPT oder Google: Kann ChatGPT das neue Google werden?

Talha Aslan 17 Minuten Lesezeit

ChatGPT oder Google: Diese Frage stellen längst nicht mehr nur Technikfans. Meine Kunden fragen mich jeden Monat dasselbe: Suchen die Menschen noch bei Google, oder stellen sie ihre Fragen inzwischen einer KI? In diesem Beitrag vergleiche ich beide Werkzeuge aus Sicht des Nutzerverhaltens und der Suchgewohnheiten, nicht aus technischer Sicht. Außerdem teile ich, was ich in der Praxis zur Frage sehe, ob ChatGPT wirklich das neue Google werden kann.

ChatGPT oder Google: Was sollten Sie wann nutzen?

ChatGPT oder Google lässt sich kurz so beantworten: ChatGPT überzeugt bei Aufgaben, die Erklärung, Vergleich, Entwurf und einen Denkpartner brauchen. Google liefert dagegen bei aktuellen Informationen, lokalen Unternehmen, Preisen, Wegbeschreibungen und dem direkten Aufruf einer Website weiterhin schnellere und verlässlichere Ergebnisse.

Das heißt, beide Werkzeuge erledigen unterschiedliche Aufgaben. Nutzer öffnen ein Chatfenster, wenn sie etwas lernen und verstehen wollen. Andererseits kehren sie zum Suchfeld zurück, wenn sie etwas finden, prüfen oder kaufen möchten. Die Grenze verläuft nicht bei allen gleich, aber die Richtung ist klar.

Meine Beobachtungen passen dazu. Wenn ich mit meinem Team das Besucherverhalten auf Kundenseiten auswerte, kommen Besucher aus KI Assistenten meist „vorbereitet“ an, denn sie haben ihre Frage schon im Chat geschärft. Besucher aus Google kommen dagegen mit breiteren Absichten. Deshalb lautet die richtige Frage nicht „wer gewinnt“, sondern „welches Werkzeug öffnet Ihr Kunde in welchem Moment“.

Genau darum geht es in diesem Beitrag: beide Werkzeuge nicht als Konkurrenzprodukte zu sehen, sondern als zwei Gewohnheiten derselben Person zu verschiedenen Tageszeiten. So treffen Sie Marketingentscheidungen auf Basis des Kundenverhaltens statt auf Basis von Schlagzeilen.

Wie finden Menschen heute Informationen?

Die Informationssuche hat sich von einem Kanal auf viele Kanäle verteilt. Früher kam Ihnen eine Frage in den Sinn, Sie öffneten den Browser, tippten sie bei Google ein und klickten auf eines der ersten Ergebnisse. Heute fragt dieselbe Person zuerst eine KI App auf dem Smartphone, danach Google und manchmal zusätzlich TikTok oder YouTube.

Der Treiber dahinter ist Zeit. Menschen wollen nicht mehr zehn Tabs öffnen und die Antwort selbst zusammensetzen; sie wollen eine geordnete Antwort. Zudem erlaubt ein Chat Nachfragen. Sie können mit „und wenn mein Budget klein ist?“ weitermachen, während die klassische Suche jede Frage bei null beginnen ließ.

Trotzdem haben die Menschen Google nicht verlassen. Google bedient dieselbe Erwartung mit AI Overviews und dem AI Mode. Kurz gesagt geben Nutzer kein Werkzeug auf; sie bringen jede Frage dorthin, wo sie am wenigsten Aufwand bedeutet. Diese Rechnung hängt vom Thema, vom Gerät und von der Dringlichkeit ab.

Was sagen die Zahlen über die Nutzung von ChatGPT und Google?

Hier ist Vorsicht nötig, denn im Netz kursieren viele Statistiken ohne klare Quelle. Ich nutze nur Zahlen aus offiziellen Aussagen und seriöser Forschung.

Legen Sie diese Zahlen nebeneinander, wird das Bild klarer. ChatGPT hat ein riesiges Publikum erreicht; allerdings schützt Google seine Reichweite, indem es KI Funktionen direkt in die Ergebnisseite holt. Beachten Sie dabei: Wöchentliche und monatliche Nutzerzahlen messen nicht dasselbe, daher wäre ein direkter Vergleich irreführend.

Wofür nutzen Menschen ChatGPT tatsächlich?

