AS Nummer (ASN) und BGP: Was Hosting Kunden wissen sollten

Was ist eine AS Nummer (ASN) und wofür brauchen Sie sie?
Eine AS Nummer (ASN) ist eine eindeutige Zahl, die ein autonomes System kennzeichnet: eine Gruppe von IP Netzen mit einer einheitlichen, klar definierten Routing Politik. Netze nutzen sie zusammen mit BGP, um einander mitzuteilen, welche IP Blöcke sie auf welchem Weg erreichen. Ihre Website liegt also immer in einem Netz mit einer ASN.
RFC 1930 beschreibt ein autonomes System als zusammenhängende Gruppe von IP Präfixen, die von einem oder mehreren Netzbetreibern mit einer einzigen und klar definierten Routing Politik geführt wird. Außerdem verwendet auch ARIN diese Definition in der eigenen Anleitung. Eine ASN ist also kein Firmenname, sondern die Routing Identität eines Netzes.
Wir haben diesen Leitfaden für Website Betreiber, E-Commerce Verantwortliche und Entwickler geschrieben. Sie lesen auf einer Hosting Seite "wir haben ein eigenes AS" und fragen sich, was das bedeutet. Allerdings sind wir ein Team für digitales Marketing und Webentwicklung, kein Hostinganbieter. Deshalb stützen wir uns auf Standards und offizielle Dokumente und loben oder kritisieren keinen bestimmten Anbieter.
Wie sehen ASN aus und welche Nummernbereiche gibt es?
Eine AS Nummer ist eine ganze Zahl, meist mit dem Präfix "AS" geschrieben. Zunächst nutzte man 16 Bit. Später erweiterte RFC 6793 den Nummernraum auf vier Oktette (32 Bit). Deshalb sehen Sie heute kurze und lange Nummern.
Allerdings ist nicht jede Nummer öffentlich. RFC 6996 reserviert zwei Bereiche für die private Nutzung: 64512 bis 65534 für 16 Bit und 4200000000 bis 4294967294 für 32 Bit. Zudem sind diese Nummern nicht weltweit eindeutig. Eine Organisation darf sie im eigenen Netz verwenden, muss sie aber aus dem AS Pfad entfernen, bevor eine Route ins globale Internet gelangt.
Zudem gibt es einen eigenen Bereich für Dokumentation. Daher nutzen unsere Beispiele Nummern wie AS64496 und nie die Nummer eines echten Unternehmens.
- Öffentliche Nummern: Weltweit eindeutig, vergeben über die regionalen Internetregistrierungen.
- Private Nummern: Die Bereiche aus RFC 6996, nur innerhalb einer Organisation sinnvoll.
- Dokumentationsnummern: Für Beispiele und Schulungen reserviert, sie zeigen kein echtes Netz.
Was ist BGP und was leistet es für ein Netz?
BGP, das Border Gateway Protocol, ist das Routing Protokoll, das Erreichbarkeitsinformationen zwischen autonomen Systemen austauscht. RFC 4271 beschreibt BGP in der Version 4 als Routing Protokoll zwischen autonomen Systemen. Jedes Netz kündigt die eigenen IP Blöcke bei seinen Nachbarn an und bewertet die Ankündigungen, die es empfängt.
Eine BGP Ankündigung enthält außerdem einen AS Pfad, also eine Liste der autonomen Systeme, die die Route durchlaufen hat. In der Praxis nutzt ein Router diese Liste, um einen passenden Weg zu wählen und Schleifen zu erkennen. Sieht er die eigene Nummer im Pfad, lehnt er die Ankündigung ab.
Dabei ist eine Unterscheidung wichtig. Allerdings findet BGP nicht automatisch den schnellsten Weg. Stattdessen bestimmen Richtlinien der Betreiber, Verträge und Kosten die Auswahl. Ein kurzer Pfad bedeutet folglich nicht immer geringe Latenz.
Betreiber begrenzen mit Filtern zudem, wer welchen Block ankündigen darf. Ein fehlerhafter Filter kann zum Beispiel eine falsche Ankündigung weiterverbreiten. Darauf kommen wir daher weiter unten zurück.
