Peering und Transit: Wie verbinden sich Internetnetze?

Was sind Peering und Transit?
Peering und Transit sind die beiden Wege, auf denen Netze Internetverkehr austauschen. Beim Peering tauschen zwei Netze den Verkehr ihrer eigenen Kunden direkt aus, meist ohne Bezahlung. Beim Transit bezahlt ein Netz einen übergeordneten Anbieter, um den Rest des Internets zu erreichen. In der Praxis nutzen die meisten Netze beides.
Zunächst klingen die Begriffe nach einem Thema für Netzwerktechniker. Allerdings hängt es auch von diesen Verbindungen ab, wie schnell Ihre Website beim Besucher ankommt. Deshalb erklären wir die Konzepte in diesem Ratgeber einfach. Danach zeigen wir, was Sie als Website Betreiber messen können und was Sie dem Hostinganbieter überlassen sollten.
Vorab eine Einordnung: Wir sind ein Team für digitales Marketing und Webentwicklung, kein Hostinganbieter. Daher stützen wir uns auf offizielle Quellen, Standards und gängige Fachbegriffe. Zudem behaupten wir nicht, selbst Netze zu betreiben.
Ist das Internet ein einzelnes Netz oder ein Netz aus Netzen?
Das Internet ist kein einzelnes Netz einer einzigen Firma. Es besteht nämlich aus sehr vielen unabhängigen Netzen, die sich miteinander verbinden. Dazu zählen zum Beispiel Internetanbieter, Hostingfirmen, Mobilfunkbetreiber und Inhaltsanbieter. Außerdem betreibt jedes Netz seine eigene Technik und trifft eigene Routingentscheidungen.
Fachleute nennen ein unabhängiges Netz ein autonomes System. RFC 1930 beschreibt es als verbundene Gruppe von IP Präfixen mit einer einzigen, klar definierten Routingpolitik. Nummern autonomer Systeme und BGP Details gehören nicht in diesen Ratgeber. Deshalb genügt hier die Grundidee.
Wichtig ist Folgendes: Ein Paket vom Besucher zu Ihrer Website durchläuft meist mehrere Netze. Denn an jeder Übergabe steht eine Vereinbarung zwischen zwei Netzen. Also ist diese Vereinbarung entweder Peering oder Transit.
Kurz gesagt hält ein Geflecht aus Verträgen und gemeinsamen Interessen das Internet zusammen. Wenn Ihre Seite langsam oder unerreichbar wirkt, hilft dieses Wissen, die richtige Frage zu stellen.
Was ist Transit und wie funktioniert er?
Transit ist eine bezahlte Dienstleistung. Ein Netz zahlt einem anderen Netz, damit es seinen Verkehr in das gesamte Internet bringt. Das zahlende Netz ist der Kunde, das verkaufende Netz der übergeordnete Anbieter. Dafür berechnet der Anbieter meist die genutzte Bandbreite.
Transit ist wichtig, weil er volle Reichweite bietet. Zum Beispiel kann eine kleine Hostingfirma nicht mit jedem Netz der Welt einen Vertrag schließen. Stattdessen kauft sie Transit bei einem oder mehreren übergeordneten Anbietern.
Außerdem gilt: Je mehr Verkehr ein Netz sendet, desto mehr zahlt es. Folglich kann Transit einer der größten variablen Kostenpunkte eines Netzes sein. Diese Kosten zeigen sich am Ende im Preis und in den Ressourcengrenzen Ihres Hostingtarifs.
Transit hat außerdem einen praktischen Vorteil: Er ist einfach einzurichten. Zum Beispiel erreichen Sie mit einem Vertrag und einer Leitung alles. Andererseits geben Sie einen großen Teil des Weges ab. Die Routingqualität hängt dann von den Entscheidungen des Anbieters ab.
Was ist Peering und warum ist es oft kostenlos?
Peering ist der direkte Austausch von Verkehr zwischen zwei Netzen, jeweils für die eigenen Kunden. Die Internet Society beschreibt Peering als Austausch von Verkehr zwischen Netzen über IXPs ohne Gebühren. Fließt dabei kein Geld, sprechen Fachleute von Peering ohne Abrechnung, englisch settlement free peering.
Die Logik ist einfach. Denn beide Netze profitieren davon, die Kunden des anderen zu erreichen. Fließt der Verkehr in beide Richtungen ungefähr gleich stark, will keine Seite der anderen etwas zahlen. Das heißt, die Vereinbarung beruht auf gegenseitigem Nutzen.