Die wertvollsten Daten stammen hier aus Forschung, die den Inhalt von Gesprächen betrachtet. Laut derselben NBER Studie fallen rund 80 Prozent der Gespräche in drei Bereiche: praktische Anleitung, Informationssuche und Schreiben. Außerdem stieg der Anteil privater, nicht beruflicher Nachrichten im Juni 2025 auf 73 Prozent.

Dieser Befund ist wichtig, denn er zeigt: Wer ChatGPT nur als Konkurrenten einer Suchmaschine sieht, übersieht den größten Teil. Menschen nutzen es als Berater, Schreibpartner und Lehrer. Zum Beispiel deckte die klassische Suche einen E-Mail Entwurf, das Verstehen eines Begriffs oder einen Plan nie ganz ab.

Dennoch steckt die Informationssuche ebenfalls in diesen drei Bereichen. Ein Teil der Nutzer stellt ChatGPT also tatsächlich Fragen, die früher an Google gingen. Meist lauten diese Fragen aber „was ist“, „wie mache ich“ oder „was ist besser“. Dringende lokale Fragen wie „Apotheke in der Nähe geöffnet“ landen weiterhin überwiegend bei Karten und klassischer Suche.

Was erwartet jemand, der bei Google sucht?

Ein Google Nutzer erwartet meist Tempo und Auswahl. Er tippt ein paar Wörter, überfliegt die Ergebnisse und entscheidet selbst. Bei diesem Verhalten behält der Nutzer die Kontrolle; er wählt, welcher Quelle er vertraut.

Die klassische Suche bleibt in diesen Situationen stark:

  • Navigation: eine Bank, ein Behördenportal oder eine Markenseite aufrufen.
  • Lokaler Bedarf: Unternehmen in der Nähe, Öffnungszeiten, Route und Bewertungen.
  • Aktuelles: Eilmeldungen, Spielergebnisse, Wetter.
  • Preisvergleich: Preis, Verfügbarkeit und Händler.
  • Bilder und Videos: Produktfotos und Anleitungsvideos.

Alle Punkte dieser Liste teilen ein Merkmal: Der Nutzer sucht ein Ziel, keine Antwort. Er will irgendwohin, etwas kaufen oder eine frische Tatsache bestätigen. Daher liegt Googles eigentliche Stärke in einer aktuellen, geordneten Kopie der Welt. Maps, Shopping und Unternehmensprofile machen diese Stärke greifbar.

Was erwartet jemand, der ChatGPT fragt?

Ein ChatGPT Nutzer erwartet dagegen eine fertige, persönliche Antwort mit Kontext. Er fragt in langen Sätzen und beschreibt oft zuerst seine Lage. Zum Beispiel: „Ich betreibe ein kleines Café, mein Werbebudget ist knapp, wo fange ich an?“

Dieses Verhalten unterscheidet sich grundlegend von der klassischen Suche. Bei Google tippen Sie drei oder vier Wörter; bei ChatGPT schreiben Sie einen Absatz. Folglich erkennt der Chat die Absicht viel deutlicher und richtet die Antwort danach aus. Zudem kann der Nutzer eine Überarbeitung verlangen, wenn ihm die Antwort nicht gefällt.

Dieser Komfort hat allerdings einen Preis. Weil der Nutzer die Quellen nicht selbst durchsieht, überlässt er einen Teil der Entscheidung dem Modell. Liefert das Modell falsche oder veraltete Angaben, merkt er es vielleicht nicht. Deshalb prüfen erfahrene Nutzer wichtige Antworten anschließend bei Google oder einer offiziellen Quelle. Ich mache es bei wichtigen Themen genauso.

Warum wechseln Nutzer zwischen beiden Werkzeugen hin und her?

Der Hauptgrund: Jedes Werkzeug gleicht eine andere Schwäche aus. Eine Chatantwort wirkt schnell und aufgeräumt, doch die Quelle bleibt manchmal unklar. Ein Suchergebnis zeigt Quellen und aktuelle Daten, überlässt das Zusammensetzen aber dem Nutzer. Also nutzen Menschen beide Werkzeuge als gegenseitige Kontrolle.

Zum Beispiel lernt ein Nutzer die Logik einer Steuerberechnung bei ChatGPT und prüft danach den aktuellen Satz auf der offiziellen Website. Ebenso plant eine Touristin ihre Reise im Chat und kontrolliert dann die Öffnungszeiten eines Museums in Google Maps.