Wo spielen AS und BGP eine Rolle, wenn Besucher Ihre Website aufrufen?
Wenn ein Besucher Ihre Domain eingibt, antwortet zuerst das DNS und liefert eine IP Adresse. Danach laufen die Pakete vom Anbieter des Besuchers über mehrere Netze zu Ihrem Hosting Netz. Jedes dieser Netze ist ein AS und leitet den Verkehr nach den Routen weiter, die es über BGP gelernt hat.
Die Erreichbarkeit Ihrer Website hängt also nicht nur vom laufenden Server ab. Sie hängt zudem davon ab, wie das Netz des Servers ans Internet angebunden ist. Hat das Hosting Netz zum Beispiel nur einen einzigen Upstream Anbieter, kann dessen Ausfall auch Ihr Netz abschneiden.
- Zunächst gibt der Besucher die Domain ein, und das DNS liefert eine IP Adresse.
- Dann sucht der Anbieter des Besuchers in seiner BGP Tabelle, welchem AS diese IP gehört.
- Danach laufen die Pakete über eine Kette von Netzen, die die Routing Politik bestimmt.
- Schließlich übergibt das Hosting Netz die Pakete an Ihren Server, und die Antwort nimmt denselben Weg zurück.
Möchten Sie die DNS Seite prüfen, zeigt Ihnen unsere DNS Abfrage die Einträge schnell. Ob Ihr Setup IPv6 unterstützt, sehen Sie im IPv6 Test.
Wer braucht eine eigene AS Nummer und wer nicht?
Zunächst beantragen Organisationen eine ASN bei einer regionalen Internetregistrierung (RIR). ARIN beschreibt die ASN als Ressource, die Netzbetreiber brauchen, um internes Routing zu steuern und Routing Informationen mit Internetanbietern auszutauschen. Voraussetzungen und Gebühren unterscheiden sich jedoch je nach Registrierung. Lesen Sie die aktuellen Bedingungen deshalb auf der Seite der jeweiligen Stelle.
RFC 1930 nennt ein klares Kriterium: Sie brauchen eine ASN, wenn Ihre Routing Politik von der Ihrer Nachbarn abweicht oder wenn Sie an mehr als einen Anbieter angebunden sind. Das Dokument betont außerdem, dass dies fast der einzige Fall ist, in dem ein Betreiber ein eigenes AS anlegen sollte. Somit braucht ein kleines Netz mit nur einem Anbieter meist keines.
In der Praxis braucht der Betreiber einer Firmenwebsite, eines Blogs oder eines Onlineshops keine ASN. Zum Beispiel verwaltet bei Shared Hosting, Cloud Servern oder einem VPS der Anbieter die Netzseite, und Sie nutzen einfach eine IP Adresse.
Also ist "ich habe keine AS Nummer" keine Lücke, sondern für die meisten Projekte der Normalfall. Außerdem hilft Ihnen dieses Wissen, Marketingaussagen richtig zu lesen.
Welche Vorteile hat ein Hostinganbieter mit eigenem AS?
Ein Unternehmen mit eigenem AS kann seine IP Blöcke und seine Routing Politik direkt steuern. Außerdem kann es sich an mehrere Upstream Anbieter anbinden. Zum Beispiel kann es bei einem Leitungsausfall den Verkehr auf eine andere verlagern. Daher ist das, richtig aufgebaut, eine echte Flexibilität für die Verfügbarkeit.
Außerdem ist ein weiterer Vorteil die Mitnahme von IP Adressen. Kündigt die Firma ihren eigenen Block aus dem eigenen AS an, bleiben die IPs oft gleich, auch wenn sie den Upstream Anbieter wechselt. Für Kunden kann das zum Beispiel Überraschungen durch IP Wechsel und DNS Wartezeiten verringern.
Zudem kann das Unternehmen auf manche Probleme reagieren, ohne auf Dritte zu warten. So kann es etwa eine unerwünschte Wegewahl mit der eigenen Politik korrigieren.
- Direkte Kontrolle über die Routing Politik.
- Anbindung an mehrere Upstream Anbieter ist möglich.
- Flexibilität beim Verschieben und Verwalten von IP Blöcken.