Peering gibt es in zwei gängigen Formen:
- Privates Peering: Zwei Netze bauen eine direkte Leitung zwischen sich. Zum Beispiel wählen große Netze mit viel Austausch oft diesen Weg.
- Öffentliches Peering: Viele Netze treffen sich an einem gemeinsamen Ort, dem IXP. Somit erreicht eine Verbindung viele Partner.
Allerdings steht Peering nicht jedem Netz offen. Die Gegenseite kann Bedingungen stellen, zum Beispiel genug Verkehr oder Präsenz an bestimmten Standorten. Deshalb mischen kleinere Netze meist Peering und Transit.
Was bedeuten Tier 1, Tier 2 und Tier 3 bei Netzen?
Tiers sind eine informelle Einteilung von Netzen nach Größe und Anbindung. Es handelt sich um keinen offiziellen Standard, daher unterscheiden sich die Definitionen je nach Quelle leicht. Im üblichen Sprachgebrauch erreicht ein Tier 1 Netz das ganze Internet ohne Transitkauf, allein über Peering ohne Abrechnung.
Dann betreiben Tier 2 Netze viel Peering, kaufen aber für einen Teil des Internets Transit. Tier 3 Netze kaufen überwiegend Transit und sind meist kleiner und regionaler. Zum Beispiel gehören viele Hostingfirmen zur zweiten oder dritten Gruppe.
Was heißt das für Sie? Sehr wenig. Allerdings garantiert eine Tier Nummer keine Qualität. Auch die Anbindung an ein Tier 1 Netz macht Ihre Website nicht automatisch schnell. Stattdessen ist entscheidend, wie kurz der Weg zwischen Ihrem Host und Ihren Besuchern ist.
Daher sollten Sie ein Werbeversprechen wie "Tier 1 Anbindung" nicht allein als Kriterium nutzen. Denn Messwerte und transparente Antworten sind verlässlicher.
Wie entstehen Peering Vereinbarungen und warum lehnen Netze manchmal ab?
Peering Vereinbarungen entstehen meist aus Gesprächen zwischen den technischen Teams zweier Netze. Sie klären, wo sie sich verbinden, welche Adressbereiche sie austauschen und unter welchen Bedingungen die Vereinbarung gilt. Zunächst veröffentlichen manche Netze eine offene Peering Politik. Andere dagegen prüfen jede Anfrage einzeln.
Allerdings lehnen Netze Anfragen aus vielen Gründen ab. Zum Beispiel kann die Gegenseite den Verkehr für zu unausgewogen halten. Oder sie hält den Antragsteller noch für zu klein. Diese Kriterien unterscheiden sich von Netz zu Netz, daher können wir hier keine feste Regel nennen.
Folglich bekommt ein kleines Netz nicht jede gewünschte Peering Vereinbarung. In diesem Fall hilft das öffentliche Peering an einem IXP. Denn dort sind viele Netze an einem Ort, und eine Einigung fällt leichter.
Als Website Betreiber nehmen Sie an diesen Gesprächen nicht teil. Trotzdem lohnt es sich zu wissen, wo Ihr Anbieter angebunden ist. Das zeigt, wie er über sein Netz denkt.
Was ist ein Internet Exchange Point (IXP)?
Ein IXP ist ein physischer und logischer Treffpunkt, an dem Netze Verkehr direkt aneinander übergeben. Netnod beschreibt einen IXP als den Ort, an dem Internetnetze zusammenkommen, um zu peeren oder Verkehr auszutauschen. Dieselbe Quelle betont, dass IXPs keine Internetanbieter sind, sondern Bausteine der Internet Infrastruktur.
In der Praxis besteht ein IXP aus gemeinsamen Switches in einem Rechenzentrum. Dann verbindet jedes Mitgliedsnetz seinen Router mit dieser gemeinsamen Struktur. Somit können zwei Netze am selben IXP Verkehr direkt austauschen, sofern sie das vereinbaren.
Zunächst zeigt ein Beispiel den Nutzen. Ohne IXP kann der Verkehr zwischen zwei Netzen in derselben Stadt über eine andere Stadt oder ein anderes Land laufen und zurück. Die Internet Society beschreibt das ebenso: Ohne Peering Infrastruktur kann sogar ein Videoanruf zwischen zwei Personen im selben Ort einen großen Umweg nehmen. Mit einem IXP bleibt der Verkehr dagegen lokal.