Das verrät etwas Wichtiges: Die Treue gilt dem Ergebnis, nicht dem Werkzeug. Wer die aktuelle Frage mit weniger Aufwand und mehr Sicherheit beantwortet, bekommt den Besuch. Somit sollte Ihre Marke in jedem Werkzeug mit korrekten Angaben auftauchen. Halten Sie dafür Preise, Öffnungszeiten und Kontaktdaten auf Ihrer Website und in Ihrem Google Unternehmensprofil identisch.

Worin unterscheiden sich ChatGPT Search und Google?

ChatGPT Search ist die Funktion, mit der ChatGPT aktuelle Informationen aus dem Web abruft und Quellen direkt in der Antwort nennt. Google hat dagegen AI Overviews über die klassische Ergebnisliste gesetzt und den AI Mode als eigenen Bereich ergänzt. Die Tabelle vergleicht beide Erfahrungen aus Nutzersicht.

KriteriumChatGPT (inkl. ChatGPT Search)Google (inkl. AI Overviews und AI Mode)
Art der AnfrageLang, mit Kontext, im GesprächstonKurze Suchbegriffe, zunehmend längere Fragen
ErgebnisEine zusammengefasste Antwort mit QuellenÜbersicht, Linkliste, Karten, Shopping
NachfragenNatürlich und unbegrenztIm AI Mode möglich, klassisch jedes Mal neu
Lokale und aktuelle DatenBegrenzt und schwankendStark: Unternehmensprofile, Karten, Öffnungszeiten
KontrolleDas Modell fasst zusammen, der Nutzer prüft wenigerDer Nutzer wählt die Quellen selbst
Typische AbsichtLernen, planen, schreiben, vergleichenFinden, navigieren, kaufen, prüfen

Das Fazit: Beide Produkte nähern sich an, starten aber an verschiedenen Punkten. ChatGPT bewegt sich vom Chat zur Suche, Google von der Suche zum Chat.

Welche Rolle spielen Gemini, AI Overviews und AI Mode?

Wichtig zu wissen: Google verteilt seine KI Antworten auf drei Orte statt auf ein Produkt. Gemini ist die eigenständige Assistenz App, die ChatGPT am meisten ähnelt. AI Overviews ist der Übersichtskasten über den klassischen Ergebnissen. Der AI Mode schließlich bietet in der Suche ein Gespräch mit Nachfragen.

Aus Sicht des Verhaltens sagt diese Verteilung viel. Google erreicht Nutzer, die ihre Gewohnheit nicht ändern wollen, genau dort, wo sie ohnehin sind. Die Person tippt weiter bei Google, erhält aber einen Teil der Antwort von der KI. Dadurch sinkt der Anlass, zu ChatGPT zu wechseln.

Andererseits entsteht daraus ein eigenes Problem für Websites: Wenn die Antwort schon auf der Ergebnisseite steht, klicken Nutzer oft nicht. Dieses Thema behandle ich ausführlich im Beitrag was sind Zero Click Suchen, daher wiederhole ich es hier nicht. Für die inhaltliche Seite lesen Sie Content für AI Overviews schreiben.

Bei welchen Suchen liefert ChatGPT bessere Ergebnisse?

Nach meiner Erfahrung liegt ChatGPT bei einer klaren Gruppe von Suchen vorn. Diese haben meist keine einzige richtige Antwort und verlangen Nachdenken und Zusammenführen.

  1. Begriffe erklären: „Was ist eine Conversion Rate und wie berechne ich sie?“
  2. Optionen vergleichen: Unterschiede zwischen zwei Tools, Methoden oder Strategien.
  3. Persönliche Pläne: ein Fahrplan nach Budget, Zeit und Ziel.
  4. Texte schreiben und überarbeiten: E-Mail Texte, Produkttexte, Präsentationsentwürfe.
  5. Lange Dokumente zusammenfassen: Berichte, Verträge oder Artikel.

Gemeinsam ist diesen Fragen: Früher las der Nutzer zehn Seiten und fügte sie im Kopf zusammen. ChatGPT übernimmt diese Arbeit und spart deshalb Zeit. Allerdings gilt: Wie überzeugend ein Plan oder Vergleich auch wirkt, die Prüfung der zugrunde liegenden Fakten bleibt Ihre Aufgabe.

Bei welchen Suchen liegt Google weiterhin vorn?