- Eine kürzere Wartekette bei Störungen im Netz.
Allerdings ist all das eine Möglichkeit und keine Garantie. Das tatsächliche Ergebnis hängt davon ab, wie das Netz aufgebaut ist und betrieben wird.
Wo liegen die Grenzen und Irrtümer rund um ein eigenes AS?
Der häufigste Irrtum lautet, eine AS Nummer bringe automatisch Tempo und Qualität. Doch eine AS Nummer ist nur eine Kennung. Sie sagt Ihnen nicht, wie viele Upstream Anbieter das Netz hat, wie viel Kapazität die Leitungen haben oder wie gut die Hardware ist.
Zweitens glauben viele: Ein Unternehmen mit AS besitze ein eigenes Rechenzentrum. Tatsächlich kann eine Firma Fläche in einem fremden Rechenzentrum mieten, dort ein eigenes Netz aufbauen und es unter der eigenen ASN ankündigen. Umgekehrt kann eine Firma mit eigenem Rechenzentrum ihr Netz unter dem AS eines anderen Anbieters betreiben.
Drittens liegt die Grenze im Fehler. Macht das Team hinter einem AS eine falsche Ankündigung, trifft das Problem auch andere Netze und nicht nur die eigenen Kunden. Daher braucht der Betrieb von BGP Erfahrung und Disziplin.
Viertens sind veraltete Daten eine Grenze. Denn das Land oder die Organisation in einem Register passt nicht immer zum physischen Standort. Lesen Sie ein Abfrageergebnis deshalb als Hinweis und nicht als Urteil.
Ist ein Hostinganbieter ohne eigenes AS eine schlechte Wahl?
Nein. Ein Hostinganbieter ohne AS erreicht das Internet meist innerhalb eines anderen Netzes, unter dem AS dieses Netzes. Zum Beispiel funktionieren Shared Hosting und viele VPS Angebote so, und für die meisten Websites reicht das aus.
Die eigentliche Frage lautet nicht "hat er ein AS", sondern "was garantiert mein Servicevertrag". In der Praxis zählen eine Verfügbarkeitszusage, Backups, Reaktionszeiten im Support und Sicherheitsmaßnahmen zählen oft mehr als die AS Nummer. Für diese Kriterien hilft unser Leitfaden zur Auswahl von Webhosting.
| Merkmal | Anbieter mit eigenem AS | Anbieter ohne eigenes AS |
|---|---|---|
| Routing Kontrolle | Direkt, nach eigener Politik | Hängt von der Politik des Upstream Anbieters ab |
| Mitnahme von IPs | Oft flexibler | Hängt vom Anbieter ab |
| Betriebsaufwand | BGP und Filter müssen gepflegt werden | Der Upstream Anbieter übernimmt das Netz |
| Garantie für Sie | Allein keine Garantie | Allein kein Mangel |
Die Tabelle fasst einen Unterschied zusammen, sie ist keine Qualitätsrangliste. Also lassen sich beide Modelle gut oder schlecht betreiben.
Was ist der Unterschied zwischen Marketingsprache und Realität?
Auf Hosting Seiten lesen Sie oft "eigenes Netz", "direkte Anbindung" oder "individuelles Routing". Diese Formulierungen können einen technischen Hintergrund haben, werden aber selten zu einer messbaren Zusage. Sinnvoll ist deshalb, jede Aussage in eine Frage zu übersetzen, die Sie prüfen können.
Daher zeigt die folgende Tabelle häufige Formulierungen und wie Sie sie lesen können. Sie zeigt auf kein Unternehmen, sondern gibt eine allgemeine Methode vor.
| Formulierung | Was sie technisch bedeuten kann | Wie Sie es prüfen |
|---|---|---|
| Wir haben ein eigenes AS | Die Firma hält womöglich eine ASN und einen IP Block | IP abfragen und das ankündigende AS finden |
| Mehrere Upstream Anbieter | Das AS lernt Routen von mehr als einem Nachbarn | Nachbarliste in öffentlichen BGP Werkzeugen ansehen |
| Wir betreiben unser eigenes Netz | Die Firma legt die Routing Politik fest | Im Vertrag nach Zusagen zu Netzstörungen suchen |
| Ein schnelleres Netz | Ohne Messung ohne Aussage | Latenz und TTFB aus der Region Ihrer Besucher messen |
Vor allem die letzte Zeile ist wichtig. Eine Tempo Aussage bleibt eine bloße Behauptung, solange niemand sie aus der Region Ihrer Besucher misst.