Deshalb verbessert ein starker IXP in einem Land oder einer Stadt das Interneterlebnis dort. Als Betreiber verbinden Sie sich nicht selbst mit einem IXP. Dennoch sind die Orte wichtig, an denen Ihr Hostinganbieter angebunden ist.
Peering und Transit im Vergleich: Wo liegen die Unterschiede?
Der Kernunterschied zwischen Peering und Transit liegt darin, wer zahlt und wie weit der Verkehr reicht. Somit kostet Transit Geld und erreicht das ganze Internet. Peering ist meist kostenlos, erreicht aber nur die Kunden des Partners. Deshalb nutzen die meisten Netze beide Modelle nebeneinander.
Die folgende Tabelle fasst die Unterschiede zusammen:
| Kriterium | Transit | Peering |
|---|---|---|
| --- | --- | --- |
| Bezahlung | Kunde zahlt dem Anbieter | Meist kostenlos |
| Reichweite | Das ganze Internet | Kunden des Partners |
| Einrichtung | Schnell, ein Vertrag | Vereinbarung und physische Leitung nötig |
| Kostenmuster | Kann mit dem Verkehr steigen | Überwiegend Port und Leitungskosten |
| Weglänge | Kann mehr Netze enthalten | Oft kürzer |
| Ausfallsicherheit | Hängt vom Anbieter ab | Zusätzlicher Weg |
Das Wort "oft" in der Tabelle ist wichtig. Allerdings ist Peering nicht immer schneller. Eine schlecht betriebene Peering Leitung kann langsamer sein als eine gut betriebene Transit Leitung.
Sehen Sie die beiden Modelle daher nicht als Gegner. Transit sorgt für breite Reichweite, Peering für kurze und effiziente Wege. Kurz gesagt gleicht ein gesundes Netz beides aus.
Welchen Weg nimmt ein Paket zu Ihrer Website?
Öffnet ein Besucher Ihre Seite, geht die Anfrage zuerst zu seinem eigenen Internetanbieter. Danach läuft sie zum Netz Ihres Hostinganbieters. Der Weg dazwischen ist manchmal eine einzelne Leitung und manchmal eine Kette aus mehreren Netzen.
Bauen wir ein einfaches Szenario. Es ist eine Veranschaulichung und keine echte Messung. Zunächst ist der Besucher Kunde von Netz A. Dann liegt Ihre Website in Netz C. Peeren A und C, läuft die Anfrage direkt. Sonst läuft sie über den Transit von Netz B.
Im zweiten Fall wird der Weg länger. Außerdem bringt jedes zusätzliche Netz etwas Verzögerung und eine weitere Fehlerquelle. Zudem können Sie den Weg nicht wählen. Stattdessen entscheiden die Netze das Routing untereinander.
Außerdem kann der Rückweg vom Hinweg abweichen. Fachleute nennen das asymmetrisches Routing. Anders gesagt kann die Anfrage des Besuchers auf einem Weg ankommen, während Ihre Antwort einen anderen nimmt. Deshalb erzählt eine Messung in nur eine Richtung nie die ganze Geschichte.
Außerdem sind Wege nicht fest. Netze ändern Vereinbarungen, ergänzen Leitungen und ordnen Routen bei hoher Last neu. Daher kann sich ein heute guter Weg nächsten Monat anders verhalten.
Wie beeinflussen Peering und Transit die Latenz?
Die Wahl zwischen Peering und Transit bestimmt den Weg, und der Weg bestimmt die Latenz. Laut Internet Society legen Daten beim Peering kürzere Strecken zwischen Netzen zurück, was die Latenz senkt. Also bedeutet ein kürzerer Weg meist weniger Netze und weniger Wartezeit.
Allerdings ist der Netzwerkweg nicht die einzige Ursache für Verzögerung. Auch die physische Entfernung zählt, denn Licht bewegt sich in Glasfaser nur mit begrenzter Geschwindigkeit. Zudem fließen die Antwortzeit des Servers, Ihre Software und Datenbankabfragen in die Gesamtzeit ein.