Google führt bei Aktualität, lokalem Bezug und Suchen mit Kaufabsicht. Wenn Sie wissen wollen, ob ein Restaurant heute Abend geöffnet hat, welcher Laden ein Produkt vorrätig hat oder ob ein Flug Verspätung hat, liefert Google meist die treffendere Antwort.

Der Grund liegt vor allem in der Infrastruktur. Google arbeitet seit Jahren mit Unternehmensprofilen, Kartendaten, Produktfeeds und Milliarden Seiten im Index. Folglich verfügt es bei Fragen nach „jetzt, hier, zu diesem Preis“ über frischere und geordnetere Daten. ChatGPT Search kann zwar das Web abrufen, erreicht diese lokale Datentiefe aber nicht.

Auch bei Markensuchen liegt Google vorn. Wer einen Firmennamen eintippt, um direkt auf die Website zu gelangen, braucht keinen Chat als Zwischenschritt. Vernachlässigen Sie deshalb nicht, wie Ihre Marke bei Google erscheint. Wie Ihre Seite in den Ergebnissen dasteht, prüfen Sie mit dem SEO Check.

Welchem Werkzeug vertrauen Nutzer bei der Genauigkeit mehr?

Vertrauen bildet den feinsten Unterschied zwischen beiden Werkzeugen. Ein Google Nutzer vertraut, weil er die Quelle sieht: eine Nachrichtenseite, eine Behörde oder eine bekannte Marke. Ein ChatGPT Nutzer vertraut dagegen dem flüssigen und stimmigen Klang der Antwort.

Diese zweite Art von Vertrauen birgt ein Risiko. Sprachmodelle erzeugen mitunter falsche Angaben in selbstsicherem Ton. OpenAI zeigt in ChatGPT deshalb einen Hinweis, dass das Modell Fehler machen kann. Aus diesem Grund prüfen umsichtige Nutzer Antworten zu Gesundheit, Recht und Geld mit einer zweiten Quelle.

Mein Rat ist einfach: Nutzen Sie den Chat frei zum Lernen und für Ideen, gehen Sie im Moment der Entscheidung aber zur Quelle. Zudem erleichtern die Quellenlinks in ChatGPT Search und im AI Mode diese Prüfung. Für Unternehmen heißt das: Wer von einer KI als Quelle genannt wird, gehört zur Vertrauenskette.

Hängt ChatGPT oder Google vom Alter und vom Gerät ab?

Ja; allerdings verzichte ich hier auf feste Prozentwerte, denn verlässliche und aktuelle Daten für einzelne Märkte sind knapp. Die NBER Studie zeigt, dass sich die anfangs stark männlich geprägte Nutzerschaft von ChatGPT mit der Zeit ausgeglichen hat und die Nutzung breiter geworden ist. Das Werkzeug gehört also längst nicht mehr nur Technikfans.

In der Praxis sehe ich diesen Trend: Studierende und junge Berufstätige haben Chatwerkzeuge schnell für Hausarbeiten, Recherche und Entwürfe übernommen. Ältere Nutzer bleiben meist bei Google, lesen über AI Overviews aber oft unbemerkt KI Antworten.

Ähnlich verhält es sich bei Geräten. Auf dem Smartphone stehen Sprachassistenten und Apps im Vordergrund, während lange Recherchen am Desktop weiterhin über die klassische Suche laufen. Ziehen Sie daher keine allgemeinen Schlüsse, bevor Sie Ihr eigenes Publikum kennen. Ihre eigenen Traffic Quellen liefern die genaueste Antwort.

Wie arbeiten beide Werkzeuge in der Customer Journey zusammen?

Im Alltag wählen Nutzer nicht zwischen ChatGPT und Google; sie nutzen beide nacheinander. Eine typische Kaufreise sieht so aus: Im Chat klärt sich der Bedarf, danach recherchiert der Nutzer Marken und Preise bei Google.

  1. Aufmerksamkeit: Der Nutzer fragt ChatGPT, welche Eigenschaften eines Bürostuhls im Homeoffice zählen.
  2. Abwägung: Er notiert zwei oder drei Modelle und bittet um einen Vergleich.
  3. Prüfung: Er sucht diese Modelle bei Google und liest Bewertungen, schaut Videos und vergleicht Preise.
  4. Entscheidung: Er kauft in einem Shop, dem er vertraut.