Wie fragen Sie die AS Nummer eines Hostinganbieters ab?
Zunächst ermitteln Sie die IP Adresse der Website. Danach prüfen Sie, welches AS diese IP ankündigt. Für beide Schritte brauchen Sie weder ein Konto noch besondere Rechte. Das heißt, öffentliche Register und Abfragewerkzeuge genügen.
- Ermitteln Sie die IP Adresse über die A und AAAA Einträge der Domain. Eine DNS Abfrage eignet sich dafür gut.
- Prüfen Sie die gefundene Adresse mit einem Abfragewerkzeug. Unsere IP Abfrage ist ein guter Startpunkt.
- Lesen Sie den eingetragenen Inhaber des IP Blocks beim WHOIS oder RDAP Dienst der regionalen Registrierung.
- Sehen Sie sich das ankündigende AS und seine Nachbarn in einem öffentlichen BGP Werkzeug wie bgp.he.net oder in einem Registerwerkzeug wie RIPEstat an.
Möchten Sie außerdem wissen, wem die Domain gehört, zeigt Ihnen eine WHOIS Abfrage die Domain Registrierung. Ein Domain Eintrag und ein Eintrag für den IP Block sind verschieden, verwechseln Sie sie also nicht.
Persönliche Daten müssen Sie für diese Abfragen nie eingeben. Stattdessen genügt eine Domain oder eine IP Adresse.
Welche Befehle können Sie in der Kommandozeile ausführen?
Nutzen Sie auf Ihrem Rechner ein Terminal, erfüllen die folgenden Beispiele ihren Zweck. Wir haben ausschließlich Werte für Dokumentation verwendet: die reservierte Domain example.com und die reservierte Adresse 203.0.113.10. Es steht also kein echtes Unternehmen und keine echte Adresse darin.
# IPv4 und IPv6 Adressen einer Domain ermitteln
dig +short example.com A
dig +short example.com AAAA
# Registereintrag eines IP Blocks lesen
whois 203.0.113.10
# ASN Objekt in der RIPE Datenbank lesen
whois -h whois.ripe.net AS64496Konkret liefern die ersten beiden Befehle DNS Einträge. Dann zeigt der dritte, bei welcher Registrierung der IP Block eingetragen ist, und meist auch den Inhaber. Schließlich liest der vierte das Objekt der angegebenen ASN aus der RIPE Datenbank.
Das Ausgabeformat unterscheidet sich je nach Registrierung, und auch die Feldnamen können abweichen. Lesen Sie die Ausgabe deshalb Zeile für Zeile und nehmen Sie bei unbekannten Feldern nichts an.
Außerdem lesen diese Befehle nur. Sie ändern also nichts auf Ihrem Server. Trotzdem sollten Sie sie nur für das eigene Netz oder für öffentliche Einträge nutzen.
Worauf sollten Sie im Abfrageergebnis achten?
Konzentrieren Sie sich auf drei Dinge: den AS Namen mit der Organisation, die angekündigten IP Blöcke und die Nachbarnetze. Zunächst zeigen Name und Organisation, wer das Netz betreibt. Danach zeigen die angekündigten Blöcke, welche IP Bereiche die Firma nutzt.
Zudem gibt die Nachbarliste einen groben Eindruck, aus wie vielen Richtungen das Netz angebunden ist. Viele Nachbarn können ein gutes Zeichen sein, belegen die Qualität aber nicht allein. Kapazität und Betriebsqualität sehen Sie hier nämlich nicht.
Beachten Sie außerdem ein paar Punkte:
- Das eingetragene Land entspricht nicht genau dem physischen Standort eines Servers.
- Der Name der Organisation kann von der Hosting Marke abweichen, und eine Unternehmensgruppe kann ein AS teilen.