Googles web.dev Leitfaden zu TTFB erklärt, dass die Zeit bis zum ersten Byte die DNS Auflösung, den Verbindungsaufbau und den TLS Handshake einschließt. Das heißt, der Netzwerkweg fließt direkt in Messwerte zur Seitengeschwindigkeit ein. Den Zusammenhang zwischen Tempo und Ranking erklären wir in unserem Beitrag Wie beeinflusst die Ladezeit das SEO.
Eine Warnung: Ohne Messwerte sollten Sie nicht sagen, uns fehle Peering, deshalb seien wir langsam. Trennen Sie zuerst Netzwerkprobleme von Softwareproblemen. Denn eine falsche Diagnose schickt Sie wochenlang an die falsche Stelle.
Was kosten Peering und Transit Website Betreiber?
Als Website Betreiber sehen Sie die Rechnung für Peering oder Transit nie. Dennoch zeigt sich die Kostenstruktur Ihres Hostinganbieters indirekt in Preis und Ressourcengrenzen. Zum Beispiel möchte ein Anbieter die Bandbreite knapp halten, wenn Transit teuer ist.
Die Internet Society sagt, Peering senke Transitgebühren Dritter, was die Servicegebühren für Nutzer senken könne. Dennoch halten wir dieses Argument für plausibel. Trotzdem gibt nicht jeder Anbieter Einsparungen an seine Kunden weiter.
Hier ein Rechenbeispiel. Die Zahlen sind rein hypothetisch und kein echter Preis. Läuft die Hälfte des Verkehrs eines Anbieters über Peering, sinkt seine Transitrechnung grob um die Hälfte. Folglich wächst mit dem Verkehr auch der Abstand.
Die praktischen Folgen für Sie sind diese:
- Lesen Sie bei Tarifen mit unbegrenzter Bandbreite die Klausel zur fairen Nutzung.
- Fragen Sie bei vielen Medien oder großen Dateien vorab nach Verkehrsgrenzen.
- Machen Sie den Preis nicht zum einzigen Kriterium, sondern fragen Sie auch nach der Anbindungsqualität.
- Versuchen Sie zu verstehen, warum ein günstiger Tarif günstig ist.
Wie hängen CDNs mit Peering und Transit zusammen?
Ein CDN ist ein Netz, das Ihre Inhalte von vielen Standorten weltweit ausliefert. Die Inhalte kommen von einem Punkt nahe am Besucher, daher wird der Weg kürzer. Die Internet Society weist darauf hin, dass IXPs Internetanbietern, Mobilfunkbetreibern und Content Delivery Netzen den direkten Austausch von Verkehr ermöglichen.
Das heißt, CDN Firmen peeren mit vielen Netzen, um den Weg zum Besucher zu verkürzen. Wenn Sie ein CDN nutzen, profitieren Sie also von dieser fertigen Struktur. Somit gleichen Sie die Schwäche der Anbindung Ihres Hostinganbieters teilweise aus.
Allerdings löst ein CDN nicht alles. Zum Beispiel gehen dynamische Seiten, Warenkörbe und Bezahlschritte oft weiterhin zum Ursprungsserver. Deshalb behält die Anbindungsqualität des Ursprungsservers ihre Bedeutung.
Das Zwischenspeichern statischer Dateien ist ein eigenes Thema. Die Logik erklären wir in unserem Beitrag Caching erklärt: Redis und Memcached. Kurz gesagt ergänzen sich CDN und Anwendungscache, ersetzen sich aber nicht.
Sorgen Peering und Transit für Ausfallsicherheit, wenn eine Leitung ausfällt?
Ja, wenn Sie beides zusammen nutzen, also kombinieren. Ist ein Netz mit mehreren Transitanbietern und mehreren Peering Punkten verbunden, kann der Verkehr bei einem Leitungsausfall einen anderen Weg nehmen. Diese Konstruktion heißt Multihoming.
Die Internet Society weist darauf hin, dass lokales Routing Verbindungen auch bei internationalen Störungen stabil hält. Lokales Peering bringt also nicht nur Tempo, sondern auch Widerstandskraft. Fällt eine ferne Leitung aus, kann der lokale Verkehr weiterlaufen.
Für Website Betreiber heißt das Folgendes. Ein Host, der von einem einzigen Transitanbieter abhängt, spürt dessen Probleme direkt. Ein Netz mit vielen Wegen steckt dasselbe Problem dagegen besser weg.