In diesem Ablauf braucht Ihre Marke Sichtbarkeit an zwei Stellen. Erstens unter den Optionen, die eine KI empfiehlt. Zweitens in dem Moment, in dem der Nutzer zur Prüfung zu Google zurückkehrt. Welche Marken in KI Antworten auftauchen, habe ich in welche Marken empfehlen KI Suchmaschinen untersucht. In der Prüfphase bei Google zählen solides SEO und bei Bedarf eine Google Ads Verwaltung.

Wie verändern sich Suchanfragen durch den Chat?

Die deutlichste Wirkung der Chatwerkzeuge betrifft die Anfrage selbst. Jahrelang lernten Menschen, kurze, abgehackte Begriffe bei Google einzutippen, etwa „zahnarzt berlin preis“. Ein Chat belohnt dagegen ganze Sätze und Kontext. Also schreiben Nutzer inzwischen längere und natürlichere Fragen.

Diese Gewohnheit bleibt nicht bei ChatGPT. Nutzer tippen dieselbe lange Frage auch bei Google ein, und Google unterstützt das mit AI Overviews und dem AI Mode. Somit weicht der Begriff „Keyword“ nach und nach dem Begriff „Frage“.

Für das Marketing heißt das: Sie müssen wissen, welche Sätze Ihre Kunden tatsächlich bilden. Sammeln Sie zum Beispiel Telefonfragen, E-Mail Anfragen und Formularnotizen Ihres Vertriebs. Diese Fragen ähneln stark den Sätzen, auf die KI und Google Antworten suchen. So stützen Sie Ihren Content Plan auf echte Sprache statt auf Vermutungen.

Was ändert dieses Verhalten bei der Werbung?

Die Verschiebung der Suchgewohnheiten betrifft Werbetreibende direkt. Anzeigen bei Google bleiben stark, weil sie nah am Moment der Entscheidung stehen. Wer nach Preis, Angebot oder Termin sucht, sieht meist eine Ergebnisseite und trifft dort auf eine Anzeige.

Andererseits kann sich die Wirkung von Anzeigen bei klassischen Informationssuchen ändern, wenn die Lernphase in den Chat wandert. Wer die Antwort auf „was ist“ im Chat erhält, sieht die Anzeigen dieser Phase nie. Deshalb lohnt es sich eher, das Budget auf Suchen mit hoher Kaufabsicht zu konzentrieren.

In der Praxis empfehle ich, den Bericht zu Suchbegriffen in Ihrem Werbekonto regelmäßig zu lesen. Steigt der Anteil langer Fragen, passen Sie Anzeigentexte und Zielseiten an diese Fragen an. Kurz gesagt hängt Anzeigenverwaltung heute stärker vom Lesen der Absicht ab als vom Abgleich einzelner Wörter.

Kann ChatGPT das neue Google werden?

Meine ehrliche Antwort lautet deshalb: teilweise, aber nicht ganz. ChatGPT hat einen spürbaren Teil der Lern und Informationssuchen an sich gezogen und tut das weiterhin. Allerdings lässt sich Googles System aus lokalen Daten, Shopping, Karten und Werbung kurzfristig kaum verlagern.

Zudem steht Google nicht still. Dass der AI Mode in etwa einem Jahr über 1 Milliarde monatliche Nutzer erreicht hat, zeigt: Menschen nehmen KI Suche auch innerhalb von Google an. Die Frage „ersetzt ChatGPT Google?“ gehört also neben die Frage „ähnelt Google bald ChatGPT?“.

Ich erwarte eher einen nach Absicht aufgeteilten Suchmarkt als einen einzigen Sieger. Chatwerkzeuge wachsen beim Lernen und Planen. Google bleibt stark beim Finden, Navigieren und Kaufen. Kurz gesagt wird ChatGPT nicht das neue Google, hat aber eine neue Gewohnheit geschaffen, die den Begriff „Suche“ erweitert. Ob das SEO beendet, diskutiere ich in ist SEO tot.

Welche Schlüsse sollten Unternehmen daraus ziehen?

Für Unternehmer besteht die eigentliche Aufgabe darin, zu verstehen, welche Kundenfrage an welches Werkzeug geht. Die Debatte ChatGPT oder Google wird erst nützlich, wenn Sie das beantworten.