- Steht die Website hinter einem CDN oder einem Reverse Proxy, gehört das angezeigte AS zur vorderen Schicht und nicht zum Ursprungsserver.
- Eine Abfrage ist eine Momentaufnahme, und die BGP Tabelle ändert sich ständig.
Allerdings übersehen viele den dritten Punkt. Liegt Ihre Website zum Beispiel hinter einem CDN, zeigt das Ergebnis womöglich das Netz des CDN und nicht die Hosting Firma.
Sagen RPKI und die Prüfung von Routen etwas über einen Hostinganbieter?
RPKI hält fest, welches AS einen IP Block ankündigen darf. Konkret beschreibt RFC 6811 drei Zustände für eine Ankündigung: gültig, ungültig und nicht gefunden. Erstens heißt gültig, dass ein Eintrag zur Ankündigung passt. Zweitens heißt ungültig, dass ein Eintrag das Präfix abdeckt, das ankündigende AS aber nicht dazu passt.
Das RFC sagt zudem offen, dass der Mechanismus nur begrenzten Schutz bietet. Es versteht ihn eher als Schutz vor Fehlkonfiguration als als Sicherheit im strengen Sinn. Er prüft also nur den Ursprung einer Ankündigung, nicht den gesamten AS Pfad.
Deshalb ist für die Wahl eines Hostings der Wert dieser Information begrenzt, aber real. Zum Beispiel deutet ein RPKI Eintrag für die IP Blöcke des Anbieters darauf hin, dass die Firma auf saubere Routen achtet. Ein fehlender Eintrag heißt dagegen nicht automatisch schlechten Betrieb.
Behandeln Sie RPKI deshalb als zusätzliches Signal und nicht als einziges Kriterium.
Eine einzige Frage genügt: "Haben unsere IP Blöcke RPKI Einträge?" Also spricht eine kurze, klare Antwort für ein Team, das sich mit dem Thema befasst. Fällt die Antwort vage aus, stellen Sie die Frage schriftlich noch einmal und legen Sie die Antwort in Ihrem Support Ticket ab.
Was bedeuten BGP Fehler und falsche Ankündigungen für Ihre Website?
Kündigt ein Netz einen IP Block an, der ihm nicht gehört, versehentlich oder absichtlich, kann ein Teil des Verkehrs an die falsche Stelle laufen. Man spricht dann von einem Route Leak oder einem Hijack. Je nachdem, wie weit sich die Ankündigung verbreitet, zeigt sich das so, dass Ihre Website aus manchen Regionen nicht erreichbar ist.
Solche Ereignisse kommen im Internet von Zeit zu Zeit vor. Wir nennen hier jedoch weder einen bestimmten Vorfall noch eine Firma. Entscheidend ist, wie es sich anfühlt: Ihre Website läuft auf dem Server einwandfrei, und trotzdem melden einige Nutzer, sie öffne sich nicht.
Was Sie in diesem Fall selbst tun können, ist begrenzt. Bestätigen Sie zunächst, dass das Problem wirklich aus dem Netz kommt. Testen Sie dazu den Zugriff aus verschiedenen Regionen und Netzen. Danach melden Sie es Ihrem Hostinganbieter als Netzstörung.
Die Behebung liegt beim Netz, das die Ankündigung gemacht hat, und bei dessen Upstream Anbietern. Sie sammeln also die Belege zum Zugriff und geben sie weiter.
Bereiten Sie außerdem Ihren Backup und Störungsplan vor. Unser Leitfaden zur Website Backup Strategie hilft Ihnen dabei.
Was ist MANRS und hilft es bei der Wahl eines Hostings?
MANRS ist eine Initiative, die Maßnahmen für die Routing Sicherheit von Netzbetreibern festlegt. Für Netzbetreiber gibt es vier Kernmaßnahmen: Ankündigungen filtern, gefälschte Absenderadressen verhindern, aktuelle Kontaktdaten pflegen und Daten veröffentlichen, damit andere sie prüfen können.
Diese Maßnahmen beschreiben das Verhalten eines guten Nachbarn im Netz. Ist eine Hosting Firma Teilnehmerin bei MANRS, hat sie zumindest öffentlich erklärt, dass sie diese Praktiken übernimmt. Das ist allerdings kein Zertifikat und keine Qualitätsgarantie. Teilnahme und Umsetzung sind außerdem zwei verschiedene Dinge.