Allerdings löst Ausfallsicherheit nicht alles. Stürzt Ihr Server ab, bleibt Ihre Seite offline, egal wie stark das Netz ist. Daher brauchen Sie zusätzlich Backups und Überwachung.
Was verrät die Netzqualität über einen Hostinganbieter?
Die Netzqualität eines Anbieters zeigt sich auch darin, wie offen er sein Netz beschreibt. Gute Anbieter nennen den Standort ihrer Rechenzentren, die Zahl ihrer Upstream Anbieter und ihre IXP Anbindung.
Vor dem Kauf können Sie diese Fragen stellen:
- In welcher Stadt und in welchem Land steht Ihr Rechenzentrum?
- Nutzen Sie mehr als einen Transitanbieter?
- Peeren Sie an einem IXP?
- Wo melden Sie Netzstörungen?
- Können Sie Latenzmessungen in das Land liefern, in dem meine Zielgruppe sitzt?
Kurze und klare Antworten sind ein gutes Zeichen. Ausweichende Antworten oder vage Werbesprache sollten Sie vorsichtig machen. Allgemeine Auswahlkriterien finden Sie in unserem Ratgeber Webhosting auswählen: Serverkriterien.
Wir sind kein Hostinganbieter. Deshalb empfehlen wir keinen bestimmten Anbieter. Wir geben Ihnen Kriterien und Fragen, und Sie entscheiden mit Ihren eigenen Daten.
Wie testen Sie die Verbindungsqualität selbst?
Die Verbindungsqualität messen Sie mit drei einfachen Werkzeugen: ping, traceroute und mtr. Ping zeigt Latenz und Paketverlust. Traceroute listet die Stationen eines Pakets auf. Mtr fasst beides in einem Bericht zusammen.
Unter Linux oder macOS führen Sie diese Befehle im Terminal aus. Wir verwenden example.com als Beispieldomain, setzen Sie also Ihre eigene ein:
ping -c 10 example.com
traceroute example.com
mtr -rw -c 50 example.comUnter Windows nutzen Sie statt traceroute den Befehl `tracert example.com`. Manche Systeme liefern mtr nicht mit, dann müssen Sie es separat installieren.
Auch Werkzeuge im Browser helfen. Mit unserem DNS Abfrage Tool sehen Sie, auf welche IP Adresse Ihre Domain zeigt. Mit unserem IP Abfrage Tool prüfen Sie, zu welchem Netz diese Adresse gehört.
Hören Sie nach einem Test nicht auf. Wiederholen Sie ihn zu verschiedenen Zeiten und von verschiedenen Standorten, denn zu Stoßzeiten ändern sich die Ergebnisse. Außerdem sollten Sie die Werte festhalten, damit Sie im Gespräch mit dem Anbieter konkrete Daten haben.
Wie lesen Sie eine Traceroute bei Peering und Transit?
Eine Traceroute zeigt jede Station eines Pakets Zeile für Zeile. Jede Zeile enthält den Namen der Station, eine IP Adresse und eine Zeit. Die folgende Ausgabe ist komplett erfunden und nutzt Dokumentationsblöcke für IP Adressen:
1 gw.example.com (192.0.2.1) 1.2 ms
2 agg1.example.com (198.51.100.5) 4.8 ms
3 edge2.example.com (198.51.100.9) 5.1 ms
4 ix-port.example.com (203.0.113.7) 5.4 ms
5 hosting.example.com (203.0.113.20) 6.0 msIn diesem Beispiel ist der Weg kurz, und die Zeiten steigen gleichmäßig. Der Name in Zeile vier wirkt wie eine IXP Station. In echten Ausgaben unterscheiden sich solche Namen von Anbieter zu Anbieter.
Seien wir ehrlich: Eine Traceroute zeigt nicht sicher, welche Station Peering und welche Transit ist. Stationsnamen können täuschen. Manche Router antworten nicht, dann sehen Sie in der Zeile Sternchen. Außerdem zeigt traceroute den Rückweg nicht.
Ziehen Sie also aus einer einzigen Ausgabe keine festen Schlüsse. Achten Sie nur auf plötzliche Sprünge und unnötig lange Wege. Springt eine Station hoch und danach wieder zurück, behandelt dieser Router die Testpakete oft nur mit niedriger Priorität. Dann liegt kein echtes Problem vor.
Liegt die Langsamkeit am Netz oder am Server?