  • Informationsfragen: Veröffentlichen Sie klare, belegte und geordnete Inhalte, denn KI fasst solche Seiten eher zusammen und zitiert sie.
  • Lokale und transaktionale Suchen: Halten Sie Unternehmensprofil, Produktdaten und Ladezeit aktuell.
  • Markensuchen: Sorgen Sie dafür, dass Menschen, die Ihren Namen eintippen, sicher auf Ihrer Website landen.
  • Messung: Erfassen Sie Besuche aus KI Quellen getrennt und vergleichen Sie deren Conversions.

Diese Schritte bedeuten keine völlig neue Strategie, sondern die Anpassung Ihrer digitalen Präsenz an zwei Nutzertypen. Die Rollen von SEO, GEO und AEO vergleiche ich in SEO, GEO und AEO Unterschiede. Wie Chatwerkzeuge Ihre Marke erwähnen, testen Sie mit den Schritten aus Marke in ChatGPT und Gemini sichtbar machen.

Wie messen Sie die Suchgewohnheiten Ihres eigenen Publikums?

Allgemeine Statistiken geben die Richtung vor, doch für Entscheidungen brauchen Sie eigene Daten. Erstens prüfen Sie die verweisenden Quellen in Ihrem Analysetool. Zum Beispiel können Sie Sitzungen von chatgpt.com, gemini.google.com oder perplexity.ai in einer eigenen Kanalgruppe bündeln.

Zweitens nutzen Sie die Search Console, um Impressionen und Klicks aus Google zu verfolgen. Steigen die Impressionen, während die Klicks sinken, erhalten Nutzer die Antwort vermutlich schon auf der Ergebnisseite. Wie Sie diese Berichte lesen, erkläre ich in der Google Search Console Anleitung.

Drittens fragen Sie Ihre Kunden direkt. Ergänzen Sie Ihr Anfrageformular um „Wie sind Sie auf uns aufmerksam geworden?“ und nehmen Sie KI Assistenten in die Auswahl auf. Diese einfache Frage zeigt Einflüsse, die Analysetools übersehen, denn viele Nutzer lernen eine Marke im Chat kennen und tippen danach ihren Namen direkt ein.

Wie bereiten Sie Ihre Website auf Nutzer von ChatGPT und Google vor?

Beide Nutzertypen gleichzeitig zu bedienen, ist leichter als gedacht, denn eine klare, korrekte und schnelle Website hilft auf beiden Seiten. Hier gebe ich den Grundrahmen ohne tiefe Technik.

Zuerst kommt Klarheit. Jede Seite sollte eine Frage klar beantworten, und diese Antwort gehört an den Anfang. Danach folgt der technische Zugang: Prüfen Sie, ob KI Crawler Ihre Website erreichen. Möchten Sie KI Systemen eine Datei anbieten, die Ihre Website zusammenfasst, hilft Ihnen der llms.txt Generator.

Schließlich zählen Vertrauenssignale: echte Kontaktdaten, Angaben zum Autor, aktuelle Daten und genannte Quellen. Diese Elemente spielen sowohl bei Googles Qualitätsbewertung als auch bei der Quellenwahl einer KI eine Rolle. Mit meinem Team setze ich diesen Rahmen in der SEO Beratung passend zur jeweiligen Branche um.

Welche Fehler passieren in der Debatte ChatGPT oder Google am häufigsten?

Unternehmen tappen hier in einige Fallen. Die erste: nach einer einzigen Schlagzeile oder Grafik in Panik entscheiden. Wer „Google ist tot“ liest und das gesamte SEO Budget streicht, erlebt ein Jahr später womöglich einen deutlichen Traffic Einbruch.

Der zweite Fehler ist das Gegenteil: KI Werkzeuge gar nicht ernst nehmen. Stellen Ihre Kunden ihre Fragen an ChatGPT und Sie tauchen in den Antworten nie auf, empfiehlt die KI vielleicht einen Wettbewerber an Ihrer Stelle. Zudem sehen Sie das in Ihren Analyseberichten womöglich nicht.

Drittens führen viele beide Kanäle getrennt. Ihre Kundenreise nutzt aber beide Werkzeuge gemeinsam, daher gehören Inhalte, Technik und Werbung in einen Plan. Der letzte Fehler: entscheiden, ohne zu messen. Branchendurchschnitte statt eigener Daten führen leicht zu Investitionen in den falschen Kanal.

Fazit: ChatGPT oder Google, oder beides?