Notieren Sie die Teilnahme daher als Pluspunkt, setzen Sie sie aber nicht an die Stelle der Zusagen in Ihrem Vertrag. Auch eine Firma außerhalb der Initiative kann dieselben Praktiken anwenden.
Behalten Sie eine Frage im Kopf: Wie steuert die Firma die Routing Sicherheit konkret? Eine klare Antwort ist ein gutes Zeichen.
Beeinflussen AS und BGP SEO und Werbeleistung?
Indirekt ja, direkt nein. Uns ist keine Aussage in der Dokumentation von Google bekannt, die die AS Nummer als Rankingsignal nennt. Der Einfluss entsteht über Antwortzeit und Verfügbarkeit. Ist der Netzweg lang oder instabil, steigt die Zeit bis zum ersten Byte, und die Nutzererfahrung leidet.
Den Einfluss von Tempo auf das Ranking erklären wir in unserem Beitrag zu Ladezeit und SEO. Zu den Kennzahlen lesen Sie unseren Leitfaden zu Core Web Vitals. Zum Messen eignet sich ein Lighthouse Test.
Auch bei Werbung ist der Einfluss indirekt. Lädt eine Landingpage langsam oder fällt sie zeitweise aus, kann Werbebudget verpuffen. Die Entscheidung für Hosting und Netz gehört also zum Marketingbudget.
Denken Sie Hosting und Infrastruktur deshalb zusammen mit SEO. Unsere SEO Beratung prüft die technische Seite gemeinsam mit Ihnen.
Welche Fragen zum Netz sollten Sie bei der Hostingwahl stellen?
Die Fragen an einen Anbieter sind nützlicher als "haben Sie ein eigenes AS". Die folgende Liste gibt Ihnen einen konkreten Rahmen, um Antworten zu vergleichen. Ein Unternehmen, das klar und schriftlich antwortet, arbeitet meist transparenter.
- Wie lautet Ihre Verfügbarkeitszusage, und was passiert bei Verstößen?
- Wie und wie schnell informieren Sie Kunden bei Störungen im Netz?
- Ist Ihr Netz an mehr als einen Upstream Anbieter angebunden, und wie kann ich das prüfen?
- Bieten Sie IPv6 an?
- Haben Ihre IP Blöcke RPKI Einträge?
- Wie kann ich die Latenz aus der Region meiner Besucher messen?
Keine dieser Fragen soll ein Unternehmen ausschließen. Ziel ist stattdessen, einen Anbieter zu finden, der zu Ihrer Last passt. Für die IPv6 Frage gibt Ihnen der IPv6 Test eine schnelle Antwort.
Vergessen Sie außerdem die sichere Verbindung nicht. Unser Leitfaden zum SSL Zertifikat erklärt diesen Teil.
Wie messen Sie Latenz und Weg selbst?
Der ehrlichste Weg, die Netzqualität zu beurteilen, ist das Messen. Zwei einfache Befehle im Terminal genügen. Der eine zeigt die Latenz, der andere die Netze, die die Pakete durchlaufen. Wir nutzen unten die reservierte Domain example.com.
# Latenz mit fünf Paketen messen
ping -c 5 example.com
# Netze auflisten, die die Pakete durchlaufen
traceroute example.comPing liefert die mittlere Latenz und den Paketverlust. Traceroute listet dagegen pro Schritt einen Router auf, und die Namen aus der Rückwärtsauflösung deuten oft an, welches Netz Sie gerade durchqueren. Manche Router antworten nicht, deshalb wirken einzelne Zeilen leer. Das allein ist kein Problem.
Wiederholen Sie die Messung möglichst aus der Region Ihrer Besucher und zu verschiedenen Zeiten. Eine einzelne Messung ist nur eine Momentaufnahme. Zudem beeinflusst Ihr eigener Anschluss das Ergebnis, halten Sie die Bedingungen beim Vergleich also gleich.