Um die Ursache einer Langsamkeit zu trennen, ordnen Sie dem Symptom eine erste Prüfung zu. Netzprobleme zeigen sich oft an bestimmten Standorten oder zu bestimmten Zeiten. Server und Softwareprobleme betreffen dagegen meist alle zu jeder Stunde.
Die folgende Tabelle hilft bei der ersten Prüfung:
| Symptom | Mögliche Ursache | Erste Prüfung |
|---|---|---|
| --- | --- | --- |
| Nur bei manchen Besuchern langsam | Bestimmter Netzwerkweg | mtr von anderen Standorten |
| Für alle dauerhaft langsam | Software oder Server | Lighthouse und Serverressourcen |
| Nur abends langsam | Überlastete Leitung | Tests stündlich wiederholen |
| Hoher Ping, schnelle Seite | Weit entfernter Standort | Verteilung der Zielgruppe |
| Niedriger Ping, langsame Seite | Software oder schwere Dateien | Seitengewicht und Skripte |
Nutzen Sie die Tabelle wie einen Entscheidungsbaum. Zunächst finden Sie das Symptom, dann führen Sie die erste Prüfung aus. So vermeiden Sie, den Anbieter zu Unrecht zu beschuldigen oder an der falschen Stelle zu optimieren.
Sind Sie unsicher, schließen Sie zuerst Ihre eigene Seite aus. Komprimieren Sie Bilder, entfernen Sie unnötige Skripte und prüfen Sie den Cache. Bleibt das Problem bestehen, wenden Sie sich mit Ihren Messprotokollen an den Anbieter.
Welche Irrtümer über Peering und Transit sind am häufigsten?
Über Peering und Transit kursieren einige Irrtümer. Sie können Hostingentscheidungen in die falsche Richtung lenken. Die folgende Liste sammelt die häufigsten:
- "Peering ist immer schneller." Nein. Der Weg kann kürzer sein, aber eine volle Leitung bremst trotzdem.
- "Kostenlos heißt schlecht." Nein. Große Netze peeren untereinander kostenlos.
- "Mehr Transitanbieter sind immer besser." Nicht immer. Vielfalt bringt Ausfallsicherheit, erschwert aber die Verwaltung.
- "Ist der Server nah, ist alles schnell." Nein. Langsame Software oder Datenbanken verdecken den Gewinn durch die kurze Entfernung.
- "Ein niedriger Ping heißt schnelle Seite." Nein. Ping misst nur die Netzverzögerung.
Gehen wir den letzten Punkt genauer durch. Die Seitengeschwindigkeit hängt von der Netzverzögerung ab, aber auch von Bildgrößen, JavaScript und vielem mehr. Die Skriptseite haben wir im Beitrag JavaScript und Ladezeit optimieren betrachtet.
Netzwissen allein rettet Sie also nicht. Erst wenn Sie Netz, Server und Oberfläche gemeinsam betrachten, entsteht ein brauchbares Bild.
Wie wählen Sie den Hosting Standort für Ihre Zielgruppe?
Das erste Kriterium für den Hosting Standort ist, wo die meisten Ihrer Besucher leben. Sitzen sie überwiegend in Deutschland, liefert ein Rechenzentrum in Deutschland oder in der Nähe meist die geringere Latenz. Sitzen sie vor allem in anderen Ländern, passt ein Standort dort besser.
Neben dem Standort entscheidet die Anbindungsqualität viel. Zwei Rechenzentren in derselben Stadt können je nach Anbindung unterschiedlich abschneiden. Schauen Sie daher zuerst auf die Verteilung Ihrer Besucher. Nutzen Sie dazu die Länder und Städteberichte in Google Analytics.
Danach testen Sie Anbieter in der engeren Wahl:
- Bitten Sie den Kandidaten um eine Test IP oder ein Demokonto.
- Messen Sie ping und traceroute von den Orten, an denen Ihre Zielgruppe lebt.
- Wiederholen Sie den Test zu verschiedenen Tageszeiten.
- Vergleichen Sie die Ergebnisse in einer einfachen Tabelle.
Für Onlineshops ist diese Wahl noch wichtiger. Wie Tempo den Umsatz beeinflusst, erklären wir im Beitrag Ladezeit im Onlineshop und Umsatz. Außerdem sollten Sie CDN und Ursprungsstandort gemeinsam planen, wenn Sie in mehrere Länder verkaufen.