Im heutigen Umfeld lautet die realistischste Antwort „beides“. Menschen gehen zu ChatGPT, um zu lernen, zu planen und zu schreiben, und zu Google, um zu finden, zu prüfen und zu kaufen. Gleichzeitig versucht Google, die Lücke mit AI Overviews, AI Mode und Gemini zu schließen.

Deshalb besteht die richtige Strategie nicht darin, ein Werkzeug zu wählen und das andere aufzugeben. Stattdessen ordnen Sie Kundenfragen nach Absicht und bedienen jede Gruppe am richtigen Ort. Seien Sie bei Informationsfragen die zitierte Quelle und bei Kaufsuchen stark und vertrauenswürdig bei Google.

Wenn Sie wissen möchten, wie gut Ihre Website auf beide Welten vorbereitet ist, prüfe ich mit meinem Team Ihre Ausgangslage und lege Prioritäten fest. Beginnen Sie mit einem schnellen Test im kostenlosen SEO Check und werfen Sie danach einen Blick auf unsere Leistungen.

Häufig gestellte Fragen

Wird ChatGPT Google ersetzen?
Nicht vollständig, zumindest nicht kurzfristig. ChatGPT ist bei Informations, Lern und Planungsfragen eine starke Alternative geworden. Allerdings liegt Google bei lokaler Suche, Karten, Shopping und aktuellen Informationen weiterhin vorn. Zudem hat Google mit AI Mode und AI Overviews KI Antworten in die eigene Ergebnisseite geholt, daher bestehen beide Werkzeuge nebeneinander weiter.
Ist ChatGPT oder Google genauer?
Das hängt von der Frage ab. Google zeigt Quellen direkt und erleichtert so die Prüfung. ChatGPT fasst Informationen zusammen und irrt sich mitunter in selbstsicherem Ton. Bei Gesundheit, Recht und Geld empfehle ich, jede ChatGPT Antwort mit einer offiziellen oder verlässlichen Quelle abzugleichen, vor allem bei Zahlen und Daten.
Was ist ChatGPT Search?
ChatGPT Search ist die Funktion, mit der ChatGPT aktuelle Informationen aus dem Web abruft und Quellenlinks in der Antwort zeigt. Dadurch geht das Modell über seine Trainingsdaten hinaus und beantwortet auch Fragen zu neuen Entwicklungen. Bei lokalen Unternehmen und aktuellen Beständen erreicht es Googles Datentiefe aber noch nicht, daher lohnt ein Klick auf die Quellen.
Was unterscheidet den AI Mode von ChatGPT?
Der AI Mode ist ein Gespräch innerhalb der Google Suche, das Fragen beantwortet und Nachfragen erlaubt. Er nutzt Googles Index, Kartendaten und Shopping Informationen. ChatGPT ist dagegen eine eigenständige Assistenz App mit vielen Einsätzen jenseits der Suche, etwa Schreiben und Planen. Anders gesagt ergänzt das eine die Suche um Chat, das andere den Chat um Suche.
Sollte sich mein Unternehmen auf ChatGPT oder Google konzentrieren?
Auf beide, aber nach Absicht. Fragen Kunden in der Lernphase eine KI zu Ihrem Fachgebiet, brauchen Sie klare, belegte Inhalte. In der Entscheidungs und Kaufphase brauchen Sie eine starke Präsenz bei Google. Prüfen Sie zuerst Ihre eigenen Traffic und Kundendaten, um das Gewicht der Kanäle zu erkennen, und verteilen Sie danach Ihr Budget.
Wie sehe ich Traffic, der von ChatGPT kommt?
Suchen Sie im Bericht zu verweisenden Quellen Ihres Analysetools nach Domains wie chatgpt.com. Wenn Sie diese Quellen in einer eigenen Kanalgruppe bündeln, fällt der Vergleich leichter. Allerdings trägt nicht jeder Besuch Verweisdaten, daher hilft zusätzlich die Frage nach der Herkunft im Kontaktformular. Beide Datenquellen zusammen ergeben ein klareres Bild.
  • ChatGPT
  • Google
  • Künstliche Intelligenz
  • Suchverhalten
  • AI Mode
  • ChatGPT Search
  • Nutzerverhalten
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Talha Aslan

Google Partner und Experte für digitales Marketing. Seit 2012 praktisch in SEO, Google Ads, Webdesign und E-Commerce Projekten; jeder Beitrag hier stammt aus dieser Erfahrung.

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