Für ein Ergebnis auf Seitenebene zeigt ein Lighthouse Test die Wirkung im Browser. Netzmessung und Seitenmessung zusammen ergeben also das gesündere Bild.
Was unterscheidet eine ASN, einen IP Block und eine Domain?
Diese drei Begriffe werden oft verwechselt. Zunächst ist eine Domain der lesbare Name, den das DNS in eine IP Adresse auflöst. Außerdem ist eine IP Adresse die Adresse eines Geräts im Netz. Schließlich ist eine ASN die Kennung, die zeigt, zu welcher Netzverwaltung diese Adressen gehören.
Zum Beispiel zeigt eine Domain auf eine IP. Diese IP liegt in einem IP Block, und ein AS kündigt den Block an. Die Kette führt also von der Domain zur IP, von der IP zum Block und vom Block zum AS. Jedes Glied kann einen eigenen Eintrag und einen eigenen Inhaber haben.
Diese Unterscheidung zählt bei jeder Abfrage. Die Domain gehört womöglich Ihnen, den IP Block hält eine Hosting Firma, und das AS betreibt eine dritte Organisation. Deshalb steht in einem WHOIS Ergebnis nicht immer derselbe Name.
- Domain: Ein lesbarer Name, den das DNS auflöst.
- IP Adresse und Block: Die Adresse im Netz, der Block ist einem Anbieter zugeteilt.
- ASN: Die Routing Identität des Netzes, das den Block ankündigt.
Wann sollten Sie es nicht selbst tun und Ihrem Hostinganbieter überlassen?
Für eine gewöhnliche Website oder einen Onlineshop müssen Sie weder eine eigene AS Nummer beantragen noch BGP betreiben. Das fehlerfrei zu tun, erfordert Netzwissen, Überwachung rund um die Uhr und Beziehungen zu Upstream Anbietern. Eine falsche Ankündigung kann außerdem nicht nur Sie, sondern auch andere treffen.
In diesen Fällen überlassen Sie die Arbeit Ihrem Hostinganbieter:
- Ihre Website läuft auf einem einzelnen Server oder auf Shared Hosting.
- Ihr Team hat keine Erfahrung im Netzbetrieb.
- Sie vermuten ein Routing Problem. Ihr Teil ist die Diagnose, die Behebung übernimmt der Anbieter.
- Sie möchten einen IP Block ankündigen oder verschieben. Sprechen Sie zuerst schriftlich mit dem Anbieter.
Selbst tun können Sie nur das Lesen und Prüfen: die IP finden, den Eintrag lesen und den Zugriff aus verschiedenen Regionen messen. Dadurch werden Sie zu einem besser informierten Kunden, und das Gespräch mit dem Anbieter fällt leichter.
Sind Sie eine größere Organisation und wollen eine eigene Infrastruktur aufbauen, arbeiten Sie zuerst mit einem Team zusammen, das auf Netzbetrieb spezialisiert ist.
Wie treffen Sie am Ende die Entscheidung?
Eine AS Nummer ist die Identität eines Netzes und kein Qualitätssiegel. Ein Unternehmen mit eigenem AS kann Flexibilität und Kontrolle bieten, muss das aber gut betreiben. Eine Firma ohne AS kann trotzdem zuverlässig sein und für die meisten Websites genügen.
Entscheiden Sie in drei Schritten. Erstens klären Sie Ihren Bedarf: Wo leben Ihre Besucher, und wie viel Ausfall können Sie hinnehmen? Zweitens übersetzen Sie die Aussagen des Anbieters in prüfbare Fragen und verlangen schriftliche Antworten. Drittens messen Sie selbst, nämlich Latenz und TTFB aus der Region Ihrer Besucher.
Wir haben in diesem Leitfaden keine Firma gelobt oder kritisiert, denn die richtige Wahl hängt von Ihrer Last ab. Möchten Sie Infrastruktur, SEO und Werbung gemeinsam durchdenken, unterstützt Sie unser Webdesign und Entwicklung dabei.
Als Quellen empfehlen wir diese Dokumente: RFC 1930, RFC 4271, RFC 6996, RFC 6811, die ARIN Anleitung zur ASN und die MANRS Maßnahmen für Netzbetreiber.