Beeinflussen Peering und Transit SEO und Werbung?
Peering und Transit beeinflussen SEO und Werbeergebnisse nur indirekt. Wird der Netzwerkweg länger, steigt die Antwortzeit des Servers. Steigt die Antwortzeit, lädt die Seite später. Diese Verzögerung zeigt sich dann in den Messwerten zur Nutzererfahrung.
Diese Messwerte erklären wir in unserem Ratgeber zu Core Web Vitals. Wenn Sie mit Lighthouse messen möchten, führt Sie unser Beitrag zum Google Lighthouse Test durch die Schritte.
Dennoch sollten Sie diesen Effekt nicht überschätzen. Auf den meisten Seiten kommt die eigentliche Langsamkeit von schweren Bildern, vielen Skripten und schwachen Servereinstellungen. Der Netzwerkweg ist meist das letzte Glied der Kette.
Bei Werbekampagnen zählt die Geschwindigkeit der Zielseite. Eine langsame Seite verschwendet das Budget, das Sie pro Klick zahlen. Deshalb gehört die Ladezeit der Zielseite in unserer Google Ads Verwaltung zur Checkliste.
Wann überlassen Sie das Thema besser Ihrem Hostinganbieter?
Peering und Transit verwalten Sie nicht selbst. Ihr Hostinganbieter trifft diese Entscheidungen in seinem eigenen Netz. Ihre Aufgabe ist es, zu messen, die Ergebnisse an den Anbieter zu geben und bei Bedarf den Anbieter zu wechseln.
In diesen Fällen überlassen Sie das Thema dem Anbieter:
- Das Problem kommt von einem bestimmten Netzwerkweg und nicht von Ihrem eigenen Server.
- Sie sehen in einer Traceroute dauerhaften Paketverlust oder Sprünge bei der Verzögerung.
- Nur Besucher bestimmter Internetanbieter melden das Problem.
Speichern Sie dann Ihre Ausgaben mit den Zeitpunkten. Hängen Sie diese an, wenn Sie ein Support Ticket eröffnen. Klare Daten beschleunigen die Lösung.
Auch wenn Sie einen eigenen VPS betreiben, können Sie das Netzwerkrouting nicht beeinflussen. Ihr Bereich liegt im Server: Webserver Einstellungen, Cache, Datenbank und Sicherheit. Zu Backup und Sicherheit lesen Sie unsere Beiträge zur Website Backup Strategie und zum SSL Zertifikat und HTTPS.
Wie wenden Sie Ihr Wissen über Peering und Transit auf Ihre Website an?
Sie wenden dieses Wissen in drei Schritten an. Der erste Schritt ist das Messen. Der zweite ist das Deuten der Ergebnisse, der dritte das Entscheiden. Halten Sie jeden Schritt klein, bleibt der Prozess beherrschbar.
Erstens messen Sie den Ist Zustand. Führen Sie ping und mtr von den Orten aus, an denen Ihre Zielgruppe lebt. Zweitens deuten Sie die Ergebnisse: Ist die Latenz stabil, oder steigt sie zu bestimmten Stunden?
Drittens entscheiden Sie. Liegt das Problem in der Software, optimieren Sie Cache, Bilder und Skripte. Liegt es im Netz, sprechen Sie mit Ihrem Anbieter oder ergänzen ein CDN. Bleibt das Problem bestehen, prüfen Sie einen Anbieter an einem anderen Standort.
Bei einem Webprojekt denken Sie diese Messungen mit Design und Entwicklung zusammen. In unserer Webdesign Leistung planen wir Tempo und Infrastruktur von Anfang an mit. In der SEO Beratung nehmen wir technische Leistungsdaten in den Bericht auf.
Wir empfehlen außerdem ein kleines Protokoll. Notieren Sie Datum, Standort, Befehl und Ergebnis. Zum Beispiel haben Sie dann in drei Monaten vergleichbare Daten, falls Sie den Anbieter wechseln wollen. Zudem hält ein Gespräch mit konkreten Zahlen die Diskussion frei von Meinungen.
Schließlich sollten Sie bedenken, dass sich Netzbedingungen ändern. Ein heute gutes Ergebnis ist kein Versprechen für morgen. Wiederholen Sie Ihre Tests daher vor großen Kampagnen und starken Saisonphasen. Domain Einträge prüfen Sie außerdem mit unserem WHOIS Abfrage Tool.



